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I
o
'^«ÄA^y'
(SoJ^yyM^
*U»Ov>».
Papyros Ebers.
Das
I älteste Buch über Heilkunde.
Aus dem Aegyptischen zum erstenmal
vollständig übersetzt
von
Dr. med. H. Joachim^
praet Arat in Berlin.
Berlin.
Di^ck und Verlag von Georg Reimer.
1890.
Alle Rechte vorbehalten.
Seinem treuen Berather
Herrn Prot Dr. Lieblein in CMstiania
■ ta dankbarer Yerehrang
gewidmet.
1^
Vorwort.
Bei der Abfassung dieses Buches , das hauptsächlich
für das ärztliche Publikum bestimmt ist, war es mein
Hauptbestreben, dem Leser eine möglichst wörtliche Ueber-
setzung zu liefern. Das unbedingte Festhalten an einer
wortgetreuen Uebertragung erschien mir um so mehr noth-
wendig, als gar manche Worte und Stellen unseres Papyrus
biaher unklar sind. Auf diese Weise soll dem Leser eine
eventuelle Mitarbeiterschaft; ermöglicht werden, insofern er
nunmehr selbst in der Lage ist, die unsicheren Stellen,
— die durch ein Fragezeichen oder eine dahingehende
Bemerkung kenntlich gemacht sind — zu prüfen und
eventuell zu erklären. Um ihm das zu erleichtem, habe ich
in den Anmerkungen die Grundbedeutung der unklaren
Worte angegeben, bisweilen auch, wo es mir möglich war,
selbst eine Erklärung versucht. Dass einer solchen lieber-
Setzung — noch dazu aus dem Aegyptischen ins Deutsche
— hinsichtlich des Ausdruckes gar manche Mängel an-
haften, ist wohl nicht zu verwundern; es liegt das eben
in der Sache selbst, und ich bitte deshalb bei der Beur-
theilung um gütige Nachsicht.
Es bedarf einigermaassen der Erklärung, dass ich als
Arzt mit einer Uebersetzung des Papyrus Ebers hervor-^
— VI —
trete. Als ich vor mehreren Jahren anfing, mich mit der
Medicin der alten Aegypter zu befassen, vermisste ich vor
allem eine Uebersetznng der bereits au^efundenen medicioi-
sehen Papyri; denn vas uns die griechiscbeo und römi-
schen Schriftsteller über die Medicin dieses alten Ealtnr-
volkes überliefert haben, ist doch nur sehr geringfügig. Je
länger ich mich mit diesen Papyri speciell mit dem
Papyrus Ebers, aber den wir ja durch Ebers noch ver-
hältnissmiissig die meisten Nachrichten haben, beschäftigt«,
um so dringender hegte ich den Wunsch, dieses alte,
werthvolle Schriftstücli selbst zu verstehen und eventuell
auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen. So fing ich
selbst an, die ägyptische Sprache zu studiren, und war
nach läi^erem Studium grammatisch so weit vorgebildet,
das» ich an eine Uebertrf^;ung dieses Papyrus herangehen
konnte. Die Schwierigkeiten, die dabei zu fiberwinden
waren, waren ungemein gross; indessen das Interesse,
das der Inhalt bot und die Ermunterung und Unter-
stützung, die mein Vorhaben von vielen Seiten erfuhr,
halfen über manche Mühen und Arbeiten hinweg.
Ich kann dieses Vorwort nicht schliessen, ohne meines
treuen Berathers und Mitarbeitets , des Herrn Professor
Lieblein in Christiania zu gedenken. Derselbe, A^pto-
loge an der dortigen Universität, hat mir nicht nur seine
vor längerer Zeit veröffentlichten Auszöge aus dem Papyrus
Ebers in uneigennützigster Weise zur Verfügung gestellt,
sondern mich auch sonst bei der Uebersetznng mit Rath
nnd That unterstützt Ich sage ihm dafür auch von dieser
Stelle aus im Namen unserer Wissenschaft meinen ver-
bindlichsten Dank. Dank auch Herrn Stud. Spiegelberg,
der mich bei der Entzifferung einiger schwieriger Stellen
in bereitwilligster Weise unterstützt hat.
— VII -
Zusätze von Prof. Lieblein sind darch den Buch-
staben L. angedeutet.
Statt x^t'-Pflanze ist durch die ganze Uebersetzung
Xet-Pflanze zu lesen.
Zur Orientirung des Lesers habe ich eine kurze Ein-
leitung der Uebersetzung vorangeschickt; in derselben ist
auch die Erklärung einiger ägyptischer Erankheitsnamen
versucht worden. Ein angefügtes Register soll die Be-
nutzung dieses Buches erleichtern.
Wenn ich mit dieser Arbeit zur Anregung des Stu-
diums der Geschichte der Medicin auch in weiteren ärzt-
lichen Kreisen beitragen wurde, wäre meine Absicht voll-
kommen erreicht.
Berlin, Ende September 1890.
Heinrich Joachim.
Einleitung.
Der oDgeahnte Aufschwung, den die altagypüsche Forschung
in unserem Jahrhundert genommen hat, ist auch für die Kenntniss
der Medicin dieses ehrwürdigen Kulturvolkes nicht ganz ohne
Wirkung gehlieben. Wir sind nicht mehr wie vordem auf die
wenigen, sehr dürftigen und ungenauen Angaben griechischer
und römischer Schriftsteller angewiesen, sondern sind heut in
der Lage, aus erster Quelle zu schöpfen und können uns so
aus den Originalschriften — man nennt diese bekanntlich nach
dem Material, auf dem sie geschrieben sind, Papyri — ein un-
gefähres Bild von den medicinischen Leistungen dieser Nation
machen.
Derartiger, mehr oder minder werthvoller, medicinischer Pa-
pyri besitzen wir bereits eine ganze Reihe ; doch sind sie für uns
Aerzte bis jetzt ein Buch mit sieben . Siegeln geblieben. Die
wichtigsten von ihnen sollen hier kurz besprochen werden.
1. Das Berliner Museum besitzt einen grösseren und
einen kleineren Papyrus Brugsch. Der erstere stammt aus
dem 14. Jahrhundert v. Chr., besteht aus 21 Seiten und
ist (von Passalacqua entdeckt) von Brugsch herausgegeben
worden*). Bisher ist er noch nicht übersetzt, doch besitzen
wir von verschiedenen Aegyptologen genauere Mittheilungen
über ihn').
*) Recueil de Monuments egyptiens. Abth. IL, Tafel 85 — 107.
*) a. BrugjLciu Allgemeine Monatsschr. für Wissensch. und
Litteratur vom Jahre 1853, S. 44 — 56.
b. Brugsch. „Notice raisonnee d'un traite medical datant du
XlVi^me si^cle avaut nofre "ere et contenu dans un papyrus hi^ra-
tique du mus^e royal de Berlin.^ Leipzig 1863.
— IX -
Der kleinere medicinische Papyras besteht ans 15 Seiten;
über ihn wissen wir vorlänfig nichts.
2. Der Papyrus des British Mnsenm; er ist 18 cm
breit nnd 2,5 m lang und stammt wahrscheinlich aus der Zeit
der 18. Dynastie. Er ist bis heut noch nicht einmal edirt und
von seinem Inhalt wissen wir daher auch heute noch so gut
wie nichts. Eine kurze Notiz über ihn findet sich in einem
von dem englischen Aegyptologen S. Birch ^) herrührenden
Artikel.
3. Ausserdem finden sich Texte von magisch -medicini-
schem Inhalt im Museum zu Leyden, Turin, Boulaq und Paris;
doch sind sie für die Eenntniss der alt-ägyptischen Medicin nur
von geringem Belang.
4. Der Papyrus Ebers, der jetzt in der Leipziger Uni-
versitätsbibliothek aufbewahrt wird. Er übertrifft durch den
Reichthum seines Inhalts, seine Vollständigkeit und Fehlerlosig-
keit an Wichtigkeit alle anderen medicinischen Papyri; er ist
der grösste, am schönsten geschriebene und am besten erhaltene
medicinische Papyrus und wurde von Ebers im Winter 1872/73
bei seinem Aufenthalt in Aegypten von einem Bürger in Luqsor
erworben.
Er ist 30 cm hoch und 20,23 m lang; von Ebers ist er
im Jahre 1875 in eleganter Ausstattung herausgegeben und so
auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht worden^). Abgefasst
ist er in hieratischer') Schrift und besteht aus 108 Seiten; auf
c. Chabas. „La raedecine des anciens Egyptiens; anti<luite
des clystSres;" signes de lagrossesse.* ITelanges egyptologiques.
PErtrTB62, S. 55-79.
d. LePageRenouf. Zeitscbr. für ägypt. Sprache und Alter-
tbumskunde. 1873, S. 123—125. [Ein in dem genannten Papyrus
beschriebenes Schwangerscbaftszeichen findet sieb, wie R. zuerst ge-
fimdenTiat, wortgetreu beT Hippocrates.]
^) ZeitschfT'ffir ägypt. Sprache und Alterthumskunde. 1871,
S. 61-64.
^ „Papyros Ebers. Das bermetiscbe Buch über die Arznei-
mittel der alten Aegypter in hieratischer Schrift. Herausgegeben
mit Inhaltsangabe und Einleitung yerseben von Georg Ebers.
Mit bieroglypbiscb ' lateinischem Glossar von Ludwig Stern.*'
2 Bände. Leipzig. 1875.
') Man bat bei den Aegyptem 3 Schriftarten zu unterscheiden:
1. Die hieroglyphiscbe; sie ist die älteste und findet sich
vorzugsweise auf Monumenten und in Texten religiösen Inhalts.
2. Die hieratische, die schon sehr früh aus der Abkürzung
— X —
jeder Seite stehen — mit wenigen Ausnahmen — 20 bis 22 Zeilen.
Wohl durch ein Versehen des Schreibers ist bei der Nummeri-
mng die Zahl 28 und 29 übergangen worden, so dass auf
Seite 27 — ohne Unterbrechung des Textes — unmittelbar
Seite 30 folgt; die letzte Tafel des Papyrus schliesst also nicht
mit 108, sondern mit der Zahl 110.
Auf der Rückseite der ersten Tafel findet sich ein Kalender,
aus dem £bers die Entstehungszeit der Handschrift zu bestim-
men versuchte. Dieser Kalender, und besonders der auf dem-
selben genannte König Ba-gerh-Rä*), hat der Entzifferung
grosse Schwierigkeiten bereitet; Ebers hat aus den in dem-
selben gemachten Zeitangaben die Abfassung des Papyrus auf
die Jahre 1553 — 1550 v. Chr. verlegt. „Mit einer an Gewiss-
heit grenzenden Wahrscheinlichkeit", sagt er in der Einleitung ')
zu seinem Papyrus und hält diesen Ausspruch auch in seiner
vorjährigen Abhandlung*) über die Augenkrankheiten aufrecht,
„darf behauptet werden, dass Papyroji Ebers in dec Jutta des
1 6^ Jahrhunderts v^Chr^geschrieben worden sei". Ob er auch
in dieser Zeit entstanden ist, ist eine Frage, auf die wir weiter
unten zurückkommen werden.
Was haben wir unter dem Papyrus Ebers zu verstehn?
Sein Herausgeber erklärt ihn für das von Clemens Alexan-
drinus erwähnte Buch irspl ^apixaxoDV und hält diese Meinung
auch in der eben genannten, jüngsten Arbeit über seinen Papyrus
aufrecht. Bekanntlich berichtet Clemens Alexandrinus*), der
im 2. Jahrhundert p. Chr. lebte und als einer der besten Kenner
Aegjptens zu betrachten ist, dass dort 42 hermetische *) Bücher
bestanden hätten, von denen 36 über Philosophie, die übrigen
6 aber über Medicin handelten und folgendermaassen lauteten:
der bieroglyphischen Zeichen von den heiligen Schreibern gebildet
wurde; man bediente sich ihrer fast ausschliesslich beim Schreiben
auf Papyrus.
3. Die demotische (Volksschrift), die erst aus der Ab-
karzun? des Hieratischen entstanden ist; sie ist nicht vor dem
8. Jahrhundert v. Chr. in Gebrauch gewesen.
^) Nach Ebers. Op. cit. Einleitung. S. 8. Bi^eris, der 6. (?)
König der 4. Dynastie.
«) Seite 3.
^ Papyros Ebers. Die Maasse und das Kapitel über die
Augenkrankheiten. Von Georg Ebers. Leipzig. 1889.
<) Stromata. Lib. VI. S. 758. Edid. Potter.
*) D. h. dem Gotte Thoth (Hermes) geweiht.
— XI —
1) irepl ttJ? toü acujiaToc xataaxeoTjC
2) icepl ve5aa)V.
3) icepl Jp^avcov.
4) itepl 9app.ax(ov.
5) ircpl ö(pöaX[AÄv.
6) Trepl T&v ^üvatxftüv (voacov).
Diese Ansicht des gelehrten Forschers, dass der Papyrus
Ebers also das von Clemens Alexandrinus genannte Buch
irepl cpap}Aaxtt>v sei, kann ich durchaus nicht theilen. In einem
so betitelten Werke sucht der Arzt eine Abhandlung über die
einzelnen Arzeneimittel , ihre Wirkung, ihre Anwendung, ihre
schädlichen Folgen etc. Dein entspricht der Inhalt des Pa-
pyrus keineswegs; er handelt vielmehr von Organ-, besonders
Magen-Krankheiten, von Augen-, Frauen-Krankheiten und vom
Bau des menschlichen Körpers. Ich glaube daher, dass
wir unter dem Papyrus Ebers eine Art medicinisches
Compendium zu verstehn haben; dass er damit an seinem
Ansehn und seiner Wichtigkeit, insbesondere fur die Geschichte
der Medicin nichts verliert, bedarf wohl kaum der Erwähnung.
Hieran schliesst sich unmittelbar die Frage, ob unser Pa-
pyrus eine Originalprodnction sei. Lepsius'} und mit ihm
wohl die meisten Aegyptologen erklären ihn fur eine blosse
Abschrift. Auf die Grunde, die der gelehrte Forscher für seine
Ansicht angeführt hat, soll hier nicht weiter eingegangen werden.
Dass wir aber in der That in dieser Handschrift nur eine Copie
vor uns haben, dafür lassen sich ans dem Papyrus selbst po-
sitive Beweise erbringen. An einigen Stellen, nämlich Tafel 18,
Zeile 1; Tafel 89, Zeile 1 und Tafel 90, Zeile 3, finden wir
mitten im Text mit rother Tinte die Worte qem-sen = „ge-
funden zerstört". Was soll dieser Ausspruch in einem Original-
werk? Femer finden sich einige Abschnitte, mit nur geringen
Varianten, wiederholt; vergleiche hierzu
Tafel 37, Zeile 10 bis Tafel 38, Zeile 3 und Tafel 38, Zeile 10
bis Tafel 39, Zeile 2; Tafel 25, Zeile 3-8 und Tafel 52, Zeile 1-7.
Ausserdem kehren — durchaus nicht selten — dieselben Re-
cepte an verschiedenen Stellen und für verschiedene Leiden wieder.
Die Art und Weise, wie diese Handschrift entstanden ist,
kann man sich mit Ebers') am besten so erklären, „dass
») Zeitschr. f. -ägypt. Spr. und Alterthumsk. 1875. S. 148.
^ Cfr. Einleitung. S. 15.
— XII —
nnser Hierogrammat verschiedene kleinere Schriften zu einer
zu verbinden hatte und ohne auf den Sinn zu achten, abschrei-
bend, einige Stucke von gleichem Inhalte copirte^ und, wie wir
hinzufügen wollen, etwa in diesen Schriften vorhandene Lücken
eben durch das oben erwähnte „qem-sen^ bemerkbar machte.
Der Papyrus ist sicher benutet worden; kleine Ungenauig-
keiten im Text sind, wie ich vermuthe, nachträglich beim Ge-
brauch, bisweilen sogar, wie man deutlich unterscheiden kann,
mit blasserer Tinte, als mit der der Papyrus geschrieben ist,
häufig verbessert worden. Am Rande der Tafeln finden sich bis-
weilen kurze Bemerkungen; so ist — wahrscheinlich von einem
späteren Benutzer —. am Rand von Tafel 40 mit blasser, vom
Original abweichender Tinte dreimal das Wort „nefr = gut**
hinzugefügt; auf Tafel 41 finden sich am Rande die Worte
„nefr är = gut zu bereiten**.
Was nun das eigentliche Alter des Papyrus betrifft, so
glaube ich nicht, ob es jemals gelingen wird, dasselbe annähernd
zu bestimmen. Derselbe ist ja, wie wir oben erörtert haben,
aus verschiedenen kleineren Schriften zusammengesetzt, und es
ist damit wohl auch die Annahme begründet, dass die einzelnen
Theile, die den Papyrus bilden, ganz verschiedenen Zeitepochen
angehören. Dafür spricht in mancher Beziehung auch das gram-
matische Studium unserer Handschrift. Dass einzelne Abschnitte
ein besonders hohes Alter haben und in ihrer Entstehung viel-
leicht bis in die graue Vorzeit hineinreichen, ist mir nicht
zweifelhaft. Hierher rechne ich z. B. Tafel 46, Zeile 10 bis
Tafel 47, Zeile 10; Tafel 47, ZeUe 12; Tafel 66, Zeüe 15—18
und Tafel 103, Zeüe 1—3.
Fassen wir das Resultat unserer allgemeinen Betrachtungen
kurz zusammen, so darf wohl mit Recht behauptet werden,
dass wir in dem Papyrus Ebers eine Art medicinisches
Compendium oder Sammelwerk vor uns haben, das
spätestens um 1550 v. Chr^ niedergeschrieben ist, das
aber in seinen ein^^Jnen, Theilen verschiedenen, mehr
oder weniger älteren Zeitepochen apgehört.
W"enn"wir uns nach diesen allgemeinen Bemerkungen zum
Inhalt des Papyrus wenden, so sind es zunächst die Maasse
und Gewichte, die unsere Aufmerksamkeit in Anspruch neh-
men. Ich kann mich über diesen Gegenstand um so kürzer
fassen, zumal wir darüber etwas Sicheres noch nicht wissen.
Auch die von Ebers im vorigen Jahre veröffentlichte Abband-
— XIII —
lung über die Maasse und Gewichte im Papyrus Ebers hat
uns darüber noch nicht volle Klarheit gebracht; so geistreich
auch die Bemerkungen des gelehrten Forschers über diesen
Punkt sind — und er hat sich darüber mit gewohntem Scharf-
sinn sehr eingehend geäussert — , so ist ein vollgültiger Beweis
iür seine Auffassung noch nicht erbracht. Verschiedene be-
deutende Aegyptologen , wie Lieblein in Christiania und Er-
man an der hiesigen Universität, meinten, dass die von Ebers
gegebene Erklärung bis jetzt nichts weiter sei als eine allerdings
ausserordentlich geistreiche Hypothese.
Was die Umschrift betrifft, so bin ich dabei den Inten-
tionen meines treuen Berathers, des Prof. Lieblein in Chri-
stiania, gefolgt.
Das ägyptische Alphabet:
1. '^ = a 4. \\ = i
= I
2. q = ä 5.
3. a = ä 6
7
8.
J = b 10. ^, £= = m 13. ra = h
■ = p 11. www = n 14. y = h
9. H-^ = f 12. <r> = r 15. 0 = X
16. -Hl-, n = s 19. ^ = q 22. o = t
17. csa = s 20. ^^z^ = k 23. 8=3, \^ ^
18. ]ßg =s 21. S = g 24. c:=-, = d
25. "^ =t\
Von Vocalen^) kennt also die Hieroglyphenschrift nur
a, i und u; wo in der Uebersetzung andere gebraucht werden,
*} D. h. Vocalen in unserem Sinne.
— XIV —
geschah es lediglich in der Absicht, die Aussprache des be-
treffenden Wortes zu ermöglichen. So werden häufig ,,besbes-
Kömer** ^ Fenchel verordnet; im ägyptischen Text heissen sie
nur ,,bsbs^; nur um das Wort aussprechen zu können, sind
die genannten Vocale eingefügt.
Die Bezeichnung der ägyptischen Worte ist, um auch das
hier wenigstens kurz zu erwähnen, eine sehr genaue; zu einer
Gruppe von Zeichen, die zusammen die Laute des gesprochenen
Wortes ausdrucken, pflegt ein Bild zu treten, das den Gegen-
stand näher charakterisiren soll; das ist das sogenannte Deter-
minativ um. So heisst z. B. die Sycomore ägyptisch: neht,
geschrieben mit dem Bild des Baumes; der Wein: ärp mit einem
Krug als Bestimmungszeichen. Es liegt auf der Hand, dass
dadurch die Erklärung der einzelnen ägyptischen Worte unge-
mein erleichtert wird.
Diese erläuternden Bemerkungen glaubten wir zur Orien-
tirung des Lesers voranschicken zu müssen; wer sich über den
Papyrus, seine Herkunft etc. genauer unterrichten will, sei hier-
mit auf die oben erwähnten Arbeiten von Ebers*) verwiesen.
Um den fortlaufenden Text der Uebersetzung nicht durch
längere Auseinandersetzungen zu unterbrechen, sollen einige
ägyptische Namen bereits an dieser Stelle erklärt und commen-
tirt werden; in der Uebersetzung selbst wird an den betreffen-
den Stellen unter der Bezeichnung „cfr. Einleitung^ auf diese
Bemerkungen verwiesen werden.
1. Die äaä-Erankheit = Chlorosis aegyptiaca.
In der ersten Hälfte unseres Papyrus wird unter diesem
Namen eine Krankheit häufig erwähnt, die — aus der grossen An-
zahl der für dieses Leiden angegebenen Recepte zu schliessen —
im alten Aegypten eine grosse Verbreitung gehabt haben muss;
auch im Papyrus Brugsch finden wir sie wieder. Zahl-
reiche Vermuth ungen sind bereits über ihre Natur — meist
jedoch von Aegyptologen — geäussert worden, ohne dass es
bisher gelungen wäre, eine befriedigende Erklärung dafür zu geben.
*) a. Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzenei-
mittel der alten Aegypter in hieratischer Schrift. Bd. I. Eiuleitung.
Leipzig 1875.
b. Die Maasse und das Kapitel über die Augenkrankheiten.
Leipzig 1889. Cfr. Hirschberg. ^Ueber die Augenheilkunde der
alten Aegypter.* Leipzig. 1890.
— XV —
Um eine genauere Bestimmang zu treffen, stellte ich zu-
nächst alle diejenigen Stellen unseres Papyrus zusammen, an
denen die äaä- Krankheit beschrieben und erwähnt wird. Es
wurde zu weit führen, diese Zusammenstellung an dieser Stelle
zu wiederholen; Jeder, der die Uebersetzung zur Hand nimmt,
ist ja durch das angefugte Register sehr leicht im Stande, diese
Stellen in Kürze zu sammeln. Anfanglich glaubte ich aus dem
ganzen Bilde — es handelt sich, wie in der Handschrift aus-
drücklich erwähnt wird, um eine Krankheit des Leibes — auf
eine cholera- oder ruhrartige Erkrankung schliessen zu können,
um so mehr als ja grade die Dysenterie in südlichen Ländern,
speciell in Aegypten, auch heut noch ungemein häufig auftritt.
Dagegen sprach allerdings gar mancherlei. Ich will hier auf
die vielen Bedenken nicht weiter eingehn; nur zwei Punkte
sollen in aller Kürze angeführt werden. Die alten Aegypter
waren vorzügliche Beobachter und es wäre doch auffallend, dass
sie in der Bezeichnung das markanteste Symptom der beiden
genannten Krankheiten, nämlich die Diarrhoe, ganz unberück-
sichtigt gelassen haben sollten. Weiter aber schloss ich aus
der bei diesem Leiden nicht selten erwähnten Verordnung „gleich
nach dem Zubettgehen einzunehmen^, dass der Patient dabei
nicht bettlägerig war — was ja bei Cholera und acuter Dysen-
terie selbstverständlich ist — , dass es sich mithin um eine
— wie wir heute sagen würden — chronische Krankheit ge-
handelt hat. Damit waren von vornherein Cholera und Ruhr
absolut auszuschliessen.
Nun ergab aber andrerseits eine genauere Untersuchung
aller derjenigen Stellen, an denen das genannte Wort vorkommt,
dass die Jaä-Krankheit ohne Zweifel mit Würmern in Verbin-
dung zu bringen ist, eine Ansicht, die vor mir schon Sc heu t-
hauer') ausgesprochen hat. Die betreffende Stelle findet sich
auf Tafel 19 des Papyrus; dort') wird ein vorzügliches Mittel
zum Gebrauch für den Leib eines Kranken verordnet, „der in
seinem Leib Würmer hat, die von der äaä-Krankheit
hervorgebracht sind^. Aus meiner Zusammenstellung konnte
ich ferner schliessen, dass es sich um ein im^ alten Aegypten
sehr häufig vorkommendes, chronisches, gefährliches Leiden des
Verdauungsapparates gehaudelt haben muss, das schwere Stö-
») Virchow's Archiv. Bd. 85. S. 343— 354.
^ Cfr. die nachfolgende Uebersetzung S. 13.
— XVI —
rangen von Seiten der Circalationsorgane, besonders des Herzens,
im Gefolge hatte. Diesem kurz skizzirten Symptomencompiex
entspricht ziemlich genau die durch das Ankylostomum duo-
denale veranlasste Chlorosis aegyptiaca, die nach den überein-
stimmenden Mittheilungen sachverständiger Forscher wie Pruner-
Bey *), Bilharz') und Griesinger') auch noch heutigen Tages
in Aegypten ausserordentlich häufig ist. ^Wir halten es fur
eine nur sehr massige Schätzung*^, sagt der letztgenannte Autor,
„wenn wir annehmen, dass der 4. Theil der egyptischen Be-
völkerung in höherem oder geringerem Grade an dieser Krank-
heit — Chlorosis aepyptiaca — leidet".
Interessant und zugleich sehr lehrreich für mich war, dass
in einer der neusten Arbeiten über diesen Gegenstand von
Lutz*) ein Theil der in unserem Papyrus erwähnten Symptome,
insbesondre diejenigen von Seiten des Herzens, fast mit den-
selben Worten wiedergegeben werden; den „Herzpalpita-
tionen*)", dem „Schmerzgefühl" in der Herzgegend, das
„bald als dumpfes Drücken, bald als entschiedenes Stechen
und Brennen" angegeben wird, entspricht in unserer Hand-
schrift „die Herzschwäche, Herzpalpitationen und die
Herzstiche". Es lehit somit ein Vergleich beider Stellen, dass
die alt-ägptischen Aerzte auch gut zu beobachten verstanden.
Ich will allerdings nicht verschweigen, dass das Zeichen,
mit dem das Wort äaä determinirt ist, nämlich der Phallus,
wenn auch nicht grade dagegen, so doch auch nicht für unsere
Ansicht zu sprechen scheint. Indess hat z. B. auch das Wort
äa = Esel das Determinativzeichen des Phallus, ohne dass wir
— nach unseren heutigen Vorstellungen — eine genügende Er-
klärung dafür abgeben könnten; möglich also, dass auch die
alten Aegypter mit diesem Zeichen einer — für uns heute —
unverständlichen Theorie Ausdruck geben wollten. Auf der
andern Seite aber kommt es nach den Beobachtungen von
*) Die Krankheiten des Orients. S. 244.
^ Beitrag zur Helminthographia humaua. Zeitschr. für wissensch.
Zoologie. Bd. IV. 1853. 8. 53.
^ Klinische und anatomische Beobachtungen über die Krank-
heiten Yon Egypten. Archiv fur physiol. Heilkunde. Bd. 13.
S. 556.
*) Ueber Ankylostoroa duodenale und Ankylostomiasis. Samm-
lung klin. Vorträge von Volkmann. Nr. 255— 256. S. 47.
,*) Ich citire möglichst wörtlich.
— XVII —
Lutz') in schweren Fällen von Chlorosis aegyptiaca beim männ-
lichen Geschlecht zur Impotenz, bei Frauen kommt es dabei
nur sehr selten zur Schwangerschaft; ferner verzögert sich die
Pubertätsentwickelung dabei um Jahre und Monate. Es wäre
also vielleicht denkbar, dass die Aegypter mit dem Determi-
nativzeichen des Phallus auf diese Erscheinung aufmerksam
machen wollten.
Nach alledem ist wohl der von mir gezogene Schluss ge-
rechtfertigt, dass wir unter der äaä-Krankheit die durch
das Ankylostomum duodenale veranlasste Chlorosis
aegyptiaca zu verstehn haben.
2. pend-Wurm = Taenia mediocauellata.
Der Stamm pen bedeutet: se deplisser, sich entfalten; das
Determinativum weist auf einen Wurm hin. Nun berichtet be-
reits Plinius'), dass bei den Bewohnern von Aegyptern Tae-
nien vorkommen, und auch die Berichte von Pruner-Bey,
Bilharz und Griesinger') stimmen mit dieser Angabe überein.
Da nun die alten Aegypter das Schweinefleisch verschmähten,
die Taenia solium aber durch den Genuss dieses Fleisches vom
Menschen erworben wird, so glaube ich, dass wir unter dem
pend-Wurm nur die Taenia mediocauellata zu ver-
stehn haben.
3. heft-Wurm = Ascaris lumbricoides.
Der Stamm heft bedeutet: sich hinstrecken, sich winden,
kriechen; das Determinativum weist ebenfalls auf einen Wurm.
Nun kommt der heft-Wurm in unserer Handschrift oft mit dem
pend-Wurm vor, und da dieser letztere die T. mediocauellata
bezeichnet, so lag es nahe, auch den heft-Wurm mit einem
Bandwurm in Verbindung zu bringen. Dass dies indes nicht
richtig ist, zeigt uns Tafel 66, Zeile 1; dort wird als Mittel
graues Haar zu vertreiben neben anderen Substanzen auch
„dunkler, schwarzer heft-Wurm" verordnet. Daraus folgt für
jeden Arzt, dass dieses Wort nicht etwa mit Bandwurm über-
setzt werden darf. Ich bin indes bei diesem negativen Ergebnis
nicht stehn geblieben, sondern bin noch einen Schritt weiter
gegangen. Auf die eben angeführte nähere Charakteri-
0 Op. cit 8. 55.
^ Cai Plinii secuudi Naturalis historia. Lib. XXVII.
Cap. 119.
5) Cfr. die Seite XVI erwähnten Arbeiten.
Joachim, Aegyptiscbe HeUkunde. \}
— XVIII —
sirang des heft-Wurmes passt genau Ascaris laiobri-
coides; dafür spricht, dass grade dieser Eingeweidewurm in
Äegypten auch noch heutigen Tages sehr häufig angetroffen
wird, und sich auch im Papyrus Ebers eine grosse Anzahl
von Recepten zum Vertreiben dieses Wurmes finden. Nun
wird allerdings in dnem Recept die Wurzelrinde des Granat-
apfelbaumes' gegen den heft-Wurm empfohlen und danach könnte
es scheinen , als wenn meine Auslegung eine irrige wäre. In-
des die oben angeführte Stelle von dem dunkelbraunen,
schwärzlichen heft-Wurm spricht ganz entschieden
gegen Bandwurm und für Ascaris lumbricoides.
4. Ro-äb = Herzgrube, Herz-, Magen-Gegend.
Die wortliche üebersetzung lautet: Oeffnung oder oberer
Theil des Herzens (Magens). Nun ist dafür die üebersetzung
Cardia resp. Pylorus vorgeschlagen worden, wie mir scheint mit
Unrecht. Denn erstens glaube ich nicht, dass die alten Aegypter
bereits die Cardia oder den Pylorus gekannt haben. Zweitens
aber werden auf Tafel 43 zur Vertreibung der Verhärtung am
ro-ab') Pflaster zur äusserlichen Anwendung empfohlen; ägyp-
tisch: ut heres = damit bepflastern, ein Wort, das nach
Luring^ ^nur verwandt wird, wenn es sich um äusserliche
Körpertheile handelt^. Ich schlage deshalb die Üebersetzung
Herzgrube (scrobiculus cordis), Herzgegend, Magen-
gegend vor; auch Luring') spricht sich in der genannten
Dissertation gegen Cardia und Pylorus aus und übersetzt ro-ab
mit „Nabel, Nabelgegend, Herzgrube**.
5. Die uha-Krankheit.
Der Stamm uha bedeutet: vernichten, verheeren. Die
Krankheit kommt fast nur im Leib vor, ist ein chronisches,
Männer und Frauen ergreifendes Leiden, zu dessen Beseitigung
meist äasserliche Mittel angewandt wurden; daneben wurden
auch innerliche Mittel, oft „warm einzunehmen**, verordnet.
Ausserdem kommt die Erkrankung auch „in jedem Glied" und
„im Fleisch (Körper) einer Person" vor; an einer Stelle wird
ferner „die wirkliche uha-Krankheit" erwähnt, was meiner An-
sicht nach soviel wie uha-Krankheit im Leib zum unterschied
^) Cfr. üebersetzung S. 50.
*) Die über die medicin. Kenntnisse der alten Aegypter be-
richtenden Papyri etc. Strassburger Dissert. 1888. S. 74.
3) Op. cit. S. 74.
— XIX —
von demselben Leiden „in jedem Olied^' bedeutet. Einen ge-
wissen Anhalt far die Bestimmung gaben mir zwei Stellen, an
denen die uha- Krankheit — überhaupt zum ersten Mal in un-
serem Papyrus — erwähnt wird; sie finden sich auf Tafel 23 *).
Das eine Mal werden Abfuhrmittel gegen die dabei bestehende
hartnäckige Obstipation ausdrücklich verordnet; an der andern
heisst es von ihr, dass sie „schwer drückend im Körper liegt'^
Danach scheint es mir, als wenn unter uha-Krankheit die
bei der Chlorosis aegyptiaca so häufige chronische
Obstipation und Meteorismus des Unterleibes zu ver-
stehn ist. „Die Verstopfung", sagt Lutz*), „ist gegen Abführ-
mittel sehr resistent und führt nicht selten zu bedeutenden
Coprostasen; die Patienten empfinden sie als sehr lästiges
Symptom, dessen Behebung grosse Erleichterung bringt". Die
uha-Krankheit in jedem Glied, oder im Fleisch (Körper) einer
Person kann man dann entweder für Anschwellungen etwa
gichtischer Natur erklären, oder für das bei dem von mir an-
genommenen Zustand im ganzen Körper bestehende Unbehagen
— es liegt eine. Schwere in allen GHedem.
Nun kommt auf Tafel LVII, Zeile 4 eine Stelle vor, die
mit unserer Erklärung kaum in Einklang zu bringen ist; dort
wird nämlich die uhat-Krankheit im Auge erwähnt. Ich glaube
mit Luring'), dass man hier ebenso wie Zeile 10 nicht uhat,
sondern nehat = Schielen zu lesen hat, dass also ein Fehler
des Abschreibers vorliegt. An den meisten Stellen nämlich, an
denen diese Krankheit überhaupt erwähnt wird, finden wir nicht
uha, sondern den Plural davon: uhau; nur an 2 Stellen:
Tkfel XXV, Zeile 9 und Tafel XXVII,* Zeile 16 findet sich der
Singular und zwar beide Male nicht uhat, sondern Uha. Es
scheint also in der That, als wenn wir es Tafel 57, Zeile 4
nur mit einem Versehn des Abschreibers zu thun haben.
6. uxedu = schmerzhafte Anschwellung.
Das Wort uxed steht nach Brugsch*) „nicht ohne Zu-
sammenhang mit pinguis, crassus, obesus". Nun lehrt uns eine
Zusammenstellung aller derjenigen Stellen, an denen dieses
Wort in unserem Papyrus erwähnt wird, dass das Leiden zwar
*) Cfr. Uebersetzung S. 18.
') Sammlung klin. Vorträge von Volkmann. Nr. 255-256. S. 40.
») Op. cit. S. 17.
*) Wörterbuch Bd. V. S. 331.
— XX —
an den verschiedensten Körperstellen, besonders aber und haupt-
sächlich im Leib vorkommt; daneben auch im Mund, in den
Beinen, am Rumpf, im Rücken, Herzen, üringang, Auge,
zitternden Arm, in den Zähnen, im Kopf und in allen Gliedern;
auch eiternde Wunden, die aus uxedu entstehen, werden er-
wähnt. Ausserdem kommen sie nicht grade selten in Verbin-
dung mit der äaä-Krankheit vor, was mir für die Erklärung
des Wortes einen gewissen Anhalt zu geben scheint.
Nach alledem ist wohl der Schluss gerechtfertigt, dass
man darunter zunächst die bei der Chlorosis aegyptiaca so un-
gemein häufig und schon sehr frühzeitig auftretende schmerz-
hafte Anschwellung des Leibes zu verstehu hat; „der
ganze Unterleib", sagt Lutz^), „ist spontan oder auf Druck
schmerzhaft und dabei gewöhnlich meteoristisch aufgetrieben".
Die gegebene allgemeine Erklärung passt auch vorzuglich für
die verschiedenen Körpertheile, an denen die uyedu sonst noch
vorkommen; welche specielle Bedeutung diesem Wort indes an
den einzelnen Stellen zu geben ist, soll bei der meist unge-
nügenden Beschreibung dahingestellt bleiben.
7. gent-Krankheit») = ?*
Der Stamm bedeutet nach Brugsch'): kraftlos, matt,
schwach, ohnmächtig sein; das Determinativum des Vogels deutet
auf etwas Schlechtes, Böses. Ich vermuthe, dass es sich dabei
um eine durch starken Blutverlust — vielleicht in Folge von
Abort — veranlasste Krankheit handelt, wobei ja auffallend ist,
dass in der Beschreibung nichts auf den Blutverlust hindeutet.
Die Vermuthung von Ebers, dass darunter Kindbettfieber zu
verstehn sei, erscheint mir ebenfalls fraglich; nichts weist an
jener Stelle auf einen Zusammenhang mit der Geburt hin, der
so guten Beobachtern, wie es die alten Aegypter waren, wohl
schwerlich entgangen wäre.
') Sammlung klin. Vorträge von Volkmann. Nr. 255-256. S. 43.
^ Durch ein Versehn ist das Wort in der fortlaufenden üeber-
setzung ohne Erklärung geblieben.
') Wörterb. Bd. IV. S. 1514.
Es*) fängt an das Buch vom Bereiten der Arzeneien Tafel I.
für alle Körpertheile einer Person. Hervorgegangen bin
ich aas Heliopolis mit den Priestern von het-äat, den Herren
des Schutzes, den Königen der Ewigkeit und der Rettung.
Hervorgegangen bin ich ans Sais mit den mütterlichen Göt-
tinnen, die mir Schutz gewähren. Es wurden mir Worte
verliehen vom Herrn des Alls, die Leiden aller Götter und die
todtlichen Krankheiten jeglicher Art zu vertreiben. So viele
Kapitel sind von diesem meinem Kopf, von diesem meinem
Halse, von diesen meinen Armen, von diesem meinem Fleisch,
von diesen meinen Gliedern, zu strafen die Verhöhnungen der
Obersten, welche die Krankheit in dieses mein Fleisch ein-
dringen lassen, zaubernd in diesen meinen Gliedern, dass sie
(die Krankheit) eindringt in dieses mein Fleisch, in diesen meinen
Kopf, in diese meine Arme, in meinen Leib, in diese meine
Glieder, [so of^ erbarmt sich Ra, indem er spricht: ich be-
schütze ihn gegen seine Feinde. Es ist sein Führer Hermes,
der ihm die Sprache gegeben, der die Bücher schafft und Ruhm
verleiht den Gelehrten') und den Aerzten, die ihm folgen, um
das, was dunkel ist, zu enträthseln. Denjenigen, der Gott liebt,
den macht er lebendig; ich bin Einer, der Gott liebt, er macht
micHTebendig. Worte zu sprechen bei der Bereitung der
Arzeneien für alle Körpertheile einer Person, die krank
ist. Wie es sein soll, tausend Mal. Dies ist das Buch von der
Heilung aller Krankheiten. Möge mich Isis heilen, sowie
sieHorus heilte von allen Schmerzen, die ihm sein Bruder Set
') Alles gesperrt Gedruckte ist im Papyrus mit rother Tinte,
das Uebrige mit schwarzer geschrieben.
^ Eigentlich: denen, die Alles wissen.
Jomcbim, Aegyptische Heilkunde. 1
— 2 —
angethan hatte, da er seinen Vater Osiris tödtete. 0 Isis, du grosse
Zauberin , Tieile micTT,' erlöse mich von allen bosen^ schlechten,
typhonischen Dingen, von den dämonischen^) und tödtlichen
Krankheiten und Verunr^imgnngen jeder Art, die sich auf mich
stün^erfT sowie Du erlöst und befreit hast deinen Sohn^ Horus.
Da ich elngeärungen bin in das Feuer und herausgekommen aus
dem Wasser. Möge ich nicht gerathen in die Falle jenes Tage§,
an dem ich sageiTcE T)in klein und bejammemswerth. 0 Ra,
der du gesprochen hast fuF Deinen Leib, o Osiris, der du
betest für deine Manifestation; es spricht Ra für seinen Leib,
es betet Osiris für seine Manifestation. Wohlan befreie mich
von allen möglichen bösen, schlechten, typhonischen Dingen, von
den dämonischen^) und tödtlichen Fiebern jeglicher Art.
IL Soviele Kapitel da sind [zu sagen] wie es sein soll,
tausend Mal. Capitel vom Trinken der Arzeneien. Es
kommen die Arzeneien, es kommt, allerlei zu vertreiben in
diesem meinem Herzen, in diesen meinen Gliedern; die Zau"ber-
sprüche haben grosse Macht über die Mittel. Nocli einmal.
Erinnere ich mich denn nicht, dass geführt wurden Horus und
Set zu' dem grossen Vorhof von Heliopolis, zu berathen über die
Hoden Hes Set und Horus werde frisch (gesund), wie er auf
Erden war. Er macht alles, was er will, wie diejenigen von
den Göttern, die dort sind. Worte, wenn man die Arzeneien
trinkt, [zu sagen] wie es sein soll, tausend Mal.
Beginn des Buches von den Arzeneien.
Zu vertreiben die Krankheiten im Leib:
Öehui-Korn mit Bier mischen und vom Kranken zu trinken.
Ein andres für den kranken Leib:
Kümmel y^^
Gänseschmalz y^
Milch 1 dena'')
kochen, durchseihen und einnehmen.
Ein andres:
Feigen V,
Sebesten /^
Süsses Bier 1 dena ebenso
(d. h. kochen, durchseihen und einnehmen).
^) Vielleicht soviel wie: epidemisch (?).
') denä = 0,6 Liter.
— 3 —
AbführmitteP):
Milch y, denä
Brodteig 74
Honig V,
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres Abführen zu bewirken:
Honig
Zwiebelpulyer (?)
Absynthpulver
daraus eine Pille machen.
1
1
1
Abfuhrmittel:
Kräuter des Feldes
i
Honig
in Eins bringen und einnehmen.
Zusammennehmen mit Bier 7,
oder Wein 7^.
Ein andres:
äaam-Pflanze
V,
Zwiebel (?)
Kräuter des Feldes
■^
Honig %,
in Eins bringen und vom Kranken einmal einzunehmen
Ein andres:
Honig
Kräuter des Feldes
l
Palmwein
V.
gengent-Bohne 7i
Oel V,
kochen und vom Kranken einmal einzunehmen.
Ein andres:
Wein
1
Honig
Kräuter des Feldes
1
1
durchseihen und einmal einnehmen.
Ein andres:
Frische Datteln 1
Seesalz 1
»ebbet »)-Saft 1
III.
IV.
^) Eigentlich: MilteLden Leib zu theilen, ihn zu offnen.
») Brugsch. Wörterb. Bd. VII S. 1175 ^Mischtrank, Mixtur".
— 4 —
in Wasser mischen, in einen Thonkrag bringen and darauf ge-
quetschte gengent-Bohne thun; zusammenkochen, in eine Kapsel
oder Hülse legen und Yom Kranken warm einzunehmen; danach
süsses Bier trinken.
Ein andres:
Kräuter des Feldes '/«
Honig V, ■)
zermahlen, zerreiben und vom Kranken mit süssem Bier einzu-
nehmen.
Ein andres:
Qrün^an 1
zerjoabUüA) zerreiben, in bät-Brod thun, zu 3 Kugeln formen
und vom Kranken zugleich mit süssem. Bier einzunehmen.
y. Andre Mittel den Leib zu öffnen:
uam-Samen
aneb-Pflanze
Frucht vom kesebt')-Baum
Honig
§eneft')-Kom
in Eins bringen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
däm-Pflanze
Zwiebeln (?)
Kümmel
Feigen
Sebesten
Oel
in Eins bringen und vom Kranken zu nehmen.
Ein andres den Leib auszuleeren:
Kuhmilch 1
Brodteig 1
Honig 1
VI. zermahlen, zerreiben, kochen und 4 Tage einnehmen.
^ Der Bruch V4 ^^^ ^1® ^^^ ^^ Papyrus deutlich sehen kann,
aus einem andern verbessert.
^ Nach Ebers „Die Maasse und das Kapitel über die Augen-
krankheiten*" Leipzig 1889. Seite 90 „ricinus frutex?''.
») Nach Ebers Seite 31 gehört es zu den als Opfer dargebrachten
Komem.
— 5 —
Ein andres für den Leib:
Blätter von der qaqa^ -Pflanze V4
Datteln von der männlichen Palme Ye
Cypergras V
Stengel von der xasit ')-Pflanze Vis
Coriander Vis
Kühles Bier V,
feucht stehen lassen*), durchseihen und 4 Tage einnehmen.
£in andres die uremlt^)- Krankheit im Leib zu
vertreiben:
ännek-Pflanze 1
in Kuhmilch oder süssem Bier gekocht vom Kranken zu trinken,
damit er die uremIt-Krankheit, die er in seinem Leibe hat, ausleere.
Ein andres den Mastdarm zu heilen:
Zwiebeln (?) 7,
Süsses Bier '/j
feucht stehen lassen und vom Kranken 4 Tage zu trinken. VII.
Ein andres den Leib auszuleeren und alle schlech-
ten Dinge, die im Körper eines Kranken sind, abzu-
führen:
Kräuter des Feldes Vg
Honig %
Dattehi V,
uäh-Kom */,
in eins mischen und an einem Tage kauen.
Ein andres Mittel:
Frische Milch 7,
Absynth 7«
ääam-Pflanze 7s3
däm-Pflanze 788
Wachholderbeere Vi 6
*) Das griech. x{x( = Ricinus.
^ Brugsch. Wörterbuch Bd. VL S.896 «Mohnpflanze*.
^ Oder: „Ueber Nacht stehen lassen*; oder: «auf die Presse
legen*.
*) Nach Luring „Die über die medic. Kenntnisse der alten
Aegypter berichtenden Papyri verglichen mit den med. Schriften
griech. und röm. Autoren* Strassburg. Dissert, inaug. 1888. S. 15
^schädliche Ansammlungen*.
Urem bedeutet „anschwellen" und wird vom Steigen des Nils
gesagt; vielleicht handelt es sich bei dieser Krankheit um Anschwel-
lung des Leibes: Ascites, Hydrops abdominis.
— 6 —
Cypergras V„
Beere vom nän-Baum Vi 6
Weihrauch 7,^
Seesalz 7«
kochen mit tehebu-Holz ^e
zusetzen lassen
VIII. Honig, sobald es geronnen (?) ist^); kochen und hernach warm
an einem Tage trinken.
Ein andres Mittel fär den Leib:
ELräuter des Feldes 74
gengent-Bohne V^
Absynth 7^
Süsses Bier 7$
in eins mischen, kochen, durchseihen und an einem Tage nehmen,
damit der Kranke alle schädlichen Säfte, die in seinem Leib
sind, entleere.
£in andres den Leib zu entleeren und den Unrath
aus dem Leib einer Person zu vertreiben:
Beere vom deqm')-Baum, kauen und mit Bier hinunter-
schlucken, um alles, was in seinem Leibe ist, auszuleeren.
Mittel Ausleerungen zu regeln:
Honig
sasa ')-Samen
Absynth
IX. Wachholderbeere
Beere vom uän-Baum
Kerne von der ut'ält-Frucht
Künmiel
ääam-Samen
däm-Samen
Seesalz
zu einer Kugel*} formen und in den After brinjjfiu.
Ein andres den Urin zu regeln und Abführen zu
regeln:
^) Loret Recueil de travaux relatifs a la phiiologie et k Tar-
cheologie egypt. et assyr. Vol XI. S. 122 „aussitöt que le lait monte".
^ Ricinusbaum.
^ Brugsch. Worterb. VIT. S. 1226 „Kuchen a.us zusammen-
gepressten Rosinen''.
«) Luring S. 15 „Seifenzäpfchen".
— 7 —
Glnseschmalz 7,
BleivitrioP) (?) V,,
kochen and hernach warm mit Wein hinunterschlucken.
Ein andres um Abführen zu machen (bewirken):
gengent-Bohne 6 Stück; sie ist ähnlich der phönicischen
Bohne; Beere von mennuh-Pflanze; setze zu jenen Kräuter
des Feldes;
zermahlen, zerreiben, in Honig thun und den Kranken nehmen X.
lassen zusammen mit Palmwein 7,.
Ein andres:
Wachholderbeere 78
Honig V,
kochen ind hernach warm einnehmen an einem Tage mit Hefe
von Biefj^ das_geschäumt hai^
Ein andres kranke Excremente aus dem Leib einer
Persoi auszutreiben:
Weissen Kuchen') 1
Rothes tlt-Kom 1
Frauenmilch
in Eim mischen und vom Kranken einzunehmen.
Fin andres:
Weizenmehl
öäm-Pflanze
Beeren vom uän-Baum
Kräuter des Feldes
gengent-Bohne
sexet-Pflanze
in Eds zermahlen, zu Brod backen und vom Kranken zu essen. XL
Ein andres den Leib zu entleeren und uxedu zu
tilgen:
Eine Prise (Portion) hemit, zermahlen, zerreiben, in
4 Kuchen backen, in Honig aufweichen und von der Person
zu ;ssen.
Ein andres:
Grünspan Ysi
Honig ebensoviel.
1) acBpu des Dioscorides. De mat. med. Ed. Kuhn YoL 25.
Bu(h V. Cap. 118. S. 783.
^ Eigentlich: ^as oben ist" von t'afa = Kopf.
*) Nach Luring S. 158 pit = Brod, Kuchen, Brodteig.
— 8 —
Arzeneimittel dem Leib Oeffnang zu schaffen:
Kräuter des Feldes 1
Wachholderbeere 1
Gänzescbmalz 1
Honig 1
Süsses Bier
in eins mischen und 4 Tage trinken.
Ein andres um allerlei Krankheiten im Leib zu
vertreiben und den Mastdarm zu behandeln:
Der Schaum ') von.ÄÜasßm Bier
Zwiebelii (?) V,
XII. in einen des-Krug thun als köstliches*) (Mittel) gegen den Tod.
Im Schaum zerreiben; lass Du es wärmen jeder Zeit']^
Ein andres um Abführung zu bewirken:
Süsses Bier 7, dena
seneft*)-Samen 7,,
Seesalz 7,^
Sebesten 78
feucht^) stehen lassen und 4 Tage trinken.
Ein andres:
Durra, 1 hennu-Geföss, getrocknet und geröstet ebenso ; davon
Brot machen, Oel dazu setzen und von der Person zu essen,
die nicht Abführung hat.
Ein andres um den Leib in Ordnung zu bringen:
sasa*)-Kuchen 1
sames-Pflanze 1
f aä-Samen 1
Grünspan ein wenig
Honig 1
XIll. zerreiben und gleich nach dem Schlafengehu essen.
Ein andres Tumoren^) im Leib zu entfernen:
Feigen 7,
Sebesten y^
K
*) Cfr. vorige Seite Anm. 2.
^ Eigentlich: lieblich.
^ Die üebersetzung ist unsicher.
*) Gehort zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
^) Erman „lass es feucht stehn*'; Luring „lass es auf die Pr<sse
legen".
^ Cfr. Anmerkung 3 zu Seite 6.
^) a Anschwellungen**.
%
— 9 —
Weinbeeren 7^
Milch 7,
Brodteig Vg
Beere von x^slt ^)-Pflanze Vg
Grüne Bleierde (?) 7„
Weihrauch 7^^
Wasser
feucht stehen lassen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres um Krankheiten auf der einen Seite
des Leibes zu vertreiben:
Lactuca 1
Datteln 1
in Oel kochen und als Pflaster darauf legen.
Ein andres um alle Krankheiten im Leib zu ver-
treiben:
Geröstete Feigen aufgeweicht in frischem Baumöl (?) ; Wein-
beeren ebenso; Wachholderbeere ebenso;
in eins mischen und von einer Person zu essen, die krank in
ihrem Leib ist; und sie trinken lassen.
Ein andtes: XIV.
Geröstete Feigen aufgeweicht in frischem Baumöl (?); Wein-
beeren ebenso; Wachholderbeere ebenso; ein Krug paäb')-
Saft; ein Krug Wein;
in eins mischen und zu trinken von einer Person, die krank
in ihrem Leib ist.
Ein andres um Krankheit des Leibes zu vertreiben:
Oel, uäh-Kom, Absynth, ein Kügelchen *)
in Honig zerrieben, in eins mischen und einen Tag einnehmen.
Mittel die Ausleerungen zu Ende zu bringen^):
Grüne Zwiebeln (?) Ys
Frischgekochte Grütze Vg
Oel und Honig V^
Wachs V,g
Wasser 7, dena
kochen undj4 Tage einnehmen.
0 Brugsch Wörterbuch Bd. VI. S. 896 „Mohnpflanze\
^ Stern liest pahet-Saft
^ Soll wohl heissen eine Pille davon machen.
*) Also Mittel Diarrhoen zu stillen.
— 10 —
Ein andres:
Brodmehl 7,^
Grüne Bleierde (?) 7,,
äpert ') - ndaa - Saft 7, ^
Wasser 7, ^^^^
in 4 Tagen einnehmen.
XV. Ein andres:
seneft*)-Kom V,
Sebesten 78
Weinbeeren 7i6
änest-Kom Vis
Beere vom uän-Banm 7i6
Honig V,.
Wasser y, denä
feucht stehen lassen, in gleicher Weise (d. i. 4 Tage einnehmen).
Ein andres:
Brodmehl 7,^
äpert')-ndau-Saft 78
Zwiebeln (?) 7„
Wasser V, dena
4 Tage trinken.
Ein andres:
Feigen 7^
Weintrauben 78
Brodteig y„
pTt»)-Kom V„
Grüne Bleierde (?) //^^
XVI. Zwiebeln (?) %,
Wachholderbeere 7$
recitiren: o hetn*)! abermals o hetu; o äVen! o ät'enit abermals.
Mischen mit Wasser 7,, feucht stehen lassen und 4 Tage ein-
nehmen.
Ein andres häufige Blutausleernngen zu vertrei-
ben*):
Frischgekochte Grütze 7$
0 Nach Sterns Glossar »ovum sive globulus".
') Cfr. Anmerkung zu Seite 4.
') Brod oder Kuchen.
*) Vielleicht Kynocephalus, wie Lieblein meint.
^) Es kann 3ich hier um Beimischungen von Blut zum Darm-
inhalt, oder auch um blutigen Stuhlgang handeln. Das erstere
— 11 —
Pulverisiites näh-Kom '/i
Oel ■ V,
Honig V,
durchseihen und 4 Tage einnehmen. Alle Droguen in gleicher
Weise das zweite Mal.
heft*)-Würmer ahzutödten:
Das Holzartige der nehiinaa-Frucht ') Yj
Wasser V,
feucht stehen lassen, durchseihen und an einem Tage einnehmen.
£in andres:
Durra vom Süden V,
Seesalz Ys
Wasser 7, in gleicher Weise.
Ein andres:
Harz von Acanthus ^/,
Wasser V, XVII.
feucht stehen lassen, durchseihen und an einem Tag einnehmen.
heft-Würmer im Leih zu vertreiben:
Grünspan 4 Priesen, in 4 Kuchen zu backen und vom
Kranken zu essen.
Ein andres:
Das Innere des kesebt ')-Baumes V,
Hefe V,
Wasser V, V,
feucht stehen lassen, durchseihen und an einem Tag einnehmen.
Mittel heft-Würmer zu tödten:
Dattelmehl V^
Zwiebeln (?) V^
Süsses Bier Ya ^^^^
kochen, durchseihen und einnehmen.
kommt bei Haemorrhois ja häufig vor, im letzteren Falle wäre an
Ruhr (?) zu denken; das Letztere scheint mir wahrscheinlicher.
*) Ascaris lumbricoides ; cfr. hierzu die Einleitung. [Mit Scheu t-
hauer (Virchow's Archiv Bd. 85. S. 350) glaube ich, dass man unter
heft den Ascaris lumbricoides zu verstehen hat. Eine Taenie dafür
zu halten, dagegen spricht eine Stelle nämlich Tafel 66. Zeile 1;
dort wird ein dunkler (schwarzer) Jieft-Wurm als Einreibung gegen
graues Haar verordnet.]
^ Wurzelrinde des Granatapfelbaumes; nehimaa ist wohl eine
Variante von änhemani; Cfr. Taf. 19. Zeile 19.
*) Ricinus frutex?
— 12 —
Ein andres:
Bluthe der nesau*)- Pflanze V,
Absynth V',
Süsses Bier 1 dena
zermahlen, durchseihen und einnehmen.
Ein andres:
Das Innere des Ricinusstrauches 4 Tage in Hefe, gähren
und feucht stehen lassen; rühr es 5 Tage in einem irdenen Krug
XVIII. um*"7g thun ... .^; auf ad, feucht stehen lassen im Sommer
und am Morgen zu trinken.
Ein andres:
Cyperusknollen */,,
Grünspan */,,
Wasser '/i
kochen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Frucht von uam-Beere 74
seneft ')-Kom 7*
Das Innere des kesebt *)-Baumes ^/^
Honig 7,
Bier V,
zermahlen, in Honig stehen lassen, am Morgen es thun in Bier y,
und vom Kranken einzunehmen.
Ein andres:
uam- Samen 7i
Wasser '/s
feucht stehen lassen und 4 Tage einnehmen oder (auch) mit Bier.
Ein andres:
äsu *)-Pflanze 7a
XIX. §ames-Pflanze 74
in Honig kochen und essen. Si_e sprechen die Beschwö-
0 Brugsch Wörterb. Bd. VI. S. 698 „Gerste«.
') qem-§en = „gefunden zerstört*. Hier ist also eine Lacke,
d. h. der Abschreiber hat, wie ich vermuthe, im Originalwerk, aus
dem er abgeschrieben hat, ein Stück zerstört gefunden und hat
das durch das Aegyptische: „qem-sen" wiedergeben wollen. Cfr.
89. 1 und 90. 3, wo sich ebenfalls diese Bemerkung findet.
^ Gehört zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
♦) Ricinus frutex?
*) Brugsch Wörterb. V S. 141 „eine liebliche Pflanze".
— 13 —
rong^aus: der herxetef )-Wnrm sticht die üenachen, beun-
rahigt den Schwachen und schmerzt- ia -diesem Leib ; der Gott
und der Feinä hat ihm Zauberei angethan; der Gott lässt auf-
hören,'washer in dem Leib bewirkt hat.
Ein andres vorzügliches Mittel zum Gebrauch für
den Leib:
äsu *)-Pflanze 1
sames- Pflanze 1
zerreiben, zermahlen, in Honig kochen und vom Kranken zu essen,
der in seinem Leib heltu *)-Würmer hat, die von der äaä *)-Krank-
heit hervorgebracht sind und durch kein (andres) Mittel sterben.
Ein andres:
Die Rinde vom Granatapfelbaum zerstossen in Bier 7,,
feucht stehen lassen in einem Krug mit Wasser '/g) ^^ Morgen
durch ein Tuch seihen und vom Kranken zu trinken.
Ein andres heft*)-Wurm aus dem Leib zu vertreiben: XX.
Lactuca 1
Absynth 1
Much 1
zusammenrühren und einnehmen. Siehe, der Kranke treibt*)
alle Würmer aus, die in seinem Leib sind.
Ein andres heft*)-Würmer zu tödten:
Getrocknete Sycomorenfeigen 1
Datteln 1
gut stossen, in umtet^)-Bier thun und vom Kranken zu trinken.
Ein andres die Krankheiten zu heilen, die von heft*)-
und pend^-Würmern entstehen:
Dumpalmenpulver • 1
*) Scheuthauer's Vermuthung (cfr. Virchow's Archiv Bd. 85.
S. 350) dass hierunter der Oxyuris vermicularis zu verstehn sei,
tbeile ich nicht; überhaupt heisst „her-vetef" nicht „aus dem Leibe**
wie Scheuthauer meint Unter her-^etef kann man ganz allgemein
„Eingeweide^'urm" verstehen.
2) Brugsch Wörterb. V S. 141 „eine liebliche Pflanze«.
«) Brugsch Wörterb. VI S. 838 „Gewürm"; Würmer.
*) Chlorosis aegyptiaca; cfr. die Einleitung.
^) Ascaris lumbricoides.
^ Eigentlich: scheisst aus.
^) Von der Wurzel umot nach Brugsch Wort. Bd. V. S. 314.
„stark"; also starkes, kräftiges Bier.
^ Taenia mediocanellata; cfr. die Einleitung.
— 14 —
Spitzen von ämamu-Pflanze 1
Gänseschmalz 1
in eins mischen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Krankheiten zu vertreiben, die entstehen durch
pend*)- Würmer: ^
XXI. 'Harz von Acanthus 1
Pfefferminzblüthe 1
Lactuca 1
t'as-Pflanze 1
zerstossen, in eins mischen und als Pflaster auf den Leib einer
Frau oder eines Mannes legen.
Mittel heft*)-Würmer zu tödten:
Harz von Acanthus, ins Wasser gelegt in einer Vase, steht
mit einem Tuch zugedeckt, in der Frühe in einem Stein-Morser
zerstossen, bis Du es zerrieben findest; durch ein Rohr darin
(gesteckt) hernach es einschlürfen.
Ein andres die Krankheiten zu vertreiben, die
von pend^)-Würmern entstehen:
ännek ')-Pflanze 1
aneb-Pflanze 1
Die Spitze von Rohr 1
Honig 1
4 Tage einnehmen.
Ein andres heft')-Würmer zu tödten:
uam-Samen *) 7$
äeneft*)-Samen Yic
Seesalz Yaa
Honig ■/„
in eins bringen, 1 Tag essen.*
XXII. Andre Mittel:
Frucht von der Sycomore, getrocknet 1
Grüne Datteln 1
in Bier zerstossen und 4 Tage trinken.
0 Taenia mediocanellata.
^ Ascaris lumbricoides.
•) Brugsch Worterb. V S. 93 „Pflanze, die mit dem Mond in
Verbindune steht*.
*) Während bis hierher die einzelnen Medicamente im Papyrus
unter einander gesetzt wurden, werden sie von hier ab neben ein-
ander gesetzt.
^) Gehört zu den als Opfer dargebrachten Kornern.
— 15 —
Andre Mittel die pend')-Würmer zu tödten:
Das Innere des kesebt')-BaDme8 7i
sert-Saft 1 denä
kochen, durchseihen und sogleich einnehmen.
Ein andres:
uam- Samen 7«
Seesalz 7aj
seneft ')-Samen 7i s
Honig V,
Süsses Bier 7$
4 Pillen machen und von der Person einzunehmen, zu trinken
mit Bier 76*
Andre Mittel:
uam-Samen 74
seneft ')-Samen 7aj
sert-Saft 7,
zermahlen, zerreiben und 1 Tag trinken.
Ein andres:
Krauter des Feldes
8efet*)-0el
Fett
Natron, roth
Kuhgalle
in einen Kuchen backen, einen Tag einnehmen.
Ein andres:
Mennige 1
gentet- Pflanze, nesOl-Kom, ta-Brod 1
Erdöl (Petroleum?) 1
Süsses Bier
zerstossen, pulverisiren, durchseihen und an einem Tag ein-
nehmen.
Ein andres:
Kräuter des Feldes 1
Natron, roth 1
sefet*)-Oel 1
in einen Kuchen backen und 1 Tag einnehmen.
0 Cfr. vor. Seite.
^ Ricinus frutex.
^ Gehort zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
') Ein heüiges Salböl.
— 16 —
Ein andres:
begsu-Beeren Ys
Wein 7,
ämamu-Samen Ys
wann machen und 4 Tage trinken.
Ein andres:
sert-Saft
Kümmel
faas- Samen
suti-sut- Pflanze
ämamu-Samen
däm-Pflanze
Sebesten
Süsses Bier
kochen und 1 Tag einnehmen.
Ein andres:
Alraunbeeren 1
Much 1
Honig 1
Kräuter des Feldes 1
Wein
kochen, durchseihen, 4 Tage nehmen; es entleert den Leib.
Ein andres:
Kräuter des Feldes
Herz vom mesä- Vogel
Honig
Wein
ännek ^)-Pflanze
Süsses Bier
in einen Kuchen backen und einen Tag essen.
Ein andres pend')-Würmer zu behandeln:
Pfefferminz 1
qemu»). Samen 1
nua-Pflanze 1
ämamu- Frucht 1
kochen, durchseihen und einen Tag einnehmen.
') Gfr. Seite 14.
^ Taenia mediocanellata.
3) Brugsch Worterb. VII S. 1245 ,Schwarzbaum^
— 17 —
Ein andres:
Vr
Dattelkörner
Absynth '/^
Cyperus 7,^
Bleivitriol ') (?) 7^^
seneft')-Samen V,,
Benenntet *) - Pflanze y^
ämamu- Frucht 7a
Kümmel 7^^
Süsses Bier 1 denä
kochen, durchseihen, 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Zwiebeln (?) '/^
Mennige ^L^
Saure Much %
Weisses Oel 7^
Süsses Bier 7a ^®°*
kochen und einnehmen; es tödtet die pend*)- Würmer. XXIII.
Ein andres:
Beeren vom uän-Baum 7a
Weisses Oel 7a
einen Tag einzunehmen.
Mittel uxedu im Leib zu heilen:
Fleisch von einer_ gebenden Kuh 7i
Weihrauch 7,^
Lactuca 78
Beere vom uän-Baum 7i«
Frischgebackenes Brod 78
Süsses Bier 7a ^®"*
durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres uxedu im Leib fortzubringen:
Oäm- Pflanze 78
Sebesten 78
sexept-Saft 7a
Süsses Bier 7»
durchseihen, kochen, 4 Tage einnehmen.
») oÄpu des Discor.; cfr. Seite 7.
^ Cfr. Seite 15.
^ Luring S. 161 „Pistia stratiotes L.'
*) Taenia mediocanellata.
Joachim, Aegyptiscbe Ueilkande.
— 18 —
Ein andres:
Nastortiom 784
Sebesten Vg
Harz von Acanthus 7„
Ganseschmalz 7,g
Beere vom nän-Baum 7i6
Süsses Bier 7a ^®"^ ebenso.
Ein andres:
Brodteig 7,
Weintraaben 7i6
Sebesten 78
Feigen 7^
Weihrauch 764
Eämmel 764
Beeren vom uän-Baum 7i6
Gänseschmalz 7i6
Süsses Bier 7a ^^^^ ebenso.
Ein andres nha-Erankheit im Leib zu vertreiben:
Lapis memphites
BleivitrioP) (?)
besbes*)- Körner
sesqa- Kömer
Wachs
sefet')-Oel
zerstossen, in Eins bringen und damit salben.
Wohlan bereite Du Abführmittel, nachdem es
gegen seinen Leib verschlossen gewesen ist:
Kräuter des Feldes 1
gengent-Bohne 1
äneb-Pflanze 1
Brodteig 1
zerstossen, in Eins bringen, davon 4 Kuchen machen und ihn es
essen lassen.
Ein andres uha-Krankheit zu vertreiben, die
schwer drückend im Körper liegt; sie im Leib völlig
zu vernichten:
1) acüpu des Diese. De mat. med. Ed. Kahn Vol. 25. Lib. V.
Cap. 118. S. 783.
«) „Fenchel«; Brugsch. Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1881. S. 33.
s) Ein heiliges Salböl.
— 19 —
Getrocknete Myrrhen 7,^
Weihrauch Yei
Lapis memphites 7« 4
Bleivitrior) (?) 7,,
aneb-Pflanze 7«
Grüne Bleierde (?) 7ij
äsQ*)- Pflanze 7ie
Absynth 78
CoUyrium ' 7*4
gengent- Bohne 7$
Kräuter des Feldes 78
Zwiebeln (?) 7^
Honig • 7,
feuchtes uäh')-Korn 7jj
zerreiben, in Eins mischen und warm einnehmen; eine voll-
kommene Linderung.
Ein andres die uha-Erankheit im Leib auszuscheiden
(heben) oder sie zu vernichten:
Feigen 7„
Seesalz 78
Frisches Brod 78
Süsses Bier 7, denä
kochen, durchseihen und einen Tag einnehmen.
Ein andres nach ihm (dem vorhergehenden Mittel):
Kräuter des Feldes 78
Hefe 7g XXIV.
Honig 7,
Süsses Bier 7j
4 Tage einnehmen.
Ein andres seteft*)-Krankheit zu vertreiben:
Dattelmehl 7,
Zwiebelmehl (?) 7,
mesta- Getränk ein wenig
kochen zu einer Dose von Wasser 7} dena; dem Mann oder
der Frau warm zu geben ; vorzüglich um ihn gesund zu machen.
^) oÄpu des Di ose. Lib. V. Cap. 118.
2) Brugsch V. S. Ul „eine liebliche Pflanze«.
^ Wohl eine Getreideart (?).
*) Drücken, Aufstossen (?).
— 20 —
Ein andres uha-Krankheit zu vertreiben:
Absynth V,
Zwiebelmehl (?) V,
Seesalz 7a
Abfall von Datteln 7,
Oel 7,
ämamu-Pflanze 7a
Süsses Bier Va
kochen und heiss essen.
Ein andres uha-Krankheit im Leib zu vertreiben
Süsse Myrrhen 1
Bleivitriol (?)') 1
Rnss vom bet'a*)-Topf 1
Rbnig 1
in Eins mischen und damit bestreichen.
Ein andres die böse seteft')-Krankbeit zu ver-
treiben:
abu-Saft
Mennige
Beere von der Tamariske
Natron
Seesalz *)
in Eins bringen und gegen die Krankheit geben.
Ein andres uxedu im Leib zu heilen:
Kräuter des Feldes 7^
8äm- Pflanze 7i8
Feigen 7«
Zwiebeln (?) 7„
Sebesten 78
Kümmel 764
ääam- Pflanze 78 a
Gänseschmalz 78
Süsses Bier '/, denä in gleicher Weise.
*) oÄpu des Di ose.
") Brugsch Wörterb. V S. 464 „der irdene Topf, Scherben*.
') Cfr. vorige Seite.
^) meht mit rother Tinte durchstrichen; dann müsste man nur
„Salz" übersetzen.
— 21 —
Ein andres axedu zu tilgen:
Frucht der Dumpalme Vis
Datteln V,
Bittres Bier V,
Brodteig 7^
Wein 7,
Eselsmilch 1 denä
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres nyedu zu tilgen und die tödtliche äaä')-
Krankheit in dem Leib eines Mannes oder einer Frau
zu vertreiben:
Harz von Acanthus ^/^
Die Fibern desselben 7a
Die Frucht desselben 7»
Harz vom Terpenthinbaum 7s
Die Fibern desselben 7i
Die Frucht desselben ^/^
Absynth*) 7^
Indigo") -Pflanze 74
Frucht von der taa- Pflanze 74
annek *)-Pflanze 74
Weinbeeren 74
Pfefferminz 74
mischen, zum Essen fertig machen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres') uxedu im Leib zu tilgen:
Weizen -Kömer 7>
Durra -Körner 7»
ut'ä von Datteln 74
seneft*)-Kömer 7,
AbfaU von Datteln 7^
Frucht von der Dumpalme 74
Absynth 7,
kochen, feucht hinstellen und 4 Tage einnehmen.
') Chlorosis aegyptiaca.
>) Mit schwacher rother Tinte ist hier dem äam ein s v oran-
gesetzt; säam-Absynth.
^ Luring S. 163.
*) Cfr. S. 14.
^) nt mit blasser rother Tinte hinzugesetzt.
«) Cfr. S. 4.
— 22 —
Ein andres:
XXV. Knollen XXV. von Cyperus 7^,
Cyperus vom Binnenlande ^/,g
Cyperus (vom Ufer) 7i«
Beere vom uän-Baum ^/,j
Wachholderbeeren 7i e
Gummi 7«
Gänseschmalz 7^
Honig 7,
Wasser etwas*) ebenso.
Wenn Du Jemand siehst mit Geschwulst v^ji_tßig-
artiger Beschaffenheit, sein Leib ist hart darunter, er
ist krank an seinem ro-ab'), es ist seine Geschwülst in
seinem Leib, die keinen Weg findet herauszukommen und die
keinen Weg hat aus ihm herauszukommen, es ist Faulichtes in
seinem Leib. Nicht kommt es heraus, es wird zu hesebt-Wür-
mernj wird es nicht zu beseht, so wird sich eine Kugel (?)
bilden. Leert er es aus, so wird er augenblicklich gesund.
Führt er es aber nicht als hesebt-Würmer ab, so mach Du ihm
ein Abführmittel, um ihn augenbUcklich gesund zu machen.
Ein andres u/edu im Leib zu vertreiben und die
holzharte uha-Krankheit im Leib eines Mannes oder
einer Frau zu zerstören:
A
A
A
A
A
A
Pulverisirtes uäh-Kom, geröstet
Kräuter des Feldes
Süsser Brodteig
Dattelteig
Gänseschmalz
Honig
in Eins zerreiben und einmal einnehmen.
Der Beginn der Salben uha-Krankheit zu ver-
treiben:
Lapis memphites, Milch, reines Oel
viermal damit anfstreichen.
Andre Salbe: .
Harz von Acanthus, Bieivitriol (?), Lapis memphites, ta-
Saft der Bauern, rothes Natron, Honig, Oel
damit aufstreichen.
?
Ofr. Ebers S- 51.
') Cfr. die Einleitung.
— 23 —
Andre Salbe:
seneft')-Korn, Eselskopf, besbes*)-Korn, sebtetit- Pflanze,
nesti *) - Pflanze , mäki - Korn vom he - Platz , baq - Oel,
reines Oel
damit aufstreichen.
Andre Salbe:
Zwiebelmehl (?), Bohnenmehl, nesti*) -Pflanze, Bleivitriol
(?), Baumöl, reines Oel
4 Tage damit aufstreichen.
Andre Salbe:
Samen der Blüthen der Erde, Eselsklauen, sefseft- Samen
des Sees, frische Sahne, reines Oel
4 Tage damit salben.
Andre Salbe:
Erwärmte Durra -Kömer, erwärmte äat-Pflanze, erwärmte
Frucht der Dumpalme, XXVI. Lapis memphites, Milch XXVI.
einer Frau , die einen Knaben^ gebpren^ h^, frisches baq-
(5el, Oel
kochen und 7 Tage damit aufstreichen.
Andre Salbe:
Fenchel (?), Mentha montana, sebtetit -Pflanze, die rothe
Frucht der Sycomore, Harz der x^t'-Pflanze, reines Oel
8 Tage damit aufstreichen.
Andre Salbe:
mäki-Korn vom nehe *)-Platz, Leinsamen (?), Crocus, sesqa-
Pflanze, Beere von der äbu-Pflanze, Kümmel, Wachs, Oel,
- Baumöl, Milch einer Frau, die einen Sohn geboren hat
9 Tage damit aufstreichen.
Andre Salbe:
sefseft- Frucht, FencheP) (?), Beere von der äbu-Pflanze
sesqa- Samen, Bleivitriol (?), Lapis memphites, Crocus,
trockene Myrrhen, süsse Myrrhen
in Eins bringen und 10 Tage damit salben.
') Cfr. Seite 4.
*) Brugsch , Zeitschrift für ägypt. Sprache und Alterthumskunde.
1881. S. 33. „Fenchel.«
*) Luring S. 158 „Carthamus tinclorius«.
*) Wahrscheinlich ein Fehler anstatt: „he^-Platz. L.
*) Cfr. Anmerkung 2.
— 24 —
Mittel uha-Krankheit za vertreiben und uxedu zu
trennen^):
Knhhirn 7^
Seesalz ^/^
Honig V„
Wasser */,
in £ins mischen und damit anfstreichen.
Ein andres uha-Krankheit im Fleisch') einer Per-
son zu vertreiben:
Klares Oel 1
Oel^yom Nilpferd 1
Alter Honig
Bleivitriol (?) 1
dam -Pflanze 1
Absynth 1
pax-Kraut 1
Wachs 1
Fenchel') (?)• 1
8efet*>0el 1
in Eins mischen und 4 Tage damit anfstreichen.
Ein andres Mittel seteft-Krankheit (oder) irgend
ein andres Uebel im Körper') nicht entstehen zu
lassen:
Trockenes saTt')-Kraut 1
Oel 1
Natron 1
Seesalz 1
zermahlen, zerreiben, in Eins mischen und damit aufstreichen.
Eine andre Salbe uha-Krankheit an jedem Glied
einer Person zu vertreiben:
Süsse Myrrhen 1
BleivitrioF) (?) 1
Oel 1
*) Loret. Recueil de travaux relatifs k la pbilol. et k rarcheol.
egypt. et assyr. Vol. XI. S. 131. »lever"; „sauver, delivrer*.
') Aegyptisch : hä = caro, musculus, corpus.
») Cfr. Seite 23.
*) Cfr. Seite 18.
*) Wörtlich: „in jedem Glied".
«) Brügsch Worterb. VII. S. 982 „Wegerich?«.
^ Ott>pu des Diese. Lib. V. Cap. 118.
— 25 —
Zwiebeln (?)
Wachholderbeere
CoUyrium
Rass vom bet'aM-Gefass (?)
Honig
in Eins mischen und damit aufstreichen.
Ein andres uha-Krankheit zu vertreiben und uyedu^
ZU entfernen'):
Euhgalie 1
Seesaiz 1
Honig 1
in Eins mischen und damit auf streichen.
Eine andre XXVH. Salbe uha-Krankheit in jedem XXVII.
Körpertheii einer Person zu vertreiben:
Kräuter des Feldes, Oel
damit aufstreichen.
Ein andres Mittel seteft')-Krankheit nicht entstehn
zu lassen:
Oel V.
Gequetschtes salt*)-Krant 1
Seesalz 1
ut'ält-Frucht 1
Natron 1
zermahlen, zerreiben, in Eins mischen und den Korper damit
einreiben.
Ein andres wirkliche uha-Krankheit zu vertreiben:
Oel
Rothes Korn
Seesalz
salt*)- Kraut
Natron
als Pflaster auflegen.
Ein andres uxedu zu vertreiben:
Mohnpflanze ') 1
Mennige 1
Grüne Bleierde (?) 1
') Cfr. Anm. 2 zu Seite 20.
^ Loret Recueil de travaux etc. Vol. XI. S. 131.
») Cfr. Seite 19.
*) Cfr. vorige Seite.
^) Brugsch. Wörterb. VI. S. 896 ,Opium«.
— 26 —
Honig
sesqa-Körner
Fracht der Dumpalme
Kuchen
senen-Myrrhe
äber*)-Oel
Fett
in Eins machen und dagegen^) geben.
Ein andres n/edu im Mund zu vertreiben'):
Absynth Ys
däm- Pflanze 7$
ääm-Pflanze V^,
Beere von 7aslt*)-Pflanze 7s
Beere vom uän-Baum ^/^^
Brodteig 7«
Sebesten 7i6
Zwiebeln (?) 7^
Weihrauch 764
Grüne Bieierde (?) 7g,
Nasturtium 7^4
utit [Samen (?)] von Sycomore 7$
ämu- Kömer 1 denä
feucht stehen lassen, durchseihen, 4 Tage einnehmen.
Ein andres uxeda zu vertreiben:
Oel, ausgepresst aus Samen von der Ricinusstaude, damit
eine Person bestreichen, die uha (-Geschwulst) mit stinkender
Materie hat; siehe das Uebel wird vertrieben, als ob ihr (i. e.
der Person) nichts fehlte; sie braucht das Oel gleicher Weise
10 Tage als Salbe, indem sie sich damit zwei Mal früh morgens be-
streicht, um die Krankheit zu vertreiben, wie es sich immer gebührt.
Ein andres u/edu zu vertreiben:
Schale der Schildkröte 1
Natron 1
Frisches Baumöl (?) 1
sefet*)-Oel 1
in Eins machen, erhitzen und damit salben.
') Bezeichnung eines heiligen Salböls.
^ Gegen die Krankheit.
') Eigentlich: abzuwehren, fernzuhalten.
*) Brugsch. WGrterb. Vi S. 896 «Opium'
») Cfr. Seite 18.
— 27 —
Ein andres uha-Krankheit und Hitzblattern')
(pustulae) zu vertreiben:
Frucht der Papyruspflanze Ys
sasa^)- Samen ^4
Frucht der Dnmpalme '/s
Honig V,
Wasser ^/j denä
feucht stehen lassen, durchseihen, 4 Tage einnehmen.
Ein andres Hautflecke ^ zu vertreiben, die von
uxedu entstehen*):
Feigen 7^
Weizenbrod ^j
Sebesten ^/^
Grüne Bleierde (?) V„
Wasser 7^ dena
feucht stehen lassen, 4 Tage einnehmen.
Andre Mittel Hautflecke*) zu vertreiben, die von
uxedu entstanden sind*):
§enBft*)- Samen
Das Innere von Zwiebeln* (?)
Grüne Bleierde (?)
saSa*)- Samen
Harz von Acanthus
Harz von Terpenthin
Kuhmilch
gut durchkochen und 4 Tage trinken.
Andre Mittel XXX.*) für die Vorderseite des Schien- XXX.
beins:
Das Innere des när^)- Fisches, das innen in seinem Kopf
sich findet« in Honig weichen, als Pflaster auflegen, um den
Kranken sogleich zu Reilen.
*) qaqat.
') Cfr. Seite 6.
') ännut.
*) Eigentlich: Hautflecke der nvedu.
*) Cfr. Seite 4.
^ Hier folgt auf Tafel 27 unmittelbar 30, ohne dass der Text
wie es scheint eine Unterbrechung erfahren bat; beim Numeriren
hat der alte Schreiber wahrscheinlich die Zahlen 28 und 29 ver-
gessen, cfr. Ebers „Das hermetische Buch über die Arzeneimittel etc."
Leipzig 1875. Einleitung S. 17.
0 Ebers S. 169 „Wels«.
— 28
Ein andres u-/eda za tilgen:
Weizenmehl
Durramehl
Mehl von der Dumpalmenfracht
Xet'- Pflanze
Honig
als Pflaster auflegen.
Ein andres eiternde Wunden zu heilen, die aus
u/edu entstehen:
Gequetschte Dumpalmenfrucht 1
Süsses Bier 1
Bohnen 1
Harz von Acanthus 1
Cbarpie von Leinwand 1
Süsse Myrrhen 1
Süsses Bier zusetzen 1
darauf als Pflaster legen ^).
XXXI.
Mittel den Leib und Anus zu hei
Milch
Gänseschmalz (?)
Gequetschtes uäh')-Korn
Kräuter des Feldes
Weinbeeren
durchseihen und einen Tag einnehmen.
Ein andres:
Brodteig 1 7,
Durrapulver ^/^
Dattelpulver Yi
Honig Yie,
Kräuter des Feldes*) V^
Gänseschmalz ^/,
durchseihen und einen Tag einnehmen.
len:
u
8
/,
u
0 Hier folgt eine lange Beschwörungsformel, die hergesagt
werden solTle, um die Medicamente wirlcsaraei' zu machen; da sie
keine medicinische Bedeutung hat, üherspringe ich sie. "
2) Eine Getreideart (?).
») Hier ist mit kleinerer Schrift zu Beginn der Tafel XXXI Fol-
gendes eingeschoben : ,,nonig Vs durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres: Wein Vs» Honig Vs»» Kräuter des Feldes Va»
Zwiebelwasser (?) 74«"
— 29 —
Ein andres:
Gänseschmalz Vie
Honig Vie
Kräuter des Feldes V4
Frisches Brod Vi
durchseihen und einen Tag einnehmen.
Ein andres:
Zwiehelwasser (?) '/i
flüssige Grütze */,
Gänseschmalz */^
kochen, zu einem Brei machen und jeden Tag einnehmen;
dazu Bierschanm Jrinken.
Ein andres:
Kräuter des Feldes 7,
Süsses Bier Yi
Honig V„
Weihrauch Yei
Beere vom uän-Baum Yie
Weinbeeren */,
Feigen V,
feucht stehen lassen, durchseihen und täglich einnehmen.
Ein andres*) äaä')-Krankheit bei einem Patien-
ten zu vertreiben, uxedu zu heben, heftige Schmerzen
(Kolik), die über eine Person kommen, zu vertreiben
und den Anus durch Kühlen zu heilen:
Absynth 7,
Beere vom uän-Baum 7i6
Honig 7„
Süsses Bier 7«
durchseihen und 4 Tage trinken.
Andre Mittel Entz_üjQduDg (Gluth, Hitze) ijn Anus
un_d_iu^ der Blase*) bei einer Person zu vertreiben, die
häufig Winde von sich giebt, ohne es zu wis^sen*):
abu- Pflanze 1
Salz 1
^) nt doppelt geschrieben.
') Chlorosis aegyptiaca.
^ Septit, vom Stamme Sep => eine Flüssigkeit beseitigen.
*) Soll wohl soviel heissen wie: unfreiwillig.
— 30 —
Wassermelone 1
Honig 1
zerreiben, in Eins mischen, zu einer Engel formen und in den
Anus bringen.
Eine andre Kugel den Anus zu kühlen:
Xeper-ur- Samen 1
Wachholderbeere 1
Beere vom uän-Baum 1
Weihrauch 1
Grüne Bleierde (?) 1
Seezungekomer 1
Kümmel 1
Honig 1
Myrrhen 1
Aloe 1
zu einer Kugel formen und in den Anus bringen.
Ein andres u/edu am Anus zu vertreiben:
Feigen 1
Seesalz 1
Weihrauch 1
Horn (?) von der Kuh 1
zu einer Kugel formen und in den Anus bringen.
Ein andres^) Brennen am Anns zu entfernen:
Antilopenfett 1
Kümmel 1 in gleicher Weise.
Mittel den Anus zu kühlen:
Baumöl (?) 1
Zwiebelwasser (?) 1
Oel 1
Honig V,
einspritzen in den Anus.
Andre Mittel den Anus zu lindern:
Weihrauch
sehtet -Kömer
xeslt*)- Samen
uän-Baum
Kümmel
Collyrium
0 nt mit schwarzer Tinte eingeschoben.
2) Brugsch, Wörterb. VI S. 89C „Mohn pflanze«.
— 31 —
Zwiebel (?)
sa- Kraut- Samen
Baumöl (?)
Fett
Oel
Seesalz
zermahlen, zerreiben, zu einer Kugel formen und 4 Tage in den
Anns bringen.
Ein andres gegen unex^) (Wunde?) am Anus:
Myrrhen
Weihrauch
Cyperu» des Binnenlandes
(Cyperus) des Nordens am Strande
Crocus
Coriander
Oel
Salz
in Eins kochen, in Charpie legen und in den Anns^jt^ringen.
Andre Mittel:
Gänseeier (?) 1
Gänseeingeweide (?) 1
in den Anns bringen.
Ein andres den Anus zu behandeln:
Milch V,
Gänseschmalz ^/,
Gequetschten uäh')-Samen 7^
Kräuter des Feldes 74
Weinbeeren 7*
durchseihen und eineiuTag einnehmen.
Ein andres:
Gequetschte Durra ^/^
Gequetschte Datteln ^j^
Gequetschten Weizen ^/^
Honig Vj^
Kräuter des Feldes 74
Fett 7,
in Eins bringen und einen Tag einnehmen.
XXXIl
0 Brugsch, Wörterb. V. S. 331. unex = »verwunden**.
*) Eine Getreideart (?)
— 32 —
Ein andres:
Gänseschmalz 7i«
Honig y,.
Kräuter des Feldes 7^
Frisches Brod Vi
einen Tag einnehmen.
Ein andres:
Zwiebelwasser (?) 1
Honig V3
4 Tage trinken.
Andre Mittel:
Wein V,
Honig V
Kräuter des Feldes ^/^
Zwiebelwasser (?) ^/^
Flüssige Grütze 7^
Gänseschmalz Vi
kochen, zu Brei machen und tätlich mit Hefe vom Bier, das
geschäumt*) hat, essen.
Ein andres:
Kräuter des Feldes 7^
Süsses Bier 7^
Honig 7,,
Weihrauch 764
Beere vom uän-Baum 7i6
Weinbeeren ^j^
Feigen 7,
Sebesten 7$
feucht stehen lassen und 4 Tage einnehmen.
Mittel Brennen') am Anus zu verhindern, wenn
er leidet in Verbindung mit uxedu in seinen (i. e. des
Patienten) Beinen:
Das Innere von Zwiebeln (?) 7*8
Frischgekochte Grütze 7$
Wachs y
Gänseschmalz /^
Wasser 7a ^^^^'
feucht stehen lassen und 4 Tage einnehmen.
») Cfr. Seite 7 Anm. 2.
*) Determinirt durch die Flamme.
— 33 —
Ein andres, Brennen^) (Entzündung) am Anns zu
vertreiben:
sasa*)- Stücke
fuhu- Samen
Teig
Wachholderbeere
Absynth
Knollen von der tektek- Pflanze
Grüne Bleierde (?)
Kern vom Sycomorenbaum
Knoblauch
Unreine Datteln
zerreiben, mischen und von einem Mann oder einer Frau zu
trinken, die an Entzündung^) leidet.
Ein andres Entzündung^) am Anus zu vertreiben: XXXIII.
Bohnenmehl 1
Zwiebelmehl (?) 1
Myrrhen 1
ähemt-Harz 1
Collyrium 1
zu einer Kugel formen und in den Anus bringen.
Mittel nach anderen Aerzten zu kühlen:
Knoblauch V-.
Wein 7,
Galle (?) von einem fetten Ochsen ^/^
seter ^- Trunk 7^
Honig
durchseihen und in den Anus giessen.
Ein andres:
Ochsengalle ^/^
Abgekochte Milch v 76
Honig 7,
mähui *)-Frucht 7j
durchseihen und einen Tag in_den Anus giessen.
^ tau = Hitze.
*) Cfr. Seite 6.
^ Yielleicht Opium; determinirt mit dem Ruhebett.
*) Brugsch. Wörterb. VI. S. 563 »Wunderfrucht**.
Joachim, Aegyptische HeUkunde. 3
— 34 —
Ein andres:
Zwiebeln (?) 1
ännek^)-Pflanze 1
Wasser
in den Anns giessen.
Ein andres:
Zwiebelwasser (?) 1
Harz von Acanthus 1
Harz von Zizyphus Lotus') 1
mähui ') -Flüssigkeit
in den Anus giessen.
Ein andres den Anus zu kühlen:
Zwiebelmehl (?) V„
Mäuseschwanz Yaj
Honig V,
Wasser 7s
durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres die metu^) des Anus zu lindern^);
Fett y„
Harz von Acanthus */^^
darauf streichen (salben).
Ein andres den kranken Anus zu heilen:
Kuhhom 1
Stücke von getrocknetem Oel 1
Hefe von Wein
zu einem Zäpfchen für den Mann oder die Frau machen.
Ein andres Zäpfchen den Anus zu kühlen:
SaSa«)- Stücke
Zwiebelmehl (?)
Weinhefe
Xeper-ur-Kom
Seesalz
Durramehl
>
») Cfr. Seite 14. Anm. 3.
^ Luring S. 157.
^ Cfr. vorige Seite.
*) metu hier wohl die HämorrhoidalkDOten.
^) Wörtlich: angenehm machen.
«) Cfr. Seite.
— 35 —
Dattelmehl 1
Honig 1
za einem Z&pfchen machen und in den After bringen.
Linderung für den After und Linderung für den
Unterleib^) zu schaffen:
Bohnenmehl
Natron
gemischt mit Myrrhen
Xesait-Samen von mät'au')
Wachholderbeere
Beere vom uän-Baum
Weihrauch
Zwiebelmehl (?)
Kümmel
Honig
zerreiben in Eins, mit diesem Honig mischen, zu einer Kugel
formen und 4 Tage in den After bringen.
Zauberei in dem Leib zu vertreib.en:
Das Innere der hemem')- Pflanze 1
Das Innere der ufält- Frucht 1
Weihrauch 1
Kräuter des Feldes 1
Süsses Bier
in Eins znsammenreiben und von der Person zu trinken.
Ein andres:
Greif meine Hand^F^ags .mgloe .Hasd -Kraut!), hinzusetzen
1 denä') Wasser die Nacht hindurch und davon jeden Tag ein
hennu^-Gef&ss Wasser 4 Tage lang trinken.
Ein andres Zauberei in dem Leib eines Mannes
oder einer Frau zu vertreiben:
Aloe 1
Wachholderbeere 1
XXXIV.
^ Luring S. 65 „Mutterleib* ; Ob abas schlägt die Uebersetzung
.Blase* vor.
>) Brugsch. Wörterb. VI. S. 896 „Mohn vom Lande mat'au^
*) Brugsch. Wort. VI. S. 821 ^eine gewisse Pflauzenklasse,
aus der eine berühmte Salbe bereitet wurde''.
*) Ebers S. 35.
*) deni » 0,6 Liter.
^ hennu = 0,46 Liter.
3*
— 36 —
Roher Honig 1
Natron
in Eins bringen and von dem Mann oder der Fran zn essen.
Ein andres Zauberei and die gottliche ^)y tMiliche
äaä-Krankheit in dem Leib einer Person zu vertreiben;
Die erste Fracht von Cyperas '/$
sasa')-Stacke '/§
Beere von Oehui-Pflanze '/^^
abn- Pflanze */,
zu Palver stossen, in Bier bringen und von der Person gleich
nach dem Zubettgehn zu trinken.
Ein andres:
Gequetschte Datteln, thun in Oei, thun in sehet *)- Saft,
auf Feuer setzen, dazu sar-Saft^) setzen
zu essen von einer Frau, ihren Leib zu schützen.
' Ein andres:
ahn- Pflanze Ys*
sames- Pflanze 7,^
»ehui-Frucht '/^^
Coriander ^/^
in Eins kochen and gleich nach dem Zubettgehn einzunehmen.
Ein andres:
§ames- Pflanze Yie
sasa*)- Stücke 7$
genti *)-Samen '/ei
Honig 7,
in Eins machen und gleich nach dem Zubettgehn zu nehmen.
Ein andres:
Trauben 7»
Kuchen 7i«
§ames- Pflanze 78
Honig 7j,
Saäa*)- Stücke 7^,
zerreiben und einzunehmen gleich nach dem Zubettgehn.
*) D. h. von Gott gesandte ^ Epidemie (?); cfr. die Einleitung.
5) Brugscb. Wort. VII. S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen".
3) Brugsch. Wort. VIL S. 1175 „Mischtrank, Mixtur*.
*) Luring S. 21 „Hefe*.
*) Brugsch. Wort YIL S. 1269 „Cassia«.
16
— 37 —
Ein andres: XXXV.
Frucht der Dampalme 7i«
annek*)- Pflanze 7i«
Wachholderbeeren 7i6
mema-Fnicht 7^
Absynth V^
Honig V,
einzunehmen gleich nach dem Zubettgehn.
£in andres:
äbu- Pflanze 7« 4
Coriander ^/^^
Dumpalmenfrucht 7^^
saäa^- Stücke 7,
sames- Pflanze ^L^
kochen in Honig 7^
und Yon einer Frau um die Zeit des Zubettgehens einzunehmen.
Mittel Entzündung^ im Unterleib zu vertreiben:
Dumpalmenfrucht
Gerösteter Weizen
Weizenmehl
Durramehl
xet*- Pflanze
Honig
den Unterleib damit bepflastern (als Pflaster auf den Unterleib
legen).
Ein andres:
Feigen 1
Kümmel 1
Mehl von uäh^)- Samen 1
Honig 1
sefu-Oel 1
den Unterleib damit bepflastern.
Ein andres:
Beere vom uän-Baum 1
Weihrauch 1
Sebesten 1
^) Brugscb. Wort. Y. S. 93 „Pflanze, die mit dem Mond in
Verbindung steht".
•) Cfr. vorige Seite.
^ Hitze, Brennen.
^) Eine Getreideart (?).
— 38 —
Datteln 1
Oel 1
Esio^ 1
davon ein Pflastgx (machen und) aaf den Unterleib legen.
Ein andres:
Mehl Yon näh*) -Samen 1
Honig 1
Oel 1
Pfefferminz 1
xet'- Pflanze 1
auf den Unterleib als Pflaster legen.
Ein andres:
Ein Stack vom Stamm der Leinpflanze 1
Frische Milch
auf den Unterleib einer Person za legen, die krank ist.
Ein andres:
Oel von zuoberst des des-Kmges*) auf den Unterleib der
Person than.
Ein andres:
sefseft-Kömer mit dem aasgegohrenen mesta- Getränk (?)
mischen and aaf den Unterleib der Person legen.
Ein andres die Todeskrankheit')'in dem Leib einer
Person aaszatreiben:
Beere von &ehai- Fracht 1
Beere von Grocas 1
Fracht von Terpentin-Pistazie 1
Das Innere von der at'ält-Frucht 1
sasa^)-Stacke 1
zermahlen, zerreiben and mit Honig von der Person zu essen.
Mittel den Rampf^) za heilen:
Zwiebeln (?) 7,^
Kämmel ^/^
Wein
kochen and 4 Tage einnehmen.
.V
*) Cfir. vorige Seite.
3) Ebers S. 20.
*) Wörtlich: der Tod; es ist wohl die &aa-Krankheit gemeint;
cfr. hierzu die Einleitung.
*) Cfr. Seite 36.
^) Seuebt; Luring übersetzt «Brust*; Brugsch. VII. S. 1196
,Leib, Oberkörper, Torso*.
— 39 —
Ein andres:
Gemahlene Durra 7«
Cypemsknollen 7«
netertu-Pflanze (Weihrauch (?)) 7„
Das Innere von Zwiebeln (?) */,,
utit von Sycomore */„
Beere vom uän-Banm 7i«
ftäm- Pflanze 7,
Wasser
4 Tage lang zu essen.
Ein andres den Rumpf zu heilen, alle Krankheiten
im Leib zu vertreiben und den Mastdarm zu heilen:
Der Schaum'} von sussegi Bipr
2^beln (?) " ' " 7,
thun in einen des-Krug als köstliches (Mittel) gegen den Tod;
den Schaum anwenden; lass Du es jeder Zeit aufgewärmt essen;
davon 1 hennu*)-Geffos jeden Tag trinken*).
Ein andres Brennen der uxedu am Rumpf zu ver-
treiben:
Feigen
Beere vom Weinstock
Sebesten
Beere vom XXXVI. nän-Baum 1 XXX VI.
Weihrauch
Nasturtium
Rummel
Uta von Datteln
Susses Bier
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres u/edu am Rumpf abzuwehren:
Harz von Acanthus 78
Süsses Bier */, denä*)
zerreiben, feucht stehen lassen, durchseihen und 4 Tage trinken.
Regeln, wenn der ro-ab*) leidend ist. ^J ;2
Wenn Du eine Person untersuchst, die an einem Hindernis
(Verstopfung) an ihrem ro-ab leidet; sie fühlt sich beschwert,
wenn sie Nahrung zu sich nimmt; ihr Leib schwillt auf, ihr
*) Am Rand mit blasser Tinte nefr = gut!
>) Die üebersetzung ist unsicher! cfr. Tafel XI. Z. 18— XII. 3.
") bennu = 0,46 Liter; dena = 0,6 Liter.
^ Cfr. die Einleitung.
— 40 —
HerejstjByitt, wenn sie geht, wie eine Person, die an Entzfin-
dang am Aups leidet; lass sie sich ausgestreckt hinlegen and
nntersnche sie. Findest Da, dass ihr Leih heiss, ihr ro-ih hart
ist, so sage Da ihr: „es ist ein Leherleiden" (eigentlich: L.-Fall);
mach ihr das geheimnisvolle Pflanzenmittel, das der
Arzt verschriehen hat*):
payestet-Pflanze, Abfall von Datteln
mischen, in Wasser auflösen and vom Patienten
4 Morgen za trinken, dam^t Da seinen Leib ausleerst.
Wenn Da, nachdem dies gächehn ist, die beiden Seiten an
seinem Leibe and zwar die rechte heiss *), die linke kahl fin-
dest, sTTag Du dazu: „das ist eine Krankheit *) (P), die dabei
ist, zu_ heilen, sie verzehrt sich". Sieh ihn wieder. Findest
Du, dass sein Leib überall abgekählt ist, so sag Du: „sdpe
Leber hat sich geth^llt und i^einigt*); er hat die Medicin. an-
genommen (d. h. sie hat gewirkt)".
Üntersachst Du eine Person, deren ro-ab krank
ist, alle ihre Glieder sind beschwert, wie (von einer
Person), die geht um sich legen (d. h. die schwerföllig und
matt ist); leg oänn deine Hand auf ihren ro-ab. Findest Du,
dass' Ihr ro-ab_ geschwollen ist und dass es geht und kommt
(d. h. dass Bie Geschwulst sich bewegt) unter deinen Fingern,
so sag DiT dazn: y^es ist ein Fehler in der Verdauung der
XXXVII. Speisen^ ^). Nicht lass sie XXXVII. zuerst essen; mach ihr
radikale Abführung:
Abfall von Datteln auflösen in abgestandenem Bier; (nach-
her) gehen und ihr Brod essen ^).
Untersuchst Du ihn, nachdem dies geschehn ist,
und Du findesT seine Kreuzgegend warm, seinen Leib abgekühlt,
80 sag Du: „der MangeT an Abführung ist gehoben^; lass ihn
seinen Mund schützen ^vor (gegen) allem Heissen').
0 Luring hält das für den Titel einer medicinischen Schrift
*) Mit dem Determinativ der Flamme ; nachträglich eingeschoben
mit rother Dinte.
*) yait = [B rug seh VI. S. 884] „Krankheit in ihren verschie-
denen Formen, Schwäche^.
*) Die Uebersetzung ist nicht sicher! eigentlich: abgeschäumt
^) Eigentlich: es ist ein Aufhören der verdauungsthätigkeit
*) Erst wenn er das Mittel genommen und spazieren gegangen
ist, nimmt er wieder Nahrung zu sich; vorher soll er sich der >^h-
rung enthalten.
0 Er soll sich in Acht nehmen, es meiden.
— 41 —
Wenn Du eine Person untersuchst mit Hindfiinis
(Verstopfung) und Neigung zum Brechen; es ist Krankes^) in
seinen Sei^n wie Excrements ugeln , so sind das in seine Seiten
aufgestiegene Schädlichkeiten; es ist sein ro-äb geschwollen.
Verschreib ihm folgendes Lin'^erungsmittel zu trinken:
frische Grütze, kochen in Oel, Honig
Absynth ^jj
Wachholderbeere 7i«
sasa*)- Stücke V,
dazu thun, in Eins kochen und 4 Tage trinken.*
Wenn Du ihn nachher untersuchst und findest es
mit seiner Krankheit') wie das erste Mal, so bezeichnet das
Heilung.
Wenn Du eine Person mit einem Leiden an^ihrem ro-äb
untersuchst; sie ist krank^ an ihrem Arm, ihrer Brust (Mamma)
und der Gegend ihres ro-aU und es ist ihr gesagt, es ist die
uat*)-^rankneit, so sag Du dazu: „es ist der Tod, der in den
Mund eingedrungen igt und dort haust. Mache ihr ein
Wund mittel*) aus (folgenden) Pflanzen:
Beere von tehua*) 1
Xaslt^)- Pflanze 1
Pfefferminz 1
ännek *)-Pflanze 1
Rother Samen von sexet 1
in Oel kochen und vom Patienten zu trinken.
Leg Du deine Hand^ auf ihn, sein Arm wird mit
Leichtigkeit ausgestreckt, frei von Schmerzen. Sag
Du: ^dieses Leiden jst den wirklichen Dannkanal zum After her-
abgegangen^ ich wiederhole gar nicht mehr das (Arzenei)mitlel**.
"wenn Du eine Person untersuchst, die das Leiden
an ihrem ro-äb hat, sie bricht oft und Du findest es
') Cfr. vorige Seite Anm. 3.
») Cfr. Seite 36.
») vait
*) Wörtlich: die grüne, blühende, frische.
^) Eigentlich: stechendes Mittel; der Sinn ist unklar.
^ Sonst dehui.
0 Brugsch VL S. 896 „Opium«.
^ Cfr. Seite 37 Anmerk. 1.
') detek = ^deine Hand*' ist mit blasser, schwärzlicher Tinte
dazwischen geschrieben.
— 42 —
(als. etwas) Hervorragendes innen auf der Vorderseite^); seine
beideiT^ugen sind ermattet nnd seine Nase verstopft; sag Da
za l¥m~: ^es ist Fäulnis seiner Excremente; es geht nicht durch
seine Weichen ab als Excremente von ihm. Mach ihm dafür
(folgendes Mittel):
Weizenbrod, Absynth in besonders grossen Mengen; dazu
XXX Vi II. setzen ein kleines Gefäss XXXVIIl. mit Knoblauch nebst
saatef) davon mit Bier; fettes Ochsenfloisch
vom Patienten zu essen und mit Bier, das aus mehre-
ren Ingredrenzien gebraut ist, zu trinken, um seine bei-
den Augen zu offnen, seine Nase zu Öffnen und Abgang fur die
Excremente zu schaffen.
Untersuchst Du eine Person mit Verhärtung ihres
ro-ab, so leg deine Hand darauf. Findest Du, dass ihre
yalt') sich verstärkt hat zwischen den darauf gelegten Fingern,
so sag Du ihr: „es ist die seyen^)- Krankheit der uxedu, die
nicht gehoben ist^; mach ihr das Pflanzenmittel:
Rothe Körner von ment'ä*) Vs
kochen Oel in Honig
Oäm-Pflanze Vi«
Wachholderbeere Vi«
. sasa*)- Stücke V,
Cyperus vom Strande^) Vi«
Cyperus vom Binnenlande Vi«
Wein
Milch
zu essen und herabzuschlucken mit süssem Bier, da-
mit er sogleich geheilt werde.
Wenn Du eine Person mit einem Leiden an ihrem
ro-ab untersuchst, sie ist krank an ihrem Arm, ihrer
*) D. h. eine kleine Geschwulst vorn; übrigens ist die üeber-
setzung nicht ganz sicher!
*) «Gebrochenes?*; vielleicht: kleine Stücke.
») Cfr. Seite 40 Anm. 3; hier vielleicht: die kranke Stelle (?).
*) Brugsch. Wort. VII. S. 1109 ^Geschwür*^; er vergleicht da-
mit das Hebr. pPK^i die sechste der 10 ägyptischen Plagen; cfr.
II. Buch Mose Cap. 9 Vers 9 (Die israelit. Bibel von Dr. Philippson).
*) Brugsch: » weiches Wachs*.
«) Cfr. Seite 36.
0 Cfr. Disscorides. Otpl öXijc iorcpix^c. Lib. I. Cap. IV.
— 43 —
Brost und der Gegend ihres ro-ab und es ist ihr gesagt,
es ist die nat-Krankheit, so sag Da daza: ^os ist der Tod,
der in den Mand eingedrungen ist und dort haust ^. Mach ihr
ein Wandmittel aus (folgenden) Pflanzen:
Beere von tehua 1
XasTt-Pflanze 1
Pfefferminz 1
annek-Pflanze 1
Rother Samen von se/et 1
in Bier^) kochen und vom Patienten zu trinken.
Leg Deine Hand auf ihn, sein Arm wird mit Leich-
tigkeit ausgestreckt, frei von Schmerzen. Sag Du:
^das*) Leiden ist den wirklichen Darmkanal zum After heraus-
gegangen; ich wiederhole gar nicht mehr das (Arzenei)mittel^.
Wenn Du eine Person untersuchst, die das Leiden
an ihrem ro-ab hat; sie bricht oft und Du findest es (als
etwas) Hervorragendes innen auf der Vorderseite; seine beiden
Augen sind ermattet und seine Nase verstopft; sag Du zu ihr:
„es ist Fäulnis seiner Excremente; es geht nicht durch seine
Weichen ab als Excrepiente von ihm. Mach ihm dafür (fol-
gendes Mittel):
Weizenbrod, Absynth in besonders grossen Mengen; dazu
setzen ein kleines Geföss voll mit Knoblauch nebst säatet
davon mit Bier; fettes Ochsenfleisch
vom Patienten zu essen und mit Bier, das aus mehre- XXXIX.
ren Ingredienzien gebraut ist, zu trinken, um seine bei-
den Augen zu öffnen, seine Nase zu öffnen und Abgang fur die
Excremente zu schaffen*).
ünters_nchst Du eine Person, die von Zeit zu Zeit
Schmerzen hat wie diejenigen, welche Unrein! jchkeiten ge-
gessen haben; ihr Herz ist matt, als ob die Gebrechlichkeit des
Alters^ über sie gekommen^), so sag Du: „es ist eine An-
sammlung von kranken Sä^n^; er soll sich nicht über die
Krankheit übermüthig hinwegsetzen oder sein Vertrauen auf
») In der Variante Tafel 37. 14. heisst es „in Oel".
^ In der Variante Tafel 37 Z. 16 heisst es «dieses Leiden'^.
«) Die Tafel 38. 10—39. 2 wiederholt nur Tafel 37. 10—38. 3;
die Abweichungen an beiden Stellen sind geringe; cfir. Seite 39 und
die betreffenden Anmerkungen.
*) Die Uebersetzung ist nicht ganz sicher 1
— 44 —
schwache Mittel setzen. Es hat sich ein Geschwnr gebildet; es
ist fauler Eiter und Fluss von der Wunde*). Mach ihm die
Mittel, dTe es (das (Seschwür) durch Arzeneimittel
offnen 5*
Wenn Du eine Person untersuchst, die das Leiden an ihrem
ro-ab hat, ihre Glieder sind zart und ganz ermattet; Du unter-
suchst sie und findest keine Wunde*) am Leib ausgenommen
an den Geschlechtsorganen ^ (?) wie ein Kügelchen, so sag Du
zu ihr: „es^ist Gefährliches in Dir"*); mach ihr als Mittel
dagegen:
Alraunen von Elefantine, zermahlen
des*) -Samen
Zwiebeln (?)
kochen in Oel und Honig
vom Patienten 4 Morgen zu essen, um seinen Durst zu löschen
und das Gefährliche seines Herzens^) zu vertreiben.
Wenn Du die Verstopfung (Hindernis) an seinem
ro-ab untersuchst und findest, er ist nicht im Stande, aber
den Nil zu .setzen (sich zu bewegen), es ist sein Herz*) ange-
schwollen und sein ro-äb asthmatisch^), so sag Du rßiri: „es
ist das Blut^ das sich festgesetzt hat^ und nicht circulirt**.
Mach 5u"*Äusleerung ^ durch Arzeneimittel. Mach ihm dafür
(folgendes Mittel:)
Absyntb */g
Wachholderbeeren 7i«
Sebesten */g
sasa'^)-Stöcke V,
in Bier kochen, das ans verschiedenen Ingredienzien gebraut
ist, durchseihen in eins (gut) und vom Patienten zu trinken.
Dieses Mittel treibt (Blut) durch seinen Mund oder
0 yait.
*) Das specielle Reeept fehlt hier.
^) Die UebersetzuDg ist unsicher; eigentlich „an dem henut des
Körpers".
^) „In deinem Hause."
*) Brugsch. Wort. VIL S. 1375 „Leinsamen«.
•) Oder Machen.
0 Unsicher:
^ Eigentlich: est ist ein Blutnest.
^ Eigentlich: „fallen, gehn"; zu ergänzen: des Blutes.
»*0 Cfr. Anmerkung 2 zu Seite 36.
— 45 —
i^fter ans, das dem Schweineblut gleicht, wenn e,9 ge-
kocht~~l8t. EntweJeFmach ihm einen ümschlagj^. ujn
vornan kühlen; oder mach Du nicht dieses Mittel,
sondern mach ihm folgende wirklich 'ausgezeichnete Salbe be-
stehend aus:
Ochsenfett, Samen von Crocus, Coriander, Myrrhen,
äager-Baum
zermahlen und als Pflaster auflegen.
Wenn Du eine Person untersuchst, die leidet an einer Ver-
stopfung^) an ihrem ro-XXXX. ab und Du findest, dass sie XXXX*).
geht und kommt (sich bewegt) unter deinen Fingern wie Oel
in einem Schlauche, so sag Du dazu: „es kommt ihm in den
Mund wie Schleim*'; mach Du für ihn (folgendes Mittel):
Frucht von der Dumpalme lY^,
mischen, auflösen in männlichem Samen^^ zermahlen, in Oel
und Honig kochen und von der Person 4 Morgen zu essen;
darauf diesen bestreichen mit trockenem, zerriebenem und zer-
stampftem ma^et-?orn.
Wenn Du eine Person untersuchst, die das Leiden
an ihrem ro-äb hat und findest es an ihrem Ruckgrat wie
die Beschwerden von Messerträgerkrankheit ^), so sag Du dazu:
„das sinddie__uxedu, die in seinen Rücken übergegangen sind**;
er ist krank7 ich will die Rücken-Mittel machen; es (das Mittel)
geht inihnjüoein. als ob*) es hineinhüpft (?). Mach Du
ihm eme Topfhefe ^) und mach ihm nachher folgende Mittel:
yet'-Pflanze (frutex hortensis) 1
Pfefferminz 1
Harz von Acanthus 1
Maurerlehm 1
zermahlen, kochen in Hefe von süssem Bier und 4 Tage
aufstreichen, um ihn sogleich zu heilen.
Wenn Du die Verhärtung seines ro-äb untersuchst
*) Hier wohl eine Art Geschwulst.
*) Obenan auf Tafel XXXX steht „Abfall von Datteln %*.
3) Der weisse milch- oder schleimartige Same des Mannes. L.
*) JlTne "Krankheit, die auch im Berliner med. Papyrus beschrie-
ben ist; cfr. Brugsch VI. S. 968.
^) Ich fasse hier m gleichbedeutend mit mä auf.
«) Ebers S. 19.
— 46 —
nnd findest^), es ist sehr viel schlimmer geworden, so sag Du
zu ihm: ^diese Verhfirtung hringt Dir schmerzhafte') Conval-
sionen*) nnd ist wie ein Leiden*), das sich im Leib erhebt.
Mach Du ihm:
Öäm-Pflanze 1
iaia')- Stucke 1
Gyperus vom Strande 1
Gyperus vom Binneniande 1
Zwiebeln (?) 1
in süssem Bier kochen, um .......*).
Wenn^) Du eine Person mit Verhärtung an ihrem
ro-ab untersuchst; sie bricht und ist sehr krank, ihr Leiden
ist wie eine Wunde ^, so sag Du: „gehoben sind die uxedu,
sie umschlingen ihn nicht ^). Mach ihm zu trinken:
Feigen V^
Milch V„
Brodteig Vg
ruhen lassen in süssem Bier Y,
durchseihen und sehr häufig einnehmen, um ihn sogleich gesund
zu machen.
Wenn*®) Du eine Person untersuchst, die das Lei-
den an ihrem ro-äb hat, so leg deine Hand auf ihn. Fin-
dest Du ihre rechte Seite angeschwollen'^), so sag Du:
„ ^'^; mach Du ihr dagegen als Augenblicks-
mittel:
Dumpalmenfrucht durchseihen und 4 Tage trinken.
^) Am Rand der Tafel ist mit blasser, schwarzer Tinte nefr = gut
hinzugefügt.
*) Cfr. Zeitschr. f. aegypt. Spr. 1880. S. 14; eigentlich: „bitter".
^ Aegyptiscli: hit; Brugsch VI. S. 747 „convulsiones inducere".
*) Aegyptisch: nesit; cfr. Brugsch VL S.696 = Schmerz, Leiden.
*) Cfr. S. 36 Anm. 2.
^ Die üebersetzung ist unsicher.
^) Am Rand ist mit blasser schwarzer Tinte nefr = gut biozu-
gefügt.
*) Wortlich: sie leidet daran (an dem ro-äb).
') Eigentlich: sie legen keinen Strick um ihn.
*<*) Am Rand ist mit schwarzer blasser Tinte nefr = gut hinzu-
gefügt.
*^) Eigentlich: wenn Du ihn gehöben findest auf seiner rechten
Seite.
") Die Üebersetzung ist unsicher.
— 47 —
Wenn Da ihn untersuchst XXXXI., nachdem dies XXXXI.
geschehn ist und findest, dass diese seine kranke Stelle *)
gleich bleibt wie vorher, so mach Du ihm das Linderungsmittel
zu seiner Ausleerung und Heilung *):
Beere von tehua*) Ye«
Eine Priese (Portion) Salz
zermahlen, in süssem Bier kochen.
Mach Du ihm das Linderungsmittel von Oel zu
seiner Ausleerung:
Eine grosse Portion seyet-Frucht zermahlen, in Oel
und Honig kochen*) und vom Patienten 4 Tage lang
zu essen.
Wenn*) Du eine Person mit Verhärtung an ihrer
linken Seite untersuchst^ sie hat Fasse*), dass sie
nicht auf^dem Boden gehn kann, so sag Du zu ihr:
„sie bat Sandbänke gegraben und Sand gehoben** (vermuthlich
ein Ausdruck daTur, da^s sie sich angestrengt hat). Mach Du
ihr die Mittel, die vorher genannt waren:
Dumpalmenfrucht */^
ftäm-Samen, zermahlen 7$
Wachholderbeere 7i e
äasaO- Stücke 7,
in Eins kochen mit Oel 1 und Honig ein wenig und vom
Patienten 4 Tage lang zu essen.
Wenn Du den Kranken untersuchst, nachdem dies
geschehn ist und Du findest, dass sie ^) sich bewegt, der
untere Theil ausgenommen'), so mach Du ihm:
Eine Masse von trockenen pesed- Körnern ebenfalls*^ zu
kocheq und vom Kranken 4 Tage zu essen, um seinen Leib
*) Aegytisch: vait; cfr. Seite 40 Anm. 3.
^ Eigentlich: damit es herausfalle und er gesund werde.
*) Sonst dehui.
*) pes iat mit schwarzer Tinte hineingeschrieben.
*) Am Rand ist mit schwarzer Tinte: „nefr är ^ „gut zu be-
reiten" hinzugefügt.
*) Eigentlich: Gelenke, insbesondre Fussgelenke.
0 Cfr. Seite 36 Anm. 2.
*) Die Verhärtung.
•) Die Uebersetzung ist unsicher!
*^ Unsicher; vielleicht: Kochen mit Umdrehen (?).
— 48 —
zu füllen ai|d seine Eingeweide *) anzufeuchten *) (einzutauchen).
Leg Deine Hand darauf; findest DtX" 316"^ z€r8tnckelt_nnd
zermahlen wie etwas in der uahit-Pflanze^), so mach Du
ihm augenblicklich zur Kühlung:
Frucht von der Dumpalme 1
fuh-Rönier 1
Wasser
durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Wenn Du eine Person mit einem Leiden an ihrem
ro-ab untersuchst und Du findest, nachdem sie über den
Nil gesetzt hat, dass siencrant Ist' än^renhefden "Seiten^ ihr
Leib ist aufjgetrieben , wenn sie N'ahrung zu sicJi nimmt *),
/ ihr M.agen (Herz) fohlt sich beschwert bei ihrem ^ Hineintreten \
<''^ /scfist es die beöetu- Krankheit ^\ ESmpfe Du (regen sie mit
-Linderungsmitteln, nachdem^T"iertli"eh Umschlag von
Weizenwasser erhalten hat. Wenn sie sich hernach unter
deinen Fingern^^iEfig^, so brauche Du bei ihm 4 Morgen
die" Klistierspritze^). lhr_Eindringen (der Spritze) verwundet;
dagegen ist zu brauchenl
uäh')- Körner V,
Gummitropfen V,
Grüne Bleierde (?) 7,^
in Oel und Honig koch£aL.ttnd vom Patienten 4 Tage lang ein-
zunehmen.
Wenn sie sich nachher unter Deinen Finjgernjb^
wegt, wfe yanSkürner, alle_ seine Glieder brennen unter der
de^ert'^'-'Krankheit
" ' Bröd iD^Qährung.
») Brugsch VIL S. 1241 „Geschlinge".
') Luring S. 80.
") Die Verhärtung'.
*) Kohl oder Getreide.
^) Eigentlich: von dem Brode.
^) D. h. wenn die Person Nahrung geniesst und sie in den
Magen kommt.
0 Nach Brugsch: confractio, coutorsio, tortura.
«) Ebers S. 19.
») Eine Getreideart (?).
1^ Sterns Glossar zu dem Papyrus Ebers: putredo, morbus
cutis.
— 49 —
Etwas vom Horn
Nahrangsmittel von Enten
geht in ihn hinein,' "als 6h es Tiineinhfipfüj^
Wenn JL>u~eine Person untersuchst mit Verhärtung
an ihrem ro-ab, ihr Herz CMag^en) schmerzt sie, Unbe-
hagen XLU. ergreift sie bei jeder Nahrung~~^ie sie isst, ihr XLII.
ro-ab ,ist~ngeschyoiien. sie leidet,..aQ ihren beiden Füssen,
ihren Fusssohlen, aber nicht an ihren beiden Schenkeln; unter-
suchst Du ihn und findest seinen ro-dh -schwach wie eine
Frau, die ein Kind geboren hat^^^ und sein Kopf ist schwach,
so sag Du ih m : 7,6s Jst__eineYers topf un^ der Excrementa;
das Wasser dringt jq ihn hinein^ als ob es hineinhüpft ^). Mach
D'u ihm die Mittel des Geheimnisses^, das nur für
den'XrzTJsT, ausgeliömmen für deine eig^ene Xoiüiter:
Grünen, nicht getrockneten Weizen in Wasser kochen, ohne
zu verdampfen; es vom Feuer nehmen, um es mit Dattelabfall
zu mischen; durchseihen und in 4 Tagen einnehmen, damit er
sogleich geheilt werde.
Wenn Du eine Person untersuchst'), die Verhärtung
hat, ihr HerzXMagen) schmerzt sie, ihr_ Gesicht ist bleich, ihr
Herz klopft (?); wenn Du ihn untersuchst und findest
sejn Herz (Magen) brennend, seinen Leib aufgetrieben,
so ist es die 8e)(en^)-krftnkheit in der Tiefe, und der
Brandy verzehrt ihn. Mache Du ihm ein Mittel, das den
Brand löscht und seine Eingeweide' ausleert durch Trinken von
süssem Bier, das in getrocknetem Teig gestanden, hat; zu essen
und trinken 4 Tage lang. Sieh Du jeden Morgen in 6 Tagen
nacfij^ was^aus seinem After herausfällt. Wenn die näat'et
(Excremenle?) aus ihm herausfallen ~* wie schwarze
Klümpchen, so sag Du ihm: „dieser Körperbrand ist auf
sein Herz (Magen) gefallen, die äsI-KranTcheit^ seines Leibes
*) Die Uebersetzung dieses kleinen Abschnittes ist upsicher; es
scheint etwas ausgelassen zu sein ; cfr. Tafel 4Ö Z. 7.
*) Eigentlich: hervorgestossen hat
^ Die Uebersetzung des letzten Satzes ist unsicher!
♦) Im Papyrus steht seta, was keinen Sinn giebt, wohl fälschlich
statt sesta.
*) vaek ist mit blasser rother Dinte nachträglich dazwischen-
geschrieoen.
«) Brugsch Vll. S. 1109. „heiss sein, Geschwür"; cfr. Seite 42
Anm. 4.
^) Brugsch I. S. 120 „damnum sive detrimentum".
Joachim, Aegyptische Heilkunde. 4
— 50 —
ist verlJißinßrt*). Untersuchst Du ihn, nachdem dies ge-
selle hen ist, und es tritt etwAS. aus seinem AftßjuFie das
Weisse von Johnen'), und Tropfen schiessen jiiiÄitun-hervor wie
nesu von tepant^, so sagDü"däzüV ^^das was in ^seinem ro-äb
XLIII. ist, XLIII. fallt herunter*^. Mach Du iÜmT Mittel, die das
Gesicht kGhlen; den Kessel über Feuer stellen, eine
Mischung i¥m machen und auf dieselbe Weise*) kochen.
Ein andres*) Mittel zur Vertreibung der Verhärtung
am ro-äb:
Brod von Zizyphus Lotus ^)
Wassermelone
KatzenXöth
Süsses. Bier
Wßi».
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres Verhärtung an der rechten Seite zu
heilen und den Schmerz^) ihm auszutreiben:
äeneft")- Körner 1 denä
Weisse sexet-Frucht Ys
Grüne sexet-Frucht Yg
Fibern der xas^t-Pflanze®) 7i6
Beere vom uän-Baum 7i6
Crocus des Berges 7«
Crocus des Nordens 7$
Lotusblume 7$
Myrrhen 7i6
xet'- Pflanze 78
Grünspan von der Barke 78
sefet**»)-Oel 7,^
teun-Pflanze 7,
') Hat abgenommen.
») Brugsch VIL S. 1207. Cfr. Ebers, 1.1. S. 18.
') Die Uebersetzung ist unsicher!
*) Unsicher ;cfr. Seite 47 Anm. 10. Dieser ganze Abschnitt bietet
der Uebersetzung sehr erosse Schwierigkeiten.
*) Folgt unvermittelt ohne Absatz; ket ist mit schwarzer Tinte
geschrieben.
«) Lürin^ S. 157.
7) Aegyptisch: nesit = Schmerz, Krankheit, Leiden.
«) Cfr. Seite 4. Anm. 3.
^ Brugsch. WörtVL S. 896 „Mohnpflanze*.
'<>) Ein heiliges Salböl.
— 51 —
Honig V„
Bier V.
Gänseschmalz ^) */g
feocht stehen lassen, durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres Verhärtang an der rechten Seite zu
vertreiben, wenn das Feuer') (die Entzündung) ab-
nimmt:
Feigen 7,
Sebesten 7$
genti-Samen *) Yie
Weinbeeren 7^^
änest-Pflanze 7i6
Beere vom uän-Baum 7i6
Milch 7,
Honig 73
Weihrauch ^/^
Weisser Kuchen 7j>
Brodteig 7,,
Grüne Bleierde (?) 7„
Harz von Acanthus 7j>
Wein 7^
Harz von Zizyphus Lotus*) 73>
Harz von Sycomore */,,
Bier 73 ^®°*
feucht^) stehen lassen, durchseihen und 4 Tage lang
eiDDehmen.
£in andres Verhärtang zu vertreiben, wenn das
gt^am^ro-ab frisst *):
1) set = „Gans" ist mit schwach-rother Tinte hinzugefügt.
^ Wörtlich: wenn es erlischt.
') Brugsch VII. S. 1269. „Cassia".
*) Cfr. Luring S. 157.
^ Ausnahmsweise ist hier die Verordnung mit rother Tinte ge-
schrieben.
^ Die Erkl&rang des am r aenef .bei Brugsch V. S. 76. ist wohl
nicht richtig;! überall wo von ,JBJutfressen" im Papyrus die Rede
i»t,*natniich 43. 14; 75. 19; 87. 17; 87. 20; 88. 1; 89. 14 ist Jas am
durch die den Fiag.er zum Mund führende Person determinirt im
GegeABäTSTzu am mit der Bedeutung „quod est in"^ wo dieses De-
termioatiTua^L fehlt.
4*
— 52 —
Mischung von Wein und Wasser 1
Saure Milch 1
Baumol (?) 1
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Aadre*) Mittel für den ro-äb:
uäh ') - Körner 7»
Weinbeeren 7a
Kräuter des Feldes 7*
Feigen ein wenig
Teig von Sycomore
oder Zwiebeln (?) von der Oase
zermahlen, zerreiben, in süsses Bier von zur Ernährung erforder-
lichem Getreide ') (also Weizen- oder Gerstenbier) thun^ feucht
stehen lassen, es nicht trocken (oder) zugedeckt finden lassen,
dazu tiiun:
Honig 7,
Gänsefett 7,
in Eins machen und von einem Mann oder einer Frau zu trinken.
Ein andres Verhärtung am ro-äb zu vertreiben:
Brod von Zizyphus Lotus*)
Katzendreck
Mennige
Wassermelone
Süsses Bier
Wein
in Eins machen und als Pflaster darauf legen.
Andre*) Mittel für den ro-äb:
Honig 1
Baumöl (?) 1
Weihrauch 1
Wein 1
XLIV. in Eins thun, kochen und essen.
Ein andres:
Honig 2
Mehl von der Dumpalmenfrucht 2
Kräuter des Feldes 1
0 Wörtlich: Ein andres: Mittel etc
^ Wohl eine Getreideart (?).
*) Uebersetzung ist nicht sicher; cfr. Brugsch VII. S. 1365.
*) Wörtlich: gethan.
*) Cfr. Luring S. 157.
— 53 —
zu 4 Kuchen machen für 4 Tage; nachher Honig kochen, vor-
her hinzufügen *)
Mehl von Dumpalmenfrucht
Kräuter des Feldes
4 Tage lang essen.
Ein andres für den ro-äh:
Weihrauch Y^^
Wachholderbeere 7a
Kräuter des Feldes') 7^
Honig 7,
Wein 7,
Gänseschmalz 7a
kochen und einen Tag einnehmen.
Ein andres Krankheiten am Herzen zu vertreiben:
Dattelmehl 7^
Zwiebeln (?) 7,.,
ämamu-Pflanze 78
Süsses Bier 7a ^®°*
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen
tehebu-Baum *) 73«
Ein andres:
Milch 73
Honig 7jg
Wasser 7»
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Mittel su§*) der Fieber(hitze) am Herzen zu ver-
treiben:
änest-Pflanze 1
Sebesten 78
Weizenbrod 78
Kuchen 788
Blüthen von Cucumis melo ^/j,
genti *)-Samen 78 a
') Eigentlich: dazu fallen lassen.
*) ta = »Feld" ist mit rother Tinte dazwischengeschrieben.
^ Hier ist wohl etwas ausgelassen; cfr. T. VII. Zeile 21.
*) Brugsch VIT. S. 1022 bringt das Wort mit der Messschnur
zusammen; Sterns Glossar: angor seu siccitas? Ich schlage die
üebersetzung „Beklemmung (Dyspnoe?) in Folge von etc.** vor; die
Annahme des ersten Autors spricht ebenfalls für diese Üebersetzung.
*) Brugsch VII. S. 1269 »Cassia«.
— 54 —
Honig V,
Wasser 1 dena
feacht stehen lassen und 4 Tage lang trinken.
Ein andres das Herz zu behandeln:
Cucumis melo 7a »
Brodteig 7»
Grüne Bleierde (?) 7„
Frische Datteln 7,
Honig V,
Wasser 1 denä
feucht stehen lassen, durchseihen und 1 Tag einnehmen.
Der Beginn der Mittel äaä^)-Krankheit im Leib und
im Herzen zu vertreiben:
sames-Pflanze 7is
sasa')-Stücke 7,
Grüne Bleierde (?) V^,
Honig V, ») (?)
in Eins machen und gleich nach dem Zubettgehen einzunehmen.
Ein andres:
Cyperus Ys
sasa*) -Stücke Ys
Wachholderbeere Yi«
Grünspan Ys4
sehtet-Kömer */,,
pesed-Samen *) ^/
Honig 7.^ (?)
in Eins machen und gleich nach dem Zubettgehen einzunehmen.
Ein andres:
Gummi Yj»
Weintrauben 7is
§asa»)-Stücke 7,
Sames-Pflanze 7i6
Honig */, ») (?)
in Eins machen und gleich nach dem Zubettgehen einzunehmen.
Andre Mittel:
») Cfr. die Einleitung.
^ Brugsch. Wort. VII. 8. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen".
») Ebers S. 50.
*) Ebers S. 101 «Gerste«.
— 55 —
uäh*)-K5raer, zennahlen Ya
Blätter der Ricinospflanze ') 7$
xesu von der Sycomore */,
Grane Datteln 7^
Lotusblume 7$
Frischer Brei 7»
Wasser 1 denä
auflosen und sogleich nehmen.
Ein andres die gottliche, todtÜche^ äaä^K^rankheit
im Leib einer Person zu vertreFBen:
HaVz XLV. von Acanthus 7„ ^^^•
Harz von Pistacia terebinthus ^/,j
Frucht von Pistacia terebinthus 7ij
Zwiebel (?) 7. *
Salz 7„
Weintrauben 78
Kern der ut'ält-Frucht 7«
saäa*>Stücke 7^
sames-Pflanze ^/.^
Honig »/, *) (?)
in Eins machen und gleich nach dem Zubettgehen einnehmen. ^^-«^
Ein andres:
änest-Pflanze ^/^
Feigen 7,
Crocus des Nordens 7u
genti *)-Kömer 7,,
Honig 1 denä
Weintrauben 7sj
uäh ^)-Korner 7^^
Brod von Zizyphus Lotus 7i6
abu-Pflanze 7«»
Coriander ^/^^
durchseihen und gleich nach dem Zubettgehen einnehmen.
») Wohl eine Getreideart (?).
^ Aegyptisch = qaqa; das Griechische x(xi.
*) Eigentlich: ^es Gottes und des Todes d. h. die von Gott ge-
sandte, (epidemische?), todiliche; cfr. die Einleitung.
*) Cfr. die Anmerkungen zu voriger Seite.
*) Brugsch VII. S. 1269 „Cassia*.
- 56
Ein andres äaä^)-Krankheit am Herzen za vertrei-
ben; zu vertröiben die HerzschwäcEeT), Herzpalpita-
tionen') und die Herzstiche:
änest-Pflanze
V
7j ebenso.
Feigen
Crocus
Grüne Bleierde (?)
sasa*)-Stücke
Honig
Wasser
Ein andres:
Weintrauben
uäh *)-KÖrner
Brod von Zizyphus Lotus
abu-Pflanze
Crocus
anest-Pflanze
Wasser
Handmittel®) die göttliche, tödtliche äaä')-Krank-
heit zu vertreiben und alles Mögliche (üebel) zu tilgen:
'i
V
7, ebenso.
Feigen
Sebesten
Weizenbrod
Grüne Bleierde (?)
Wasser
7, ebenso.
Ein andres Handmittel*) das Herz in Wahrheit zu
heilen:
Feigen
Grüne Bleierde (?)
Kuchen
Wasser
*/j ebenso.
Handmittel®) den Tod im Leib zu vertreiben, zu
0 Cfr. S. 55 Anm. 3.
^ ab = Herz mit rother Tinte eingeschoben; eigentlich j^das
Aussei-sich-gerathen" ; Brugsch VI. S. 561.
3) Brugsch T.'S. 305 ^fliehen«.
*) Brugsch VIL S. 1226 „Kuchen aus zusammengepressten
Rosinen".
^) Wohl eine Getreideart (?).
^) Augenblicksmittel, d. h. sofort anzuwenden.
^) Cfr. Anmerkung 3 zu vor. Seite.
— 57 —
vertreiben die göttliche, todtliche äaä')-KraDkheit und
die uxeda, and alles, das krank ist, zu tilgen:
Crocus vom Delta 7i
13
V
V
7, ebenso.
näh ')-Samen
Brodteig
Feigen
Dumpalmenfracht
sasa *)-Stücke
Honig
Wasser
Ein andres:
Mehl von aäh')-Komem
Feigen
Weintrauben
änest-Pflanze
Wachholderbeere
Cyperus
Kümmel
Honig
Wasser
Ein andres ^) das Herz zu heilen und die uxedu
fernzuhalten*):
V
V
V
v"
/8
7, ebenso.
Grüne Bleierde (?)
Kuchen
Feigen
Weinbeeren
Sebesten
Weizenkom
Wasser
kochen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Feigen
Weizenkom
Honig
Grüne Bleierde (?)
Wasser
'r
V
v:
V,
6
V.
V
7, dena el)enso.
>) Cfr. S. 55 Anm. 3.
^ Cfr. S. 56 Anm. 5.
') Cfr. S. 56 Anm. 4.
^) nt ist nachträglich eingeschoben.
^) Eigentlich: fortgehn zu lassen.
— 58 —
Ein andres Handmittel das Herz zu kühlen:
Feigen '/, " "
anest-Pflanze 7^
Grüne Bleierde (?) 7^
Honig V„
Wasser 7» öbenso.
Ein andres^) die äaä-Krankheit im Herzen zu ver-
treiben:
Crocus Vi6
abu-Pflanze 7ij
Süsses Bier Ys ^®^^
kochen und 4 Tage einnehmen.
XLVI. Ein andres:
äbu-Pflanze 764
Crocus 7«
Öehui-Frucht %^
Süsses Bier 7»
kochen, feucht stehen lassen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein Handmittel, ^ die äaä-Krankheit im Leib und
im Herzen in Wahrheit zu vertreiben:
Pulver von der äbu-Pflanze 764
Pulver von Coriander 7^^
Süsses Bier 7^
gleich nach dem Zubettgehen zu trinken.
Ein andres:
äbu-Pflanze 764
Coriander 7i 6
»ehua-Frucht 7^^
sames-Pflanze 7i6
Dumpalmenfrucht 7i6
sa§a')-Stücke 7,
Honig 7,
kochen und gleich nach dem Zubettgehen einnehmen.
0 ket ist doppelt gesetzt, als letztes Wort einer Zeile und
als erstes der darauf folgenden; wahrscheinlich liegt hier ein Ver-
sehn des Abschreibers vor.
*) ^heniä = HandmitteP scheint nachträglich hinzugefügt zu
sein; der Abschreiber sab das eine Zeile vorher stehende ket und
hat vielleicht dadurch veranlasst „herua^ ausgelassen.
') Brugsch Wort. VlI. S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen''.
— 59 —
Ein andres:
Durra- Wasser, die Durrakeme aus-
schneiden, zerstossen und kochen Ya
gentet-Pflanze Vis
Zwiebeln (?) 7„
Honig V„
Knollen von der tektek-Pflanze Vjj
Sycomore 7»«
kochen, durchseihen, feucht hinstellen und 4 Tage lang trinken.
Ein andres die äaä-Krankheit zu tilgen ^):
Jochaullegung ') (?) von sau -Holz in Oel erwärmen und
dagegen geben.
Der Beginn von den Mitteln, welche der Gott rä
für sich selbst gemacht hat:
Honig ans Feuer gestellt 1
Wachs 1
Das Abgeschabte*) von Weihrauch 1
Leinsamen (?) 1
Zwiebeln (?) 1
sa§a^)-Stücke 1
Knollen von Cyperus 1
Beere von der t'aas-Pflanze 1
abtt-Pflanze 1
Xaslt *)-Pflanze 1
Ausgezeichneter Weihrauch 1
peres-Samen 1
Beere von Coriander 1
Das Abgeschabte') vom uän-Baum 1
Das Abgeschabte *) vom Cederbaum 1
Frischer Brei
in Eins machen und damit die kranken Stellen bestreichen,
(um) die gottlichen und alle Arten todtlicher Krank-
heiten und die u/edu jeglicher Art in jeglichem Glied
einer Persoli zu vertreiben, um sie sogleich gesund
zu machen.
') Eigentlich: zum Weichen zu bringen, fernzuhalten.
^ Cfr. Brugsch VI. S. 690; Name einer Erd- oder Steinart.
«) Ebers S. 93 „Feilspähne«.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 3.
») Brugsch VI. S. 896 „Opium«.
— 60 —
Ein andres zweites Mittel, das der_Gott_su_|J__Xür _ych
selbst gemacht hat:
" Weizenmehl
Seesalz
Oel
Coriandermehl
Maorerkohle
Zwiebelmehl (?)
Bohnenmehl
Weihrauch
gentet-Pflanze
Grüne Bleierde (?)
Frische Milch
in Eins machen und damit auf die kranke Stelle streichen.
Ein andres, drittes MJitelj^das die^Göttin Jefnut ') für
den Gott rä selbst gemacht hat:
Mehl von ämää-Eömem 1
seneft ')-Frucht 1
Gänseschmalz 1
sechs Mal versiegeln, alle Wunden und göttliche Krankheiten
bestreichen, um ihn sogleich gesund zu machen.
Das vierte Mittel vomGoUseb*) für den Gott rä selbst
gemacht:
"■"* Zwiebelmehl (?) 1
Mehl von Öehua-Frucht 1
Mehl von xet'-Baum Blüthen (?) 1
XLVH. zermahlen, zerreiben in natürlichem Dattelwein XLVII. und alle
Wunden in göttlichen Krankheiten und allerlei Uebel zu be-
streichen, um sogleich gesund zu machen.
Das fünfte Mittel von der Göttin nut') für den Gott rä
selbst gemacht:
Maurerziegel 1
Der Stamm ^) von der qadet-Pflanze 1
Stein vom Flussstrande 1
Natron 1
0 Der Gott der Luft.
^ Die Göttin, welche die feuchten Niederschläge spendet.
*) Gehört zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
*) Name des Erdgottes.
*) Göttin des Himmels.
^ Eigentlich: was am Boden ist.
— 61 —
Seesalz
Frische Grütze
Oel
pat-Saft
sefet *)-Oel
sens-Brod
kochen, in Eins machen und damit bestreichen alle Wunden von
u^edu jeglicher Art und von allerlei ÜePeTn.
Ein andres, das sechste, von der Göttiji^ äst") für den
Gott rä selbst gemacht, um Schmerzen, die in seinem Kopf
sind, zu vertreiben:
Beere von Coriander 1
Beere von der /aslt ')-Pflanze 1
Absynth 1
Beere von der äames-Pflanze 1
Wachholderbeere 1
Honig 1
in Eins machen, dieses mit Honig mischen und damit ^) auf-
streichen, um ihn sogleich gesund zu machen. Wenn bei ihm
alle diese Mittel gegen allerlei Krankheiten am Kopf und gegen
Leiden und Uebel jeglicher Art angewendet werden, wird er
augenblicklich gesund werden.
Mittel Schmerzen*) am Kopf zu vertreiben:
Das Innere von Zwiebeln (?)
Die Frucht vom äm-Baum
Natron
sefseft-Samen
Qrate_yRnnL jrra^J-Fisch , gekocht
Rother Fisch, gekocht
Schädel vom behau ^}-Fisch, gekocht
0 Ein heiliges Salböl.
v\ ^g^ ^— Isis.
«) Brugsch VI. S. 896 „Opium^
*) Nämlich auf dem Kopf.
*) Aegyptisch heta oder dsta.
®) Brugsch. Zeitschrift für ägypt. Spr. 1881. S. 38: „vielleicht
Schwertfisch*'.
0 Brugsch. Zeitschrift für ägypt. Spr. 1882. S. 70: „vielleicht
Krebs«.
— 62 —
Honig 1
äbra ^-Salbe 1
damit den Kopf 4 Tage lang einölen.
Ein andres:
Beere von der ämmest')-Pflanze
Beere von der xasIt*^)-Pflanze
Beere von Coriander
ännek *)-Pflanze
yet'-Pflanze
Eselsfett
den Kopf damit einölen.
Ein andres gegen Schmerzen auf der einen Seite
d^s Kopfes (Migräne):
Den Schädel vom när *)-Fisch in Oel erwärmen und 4 Tage
damit den Kopf einschmieren.
Verzeichnis*) über die Verwendung des deqm-
Baumes, wie man es gefunden in alten von dem Licht^
der Männer [verfassten] Bücher:
Wenn man seine Stengel in Wasser zerreibt und auf einen
Kopf, der krank ist,^thut, wird er sogleich wieder frisch werden,
als wenn er nicht krank gewesen wäre. Wenn dann eine Per-
son, die Mangel an Excrementen *) hat, ein wenig* von seinen
Beeren mit Bier kaut, so wird es das Kranke') in dem
Leib des Patienten vertreib en^*^).
Auch werden weiter die Haare einer Frau durch seine
Beeren wachsen; es zermahle sie, mach in Eins, und
thlie es in Oel eine Frau und salbt ihren Kopf damit.
>) Ebers S. 98 „feines Salböl«.
^ Loret. Recueil de travaux relatifs ä la philol. et ä rarcbeol.
egypt. et assyr. Septieme annee. Paris 1886. S. 108. ,Anethum
graveolens L."
«) Brugsch Wort. VI. 8.896 „Opium«.
♦) Brugsch Wort. V. S. 93 „Pflanze, die mit dem Mond in
Verbindung steht.
*) Ebers S. 169 „Wels«.
*) In ungewöhnlicher Weise ist hier der Text abgebrochen, und
es folgt eine zusammenhängende Angabe über die Verwendung des
Ricinusstrauches ; ägyptisch dfiqm.
Ö Aegyptisch: yut = T(i iyaM; Licht, Ruhm, Weisheit.
^ 1). h. verstopft ist.
*) Aegyptisch: vait.; cfr. Seite 40. Anm. 3.
»0) Cfr. Diese. De mat. medica. Lib. IV. Cap. 161.
— 63 —
Es ^) wird dann auch sein Oel aus seinen Beeren gepresst als
Salbe*) für den gebraucht, der eine uha ')-Geschwul8t mit stin-
kender Materie hat; siehe das üebel wird fliehen, als wenn ihm XLVIIf.
nichts gefehlt hätte*); er braucht es (das Oel) in gleicher
Weise 10 Tage als Salbe, indem er sich damit täglich am
Morgen früh salbt, um sie (die Geschwüre oder Geschwülste) zu
vertreiben*). Wie es sein soll, tausendmal.
Ein andres Schwindel"*) im Kopf zu vertreiben:
Wenn der Kopf bei einer Person schwindlig') ist, so leg Du
deine Hand auf seinen Kopf, während^) er Beschwörungen dar-
über liest, mach für ihn:
Natron, zermahlen in Oel, Honig und Wachs
in Eins machen und damit aufstreichen.
Andre Mittel^ für seinen kranken Kopf und Kopf-
schmerzen:
Weihrauch
Fett**^) von der äbu-Pflanze
äbra ")-Oel
ässes-Pflanze
Fett
zermahlen, kochen und damit einsalben.
Ein andres für seinen kranken Kopf und u/edu
zu vertreiben^'):
Weihrauch 1
Kümmel 1
Beere vom uän-Baum 1
Gänsefett 1
kochen und damit einsalben.
J) Cfr. Tafel 27. Zeile 11—14.
*) Einreibung.
•) uJ^a = (durch Feuer) yernichten ; also wohl eine Art Abscess
oder Geschwür.
*) Eigentlich: als wenn nichts gegen ihn wäre.
*) Cfr. Diese. De mat. med. Lib. I. Cap. 38.
*) daut ^ tremor oder »Schuttfilfl".
0 Oder «schüttelt".
^) Oder „ohne dass er".
») Brugsch VIT. 8.1117: „Kopfuoittel. 1st er leidend, so stillt
den Schmerz."
»0) Brugsch VII. S. 1386. tjeda = feist, fett; von Pflanzen ge-
sagt bedeutet es „das Beste, Vorzüglichste". '
»0 Ebers S. 9^ „ein feines Salböl".
*^ Eigentlich: aufzuheben.
- 64 —
Ein andres den Kopf zu heilen:
Oel von Aloö 1
Mentha montana 1
Das Weiche vom 5resTi^)-Harz 1
Weihrauch " 1
salben damit 6 Tage; es heilt den Kopf.
Ein andres:
Das Innere im Weihrauch 1
den Kopf damit oftmals einreiben.
Ein andres seinen kranken Kopf gesund zu machen:
äsu ')-Pflanze
uän-Baum
Fett vom Cederbaum
paätet-Holz
Weihrauch
Fett
zermahlen und auf den Kopf thun.
Ein andres:
Kümmel
gesfen *)-Korn
tentem Beere
Myrrhen
Baumol (?)
Beere vom uän-Baum
Lotus
zermahlen und auf den Kopf thun.
Ein andres seinen kranken Kopf zu kühlen:
Grüne Bleierde (?)
Weihrauch
Fauliges Holz (?)*)
uaneb-Pflanze
Aloe
Hirschhorn
Kuchen
netr-tit-Metal *)
Maurerlehm
») Brugsch. Wort. S. 896 „Mohnpflanze".
^ Brugsch. Wort. V. S. 14l"*;;i^'e TiBbliche Pflanze".
3) Luring S. 155 „Kupfervitriol" (?).
*) Ebers S. 73 „arab. Holzpulver?"
*) Cfr. Luring S. 60.
'64
'64
— 65 —
Zwiebeln (?) 1
Wasser 1
zermahlen und auf den Kopf thun.
Ein andres für die Spitze des Scheitels'):
Weihrauch ^64
Knoblauch 7^
netr-tlt-Metal ') 7^
senen-Myrrhe ^/j
uat'-Stein ') 7,
Collyrium 733
Alabaster*) 7„
uah-nehebt-Stein 7e
Wasser 7«
zermahlen und auf den Scheitel thun.
Der Beginn von den Mitteln Ansammlun^^)' von
Urin und Krankheit im Unterleib^) zu vertreiben:
Weizen 7$
Datteln 7^
uäh^)-Korn, gekocht 74
Wasser 7^
zermahlen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres für ein Kind zur Entleerung von Urin- XLIX.
ansammlung in seinem Leib^):
Ein altes Buch, in Oel gekocht, auf seinen Leib schmieren,
um seine (des Kindes) Ausleerung in Ordnung zu bringen.
Ein andres den Urin^) in Ordnung zu bringen:
Stroh von der nebät-Pflanze 78
Datteln 7,
Der Stamm von der j^aslt ^°)-Pflanze 74
') Cfr. Luring S. 60.
») Brugsch VII. S. 1311 „Gotteskoth".
*) Grüne Augenschminke (?).
*) Cfr. Luring S. 96.
*) des heisst eigentlich [Brugsch VII. S. 1350] „ejnpn Strick
um etwas legen".
'^ kenes; die Uebersetzung ist unsicher. Luring übersetzt es
mit .Mutterleib** ; der Aegyptologe Chabas* schlug die Uebersetzung
„vessie = Blase" vor, was roedicinisch am besten passen würde.
^ Wohl eine Getreideart (?).
^ Eigentlich : ein Kind Ansammlungen von Urin in seinem Leib
ausleeren zu lassen.
•) D. b. das Urinlassen.
***) Cfr. vor. Seite. Hier ist ^ait anstatt ^asit geschrieben.
Joachim, Aegyptische Heilkunde. 5
— 66 —
Honig Vg
Beere vom uän-Bauni ^/^
Wasser 1 denä
durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres die Urinentleerung bei einer erwach-
senen Person zu ordnen*):
Gyperus 1
Wachholderbeere 1
Das Holz von belieh-Pflanze 1
zu einer Masse stossen, stehn lassen in süssem Bier und trin-
ken; es ist zuträglich dafür *).
Ein andres Verstopfung') auf Grund von Entzün-
dung im üringang*) bei einer Person zu vertreiben, die
an Verstopfung des Urins leidet):
Seesalz Ye«
mähui *)-Samen 7s
Baumöl (?) 1
Honig 1
Süsses Bier 1
in den Anus spritzen.
Ein andres das unregelmässige Urinlassen zu
regeln*):
Beere vom uän-Baum 7i6
sasa>Stücke V^
Gänseschmalz Ys
Honig V,
uäh-Komer Vs
Dattelabfall 7^^
Grüne Datteln V,,
feucht stehn lassen, durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Andre Mittel gemacht für den, der krank ist mit
ujjedu in seinem Urin (gang):
0 Eigentlich: was rechtmässig zu leisten ist.
^ D. h. es ist ein gutes Mittel dagegen.
') Verstopfung oder Verhärtung.
*) Blase.
*) Brugsch VI. S.563 „Wunderfrucht«.
^ Eigentlich : Urinlassen, das nicht in Ordnung ist, in Ordnung
zu bringen.
^) Brugsch. Wort. VII. S. 1226. »Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen^.
— 67 -
Kahleber 1
anest-Pflanze 1
thun in^) pät')-Brod und von der Person zu essen.
Ein andres:
deser^)-Samen 7$
Das Inwendige von Zwiebeln (?) Vas
Weizenmehl 74
Gänseschmalz 78
Honig ~- 73
Papyruspflanze 7»
Wasser ^/,
kochen, durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres den Urin zu regeln:
)^et'-Pflanze 1 in frischer Milch mischen und auf den Phallus thun.
Ein andres;
Crocus des Südens 1
Bohnen, geröstet 1
in Oel thun, damit den Phallus einsalben.
Ein andres:
Ein hennu *)-Gefilsß^ voll von Wasser von dem Vogelteich 1
Wachholderbeere
Fibern der j^aslt *)-Pflanze
Frische Milch
Bierspülicht
Blumen von cucumis melo
Grüne Datteln
in Eins machen, durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
Holz von Zizyphus Lotus 1
mischen in Hefe von mesta-Getränk , damit den Phallus ein-
salben.
Ein andres Urinausleerung bei einem Kind in Ord-
nung zu bringen (zu ordnen):
Blüthe, die auf der nebät-Pflanze ist, zusammen bringen
0 Nachtraglich ist mit rother Tinte dazwischen geschrieben: är
m = thun in.
^ Brugsch. Wort. VI. S. 470 „Name einer besonderen Art
(runder) Opferbrote".
») Brugsch. Wort. S. 1375 „Leinsamen".
*) bennu = 0,465 Liter.
*) Brugsch. Wort. VL S. 896 »Mohupflanze".
5*
— 68 —
mit süssem Bier in eine kühle Flasche und von einem Mädchen
za trinken, einem Jangen ^) aber in einem hennu ')-Krag zu geben.
Was man einem Kind machen muss, das am Urin
leidet:
Xent')-Kom in einer Pille erwärmt; wenn es ein älteres
Kind ist, so nehme es dieselbe zusammen mit der Nahrung^);
L. wenn es aber ein Wickelkind ist, so bringe man Ihm es in die
Brustmilch, indem seine Amme es 4 Tage lang hineinspeit ^
Andre Mfltel zu viel ürinausleerung^) zu vertreiben:
Weizenkom ^/j
Sebesten */g
Grüne Bleierde 0*) V„
Wasser */,
feucht stehen lassen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Kuchen */^
Weizenkom Yi
Frische Grütze Vi
durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres das (zu)schnelle^ Urinlassen zu ver-
treiben:
Wachholderbeere 1
Cyperus 1
Bier 1 hunnu-Gefass
kochen, durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres zu viel Urinausleerung*) zu vertreiben:
*) im Text steht an, wie ich annehme, statt n, was in unserem
Papyrus häufiger vorkommt; cfr. Ebers „Das hermetische Buch etc. '^
S. 16.
Liest mau an, so muss man abersetzen: „einem Nicht-Knaben,
d. h. einem, der nicht mehr Kind, also erwachsen ist.* Das würde
freilich keinen rechten Gegensatz zu „einem Mädchen** bilden; ausser-
dem soll das Mittel die Unnausleerung bei einem Kina ordnen.
») Cfr. S. 67 Anm. 4.
*) Nach Brugscb VI. S. 948 = xenti, also „grüne Bleierde?*
*) Wörtlich: esse sie in dem Essen.
*) Aegyptisch: kefef = dimittere, vomere. Die Amme erwärmt
es in ihrem Mund und speit es nachher in den Hund des Kin-
des. (?) L.
^) Polyurie ; vielleicht Diabetes mellitus (?).
^ as bedeutet: schnell; also: das schnelle Urinlassen, woran
alte Leute häufig leiden. Ich denke an Froslalahyperfrophle oder
Lithiasis.
69 —
39
Kochen
Weizenkom
Frische Grütze
Grüne Bleierde (?)
Wasser, Honig 7s
feacht stehen lassen, durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
Zweige (Aestchen) von der qadet-Pflanze ^/^
Trauben 7,
Honig 7,
Beere vom uän-Baum */.,
Süsses Bier 1 7«
kochen, durchseihen und 2 Tage einnehmen.
Ein andres:
Sebesten Vg
Weizenkom 7«
Grüne Bleierde (?) 7„
Kuchen 7«
Wasser 7j ebenso.
Ein andres:
Kuchen 7«
Honig V„
Wasser 7a
durchseihen und 1 Tag einnehmen.
Ein andres as^) des Urinlassens zu vertreiben:
Wachholderbeere 1
Cyperus 1
Bier 1 hunnu-Gefäss
kochen, dorchseihn, 1 Tag einnehmen *).
Mittel den Urin herauszutreiben'):
Crocus des Berges 7*
Crocus des Delta 7$
äbu-Pflanze von Oberägypten 7i«
Beere vom uän-Baum ^/^^
Frische Grütze 7$
äbu-Pflanze von ünterfigypten 7i«
0 Cfr. vorige Seite = Urindrang (?).
') Dasselbe Recept wie oben Zeile 5, nur dass dort 4 Tage lang
eingenommen werden soll.
») Vielleicht: Strictur(?).
— 70 —
Leinsamen (?) Vi«
uam *)-Samen Vis
duat-Pflanze V^g
Wasser Vi^
feucht stehen lassen, durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
Die ^ Urinentleerung zu regeln und gegen Unter-
leibs-Krankheit bei erstmaliger Erkrankung:
Honig 1
Weihrauch 1
Wachholderbeere 1
Cyperus 1
Gekneteter Teig vom Bäcker') 1
Rinde der Sykomore 1
Wurzelrinde vom Ricinusstrauch ^) 1
Grüne Bleierde (?) 1
Frische Datteln 1
Rinde von der yasit-Pflanze *) 1
Brei
wärmen, durchseihen, in einen Becher thun, zu einer Kugel
formen als Pastille für den Geruch des Mundes®); zugleich es
zu trinken, um ihn sogleich gesund zu machen.
Der Beginn der Arzneimittel das^Herz in den Stand
zu setzen, die Nahrung aufzunehmen^):
LI. Fleisch LI fettes (fettesTleisch) 7^^
Schreibfarbe Yj»
Feigen * " 7^
Beere vom uän-Baum 7i6
Weihrauch 7«4
Kümmel 764
Nasturtium 764
Oäm-Pflanze 7i6
1) Scheint nachträglich eingeschoben worden zu sein.
') ket = „ein andres** ist hier weggelassen.
») Luring S.26.
*) Aegyptisch qaqa = x^xt.
*) Brugsch VL S. 896 „Mohn«.
®) Unsicher; nach B rug seh und Luring: zu einer Kugel for-
men, wenn da ist die wiederkehrende Zeit der MumI toilette (Luflng
S. 27).
0 Also Stomaebica in unserem Sinne, nur mit dem Unterschied,
dass nach unserer Auflassung natürlich nicht das Herz, sondern
der Magen die Nahrung aufnimmt.
— 71 —
Gänseschmalz Yg
Sebesten */^
sert-Saft 7,
Süsses Bier 7a ^^^^
za trinken.
Ein andres:
Süsses Bier 73
sexept-Saft 7a
sert-Saft 7,
Dattelmehl 7,
Weizenmehl 7«
Beere vom uän-Baum 7ifi
Weihrauch 764
Nasturtinm 7« 4
Weinbeeren 7«
Feigen 7,
Gänseschmalz 7«
kochen, durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
seneft>Kömer 7„
Sässes Bier Ve
kochen, durchseihen, 1 Tag einnehmen.
Ein andres:
^eizenkorn 7«
feucht stehen lassen, durchseihen und 1 Tag einnehmen.
Ein andres:
Oäm-Pflanze 7$
uäh ^Körner 7^
Weihrauch 7i4
'talg 7s
Grüne Bleierde (?) 7„
Wein 1 denä
kochen, durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
Brod am Feuer geröstet') 7«
uäh ^Körner 7*
0 Gehört zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
^ Wohl eine Getreideart (?).
») Der «Platz'' der Thüringer.
— 72 —
genti ')-Samen y^^
Honig 7,^
Wasser y^
durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
Geröstetes*) Brod 7^
uäh ')-Kömer 7^
Honig 7„
Wasser 7^
zermahlen, durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
Fettes Fleisch 7,.
Wein 7,
Weinheeren y^^
Feigen y^^
Crocus 7i«
Süsses Bier y^ denä
kochen, durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
unti-Brod y^
heken *)-Brod y^
battelfrucht \
Honig y
Wein 7j
kochen, durchseihen, 1 Tag einnehmen.
Ein andres:
Feigen y^
uäh ')-Kömer 7^
Weihrauch y^^
Dattelfracht 7„
Knohlauch y^^
Süsses Bier y^ denä
Fettes Fleisch y^
Weidenhaum *) '/^
kochen, durchseihen, 4 Tage lang einnehmen.
^) Brugsch. Wort. VII. S. 1269 „Cassia«.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 3.
') Cfr. vor. Seite Anm. 2.
*) Liebliches, süsses Brod.
*) Aegyptisch: Äert.
— 73 —
Der Beginn von den Arzeneimitteln, Anschwellun-
gen in der Leiste^) (?) zum Fallen zu bringen:
Eine Pflanze, senenutet ^ mit Namen, die auf ihrem Bauch
gleich der qadet- Pflanze kriecht*) und blüht*) wie die Lotus-
pflanze, so dass man ihre Blätter gleich einem weissen Baum
findet. Man bringe sie herbei und lege sie auf die Weiche*);
(die Schwellung) fällt sofort. Auch wird ihr Samen in Brod
auf die uyedl gethan, um sie*) in der Weiche zum (Ein)fallen
zu bringen.
Ein andres. Wenn du eine Person mit (Drüsen)
Anschwellungen an ihrem Halse^) siehst; sie leidet an
beiden Gelenken ihres Halses^) und hat Schmerzen
an ihrem Kopf; der Wirbelknochen ihres Nackens*)
ist steif, ihr Nacken") beschwert, so dass sie nicht
auf ihren Leib herabsehn kann, und sie ist wie lahm-
geschlagen, so sag Du: „sie hat (Drüsen) Anschwellungen an
ihrem Nacken ^.^ Lass ihn sich salben und einreiben, damit LH.
er sogleich gesund werde.
Ein andres. Wenn ^) Du Jemand mit Ansamm-
lungen^) von teigartiger Substanz siehst, sein Leib ist '
hart darunter; er ist krank an seinem ro-äb; es ist seine
GTeschwulst in seinem Leib, die keinen Weg findet herauszukom-
men und keinen Weg hat aus ihm herauszukommen; es ist Faules
in seinem Leib. Nicht kommt es heraus, es wird zu hesebt-
Wnrmem; vrird es nicht zu hesebt, so wird sich eine Kugel
bilden *). Leert er es aus, so wird er augenblicklich gesund;
fuBH 6r es aber nicht als hesebt- Würmer ab, so mach Du ihm
ein AbfuhrmitteP^) , um ihn augenblicklich gesund zu machen.
Ein andres* Kothanschwellungen im Leib zu ver-
treiben:
# *"
0 Unsicher; ägyptisch nepehu von Luring S. 27 mit ^Hufle'
abersetzt
") Luring S. 161 ^Pistia stratiotes L."
') Eigentlich: wächst.
^) Eigentlich: Blüthen setzt.
*) Nämlich: die u^edi.
«) Luring S. 66 «Genick*'.
0 Variante von Tafel 25 Zeile 3—8.
») Luring S. 28 ,Küth«.
*) Die üebersetzung ist unsicher. Cfr. Luring 1. 1. S. 28.
*®) Wörtlich: die Mittel des Ausleerens.
Feigen
V.
Sebesten
V,
Weinbeeren
'ho
Kümmel
7"
Harz von Acanthna
v„
Schreibfarbe
7,4
Pfefferminz
7:;
gengent-Bohne
7,
Süsses Bier
fencbt stehn lassen nnd 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres Zd machen für ei
ine Person, die anient')
in ihrem Kopf und (Drüsen) A
naehweHangen in ihrem
Nacken leidet;
äbrä').0el
zesalt ')-Pflanze
Holz vom uän-Baum
Weihrauch
CoUyrium
Grüne Bleierde (?)
Fett von Ibex nubiana
zermahlen, in eine Hülle thun, am
Kopf anbringen.
Andre Uittel:
suH^anze des Südens
nehedet')-Harz
Kümmel
Beere vom uän-Baum
Myrrhen
Fett vom Cederbaum ")
Fett 1 von Ibei nubiana 1
abräO-Oel
1
in Eins machen, feucht hinstellen
1, durchseihen, 4 Tage ein-
nehmen.
') Bigentlic^h: Hervorragendes; vielleicht: Kopfschmerz. L.
i) Ein heiliges Salböl.
») Brugsch. Wort VI. S. 896 .Mohupflanze".
') Ebers S. 69 .ZahnkSraer'.
') Nach „Fett vom Cederbaum" fehlt der rothe Strich (wohl
aus Versehn), wahrend er (ganz ungehörig) hinter „Fatt" und „von
Ibei nubiana*, also doppelt sieht. Ohne Zweifel liegt hier ein Ver-
Bebn des Schreibers vor.
— 75 —
Ein andres (Drüsen) Anschwellangen im Leib eines
Mannes oder einer Frau zu vertreiben:
Feigen V,
Sebesten Vs
Weinbeeren 7i6
Weihrauch 7«4
Knmmel */g^
Kräuter des Feldes 7^
Honig 7,
Susses Bier 7s ^®^*
durchseihen und einnehmen.
Andre Mittel Krankheiten in allen Gliedern einer
Person zu vertreiben*):
Eine Auflosung von sebeb ^)-Flässigkeit zermahlen, zerreiben,
mischen mit saurer Milch und als Pflaster auflegen.
Ein anjires d_ehert^')-Krankheit zu vertreiben:
Zwiebeln C?}^in Honig zermahlen und in Bier nehmen.
Ein andres ßrand(wunde) abzuwehren:
Frosch *)(?) in Oel erhitzen und damit einreiben.
Ein andres:
Den Kopf vom t'edeb ^)-Fisch in Oel erhitzen und der Per-
son auf ihren KÖrpertheil thun.
Der Beginn von den Mitteln serlt*) zu vertreiben: LIII.
Grüne Zwiebeln (?) in Wasser thun in einem^ neuen hunnu-
Geföss und 4 Tage trinken.
Ein andres:
Zwiebeln (?) in süssem Bier kochen und den dritten Theil
davon 4 Tage trinken.
Ein andres:
Nimm ein Tragegefäss ^) halb mit Wasser, halb mit Zwie-
beln (?), lass es 4 Tage lang stehn, pass auf, dass es nicht
trocken wird; nachdem es feucht gestanden, schäume Du 74
des dritten Theiles von dem Inhalt dieses Gefässes ab und
') Eigentlich: fortgehn machen.
>) B rugs eh. Wort. VII. S. 1175 „Mischtrank, Mixtur**.
') Ebers. Einleitung zum Papyrus Ebers S. 28 „Krätze".
*) Aegyptisch: äbeven.
*) Ebers S. 26, «Zitteraal**.
^ Brechreiz, ünverdaulichkeit, Ueberladung.
^ Aegyptisch: rement = Tragegeßss; Ebers S. 23 , Kasse-
rolle«.
— 76 —
lass es denjenigen, der an Brechreiz*) leidet, 4 Tage trinken,
damit er sogleich gesund werde.
Ein andres:
Dattelmehl, ein henno^-Gefass, zu einem Teig machen,
in 2 mehet ')-Gefässe thun, es ans Feuer setzen, so dass
dieser Teig sich spaltet (scheidet); nachdem dies geschehn, den
Brei in Fett und Baumöl (?) thun *) und von der Person gehörig
warm zu essen, damit sie sogleich gesund werde.
Ein andres:
Zwieheln (?) 1
Gedörrte Datteln 1
Milch 1 hennu^ zu trinken.
Ein andres:
Kuhmilch kochen, nachher mähetet^)- Samen zermahlen,
Sahne dazu thun und von der Person 4 Tage zu trinken*), zu
trinken mit gekochter Milch.
Ein andres:
Abfall von Datteln, zerstossen, in einen Leinwandsack thun,
diesen Sack 1 Tag in einem Mischtrank lassen, der ans Feuer
gestellt wird, bis der Teig sich scheidet^) (zerrinnt?), diesen
Sack leeren, in ein hunnu-Gefäss thun, Wasser dazu setzen,
durchseihen, wie es mit Bier geschieht und 4 Tage trinken.
Ein andres:
Saure Milch 7^
Oei 7,
Bier V,
in einen Kessel thun und kochen. Nachher zerreibe Du
Lactuca 1
Xet'-Pflanze 1
in diesen Kessel thun. Wenn es nachher gekocht und durch-
geseiht ist, lass es 4 Tage lang trinken.
0 Aegyptisch: sent; cfr. vor. Seite.
^ hennu =» 0,456 Liter.
^ Brugsch VI. S. 632 „irdener Krug«.
*) Eigentlich: Zu einem Brei machen in Fett und Baumöl (?).
*) Brugsch VI. S. 563 „ Wunderfrucht** ; abzuleiten von mäh =
mirari.
*) se)(eb, nicht wie in Sterns Glossar se^^ep.
^ Loret übersetzt 8ed mit lever, s'enlever; also hier „aufgehn
lassen", „sich erheben** etc.; cfr. Recueil de travaux relatifs ä la
Philologie et a rarcheol. egypt. et assyr. Vol. XI. S. 131.
— 77 —
Ein andres:
Dattelmehl 7,
in Wasser thun, zu einem Sauerteig *) machen und mischen; thu
Du zwei pega^-Brode ans Feuer, um sie zu backen; diesen
Sauerteig*) dazu setzen und zu einem Brod') machen; nach-
dem es gebacken ist, mach Du es zu Fladen in Honig und
Ochsenfett; 1 Tag zu essen.
Ein andres:
Kuhmilch, näh*)-KÖmer
in eine Kasserolle*) bringen; wird am Feuer gesotten wie man
Bohnen kocht; nachdem es gesotten, kaue der Kranke diese LIV.
uäh *)-Körner, 4 Tage lang in dieser Milch zu trinken.
Ein andres:
Honig und Sahne, in Eins machen, essen und trinken in
Bierhefe 4 Tage lang.
Ein andres:
Ein Schweinezahn, zermahlen, zerreiben, ins Innere von
4 Zuckerkuchen thun und 4 Tage essen.
Ein andres:
Wasser von Hefe
pet-Saft
Sahne ^
in Zuckerkuchen 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Mehl von Dumpalmenfrucht 7s
Gänseöl 7,
Honig 7,
kochen und 4 Tage einehmen.
Ein andres:
Dattelmehl 7„
seneft^)-Körner 7«
däm-Pflanze 78
Kräuter des Feldes 7»
zermahlen, zerreiben, in Eins machen, thun in
*) Cfr. vor. Seite A um. 7.
^ Luring S. 29 „Brotscheibe**; also eine Art ^Platz".
') Aegyptisch: x^r.
*) Wohl eine Qetreideart (?).
») Cfr. S. 75 Anm. 7.
^ Mit rother Tinte ist hier „gekocht" dazwischen geschrieben.
0 Gehört zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
— 78 —
Bier 1 denä
feucht stehn lassen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Oäm-Pflanze 7ia
ämamu-Pflanze 7«
zermahlen, zerreiben, ans Feuer setzen, den Dampf davon durch
ein Rohr einziehen 1 Tag.
Ein andres Augenblicksmittel Brechreiz^) im Leib
zu vertreiben:
Feigen 7^
Sebesten 78
Weinbeeren 7jg
Kümmel 764
Harz von Acanthus 7s a
Schreibschwärze 764
Pfefferminz 7ss
gengent-Bohne 7$
Süsses Bier
feucht stehn lassen und 4 Tage lang einnehmen*).
Ein andres:
Gedorrte Dumpalmenfrucht, mischen in Bier; dazu ein bet'a')-
Geföss heiss machen, zu einem Brot machen und 2 Tage essen.
Ein andres:
Honig 1 hennu*)
Ochsenfett 1 hunnu
sar*)-Wasser 2 hunnu
Geröstete Dumpalmenfrucht 1 hunnu
Teig von Acanthus
in Eins zermahlen, kochen und hernach warm einnnehmen.
Ein andres:
Grüne Zwiebeln (?) in eine Kasserolle*) thun, deren eine
Hälfte mit Wasser, die andre mit Zwiebeln (?) (gefüllt ist);
davon 1 hennu*) 6 Mal trinken, 4 Tage.
Ein andres:
0 Aegyptisch: serit; cfr. S. 75 Anm. 6.
^ Dasselbe Recept findet sich Tafel LH. Zeile 8—10; dort gegen
(Drüsen) Anschwellungen.
3) Brugsch. Wort. V. S. 464 „irdene Topf, Scherben".
*) hennu = 0,456 Liter.
*) Luring S. 21 „Hefe".
^ rement-Qefäss; cfr. S. 75 Anm. 7.
— 79 —
fut-ab '>Kom 1
meni ')-Korn 1
ääm-PJQanze 1
in Eins zermahlen. Nimm Du 7 Steine, mach sie an dem
Feuer heiss; nimm einen davon und bringe von den genannten
Ingredienzien darauf. Deck es in einem neuen GefSss zu, bohre
ein Loch in seinen Boden'), steck ein Calmusrohr durch jenes
Loch, thu deinen Mund auf dieses Rohr, damit Du den Dampf
davon einathmet. Ebenso mit den übrigen 6 Steinen. LV. Iss LV.
hernach dazu irgend etwas Fettes, entweder vom fetten Fleisch
oder OeL
Der Beginn von den Ärzeneimitteln grosse Schwä-
che (?)*) zu vertreiben (abzutödten^:
netr-her-Frucht Yie
Was *in ut'ält-Frucht ist 7^^
hemut-Korn '/le
Excremeute vom ädu- Vogel Vu
Baumöl (?) V3
Süsses Bier Vs
in Eins machen, kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Feigen V3
Sebesten Ys
Weintrauben Vb
Brodteig 7^
Weihrauch 764
Kümmel 764
Beere vom nän-Baum 7i6
Wein V,
Gänseschmalz 7,
Süsses Bier 7s
0 „Animi solatium"-Korn.
^ Luring S. 29 „ein aromatisches Ilarz".
') Hier also „Deckel".
*) Aegyptisch gehu. Ebers übersetzt, gehu-Milben", Stern im
Glossar „morbus pedicularis", indem er das nach gehu folgende
Zeichen als Determinativum fasst; Lieb lein hat „grosse Schwäche"
vom Stamm gah = „schwach sein" vorgeschlagen. Alle verordneten
Mittel sollen innerlich gegeben werden, das spricht wohl gegen
Ebers und Stern.
— 80 —
zermalilen, zerreiben, in Eins machen, durchseihen und 4 Tage
einnehmen.
Ein andres:
ämamu-Fnicht 7s
Frisches Brod 7^
Grüne Bleierde (?) '/„
Beere vom uän Baum '/b
Oel V,
Seesalz 74
in Eins machen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Weihranch 764
Lebende Binse 78
Zwiebeln (?) 7„
Wein 7,
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Kräuter des Feldes 7«
Knoblauch 78
hemut-Korn 78
taa O-Pflanze 7,
Faules Fleisch 7,
Gänseöl 78
sert-Saft 7,^
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Weihrauch 764
Lebende Binse 78
Zwiebeln (?) 7„
Wein 7^
kochen und 1 Tag einnehmen*).
Ein andres:
Seesalz 7i6
Bleivitriol (?) 7^^
Grüne Bleierde (?) 7^^
Wein 7,^
sert-Saft 73
durchseihen und 4 Tage einnehmen.
») Brugsch. Wort. VII. S. 1310 „Gerste".
') Dasselbe Recept wie oben T. 55 Zeile 9 mit geringen Varianten.
— 81 —
Ein andres:
Krokodilerde ') 7,
dua (Stern) von Datteln ^/^
Süsses Bier Ya
zermahlen, in Eins machen und 1 Tag einnehmen.
Ein andres:
Grünes teur'>Schilf 7,^
Frisches Brod 7»
Kräuter des Feldes 7$
Samen des Esels 78
Crocus 7$
Beere vom uän-Baum 7i6
Kümmel 7^^
Feigen 7,,
Trauben 7i e
Wein 7g
sert-Saft 7a ^^^^
durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Honig 7„
sert-Saft 7^
Wein»)
durchseihen und 1 Tag einnehmen.
Ein andres. Der Beginn des Buches von den Augen.
Zu machen gegen die Zunahme der u^edu im Blut in
dem Auge*):
sa^)-Samen von Oberagypten 1
' Honig 1
Kümmel 1 LVI.
nehed *)-Kömer 1
Behandlung von dem Wasser darin (die Flüssig-
keit, die aus dem Auge fliesst)^):
») Ebers S. 186 „Nilschlamm''?
») Brugsch. Wort. VII. S. 1315 „Weidenbaura".
*) Im Papyrus folgen nach „Wein" zwei rothe Punkte.
*) Hirschberg. Ueber die Augenheilkunde der alten Aegypter.
Deutsch, med. Wochenschr. 1889. S. 790. „Krankhafte Rötbuug des
Auges*.
*) Ebers S. 69. „Natron oder Salpeter".
^) Ebers I.e. „Zahnkorner".
^) Hirschberg S. 790 „thränige Absonderung".
Joachim, Acgyptische Heilktinde. (5
— 82 —
Weihrauch
Myrrhen 1
tentem-Samen 1
Gräne Bleierde (?) 1
Behandlung der wachsenden uxedu'):
sa*)-Samen von ünterägypten 1
Mennige 1
Grünspan 1
Honig 1
Darauf mach Du ffir ihn:
Oel
Fruhjahrswachs')
gesfen *)-Kom
Vorzüglichen Weihrauch
Grüne Bleierde (?)
Das 1 Jahr alte faulige Holzpulver*)
Weihrauch
Gänseschmalz
Bodensatz der grünen Bleierde
(Bleierde des Spätjahres?) L.
Gollyrium
Oel«)
damit 4 Tage aufschmieren; nicht reibe Du stark (?)^).
Ein andres zu machen gegen Verschleierung^ im
Auge den ersten Tag:
Wasser vom Vogelteich 1.
Den zweiten Tag:
Honig 1
Gollyrium 1 auf einen Tag.
Ist Blut (im Auge):
') Hirschberg S. 791 „Bindehautcatarrh mit Schwellung".
^ Cfr. vor. Seite Anm. 5.
') Cfr. Diese. De mat. med. IL Gap. 105.
*) Luring S. 91 »möglicherweise Kupfervitriol".
*) Ebers S. 73 „das schwarze hinter arab. Holzpulver?";
Luring S. 109 „ vielleicht Bobrmehl". Cfr. Diese. De mat med.
Lib. I Cap. 79.
^ Auffallend ist, dass sich «Gel" zu Beginn und Ende des Re-
ceptes findet.
^) Die Uebersetzung ist unsicher.
8) Aegyptisch: te^en; Hirschberg S. 791 „entzündliche Horn-
hauttrübung"; Ebers S. 76 aintische Affection".
— 83 —
Honig i
CoUyriam 1
auf das Aage streichen *) 2 Tage.
Wenn dabei viel Wasser vom Auge fliesst, mach
Du dagegen das Mittel gegen die äfes^)- Krankheit:
aau-Eorn 1
Grünspan 1
Weihrauch 1
Die Spitze der Papyruspflanze 1 kochen
Harz von Acanthus 1
Collyrium 1
Grünspan 1
Zwiebel (?) 1
Wasser 1
zermahlen und in sein (des Auges) Inneres bringen.
Ein andres Triefen*) im Auge zu vertreiben:
Myrrhen 1
Bleivitriol (?) 1
qesTt*)-Kom 1
Zwiebel (?) 1
Cyperus des Nordens 1
Grünspan 1
Antilopenexcremente 1
Das Innere vom qadit ')-Thier 1
Klares Oel 1
tbun in Wasser, feucht stehen lassen, durchseihen und 4 Tage
(als Umschlag) auflegen. Nach einer andern Vorschrift
pinsele es mit einer Geierfeder ein.
Ein andres:
gesfen •)-Samen 1
nsefan-Vogel des Sees^) 1
Zweige der Nordpflanze ^) 1.
^ Ebers S. 77 „Umschläge machen".
*) Ebers 1. c. „mouches volantes?"
^ ») Hirschberg S. 791 „Triefauge".
*) Ebers S. 87 „hartes Korn des Grünspans"; Brugsch. VII.
S. 1204 „pulvis«.
» *) Ebers S. 177: Antilope.
^ Luring S. 91 „Kupfervitriol"?
^) Ebers S. 88 „Pistia stratiotes".
^ Ebers S. 89 „Zweige des Mastixstrauches,,?
6*
Darauf mach for ihn:
äfet') 1
■Wachs 1
nachhei geben.
Ein
Angen:
am Ferobalteu der a/^'^i >" ^^^
Collyriam 1
Dinte 1
die Angen damit salben.
Ein andres das Sehen zn eröffnen; nach dem
Schlaf, dann anf die Augen*):
Beere von ten&a 1
Der Kern von kesebt*)-frucht 1
Collyrium 1
Wasser 1
zermahlen, zerreiben, in Eins machen und dann auf die
Angen thnn*).
Ein andres:
Zwiebeln (?) 1
Das Innere der ut'SIt-Frucht 1
Venniscben in Oel 1
zu einem Teig machen, es trocknen lassen; nachdem es getrock-
net ist, damit mischen and dann auf die Augen thun*).
Ein andres:
Skarabä-CoIlTrium *)
Zwiebeln (?)
Grüne Bleierde (?)
Erokodilkoth
Bleivitriol (?)
Rotbes Natron
Honig
n Eins machen nnd hernach anf die Ängen thun*).
*) Die Uebersetzung ist Dicht sicher; nörllich:
lugen", was keinen rechten Sinn giebt.
■0 Kbers S. 91 „Slibiumoiyd" ?
— 85 —
Ein andres für das Znsammenziehen') der Pupille
des Auges:
Feilspäne vom Ebenholz*) 1
sa')-Samen von Oberägypten 1
in Wasser mischen und oftmals auf die Augen thun.
Ein andres uhat*) in den Augen zu vertreiben:
Collyrium 1
Mennige 1
Grüne Bleierde (?) 1
Rothes Natron 1
hernach auf die Augen thnn^).
Ein andres zum Vertreiben der Albugo*) der Augen:
Schildkrötenhim 1
Honig 1
sodann auf die Augen thun^).
Ein andres zum Vertreiben des Blutes') in den
Augen:
Schreibfarbe 1
Grünspan 4
Collyrium 1
Fauliges Holzpulver*) 1
Zwiebeln (?) 1
Wasser 1
zermahlen, zerreiben und in die Augen thun.
Andre Mittel*) gegen Verschleierung, die sich im
Auge erhebt:
Trockene Excremente vom Leib eines Kindes 1
Honig 1
in frische Milch thun und nachher auf die Augen bringen^).
0 Ebers S. 92. „Hypopyon"? Luring S. Ill „Verdunkeln der
Pupillen"; Hirschberg S. 792. „Verengerung der Pupille".
^ Aegyptisch: hebeni.
') Ebers S. 94 „Natron oder Salpeter".
^) Ebers S. 94 „Verkalkung in den Meibomschen Drüsen";
Luring S. 17 liest nehat = Schielen.
*) Hirschberg S. 792 „weisse Narbe der Hornhaut".
*) Cfr. vor. Seite Anm. 4.
0 Hirschberg S. 807 „Blutunterlaufung der Lider".
8) Ebers S. 96 „arab. Holzpulver"?
^ Mit schwarzer Dinte ist hier eingefügt: ärt => zu machen.
— 86 —
£in andres das Schielen^) in den Augen zu ver-
treiben:
Schildkrötenhim 1
äbrä*>Salbe 1
in die Augen bringen.
Ein andres gegen sau') in den Augen:
Rindsleber gebraten und ....*) mit Vorsicht dar-
auf thun.
Ein andres Blut um die Augen zu vertreiben:
Weihrauch 1
Crocus *) 1
in die Augen thun.
Ein andres Hitze^) in den Augen zu vertreiben:
Zwiebeln (?) 1
Collyrium 1
tendä-Beere 1
nachher auf die Augen thun^).
Ein andres Fett^ in den Augen zu vertreiben:
Collyrium 1
Grünspan 1
Mennige 1
Bleivitriol (?) 1
Honig 1
hernach auf die Augen bringen ^).
Ein andres Granulation^ im Auge zu vertreiben:
Collyrium 1
Grünspan 1
Zwiebeln (?) 1
^ Aegyptisch: nehat.
^ Bezeichnung eines heiligen Salböls.
») Ebers S. 98 „Hitze".
*) Die Uebersetzung von a&f ist bis jetzt unbestimmbar.
*) Nach Ebers S. 99 „Chelidonium majus"; ägyptisch: matet.
^ Mit schwarzer Tinte ist hier eingeschoben: sus n = Been-
gung (?) in Folge von (Hitze); cfr. Tafel 44 Zeile 8, wo derselbe
Ausdruck vom Herzen gebraucht ist.
0 Cfr. S. 84. Anm. 4.
^ Ebers S. 100 „Xanthelasma"; Hirschberg S. 808 denkt an
„Steatom" oder „Hydatis".
^ Ebers S. 101 „Gerstenkorn"; ägyptisch: pedest = glo-
bulus.
— 87 —
Fauliges Holz(?)*) 1
gesfen ')-Kom 1
in Wasser umrühren und sodann auf die Augen thun').
Ein andres gegen Blindheit^):
2 Schweinsaugen, das Wasser darin ^) ausziehen
Echtes Collyrium 1
Mennige 1
Roher Honig 1
zermahlen, zerreiben, in Eins machen nnd in das Ohr des
Patienten spritzen, damit er sofort gesund werde.
Wenn Du der Ordnung gemäss nachgesehn hast, so sag
als Zauberformel her: Ich habe dieses Ding geführt nnd
auf jenen Platz gebracht; das Krokodil ist schwach und kraft-
los; zweimal!
Ein andres Blindheit in den Augen durch eine
Pille*) zu vertreiben:
Trockene Myrrhen zermahlen in saurer Milch und dann LVIII.
auf die Augen thun ').
Ein andres:
Zwiebel (?) in Honig mischen und sodann auf die Augen
thun^.
Ein andres zur Behandlung der Sehkraft in den
Augen:
Stibium
Dinte
Zwiebeln (?)
gesfen ^Kom
Männliches Collyrium')
in Eins machen und auf die Augen thun.
Ein andres Albngo in den Augen zu vertreiben:
^ Cfr. Ebers S. 101 „arab. Holzpulver?'.
2) Luring S. 91 „Kupfervitriol"?
^ Cfr. S. 84. Anm. 4.
*) Sepet; Hirschberg S. 808 „Amblyopie der Griechen".
^) Eigentiich: das Wasser, das dazu gebort.
^ Ebers S. 103 übersetzt m benen mit „an dem Rundkörper
(Pupille oder Linse)"; Lieblein: in dem Rundkorper.
0 Cfr. S. 84. Anm. 4.
^ Luring S. 91 „Kupfervitriol"?
^ Cfr. Plinius. Histor. natur. Lib. XXXIIL Cap. 101. „Duo
eius (stibii) genera mas et femina.*'
Eh ist ein Geschrei am sädlichen Himmel noter Pinsttr-
nis, es ist ein Aufnihr am nSnÜicbea Himmel; die Sanlenbalie
stürzt ins Wasser; des Sonnengottes Schiffsleale schlagen ihre
Rnder, so dass die KSpfe an seiner Seite ins Wasser stirzen.
Wer führt heran, was er findet? ich fähre hervor, yfts ich
finde; ich führe Enre Köpfe hervor, ich richte Eure Nacken
aaf; ich befestige, vas an Ench abgeschnitten war, in seiner
Stelle. Ich fähre Ench hervor, um den Gott des Fiebers nnd
alle möglieben Todesarten zn vertreiben, soviel ikrer sind.
Eine Formel herzusagen über Schildkrötenhirn, das
in Honig gemischt wird, und sodann an/ die Augen
bringen').
Ein andres Hitze in den Angen zn vertreiben:
Wachholderbeeren von Byblos*)
zermahlen, zerreiben in Wasser nnd dem Kranken sodann auf
seine beiden Augen thun*), nm ihn sofort gesund zu machen.
Ein andres:
Talg von der Kinnlade eines Esels in kühlem Wasser
mischen und dem Kranken auf seine Schläfe*) thnn, nm ihn
sofort gesund zu machen.
Ein andres für die Schl&fe'):
Crocus in kühlem Wasser zerstossen, der Person anf ihren
Augenrand thun, um sie sofort gesund zu machen.
Ein andres:
Eselszabn in Wasser mischen nnd der Person auf ihren
Angenrand thun, um sie sofort gesund zn machen.
Ein andres adet') im Auge za vertreiben:
Bxcremente des henat-Vogels 1
Seesalz 1
Weihrauch 1
in Eins machen nnd in das Innere des Auges thun.
') Cfr. S. 84. Anm. 4.
^ Stadl in Phönlcien; ägvptiscb: kepni.
>) Cfr. S. 84. Anm. 4.
*) Aegjptisch: mi; Brugach. Wort. VI. S.537 „Backe, Wange";
ich schlafe die Uebersetzung; „Schläfe, Augennind" vor.
') Ebers S. 121 „Blepharitis".
•) Ebers S. 122 „Pterygion"? Luring S. 32 „Verletzung';
Hirschberg, „Geschichtliche Studien eines ÄuRenarites" S. 49
„Carcinom des Auges (F)". Uir scheint Lürings Ucbersetzung am
wahrscheiDÜchsten.
- 89 -
Ein andres Hitze zu vertreiben:
8a^)-Kom von Oberägypten in Quell wasser thun und ins Auge
thon, um ihn zu heUen.
Ein andres x^^^^O ^° ^^^ Augen zu vertreiben:
Collyrium Vsa
senen ')-Harz 7i6
Galmei ^/i5
Schreibfarbe 7^^
Frische Myrrhen Y«*
8a*)-Korn von Oberagypten 7g ^
zermahlen, zerreiben, in Eins machen und in die Augen thun,
um sie sofort zu heilen.
Ein andres Eiterfluss*)(?) in den Augen zu vor-
treiben:
Echtes Collyrium in Wasser thun in einem hennu-Krug
4 Tage; die Handlung wiederholen, indem man es 4 Tage in
Gänseschmalz bringt; es werde mit der Milch einer Frau, die
einen Knaben geboren hat, gewaschen; es 9 Tage trocknen lassen,
es werde zermahlen; eine ganze Myrrhenkugel darauf thun und
damit die Augen salben.
Ein andres adet^) im Auge zum ersten Mal, nach-
dem man seine Beschwörung gesprochen hat, zu ver-
treiben:
yepera-Honig •) oder eine Honigwabe 4 Tage darauf^) thun.
Zum zweiten Mal:
Knpfergrunspan ^/g
Collyrium Ys
Fauliges Holz^ (?) V,
8a®)-Kom von Oberägypten Ys
in Eins zermahlen und 4 Tage darauf^) thun.
*) Ebers S. 125. „Natron oder Salpeter**.
') ^öiit = Hervorragendes, also Geschwulst; Ebers S. 125 ,Lid-
abscess"; Luring S. 32 „grössere Geschwüre".
') Ebers I.e. „Opalharz".
*) Aegyptisch: bädi; Ebers S. 126 „Chemosis"; nach Luring
S. 118 „ein anderer Name für das t'eftVt"; cfr. T. 59 Zeile 22.
*) Cfr. vorige Seite Anm. 6.
«) Ebers S. 128 „Käferwachs".
0 Nämlich: „auf das Auge".
^ Ebers I.e. „arab. Holzpulver"?
^ Ebers I. c. „Natron oder Salpeter".
— 90 —
Ein andres:
Eidechsenexcremente 1
8a*)-Korn von Oberägypten 1
Collyrium 1
Naturhonig 1
in Eins zermahlen und auf die Augen thun.
Ein andres:
Mennige 1
Collyrium 1
Naturhonig 1
in Eins machen und auf die Augen thun.
Ein andres:
Kupfergrünspan 1
Honig 1
4 Tage auf die Augen thun.
Ein andres:
Mennige 1
Collyrium 1
senen ')-Harz 1
Natnrhonig 1
in Eins zermahlen und 4 Tage auf die Augen thun
Ein andres:
Mennige
Fauliges Holz') (?)
Eisen von der Stadt qesi*)
Galmei
Straussenei
sa *)-Kom von Oberägypten
Pulver vom hennut -Metall •)
Honig
in Eins machen und auf die Augen thun.
Ein andres:
Schwarzer Messerstein 1
Weihrauch 1
*) Off. vor. Seite Anm. 9.
2) Ebers S. 128 „Opalhan**?
•) Cfr. vor. Seite Anm. 8.
*) qesi = Apollinopolis parva, Stadt in Oberägypten; La ring
S. 97 „Alabaster*'.
') Ebers S. 131 „Natron oder Salpeter*'.
•) Ebers I.e. „Schwefelpulver**?
— 91 —
Collyrium 1
Honig 1
4 Tage in die Augen thun.
£in andres gegen t'eft^eft^) im Auge:
Lehm von einer Statue') 1
BlStter des Ricinusstrauches 1
Honig 1
für denjenigen, dessen beide Augen an Eiterfluss *) (?) leiden*);
zermahlen, zerreiben, in Eins machen und auf die Augen thun. LX.
Ein andres das Sehen zu eröffnen:
Collyrium Vs
FauUges Holz (?)*) V,
senen •)-Harz ^/^
Schreibfarbe Vei
8a^)-Köm von Oberägypten Ye*
Myrrhen Ye*
in Eins machen und damit die Augen salben.
Ein andres das Aufsteigen ^ von Wasser in den
Augen zu vertreiben:
Echter Lapis lazuli
Grünspan
senen •)-Harz
Milch
Collyrium
Krokodilerde •)
menuu ^^Weihrauch
in Eins machen und hernach auf die Augen thun^^).
Ein andres:
^ Luring S. 32 „Eiterfluss"; Ebers S. 131 „Phlegmone";
Brugsch. Wort. VIL S. 1384 „das Triefen des Auges".
^ Cfr. Di ose de mat med. Lib. I. Cap. 36.
^ Aegyptisch: bädi.
*) Hier ist im Papyrus eine Locke von einer halben Zeile, doch
scheint der Text dadurch nicht unterbrochen zu sein.
*) Ebers 1. c. „arab. Holzpulver".
^ Ebers I.e. „Opalharz"?
0 Ebers 1. c. „Natron oder Salpeter".
*) Aegyptisch: ä^et. Ebers l.c „Cataract oder Staar"; Hirsch-
berg S. 53 „ftifAttTOc iTti^oprf".
») Ebers 1. c. „Nilschlamm"?
><Ö Vielleicht: Stücke (?) von Weihrauch
") Cfr. S. 84. Anm. 4.
- 92 ~
sehetet-Korn 1
Gänseschmalz 1
Naturhonig 1
in Eins machen und 4 Tage in die Augen than.
Ein andres:
gesfen *)-Kom 1
Grünspan 1
per-her-setef*) 1
zermahlen, in Eins machen und damit die Augen salben.
Ein andres Verschleierung') im Auge zu vertreiben:
sa§a^)-Stucke, gekocht 1
Zwiebel (?) 1
Honig 1
zermahlen, zerreiben, aufbewahren in einem Tuch, damit das
Auge verbinden, das verschleiert *) ist; sodann auf die Augen
(thun)*).
Ein andres Albugo^ im Auge zu vertreiben:
Granit^), zermahlen, zerreiben, in ein Tuch pressen und
es auf die Augen binden.
Andre Mittel Schielen^) in den Augen zu ver-
treiben:
Harz von Acanthus 1
Zwiebelpulver (?) 1
Granit 0 1
zermahlen und als Pflaster auf die Augen legen.
Ein andres Blut um die Augen^) zu vertreiben:
2 Schalen von Thon, die eine mit Pulver der Dum-
palmenfrucht und Milch von einer Frau, die einen Knaben ge-
boren, die andre mit (Kuh)milch, feucht stehen lassen; am
Morgen fülle deine beiden Augen mit jener Dumpalmenfrucht '^);
1) Luring S. 91. „Kupfervitriol"?
^ Ebers S. 137 „was aus seinem Lande heraustritt = Marien-
glas oder Gyps".
') Aegyptisch: texen; cfr. S.82. Anm. 8.
*) ß rug 8 eh. Wort. VIL S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen*'.
5) Cfr. S. 84. Anm. 4.
«) Cfr. S.85. Anm. 5.
T) Ebers S. 138 „Glaskopf oder Hämatit"?
^ Aegyptisch: ne^at.
^ Ebers S. 140 „Bluterguss in den Augen".
*°) Nämlich von der ersten Schale.
^ 93 —
nachher wasch Du die Augen mit dieser (Kuh)milch *) vier Mal
6 Tage lang.
Ein andres Aufsteigen von Wasser^) in den Augen
zu vertreiben:
Komm Grünspan, komm Grünspan! Komm frisch; komm
Ansflnss aus dem Auge des Gottes Horus; es komme das, was aus
Tums Auge rinnt; komm Saft, der von Osiris strömt. Er kommt zu
ihm, er vertreibt ihm Wasser, Eiter, Blut, Augentzündung, Eiter-
fluss, Blindheit, Triefauge, die bewirkt der Gott des Fiebers,
aller Todesarten, der uxedu jeder Art und aller bösen Dinge
in diesen Augen, soviel ihrer sind.
Worte zu sprechen über Grünspan gemischt in
xeperä-Honig*); LXI. dazu setzen Cyperus und mit LXf.
Vorsicht*) auf das Auge bringen.
Ein andres^) von der Augensalbe uxedu in den
Augen abzuwehren:
Spitze der PapyrusfL^^ze
Zwiebeln (?)
Honig
Gänseschmalz
zu gleichen Theilen*); hernach mit Vorsicht*) auf
die Augen thnn^), unzählige Male.
Ein andres*) die Blutgefässe^) in den Augen zu ver-
treiben:
Getrocknete Myrrhen, nehedet ^-Korn, Grünspan
zu gleichen Theilen*); hernach auf die Augen thun^).
Was zu brauchen ist im 3. zum 4. Winter-
monat*"):
0 Nämlich der zweiten Schale.
^ Cfr. S.91. Anm. 8.
») Ebers S. 142 „Kaferwacbs".
*) Wörtlich: der Ordnung gemäss, wie es sich gehört
^) ket ist mit schwarzer Tinte geschrieben.
*) Wortlich: ein Bein zum andern.
0 Cfr. S. 84. Anm. 4.
^ Ebers S. 144 „subconjunctivaler Blutaustritt".
^ Ebers 1. c. „Zahnkrautkömer**?
'°) Ebers S. 146 «vom 17. Januar bis 16. Februar jul." ; eigent-
lich «im 3. Monat des Sprossens (der Saat) bis zum 4. Monat des
Sprossens", entsprechend unserem Winter.
— 94 —
Collyrinm, M')-Kom toq OberSgypten, Dinto"), ßalmei,
fauliges Holz') (?)
ZD gleichen Theilen*); in die Aagen than.
Eine andre Angensalbe, anzuweuden im Sommer,
Winter and in der Ueberschwemmungsjabreszeit (d.h.
fQr das ganze Jahr):
Collyriam, am Uorgen in Schmalz von der terp'}-Gaiis
zerreiben; es soll nicht ans Fener kommen'); damit nachts
salben.
Ein andres:
Collyrium, Grünspan, Lapis Eazali, Honig, Grüne Blei-
erde (?)
zu gleichen Thcilen*); zu einem gezogenen Teig macben
und sodann auf die Augen thun').
Ein andres Geschwulst
, am Kop
fe') mit A
Ibe zu vertreiben:
Collyriam
1
Fauliges Holz ^ (?)
V,
senen'^Hsrz
V,.
Galmei
v„
Scbreibfarbe
V«
V
tendn-Beere
'/.,■
Andre Mittel fCr das An
ge, wenn
ihm etwas
igestossen ist:
Henschenhim, in 2 HSiften tbeilen; seine eine Hälfte in
Honig thun nnd das Auge damit am Abend (wenn es dnnkel
ist) salben und seine andere Ullfte trocken macben; zermahlen,
zerreiben nnd das Auge damit am Hoi^n salben.
I) Ebers S. 146. „Natron oder Salpeter".
^ Von Ebers wobl aus Versebn in seiner Uebersetzung weg-
gelassen.
') Ebers 1, c. „arab. Holzpuher"?
*) Eine besondre Ginsearl, die man bei den Opfern darzu-
bringen pflegte.
*) Eigentlich : nicbt in Feuer fallen lassen.
') Cfr. Tor. Seite Anm. 6.
>) Cfr. S.84. Anm. 4.
") Wohl Atherom.
*; Ebers S. 149 „arab. HolzpuNer"?
'•) Eber» I.e. .Opalbarz"?
— 95 —
Ein anderes das Gesicht zu stärken*), anzuwen-
den im 1. bis zum 2. Wintermonat'):
Collyriam, Männliches Collyrium'), senen*)-Harz
zu gleichen Theilen; in die Augen thun.
Ein andres:
sa*)-Kom von Oberägypten, Collyrium
zu gleichen Theilen; sodann auf die Augen thun^).
Ein andres:
Zwiebeln (?), Collyrium, Honig
zu gleichen Theilen; in die Augen thun.
Ein andres das Sehen zu öffnen:
Die Topfscherbe eines neuen hennu-Gefässes in frischer
Milch erwärmt, oftmals auf die Augen thun.
Eine andre Augensalbe zum Oeffnen des Sehens:
Collyrium, Rindermark (?)
in die Augen thun.
Ein andres das Sehen zu öffnen:
Collyrium 4
Honig 3 ') ebenso.
Ein andres LXII das Sehen zu öffnen: LXII.
Collyrium, Saft von frischen Zwiebeln (?), Naturhonig
in die Augen thun.
Eine andre Augen(salbe):
Collyrium 2
Honig 4
Grünspan ^/^
Grüne Bleierde (?) 7,
Echter Lapis lazuli
zermahlen und in die Augen thun.
Eine andre Augensalbe:
Collyrium 2
Gänseschmalz 2
Wasser 4
in die Augen spritzen.
0 Wörtlich: das Sehn wachsen zu machen.
^ Ebers S. 150 »vom 17. November bis 16. December*' jul.
^ Cfr. S. 87. Anm. 9.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 10.
*) Ebers 1. c. «Natron oder Salpeter".
^ Cfr. S. 84. Anm. 4.
0 Die Zahl ist nachträglich mit rother Tinte eingeschoben.
— 96 —
Ein andres Albogo*) za vertreiben, die in den
Angen entstanden ist:
Collyrium 1
Fauliges Holz ') (?) 1
zermahlen, zerreiben and in die Augen tbun.
Ein andres:
Dinte 1
Collyrium 1
Wasser
zermahlen, zerreiben and in die Augen thun.
Ein andres:
Ebenholz'), Collyrium, Wasser ebenso
Ein andres:
Galle (?) vom äbdu-Fisch (Flosselhecht),
Collyrium ebenso.
Ein andres:
Sahne, Milch ebenso.
Ein andres das Schielen^) zu vertreiben:
Collyrium 1
Mennige 1
Grüne Bleierde (?) 1
Rothes Natron 1
zermahlen, sodann auf die Augen thun^).
Ein andres typhonische Nebel^) in den Augen zu
vertreiben:
Zwiebeln (?), Harz von Acanthus, Grunstein, Milch
einer Frau, die einen Knaben geboren hat
in Eins machen und sodann auf die Augen thun ^).
Ein andres adlt^) im Auge zu vertreiben:
Collyrium */,
Geierei */*
zermahlen, zerreiben und sodann auf die Augen thun^).
0 Cfr. S. 85. Anm. 5.
^ Ebers S. 154 ,arab. Holzpulver«?
*) Aegyptisch: hebeni.
*) Aegyptisch: nehat.
*) Cfr. S. 84. Anm*. 4.
^ Eigentlich: qesemut = Glanzlosigkeit, Verdunkelung, Nebel;
deSer = reih oder typhonisch = böse; Ebers S. 156 „allgemeine
Trübung der Hornhaut, die mit Reizerscheinungen verbunden ist".
0 adit ist eine Variante von adet; cfr. S. 8o. Anm. 6.
— 97 —
Ein andres:
Collyrium
Honig
Grüne Bleierde (?)
Mennige
senen *)-Har2
Ein andres:
Mennige
Grüne Bleierde (?)
Collyrium
senen ^)-Harz
Naturhonig
Ein andres:
Schwarzer Messerstein
Weihrauch
Krokodilerde ')
Honig
aof die Augenbrauen^ tbun.
Ein andres:
Mennige
Grüne Bleierde (?)
Naturhonig
Collyrium
senen *)-Harz
2
V
/l6
I'
7
/is
2 7.
1
1
V
7
ebenso.
ebenso.
S)
ebenso.
Ein andres das Sehn zu öffnen:
Sahne, Milch einer Frau, die einen Knaben geboren
in Eins machen und in die Augen spritzen.
Ein andres Triefauge, Dunkelheit, Augenschmer-
zen und Entzündungen, die in den Augen entstanden
sind, zu vertreiben:
Fauliges Holz *) (?)
Grünspan
Zwiebelpulver (?)
Harz von Acanthus
1
1
1
1
>) Ebers S. 157 «Opalbarz*?
^ Ebers S. 158 „Nilschlamm«?
^ Eigentlich: die Arme der Augen.
<) Ebers S. 159 „arab. Holzpulver?«; Luring S. 109. „Bohr-
mehl ?«
Joachloif AegyptUche Heilkunde. 7
— 98 -^
Spähne von Ebenholz 1
Saft der qebu '>Frucht 1
in Eins machen, zu einem trocknen Teig machen, in Wasser
mischen und dann auf die Augen bringen').
Ein andres Fett') im Auge zu vertreiben:
Grünspan 2
Schreibfarbe 1
Collyrium 27,
Nairon 1
LXIir. Grüne Bleierde (?) 7^
in Wasser zermahlen und sodann auf die Augen thun ').
Ein andres:
Mennige 1
Gänseschmalz 1
damit dann auf die Augen schmieren*). Sieh nach^)!
Ein andres eine Geschwulst in der Nase*) zu ver-
treiben:
Collyrium 1
Fauliges Holz «) (?) 1
Trockene Myrrhen 1
Honig ]
4 Tage damit (das Auge) salben; sieh gut nach, denn dieses ist
das Rechte.
Eine andre (Augen)salbe, zubereitet vom Priester-
Pharmaceuten^) j^ul:
Collyrium
Grünspan
sa*)-Korn von Oberägypten
sa'^-Kom von ünterägypten
Mennige
Fauliges Holz«)(?)
Naturhonig
») Ebers S. 160 „Behenöl".
^ Cfr. S. 84. Anm. 4.
*) Aegyptisch: qenät; cfr. S. 86. Anm. 8.
*) So übersetze ich das am Anfang der Zeile 2 stehende är inaek ;
Ebers liest är ^erek.
*) Ebers S. 161 „Dakryocystitis" ; ägyptisch: vent m fent.
«) Cfr. S. 96. Anm. 2.
t ^EbersS. 162 „Sonnenpriester von Heliopolis".
j ^Ebersl. c. „Natron oder Salpeter".
• • •
• •
— 99 —
Ein andres Blindheit*) in den Aagen zu vertreiben:
Zwiebeln (?), zermahlen, zerreiben, in ein Tuch
hüllen lassen, in Naturhonig verschliessen und in
die Augen thnn.
Ein andres Hindernisse') der Muskeln in den
Augen*) zu vertreiben:
Grünspan, Weihrauch, Mennige
zermahlen und auf die Augen thun.
Andre Mittel für die Augen, mitgetheilt von einem
Semiten aus Byblos^):
ät^aulen *)-Korn
Datteln
Frische Datteln
Durra
Ou&eken ^)-Korn
Mennige
äbennu-Metal
Salz
dehui«)-Frucht 1
Collyrium 1
Schenkeltalg, frisches Baumöl (?)
auf die Mittel thun.
Ein andres Granulation^) im Auge zu vertreiben:
CoUyrium 1
senen *)-Harz 1
Fauliges Holz*) (?) 1
das Auge damit salben.
Ein anderes Druck*°) der Haare im Auge zu ver-
treiben:
0 Aegyptiscb: sepet; cfr. S. 87. Anm. 4.
*) Aegyptisch: ^esefu ^ Hindernisse, Lähmungen.
>) Hirschberg S. 840 „Lähmung der Lider''; Ebers S. 163
,,Augenmuskellähmung'^
*) Aegyptiscb: kepni; Stadt in Phonien.
^) Pflanze aus Phönicien.
^ Sonst dehui, tehui.
T) Cfr. S. 86. Anm. 9.
») Ebers S. 165 „Opalharz?"
^ Ebers 1. c. „arab. Holzpulver?**
*") Aegyptisch: uäf = v6wü> = stossen, stechen; Ebers I.e. „Tri-
chiasis".
— 100 —
Myrrhen 1
Eidechsenblut 1
Flcdermausblut 1
die Haare ausrupfen und darauf thun, um es gesund
zu machen^) (das Auge).
Ein andres das Haar nicht in das Auge wachsen
zu lassen, nachdem man es ausgerupft hat:
Weihrauch zerniahlen in
Excrementen der Eidechse
Kuhblut
Eselsblut
Schweineblut
Hundeblut
Hirschblut
CoUyrium
Grünspan
zermahlen, in Eins zerreiben in diesen Blutsorten und an die
Stelle dieses Haares thun, nachdem man es ausgerupft hat, dass
es nicht wächst.
Ein andres:
Fledermausblut 1
Der Rand von einem neuen hennu-Gefäss 1
Honig 1
zermahlen, zerreiben und an die Stelle dieses Haares thun,
nachdem man es ausgerupft.
Ein andres:
Rinderfett 1
Baumöl (?) 1
Das Innere des äpnent-Thieres *) 1
in Eins zermahlen, auf Feuer setzen und an die Stelle des
Haares thun.
Ein andres:
Hirn vom uäat-Vogel, ein Blatt ') damit bestreichen und auf
LXIV. die Stelle dieses Haares thun, nachdem man LXTV. es ausgerupft.
Ein andres das Haar ins Auge nicht wachsen zu
lassen, nachdem man es ausgerupft:
^) Cfr. Diese, de mat. med. Lib. I. cap. 52: ed. Kühn Vol. 26.
Seite 116.
^9 Ebers S. 169 „Maulwurf?*'
3) Ebers S. 170 „Weinrebe\
• • »■
• •
~ 101 —
Wespenexcreincnte 1
Mennige 1
Urin 1
mischen und auf die Stelle dieses Haares than, nachdem man
es ausgerupft.
Ein andres. Mittel Granulation^) im Auge zu ver-
treiben:
senen *)-Harz 1
Collyrium 1
FauUges Holz») (?) 1
damit die Augen salben.
Ein andres Fett*) im Auge zu vertreiben:
Messerstein in frischer Milch mischen und sehr häufig
darauf (auf das Auge) bringen *).
Ein andres gegen Biss (oder Stich) von Menschen:
Stücke eines ändu-Gefösses, Calmus
zerstossen, in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres zweites Mittel:
Weihrauch 1
Grüne Bleierde (?) 1
Gazellenhim 1
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres drittes Mittel:
Gotteskraut (?) 1
Weihrauch 1
• Knoblauch 1
kochen, zu einer Salbe machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Mach Du ihm einen Umschlag in rohem Fleisch den ersten
Tag; nachher behandle ihn mit Gel und Honig,um ihm
wohl zu thun; sodann thu Du Gel in^) Wachs, um ihm so-
fort wohl zu thun.
*) Aegyptisch: pedest; cfr. Seite 86. Anin. y.
2) Ebers S. 171. „Opalharz?'*
2) Ebers 1. c. „arab. Holzpulver?"
*) Cfr. S. 86. Anm. 8.
*) Hier endet der Abschnitt von den Augenkrankheiten: cfr.
hierzu Diese. Td tu>v ö^pdaXfjiuiv ßoT]^(xaTa. Ed. Sprengel.
Vol. 26. S. 107 — 120. Ebers rechnet zu diesem Abschnitt noch
eine Reihe von Recepten und Vorschriften, die mit dem Kapitel von
den Augenkrankheiten gewiss nichts zu thun haben.
^) her ist mit rother Tinte (nachträglich) dazwischengeschrieben.
- 103 -
Za machea gegen den Bisa eines Krokodiles ')-
Triffst Da den Krokodilbiss ') and Du findest sein Fleisch
gleichmässig heruntergefallen Buf beiden Seiten, so beleg Du es
in rohem Fleisch den ersten Tag; in gleicher Weise trocknet
alles Fleisch einer Person '),
Der Beginn von den Mitteln Kopfschwäche ") zu
vertreiben:
Beere son dega '}-Banm 1
Fett 1
baq-Oel 1
in Eins machen und damit 6 Tage einreiben.
Ein andres:
Lein(3<i(K), in Honig zerstossen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Hennige 1
Honig 1
als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Lapis memphites (?)
Palm wein
sepnen ')-Sam6n
Honig
seneft*)-Kom
in Eins machen und damit einreiben.
Ein andres:
Honig 1
Palmwein 1
seneft ')-Korn 1
damit einreiben.
Ein andres:
*} Eigentlich: g«gsn den Erokodllrachen. Ebers, der diescD
kleinen Abschnitt nocn, wie oben erwähnt, zu den Augenkrankheiten
rechnet, sieht hierin eine Augenkrankheit, nfimlich das Plenfgion.
Er hat «obl übersehn, dass oben (Tafel 59. I) adet anders deler-
minirt ist als hier und dasa oben Tor Allem von „adet m niert* die
Rede ist; cfr. auch Tafel Ö9. 10.
') Die UebersetzuDg ist unsicher.
•) yenait =^ krankhafte Mattigkeit, Schwäche,
') AegyptiBcb: dega, statt deqm (?); vielleicht also Ricinus-
strauch (?).
') Luring S.45 .Mohn'.
^ Ebers S.91 „gebort lu den aU Opfer dargebrachten Körnern*.
103
Mennige 1
Oel 1
Zwiebeln (?) 1
in Eins machen und damit einreiben.
Ein andres:
Die Haut des Nilpferdes, erhitzt 1
Oel 1
sepnen ^)-Kömer 1
Zwiebein (?) 1
in Eins machen und damit einreiben.
Ein andres:
äbu-Körner
Myrrhen
Zwiebelmehl (?)
Krokodilerde ')
Straussenei
damit verbinden.
Ein andres:
Lapis memphites (?) 1
sepnen ')-Körner 1
Myrrhen 1
sehetet-Kömer 1
damit verbinden.
Ein andres:
Kümmel
Kräuter des Feldes
Seezunge-Körner
sefseft-Kömer
zermahlen, in Eins zerreiben und damit verbinden.
Ein andres:
Oel vom Nildpferd
Pulver von Mentha montana
Myrrhen
mesfen *)-K5mer
Bleivitriol (?)
in Eins zermahlen und damit einsalben.
XLV.
1
1
1
1
0 Cfr. vor. Seite Anm. 5.
^ Ebers S. 186. „Nilschlamm?"
^ La ring S. 45. „Mohn".
*) Statt gesfen; Luring S. 91 „Kupfervitriol?'
— 104 ~
Ein andres:
penes-Körner 1
Krokodilerde ^) 1
Mentha montana 1
damit verbinden. Wenn Luft fehlt *) thu Du Oel dazu.
Ein andres:
Straussenöl, Galle des schwarzen abdu- Fisches*), Blei-
vitriol (?), Sefet*)-Oel, Weihrauch
in Eins machen und den Kopf damit 4 Tage einreiben.
Ein andres:
Mennige 1
Grüne Zwiebeln (?) 1
Oel 1
in Eins machen und damit einreiben.
Beginn') von den Arzeneimitteln graues Haar zu
entfernen und das Haar zu conserviren:
Das Blut von einem schwarzen Kalb in Oel kochen und
damit einreiben.
Ein andres:
Schildkrötenschale und Kehle*) vom gabgu- Vogel in Oel
kochen und häufig damit einreiben.
Ein andres graues Haar nicht entstehn zu lassen:
Uterus') der Katze, Ei vom gabgu-Vogel, Oel, äbra*)-Salbe
warm machen und auf den Kopf der Person thun, nachdem er
die Mischung vorgenommen hat (?)*).
Ein andres:
Das Blut von einem schwarzen Kuhhorn in Oel erwärmen
und damit einreiben.
Ein andres:
») Ebers S. 186 „Nilschlamm?«
^ Aegyptisch: ^emu.
') Flösselhecht.
«) Ein beiliges Salböl.
^) Es ist bemerkenswerth, dass zu den Salben dieses Abschnittes
häufig eine schwarze Substanz oder eine solche von einem schwarzen
Thicr verordnet wird.
*) Aegyptisch: beqsu; Luring S. 130 „Federn".
0 Eigentlich: Mutter der Menschen.
^ Die Uebersetzung ist unsicher; Luring S. 132 vermutbet
„nachdem man (den Kopf) vorher geschoren hat**. Stern giebt dem
Worte mät* die Bedeutung: „liquor".
— 105 —
Galle von vielen behau ')-Fischen in einen hennu-Krug thun
and auf den Kopf einer Person bringen, die graues Haar hat.
Ein andres:
Getrocknete Kaulquappe vom Kanal, zermahlen und mischen
in äbra-Balsam, damit einreiben, nachdem er die Mischung vor-
genommen hat') (?).
Ein andres:
Blut von der Kehle') des gabgu- Vogels in echten äbra-
Balsam thun und damit einreiben. Er streckt seine Hand
aus auf den Rücken eines lebenden Falken, ihn auf seinen
Kopf setzend gegen eine lebende Schwalbe"*).
Ein andres:
Horn eines Hirschkalbes, in Oel in einer Pfanne erwär-
men, in Oel mischen und damit den Kopf eines Mannes oder
einer Frau einreiben.
Ein andres graues Haar wirklich zu vortreiben
und das Haar zu conserviren:
Blut einer schwarzen Kuh, in Oel tbun und damit einreiben.
Ein andres graues Haar zu vertreiben:
Eselsklauen geröstet, Vulva einer Hundin, eine Prise
(Portion) hemIt-Kömer, Gummi, ein glattes Zeugstäck*)
LXVI. von Oel, dunkler (schwarzer) heft-Wurm, uäult- LXVI.
Wurm im Koth gefunden, in Oel kochen und damit häufig
einreiben.
Haar an den Augenbrauen nicht grau werden zu
lassen:
Honig in Zwiebelwasser (?) und Krokodilerde **); nachher eine
Zeit von 3 Monaten (damit) waschen, nachdem Du es hast stehn
lassen und 6 Tage es aufbewahrt') (?).
0 Brugsch. Zeitschr. f. ägypt. Sprache. 1882. S.70. „vielleicht
Krebs**.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 8.
^ Cfr. vor. Seite Anm. 6.
*) Die Uebersetzung ist nicht sicher; Lieblein meint, es be-
zeichne vielleicht die Kraft des Medicamentes , das die Krankheit
besiegt wie der Falke eine Schwalbe.
*) Hier ist im Papyrus eine Va Zeile lange Lacke, durch
die der Text eine Unterbrechung erfahren hat Dass etwas fehlt geht
wohl daraus hervor, dass man mit „ein Zeugstück von Gel'' kaum
etwas anfangen kann. Aegyptisch: sep = Hemd.
«) Ebers S. 186 „Nilschlamm?«
0 Die uebersetzung ist unsicher.
-- 106 -
Ein andres gutes Mittel:
seter-seref-Saft^) (wanner Schlaftrank), Eselleber
es in ein Gefäss thun, dass es zu trockenen Kügelchen wird;
in einem Tiegel auf Feuer setzen; ist es darin dann erwärmt,
hineinmischen in Oel und damit einreiben.
Der Beginn von Mitteln zum Haarwuchs'):
Zerstossene Leinsamen') 1
in Oel 1
in Quellwasser thun und damit einreiben.
Ein andres zum Haarwuchs für das stellenweise
Kahlwerden des Kopfes*):
Fett der Wildkatze (Löwe) 1
Fett vom Nilpferd 1
FeU vom Krokodil 1
Fett der Katze 1
Fett der Schlange ^ 1
Fett von Ibex nubiana 1
in Eins machen und damit den Kopf des Kahlköpfigen einreiben.
Ein andres das Haar wachsen zu lassen beim Kahl-
werden*):
Haare des hunta-Thieres in Oel aufwärmen und damit den
Kopf 4 Tage einreiben.
Ein andres:
Schreibfarbe in Gehimwasser 1 mischen und darauf thun.
Lactuca geschnitten darauf thun.
Das Innere der ut'ält-Frucht mischen in abra-
Balsam 1, darauf thun.
Andre Mittel zum Haarwuchs, bereitetet für ses,
Mutter Sr. Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten,
tetä, des Gestorbenen^):
Die Zehen von einem Hund^) 1
Dattelabfall 1
Eselsklaue 1
') Ebers S. 16 „Opium?**; eigentlich „Trank des Ruhens".
^ Eigentlich: das Haar wachsen zu machen.
•) Eigentlich: Leinsamen (?), zerstossen 1 in Oel 1.
*) Aegyptisch: näask; cfr. Brugsch VI. S. 659; möglicherweise
handelt es sich hier um area Celsi.
*) Cfr. Brugsch VL S. 659.
*) Aegyptisch; maÄ-yeru.
0 Luring S. 64 „ Windhund pfoten«.
- 107 ~
in einem Tiegel in Oei sorgfältig kochen und damit ein-
reiben.
Ein andres:
Eine schwarze Eidechse, mischen Ringe (Krammen), Vulva,
PhaUus *), in Oel kochen und damit einreiben.
Ein andres das Haar gehörig zu conserviren:
Eselszahn in Honig mischen und einreiben.
Ein andres das Haar zu conserviren:
Schreibfarbe 1 ^
Collyrium 1
•/et'-Pflanze 1
Öel 1
Gazellenexcremente 1
Fett vom Nilpferd 1
in Eins machen und damit einreiben.
Ein andres zum Haarwuchs auf einer Wunde'): LXVII.
Wachholderheere
Cyperus
Frucht vom am- Baum
sasa-Stücke *)
Dumpalmenfrucht
Oel
Honig
als Pflaster darauf legen.
Ein andres zum Haarwuchs:
Oel 1
sefet *)-Oel 1
einreiben damit.
Ein andres Haar zu entfernen®):
änärt-Wurm gekocht und erwärmt in Oel und Baumöl (?),
auf den Kopf eines verhassten Weibes thun.
Ein andres:
*) Nicht recht verstandlich!
^) Die Zahl 1 mit schwarzer Dinte; sonst werden die Zahlen im
Papyrus mit rotber Dinte geschrieben.
') Aegyptiscb: ubennu = Wunde oder wunde Stelle; vielleicht
bandelt es sich hier um Haarwuchs bei Eczema capitis (?)
*) Brugscb. Wort. VII. S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen".
^) Ein heiliges Salböl.
^ Eigeptlich: Kahlsein der Haare zu bewirken.
— lOH —
Hyoscyamus*) erwärmen, in Oel thun und auf den Kopf
eines verhassten Weibes thun.
Ks (das Haar) zu entfernen, sobald es sich zeigt:
Schildkrötenschale erhitzen, zermahlen, in Fett von Nilpferd-
klauen thun und sehr oft damit einreiben.
Der Beginn von den Mitteln zur Heilung der
Leber^):
Feigen Yg
Sebesten ^/^
Weintrauben 7i6
Brodteig */,
Beere von der /asit '}-Pflanze Yi«
Kuchen Yja
Weihrauch Y«*
Nasturtium 7^4
Wasser 7^
feucht stehen lassen, durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
Feigen
Weinbeeren
Wachholderbeere
asu *)-Pflanzc •
Weihrauch
Grüne Bleierde (?)
Wasser
/,
/,
8
16
16
«4
/:
/
/
/„ ebenso.
Ein andres:
Lotusblüthen Yg
Wein 1 denä
Pulver von Zizyphus Lotus*) Ys
Feigen Y«
Milch Y16
Beere vom uän-Baum Yie
Weihrauch Ygi
Süsses Bier 1 denä
feucht stehen lassen, durchseihen und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres:
*) Aegyptisch: sepet-Pflanze; Brugsch: Bluthenblatt.
^ Aegyptisch: merest.
3) Brugsch VI. S. 896 „Mohnpflanze".
*) Brugsch V. S. 141 eine liebliche Pflanze.
^) Luring S. 157.
— 109 —
Feigen V,
Sebesten Ys
anest-Kom Yi
Brod von Zizyphus Lotus ^) ^/^
Zwiebeln (?) 7,,
Brodteig V^e
Weintrauben Yg
Nasturtium ^/^^
Weihrauch Ys*
Süsses Bier 1 denä
feucht stehen lassen , durchseihen und 4 Tage lang ein-
nehmen.
Ein andres:
Feigen 7^
Brodteig 7«
Beere vom uän-Baum 7,^
sa*)-Kom von Oberagypten 7«
Wasser 1 denä
feucht stehen lassen , durchseihen und 4 Tage lang ein-
nehmen.
Der Beginn von den Mitteln gegen Brandwunde')
den 1. Tag dagegen zu brauchen:
Schwarzen ämät-Saft darauf thun.
Den zweiten Tag zu brauchen:
Ziegenexcremente verbrennen, zermahlen, zerreiben in
entstehender (gährender) Hefe und darauf thun.
Den dritten Tag zu brauchen:
Domen (?) von Acanthus getrocknet, sie zermahlen in
gekochtem Durrakom und Zwiebeln (?), in Oel thun
und als Pflaster auflegen.
Den 4. Tag zu brauchen:
») L firing S. 157.
^ Ebers S. 69. „Natron oder Salpeter".
') Aegyptisch: ubedet mit dem Determinativ der Flamme. Es
ist zweifellos, dass es sich hier um Verbrennung handelt und nicht,
wie Ebers und Stern meinten, um Krebs. Dagegen spricht erstens
die Bedeutung des Wortes ubedet, das brennen, verbrennen bedeutet ;
zweitens das Determinativ der Flamme und drittens der Inhalt der
Recepte und die Art ihrer Verabreichung. Ausserdem ist Carcinom
der Haut, resp. carcinomatöse Geschwüre derselben doch verhältnis-
mässig selten.
— no —
Wachs, gebratenes Kuhfett, Palmfasern') in uäh*)-Kom
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Den 5. Tag zu brauchen:
Zwiebeln (?) 1
Mennige 1
Frucht vom äm-Baum 1
zermahlen, zerreiben in Kupferspähnen '), in Eins machen und
als Pflaster (auf) legen.
Mittel zum Verband*) einer Brandwunde*):
LXVHI. uäh^-Kom kochen und als Pflaster auflegen.
Mittel gegen eine Brandwunde*):
uäh ')-Korn
Durra
Cyperus vom bebauten Lande (e locis cultis)
Seesalz
Baumwolle
Palmfasem ^)
t'ehä-Thier, gekocht
Riuderfett
Oel
Wachs
täglich auf die Brandwunde bringen, nachdem sie ge-
kühlt worden ist.
Ein andres*) gegen Brandwunde*):
Wachholderbeere 1
Papyruspflanze 1
in Gummiwasser mischen und darauf thun.
Ein andres:
Kuchen 1
Katzenhaare 1
in Eins zermahlen und darauf thun.
Ein andres zur Heilung einer eiternden Brand-
wunde^) an jeder Körperstelle einer Person:
») Luring S. 34.
^ Wohl eine Getreideart (?).
') Luring S. 96 „Das Abgeriebene von Kupfer."
*) Wörtlich: die Brandwunde einzuwickeln.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 3.
^ ket ist mit schwarzer Tinte geschrieben.
^) So übersetze ich ubennu n ubedet; eigentlich das Eitern der
Brandwunde.
— Ill ^
qebu ^)-Oel 1
Crocus 1
Fetter Saft vom Cederbaum 1
sefet»>Oel 1
zermahlen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
"Wachholderbeere 1
Papyrus-Pflanze 1
Katzenexcremente 1
mischen, in Kuchenwasser bringen und darauf thun,
Ein andres:
Talg
heta-Pflanze
Foenum graecum
Harz von Acanthus
Seezunge-Kömer
Rother *)-Samen
abra-Balsam *)
Ein andres:
Krokodil-Weihrauch
Fett von Ibex nubiana
Stein vom Ufer
Wachs
Zwiebel (?)
Oel
Seezunge-Komer
Rother ')-Samen
Fetter Saft vom Cederbaum
Sycomore
änest-Pflanze
zermahlen und zu einem Pflaster machen.
Ein andres gegen stinkenden Brand*):
Kupferspähne 1
Grünspan 1
ebenso ').
») Ebers S. 160 „Behenöl".
*) Ein heiliges Salböl.
*) Aegyptisch: deSer.
*) Ein feines Salböl.
^) Eigentlich: ist ebenso.
*) Aegyptisch : set huaes = Gangrän, welche stinkt ; set = Feuer,
Flamme.
— 112 —
Schreibfarbe
Frischer Weihrauch
Kümmel
gcnti *)-Samen
gesfen '')-Korn
Wachs
Aloe
Xesalt *)-Harz
Süsse Myrrhen
sefet*>Oel
Honig
zermahlen, zerreiben, in Eins machen und darauf als Pflaster legen.
Ein andres zu machen gegen eine Brandwunde^)
den 1. Tag:
Honig als Pflaster auflegen.
Ein andres:
aqeh-Stein ^), der Wasser annimmt, Fett, Baumol (?)
in Eins kochen und darauf thun.
Ein andres eine eiternde Brandwunde an jeder
Körperstelle einer Person zu behandeln:
äat-Pflanze in Oel kochen, zermahlen und darauf thun.
Ein andres:
Stein von der Mundung') des Wassers 1
änest-Pflanze 1
äbu-Pflanze 1 \
Fett von Ibex nubiana 1
zermahlen und darauf thun.
Ein andres:
Gekochte ut'ält-Frucht, darauf thun.
Ein andres gegen eine Brandwunde') den 1. Tag:
Gekochtes uäh *')-Korn 1
Gekochte Durra 1
k
0 Brugsch VII. S. 1269. «Cassia«.
«) Luring S.91. „Kupfervitriol?«
3) Brugsch VI. S. 896. „Mohnpflanze".
*) Ein heiliges Salböl.
*) Aegyptisch: ubedet; cfr. S. 109. Anm. 3.
^ Also ein poröser Stein; nach Brugsch V. S. 21: ein Stein,
mit dem man schneidet.
^) re = Mündung ist nachträglich eingeschoben; d. h. wohl Stein
von der Flussmündung oder vom Strande.
*) Wohl eine Getreideart (?).
— J13 —
Gekochter Cyperus
Gekochte Baumwollenpflanze
Gekochte Palmfasern
Gekochtes deher-Thier
Rinderfett
Oel
Geschmolzenes Wachs in Fett
in Eins machen und darauf thun.
Ein andres:
Wachholderbeeren 1
uäh ^)-Komer 1
Katzenexcremente 1
in Eins mischen in Kuchenwasser und darauf thun.
Ein andres. Beschwörung von Feuer') zum I.Mal:
„0 Du Gottessohn, Horus! Es ist Feuer im Lande; mag
nun Wasser dort sein oder nicht, das Wasser ist in Deinem Munde,
der Nil ist in den Füssen, wenn Du kommst das Feuer zu löschen.^
Zu sprechen über Milch ein^r Frau, die einen
Knaben geboren hat, Kuchen und Widderhaare; auf
die Brandwunde thun.
Andre Beschwörung:
„0 Sohn Horus! Es ist Feuer im Lande; nicht Wasser ist
da, nicht Du bist da; bringe Wasser über die Ufer des Flusses,
das Feuer zu löschen.^'
Herzusagen über Milch einer Frau, die einen Kna-
ben geboren hat.
Ein .andres. Mittel gegen das Grauwerden') der
Brandwunde:
Mennige 1
zermahlen in Sycomorenmilch 1
Zwiebeln (?) 1
utit von Zwiebeln (?) 1
zermahlen und als Pflaster darauf legen.
Brauch Du das Messer des Arztes:
Gestossener Halm 1
dehui-Beere 1
als Pflaster darauf legen.
LXIX.
^) Wohl eine Getreideart (?).
^ Soll wohl beissen 7on Brandwunde; den Reeepten folgt also
hier eine Beschwörung.
*) unsicher!
Joacbintf Aegyptlsche Heilkand«. 8
— 114 —
Ein andres:
Crocus des Nordens 1 gestossen
als Pflaster^) darauf legen.
Ein andres:
Zerstossenes meneq^-Holz 1
Domen ') (?) von der uam-Pflanze, zerstossen 1
in Eins machen und als Pflaster darauf legen.
Andre Mittel das Weisswerden der Brandwunde
zu vertreiben:
kesu-Komer 1
Honig 1
Zwiebeln (?) 1
mit dem Stachel zerstückeln*) und versenken in Mennige und
Collyrium; zermahlen, zerreiben, in Sycomorenmilch mischen;
damit viele Tage einsalben.
Ein andres:
Zwiebelpulver (?) 1
in Honig mischen und als Pflaster darauf legen.
Ein andres:
Glattes, leinenes Hemd in Oel zerstampfen und damit ein-
salben.
Ein andres:
Weihrauch 1
Honig 1
damit einsalben.
Ein andres:
Durrabrot in Oel und Salz, in Eins mischen und sehr oft
als Pflaster auflegen, um ihn sogleich gesund zu machen. Es
ist ganz wahr; ich habe (es) gesehn; es ist mir häufig
vorgekommen.
Mittel die Striemen von Schlägen zu vertreiben:
Honig, Kuhhirn, Mauerlehm, Leinsamenwasser (?), Dattel-
saft
kochen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Staub*) von Alabaster
^ ut ist mit rother Dinte dazwischengescbrieben.
*) B rugs eh VI. S. 611 „noizstückchen vom Styrax-Baum."
') Aegyptisch: ägit.
*) Brugscb Wort. VII. S. 1341 „zu zermalmen mit dem Reiber".
*) Luring S. 101.
— 115 —
Staub von Statuen
Granit
Frische Milch
damit einsalben.
Ein andres:
Durramehl
Kuhmilch
damit sehr oft einsalben.
Ein andres:
Honig, hernach warm damit salben.
Ein andres:
Eine Prise hemit, getrocknet
zermahlen, zerreiben und in einen Zuckerkuchen thun; dazu
eine andre (Prise) in Honig aufweichen und von der Person zu
essen.
Es beginnen die Mittel die Wunden') zu heilen, LXX.
die an dem Körper geschlagen sind:
Ein Stuck Leinwand in Weihrauch und Honig befeuchten
und 4 Tage auflegen.
Ein andres zum Verbinden von Wunden^):
Bohnen zermahlen, zerreiben') und in ein Tuch aufbe-
wahren, mischen in Oel, Honig und Baumwollencharpie, auf
ihren (der Wunde) obem Theil 7 Tage lang (legen), um sie zu
heilen.
Ein andres Blut aus Wunden^ auszuziehen:
Wachs
Fett
Baumol (?)
Honig
Zwiebeln (?)
Durra, erwärmt
kochen, in Eins machen und 4 Tage als Pflaster auflegen.
Ein andres vom Ausfluss, der aufquillt:
Wachs 1
Oel 1
Fett 1
in Eins kochen, und als Pflaster auflegen.
*) Aegyptisch : ubennu = die eiternde, fliessende Wunde.
2) an = zerreiben ist mit rother Tinte durchstrichen.
^ Wörtlich: Blut in der Oeffnung der Wunden.
8*
— 116 —
Ein andres:
Oehni-Beere
(Essbares) nsä-Krant
Oel
Honig
sefet ^)-Oel
Knoblaach-Kageln 7 todt (verwelkt?)
zermahlen und als Pflaster auflegen.
Ein andres eine Wunde
^ ausztrocknen:
Weihrauch 1
Zwiebeln (?) 1
Kuhfett 1
zermahlen und darauf thun.
Ein andres:
Teig
Weihrauch
nehed *)-Harz
Wespenexcremente
Mennige
Salz vom Norden
Wachs
zermahlen und darauf thun.
Mittel gegen eine Wunde den ersten Tag:
Kuhfett oder Kuhfleisch, um sie zu reifen*); wenn sie
dann gut reif ist, umhülle sie in gesäuertem Durrabrod, damit
sie darunter trockne; nieder umhülle sie in Fett, damit
sie reife.
Wenn sie*) dann hart wird in ihrem Ausfluss, so
umhülle sie in Fett von Ibex nubiana, sefet ^)-OeI und zer-
mahlener ftehui-Frucht.
Wenn du darunter drückst, und es ist hart, thu es
in Mehl von frischem Elfenbein^). Nachher umhülle sie in
^) Ein heiliges Salböl.
^ Cfr. vor. Seite Aniu. 1.
») Ebers S. 144 «Zahnkörner?«; Luring S. 108.
*) Wörtlich: in Verwesung zu bringen.
^) Eigentlich: der Aufluss von der Wunde.
^ Ein heiliges Salböl.
') Papyrus Harris I. pl. XXXIII. v. 13 haben wir dasselbe
Wort, von Birch ab gelesen und mit „steatite, or ivory" übersetzt. L.
- 117 —
Baumwollecharpie in äbe/et- Flüssigkeit. Nachher mach
Du einen Verband mit einer Salbe, die die metii^) fester
macht, als Pflaster darauf legen, um sie zu heilen. Wenn es
nachher in seiner Ausfiuss(wunde) hart geworden ist,
so mach Du Fett von der t'as-Pflanze, als Pflaster darauf legen,
um die Wunde') zu öfiTnen, und sie reif zu machen.
Ein andres zum Wundverband:
Wachs 1
Coriander, getrocknet
zermahlen, zerreiben und als Pflaster auflegen.
£in andres:
Pulver von frischem Elfenbein*), in Honig mischen und
als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Fett von Ibex nubiana 1
Wachs 1
Zwiebeln (?) 1
mischen und als Pflaster auflegen.
Mittel*) für denjenigen, der Stiche in der Wunde
hat:
Durramehl 1
Fett 1
Baumöl (?) 1
kochen und ihn es essen lassen, wenn er auch widerstrebt').
Andre Mittel gegen bennut^) in der Wunde:
Harz von Acanthus 1 LXXI.
zermahlen, in Oel thun und auf die Wunde legen, um diese
bennnt zu entfernen.
Mittel^) gegen eine Wunde in der Mamma:
usebet-Kom 1
Seesalz 1
Dickes Fett 1
auf die Mamma thun, als Pflaster darauf legen.
MitteP) gegen eine Wunde am Halse (Nacken):
') Muskeln, Geßsse, Nerven, Sehnen.
^ Wörtlich: um ihre OefFnung zu öffnen.
') Cfr. vor. Seite Anm. 7.
^) Wörtlich: was für denjenigen zu machen ist, der.
^) Lörine S. 35: „lass es gemessen den, der (dich) hasst'
^ Blasen (?), Pusteln; Stamm: rund, kugelig sein.
0 Wörtlich: was zu machen ist.
— 118 —
Myrrhe 1
Palver von der Baamwollenpflanze
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Alle Arten Uehles zu heilen, die eine Person an
was auch immer fur einen Ausfluss^) haben kann:
Seesalz 1
Lactnca 1
in Oel zermahlen und als Pflaster auflegen.
£in andres Ausflüsse^) aller Art zu heilen:
Abfall von Durra in Fett vom Nilpferd oder Schwein zer-
mahlen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Gekochte Durra 1
Zwiebeln (?) 1
Weihrauch 1
Oel 1
in
Eins machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres das Fleisch zum Wachsen zu bringen:
CoUyrium 1
Ruhfett 1
Grunspanspähne 1
Honig . 1
in
Eins zermahlen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Zwiebeln (?) 1
Bohnen 1
Samen von der seps ')-Pflanze 1
Oel 1
Honig 1
in
Eins zermahlen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Zweige vom am-Banm 1
Harz von Acanthus 1
Alo6 1
Beeren vom änennu-Baum 1
äneb-Pflanze 1
Zwiebeln (?) 1
') Aegyptisch: setu.
^ Brugsch. Wort. VII. S. 1180 „Edelkraut**.
- 119 —
sefet *>Oel 1
Wachs
kochen und auf die Oeffnang der Wunde legen.
Alle Arten Böses zu heilen, die eine Person in
was auch immer für einer Wunde haben kann:
Brod von Zizyphus Lotus') in Wasser kochen, gelinde auf-
wärmen und als Pflaster auflegen.
Ein andres asit') zu vertreiben:
Zwiebeln (?)
Seesalz
in Urin kochen und darauf thun.
Ein andres:
Teig 1
Natron 1
Harz von Acanthus 1
zermahlen and als Pflaster auflegen.
Ein andres äaglt^) (Krallen) in det Oeffnung einer
Wunde zu vertreiben:
Straussenei 1
Schildkrotenschale gebrannt 1
Krallen (Domen ?) vom äm-Baum 1
damit salben.
Ein andres jede Wunde zu heilen:
Gazellenfett
Wachs
Teig des Geruches
Alog
Frisches Baumöl (?)
in Eins machen und auf die Wunde than, um sie zu heilen.
Ein andres eine Wunde zu verbinden:
Menschenexcremente, zermahlen in Hefe von süssem Bier,
sefet *)-Oel und Honig und als Pflaster auflegen.
Ein andres eine Wunde zu lindern^):
ant-Fisch
temi-Fisch 1
Zwiebeln (?) 1
>) Ein heiliges Salböl.
>) Luring S. 157.
') Sterns Glossar. S. 1. „morbus leprosus?*'
') Luring. S. 35. „caro luxurians, Granulationen*'.
^) Wörtlicn: angenehm zu machen.
— 120 -
Wachs 1
Krokodilerde ') 1
Honig 1
zermahlen, zerreiben, in Eins machen and als Pflaster auflegen.
Der Beginn von Mitteln akat') zu vertreiben:
LXXll. Palmwein 1
bedet •)-Salz
hautet- Earz 1
Kuchen 1
Honig 1
darauf thun.
Ein andres:
teun-Pflanze
Honig
Harz von Acanthus
Zwiebeln (?)
sefet*>Oel
darauf thun.
Ein andres:
Granit, zermahlen, zerreiben in Myrrhen und darauf thun.
Ein andres Pusteln^) auf jedem Glied der Person
zu vertreiben:
Fett vom Cederbaum
8efet*>0el
Harz von der yesalt *)-Pflanze
Seezunge-Kömer
Grüne Bleierde (?)
Kochendes Wasser
zermahlen, zerreiben, in Eins mischen und damit salben.
Ein andres:
Seesalz 1
Frische Milch 1
Rothes Natron 1
Oel 1
damit oftmals salben.
») Ebers S. 136 „Nilschlamm?*'
*) Sterns Glossar. S. 1. „scabies, impetigo^.
•) Brugsch. Wort V. S.462. „eine besonders reine Natronart".
*) Ein heiliges Salböl.
*) Aegyptisch: qaqaut; Pocken (?).
^ Brugsch. Wort. VI. S. 896. »Mohnpflanze«.
— 121 —
Pusteln (qaqaut) zu vertreiben:
t'aä-Körner in Schaum von Bier kochen und 4 Tage essen.
Ein andres:
Kochendes (Wasser)') 1
Rothe Körner*) 1
Seezunge-Körner 1
seßeft-KÖrner 1
Wasser
damit salben.
Ein andres:
Seesalz 1
Frische Much 1
Rothes Natron 1
Oel 1
damit oftmals salben.
Anfang von Mitteln um bennut-Blasen im Fleisch
in allen Gliedern einer Person zu vertreiben:
i
1
Mehl von pesen
Seesalz
-Brod (?)
1
1
Honig
damit oftmals salben.
1
Ein andres:
Kräuter des Feldes V«
1
Honig
Wein
;^:
zermahlen, zerreiben und trinken.
Ein andres zum Vertreiben
der Stiche*) der ben-
nut-Blasen im Zahn:
seps*)-Kömer
Teig
Honig
Oel
1
1
1
1
als Pflaster darauf legen,
bennut- Blasen im
Zahn zu
vertreiben und das
Fleisch wachsen zu lassen:
^) Hier ist wohl aus Versehn des Schreibers ^Wasser" ausge-
lassen; oben Zeile 5 ist „Wasser'', wie man deutlich sehn kann, erst
nachträglich eingeschoben.
^ Wohl Natron.
*) Eigentlich: des Hämmems, Stampfens.
*) Brugsch. Wort. VII. S. 1180. „Edelkraut«.
- 122 —
besbes *)-Kömer
Brodteig
änest-Pflanze
Honig
Weihrauch
Wasser
feucht stehen lassen und kauen.
Ein andres:
Oäm-Pflanze
änest-Pflanze
Weihrauch
ämää-Pflanze
nuan-Pflanze
Crocus
Aloeholz
ännek-Pflanze
Cyperus
Zwiebein (?)
Wasser ebenso.
Der Beginn vom Vertreiben der Schorfe*) und vom
Stillen des Juckens*) in jedem Glied einer Person:
Durragrutze 1
seneft*)-Kömer 1
in Mscher Milch mischen und als Pflaster auflegen.
Ein andres um die Unreinigkeiten auszuziehen:
LXXlll.
äpesnen-Komer
Natron
Thorlehm
Zwiebeln (?)
Weihrauch
Dattelabfall
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Weihrauch
1
Collyrium
1
Schreibfarbe
1
0 Brugsch. Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1881. S. 33. „Fenchel«.
^ Aegypt: §efut.
•) Aegypt: usäu.
*) Gehurt zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
— 123 —
gentetrPflanze 1
Honig 1
in Eins machen and als Pflaster auflegen').
Ein andres:
penes -Brod- Krümchen 1, in Wasser thun, zu einem
Pflaster') machen, Zwieheln (?), zermahlen, in einem
Tuch aufbewahren, in Eins kochen, zu einem Brei machen
und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Weisses Weizenkom, rösten, zermalmen, in einem Linnen
aufbewahren, in frische Milch thun, zu einem Brei machen, in
Gel gemischt, als Pflaster auflegen.
Ein andres. Mittel fur Füsse, die an Schorfen krank sind:
Rothes Natron 1, mit entstehendem Dattelsaft mischen und
als Pflaster auflegen.
Ein andres für den Schenkel:
Bohnenmehl 1
Mehl von pesen-Brod (?) 1
Seesalz 1
Menschenurin
in Eins kochen, und als Pflaster auflegen.
Ein andres Schorfe zu vertreiben und Jucken in
jedem Glied zu stillen:
Cyperus
Zwiebeln (?)
Lebende Datteln
Natron
Seesalz
Saure Milch
seneft')-Kömer
Kümmel
kochen und damit salben.
Ein andres:
Kohlen 1
Dattelsaft 1
Seesalz 1
1) Diese Vorschrift ist, wie man deutlich sieht, erst nachträglich
hinzugefügt; sie ist nicht wie gewöhnlich fortlaufend geschrieben,
sondern vertical am Rande nachgetragen.
*) Die Uebersetzung ist unsicher!
') Gehört zu den a& Opfer dargebrachten Körnern.
- * -> - ,
— 124 —
Bierhefe 1
Weihrauch 1
Myrrhen 1
kochen und als Pflaster auflegen.
Ein andres Schorfe in jedem Glied zn vertreiben.
Mach Du ihm Mittel, welche Wasser in den Schorfen
ausziehen:
Mehl von frischer Durra
Cyperus des Sumpfes (e palustribns)
Cyperus des Ackers (e locis cultis)
Cyperusknollen
Collyrium
Mehl von qaat-Komem
in frischem Oel
BanmwoUencharpie
tlt-Kömer
Weihrauch
Gänseöl
Männlicher Samen
bäa-Flüssigkeit
utit-Kömer
Mehl von gekochten net'hät'ehät-Beeren
Rothes Korn
als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Mehl von nah -Pflanze 1
Trauben 1
senäu')- Pflanze 1
zerstossen in
Frischer Milch • 1
Grünes Rohr 1
in Nilwasser zerstossen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Seesalz 1
Mehl von pesen-Brod (?) 1
Natron 1
Brodteig 1
als Pflaster auflegen, um
Wunde) zu vertreiben.
das hervortretende Wasser (in der
*) Luring S. 143. «Carthamus lanatus. L."
— 125 -
Ein andres:
Mehl von Weizenkorn 1
Das Fette von dem deber-Thier 1
Lehm von der LXXIV.' Mauer 1 LXXIV.
sebeb*)-Pflanze 1
in Hefe von süssem Bier durchseihen und als Pflaster auf die
Schorfe auflegen.
Ein andres:
Grüne hemu-Pflanze kochen in mesta-Getränk 1
hum-Eorner in Menschenmilch, auf die Oeffhung des Geschwürs
thun, damit es (das Pflaster) von selbst abföllt.
Ein andres:
Wespenkoth in Milch von der Sycomore auf die Oeffnung
des Geschwürs thun, damit es von selbst abfUllt.
Ein andres:
am (?) von Teig 1 in
Eselsmilch 1
auf die Oeffnung des Geschwürs thun, damit es von selbst abfällt.
Nachdem es abgefallen ist, thu darauf
Xert (Baumfibem ?), dazusetzen
viel Gel
seneft')- Körner
Natron
Seesalz
Thorlehm
Weihrauch
Zwiebeln (?)
Dattelabfall
zermahlen in von selbst entstehendem Dattelsaft und als Pflaster
auflegen.
Ein andres:
Dumpalmenfrucht
Frische Milch
Weizenkom
qaa-Eörner
Wespenexcremente
in frischer Milch mischen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
') Brugsch. Wort VII. S. 1174. „Festuca".
^ Gehört zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
— 126 ~
Schreiberkoth tüchtig in frischer Milch mischen and als
Pflaster auflegen.
£in andres:
Cederholz, in frischer Milch reiben zusammen mit dem,
was unten ^) ist auf einem neuen hennu-Geföss, Eins zu Eins
mischen') und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Die Spitze vom Cederbaum mischen in Milch von einer
Frau, die einen Knaben geboren hat und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
äpnent-Würmer 7
Wespen 7
äku-Thiere 7 der Erde
Mehl der Alraune von Elephantine
in Oel kochen und auf das Geschwür der Schorfe als Pflaster legen.
Ein andres:
Mehl von Krautern des Ackers 1
Mehl von der Absynthpflanze 1
Mehl von grünem Sebestenbaum 1
kochen in suset- Wasser und frischer Milch und als Pflaster auf-
legen.
Ein andres:
Ein Stuck Blei 1
Katzenkoth 1
Hundekoth 1
als Pflaster auf die Schorfe legen.
Ein andres:
Durramehl in mesta-Getränk mischen , kochen und als
Pflaster auflegen.
Ein andres:
ääu von samu-Oel 1
Schweinezahn
Katzenkoth 1
Hundekoth 1
Beeren von der xet'-Pflanze 1
zerstossen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
t'ät-Oel 1
*) ui ist hier — wohl aus Versehen — einmal zuviel gesetzt
^ Soll wohl heissen: durcheinaudermischen.
•
•
'V
• • •
— 127 —
Seesalz 1
Honig 1
kochen and als Pflaster auflegen.
Ein andres:
deben-KÖrner zermahlen in Kuchenwasser 1 LXXV
Beere von der Sycomore
Beere von Zizyphus Lotus
Beere von der Weide
Dumpalmenfrucht
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres zu kühlen und Schorfe zu vertreiben:
sa§a^)- Stücke 1
Honig 1
in Eins machen und 4 Tage als Pflaster auflegen.
Ein andres Schorfe und Verhärtungen') in allen
Gliedern einer Person zu vertreiben:
Stücke von Excrementen
Katzenkoth
Hundekoth
Beeren von der xet'-Pflanze
als Pflaster auflegen; es vertreibt die Schorfe.
Schorfe im Leib zu vertreiben:
Frauenmilch Ys ^®"*
Beere vom uän-Baum Yie
ketket-Pflanze Vs
in Eins zerstossen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
Seesalz Ys
Bier 7i öl>enso.
Ein andres:
Weizen Y«
Honig V,
Winde (Pflanze) 7,, 1
t'aas-Pflanze Yj,
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen. \
Ein andres die Dinge (Schorfe) von selbst abfallen
zu lassen: i
i
') B rugs eh. Wort VIT. S. 1226. »Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen **.
*) Aegyptisch: nehept; Brugscb. Wort. VL S. 686, „um zu
beseitigen die beginnenden Schmerzen etc.*
— 128 —
&ehai-Beere
•
Natron
Seesalz
Grüne Bleierde (?)
Oel
in Eins machen und 4 Tage als Pflaster auflegen.
Ein andres das Jucken zu stillen:
Cyperus von der "Wiese (?) 1
Zwiebelmehl (?) 1
Weihrauch 1
Roher Dattelsaft
in Eins machen und auf die Stelle der Schorfe thun. Sieh Du
nach; denn dies ist das wahre Mittel. Es ist gefunden unter
den erprobten (Mitteln) im Tempel des Gottes unnefer'). Es
ist ein Mittel, das Schorfe an jedem Glied einer Per-
son vertreibt; ja sie heilen sogleich; sieh Du nach.
Schorfe zu vertreiben, dass sie absolut verschwin-
den'):
Ein hennu ')-Gefas6 Durra, zerstossen und zermahlen,
ämää-Komer
Rothes Natron 1
Absynth
in Eins machen und als Pflaster auflegen.
Ein andres Schorfe zu vertreiben und Jucken im
Schenkel zu stillen:
Zwiebeln (?) 1
Getrocknete (?) Bohnen 1
Rothes Natron 1
Seesalz 1
Saure Milch 1
als Pflaster auf den Schenkel legen, um ihn sogleich zu heilen^).
Anfang der Mittel für das Blutfressen und Jucken
zu stillen:
Wachholderbeeren 1
änun-Pflanze 1
Leinsamen (?) 1
*) Osiris.
^ Eigentlich: dass sie überhaupt nicht mehr da sind.
») hennu = 0,456. Liter.
*) Hier ist im Papyrus eine Lücke von einer halben Zeile.
— 129
sebtetlt-Pflanze
Absynth
Natron
ämää-Pflanze
Zerriebener Mannssamen *)
Hefe von Wein
Roher Dattel saft
kochen in LXXVl. Eins, nachher aufwärmen und als Pflaster auflegen.
Ein andres um Blutsäckchen') in seinem Entstehn
zu vertreiben:
LXXVI.
Absynth
Sebesten
Wachholderbeeren
sasa')- Stücke
Oel
V
V
T
In
in Bier von mehreren Ingredienzien kochen und einen Tag trinken.
Ein andres:
Fett
Weihrauch
Cyperus der Wiese
Cyperus des Sumpfes
Cederspähne
nennudu-sepsu *)-Oel
Trockene Myrrhen
ääaget-Oel
Crocus
ins Eins zermahlen und als Pflaster auflegen.
Ein andres Eiter auszuziehen^):
Dattelmehl, geröstet
Mehl von Weizenspreu
Natron
qatsut*)-Körner
erwärmt als Pflaster auflegen.
1
1
1
1
») Cfr. Ebers S. 97.
') Wörtlich: Nest von Blut; vermuthlich Furunkel.
^) Brugsch. Wort. VII. S. 1226. „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen*'.
*) Brugsch. Wort. VI. S. 682, „wahrscheinlich sorbiilum".
*) Luring. S. 36. „Ein anderes, welches herbeibringt die ün-
reinlichkeiten".
«) Luring S. 36 „Eudivia.*
Joachim, Acgyptiüche Heilkunde. 9
— 130 —
Ein andres') um (Böses am) Hals zu vertreiben:
Eine gespaltene Fiedermaos als Pflaster auflegen, um ihn
sogleich zu heilen.
Ein andres Blut um den Knöchel zu vertreiben:
Roher seht- Weihrauch
Saure Milch
kochen, in ihre Theile trennen*), in zwei Kugeln machen, die
hervortretende und die fallende'), in Oel und Baumöl (?) zer-
reiben und als Pflaster auflegen.
Ein andres Krankheiten, die im Innern des Flei-
sches sind, zu vertreiben:
sätet-Kuchen, die in das mesta-Getränk (?) geschüttet sind,
sobald sie vom Feuer gekommen, als Pflaster auf alles Ueble
legen.
Ein andres:
§ätet-Knchen, gemischt und erwärmt in Oel und Seesalz,
als Pflaster auflegen auf allerlei Wunden und alles Ueble.
Ein andres:
sens-Brod in Seesalz mischen und als Pflaster auf alles
Ueble legen.
Ein andres Krankheiten iü allen Gliedern einer
Person zu vertreiben:
Beeren vom deqam^)-baum, zerstossen, in Honig thun und
als Pflaster auflegen.
Ein andres für den kranken Knöchel:
Ein hunnu-Geföss mit Wein und Wasser 1
Seesalz 1
Kuhfett 1
in Eins kochen, mischen und als Pflaster auflegen.
Anfang der Mittel den Schenkel geschmeidig zu
machen:
Cyperus 1
Fettes Fleisch 1
^) nt ist mit schwarzer Dinte dazwiscbengesch rieben.
^ Die saure Milch trennt sich durch Kochen in Käse und Molke;
Stern übersetzt: kochen in omnes cibos. L.
^ Indem die Molke steigt und der Käse sinkt. Die Stelle ist
übrigens schwierig und die Erklärung zweifelhaft. L.
*) Olivenbaum nach Brugscb; vielleicht Ricinusstrauch (?).
— 131 —
Weizenmehl 1
Honig 1
in Eins zermahlen und als Pflaster auf den Schenkel legen.
Ein andres für ein gequetschtes Bein:
Gehackte Spreu, in Wasser erweichen und als Pflaster LXXVII.
darauf legen, um ihn sogleich zu heilen. Es ist auch zu be-
reiten für jedes beliebige Glied*).
Ein andres um Krankheiten im Bein zu vertreiben:
Mehl von qat-KÖmem 1
t'as-Pflanze 1
zerstossen in süssem Bier, kochen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
Heuschrecken *), in einem Stein mörser zerstossen mit allen
Dingen, die dazu gehören') und als Pflaster auflegen.
Ein andres Mattigkeit^) (in den Beinen) zu ver-
treiben:
seset-Pflanze 1
dehui-Beeren 1
• Mehl von pesen (?)-Brod 1
in rohen Dattelsaft schütten und als Pflaster auf die Füsse
legen.
Ein andres den Schenkel geschmeidig zu machen:
sesqa-Kömer
Roher Dattelsaft
Oehua-Beeren
Seesalz
Kuhfett
Kuhtalg
Kuhfleisch
Kuhmilz
Hefe von süssem Bier
Honig
Lactuca
Xet'-Pflanze
in Eins zusammenschliessen und als Pflaster auflegen.
Ein andres Krankheiten im Schenkel zu behandeln:
^) Wortlich: für jedes Glied, das Du willst.
^ Ebers S. 21.
^ Butter, Spezereien etc. L.
*) Aegyptisch: gab = Mattigkeit, Schwäche; cfr. Luring S. 37.
9*
— 132 —
Dickes t'ät-Oel 1
Mehl Ton pesen (?)-Brod 1
Seesalz 1
Rothes Natron 1
fas-Pflanze 1
äagut-Eorner 1
Hefe von süssem Bier 1
Lactuca 1
in Eins kochen und als Pflaster auflegen.
Ein andres den Schenkel geschmeidig zu machen:
Oel 1
Honig 1
penest-Eömer 1
Beere von xaslt^)-Pflanze 1
öehui-Beeren 1
Beere von Crocus 1
Beere von sames-Pflanze 1
zermahlen und als Pflaster auflegen.
Ein andres den Fussschweiss bei einer Person zu
vertreiben:
uadu-Pflanze des Feldes
Aal des Kanals
in Oel aufwärmen und damit die beiden Füsse bestreichen.
Mittel für den kranken Fuss:
sasa*)- Stücke
zermahlen, zerreiben, in mesta-Wasser (?) schütten und als
Pflaster auflegen, um ihn zu heilen.
Ein andres die kranken Zehen zu heilen:
Fett
Honig
Weihrauch
Grünspansalbe
Trockene Myrrhen
kochen und als Pflaster auflegen.
Ein andres:
besbes')-Kömer 1
Harz von Acanthus 1
') Brugsch. Wort. VI. S. 896. „Mohnpflanze".
*) Brugsch. Wort. VII. S. 1226. „Kuchen aus zusam menge-
») Brugsch. Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1881. S. 33. „Fenchel«.
— 133 —
Harz vom mafet-Baiim
Xesalt*) -Pflanze
Wachs
Teig von Acanthus
Weihrauch
Frisches Baumöl (?)
xe8alt*)-Komer
Alo8-K5mer
Cyperus
Das Fette') vom Cederbanm
Das Fette') vom uän-Baum
Wasser vom Regen des Himmels
Trockene Myrrhen
Absynth
Beeren vom uän-Baum
Wachhoiderbeeren
zermahlen, zerreiben und auf die Zehen 4 Tage lang als Pflaster
legen.
Ein andres Hühneraugen') an den Füssen zu ver-
treiben:
Wachhoiderbeeren
Oehui-Beeren
Beeren von der sames-Pflanze
Kuhfett
kochen und 4 Tage als Pflaster auflegen^).
Anfang der Mittel für den kranken Rücken oder
das Rückgrat^) (?), nachdem Da ihm die Mittel der
Kühlung gemacht hast:
Harz von Acanthus
Harz von Zizyphus Lotus
Grüne Bleierde (?)
Grünspanpnlver
Das Innere von der ut'ält-Frucht
zermahlen und damit bepflastern.
LXXVIII.
1
1
1
1
V
1%
*) Cfr. vor. Seite Anm. 1.
*) Wir haben wahrscheinlich hier das ägyptische Wort äd =
adeps; Fett von Bäumen ist wohl = Harz oder Gummi. L.
*) Aegyptisch: ab d. h.: das Horn. L.
^) Hier ist im Papyrus eine Lücke von einer halben Zeile.
*) Luring S. 68. »Schienbein und Wade, Knie".
k
— 134 —
Wenn Du den Rücken oder das Rückgrat*) (?) krank
findest, Wasser rollt hinter ihnen (?), übel ist ihr Ge-
ruch, sie bringen den sa')-Wurm hervor, so sag Du
dazu: „er ist krank, ich werde (ihn) behandeln^; mach
Du ihm die Mittel, den sep*)-Wurm zu tödten:
sa')-Kom des Südens 7„
8a*)-Kom des Nordens Vss
8efet*>0el 7^
zermahlen und als Pflaster legen ^).
Ein andres für nent des Rückgrates (?)*)•
Honig V,
Grüne Bleierde (?) 7^^
Sesam 7ij
Knoblauch 733
äbu-Pflanze 733
ebenso und als Pflaster legen ^).
Ein andres:
Honig 7,
Grüne Bleierde (?) 7^^
Oel 73« ebenso.
Ein andres das kranke Rückgrat*) (?) zu heilen:
Grüne Bleierde (?)
Natron •
Bleivitriol (?)
Mennige
Eine Flasche von he-Platz-Kömem
Rothe Kömer
nes&l-Kom
kochen, in eine Kugel machen. Nachdem Du diese Kugel
bereitet hast, mach Du eine Salbe (bestehend) aus Talg,
Fett, Honig und Oel; in Eins zermahlen und darauf thun.
Ein andres. Mittel für das Rückgrat*) (?):
Mennige 1
») Luring S. 63 „Schienbein und Wade".
') Luring S. 37. „Filaria medinensis* ; cfr. Hartmann ,Natur-
geschicbtlich-mediciniscbe Skizze der Nilländer". S. 402.
*) Luring S. 99. „Natron«.
*) Ein heiliges Salböl.
*) Wörtlich: damit bepflastern.
^ Luring S. 37 „ Winkel des Schienbeins, Knie".
— 135 —
Scherben von einem neuen hennu-Gefäss 1
Roher Honig 1
als Pflaster legen*).
Ein andres nent*) za heilen, die zur Erde fällt;
mach Du ihm:
Natron 1
Weihrauch 1
Oel 1
Grüne Bleierde (?) 1
und dazu fügen Natron.
Ein andres das Zittern') in den Fingern zu ver-
treiben:
Beere von der teunen-Pflanze
Kuhfett
sesqa-Kömer
mich
Seesalz
Sycomore
kochen, in Eins machen und als Pflaster legen*).
Ein andres:
Weihrauch
Kümmel
Wachs
Mennige
netr-tit *)-Kömer
Honig
Feigen
Grüne Bleierde (?)
in Eins kochen und als Pflaster legen*).
Ein andres Zittern in allen Gliedern einer Person
zu vertreiben:
Dumpalmen^cht 1
Knoblauch 1
Honig 1
Kupfer-Grünspan 1
LXXIX.
0 Cfr. vor. Seite Anm. 5.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 6.
«) Luring S. 38 „Chiragra**.
*) Brugscb. Wort. VU. S. 1311 „Gotteskoth«.
- 136 —
die Haut') eines Hundes (HundefeU) auf ihn thun; drück nicht
die Hand auf ihn.
Ein andres:
Dampalmenfmcht 1
Zwiebeln (?) 1
Grünspan 1
kochen, darauf legen, drück Du nicht die Hand auf ihn.
Anfang der Salben die metu ') fest zu machen;
Mittel die metu'^ zu stärken'):
Katzenöl 1
Fauliges Holz *) (?) 1
Domen (?) des äqru-Baumes 1
in Eins machen und damit salben.
Ein andres:
Beeren von Coriander 1
Leder des Schuhmachers*) 1
sesqa-Kömer 1
in Eins zermahlen und damit salben.
Ein andres:
Wurmöl damit salben.
Ein andres um gegen alles zu schützen (?):
Kuchen von Durrabrod 1
Oehui-Beeren 1
t'as-Pflanze 1
als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres den met*) in der linken Hälfte zu be-
handeln:
Feigen 7^
Sebesten Ys
Trauben 7^
äsu-Pflanze^) (?) 7„
Wein 7,
änest-Pflanze 7$
Beeren vom uän-Baum 7js
') Aegyptisch: sa; die Bedeutung ist zweifelhaft.
^ Das Wort met, Plural metu bezeichnet „die Gänge, Muskeln,
Nerven, Adern".
') Wörtlich: süss, angenehm machen.
*) LuringS.109 „Bohrmehl?"; Ebers S. 128 „arab.HolzpuWer?"
*) Wörtlich: des Sandalenmachers.
«) ßrugsch. Wort. V. S. Ul „eine liebliche Pflanze«.
— 137 —
7:
sut-Pflanze des Südens
Weihrauch
Kümmel
Zwiebeln (?)
Grüne Bleierde (?)
Brod von Zizyphus Lotus
Blüthen von Cucumis melo
aa
/,
/
64
39
8
8
Süsses Bier 1 denä
feucht stellen, durchseihen, 4 Tage einnehmen.
Andre Mittel für die linke Hälfte:
Feigen V,
Sebesten 7$
Weinbeeren ^/^
Zwiebeln (?) 7„
anest-Pflanze Yg
Grüne Bleierde (?) 7,,
Teig Va,
Nasturtium ^/^^
Weihrauch 7^^
Kümmel ^/^^
Brodteig 7^
Wein 7,
sexept-Saft 7»
sert-Saft 7,
feucht stellen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
£in andres:
Feigen 7,
Sebesten ^/^^
Trauben 7^
änest-Pflanze 7«
Zwiebeln (?) 7^
Teig 7„
Grüne Bleierde (?) 7„
Wasser 1 denä
feucht stellen, 4 Tage einnehmen.
Ein andres den met*) des Schenkels geschmei
dig zu machen:
Seesalz 1
nehedet')-Kömer 1
1) Cfr. vor. Seite Anm. 2.
^ Ebers. S. 69. „Zahnkrautkörner".
— 138 —
Fett von Ibex nubiana
Honig
Weihrauch
Crocus
hunta-KÖrner
•
Galmei
Knoblauch
KupferfeilspäJine ^)
Ziegenfett
Kümmel
Oel
Natron
zermahlen und damit bepflastern.
LXXX. Ein andres um zu reizen*) LXXX. und zu stärken:
die motu') in jedem Glied:
Fleisch von einer fetten Kuh damit die kranken Stellen be-
pflastern (auf die kranken Stellen als Pflaster legen).
Ein andres; Gesundheitssalbe^) für die Knochen
in jedem Glied einer Person, der Wahrheit gemäss:
Natron 1
ua§ebt-Körner 1
Fett 1
Schwarzer Messerstein 1
Honig 1
in Eins machen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Salbe alles Mögliche geschmeidig zu machen^):
Teig^ 1
peres-Kömer 1
Myrrhen 1
Grüne Bleierde (?) 1
Kuhfett 1
Wachs 1
motu ^)
kochen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
*) „Kupferrost". Zeitschr. für ägypt. Sprache und Alterthums-
kunde 1881. S. 26.
^ Eigentlich: Stechen.
3; Cfr. S. 136. Anm. 2.
^) Eigentlich: Salbe gesund zu machen etc.
^) Oder: „Salbe für jedwede Schwäche.* L.
^ Ist nicht recht verständlich: es scheint etwas weggelassen zu sein.
— 139 —
Ein andres:
Schreibfarbe
xent*)- Körner
Kupferfeilspähne ')
Weihrauch
Honig
Natron
Seesalz
Mennige
Fett von Ibex nubiana
in Eins machen und 4 Tage als Pflaster legen (damit be-
pflastern).
Ein andres:
Fleisch vom när')-Fisch
Hefe von süssem Bier
Cyperus
Honig
4 Tage als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
usebt-KÖmer
peres-Körner
Kupferfeilspähne ')
Hefe von seter*) -Trank
Natron
Fett von Ibex nubiana
Lactuca
Eselskoth
Lebende tepau-Frucht *)
sesqa-Komer
teun-Pflanze
Dumpalmenfrucht
Zwiebeln (?)
Bohnen
Weisses Oel
0 Nach Brugsch. Wort. VI. S. 948 = x^nti; also „grüne
Bleierde?«
^ Cfr. vor. Seite Anna. l.
») Ebers. S. 169 «Wels«.
*) Vielleicht Opium; determinirt mit dem Ruhebett.
^) Luring. S. 39. „tepau «» Ausschlag, Grind^; Brugsch.
Wort. Vn. S. 1325. „Früchte«.
— 140 —
zermahlen, in Eins machen und als Pflaster legen (damit be-
pflastern).
Ein andres:
Gröne Datteln 1
Gnlne uam-KÖmer 1
Kuhfett 1
Honig 1
als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres die metu^) die Mittel aufnehmen zu
lassen :
Milch einer Frau, die einen Knaben geboren hat, stehn
lassen in einem neuen hennu-Gefass, damit die Sahne davon
absteht; damit alles Kranke bestreichen.
Ein andres:
Menschen- ter (oder sa')), Schaum von Bier
damit bestreichen.
Mittel für den met'), ihn in jedem Glied zu
schützen:
Frucht des äm-Baumes 1
teun-Pflanze 1
Naturhonig 1
in Eins machen und damit bepflastern.
Ein andres:
Kuhfleisch 1
MUz 1
Seesalz 1
Weizenkorn 1
Alraunen 1
Fett von Ibex nnbiana 1
Kuhgalle 1
damit bepflastern.
Ein andres:
Baumöl (?) 1
Weihrauch 1
Natron des Nordens 1
LXXXI. sesqa-Kömer 1
0 Cfr. S.,136. Anm. 2.
^) Die üebersetzung ist unsicher!
») Cfr. S. 136. Anm. 2.
141 ~
äbra-Körner 1
Honig 1
Kuhfleisch 1
damit bepflastern.
Ein andres die metu^) des Ruckgrates') (?) zu
stärken:
Wachs
Kuhfett
Harz von Acanthus
Mehl von teun-Pflanze
Stengel') von qadet-Pflanze
sehetet-Kömer
Kuchenmehl
Zwiebelmehl (?)
Honig
kochen und damit bepflastern.
Ein andres die metu*) des Rückgrates'} (?) ge-
schmeidig zu machen:
Weizenkomer 1
DurrakÖmer 1
Oel 1
in Eins kochen und damit bepflastern, nachdem es gehörig
aufgewärmt ist.
Ein andres die metu^) geschmeidig zu machen:
Wachs
Kuhfett
Wachholderbeeren
Frischer Weihrauch
Cyperus
Beeren von Coriander
Beeren von x^slt*)- Pflanze
Beeren von Leinpflanze (aapt)
Xet'-Pflanze
Collyrium
kochen, als Pflaster legen (damit bepflastern) und in Myrrhenöl
weich machen.
>) Cfr. S. 136. Anm. 2.
*) Luring S. 63 ^Schienbein und Wade, Knie**.
^ Wörtlich: das was am Boden ist.
*) Brugsch Wort. VI. S. 896 „Mohnpflanze".
— 142 —
Ein andres die metu') der Schulter za stärken'):
Süsse Myrrhen
Weihrauch
Absynth
Beeren von abu-Pflanze
Beeren von ämmest ')-Pflanze
Cyperus
Männlicher Samen
Spähne vom Cederbaum
sesqa-Kömer
Sebesten von Sycomore
nesdt von Durra
in Eins mischen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres die metu') in jedem Glied zu stärken'):
Wachs
Kuhfett
Wachholderbeeren
sefseft-Komer
Absynth
Seezunge-Körner
CoUyrium
Honig
in Eins machen, als Pflaster legen (damit bepflastern) und in
Myrrhenöl zerschmelzen.
Ein andres die metu*) zu beleben und die metu^)
zu erfrischen:
ähemt-Harz
Weihrauch
sefet*)-Oel
Wachs
Spähne von AI08
Spähne vom uän-Baum
Beeren von Coriander
Schweinefett
Rinderfett
J) Cfr. S. 136. Anm. 2.
*) Eigentlich: zu versussen.
') Loret. „Recherches sur plusieurs plantes connues des aneiens
Egypliens.* Recuei 1 de travaux relatifs k la pbilol. et a farcheol.
egypt. Paris 1886. S. 108: „Änethum graveolens L."
*) Ein heiliges Salböl.
— 143
kochen, als Pflaster legen (damit bepflastern) und in Myrrhenöl
zerschmelzen.
Eine andre Salbe die metu*) zu stärken*):
äbra')-Oel 1
Das Innere von Weihrauch 1
tenftä-Beeren 1
Corianderbeeren 1
damit viele Tage einreiben. LXXXII.
Ein andres die Gelenke*) in jedem Glied ge-
schmeidig zu machen:
Honig
Wachs
Das Innere von Weihrauch
äbra»)-Oel
mähui *)- Flüssigkeit
Zwiebelmehl (?)
sasa*)- Stücke
Beeren von t'as-Pflanze
in Eins zermahlen und damit einreiben.
Ein andres:
Beeren vom uän-Baum
Knollen von der tektek-Pflanze
Harz von der x^salt ^)-Pflanze
pere§-Kömer
Beeren von Crocus
Das Abgeschabte von Weihrauch
tepau^ vom uän-Baum
in Eins machen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres die Verhärtung in jedem Glied einer
Person geschmeidig zu machen:
0 Cfr. S. 136. Anm. 2.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 2.
^ Ein heiliges Salböl.
*) Aegyptisch: re-ati; d. h. die Stelle, wo zwei Glieder münden;
wörtlich: „Mund der beiden Glieder".
*) Brugsch. Wort. VI. S. 563 , Wunderfrucht**.
^) Brugsch. Wort. VII. S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen**.
0 Brugsch VI. S. 896 „Mohnpflanze**.
») Luring. S. 39 „Ausschlag, Grind«. Brugsch. Wort. VII.
S. 1325 „Früchte«.
— 144 --.
Natron
Bohnen
Oel des 2. Tages ^)
Oel vom Nilpferd
Oel vom Krokodil
Oel vom ädu -Fisch
Oel vom när')- Fisch
Weihrauch
Süsse Myrrhen
Honig
kochen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres die metu') geschmeidig zu machen:
Rinderfett
Hefe von Wein
Knoblauch
Mauerkohle
Beeren von der xastt*)-Pflanze
Beeren von Oehui
Beeren von t'as-Pflanze
sa*)-Kom des Südens
Weihrauch
Myrrhenöl
bestreichen das Fleisch*), nicht trocknen lassen.
Eine andre Salbe die Verhärtungen geschmeidig
zu machen:
Schweinefett
Wurmöl
Oel von äJ)8ersu-Thier
Mauseöl
Katzenöl
in Eins sammeln und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres das Trockene^) des met') geschmeidig
zu machen:
*) Sterns Glossar S. 24 „oleum diebus duobus ante factum."
•-0 Ebers S. 169 «Wels«.
^) Cfr. S. 136. Anm. 2.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 7.
*) Luring S. 98 „Natron".
«) „Die Haut?"
Ö Stern liest määt = latus, latera; dies Wort giebt hier keinen
Sinn. t,.
— 145 —
yet'-Pflanze 1
Fett 1
Kuhmilz 1
Weihrauch 1
Bohnen 1
als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Knoblauch
Wassermelone
Seesalz
Honig '
1
Fett von Ibex nubiana
sesqa-Kömer
Rindfleisch
Alraunen
Zwiebeln (?)
als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Männlicher Koth
1
Beeren von Coriander
1
Datteln
1
als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres das Jucken*) des met') zu
stillen:
t'ät-Oel
1
Trockener Dattelsaft
1
Seesalz
1
Hefe von süssem Bier
1
als Pflaster legen (damit bepflastern)
Ein andres den met') geschmeidig zu machen:
Dumpalmenfrucht
Bohnen
ämää-Kömer
Zwiebeln (?)
Spähne vom Cederbaum
Spähne vom Maulbeerbaum')
Spähne von der Weide
Spähne von Zizyphus Lotus
[ LXXXIir.
') Aegyptisch : uiau = prurigo.
») Cfr. S. 136. Anm. 2.
') Aegyptisch: meri.
Joacbiiii, Aegyptisclie UeiSkuude. ]Q
— 14G -
Spähne von Sycomore
Spähne vom uän-Baum
Harz von Acanthus
Harz von Zizyphus Lotus
Harz vom äm-Baum
Harz von Sycomore
Rothe Körner
Beeren vom am-Baum
Weisses Oel
Gänseöl
Schweinekoth
Wachholderbeeren
Myrrhen
Knoblauch
Kräuter des Feldes
usä^) von Cyperus
Wassermelone
tau*) -Pflanze
besbes *)-Körner
abu-Pflanze vom Delta
Abfall von der Leinpflanze
Seesalz
Bergsalz
äneb-Pflanze
Mennige
Grüne Bleierde (?)
Natron
Rinderfett
§asa^)- Stücke
in Eins machen und als Pflaster legen (damit
Ein andres die Verhärtungen in jedem Glied hin-
wegzunehmen:
Lebendes*) Fleisch 1
bepflastern).
0 Vielleicht: „Domen, Stacheln**. L.
2) Brugsch. Wort VIL S. 1310 »hordeum«.
') Brugsch „Fenchel?«
*) Brugsch. Wort VlI. S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen".
*) Wohl so viel wie -frisch**.
— 147
Lebender*) Cyperus 1
Honig 1 •
zermahlen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Kuhmilz 1
Hefe 1
sesqa-Komer 1
in Eins zermahlen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
(Kuh) Milz 1
Xesalt ^-Pflanze 1
Weizenspreu 1
Beeren von Oehui 1
Seesalz 1
als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Zwiebeln (?)
Wachs
Honig
Leinpflanze (aapi)
Seesalz
Hefe 1 ebenso.
Ein andres:
Seesaiz 1
Hefe 1
t'ät-Oel 1
Natron 1
Lactuca 1 ebenso.
Ein andres:
nesau ')-Pflanze des Südens
nesau ')-Pflanze des Nordens
adehet*)- Pflanze
taa*)-Pflanze
sut-Pflanze des Südens
Schreibfarbe
als Pflaster legen (damit bepflastern).
*) Cfr. Tor. Seite Anm. 5.
*) Brugsch. Wort. VL S. 896 „Mohnpflanze«.
') B rug seh. Op. cit S. 698 „die borstige Pflanze*, Oerste.
*) Papyrospflanze.
*) Brugsch. Wort. VII. S. 1310 „hordeum«.
10*
— 148 —
Ein andres Verhärtungen in jedem Glied zu er
weichen:
t'ät-Oel
Dattelsaft
Seesaiz
Hefe von Wein
Natron
Rinderfett
Feigen
Lactu ca
Honig
Eselskoth
Lebende tepu-Kömer
seneft')- Körner
sesqa-Kömer
kochen und als Pflaster legen') (damit bepflastern).
Ein andres:
teun-Pflanze
Zwiebeln^ (?)
Dumpalmenfrucht
Bohnen
Oel
Honig
zermahlen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
/et'-Pflanze 1
Rinderfett 1
Bohnen 1
Weihrauch 1
als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Dumpalmenfrncht
Bohnen
seps')- Pflanze
Schwarzer Messer(stein)
Seezungekomer
Zwiebeln (?)
*) Gebort zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
^) heres ist mit rother Tinte dazwischengescbrieben.
3) Brugsch. Wort. VH. S. 1180 „Edelkraut^
- 149
Weihranch
xet'-Pflanze
Teig
Mennige
Alraunen
Seesalz
Honig
zermahlen nnd als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Hefe 1
Dattelsaft 1
Seesalz 1
kochen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres Verhärtungen in jedem Glied zu er-
weichen:
Honig
Wachs
Zwiebeln (?)
Absynth
Beeren vom uän-Baum
Beeren von Crocus
Knollen von Cyperus
Mentha montana
Oel
Leinsamen (?)
Fett vom Cederbaum
sert-Saft
Beere von der sames-Pflanze
Weihrauch
Grüne Bleierde (?)
Pulver von ämää-Pflanze
kochen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Lehm ') (?) 1
Seesalz 1
Süsses Bier 1
Sycomorenfrucht 1
als Pflaster legen (damit bepflastern).
LXXXIV.
') Aegyptisch: besen.
— 150 —
Ein andres:
äba-Pflanze
sert-Pflanze*)
sessäit-Eöraer
Aloe
Dumpalmenfrucht
Cypenis
Mentha montana
Grocusbeeren
Corianderbeeren
Oel vom Nilpferd
als Pflaster auflegen (damit bepflastern).
Ein andres:
Dumpalmenfracht 1
Bohnen 1
seps')- Pflanze 1
Frische Milch 1
Sebesten
sie zerstossen in ätehennet') -Vogel, sie zerstossen in seinen
Federn; als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
Weisses Oel
Gänseschmalz
Fett von Ibex nubiana
Das Fette*) vom nän-Banm
sefet*)-Oel
Süsse Myrrhen
§asa *)- Stücke
Knoblauch
Wachs
kochen und als Pflaster legen (damit bepflastern).
Ein andres:
seneft^)-Kömer 1
^) Das Determinativzeichen ist hier ohne Zweifel falsch. L.
2) Brugsch. Wort. VII. S. 1180 „Edelkraut**.
*) Brursch. Wort. V. S. 166 „Zugvogel^
*) Cfr. S. 133. Anm. 2.
') Ein feines Salböl.
^ Brugsch. Wort. VII. S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen ''.
0 Gehört zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
- 151 -
Seesalz
Honig
Dattelsaft
Natron
sesqa-Körner
Rinderfett
Hefe
kochen und damit bepflastern.
Ein andres. Mittel za machen für den met'), der
in jedem Glied hinläuft^:
Sanre Milch 1
Brosame von sebet-Brod 1
in eine Pille machen, erwärmen und damit bepflastern.
Ein andres:
nehed ')-Körner
Weihranch
Beeren von der xaslt^)-Pflanze
Helxine
sesqa-Komer
Grütze*) von Durra
Grocns
Gyperos
Fett vom Gederbaum
kochen und damit bepflastern.
Ein andres:
Sycomorensaft
Hefe von süssem Bier
kochen und damit bepflastern.
Ein andres sept*) des met^) zu vertreiben:
uäh^)-Komer 1 zu kauen von einer Person
Gänseeier
in den Hintern thun.
1
1
I) met = Gänge, Muskeln, Nerven, Adern, Sehnen etc. in dem
menschlichen Körper.
') Aegyptisch: nehept = „vorangehen^. Brugsch Wort. VI.
S. 686.
>) Ebers S. 69. „Zahnkrautkömer."
<) Brugsch Wort. VI. S. 8% »Mohnpflanze".
^) Luring S. 158.
^ .Unordnung?« L; Brugsch Wort VII. S. 1181 »röthliche
Flecken zeifl^en«.
0 Wohl eine Getreideart (?).
- 152 -
Ein andres:
xeper-ur-Körner 1
Wachs 1
Honig 1
damit bepflastern.
Ein andres die metu^) stark zu mächen:
Rinderfett
Weihrauch
Wachs
• Beeren vom uän-Baum
LXXXV. Beeren von xaslt ')-Pflanze
Alog
Kümmel
in Eins machen und 4 Tage damit bepflastern.
Eine andre Salbe die metu^) zu beruhigen'):
CoUyrium
Wachs
Weihrauch
Alog
Trockne Myrrhen
Rinderfett
Süsses Baumöl (?)
4 Tage damit bepflastern.
Ein andres die motu*) geschmeidig zu machen:
Süsse Myrrhen 1
Spähne vom Cederbaum 1
Dattelmehl 1
Bauernöl 1
in Eins kochen und 4 Tage damit bepflastern.
Ein andres Knoten^) in die Höhe zu heben und
Verhärtungen zu erweichen:
Dattelsaft 1
Seesalz 1
sefseft-Kömer 1
Oel 1
') Cfr. vor. Seite Anm. 1.
^ Cfr. vor. Seite Anm. 4.
') Eigentlich: wiederherzustellen.
*) Aegyptisch: qereft; Brugsch Wort VII. S. 1216 „ etwas das
sich zusammengeballt bat im Gesicht, Drüse oder ähnliches''.
153 —
Natron 1
t'as-Pflanze 1
in Eins machen und damit bepflastern.
Ein andres zu erweichen:
Natron
1
Seesalz
1
Fett vom Cederbaum
1
Hefe von Bier
1
damit bepflastern.
Ein andres:
Honig 1
Seesalz 1
Eselskoth 1
kochen und damit bepflastern.
Ein andres:
Oel 1
Honig 1
Lebende tepau*) 1
kochen und damit bepflastern.
•
Ein andres die motu") zu erfrischen:
Rinderfett 1
[
Eselsfett 1
L
Widderfett 1
Dumpalmenfrucht 1
ftehua-KÖrner 1
L
Xasit ')-Pflanze 1
Seesalz ]
damit bepflastern.
Was zu machen ist für dei
1 verhärteten
met^
Pefferuiinz 1
nesa *)-Pflanze 1
zerstossen und damit bepflastern.
Ein andres gegen Alles zu
schützen^):
Die Seite einer Statue *)
1
Mentha montana
1
0 Brugsch Wort. VII. S. 1325 „Frucht**.
0 Cfr. Seite 136 Anm. 2,
"0 Brugsch Wort. VI. S. 896 „Mohnpflanze*
*) Brugsch Wort VI. S. 698 „Gerste-.
*) Unsicher!
^ „Das Abgeschabte?" L.
~ 154 —
sasa-Stücke *) 1
Oel 1
Wachs 1
kochen, durchseihen and 4 Tage einnehmen.
Ein andres Paroxy8men')(?) der uxedu im zittern-
den Arm zu vertreiben:
Durramilch, die Erbrechen und ebenfalls Verwesung be-
wirkt; zu trinken 6 hennu-Gefösse, indem man es erwärmt, so
dass Erbrechen folgt, 4 Tage *).
Anfang der Mittel Krankheit der Zunge zu ver-
treiben:
Milch gurgeln^) und auf die Erde thun.
Ein andres für die kranke Zunge:
Rinderfett 1
äam-E5mer 1
Kuhmilch 1
Frisches Brod 1
kauen.
Ein andres:
ämää-Kömer 1
Much 1
Gänseschmalz 1
kauen.
Ein andres die kranke Zunge zu heilen:
Weihrauch 1
Kümmel 1
Grüne Bleierde (?) 1
Gänseschmalz 1
Honig 1
Wasser 1
kauen (9 Mal?).
Ein andres:
Collyrium 1
Crocus 1
Grüne Bleierde (?) 1
1) Brugsch Wort VII. S. 1226 „Kuchen aus zusammengepress-
ten Rosinen'*.
3) Aegyptisch: tehennu; die Uebersetzung ist unsicher!
>) Die Uebersetzung dieses kleinen Abschnittes ist ganz unsicher I
*) Eigentlich: kauen.
- 155 --
Rupferschlacken
Honig
zennahlen und darauf legen.
Ein andres:
xesu-KÖmer 1
Brodteig 1
Zwiebeln (?) 1
Honig 1
"Wasser 1
kauen LXXXVI. 9 mal (?).
Ein andres:
Sebesten
Zwiebeln (?)
Grüne Bleierde (?)
Honig
Wasser
Ein andres:
Harz von Acanthus
ämää-Eömer
Grüne Bleierde (?)
Nasturtium
Bohnen
Alraunen
Alabastermehl
Honig
1
1
LXXXVI.
ebenso.
ebenso.
Anfang der Mittel die äepen^)-Krankheit zu ver-
treiben, die den Körper eines Mannes oder einer Frau
überzieht:
Seesalz 7*
Weihrauch Y^
Frische Much V,
in den Hintern giessen; auch wird es gemacht, ohne Weihrauch
hinzuzuthun.
£in andres:
Urin
Zwiebeln (?)
Oel
7, ebenso.
») «Die Räude.« L; Brugsch Wort. VIT. S. 1181 „rothe Flecken
zeigen'^ ; im Berl. med. Pap. findet sich ein Recept, die sepen-Krank-
heit im Urin zu vertreiben.
1 oH —
Ein andres:
Frische Milch
V.
Baumöl (?)
Kapferrost ')
Collyrium
Honig
Es ist berühmt, die
7g ebenso,
u/edu zu vertreiben.
Mittel ein stinken
des Geschwür im Sommer zu ver-
iben:
Weihrauch
1
äbu-Pflanze
1
Wachholderbeeren 1
Myrrhen
1
in Eins sammeln und damit salben.
Ein andres stinkendes Geschwür im Körper eines
Mannes oder einer Frau zu vertreiben:
Zerstossene Zwiebeln (?) in eine Kugel machen und damit
den Körper salben.
Ein andres:
Straussenei , Schildkrötenschale , Dornen vom am - Baum
erwärmen und damit salben; werde Du nicht dabei müde.
Ein andres:
Weihrauch, Teig
in Eins mischen, in eine Kugel machen; auf den Ort thun, wo
ein Glied sich mit dem andern verbindet'').
Mittel Eczem*) im Kopf zu vertreiben:
Durramehl zermahlen und erwärmt '/s
Dumpalmenmehl erwärmt Yj
Weiches Fett 7,
in Eins machen, damit einölen und seinen Kopf verbinden ; seinen
Kopf auf die Erde neigen; nicht irgend ein (andres) Mittel
darauf anwenden. Nachdem sein Kopf mit Salbe von
diesen Ingredienzien bestrichen worden ist, werde er
dann eingeölt in Fischöl den 2. Tag; einölen in Nilpferdöl
den 3. Tag; einölen in äbrä-Oel den 4. Tag; bestreichen mit
Brodmehl und faulem Getreide, um seinen Kopf jeden Tag thun.
*) Cfr. Zeitsebr. für ägypt. Spr. und Alterthumskunde. 1881.
S. 26.
*) Die üebersetzung ist nicht sicher I
^ Aegyptiscb : tepau = Grind, Ausschlag.
- 157 —
Mittel das Fleisch zu theilen^: LXXXVII.
Esalsmilch Vs ^^"^
Harz von Acanthus Vis
Indigo Vie
duat-Pflanze Vss
Nüsse von Pistacia terebinthus Yaa
Honig Vi6
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres die Hautfarbe zu ändern:
Honig 1 •
Rothes Natron 1
Seesalz 1
in Eins zermahlen und damit den Körper salben.
Ein andres den Körper'^) zu verschönern:
Alabastermehl 1
Natronmehl 1
Seesalz 1
Honig 1
in Eins in diesem Honig mischen und den Körper damit salben.
Ein andres Runzeln *) des Gesichtes zu vertreiben:
Weihrauchkuchen 1
Wachs 1
Frisches Baumöl (?) 1
Cyperus 1
zermahlen, zerreiben, in frische Milch thun, G Tage auf das
Gesicht thun; sieh Du zu!
Ein andres das Gesicht glatt zu machen:
Kuchenmehl in Quellwasser (thun); nachdem sie ihr Gesicht
jeden Tag gewaschen hat, salbe sie ihr Gesicht damit.
Ein andres:
Riüdergalle, Oel, Teig, zerstossenes Straussenei, bedet*)-Salz,
hautet-Harz; mischen, zu einem Brei machen, in frischer Milch
mischen und das Gesicht damit täglich waschen.
0 Lürin^ S.39 „von gesundheitsschädlichen Stoffen zu befreien".
^ D. b. die Haut ; also ein Schminkmittel.
^ Aegyptisch: qereft; LiebJein hält es fur , Ausschlag,
Flecken*; Brugsch VII. S. 1261 „etwas das sich zusammengeballt
hat im Gesicht, Druse oder ähnliches*'.
*) Brugsch Wort. V. S. 462 „eine besonders reine Natronart".
— 158 —
Ein andres:
sefet^)-Oel, Honig, bedet ')-Salz, hantet-Harz
zu einem Brei machen, in frischer Milch mischen und das Ge-
sicht damit sehr oft waschen.
Ein andres:
Wasser von der qebu-Pflanze, Alabastermehl, Kuchen, frische
äbt')-E5mer; in Honig mischen, zu* einem Brei machen, in
Menschenmilch mischen und das Gesicht^) damit salben.
Ein andres Schwinden^) des Gesichts zu vertreiben:
Das Innere des kesebt')-Baumes in Mennige mischen und
auf das Gesicht sehr häufig bringen.
Ein andres Blatfressen^) im Körper zu vertreiben:
Mehl von ämää-Pflanze
Scherbenpulver
Mehl von bedet*)-Korn
dehui-Beeren
•
Naturhonig
Roher*) Dattelsaft
in Eins machen, in einen Brei machen
und damit bepflastern.
Ein andres gegen Blutfressen:
Dattelsaft
Zwiebeln (?)
dehui-Beeren
Scherben
Granit
Was in ut'ält-Frucht ist
Saure Milch
LXXXVIII. in Eins machen und damit bepflastern 4 Tage.
Ein andres gegen Blutfressen in jedem Glied:
Knoblauch in Fett zerstossen, darauf legen.
1) Ein heiliges Salböl.
') 0fr. vor. Seite Anm. 4.
') Brugsch Wort V. S. 205 »ein mit Kunst geschnittener
Stein«*.
4) her s= Gesicht ist nachträglich mit blasserer Dinte einge-
schoben.
^) Aegyptisch: betau = Runzeln.
•) Ricinusstrauch (?).
0 »Blut zu vertreiben, das im Innern des Korpers frisst". L.
^ Cfr. vor, Seite Anm. 4.
') X^P^** t'esef = »selbst entstanden" ist nachträglich hinzu-
gefügt.
— 159 —
Ein andres:
Teig, in Natron nnd änIt-Pflanze mischen,
auf jedes Glied than, in dem (das schädliche) Blnt ist^).
Was zu machen ist um Splitter, die im Fleisch
sind, auszuziehen*):
per-halbalt-Vogel, Honig
darauf legen.
Ein andres:
Wurmblut') kochen und in Oel zermahlen; äpnent*)-Thier,
?ibgestochen , abgekocht, abgesondert^) in Oel, darauf thun (auf
seine Oeffnung^); Eselskoth in frischer Milch mischen und
darauf (auf seine Oef^ung^)) legen.
Ein andres:
Samen von dem männlichen und weiblichen Geschlechts-
theil darauf thun.
Ein andres:
Schädel vom när^)-Fi8ch, in Oel gekocht, auf seinen oberen
Theil [die Spitze des Splitters] legen, damit er hervorkommt.
Ein andres:
Weihranch, Teig, Seesalz, Wespenkoth, Fett, Meimige, Wachs
darauf legen; es zieht das Wasser (den Eiter) von ihm heraus.
Mittel gegen eine Ritze, die geschnitten ist, so
dass das Blut aus ihr herauskommt:
Zwiebel (?)
Honig
Seezunge-Körner
Sycomore
Beeren von der t'as-Pflanze
in Eins machen und darauf legen ^.
^ Hier zeigt der Papyrus eine grossere Lücke, jedoch wie es
scheint, ohne Unterbrechung des Textes.
^ Loret Le yerbe sed et ses derives. Recueil des travaux
relatifs ä la philologie et ä Tarcheol. ^gypt et assyr. Vol. XI. S. 131.
*) Stern liest mäfed nu heft = die (ausgepressten) Säfte des
Wurmes.
*) Ebers S. 169 „Maulwurf?"
») Ebers S. 26.
^ Im Papyrus ist re =» Oeffnung (foramen) mit rother Tinte
durchgestrichen.
^ Ebers S. 169 „Wels**.
') Hier findet sich wieder eine bemerkenswerthe Lücke; wie es
den Anschein hat, ohne Unterbrechung des Textes.
— IGO -•
Mittel allerlei Zauber zu vertreiben: .
Einem grossen Scarabäus seinen Kopf und seine beiden
Flügel abschneiden; kochen, in Oel thun und darauf bringen.
Wenn Du nachher wünschst ihn (den Zauber) zu ver-
treiben^), so wärme seinen Kopf und seine beiden Flügel auf;
in Oel des äpnent')- Wurmes thun, kochen und es die Person
trinken lassen.
Ein andres. Mittel gegen uases-Geschwür'):
Menschenmilch , Sasa*)- Stücke, Granit des äny-Metalles,
mischen in Abfall von der Leinpflanze, Schildkrötenschale in
gleicher Weise sammeln, nicht trocknen lassen; setze dazu Un-
rath von dem Messerstein; gieb Du es, damit das Blut fallt
(sinkt).
Ein andres:
Bodensatz von Hefe, äsemu*)-Metall, Sand, Myrrhen
zerreiben und damit salben.
Ein andres:
Durra, kochen, Quellwasser, Collyrium
damit salben.
Ein andres:
Taubenblut, Gänseblut, Schwalbenblut ^), Geierblut
damit salben.
LXXXIX, Zerriebenes von Kupfergrünspan % Milz
in Eins zermahlen und damit salben.
Der Beginn von den Mitteln den Zahn zu stärken'):
Dumpalmenfruchtpulver 1
J) der = vertreiben ist mit schwarzer Tinte eingeschoben.
') Ebers S. 169. „Maulwurf?«
^ Luring S. 41 „ein bestimmtes Blutgeschwür*.
*) B rugs eh Wort. VII. S. 1226 „Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen"«
^) Nach Lepsius [Abhandl. der Konigl. Akad. der Wiss. Phil.-
histor. Gl. 1871 S. 43] „^iXtxTpoc".
^ Zunächst stand im Papyrus menit = Taube, so dass dann in
demselben Recept zweimal Taubenblut verordnet worden wäre. Es
ist dann mit rotber Dinte das „i" weggestrichen, und es blieb so
ment = Schwalbe.
0 Mit rother Dinte steht hier: qem-sen = gefunden zerstört; d. h.
der Schreiber hat die betreffende Stelle im Original, aus der er ab-
schrieb, zerstört gefunden; cfr. S. 12. Anm. 2.
^ Wörtlich: festmachen, cioraöelv.
— 161 -
Grüne Bleierde (?) 1
Honig 1
in Eins machen und damit den Zahn abreiben (reinigen^)).
Ein andres:
Pulver vom Kieselstein*) 1
Grüne Bleierde (?) 1
Honig 1
den Zahn damit abreiben^).
Das Wachsen der uyedu in den Zähnen zu ver-
treiben:
Brodteig
Bohnen
Honig
Grünspan
Grüne Bleierde (?)
zermahlen, reiben und auf den Zahn bringen.
Ein andres den Zahn zu behandeln, der bis zum
obern Theil des Fleisches') frisst*):
Kümmel 1
Weihrauch 1
Zwiebeln (?) 1
reiben und auf den Zahn bringen.
Ein andres den Zahn zu stärken^):
Weihrauch 1
Grüne Bleierde (?) 1
Granspan 1
reiben und auf den Zahn bringen.
Ein andres:
Wasser 1
Absynth 1 ebenso.
Ein andres Zähne in Kau(mitteln) zu behandeln:
ämäa-Pflanze 1
Süsses Bier 1
sut-Pflanze des Südens 1
kauen und auf die Erde thun.
0 Aegyptisch: u§a = nacb Brugscb Wort. V. S. 344 „entleeren,
leer machen, ausschütten".
^ Aegyptisch: beunut; cfr. Brugsch Wort. V. S. 430.
') Mit „obern Theil des Fleisches" ist die Gingiva gemeint.
*) Kigentlich: juckt, nagt.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 8.
Joachim, Aegyptiscbe Heilkunde. 1 1
~ 162 —
Ein andres bennut^)-Blasen in den Zähnen zu ver-
treiben and das Fleisch wachsen zu machen:
Kuhmilch 1
Frische Datteln 1
uäh ')-Kom 1
feucht stehn lassen und kauen (9 mal).
Ein andres:
anest-Pflanze
Brodteig
Grüne Bleierde (?)
Sebesten
Kuchen
Oäam-Pflanze
besbes-Kömer ^
Baumol (?)
Wasser ebenso.
Ein andres die Zähne wachsen zu lassen^) und die
Zähne zu behandeln:
Crocus 1
duat-Pflanze 1
Susses Bier 1
kauen und auf die Erde' thun.
Ein andres. Mittel zur Behandlung des Blutfressens
im Zahn'^):
qebu-Frucht 7,,
Zwiebeln (?) 7^^
Kuchen 7i6 •
Brodteig Vg
anest-Pflanze 7«
Wasser 7j
feucht stehn lassen und 4 Tage kauen.
Anfang der Mittel Flöhe ^) (?) und Läuse^) (?) zu
vertreiben:
') Runde Blasen; vielleicht Zahngeschwör?
') Wohl eine Getreideart (?).
^ Brugsch. Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1881. S.33. „Fenchel".
*) «Starken« L.
*) „Fressen des Blutes im Zahn." L.
^ Aegyptisch: dehert.
0 Aegyptisch: selit; Brugsch WGrt. VII. S. 1027.
- 163 —
Dattelmehl V,
Wasser 7s
kochen zu einer Portion von 2 hennu-Gefässen und warm trin-
ken; nachher ausspeien lassen, nachdem er es gemacht hat, um
die Flohe *) und Läuse *) zu vertreiben , die sich auf jedwedem
Glied bewegen').
Vertreiben der nesIt*)-Krankheit in den Augen:
besbes *)-Kömer
1
Lactuca
1
t'as-Pflanze
1
Papyruspflanze
1
Süsses Bier
Vs
durchseihen und von der Person zu essen, die die nesit *)-Krank- •
heit hat.
Ein andres die nesIt*)-Krankheit in der Person zu
vertreiben:
seneft ^-Körner 1 denä
Weisse sexet-Pflanze ^/^ .
Beeren vom uän-Baum Yie
Fibern der xaslt ^)-Pflanze 7i6
in Eins machen und einnehmen.
Ein andres:
Eine Prise von hemIt-Kömern in saurer Milch gut kochen
und einnehmen.
Ein andres:
Feigen 7^
Sebesten 7*
Oel XC. weisses 7$ • ^^^
Honig V32
Weinbeeren y^^
Beeren vom uän-Baum 7,^
Süsses Bier 73
kochen, durchseihen und einnehmen.
^) Cfr. vor. Seite Anm. 6.
^ Cfr. vor. Seite Anm. 7.
') Eigentlich: kriechen, herumschweifen auf.
*) Schmerz, Krankheit, Leiden.
*) Cfr. vor. Seite Anm. 3.
*) Gehört zu den als Opfer dargebrachten Körnern.
^) Brugsch Wort. VL S. 896 , Mohnpflanze".
ll"^
— 164 —
Ein andres:
Mentha montana 1
Datteln 1
Zwiebeln (?) 1
Seesalz 1
Roher Dattelsaft 1
pat-Saft 1 ')
Ein andres:
Die beiden Testikel eines schwarzen (?) Esels zermahlen,
zerreiben, in Wein thun und von der Person zu trinken; sie
(die Krankheit) verschwindet sogleich.
Anfang der Mittel zur Behandlung der rechten
Seite gegen die rult^-Krankheit:
Frischer Brei Vaa
sexet-Flüssigkeit ^/^^
sert-Saft
damit bepflastern.
Ein andres:
Weihrauch '^^
Beeren vom uäu-Baum ^/^^
abu-Pflanze des Nordens 7,^
äbexä-Flüssigkeit Yi«
Crocus des Berges 7i6
Crocus des Nordens Yi«
Leinsamen Y^^
Oäam-Pflanze 7,g
Schilf v„
Xebu ')-Pflanze Yie
sut-Pflanze des Südens Y.^
Weisse sexet-Flüsslgkeit Ysa
Grüne se/et-FlGssigkeit Yie
Fett vom Cederbaum Ya
') Mit rothor Tinte steht hier (Zeile 3): qem-sen = »gefunden
zerstört"; cfr. S. 12. Anm. 2 und S. 160. Anm. 7.
*) Lu rings Vermuthung, dass hierunter die von P run er „Die
Krankheiten des Orients" Erlangen 1847. S. 257 beschriebene Hepa-
titis superficialis geroeint sei, scheint mir wohlhogrundet. In der
That ist sie — in Aegypteu — das häufigste Leiden der rechten
Seite: man hat hier übrigens vielleicht auch an Perityphlitis zu den-
ken; doch scheint mir Lü rings Combination zutreffender.
3) Brugsch Wort. VI. S. 905 „Uonigpflanze, fieXauiToc?".
165 —
Cyperus
V.e
Dumpalmenfracht
V,
red-Körner
V.o
yet'-Pflanzo
V,
Honig
v„
damit bepflastern.
Ein andres:
l)epflastern.
senenutet ^)-Pflanze
Weinbeeren
Dumpalmenfrucht
Brei
hemamu ')-Pflanze
gentet-Pflanze
Durraspreu
in Eins machen und die Seite damit
Ein andres:
Cyperus 1
Gänseschmalz 1
Honig 1
damit bepflastern.
Der Beginn von den Mitteln für res') der Nase:
Dattelsaft, ihre Oeffnung*) (seinen Mund) damit füllen.
Ein andres Schnupfen*) in der Nase zu vertreiben:
Pfefferminz in Datteln reiben und auf die Nase thun.
Ein andres die Stinknase*) (Coryza?) zu bezaubern:
Spuck Du Schleim aus, Sohn des Schleimes*)! Fass die
Knochen, berühre den Schädel, bestreiche mit Talg, gieb dem
Kranken 7 Oeffnungen im Kopf, diene dem Gott Ra, danke
dem Gott Thoth. Denn ich brachte deine Mittel für Dich,
deinen Trank für Dich: Milch einer Frau, die einen Knaben
geboren hat und wohlriechendes Brot vertreiben, heilen es.
Noch einmal. Es trete hervor auf die Erde die Fäulnis, die
0 Luring S. 161 „Pistia stratiotes L."
') Cfr. S. 35. Anm. 3.
^ Aegyptisch: res = Schleiin.
) Aegyptisch: ref; kann heissen: „seinen Mund" oder ,ihre
(der Nase) Oeffmmg'*.
*) Aegyptisch: näa = Brugsch Wort. VI. S. 659 , schnaufen,
verschnupft sein, Schnupfen".
*) Solche Zaubersprüche haben oft keinen (wenigstens für uns)
fasslichen Sinn. L.
- 166 —
Fäulnis! 4 Mal. Zu sprechen über Milch einer Frau, die
XCl. einen XGl. Knaben geboren hat und wohlriechendes
Brod; iu die Nase thun*).
Der Beginn von den Mitteln für das Ohr, das
schlecht hört:
Mennige und Harz vom äm-Baura, zermahlen, zerreiben
in frischem Baumöl (?) und auf das Ohr bringen.
Ein andres für das Ohr, aus dem übelriechende
Materie^) fliesst:
Weihrauch in Gänseschmalz, Sahne von Ruhmilch, bedet')-
Kom, hauIt-Harz; zermahlen, zerreiben, in Eins machen und auf
das Ohr bringen.
Ein andres das Ohr zu behandeln:
Behandle Du es mit kühlen Mitteln, nicht (mit) warmen.
Wenn der met*) zittert, so mach Du ihm ut von Grünstein,
zermahlen und 4 Tage darauf thun.
Danach mach Du ihm Charpie (mit):
Oel 7,
3
Honig de? Rest
häufig darauf thun.
Wenn es aus seiner Oefifnung fliesst, so mach Du ihm eine
Kugel, welche die Wunden trocken macht (bestehend aus):
Harz von Acanthus, Harz von Zizyphus Lotus, Beere von
der Weide, Kümmel
zermahlen und darauf bringen.
Wenn es dick*) darunter wird, so mach Du ihm die
Mittel, welche die Wunden trocknen:
Kopf von ämämu-Thier, Gazellenohren (?), Schildkröten-
schale, annek *)-Pflanze
es damit sehr häufig vollstopfen.
Mach Du ebenso, ohne es zu verzögern ^). Fliesst es her-
') Hier ist im Papyrus eine Lücke, jedoch ohne Unterbrechung
des Textes.
'0 Eigentlich: das stinkende Flüssigkeit absondert; wir gehn
wohl nicht fehl, wenn wir hier an die Otitis media purulenta denken.
*) Brugsch Wort. V. S. 462 „eine besonders reine Natronart".
♦) Cfr. S. 136. Anm. 2.
*) Dick, stark, fett; Brugsch Wort. VII. S. 1251 „was das
Gewohnliche überschreitet".
*) Brugsch Wort. V. S. 93 „Pflanze,- die mit dem Mond in
Verbindung gebracht wird**.
^) Eigentlich: nicht hinter es machen. L.
-> 167 —
vor auf die Erde, so ist es eine Heilung (Genesung) des Ohres;
(denn) es zcrreisst durch das Hervorschiesseu des Gottes su ').
Fällt es ihm nicht auf die Erde, so mach Du ihm Schlamm von
der Grösse des Hervortretenden (der Geschwulst), es einschliessen
in Milchsaft vom Sycomorenhaum, dass es sich mit seinem Blut
verbinde; nicht Oel (oder) Honig dazu thun; schneide Du seiuc
eine Hälfte ab, da man nicht will '), dass sein Blut (auch) von
der andern Hälfte abfällt, dass es nicht vollständig verfault').
Wenn du nachher erkennst, dass es sich verbunden
hat, so mach Du für ihn:
Oel, Wachs
kochen und damit bepflastern; nicht viel nehmen.
Behandle Du ihm ebenso jedes Geschwür, das aufbricht.
Wenn es in Fülle*) abgeht, so mach ihm einen Liunenverband
aufgeknüpft um seinen Hinteikopf^) herum.
Was zu machen ist zur Behandlung des Geschwüres,
das sich ins Ohr zieht. Es schwillt in seinem Innern
an; (es ist) Materie des Geschwüres von dem Unflath seines
Ohres mit Flüssigkeit wie Wasser von dem gegohrencn mesOä-
Getränk; geh rings um (das Geschwür) dasselbe mit dem
Messer, bis soweit XCII. alles darin krank ist und mach ihm: XCII.
Oel, Honig
in sein Inneres Charpie aus Flachs eines Zeuges thun, damit
bepflastern, damit es gesund werde.
Mittel für ein geweihtes Ohr, das von Eiter ange-
griffen ist:
Baumol (?)
1
Weihrauch
1
seyepet-Kömer
1
in das Ohr spritzen.
Ein andres:
sexepet-Kömer
1
Weihrauch
1
Seesalz
ebenso.
Ein andres ein Ohr
zu trocknen, das Flüssigkeit
(von sich) giebt:
■
0 Goit der Luft.
'-Q Eigentlich: das Herz ist nicht dabei. L.
^ Die Uebersetzung dieses ganzen Abschnittes ist unsicher!
*) Zu reichlich. L.
^) Im Papyrus steht mahaef statt: mäkhaef.
— 168 -
Mennige 1
Kümmel 1
Eselsohr 1
hätet^Oel 1
Baumöl (?) 1 ebenso.
Mittel zur Vertreibung der Alopecie*) (?):
Stachel eines Igels
aufwärmen, in Oel mischen und dagegen geben.
Ein andres:
Mennige, Schaum von starkem Bier')
dagegen geben.
Nachdem es (durch ein Messer) kahl gemacht wor-
den ist:
Zerriebene Papyruspflanze dagegen geben.
Ein andres:
Zerstückelte Figur, in Oel wärmen, Schreibfarbe in Wasser
mischen; dagegen geben.
Ein andres:
Leinpflanze, hunnu-Pflanze
aufwärmen, in Oel und Wespenkoth mischen, in Eins reiben
und dagegen*) geben.
Ein andres:
ErdöP), das für die Person gut (?) ist; dagegen*) geben,
damit sie augenblicklich weicht.
Ein andres zur Beschworung der Alopecie (?):
0 Strahlender, der Du oben schwebst J o x^re! o Sonnen-
scheibe! 0 Beschützer des Gottes neb-äpt*). Zu sprechen über:
Mennige, Zwiebeln (?), Alabaster, ärt-pet')-
Körner, Honig
in Eins machen und dagegen*) geben.
Ein andres zur Vertreibung der Alopecie (?) im
Kopf:
0 Cfr. Brugsch Wort. III. S. 934.
') Luring S. 44; ägyptisch: nesseq; Brugsch Wort VI. S. 659
»stechen, beissen"; ^auch von den kahlen Stellen des Kopfes".
') ^ Bitterbier". L; eigentlich: ausgegohreues Bier.
*) Nämlich: gegen die Krankheit.
*) Aegyptisch: ta-Flüssigkeit = Petroleum (?).
^ Beiname der Sonne.
Ö Sterns Glossar S. 32: „coelo factum*; aferrum*.
— 169 -
Feigen 7^
Sebesten Y^
aam-Pflanze 7^
Grüne Bleierde (?) 7„
Weihrauch 754
Gänseschmalz 78
Susses Bier (?) 1 dena
kochen, durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Mittel die Balggeschwulst') (?) zu vertreiben:
Naturhonig, damit die Balggeschwulst einölen.
Mehl von Harz von Acanthus, Spähne von Pistacia tere-
binthus
damit 4 Tage bepflastern.
Ein andres. Mittel gegen ein Mal^:
Beeren von der t'as-Pflanze 1
mämer-Kömer 1
zerstossen und von der Person zu nehmen, die ein Mal XCIII.
hat*):
Honig 1
Blatt von mämer -Körnern 1
zerstossen in Wasser, mit dem der Phallus gewaschen worden
ist; damit eine Nacht bepflastern, damit es auf seinen Armen
und seinen Gliedern verbleibt.
Mittel das Schreien (des Kindes) zu vertreiben:
Kapseln von der Mohnpflanze (?), Wespenkoth, der an
der Mauer ist
in Eins machen, durchseihen und 4 Tage einnehmen; es hört
sogleich auf. Es ist das Schreien des Kindes, das
schreit*).
Es beginnen die Mittel, zu bereiten fär eine Frau,
zu bewirken, dass die Frau das Empfangene ausleert
im 1., 2., oder 3. Zeitabschnitt:
Frucht von Acanthus, Zwiebeln (?) und Datteln
0 Aegyptisch: mehes.
*) Aegyptisch: 8er = macula.
*) Hier ist die Verordnung mit rother Dinte geschrieben. Die
Ueberschrift des folgenden Receptes fehlt; wahrscheinlich hat der
Schreiber die letzten Worte noch im Gedächtnis gehabt imd sie
deshalb nicht wiederholt.
*) Eigentlich: „Was das Schreien betrifft, so ist es das Kind,
das schreit**; d. h. es ist das Schreien des Kindes gemeint.
— 170 —
zermahlen, zerreiben in einem Geföss mit Honig, Charpie damit
besprengen und in ihre Vulva*) bringen.
Büttel ein Weib nicht krank sein zu lassen an
ihrem Urin:
Seesalz Vis
mähetet')-Kömer 7g
Süsses Bier Yj ^^"^
Honig V,
in den Anus spritzen.
Ein andres den Anus zu kühlen:
Baumöl (?) 1
Oel 1
Zwiebelwasser (?) 1
Honig 1
in den Anus spritzen.
Ein andres zu machen für eine (Frau), die Abge-
kühltes entleert'):
Stücke von rothem Jaspis, sie nicht das Licht sehn lassen;
in weisse Erde*) thun und sie in der Finsternis mit sehr viel
Wasser besprengen ; lass ein neues ändit-Gefass und einen neuen
yenu-Krug mit Regenwasser ruhig stehn, bespritze diese Steine
wieder, wenn der heilige Lucifer sich erhebt; und die Frau viele
Tage darauf sitzen lassen. Lass dir einen neuen Thonkrug ange-
füllt mit Oel bringen; das Weib sich darauf setzen lassen 4 Tage.
Zu erkennen verdorbene Milch:
Sieh zu, ob sie riecht wie die Frucht (Eingeweide) vom
mehit-Fisch.
Mittel die Gebärmutter*) eines Weibes an ihren
Ort eintreten zu lassen:
Spähne vom Cederbaum in Hefe thun und eine Zeug-
platte bestreichen; lass sie darauf sitzen.
Ein andres:
Erdöl mit peddn^) auf Honig stehn lassen und den Leib
der Frau damit einreiben.
*) Aegyptisch: at = uterus, vulva; cfr. Brugsch Wort. VI. S.819.
») Brugsch Wort VL S. 563 „Wunderfrucht^
•**) Die üebersetzung ist unsicher.
*) Aegyptisch: ta-het\ determinirt mit dem Hausplan; es scheint
also eine bestimmte Localität damit gemeint zu sein. L.
*) Aegyptisch: met-ret = „Mutter der Menschen*.
«) Wohl eine Art Mist L.
- 171 —
Ein andres:
Den üeberzug von Feuchtigkeit^), der sich in dem Schiffs-
holz findet') (?) XCIV. in Hefe von ausgegohrenem Bier') rei- XCIV.
ben und sie es trinken lassen.
£in andres:
Grüne Bleierde (?) 1 auf frischen Myrrhen stehn lassen und
in ihre Genitalien thun; ein Kräutersäckchen mit Myrrhenöl be-
sprengen und an der obern Hälfte derselben anbringen*).
Ein andres:
Trockene Menschenexcremente in Weihrauch thun; das
Weib duckt*) sich über dasselbe und lässt den Dampf davon
in das Innere ihres Geschlechtsorganes eindringen.
Ein andres:
Trockene Excremente, Schaum von Bier
die Finger der Frau damit reiben; bring es auf alle ihre Glie-
der gegen ihre Leiden^).
Ein andres den Uterus wieder an seinen Ort ein-
treten zu lassen:
Einen Ibis von Wachs auf Kohle thun; den Dampf davon
in ihr Geschlechtsorgan eindringen lassen^).
Zu sehn ob die Milch gut ist:
Ist ihr Geruch wie Staubmassen von uäh ^)-Körnern, es ist
ausgezeichnet^, wenn er gefunden wird.
Ein andres eine Frau niederkommen zu lassen:
Pfefferminz, die Frau sich darauf mit entblösstem Hin-
tern setzen lassen.
Ein andres all und jedes, das im Leib einer Frau
ist, fallen zu lassen:
*) Schimmel?
^ Die Uebersetzung ist unsicher!
^ „Bitterbief* L.; das Wort heqt = Bier ist mit rother Dinte
durchstrichen.
*) Ebers S. 24.
^) Aegyptisch: kep; Brugsch Wort. IV. S. 1491 „sich ducken,
gewölbten Buckels sein".
^ Der Sinn dieser Worte ist unklar, ich vermuthe dass die so
bestrichenen Finger auf den prolabirten Uterus gelegt werden sollten.
0 Cfr. Di ose. de mat. med. ed. Kühn. Vol. 2G. S. 284.
») Wohl eine Getreideart (?).
') Aegyptisch: sedennu = Brugsch Wort. VII. S, 1158 „gross
machen, vergrössern, erhöhen".
— 172 —
Scherbe eines neuen hennn-Gefässes, zermahlen in erwärm-
tem Oel and in ihre Genitalien giessen.
Ein andres:
Gut gereinigter Dattelsaft, Seesalz, Oel
kochen, einnehmen, indem es nachher aufgewärmt wird*).
Ein andres ein Kind in dem Leib einer Frau zu
lösen'):
Seesalz 1
Weisser Weizen 1
Weibliches Rohr») 1
den Unterleib damit bepflastern.
Ein andres:
Frisches Salz 1
Honig 1
durchseihen und 1 Tag einnehmen.
Ein andres:
besbes *)-Kömer
Weihrauch
Knoblauch
sert-Saft
Frisches Salz
Wespenkoth
in eine Kugel formen und in ihre Vulva thun.
Ein andres:
Weihrauch 1
Oel 1
den Leib damit bestreichen.
Ein andres:
Pfefferminz 1
genti *)-Körner 1
Wein 1
durchseihen und 4 Tage einnehmen.
Ein andres:
') Soll wohl heissen, dass es jedesmal aufgewärmt genommen
werden soll.
-) Aegyptiscb: sefe^; Brugsch Wort. VII. S. 1048 „ablösen,
loslösen, abschneiden, entbinden**.
3) Di ose. de mat. med. Lib. I. Cap. 114. S. Ill „altera (arun-
dinum species) femina".
*) Brugsch. Zeitschr. f. ägypt Spr. 1881. S. 33. „Fenchel«.
^) Brugsch Vn. S. 1269 „Cassia".
^ 173 —
Sebesten 1
sert-Saft 1
in ihre Vulva spritzen.
Ein andres:
Beeren vom nän-Baum 1
Pfefferminz 1
Fett vom Cederbaum 1
in eine Kugel formen und in ihre Vulva thun.
Ein andres:
Schwanz (?) einer Schildkröte 1
Schale vom Käfer 1
sefet^Oel 1
sert-Saft 1
Oel 1
in Eins zermahlen und damit bepflastern').
Der Beginn yon den Mitteln die beiden Brüste')(?) XOV.
nicht fallen zu lassen:
Wenn sie von Blut überfliesst, und ihre Reinigung*) plötz-
lich kommt, so dass es (das Blut) über ihren Leib und ihre
Füsse strömt, dass sie nicht die mesu ^)-Krankheit bekomme.
Ein andres den Fluor nicht über die Jungfrau (?)
kommen zu lassen:
Leber von der Schwalbe, getrocknet, in saurer Milch rei-
ben; der Patientin auf ihre Brust, ihren Leib und alle ihre
Glieder thun, an denen sie von mesu-Krankheit leidet*) (?).
Ein andres. Mittel gegen die kranke Brust'):
Galmei 1
Kuhhim 1
Wespenkoth 1
Grüne Bleierde (?) 1
in Eins machen und 4 Tage damit die Brust einreiben.
Beschwörung für die Brust:
0 Ein heiliges Salböl.
2) Cfr. Diese, de mat. med. Ed. Kühn VoL 26. Lib. IL Cap. 78
und 79.
') Aegyptisch: benti; Luring S. 65 ^Die Papillen der Brust*;
Sterns Glossar S.ll ^Ovaria uteri mulieris".
*) Aegyptisch: hesmen = Menstruation.
''') Brugsch Wort. VL S. 645 „Fluss**; also Fluor (albus)?
^ Unsicher! vielleicht „wenn bei ihr der Fluor entstaudeu ist (?)".
0 Aegyptisch: mened oder mendu.
— 174 -
Die Brust ist dieselbe kranke (Brast) der Isis, die in
der Stadt */ebt die Götter su und tefnet gebar. Sie hat für sie
ihre Besciiwöning gethan über
äat-Pflaoze, Gesundheitskorner, ober beqat ') des
Rohres, über Haare der äbt-Pflanze, die iierbei geführt
sind, um alle möglichen tödtlicheii Krankheiten, soviel
ihrer sind, zu vertreiben; ausführen beim Ausgiessen
auf der linken Seite, machen gegen alle möglichen tödt-
lichen Krankheiten; keine Ausleerung, kein Jucken, keine
Verblutung; verhüte, dass Aiigentriefen an Menschen
entstehe.
Zu sprechen fiber
äat-Pflanze, über Gesundheit.ikSrner, über be-
qat') des Rohres, über Haare des Kopfes der
äbt-Pflanze, es ansgiessen lassen auf der lin-
ken Seite, 7 Portionen machen und ihr geben').
Mittel Geschwülste in der Vulva (Uterus) zu ver-
treiben:
Getrocknete yet'-Blfitter in Hefe von starkem') Bier auf
ihre Weiche und ihren Leib bringen.
Ein andres gegen Fressen in der Vulva, das
bennut')-Blasen in ihrer Scheide') hervorbringt:
Frische Datteln 1
hekennn *)-K5mer 1
Stein von der Flnssmündung
zerreiben in Wasser, feucht stelin lassen und in ihre Vulva
spritzen.
Frische Datteln 1
Schweinegalle 1
genti')-Kömer 1
Wasser
feucht stehn lassen und in ihre Vulva spritzen.
I) ,Üer befruchtete Theil?" L.
<) Die Ueberseti^uQg dieses Abschnittes ist höcht unsichorl
^ .Bitterbier- L.
*) Brugsch ■WOrl.V.S.434 .pustula"; der Stamm ,rund oiler
kugelig sein".
') Aegyptisch: s*d.
^ Aegyptiach: hekennu ; Brugsch Wort, VI. S. 357 .bösllicb,
lieblich".
') Brugsch Würt VII. S. 1269 „Casaia".
— 175 -
Ein andres zu machen gegen die gent-Krankheit:
Kuhmilch, gekocht 1
Harz von Acanthus 1
genti ^)-Körner 1
in Eins zennahlen, feucht stehn lassen und in ihre Vulva spritzen;
es kühlt.
Ein andres:
Frische Datteln 1
Weisses Oel 1
Harz von Acanthus 1
Oel 1
Wasser ehenso.
Ein andres gegen Entstehn von Krankheiten in
ihrer Schamlippe:
Knohlauch
Grüne Bleierde (?)
nehedet ')-Kömer
Weihrauch
Harz von Acanthus
Kuhhom
hunta ')-Kömer
Wasser
in Eins machen und In ihre Vulva spritzen.
Ein andres gegen Stiche in der Vulva und gegen
runde Pusteln*), die in ihrer Scheide entstanden sind:
Xeper-nr-Kömer 1 zerreiben in
Weihrauch -Wasser 1
genti *)-K5mer 1
in ihre Vulva spritzen.
Ein andres:
uäh *>Kom 7^
Frische Datteln 7g
Harz von Acanthus 7$
genti ^Körner 73,
XCVI.
') Cfr. vor. Seite Anm. 7.
») Ebers S. 189 „Zahnkrautkoraer?"
^) Brugsch Wort. VI. S. 798 „besondre Pflanzenart, deren
Dasein mit dem Hinterland von Apollinopolis in Verbindung ge-
setzt wird*.
*) Aegyptisch: bentet; mit der Nebenbedeutung „rund, kugelig".
^) Wohl eine Getreideart (?).
- 176 —
Wasser 7i
Eselsmilch
feucht stehn lassen und ia ihre Vulva spritzen.
Ein andres die Vulva (Uterus) zu kühlen und Ent-
zündung darin zu vertreiben:
Dumpalmenfrucht zermahlen, Cypenis zermahlen in Oel und
in ihre Vulva spritzen; es ist ein zusammenziehendes (Mittel)
für die Vulva (den Uterus).
Ein andres:
Sesamum in Honig zermahlen und in ihre Vulva spritzen;
es ist ein zusammenziehendes (Mittel).
Ein andres:
Weihrauch und Crocus in Ruhmilch zermahlen und zerrei-
ben, durch ein Tuch durchseihen ') und in ihre Vulva spritzen ;
es ist ein zusammenziehendes (Mittel).
Ein andres die Vulva (den Uterus) zusammenzu-
ziehen:
Xeper-ur-Komer 1
Honig 1
Zwiebelwasser (?) 1
Milch 1
durchseihen und in ihre Vulva spritzen lassen.
Ein andres:
Wasser von mesöa-Getränk in ihre Vulva spritzen.
Ein andres:
Saft von der nesa ')-Pflanze in ihre Vulva spritzen.
Ein andres:
Saft von qereqtu-Kömem in ihre Vulva spritzen.
Ein andres:
Pfefferminz Wasser in ihre Vulva spritzen.
Mittel für die Menstruation^):
Knoblauch 1
Wein 1
in Eins machen und in ihre Vulva spritzen.
Ein andres:
Harz von Acanthus 1
*) Aegyptisch: sekepu = Brugsch Wort. VII. S. 1142 „durch
ein Sieb seihen, durchseihen".
-) Brugsch Wort. VI. 8.0)98 „Gerste"; Stern liest: mu nu
sa = Saft von Coriander; im Papyrus steht: mu nu nesa.
^) Eigentlich: das Blut einem Weibe herauszuziehen.
— 177 —
Baumöl (?) 1
Trocknes Oel 1
paxestat-Pflanze 1
Beere von ftehui-Kömern 1
Honig 1
in ihre Vnlya spritzen.
Ein andres:
besbes ^)-K5mer Yg
Honig \
mähetet')-Kömer Ve
Süsses Bier Ys
4 Tage in ihre Vulva spritzen.
Wenn Du ein Weib untersuchst, es geht etwas von
ihr ab wie Wasser, dessen') Bodensatz wie warmes
Blut ist, so sag Du ihr: „es ist die axät^)-Krankheit in
ihrer Vulva.** Mach Du fur sie Jaspis, der Wasser anzieht;
reiben in Honig und GoUyrium, Charpie von Leinwand damit
bestreichen und 4 Tage in ihre Vulva thun.
Wenn Du ein Weib untersuchst, das ein Uebel an
der einen Seite ^) ihres Leibes hat, so sag Du zu ihr:
„nicht ist sie offen für ihre Menstruation**. Nachdem
er seinen Kopf gegeben^), mach Du für sie:
zerstossenen Knoblauch, sehet -Brod, Spähne vom XCVII.
Cederbaum
den Leib damit bepflastern.
Wenn Du ein Weib untersuchst, das viele Jahre
gelebt hat, ohne dass ihre Menstruation bei ihr einge-
treten ist, sie bricht etwas wie Schaum aus, und ihr
Leib ist, wie wenn Feuer darunter wäre, aber sie er-
holt sich wieder nach dem Brechen, so sag Du zu ihr:
„es ist ein Steigen von Blut in ihre Vulva (ihren Uterus). So-
>) Brugsch. Zeitschr. f. ägypt. Spr. u. Alterth. 1881. S. 33.
„Fenchel".
«) Brugsch Wort. VL S. 563 , Wunderfrucht".
^ Bezieht sich auf etwas.
*) Brugsch Wort V. S. 17 «kratzen, ritzen, zerkratzen".
*) Aegyptisch: hert = Weg, Richtung, Ausgang.
^ Bedeutet vielleicht: nachdem der Arzt die Krankheit genau
untersucht hat. L.
Joachim, Aegypüsche Heilkunde. 12
— 178 —
bald sie ihre Beschwörang gesprochen ') and den Bei-
schlaf (aosgeäbt hat), mach Da für sie:
Beere vom uän-Baam */,,
Kümmel ^/^^
Weihrauch ^/g^
näh*) -Kömer 7,^
setze Da Kuhmilch auf Feuer mit Schenkeltalg; dazu Milch
thun und 4 Tage lang einnehmen.
Ein andres. Mittel gegen Entzündungsschmerzen^
um die Vulva (Uterus):
Kuhgalle 1
genti *)-KÖmer 1
Oel 1
in Eins machen und in ihre Vulva spritzen.
Ein andres das zu machen ist, um in den Uterus
hineinzukommen:
Getrocknete Beeren von der /enes-Pflanze, zermahlen, zer-
reiben und darein thun.
Milch zu schaffen in eines Weibes Brust, um ein
Kind zu säugen:
Gräten vom /ra*)- Fisch, in Oel erwärmen und ihr Rück-
grat damit bestreichen.
Ein andres:
Wohlriechendes Brot von fauler (gesäuerter) Durra, den
Arm ihres Feuers (des entzündeten Kanals (?)) in xesau*) -Kraut
machen (?); zu essen von der Frau, indem sie mit unterge-
schlagenen Beinen sitzt.
Ein andres. Prognose für ein Kind am Tage, an dem
es geboren wird:
Wenn es nl^) sagt (schreit), wird es leben; wenn es bä*)
schreit, wird es sterben.
*) Hier ist im Papyrus eine kleine Lücke mit Unterbrechung
des Textes.
') Wohl eine Getreideart (?).
^ Aegyptisch: seftu =Brugsch Worterb. VII. S. 1045 „schnei-
den, glatt machen; Messer, Schwert*; eigentlich also: Stiche der
Entzündung.
*) Brugsch Wort VII. S. 1269 „Cassia*.
^) Brugsch. Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1881. S. 38 „Schwertfisch?«
^ Brugsch Wort VI. S. 971 „Mohnpflanze*.
0 Brugsch Wort. VI. S. 661 „Klagegeschrei*.
*) B rugs ch Wort V. S.408 „Laut den lundersehrei ausdruckend**.
- 179 ~
Andre Voraussage:
Wenn es ein starkes Klagelied hören lässt, wird es sterben;
wenn es sein Gesicht herabsenkt, wird es darauf sterben.
Es beginnen die Mittel, um Ungeziefer aus dem
Hause zu vertreiben:
Befeuchte Du es mit Natronwasser, damit es fortgeht.
Ein andres:
bebet-Pflanze in Kohle zermahlen und das Haus sorgfältig
damit bestreuen, damit es fortgeht.
Ein andres den hefu-Wurm nicht aus dem Loch
hervorkriechen zu lassen:
Getrockneter ant-Fisch (wird) in den Eingang seines Loches
gebracht, nicht wird er daraus hervorkriechen.
Ein andres:
Natron in den Eingang des Loches thun, nicht wird er her-
vorkriechen.
Ein andres:
Eine Knoblauchkngel in den Eingang des Loches thun,
nicht kriecht er aus.
Ein andres die Wespen nicht stechen zu lassen:
Fett von gennn*) -Vogel, damit einreiben.
Ein andres nicht stechen zu lassen XCVIIL die XGVIIL
Taranteln:
Frisches Baumol (?), damit einreiben.
Ein andres Mäuse von Sachen fern ^u halten'):
Katzenfett auf alles Mögliche thun.
Ein andres den Taubenfaiken nicht stehlen zu
lassen:
Einen Stab von Acanthus aufstellen lassen; die Person
sage: „G Horus, er (der Falke) stiehlt in Stadt und Garten; er
durstet nach dem Garten; flieg zu, koch und iss ihn." Zu
sprechen über den Acanthusstab; Zuckerkuchen darauf
thun; er ist es, der den Falken nicht stehlen lässt').
Ein andres die Nagethiere Durra im Kornspeicher
nicht fressen zu lassen:
Gazellenexcremente auf Feuer thun in dem Kornspeicher,
seine Wand und seinen Fussboden mit ihren (der Mäuse) Ex-
*) firugsch Wort. VIL S. 1299 „der Vogel coracias gamila*.
^ Eigentlich: nicht nähern, herantreten lassen.
^ Sind die Worte gesprochen über . . . . , so kannst Du Kuchen
darauf thun, und er wird den Falken nicht stehlen lassen.
12*
— 180 —
crementen und mit Urin bedecken^); das wird nicht zulassen,
dass die Durra gefressen wird.
Ein andres zu machen, (um) die Scorpione zu
tödten:
Eine Eidechse auf Feuer thun, um sie zu tödten.
Was geschehn muss eine Eidechse zu tödten:
Einen Scorpion auf Feuer thun, um sie zu tödten.
Kyphi^) zu brauchen, um den Geruch des Hauses
oder der Kleider angenehm zu machen:
Trockene Myrrhen, Wachholderbeere, Weihrauch, Cyperus,
Aloe-Holz, sehet*) -Harz, Calmus vom Lande t'ahi (in Asien),
Inekuun-Kömer, Mastix (?), Saft von niluben-Baum *)
zermahlen, zerreiben, in Eins machen und davon auf
Feuer thun.
Ein andres für die Frauen daraus zu machen:
Diese Ingredienzien nach jener Vorschrift auf Honig thun,
kochen, mischen, zu Kügelchen formen; sie sollen mit ihnen
räuchern. Es ist auch zuträglich, dass sie Mundpillen daraus
machen, um den Geruch ihres Mundes angenehm zu machen.
XCIX. Der Beginn des Geheimbuches des Arztes, die
Kenntnis vom Gang des Herzens und die Kenntnis vom
Herzen. In ihm sind die metu*) zum ganzen Körper. Was
diese betrifft, so stösst auf sie ein jeder Arzt, ein jeder
se/et-Priester, ein jeder Zauberer^), wenn er seine Finger legt
auf den Kopf, auf den Hinterkopf, auf die Hände, auf die
Magen-(Herz)gegend, auf die beiden Arme, auf die Beine; über-
all betastet er ihm das Herz, denn seine metu*) (laufen) zu
allen seinen Gliedern; deswegen wird es genannt das Centrum
der metu*) aller Glieder.
') Die Uebersetzung ist unsicher!
-) Cfr. Diese, de mat. med. Lib. I. Cap. 24: 10 Substanzen;
Plutarch „Isis und Osiris" herausgegeben von Par they.
Cap. 81. S. 143: 16 Substanzen;
Nicolai Myrepsi Alexandrini medicamentorum opus,
von Leonhard Fuchs. Basel 1549:
Cap. 298 S. 92: „Antidotus Cyphi ex quinquaginta spe-
ciebus composita"; Cap. 299: „alia coufectio Cyphi ex rebus viginti
00 to constans".
^) Brugsch Wort. VII. S. 1175 „thus, suffimentum".
*) Brugsch Wort. VL S. 661 „Styrax".
*) Gefasse; cfr. S. 136 Anm. 2.
«) Cfr. Piehl. Zeitschr. f. ägypt. Spr. 1880 S. 130.
- 181 —
Es sind 4 Ge fasse in den beiden Nasenlöchern, wovon
2 Schleim und 2 Blut geben.
Es sind 4 Ge fasse im Innern der beiden Schläfen; nach-
dem sie den Augen Blut gegeben haben, entsteht allerhand
Krankheit^) der Augen durch sie, dadurch dass sie zu den
Augen offen sind; wenn Wasser aus ihnen heraustritt, so geben
es die beiden Pupillen der Augen; oder (nach einer andern
Ansicht) der Schlaf in den Augen ruft es hervor.
Es sind 4 Gefässe, die sich im Kopf theilen und in dem
Hinterkopf sich ausbreiten, die nachher eine grosse Masse Haar
schaffen (hervorbringen); es ist ihre (der Haare) Schöpfung nach
oben*). Wenn der Hauch in die Nase geht, dringt er zum
Herzen und zum Mastdarm hin; sie (die letztgenannten Gefässe)
geben dem Leib reichlich (davon). Wenn man darunter
etwas hört, so bewirken es die 2 Gefässe*), die nach dem
Jochbein leiten; oder wenn man sie darunter vernimmt, so sind
es diese, die in dem oberen Backenknochen einer Person sind,
indem es der rauhe Wind ist, der in der Person schneidet, wenn
er fur sich den Hauch davon einathmet. Oder wenn das Herz
Wasser einsaugt, so schwinden seine Glieder ganz dahin.
Wenn das Herz getroffen*) ist, so ist es das Gefäss, „der
Fasser" ist sein Name, das es macht; es giebt Wasser zum
Herzen oder zum Auge, wenn es verstopft (verschlossen) ist.
Wenn er hört durch die Oeffhung seines Mundes, so zeigen sich
alle seine Glieder betäubt, nachdem Verwirrung (Nebel) darin
sein Herz ergriffen hat. Wenn der Zorn im Herzen ent-
steht, so ist es eine Aufwallung bis zu den Theilen des Mast-
darmes und der Leber, C, sein Ohr richtet sich auf*), seine C.
Gefässe fallen, nachdem ihre aufwallende Hitze alles aufgelöst hat.
Es sind 4 Gefässe zu seinen 2 Ohren und (zwar)
2 zur rechten und 2 zur linken Seite. Lebenshauch geht
ins rechte Ohr und Todeshauch ins linke; oder (mit an-
dern Worten): (Lebenshauch) geht in die rechte Seite, Todes-
hauch geht in die linke.
Es sind 6 Gefässe, die zu den beiden Armen fuhren.
0 Aegyptisch: ^ait; cfr. S. 40 Anm. 3.
^ Die Uebersetzung dieses letzten Satzes ist ganz unsicher!
^ Hier steht met 2, nicht der Pluralmetu.
*) Aegyptisch: Ses; B rug seh Wort VIT. S. 1204 „ictus, plaga*
^) Eigentlich: rollt, kreist L.
— 182 —
3 zQm rechten, 3 zam linken and sie fahren (bis) za seinen
Fingern hin.
Es sind 6 Gefässe, die za den beiden Fassen fahren,
3 zum rechten, 3 zam linken; sie reichen herab bis za der
Fasssohle.
Es sind 2 Gefässe za seinen beiden Hoden, die den
Samen geben. Es sind 2 Gefässe za den Nieren, eins za
der einen Niere, das andre za der zweiten (Niere).
Es sind 4 Gefässe zur Leber, die ihr Feachtigkeit and
Laft zafuhren; nachher bewirken sie Entstehn von allerhand
Krankheit^) darin, indem sie mit Blat gemischt sind.
Es sind 4^ Gefässe zum Mastdarm and zar Milz,
die ihr ebenfalls Feuchtigkeit und Luft geben.
Es sind 2 Gefässe zur Blase, die den Urin geben.
Es sind 4 Gefässe, die in den After auslaufen^;
sie geben und bringen in ihm hervor Feuchtigkeit und Luft;
sodann ofifoet sich der After jedem Gefass auf der rechten
und linken Seite bis in die Fasse hin^) und vermischt sich mit
Excrementen.
Wenn das Herz betrübt ist, so ist das die Wortkarg-
heit des Herzens, oder die Gefässe des Herzens sind ver-
schlossen, indem sie unter Deinen Händen nicht erkennbar sind;
es wird Wasser und Luft voll in ihnen (sie werden voll von
Wasser und Luft).
Wenn das Herz Ekel empfindet, so ist es die Bitter-
keit des Herzens auf Grund von Entzündung am After; Du fin-
dest es gross, und es bildet sich etwas in seinem ro-äb wie
im Auge.
Wenn sein Herz sich ausbreitet, so sind des Herzens
Gefässe mit Excrementen.
Wenn irgend eine dehert*)-Krankheit in das linke
Auge hineingeht und im Nabel (?) hervortritt, so ist es der
Hauch der Handöffhung^ des Priesters, den das Herz in seine
Gefässe hineingehn lässt; Feuer jeder Art ist in seinem Fleisch
(verschlossen), das Herz ist ihm krank davon, weil das Feuer
*) Aegyptisch: x^it; cfr- S- 40 Anm. 3.
*) Die Zahl 4 ist mit schwarzer Dinte dazwischen geschrieben.
') Eigentlich: sich offnen.
*) Eigentlich: indem er sich erstreckt bis.
*) Bruffsch Wort. VIT. S. 1373 ^putredo; malum, peiorem fieri*.
®) Der Hauch, der durch die hohle Hand gehaucht wird(?). L.
— 183 —
hervortritt, und die GefSsse seines Herzens ihm gänzlich den
Dienst versagen.
Wenn ihre Kleider sie beschweren, so ist es die dehert- CI.
Krankheit*); wenn seinö dehert-Krankheit *) sich erhebt, so ist
sie gefährlich (in Fälle vorhanden)').
Wenn das Herz krank ist, so ist es eine Beängsti-
gung*) im Herzen, oder es ist ein (6lut)äberfluss (?) im Herzen,
der entsteht, herunterföUt und sich seinem Zwerchfell ^) (?) nähert,
indem sein Herz einen Ekel fühlt.
Wenn es die mast^)-Krankheit des Herzens ist, so
ist es Engbrüstigkeit, sein Herz hat auf seinem Platz von dem
After Blut, das unter der Krankheit ein .wenig hervortritt, es
ist ein Fieber des Herzens; wird sein Herz unter der Krankheit
etwas ruhig, so isst er, aber nur wählerisch.
Wenn das Herz sich verzehrt, so ist es eine An-
sammlung von Blut im Herzen. Wenn es die mas-Krank-
heit des Herzens durch u^edu ist, so ist sein Herz klein
im Innern seines Bauches; die uxedu fallen auf sein Herz (be-
fallen sein Herz); er ist aat-krank, er ist mas-krank.
Wenn es Schwäche (Bitterkeit) in Folge von Alter')
ist, so sind es u^edu an seinem Herzen. Wenn es eine Er-
hebung des Herzens ist, so hebt es sich an seiner linken
Brust, es hebt sich auf seinem Fett^, es flieht von seinem
•Platze, es sind seine Fettschichten auf seiner linken Seite, um
sich in seiner Schulter zu sammeln.
Wenn die deher^)-Krankheit seines Herzens hälifig
auftritt, so ist es sein Herz, das schwimmt und nach unten
sinkt, es ist nicht an seinem Platz.
Wenn sein Herz an seinem (rechten) Platz ist, so
befindet sich das Fett des Herzens in seiner linken Seite, es
*) ßrugsch Wort. VII. 1373 „putredo; malum, peiorem fieri**.
5) Cfr. S. 182 Anm. 5.
^ Die Uebersetzung ist ganz unsicher!
*) Eigentlich: Bedrücken des Herzens im Herzen.
*) Aegyptisch: sat; Brugscb Wort. VII. S. 1228 «praecordia?"
^ Brugsch Wort. VI. S. 543 „der zum Sitzen dienende Theil
des Körpers".
^) Alterschwäche.
^ Aegyptisch: maket; Brugsch Wort. VI. S. 573 „die das
Herz umgebende, schützende Fettmasse **; Luring S. 76 „Pericar-
dium", eigentlich „Unterlage**.
— 184 —
steigt nicht nach oben, und es föUt nicht nach unten, heil^)
bleibt es auf seinem Platze.
Wenn sein Herz zittert und viel Fett unter seiner
linken Brust ist, so ist es sein Herz, das ein wenig des
Heruntersinkens bewirkt'), indem «seine Krankheit') sich aus-
breitet.
Wenn sein ro-ab klopft, so ist das die Grösse seines
ro-?ib*); wenn der Mund glüht und matt wird*), und das
Herz müde wird, so ist es ein Feuer, das eindringt auf sein
CIL Herz; es ist sein Herz, das von Hitze brennt, wie eine Person,
welche Mattigkeit befällt.
Wenn sein Herz (Magen) Ekel empfindet, wie eine
Person, welche die (Stier)früchte des Sycomorenbaumes
gegessen hat, so ist es eine Verhüllung*) seines Herzens,
wie eine Person , welche die (Stier)früchte des Sycomorenbaumes
gegessen hat.
Wenn das Herz elend ist und das Herz ausser
sich gerathen ist, so bewirkt es der Hauch der Handöff-
nung ^) des heb -xer- Priesters '); er (der Hauch?) dringt in den
Mastdarm hinein, dergestalt, dass das Herz hervortritt und sich
unter der Krankheit verirri;.
Wenn Trockenheit sein Herz befällt, so ist es die
Trockenheit des Feuers, die sein Herz befallt; er seufzt häufig
auf), und sein Herz wird von Zorn gefressen; es geschieht das-
dadurch, dass sein Herz voll von Blut ist, was wieder daher
kommt, dass er Wasser getrunken und schlechte Speisen warm
gegessen hat.
Wenn sein Herz trübselig ist und Trübnis ge-
schmeckt hat, so ist sein Herz eingeengt, und Finsternis ist
in seinem Leib in Folge von Zorn, was dergestalt wirkt, dass
er sein Herz frisst.
*) Aegyptisch: ma^er; eigentlich „als Sieger" Brugsch Wort
V. S. 535.
^ „Das klein macht und heruntersinkt'' L.
3) Cfr. S. 40 Anno. 3
*) D. h. „die Anschwellung des ro-ab bewirkt es*.
*) „Matt glüht" L.
*) Verwirrung, Unordnung?
') Der Hauch, der durch die hoble Hand gehaucht wird(?). L.
^ Sterns Glossar S. 15 „Colchites*'.
») „Er jammert (klagt) häufig". L.
— 185 —
Wenn sein Fleisch ganz verdorrt ist wie das
stillstehende Herz einer Person, die den Weg*) ge-
fanden hat, so ist es sein Fleisch, das darunter^ unbeweg-
lich geworden ist, wie das unbewegliche Fleisch einer Person,
die in die Weite ^ gegangen ist.
Wenn es das Schicksal^) ist, nach oben zu gehn
(sterben?), so ist es sein Herz, das bestimmt (sich windet),
nach oben zq gehn.
Wenn sein Herz überfällt ist, so ger&th sein Herz
ausser sich, wie es in einer andern Abhandiong dargestellt ist ^).
Anfang des Baches vom Vertreiben der uxeda in CHI.
allen Gliedern einer Person, sowie es in einer Schrift
unter den Füssen des Gottes Anubis in der Stadt Leto- .
polis gefunden wurde; es wurde zu Sr. Majestät dem
Konig von Ober- und ünterägypten üsaphais, dem Ge-
storbenen, gebracht*).
0 Aegyptisch: hert= Brugsch Wort. VI. S. 832 „Weg, Aus-
gang"; hier wohl „Tod**.
2) unter der Krankheit.
2) „Dahin gegangen, gestorben ist?** L.
*) Brugsch Wort. VI. S. 663: „sich winden, umwinden**.
^) Die Uebersetzung der letzten Tafeln ist vielfach unsicher; wir
haben sie dennoch nicht zurückhalten wollen in der Hoffnung, dass
roan mit der ersten Uebersetzung Nachsicht haben wird.
*) Im mediciniscben Papyrus von Berlin (ctr. Brugsch, Allge-
meine Monatsschr. für Wissensch. und Lit 1853. S. 44-56; Brugsch,
Notice raisonnee d*un traitö medical etc. Leipzig; Chabas. Melanges
ogyptol. S^rie I. Paris 1862; Brugsch, Recueil de Monuments egyp-
tiens". IL Tafel 85-107), der zum Theil denselben Inhalt wie der
Papyrus Ebers bat, indes bei weitem nicht so umfangreich und so
gut erhalten wie jener ist, wenn er auch m einzelnen Parthien aus-
führlicher ist, lautet der zugehörige Abschnitt folgendermassen (cfr.
Recueil Tafel 99): „Beginn des Buches vom Vertreiben der Krank-
heiten, gefunden in einer alten Schrift in einer Kiste mit Schreib-
sachen unter des Gottes Anubis Füssen in Letopolis unter Sr. Maje-
stät des ägyptischen Königs Usaphais Regierung. Nachdem er ge-
storben war, wurde das Buch zu Sr. Majestät dem König von Aegyp-
ten, Sent, auf Grund seiner Vortrefflichkeit gebracht* Der hier
genannte Usaphais war der 5. König der I. Dynastie und regierte
um 3700 V. Chr. Man sieht also, dass die Aegypter die Abfassung
ihrer mediciniscben Schriften in die graue Vorzeit verlegten. Einen
ähnlichen Bericht liest man in einem mediciniscben Papyrus, der im
British Museum aufbewahrt wird (cfr. Zeitschr. f. - ägypt.JSpr. 1871
S. 61 und Zeitschr. der Deutsch, morgenl. Gesellscb. Bd. 31. S. 451):
^Dieses Arzeneibuch wurde, während die Nacht herabfiel, in den
— 186 —
Der Mensch hat 1 2 Herzgefässe ^), die sich nach allen seinen
Gliedern ausbreiten. Es sind 2 Gefässe in ihm in seiner
Bmstgegend, die Entzündung im After bewirken. Zu machen
dagegen:
Frische Datteln, Blätter von der Ricinaspflanze, Fruchte
von der Sycomore
in Eins stossen in Wasser, durchseihen und 4 Tage lang ein-
nehmen lassen.
Es sind 2 Gefässe in ihm zum Schenkel. Wenn er
an seinem Schenkel leidet, und seine beiden Schenkel zittern,
so sag Du dazu: „es ist dieses ein Geföss, das zu seiner
Schenkelgegend fuhrt, das ihm die Krankheit aufgenommen^
hat;^ zu machen dagegen:
Frische Milch, Absynth, Natron
in Eins kochen und von der Person 4 Tage zu trinken.
Wenn er an seinem Halse krank ist und Schmer-
zen an seinen beiden Augen hat, so sag Du dazu: „es
sind dies die Gefässe seines Halses, welche die Krankheit auf-
genommen haben;^ zu machen dagegen:
Xet'-Baum-Saft, eines Ackerbauers Harn (?), Wachholder-
beere, Beeren von der sames- Pflanze
in Honig mischen, auf seinen Hals thun und 4 Tage damit be-
pflastern.
Es sind 2 Gefässe in ihm zu seinem Arm. Wenn
er an seinem Arm leidet, und seine Finger zittern, so sag Du
dazu: „es sind (Drüsen) Anschwellungen"; dagegen zu
brauchen:
Fischleim (?) in Bier und t'as-Pflanze oder Fleisch in
Tempelhallen in Tebmut im Sanctuarium der Göttin durch eines
Priesters Hand, der im Tempel angestellt war, gefunden. Siehe
derNacht Finsternis breitete sich über die Erde aus, aber der Mond
warf sein Licht auf alle Seiten jenes Buches, und es wurde zu Sr.
Majestät, des ägyptischen Königs x^^y Schatzkammer gebracht*'
Der hier genannte König, der Cheops Herodots, der die grosse
Pyramide gebaut hat, regierte wie bekannt, um 3000 v. Chr. Nim
*8oll nicht behauptet werden, dass diese Berichte streng historisch
sind; indes das beweisen sie doch deutlich, dass die mediciniscben
Papyrusrollen, die wir besitzen, unter welchen mindestens die eine,
nämlich unser Papyrus Ebers, vor 1550 v. Chr. geschrieben ist, nicht
Originale sind, sondern nur Kopieen von älteren Texten. L.
') Wörtlich: was den Menseben betrifft, so sind 12 Ge-
isse in ihm zu seinem Herzen.
^ Eigentlich: ergriffen hat. L.
— 187 —
Wassermelone und seine Finger bepflastern, damit er
gesund werde.
Es sind 2 Gefässe in ihm zu seinem Hinterkopf; es
sind 2 Gefässe in ihm zu seinem Vorderkopf; es sind 2
Gefässe in ihm zq seinem Auge; es sind 2 Gefässe in
ihm zu seiner Augenbraue; es sind 2 Gefässe in ihm zu
seinem Nasenloch; es sind 2 Gefässe in ihm zu seinem
rechten Ohr, und Lebenshauch geht durch sie ein; es sind 2
Gefässe zu seinem linken Ohr und Todeshauch geht durch sie
ein. Sie kommen in ihrer Gesammiheit von seinem Herzen
und vertheilen sich in seine Nase, sich sammelnd in ihrer
Gesammtheit in seinen beiden Hinterbacken. Es entstehen die
Krankheiten des Afters durch sie bei der Ausleerung; sie wer-
den herbeigefährt durch die Schenkelgefässe von Anfang bis
zum Tod.
Lehre vom Gewächs^) im Hals eines Patienten.
Wenn Du dieses im Halse eines Patienten triffst mit Be-
lästigung GIV. der ätut, welche vom sind und Du findest es, als CIV.
wenn es eine Decke darin hätte, es ist weich unter Deinen
Fingern, und es ist etwas darauf wie Eom, so sag Du dazu:
„er hat ein Gewächs') von Fett mit Belästigung der
ätut in seinem Halse (dem Halse des Patienten)." Ich
werde die Krankheit') behandeln. Mach Du dagegen die
Mittel, welche ihr Weggehen veranlassen durch lin-
dernde Mittel:
sa') Kömer, teun-Pflanze, Wespenblut, Rindsgalle, See-
salz, Bohnenmehl
zermahlen und 4 Tage damit bepflastem.
Lehre vom Gewächs*), das in Verbindung mit Be-
lästigung der uxedu (in jedem beliebigen KÖrpertheil
einer Person*) entsteht. >
Wenn Du ein Gewächs*) triffst, das in Verbindung mit
Belästigung der uxedu entstanden ist, Du findest es wie Boh-
nen, kranke Beulen*) entstehen auf seiner Haut, freilich nicht
*) Aegyptisch: hunhunt; Sterns Glossar S. 16. „tumor scrophu-
losus, struma.*'
*) Eigentlich: er ist krank, ich werde (ihn) behandeln.
^ Ebers S. 94 „Natron oder Salpeter**.
^) Am Rande ist hier mit rother Tinte von oben nach unten:
m at nebt n se hinzugefügt
*) Luring S. 36 „offene Geschwüre**.
— 188 —
gross; wenn der Patient krank ist an (Wand)eiter^) innen
in seinem Körper, so sag Du dazu: „er hat ein Gewächs^
deru/edu, das (Wund)eiter entwickelt." Ich werde die Krank-
heit behandeln'). Mach Du dagegen die Mittel, die von
Pusteln*) befreien und Eiter*) ausziehen:
teun- Pflanze, öehui- Beeren, Wespen(blut*)), Seesalz,
Wassermelone, hemit-Körner , Pulver von ämää-Pflanze,
Bohnenmehl, Rinderfett, Wachs
kochen und damit bepflastern, damit er gesund werde.
Lehre vom Gewächs'), das in Verbindung mit Be-
lästigung der ätut, worin Eiter ist, entsteht.
Wenn Du ein Gewächs*) an der Kehle eines Pa-
tienten triffst, das in Verbindung mit Belästigung
der ätut, worin Eiter ist, in einem beliebigen Körper-
theil einer Person entstanden ist, und Du findest seine
Spitze hoch aufgerichtet gleich einer Warze ^), der Eiter bewegt
sich darin, so sag Du dazu: „er hat ein Gewächs*) in
seiner Kehle, der Eiter bewegt sich darin." Ich werde
die Krankheit behandeln'). Mach Du dagegen die Mittel
der Heilung (?)^) durch (folgende) Mittel:
Knoblauch, Palmensaft, öehui-Körner, Kümmel, Seesalz,
Hefe, Bohnenmehl, Beere von sames- Pflanze, Honig,
äber^-Oel
in Eins mischen und 4 Tage lang damit bepflastern, damit er
CV. gesund werde.
Lehre vom Fett-Gewächs*) in seiner Kehle.
Wenn Da ein Fett-Gewächs*) in seiner Kehle
triffst und findest es wie ein Abcess^) des Fleisches,
*) Aegyptisch: tit = Brugsch Wort. VII. S. 1311 ^Absonderung
schmutziger Art, Koth".
^ Cfr. S. 187 Anm. 1.
») Cfr. S. 187 Anm. 2.
*) Aegyptisch; tuau; Brugsch Wort. VII. S. 1313 „Erhebung,
Anschwellung*'.
*) Hier ist wohl aus Versehn senef = Blut ausgelassen.
^Aegyptisch: mened = „Weiberbrust" ; Brugsch Wort. VI.
S. 615.
^) Eigentlich: welche es krank machen, bekämpfen (?).
8) Ein heiliges Salböl,
') Aegyptisch: se^en = Brugsch Wort VII. S. 1109 „Geschwur,
heiss sein" ; cfr. S. 42 Anm. 4.
— 189 —
der unter Deinen Fingern erreicht ist, ^),
so sag Du dazu: „er hat ein Fett-Gewächs*) in seiner Kehle."
Ich werde die Krankheit mit dem Messer behandeln, indem
ich mich vor den Gefassen in Acht nehme. Mach Du da-
gegen ein Pflaster als Heilmittel'), das von Pusteln*)
befreit:
teun- Pflanze, Oehui- Körner, Beere von sames- Pflanze,
Blut vom nehur- Vogel, Wespenblut, sa^*)- Stücke,
Honig, ämamu-Pflanze, Bleivitriol (?), Seesalz
zermahlen, in £ins machen und damit bepflastern.
Lehre vom Eiter-Gewächs') im Halse eines Pa-
tienten.
Wenn Du ein Eiter-Gewächs^ im Halse eines er-
wachsenen Mannes triffst; es bildet eine Erhöhung,
bringt Fleischmassen von Eiter heTvor und dauert
Jahre oder Monate; Eiter (?) tritt daraus hervor wie das
Flüssige von einem behäu^-Fisch oder einem grossen
Scorpion (?), so sag Du dazu: „er hat ein Eiter-Gewächs''').''
Ich werde mit der Krankheit kämpfen. Mach Du dagegen
die Mittel, die Pusteln*) von seinem Halse ziehen:
Wachs, Kuhfett, yet'-Pflanze, Schreibfarbe, teun-Pflanze,
Kümmel, Kupferspähne , Grünspan, Mörtel von yent
(grüner Bleierde (?)), Seesalz, Gänsefett, Beere von
Weihrauch, CoUyrium
kochen und den Hals damit bepflastern.
Lehre vom Gewächs*) der ätut, das viele Tage
gedauert hat.
Wenn Du ein Gewächs') der ätut triffst, das viele Tage
bedauert hat, es ist Schmutz darin, es macht fettige Anschwel-
lungen, und die grössere Hälfte davon ist heiss, so sag Du
dazu: „er hat ein Gewächs') der ätut, das Ansammlungen von
Eiter gemacht hat. Es hat sich Schmutz darin gebildet und er
ist heiss darunter." Ich werde mit der Krankheit kämpfen.
*) Hier fehlt etwas im Text.
3) Cfr. S. 187 Anm. 1.
*) Wortlich: Mach Du dagegen die Mittel, welche es durch ein
Pflaster heilen.
*) Cfr. S. 188 Anm. 4.
*) B rug 8 eh. Wort. VII. S. 1226 , Kuchen aus zusammenge-
pressten Rosinen".
ß) Brugsch. Wort V. S. 443 „Stachelfisch.«
— 190 —
Mach Du dagegen die Mittel, die es heilen, dadurch
dass (folgende) Mittel es vertreiben:
CVI. Getrocknetes Blut, Kümmel, Oel, Zwiebeln (?), Harz
von Acanthus, Früchte und Nüsse von Acanthus^), See-
zunge-Körner, Kupferkohle
zu einer Kugel machen.
Lehre vom Tumor des Fleisches in jedem beliebigen
Korpertheil einer Person.
Wenn Du einen Tumor des Fleisches in einem beliebigen
Korpertheil einer Person triffst und Du findest ihn wie Haut an
seinem Fleisch; er ist feucht, er geht und kommt') unter Deinen
Fingern, ausgenommen (die Finger) werden ruhig gehalten'),
denn die Bewegung entsteht dadurch (durch die Finger); so
sag Du dazu: „es ist ein Tumor des Fleisches.^ Ich werde
die Krankheit behandeln, indem ich versuche es mit Feuer zu
heilen, wie der sa-hemem*) heilt.
Lehre vom Haut-Tumor (bekleideten Tumor) an
dem ä^assersten Punkt seines Leibes.
Wenn Du einen Haut-Tumor (bekleideten Tunrar) an dem
äussersten Punkt seines Leibes oberhalb seines Geschlechts-
organes ^) triffst, so leg Deinen Finger darauf, untersuche seinen
Leib und palpire mit Deinen Fingern; lässt Du seine Speise
entleert werden und es geschieht in Verbindung mit Uebelkeit
von ihm, so sag Du dazu: „es ist ein Haut-Tumor seines
Leibes.** Ich werde die Krankheit behandeln durch Hitze auf
die Blase vom in seinem Leib, was bewirkt dass (wodurch) er
(der Tumor) auf die Erde föilt; ist er so abgetrennt, so mach
Du ihn warm, um gegen seinen Leib durchzustechen®); heile
Du es wie der sa-hemem*) heilt.
Lehre vom Tumor am untern Theil seines Leibes.
Wenn Du einen solchen am untern Theil seines Leibes triffst,
Wasser seines Leibes fliesst hervor, so sag Du dazu: „es ist
Mangel an Lebenswirksamkeit ^) im untern Theil seines Leibes."
0 qaa = Nüsse ist nachträglich mit rother Dinte eingefügt
') D. h. er bewegt sich.
^ Sterns Glossar S. 23: „et est sine quiete, qua re motus fit*'.
*) Metall mann; Luring S. 55 „Ausbrennung mittelst eines
glühenden Metallstabes*.
^) Oder Nabels.
^ Die Uebersetzung ist ganz unsicher!
^) Wörtlich: Mangel des obern (Leben8)hauches.
— 191 ~-
Ich werde die Krankheit durch Hitze auf die Blase hehandeln;
wenn Du dies gethan hast, behandle es mit einem Kupfer-
instrument (?); es (soll) nicht auf das mesantef^) dringen; heile
Du es wie der sa-hemem*) heilt.
Lehre vom Tumor, der den met') ergreift*).
Wenn Du einen Tumor, der ein met ergriffen hat, triffst,
er hat einen Tumor an seinem Leib gebildet; wenn Dein Finger
es untersucht und es ist wie ein (harter) Stein unter Deinen
Fingern, es ist verhärtet (?) , so sag Du dazu: „es ist ein
Tumor des met*)." Ich werde die Krankheit mit dem Messer
behandeln. Bepflastere es mit Fett, CVII, behandle es wie man CVII.
eiternde Wunden in jedem beliebigen KÖrpertheil einer Person
behandelt.
Lehre vom Fett-Tumor. *
Wenn Du einen Fett- Tumor in einem beliebigen KÖrper-
theil einer Person triffst und findest, dass es unter Deinen Fin-
gern geht und kommt ^), indem es zittert, (auch wenn) Deine
Hand still ist, so sag Du dazu: „es ist ein Fett-Tumor." Ich
werde die Krankheit behandeln. Behandle Du ihn (den Tu-
mor) mit dem Messer, behandelt, wie man offene Wunden heilt.
Lehre vom Tumor des sa-Gliedes.
Wenn Du einen Tumor des sa-Gliedes in einem beliebigen
KÖrpertheil einer Person triffst und findest davon einen oder
mehrere, indem er wie seine Fleischhaut ist, die unter Deinen
Fingern wächst, wenn er (auch) nicht gross ist; er nimmt zu
und wird schlimmer in seinem Fleisch, so sag Du dazu: „es
ist ein Tumor des sa-Gliedes." Ich werde die Krankheit behan-
deln. Behandle sie mit dem Messer, behandelt, wie man
offene Wunden in jedem beliebigen KÖrpertheil einer Person heilt.
Lehre vom Eiter-Tumor.
Wenn Du einen Eiter- Tumor in einem beliebigen Glied
einer Person triffst und findest die Spitze davon erhöht, be-
grenzt und mit rundlicher Form, so sag Du dazu: „es ist
ein Eiter-Tumor, der in seinem Fleisch umläuft." Ich werde die
*) Aegyptisch: mesäntef nach Luring S. 67 „Samenleiter";
ich denke an den Ureter.
») Cfr. S. 190 Anm. 4.
») Cfr. S. 136 Anm. 2.
♦) Aegyptisch: sefet; der Stamm sef nach Brugsch Wort VII.
1045 „sich ergiessen, reiben, abschaben".
*) D. h. er bewegt sich.
— 192 -
Krankheit mit dem Messer behandeln. Es ist etwas wie Milch-
saft darin, danach kommt etwas (HSssliches) heraus wie Wachs,
es 1st sackförmig'); wenn etwas in seinem Sacke übrig bleibt,
so rollt es hemm.
Lehre vom Haar-Tumor.
Wenn Da einen Haar-Tamor triffst und findest ihn mit
rundlicher Form, erweicht, und seine Substanz wftchst; ich
werde die Krankheit mit dem Messer behandeln; es sieht aus
wie ein £iter-Tumor mit Knötchen*).
Lehre vom Tumor der nxedn.
Wenn Du einen Tumor der uxedu im Kopf triffst, *)
und findest, dass er Flüssigkeit producirt, dass er unter Deinen
Fingern, die ruhig gehalten werden, gewachsen ist, und dass er
eiVeicht ist, wenn er (auch) nicht gross ist, so sag Du dazu*.
„es ist ein Tumor der uxedu im Kopf ').*' Ich werde
die Krankheit behandeln. Behandle sie mit dem Messer,
aber pass auf, dass Du das Ge&s meidest. Es fliesst etwas
CVIll. daraus wie Kuchenwasser; es ist eine zottige Hülle darauf (fest-
gebunden); lass nicht etwas davon darin zurück, lass es nicht
herumlaufen; heile es sowie man eine off^ene Wunde heilt in
jedem Körpertheil einer Person (durch) Umhüllen und Heilen
der metu^); die Flecken, die eine Person bekommt, lassen es
aufschwellen und vertreiben es nachher').
Lehre vom Tumor der motu*).
Wenn Du einen Tumor der motu in irgend einem belie-
bigen Körpertheil einer Person triffst und findest ihn von rund-
licher Form, unter Deinen Fingern im Gehen gewachsen und
gegen sein Fleisch ausgebreitet^); er ist nicht gross und hebt
sich nicht, so sag Du dazu: „es ist ein Tumor des met^).^
Ich werde die Krankheit behandeln. Die motu ^) bewirken es,
und sie wird dann dabei zum Stich um den met^). Behandle
Du ihn mit dem Messer und brenne aus mit Feuer, dass
es nicht stark blutet. Heile Du es wie der sa-hemem^) heilt.
*) Aegyptisch: temamut; Brugsch Wort VII. S. 1328: „sack-
förmige Umhüllung'': Lieblein: „es ist zottig".
^ Luring S. 56.
') Unsichere Stelle.
*) Cfr. S. 136 Anm. 2.
^) Die Uebersetzung ist nicht ganz sicher.
^ Aegyptisch: fur; Brugsch Wort. V. S. 511 „schwanger sein,
fruchtbar sein*.
0 Cfr. S. 190 Anm. 4.
— 193 —
Lehre vom Tumor der metu^).
Wenn Du einen Tumor der metu *) im Innern irgend eines
Gliedes triffst, er wächst und (Du) siehst, dass er sich in
Schlängeleien windet, indem er viele Erhöhungen macht, und
diese sind wie Dinge vom Winde bewegt; so sag Du dazu:
„es ist ein Tumor der metu ^).'' Nicht stosse Du einen Stoss*)
abermals, (denn) dieses sticht das Glied durch seinen Stoss.
Mach Du und pflege die metu^) in jedem beliebigen Glied
einer Person.
Seine Zauberworte sind in Wahrheit:
')
Zu sprechen viermal des^Morgens.
Lehre vom Tumor des Gottes x^nsu.
Wenn Du einen grossen Tumor des Gottes yensa in einem
beliebigen Glied einer Person triffst, er ist widrig und lässt
viele Pusteln hervortreten; es entsteht etwas darin wie wenn
Wind darin wäre, er bewirkt Stiche; der Tumor, er ruft mit
lauter Stimme zu Dir: ist er nicht wie die widerlichste der
Pusteln? er CIX. macht (die Haut) bunt und macht Figuren, CIX.
alle Glieder sind wie die, welche belastet sind. Sag Du dazu:
„es ist ein Tumor des Gottes yensn,^ Thu Du gamichts da-
gegen *).
Lehre von den Pusteln in jedem Glied einer Person.
Wenn Du den Pustel-Tumor*) in einem beliebigen Glied
einer Person triffst; Du lässt ihn bestreichen und findest, dass
er gellt und kommt ^) und das Fleisch, das darunter ist, über-
zieht, so sag Du dazu: „eine Eiterung der Pusteln"'). Brauch
Du dagegen das Messer, durchbohre mit dem Messer, bearbeite
mit dem hennuh-Thier, bearbeite das, was im Innern desselben
ist, mit dem hennuh-Thier; schneide Du ihn mit dem Messer,
») Cfr. 's. 136 Anm. 2.
^ Das Wort ä kann auch die Bedeutung ^Stoss, coup** haben;
cfr. Maspero in Pierrets Vocabulaire S. 60. Die Bedeutung ist
vielleicht: mach keine neue Operation. L.
^ Diese Zauberworte sind dunkel; es soll deshalb eine üeber-
setzung unterbleiben; überhaupt haben ja derartige Formeln wohl
kaum einen für uns fasslichen Sinn. L.
*) Hier ist mit schwarzer Dinte „res** eingeschoben.
^) Hier fehlt das Determinativ.
*) D. h. er bewegt sich.
^ Brugsch WörtVIL S. 1377 ,dass der Ausbruch der Pocken
eingetreten ist".
Joachim, Aegjrptiscbe Heilkunde. 13
— 194 —
es ist Grosses darin, es ist etwas darin wie menter der Maus;
schneide es uaat*), führe herbei diese aderu, die auf seiner
Seite sind, bedecke den Körper mit sas (Schnitten?), bearbeite
mit 1 hennu-Gef&ss Ton Zwiebehi *).
Lehre vom sefet') in jedem Glied.
Wenn Du ein sefet*) des met*) in irgend einem Glied triffst
und findest es fernes ') in rundlicher Form mit sex ^) von Holz
in Folge von Verletzungen^) von allerhand Dingen in jedem Glied,
es macht 7 Erhöhungen, so sag Du dazu: „es ist ein sefet')
des met, eine Verletzung des Gefässes hat es bewirkt.** Be-
handle Du es mit dem Messer, bestehend aus einer Binse,
die zum Messer gemacht ist (?) ^). Wenn es gross ist und
blutet, so brenne Du es mit Feuer und heile es, wie der sa-
hemem^ heilt.
Wenn Du im Innern eines beliebigen Gliedes
viele Schlängeleien und Hindernisse ^°) beim Athmen
findest, so ist es eine Verunreinigung des met*);
nicht stosse Du einen Stoss abermals ^^). Alles dieses ist der
Kopf zu der Erde (gewendet)*').
Lehre von den Pusteln des Schnittes des Gottes
^ensu.
Wenn Du die Pusteln, des Schnittes des Gottes x^nsu in
irgend einem Glied einer Person triffst und findest seinen obem
Theil richtig und seinen untern Theil in Ordnung, seine beiden
CX. Augen sind grün und abgemattet, CX., sein Fleisch ist darunter
(dabei) brennend oder kämpfend"), es ist (wie) eine Quetschung
0 Vielleicht „los?«; cfr. Brugsch Wort V. S. 300 „loslösen*'.
*) Die Uebersetzung ist unsicher!
') Zu ergänzen des met; nach Brugsch „hinschmelzen, zerrei-
ben''; vielleicht: „Lehre vom Hinschmelzen (zerfressen werden) des
met in jedem Glied".
♦) Cfr. S. 136 Anm. 2.
*) Die Uebersetzung ist zweifelhaft; Brugsch Wort. IV. S. 1584
„Tafel, auf der man schreibt"; Sterns Glossar S. 50 „coustituere" ?
«) Aegyptisch: sex; Brugsch Wörterb. III. S. 1286 „Wunde,
Schlag«.
T) Aegyptisch: seqeru; Brugsch Wort. VII. S. 1139 „Schläge''.
^) Die Uebersetzung ist unsicher 1
») Cfr. S. 190 Anm. 4.
^®) Die Uebersetzung ist unsicher!
") Cfr. S. 193 Anm. 2.
'») „Verkündet den Tod?" L.
^^ „Aufgezehrt?"
— 195 —
and Du findest in seinen beiden Achseln, in seinen beiden
Armen, in seinen beiden Hüften und in seinen beiden Beinen
£iter (darin), dann mach gar nichts dagegen. Aber wenn Du
dieselbe findest wie ein oder die andre Wnndkniste nach
Quetschung an der Brust, an den Papillen, an jedem beliebigen
Glied, und es geht und kommt ^) und fliesst unter Deinem Finger
und sondert Flüssigkeit auf der Oberfläche ab, so sag Du da-
zu: „es ist auf der Hand (es ist offenbar).^ Mach Du ihm
folgende Mittel es zu vertreiben:
Wespenexcremente, Weizenmehl, Natron, Mehl von pe-
sen^, Bohnen, Collyrium, Oel, giessen in ämamu-Samen,
nicht Wasser darauf thun, die Mittel zur Heilung brauchen.
') D. h. bewegt sich.
^ Brugsch Wort. VI. S. 489 „Leinsamen?«
13
r.
Aal 132.
Abführen 6 7 8 40.
Abführmittel 3 18 22 73.
Abhandlung 185.
Abscess 188.
Absyuth 3 5 6 9 12 13 17 19
20 21 24 26 29 33 37 41
42 43 44 61 126 128 120
133 142 149 161 186.
Acanthus.
Dornen desselben 109.
Fibern desselben 21.
Frucht desselben 21 190.
Harz desselben 11 14 18 21
22 27 28 34 39 45 51 55
74 78 83 92 96 97 111 117
118 119 120 132 133 141
146 155 157 166 169 175
176 190.
Stab desselben 179.
Teig desselben 133.
Achsel 195.
Ackerbauers Harn 186.
After (cfr. Anus) 6 35 41 43 45
49 50 182 183 186 187.
Alabaster 65 90 115 155 157
158 168.
Albugo 85 87 92 96.
Aloe 30 35 64 112 118 119 122
133 142 150 152 180. .
Alopecie 168.
Alraunen 16 44 126 140 145 149
155.
Alter 43 183.
Amme 68.
Anethum graveolens L. 62 142.
Anschwellungen 186 189.
Antilope.
Fett derselben 30.
Excremente derselben 83.
Auubis 185.
Anus (cfr. After) 28 29 30 31
32 33 34 40 66 170.
Arm 41 42 43 154 169 180 181
186 195.
Arzt 33 40 49 113 180.
Ascaris lumbricoides (cfr. Ein-
leitung) 11 13 14 105.
Ascites 5.
Asthmatisch 44.
Atherom 94 169.
Athmen, Hindernisse dabei 194.
Auge 42 43 81 82 83 84 85 86
87 88 89 90 91 92 93 94
95 96 97 98 99 100 101 163
181 182 186 187 194.
-Brauen 97 105 187.
-Rand 88.
-Salbe 98.
Augenblicksmittel 46 78.
Ausfluss (von einer Wunde) 115
116 117 118.
Ausleoningen 6 9 44 47 65 174
187.
B.
Backenknochen 181.
Balggeschwulst 94 169.
Bauch 183.
— 197 -
Bauernöl 152.
Baumfibera (?) 124.
Baumöl 9 23 26 30 31 52 64 66
76 79 99 100 107 112 115
117 119 130 133 140 152
156 157 162 166 167 168
170 177 178.
Baumwolle 110 113 Üb 117 118
124.
Beängstigung (im Herzen) 183.
Becher 70.
Bein 32 131 178 180 195.
Beischlaf 178.
Bergsalz 146.
Beschwörung 12 63 89 113 168
173 178.
Beulen (kranke) 187.
Bier 2 3 6 12 13 14 15 36 42
43 44 51 62 68 69 75 76
78 127 129 186.
Abgestandenes Bier 40.
Ausgegohrenes (Bitter, star-
kes) Bier 13 21.
Hefe davon 171 174.
Schaum davon 168.
Hefe von Bier 7 32 77 124 153.
Kühles Bier 5.
Schaum von Bier 29 121 140
171.
Spülicht von Bier 67.
Süsses Bier 2 4 5 6 8 11
12 15 16 17 18 19 20 28
29 32 35 39 42 46 47 49
50 52 53 58 66 68 69 71
72 74 75 78 79 81 108 109
131 137 149 161 162 163
169 170 177.
Hefe davon 45 119 125 131
132 139 145 151.
Schaum davon 8 39.
Binse 80 194.
Biss 101 102.
Bitterkeit des Herzens 182 183.
Blase 29 66 117 121 174 182
190 191.
Blei 126.
Grüne Bleierde 9 10 19 25
26 27 30 33 48 51 54 56
57 58 60 64 68 69 70 71
74 80 82 84 85 94 95 96
97 98 101 108 120 128 133
134 135 137 138 139 146
149 154 155 161 162 169
171 173 175 189.
Bleivitriol 7 17 18 19 20
22 23 24 80 83 84 86 103
104 134 189.
Blindheit 87 93 99.
Blut 44 51 81 82 85 86 92 93
104 105 115 128 130 158
159 160 162 167 173 177
181 182 183 184 190.
Ansammlung davon 183.
-Ausleerungen 10.
-Säckchen (Furunkel) 129.
Bohne 7 23 28 33 50 60 67 77
115 118 123 128 139 144 145
148 150 155 161 187 188 195.
Brandwunde 49 75 109 110 111
112 113.
Grau werden derselben 113.
Weiss werden derselben 114.
Brechen 41 43 46 75 76 78.
Brei 29 32 55 59 70 76 123 157
158 164 165.
Brennen am Anus 30 32 33 39.
Brod (cfr. Kuchen) 8 10 40 48
73 77 78.
Frisches Brod 17 19 29 32
80 81 154.
Geröstetes Brod 71 72.
-Mehl 10 156.
-Teig 3 4 9 10 18 21 22 26
28 46 51 54 57 79 108 109
122 124 137 155 161 162.
Wohlriechendes Brod 165
166 178.
Brust 41 43 183 184 186 195.
Brust (Mamma) 41 68 173 174
178 188.
Buch 65 81 180 185.
Byblos (Stadt in Phönicien) 88 99.
C
Calamus 79 101 180.
Carthamus lanatus L. 124.
Cederbaum 59 64 74 111 120 126
129 133 142 145 149 151
152 153 164 170 173 177.
— 198 —
Charpie 31 166 167 170 177.
Cheops 186.
Chiragra 135.
Chlorosis aegyptiaca (cfr. Einlei-
tung) 13 21 29 36 38 54 55
56 57 58 59.
Colchites 184.
Colly rium 19 25 30 33 65 74 82
83 84 85 86 87 89 90 91 94
95 96 97 98 99 100 101 107
114 118 122 141 142 152
154 156 160 177 189 195.
Männliches C. 87 95.
Convulsionen 46.
Coracias garrula (ein Vogel) 179.
Coriander 5 31 36 37 45 55 58
59 60 61 62 117 136 141
142 143 145 150.
Coryza 165.
Crocus 23 31 38 45 50 55 56
57 58 67 69 72 81 85 88 111
114 122 129 132 138143149
150 151 1.54 162 164 176.
Cucumis melo 54 67 137.
Cyperus 5 6 17 22 31 36 42 46
54 57 66 68 69 70 83 93 107
110113122 123 124 128 129
130 133 139 141 142 146 147
150 151 157 165 176 180.
Knollen Ton C. 12 22 39 59
124 149.
D.
Dampf 78 79 171.
Darmkanal 41 43.
Datteln 5 9 13 21 31 33 36 38
39 65 72 76 81 99 123 145
164 165 169.
Abfall yon D. 20 21 40 49
66 76 106 122 125.
Frische (grüne) D. 3 14 54
55 66 67 70 99 140 162
174 175 186.
Körner von D. 17.
Mehl Yon D. 11 19 28 35 53
71 76 77 129 152 163.
Saft TonD. 114 123 125 128
129 131 145 148 151 152
158 164 165 172.
Datteln. Teig Toh D. 22.
Wein von D. 60.
Decke 187.
Dumpalme 13 21 23 26 27 28
37 45 46 47 48 52 53 57
58 77 78 92 107 125 127
135 136 139 145 148 150
153 156 160 165 176.
Dunkelheit (in den Augen) 97.
Durra 8 11 21 23 28 31 34 37
39 59 99 109 110 112 114
115 116 117 118 122 124
126 128 136 141 142 151
154 156 160 165 178 179 180.
E.
Ebenholz 85 96 98.
Eczem im Kopf 156.
Eidechse 106 107 180.
Blut ders. 100.
Excrepiente ders. 90 100.
Eingeweide 48 49.
Eisen 90 168.
Eiter 44 93 129 159 167 188
189 193 195.
Eiterfluss (im Auge) 89 91
93.
Eitergewächs 189.
Eitertumor 191.
Ekel (des Herzens) 182 183 184.
Elfenbein 116 117.
Endivia 129.
Engbrüstigkeit 183.
Enten 49.
Entzündung 29 33 37 40 51 66
176 178 182 186.
Erde. Blnthen ders. 23.
Oel ders. (Petroleum (?)) 168
170.
Weisse Erde 170.
Erhebung (des Herzens) 183.
Erwachsene Person 66 189.
Esel. Blut dess. 100.
Fett dess. 62 153.
Klauen dess. 23 105 106.
Kopf dess. 23.
Koth dess. 139 148 153 159.
Leber dess. 106.
Milch dess. 21 125 157 176.
199
Esel. Ohr dess. 168.
Samen dess. 81.
Talg dess. 88.
Testikel dess. 164.
Zahn dess. 88 107.
Excremento 7 42 43 49 62 85
127 171 180 182.
F.
Falke 105 179.
Fasser (Name eines Ge^ses) 181.
Feigen 2 4 8 9 10 18 19 20 27
29 30 32 37 39 46 51 52
. 55 56 57 58 70 71 72 74
75 78 79 81 108 109 135
136 137 148 163 169.
Fenchel 18 23 24 122 132 146
162 163 172 177.
Festuca 125.
Fett 15 26 31 34 63 64 74 76
77 79 86 98 101 102 112
113 115 116 117 118 129
132 134 138 142 145 156
159 183 184 187 191.
F.-Gewächs 188 189.
F.-Schichten am Herzen 183.
F.-Tumor 191.
Feuchtigkeit 171 182.
Feuer 51 113 177 178 182 184
190 192 194.
Fieber. Gott des F. 88 93.
F.-Hitze 53 183.
Figur 168 193.
Filaria medinensis 134.
Finger 135 171 180 182 186 187
189 190 191 192 195.
Finsternis 184.
Fisch, a b d u - F. (Flösselhecht) 96
104.
änt-F. 119 179.
adu-F. 144.
b e h &u - F. (Stachelfisch, Krebs)
61 105 189.
vrd-F. (Schwertfisch) 61 178.
Leim von F. 186.
mehit-F. 170.
nar-F. (Wels) 27 139 144 169.
Gel Yon F. 156.
Rother F. 61.
Fisch. temt-F. 119.
fedeb^.F. ^Zitteraal) 75.
Flachs 167.
Fladen 77.
Flasche 68 134.
Flecken (maculae) 192.
Fledermaus 130.
Blut derselben 100.
Fleisch 24 70 72 79 80 101 102
118 121 130 138 144 146
157 159 162 182 185 186
188 190 191 192 193 194.
Fl.-Haut 191.
Fl.-Massen 189.
Flöhe 162 163.
Flüssigkeit 167 192 195.
Fluor albus 173.
Flussstrand. Stein davon 60.
Foenum graecum 111.
Frau (cfr. Weib) 49 62 105 107
108 169 170 171 172 178
180.
Milch ders. 7 127.
Fressen des Blutes 128 162 174.
Frosch 75.
Furunkel 129.
Fuss 47 49 113 123 131 132 133
173 182 185.
-Schweiss 132.
-Sohle 49 182.
Galmei 89 90 94 138 173.
Gangrän 111.
Gans. Blut ders. 160.
Ei ders. 31 151.
Eingeweide ders. 31.
Gel ders. 77 80 124 146.
Schmalz (Fett) ders. 2 7 8
14 18 20 22 28 29 31 32
51 52 53 60 63 66 67 71
79 82 89 92 93 94 95 98
150 154 165 166 169 189.
Garten 179.
Gazelle. Excremente ders. 107
179.
Fett ders. 119.
Hirn ders. 101.
Ohr ders. 166.
— 200 —
Gebärmutter 170.
Geftsse 181 182 183 186 187
189 192 194.
Geheimbuch 180.
Geheimnis 49.
Gehirnwasser 106.
Geier. Blut dess. 160.
£i dess. 96.
Feder dess. 83.
Gelenke 143.
Genick 73,
Geruch 180.
Geschlechtsorgane (Genitalien) 44
159 170 172 190.
Geschwülste 174.
Geschwür 44 125 126 156 167.
Offene G. 187.
Ohr-G. 167.
Zahn-G. 162.
Gesicht 49 50 95 157 158 179.
Gesundheits-Körner 174.
-Salbe 138.
Getreide 52 156.
Gewächs 187 188.
Eiter-G. 189.
Fett-G. 188 189.
Gingiva 161.
Gottes -Koth 135.
-Kraut 101.
Granatapfelbaum 11 13
Granit 92 115 120 158 160.
Granulation (im Auge) 86 99 101.
Grind im Kopf 156.
Grünspan 4 7 8 11 12 50;54 82
83 85 86 91 92 93 94 95
97 98 99 100 111 118 133
136 161 189.
Kupfer-G. 89 90 135 160.
Salbe davon 132.
Grünstein 96 166.
Grütze 9 10 29 32 41 61 68 69
142 151.
Gummi 22 48 54 105 110.
H.
Haar 62 99 100 101 104 105
106 107 108 181.
H.-Tumor 192.
H.-Wuchs 106 107.
Halm 113.
Hals 73 117 130 186 187 189.
Hand 180 182 191.
Greif meine Hand, Fass
meine Hand-Kraut 35.
H.-Mittel 56 58.
H.-Oeffnung des Priesters
182 184.
Hauch 181 182 184.
H. des Lebens 181 187.
H. des Todes 181 187.
Haus 179 180.
Haut 187 190 193.
H.-Farbe 157.
H.. Flecken 27.
H.-Tumor 190.
Hefe 7 11 12 19 38 67 77 78
109 147 151 160 170 188.
H. von ausgegohrenem
Bier 171 174.
H. von Bier 7 32 77 124 153.
H. von süssem Bier 45 119
125 131 132 139 145 15i:
H. von Wein 34 129 144
148.
Heliopolis (Stadt in Ünter-Aegyp-
ten) 1 2.
Helxine 151.
Hemd 105 114.
Hepatitis superficialis 161.
Hermes (Thoth) 1 165.
Herz 40 43 44 48 49 53 54 56
57 70 180 181 182 183 184
185 186 187.
Heuschrecken 131.
Himmel. Wasser vom Regen
dess. 133.
Hinterbacken 187.
Hinterkopf 167 180 181.
Hintern 151 155 171.
Hirsch -Blut 100.
-Horn 64.
-Kalb 105.
Hitzblattem 27.
Hitze 86 88 89 90 181 184 190
191.
Hoden 182.
Holz(pulver), fauliges 64 82 85
87 89 91 94 96 97 98 99
101 136.
— 201 —
Honig 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 19 20 22 24
25 26 27 28 29 30 31 32
33 34 35 36 37 38 41 42
44 45 47 48 51 52 53 54
55 56 57 58 59 61 62 63
eß 67 69 70 72 75 77 78
81 82 83 84 85 86 87 88
89 90 91 92 93 94 95 97
98 99 100 101 102 105 107
112 114 115 116 117 118
119 120 121 122 123 127
130 131 132 134 135 138
139 140 141 142 143 144
145 147 148 149 151 152
153 154 155 156 157 158
159 161 163 165 167 168
169 170 172 176 177 180
186 188 189.
Horn 49 64 105.
Uonis 1 2 93 113 179.
Hüften 195.
Hahneraugen 133.
Hülse 4.
Hunde-Blut 100.
-Haut (Fell) 136.
-Koth 126 127.
-Vulva 105.
-Zehen 106.
Hyoscyamus 108.
J.
Jahr 189.
Jaspis 170 177.
Jbex nubiana. Fett davon 74
106 111 112 116 117 138
139 140 145 150.
Jbis 171.
Jgel 168.
Jmpetigo 120.
Jndigo 21 157.
Jochbein 181.
Jsis 1 2 61 174.
Jucken 122 123 128 145 174.
Junge 68.
Jungfrau 173.
Käfer. Schale dess. 173.
Kahlkopf 106.
Kalb 104.
Kanal 132.
Kapsel 4.
Kasserolle 75 77 78.
Katzen-Fett 106 179.
-Haar 110.
-Koth (Excremente) 50 52
111 113 126 127.
-Oel 136 144.
-Uterus 104.
Kaulquappe 105.
Kaumittel 161.
Kehle 104 105 188 189.
Kessel 50 76.
Kieselstein 161.
Kind 65 67 68 85 169 172 178.
Klagelied 179.
Kleider 180 183.
Klümpchen 49.
Klystirspritze 48.
Knie 133 134 135 141.
Knoblauch 33 42 43 65 72 80
101 116 134 135 138 144
145 146 150 172 175 176
177 179 188.
Knochen 138 165.
Knöchel (Malleolus) 130.
Knoten (Knötchen) 152 192.
Kohle 123 144 171 179.
Kolik 29.
Kopf 49 61 62 63 64 65 73 74
88 94 104 105 106 107 108
156 165 168 177 180 181
192 194.
Hinter-K. 167 180 181 187.
K.-Schmerzen 62 63.
Schwäche in dems. 102.
Schwindel 63.
Vorder-K. 187.
Korn 187.
Koth 73 105.
Krankheit 2 8 9 13 14 20 26
38 39 40 4143 53 59 60 61
65 75 130 131 132 154 155
163 164 181 182 183 184
186 187 188 189 190 191 192.
— 202 —
Kräuter des Feldes 3 4 5 6 7 8
15 16 18 19 20 22 25 28
29 31 32 35 52 53 75 77
-80 81 103 121 126 146.
Kräutersäckchen 171.
Kreuzgegend 40.
Krokodil 87.
Kr.-Biss 102.
Kr.-Erde 81 91 97 103 104
105 120.
Kr.- Fett 106.
Kr.-Koth 84.
Kr.-Oel 144.
Kr.-Weihrauch 111.
Kuchen 7 10 11 15 16 18 26 36
51 53 56 57 64 68 69 108
110 111 113 120 127 141
157 158 162 192.
Kümmel 2 4 6 16 17 18 20 23
30 35 37 38 39 57 63 64
70 74 75 78 79 81 103 112
123 135 137 138 152 154
161 166 168 178 188 189
190.
Kugel 4 6 30 31 33 35 44 70
73 106 130 134 156 166
172 173 179 190.
Kügelchen 9 180.
Kuh-Blut 100 105.
-Fett 110 116 118 130 131
133 135 138 140 141 142
189
-Fleisch 17 116 131 138 140
141.
-Galle 15 25 140 178.
-Hirn 24 114 173.
-Horn 30 34 104 175.
-Leber 67 86.
-Milch 4 5 27 76 77 115 154
162 166 175 176 178.
-Milz 131 145 147.
-Talg 131.
Kupfer-Grünspan 89 90 135
160.
-Instrument 191.
-Kohle 190.
-Schlacken 155.
-Feilspähne 110 111 138 139
189.
Kyphi 1*80.
Lactuca 9 13 14 17 76 106 118
131 132 139 147 148 163.
Lähmung der Augenmuskeln 99.
Lapis lazuli 91 94 95.
Lapis memphites 18 19 22 23
102 103.
Läuse 162 163.
Lebenshauch 181 187.
Leber 40 108 181 182.
L.-Leiden 40.
Leder des Schumachers 136.
Lehm 149.
Mauer-L. 45 64 114 125.
Thor-L. 122 125.
Leib 2 4 5 6 7 8 9 11 13 14
16 17 18 19 20 21 22 28
35 36 38 39 40 44 46 47
48 49 54 55 56 58 62 65
73 75 78 85 170 171 172
173 174 177 181 184 190
191.
Lein-Pflanze 38 102 141 146 147
160 168.
Lein-Samen 23 59 70 106 114
128 149 164.
Leinwand 28 115 177.
L.-Sack 76.
Leiste 73.
Lepra (?) 119.
Letopolis 185.
Linderungsmittel 47 48 187.
Linnen 123 167.
Loch 179.
Lotus 50 55 64 73 108.
Löwe 106.
Lucifer 170.
Luft 182.
Mädchen 68.
Magen 44 48 49 180 184.
Md 169.
Mamma 41 117.
Mann 105.
Mastdarm 5 8 39 181 182 184.
Mastix 180.
Materie (übelriechende) 166 167.
— 203 —
Mattigkeit 131 184.
Mauer-Kohle 60 144.
-Lehm 45 64 114 125.
-Ziegel 60.
Maulbeerbaum 145.
Maulwurf 100 159 160.
Maus 179.
menter (Ohr(?)) ders. 194.
Oel ders. 144.
M.-Sch wan z- Pflanze 34.
Mennige 15 17 20 25 52 82 85
86 87 90 96 97 98 99 101
102 103 104 110 113 114
116 134 135 139 146 149
158 159 166 168.
Mensch 186.
M.-Biss 101.
M.-Excremente 119 171.
M.-Hirn 94.
M.-ter (?) 140.
Menstruation 173 176 177.
Mentha montana 23 64 103 104
149 150 153 164.
Messer 113 167 168 189 191 192
193 194.
M.-Stein 90 97 101 138 148
160.
M.-Trägerkrankheit 45.
Metallmann 190 191 192 194.
Migräne 62.
Milch (frische M.) 2 3 5 9 13 16
22 28 31 38 42 46 51 53
60 67 76 77 85 91 92 93
95 96 101 108 115 120 121
122 123 124 125 126 135
150 154 155 156 157 158
159 171 176 178 186.
Abgekochte M. 33 76.
Esels M. 21 125 157 176.
M. einer Frau, die einen Kna-
ben geboren hat 23 89 92
96 97 113 126 140 165 166.
Menschen M. 125 158 160
171 178.
M.-Saft 192.
Saure M. 17 52 757687 123
128 130 151 157 163 173.
Sycomoren M. 113 114 125
167.
Verdorbene M. 170.
Milz 140 160 182.
Mischtrank 76.
Mörtel von grüner Bleierde 189.
Mohnpflanze 25 169.
Monat 105 189.
Mouches volantes 83.
Mund 26 40 41 43 44 45 70 79
113 180 181 184.
M.-Pillen 180.
Myrrhen 30 31 33 35 45 50 64
74 82 83 89 91 100 103
112 118 120 124 138 141
142 143 144 146 156 160
171.
Süsse M. 20 23 24 28 112
142 144 150.
Trockne M. 19 23 87 93 94
98 129 132 133 152 180.
Nabel 182 190.
Nacken 73 74 88 117.
Nacht 169.
Nagethiere 179.
Nase 42 43 98 165 166 181
187
N.-Loch 181 187.
Nasturtium 18 26 39 70 71 108
109 137 155.
Natron 15 20 22 24 25 26 35
36 60 61 84 85 96 98 119
120 121 122 123 124 125
128 129 132 134 135 138
139 140 144 146 147 148
151 153 157 159 179 186
195.
Nebel 96.
Niere 182.
Nil 44 48 113 124.
Nilpferd -Fett 106 107 108.
-Haut 103.
-Klauen 118.
-Oel 24 103 144 150 156.
Nilschlamm 81 91 97 103 104
105 120.
Nordpflanze 83.
— 204 —
0.
Ochsen-Fett 45 77 78.
-Fleisch 42 43.
-Galle 33.
Oel 3 4 8 9 11 20 23 24 25 26
30 31 34 36 38 41 42 44
45 47 48 59 60 61 62 63
65 67 75 76 79 80 82 84
101 103 104 105 106 107
108 109 110 111 112 113
114 115 116 117 118 120
121 123 124 125 126 128
129 130 132 134 135 138
141 144 148 149 152 153
154 155 157 159 160 163
166 167 168 170 172 173
175 176 178 190 195.
Klares (reines) Oel 22 23 83.
Trockenes Oel 177.
Weisses Oel 17 139 146 150
175.
Ohr 87 166 167 181 187.
Opium 33 106 139.
Osiris 2 93 128.
P.
Palm-Fasern 110 113.
-Saft 188.
-Wein 102 120.
Papillen 195.
Papyruspflanze 27 67 83 93 1 10
111 147 163 168.
Petroleum 15 168 170.
Pfanne 105.
Pfefferminz 14 16 21 38 41 43
45 74 78 153 165 171 172
173 176.
Pflaster 9 14 25 27 28 37 38 45
50 52 75 92 101 102 107
109 110 111 112 113 114
115 116 117 118 119 120
121 122 123 124 125 126
127 128 129 130 131 132
133 134 135 136 138 139
140 141 142 143 144 145
146 147 148 149 150 189.
Phallus 67 107 169.
Pille 3 9 15 68 87 151 180.
Pistacia terebinthus 21 27 38
55 157 169.
Pistia stratiotes L. 73 165.
Polyurie 68.
Priester 98 180 184.
Prognose 178 179.
Pupille 85 181.
Pustel 117 120 121 175 188 189
193 194.
Quellwasser 89 106 157 160.
Quetschung 194 195.
B.
Ra (Sonnengott) 1 2 59 60 61
88 165.
Reinigung 173.
Ricinuspflanze 5 6 11 12 26 55
62 63 70 84 91 102 130
158 186.
Rinder-Fett 100 110 113 142
144 146 148 151 152 153
154 188.
-Fleisch 145.
-Galle 157 187.
-Leber 86.
-Mark 95.
Ringe (Kramraen) 107.
Ritze 159.
Rohr 14 78 79 124 174.
Weibliches R. 172.
Rothe Körner 15 111 121 124
134 146.
Rücken 45 105 133 134.
Rückgrat 45 133 134 141 178.
Rumpf 38 39.
Runzeln 157.
Russ 20.
S.
Sack 192.
Sahne 23 76 77 96 97 140 166.
Sais (alte Hauptstadt von Unter-
Aegypten) 1.
205 —
Salbe 22 23 24 25 26 45 63 98
101 117 134 136 138 143
144 152 156.
Salz 29 31 47 55 99 114 116
172.
Samen von denGeschlechtstheilen
45 124 129 142 159 182.
Sand 160.
Sauerteig 77.
Scabies 120.
Scarabäus 160.
Schamlippe 175.
Schaum 177.
Scheide 174 175.
Scheitel 65.
Schenkel 49 123 128 130 131
132 137 178 186 187.
Scherbe 95 135 158 172.
Schicksal 185.
Schielen 86 92 96.
Schienbein 27 133 134 141.
Schiffsholz 171.
Schildkröten- Hirn 85 86 88.
-Schale 26 104 108 119 156
160 166.
-Schwanz 173.
Schilf 164.
Schimmel (?) 171.
Schläfe 88 181.
Schlaf 181.
Schlamm 167.
Schlangen -Fett 106.
Schleim 45 165 181.
Schmerz 50 73 74 178 186.
Schmutz 189.
Schnitt 194.
Schnupfen 165.
Schorfe 122 123 124 125 126
127 128.
Schreibfarbe 70 74 78 84 85 87
89 91 94 96 98 106 107
112 122 139 147 168 189.
Schreiberkoth 126.
Schreien 169.
Schrift 185.
Schulter 142 183.
Schwäche 79.
Schwalbe 105.
Sch.-Blut 160.
Sch.-Leber 173.
Schweine -Auge 87.
-Blut 45 100.
-Fett 118 142 144.
-Galle 174.
-Koth 146.
-Zahn 77 126.
Schwinde 158.
Schwindel 63.
Scorpion 180 189.
Sebesten 2 4 8 10 16 17 18 20
26 27 32 37 39 44 51 53
56 57 68 69 71 74 75 78
79. 108 109 126 129 186
137 142 150 155 162 163
169 173.
Seesalz 3 6 8 11 14 15 19 20
24 25 30 31 34 60 61 66
80 88 110 117 118 119 120
121 123 124 125 127 128
130 131 132 135 137 139
140 145 146 147 148 149
151 152 153 155 157 159
164 167 170 172 187 188
189.
Seezunge-Körner 30 103 111 120
131 142 148 159 190.
Semit (aus Bybios) 99.
Sesamum 134 176.
Set 1 2.
Sommer 12 94 156.
Splitter 159.
Spreu 131.
Stadt 179.
Statue 91 115 153.
Stein 14 79 111 112 131 170
174 191.
Stibium 87.
Stiche 175.
Stinknase 165.
Stomachica 70.
Straussen-Ei 90 103 119 156
157.
-Gel 104.
Striemen von Schlägen 114.
Styrax 114 180.
Sycomore 13 14 23 26 33 39 51
52 55 59 70 111 113 114
125 127 135 142 146 149
151 159 167 184 186.
— 206 —
L^
T.
Taenia mediocanellata (cfr. Ein-
leitung) 13 14 15 16 17.
Tamariske 20.
Tarantel 179.
Tauben-Blut 160.
-Falken 179.
Tebmut (Stadt) 186.
Teig 33 49 70 75 76 77 84 94
98 116 119 in 137 138
149 i:)G 157 159.
Tbonknig 4 92 170.
Tiegel 106 107.
Tochter 49.
Tod 8 38 39 41 43 56 88 93
181 187.
Topfhefe 45.
Trauben 36 69 79 81 108 109
124 136 137.
Triefauge 83 91 93 97 174.
Trockenheit 184.
Trübnis (des Herzens) 184.
Tuch 92 115 123 176.
Tum 93.
Tumor 190 191 192 193.
U.
üebelkeit 190.
Ueberschwemmungsjahreszeit 94.
Unbehagen 49.
Ungeziefer 179.
Unreinigkeiten 122.
Unterleib 35 37 38 65 70 172.
Ureter 191.
Urin 6 65 66 67 68 69 70 100
119 123 155 170 180 182.
Usaphais 185.
Uterus 104 170 171 174 176 177
178.
Y.
Vasö 14
Verband 110 115 117 119.
Verblutung 174.
Verhüllung 184.
Verletzungen 194.
Verschleierung 82 85 92.
Verunreinigung (des met) 194.
Verwirrung 181.
Vogelteich (Wasser daraus) 67
82.
Vorderkopf 187.
Vulva 107 170 172 173 174 175
176 177 178.
W.
Waehholderbeere 5 6 7 8 9 10
25 30 33 35 37 41 42 44
47 53 54 57 61 66 67 68
69 70 88 107 108 110 111
113 128 129 133 141 142
146 156 180 186.
Wachs 9 18 23 24 32 59 63 82
84 101 110 111 112 113
115 116 117 119 120 133
135 138 141 142 143 147
149 150 152 154 157 159
167 171 188 189 192.
Wade 133 134 141.
Warze der Brust 188.
Wasser 4 9 10 11 12 13 14 19
22 24 27 32 34 35 39 40
48 49 52 53 54 55 56 57
58 62 65 66 67 68 69 70
72 75 76 77 78 81 82 83
84 85 87 88 89 91 93 95
96 98 108 109 112 113 119
120 121 122 123 124 126
130 131 132 133 134 137
154 155 159 161 162 163
168 169 170 174 175 176
177 179 181 182 184 186
190 192 195.
Regen-W. 170.
Wassermelone 30 50 52 53 54
145 146 187 188.
Weib (cfr. Frau) 107 108 170
171 177 178.
Weiche 42 43 73 174.
Weidenbaum 72 127 145 166.
Weihrauch 6 9 17 18 19 26 29
30 31 32 35 37 39 51 52
53 59 60 63 64 65 70 71
72 74 75 79 80 82 83 85
88 90 91 97 99 100 101
104 108 109 111 112 114
207
115 116 118 122 124 125
128 129 130 132 133 135
137 138 139 140 141 142
143 144 145 148 149 151
152 154 155 156 157 159
161 164 166 167 169 171
172 175 176 178 180 189.
• Weia 3 7 9 16 21 32 33 38 42
50 51 52 53 71 72 79 80
81 108 121 130 136 137
164 172 176.
W.-Beeren 9 10 21 28 29
31 32 39 51 52 57 71 72
74 75 78 79 81 108 137
163 165.
Hefe von W. 34 129 144 148.
W.-Trauben 10 18 54 55 56
57 79 108.
Weizen 7 21 27 28 '31 37 42
43 48 49 53 56 57 60 65
67 68 69 71 123 125 127
129 131 140 147 172 195.
Wels 27 62 139 144 159.
Wespen 126 179.
W.-Blut 187 188 189.
W.-Excremente (Koth) 101
116 125 159 168 169 172
173 195.
Wickelkind 68.
Widder-Fett 153.
W.-Haar 113.
Wind, der rauhe 181.
Winde (eine Pflanze) 127.
Wintermonat 93 94 95.
Wirbelknochen 73.
Wortkargheit (des Herzens) 182.
Wunde 46 60 61 107 115 116
117 119 124 130 166.
W.-Eiter 188.
Eiternde W. 28 191.
Fluss von der W. 44 115
116 117.
W. -Kruste 195.
Wund -Mittel 41 43.
Offene W. 191 192.
W.-Verband 117.
Wurm-Blut 159.
-Gel 136 144.
%•
Zäpfchen 34 35.
Zahn 121 160 161 162.
Zauberei 13 35 56 160 165.
Zauberer 180.
Zauberformel 87.
Zauberworte 193.
Zeh 132 133.
Zeug 105 167 170.
Ziegen-Excremente 109.
-Fett 138.
Zittern 135.
Zizyphus Lotus 34 50 51 52 55
56 67 108 109 119 127 133
137 145 146 166.
Zorn 181 184.
Zottige Hulle 192.
Zuckerkuchen 77 115 179.
Zunge 154.
Zwerchfell 183.
Zwiebeln 3 4 5 8 10 11 17 19
20 23 25 26 27 31 32 33
34 35 38 39 44 46 52 53
55 59 60 61 65 67 75 76
78 80 83 84 85 86 87 92
93 95 96 97 99 103 109
110 111 113 114 115 116
117 118 119 120 122 123
125 128 136 137 139 141
143 145 147 148 149 155
156 158 159 161 162 164
168 169 190 194.
Grüne Zw. 9 75 78 95 104.
Zw-Wasser 28 29 30 32 34
95 105 170 176.
s^üt-Kranlheit 177.
as (IJrmdrapg(?)) fi8 G9.
aiit (morbus leprosus (?)] 119.
sqeh-Stein 112,
akut (.Scabies, impetigo] \'20.
adet (Vorletxuiig) im Auge »S SS
adil (Variante) 9G,
(j.i.
iau-Korn 83.
iagut-Eörner 132.
äat-Pflaoze 2Z 112 174.
äat-krank 183.
äbu-Pdaaze '23 39 36 37 ö5 5ß
58 59 63 69 103 112 134
142 146 150 156 164.
ibu-Saft 20.
äbennu-Hetal 99.
äber-Oel (Variante tob äbra) 2G
188.
äbra-Salbe (Oel): ein heiliges
Salböl 62 63 74 86 104 105
106 111 143 156.
ibrä-Köraer 141.
Abejä-Flüssigbeit 164.
dbevet-Ftüssigbeit 117.
abt-Kümer (ein mit Kunst ge-
schnittener Stein} 158 174.
äbftersu-Thier 144.
äbdu-Fisth (Ftässelhocht) 96 104.
äpesnen-Kömer 122.
ätet (Mark) 84 95.
äm-Baum 61 107 110 118 llf
140 146 156 166.
äneb-Pflanze 4 14 18 19 118
146.
annek- Pflanze (ateht mit dem
Mond in Verbindung) 5 14
16 21 34 37 41 43 62 122
166.
anest-Kom 10 51 53 55 56 57
58 67 109 111 112 122 136
137 162.
dut-Fisch 119.
art-pet-Körner (Ferrum) 168.
dbemt-Uarz 33 142.
asi-Kraakheit(damnum,Leiden(?))
49.
ilsu-Pflanie (lie bliebe Pflanze) 12
13 19 64 108 136.
■Metal qXmfot) 160.
,s-Pflai
ra
dqru-Bauoi 136.
aku-Thier 126.
atehennet- Vogel (Zugvogel) 150.
ad 12.
ädu-Vogel 79.
aderu 194.
adehet- Pflanze (Papyruspflanie)
147.
. — 209 —
- D = A,
äaa -Krankheit (cfir. Einleitung;
Chlorosis aegyptiaca) 13 21
29 36 38 54 55 56 57 58
59.
äagit (Krallen, Granulationen,
caro luxurians) 119.
äager-Baum 45.
äaget-Oel 129.
ääam-Pflanze 3 5 6 20.
ääu 126.
ääm-Pflanze 26 79 154.
apnent-Wurm (Maulwurf) 100 126
159 160.
äpert-nedäu-Saft 10.
afes-Krankheit (mouches volantes)
83.
ämamu -Frucht 14 16 17 20 53
78 80 189 195.
amaa- Körner 60 122
145 149 154 155
188.
amämu-Thier 166.
amät-Saft 109.
ämu-Körner 26.
anärt-Wurm 107.
anennu-Baum 118.
any-Metal 160.
ändit sive andu-Gefass 101 170.
ävet (Aufsteigen von Wasser) 91
93.
ätut (Drusen) 187 188 189.
ät'aulen-Korn 99.
at'en, at'enit 10.
= J.
Inekuun -Kömer 180.
128
158
129
161
^
= ü.
uab-Pflanze 124.
uam-Samen 4 12 14 15 70 114
140 169.
uaneb-Pflanze 64.
uabit-Pflanze (Kohl oder Getreide)
* 48.
Joachim, Aegyptische Ueilkande.
uah-nehebt-Stein 65.
uaSebt-Kömer 138.
ua§es (bestimmtes Blutgeschwör)
160.
uadu (Pflanze des Feldes) 132.
uat'-Krankheit 41 43.
uat'- Stein (grüne Augen-
schminke (?)) 65.
uäat 194.
uäat- Vogel 100.
uäuit-Wurm (im Koth) 105.
uan-Baum 6 7 10 17 18 22 2G
29 30 32 35 37 39 50 51
59 63 64 66 69 70 71 74
79 80 81 108 109 127 133
136 142 143 148 149 150
152 163 164 173 178.
uäh-Korn (Getreideart (?)) 5 9 11
19 22 28 31 37 38 48 52
55 56 57 65 66 71 72 77
110 112 113 151 162 171
175 178.
uuti-Brod 72.
unnefer (Osiris) 128.
unex (Wunde (?)) 31.
uremit- Krankheit (Ascites, Hy-
drops abdominis) 5.
uha- Krankheit (cfr. Einleitung)
18 19 20 22 24 25 26 63
85 (uhat).
uyedu (cfr. Einleitung) 7 17 20
21 22 24 25 26 27 28 29
30 32 39 42 45 46 57 59
61 63 66 73 81 82 84 93
154 156 161 183 185 187
188 192.
usefau-Vogel des Sees 83.
u§a (essbares Kraut) 116 146.
usebt-Körner 117 139.
ut von Grünstein 166.
utit (Samen) 26 39 113 124.
ufalt-Frucht 6 25 35 38 55 79
84 106 112 133 158.
J-B.
baq (Behenöl) 23 102.
bä (Klagelaut) 178.
14
^ 210 —
bda-Flu.ssigkeit 124.
bÄt-Hrod 4.
biidi (Eitorfluss) 89.
bebot-Prtanze 179.
bonnut (niiulo Blason oderPusteln)
117 121 162 174.
bciiti (Hnistc) 17X
bc\iftii-Fi8oh (Staohelfisch, Krebss)
i;i 105 1S9.
bo\io\i-rrtan»o (U>.
bi^sbov- Kornor ^^Foncbon 18 23
21 122 in2 14t> 1G2 1G3
172 177.
Ihv|{U ^^bofinohtotor Thoil) 174.
bo)i^\i IUhmv H».
W\W\ SnU ^»osoiuiors reiue Na-
\w\m\) 120 Vu 158 166.
W\'a Uotrt^s ^inUmer Topf, Scber-
bi n^ 20 2:» 78.
i ^P.
\m\h Snft 9. ^
purtlot-llolz 64.
}v«^ Kraut 24.
|>tt)(ostAt-Pflan7.e 177.
imvcstot-Pflanze 40.
imt-Saft 61 77 164.
pRt-Broil 67.
pcmv«»-Hrod 123.
penes- (Variante penest) Körner
104 132.
pond -Würmer (cfr. Einleitung;
Taenia mediocanellata) 13 14
15 16 17.
per-baibait- Vogel 159.
per-her-setef (Marienglas oder
Gyps) 92.
pere.^-Kümer 59 138 139 143.
pesen-Brod 121 123 124 131 132
195.
pesed-Komer 47 54.
pega (Brotscheibe) 77.
pet-Saft (cfr. pat-Saft) 77.
peddu (Mist) 170.
fiili- (Variante fuhu) Körner 33 48.
fut-ab-Korn (aniini solatium) 79.
^ = «-
mafet-Baum 133.
mas- (Variante mast) Krankheit
183.
mamer-Kömer 169.
maqet-Kom 45.
mahui (Variante mähetet) - Wuu-
derfrucht 33 U 66 76 143
170 177.
mäki-Kom 23.
memä-Frucht 37.
meui-Korn (aromatisches Harz)
79.
menuu- Weihrauch 91.
mennuh-Pflanze 7.
meneq-Holz (Styrax) 114.
menter (Ohr (?)) 194.
ment'a (weiches Wachs) 42.
mehit-Fisch 170.
mehes (Atherom) 169.
mehet (irdener Krug) 12 76.
mesäntef (Ureter) 191.
mesu-Kraukheil (Fluor albus) 173.
mesfen (Kupfervitriol (?)) 103.
mesta- Getränk (Variante mes8ä)
19 38 67 125 126 130 132
^ 167 176.
mesä-Vogel 16,
met (Ader, Gefass, Muskel, Nerv,
Sehne) 34 117 136 137 138
140 141 142 143 144 145
151 152 153 166 180 181
182 183 186 187 189 191
192 193 194.
>A/VWV = N«
näat'et (Excremente (?)) 49.
när-Fisch (Wels) 27 62 139 144
159.
niluben-Baum (Saft davon = Sty-
rax) 180.
ni (Klagegeschrei) 178.
nua-Pflanze 16.
nuan -Pflanze 122.
nut (Göttin des Himmels) 60.
neb-äpt (Beiname der Sonne) 168.
— 211 —
Debät-Pflanze 65 67.
nennudu - sepsu - Gel (sorbillum)
129.
nent (Knie) 134 135.
nehur-Vogel 181).
nehed(et) - Samen (Zahnkrautkor-
' ner) 74 81 03 116 137 151
175.
nesit (Schmerz, Krankheit, Leiden)
50 163.
nesti- Pflanze (Carthamus tincto-
rius) 23.
nesai-Korn 15 134 142.
nesa (V'ariante nesau) == (rerste
12 147 153 176.
nesu 50.
netr-hcr-Frucht 79.
nelr- tit- (Gotteskoth) Korner 64
65 135.
netertu- Pflanze (Weihrauch (?))
39.
net'hät'ehät-Beeren 124.
= R.
rä 59 60 61.
ruit- Krankheit (Hepatitis super-
ficialis) 164.
ro-äb (cfr. Einleitung ; Herzgrube,
Magengegend) 22 39 40 41
42 43 44 45 46 48 49 50
51 52 53 73 182 184.
rement (Tragegefass , Kasserolle)
75 77 78.
res (Schleim) 165.
red-Körner 165.
rü = H.
he-Platz-Kömer 134.
hennu-Gefäss (0,456 Liter) 8 35
39 67 68 76 78 89 95 100
105 126 128 135 140 154
163 172 194.
hcnnuh-Thier 193.
heta-Pflanze 111.
hetu (KjDOcephalus (?)) 10.
| = H.
hauit-Darz 166.
hautet-Harz 120 157 158.
hatet-Oel 168.
hunnu-Gefäss 68 69 75 76 78
130.
hunnu-Pflanze 168.
hunnut-Mctal (Schwefel pul ver (?;)
90.
hunta-Körner 138 175.
hunta-Thier 106.
*
huru-Körner 125.
heb-yer-Priester (Golchites) 184.
hefu-Wurm (Schlange) 179.
heft-Wurm (cfr. Einleitung: Asca-
ris lumbricoides) 11 13 14
105.
hemamu-Pflanze (Variante hemem)
35 165.
hemit-Korner 7 105 115 163 188.
hemu-Pflanze 125.
hemut-Kom 79 80.
henut-Vogel 88.
her^etef (Eingeweidewurm) 13.
heltü (Würmer) 13.
hesebt-Wurm 22 73.
heken-Brod (liebliches, süsses Br.)
72.
hckennu- Kömer (köstlich, lieb-
lich) 174.
# = X.
Xait (Krankheit in ihren verschie-
denen Formen) 40 42 44 47
62 181 182 184.
Xare (Beiname der Sonne) 168.
Xasit (Mohnpflanze) 5 9 25 26
41 43 50 59 61 62 65 (vait
statt xasTt) 67 70 108 132
141 144 151 152 153 163.
Xui (Sonnenpriester von Helio-
polis) 98.
Xebu-Pflanze (|jl£X(Xu>toc) 164.
Xebt (Stadt) 174.
Xeper-ur- Samen 30 34 152 175
176.
— 212 —
•/enu (Variante xennu = Flasche)
134 170.
Xensu 193 194.
XeneS- Pflanze 178.
Xent-Korn (grüne Bleierde) 68
139 189.
Xent (Geschwulst) 74 89.
Xra (Schwertfisch) 61 178.
Xert (Baumfibern) 125.
Xesait (cfr. x^sit) = Mohnpflanze
35 112 120 133 143 147.
Xesau (Mohnpflanze) 178.
Xosit (Mohnpflanze) 30 64.
Xesu- Körner 155.
Xet-Pflanze (frutcx hortensis) 23
28 37 38 45 50 60 62 67
76 107 126 127 131 141
145 148 149 165 174 186
189.
S.
sa-Samen (Natron oder Salpeter)
31 81 82 85 89 90 91 94
95 98 109 134 144 187.
sa-Wurni (Filaria medinensis)
134.
sa-Glied* 191.
sait-Kraut (Wegerich) 24 25.
sau-Holz 59.
sar-Saft (Hefe) 78.
sa-hemem (Metallmann) 190 191
'192 194.
säatet (Gebrochenes (?)) 42 43.
sus (Dyspnoe (?)) 53.
suset- Wasser 126.
seb (Name des Erdgottes) 60.
sebtetit-Pflanze 23 129.
sep-Wurm (Filaria medinensis)
134.
sefet-Oel (heiliges Salböl) 15 18
24 26 50 61 104 107 111
112 116 119 120 134 142
150 158 173.
sefet (Hinschmolzen) 194.
senen-Harz (Opalharz) 26 65 89
90 91 94 95 97 99 101.
senenutet- Pflanze (Pistia stra-
tiotes) 17 73 165.
ser (Mal) 169.
serit (Brechreiz, Ueberladung) 75
76 78.
sert-Saft 15 16 71 80 81 137
149 150 (sert-Pflanze) 164
172 173.
sehetet-Kömer 30 54 92 103 141.
sex 194.
sexept-Körner 167.
sexept-Saft 17 71 137.
sexen (Geschwür, Abscess) 42 49
188.
sexet-Flüssigkeit 164.
sexet-Pflanze 7 41 43 47 50 163
164.
sexet-Priester 180.
sesqa-Körner 18 23 26 131 135
136 139 140 142 145 147
148 151.
seSsalt-Kömer 150.
seteft (Drücken, Aufstossen) 19
20 24 25.
seter-Trunk (Opium) 33 106 139.
an; T^TJ = ä. .
sau (Hitze) 86.
samu-Oel 126,
sames-Pflanze 8 12 13 36 37 54
55 58 61 132 133 149 186
188 189.
sas (Schnitte) 194.
sasa-Stücke (Kuchen aus zusam-
mengepressten Rosinen) 6 8
27 33 34 36 37 38 41 42
44 46 47 54 55 56 57 58
59 66 92 107 127 129 132
143 146 150 154 160 189.
sätet-Kuchen 130.
Su (Gott der Luft) 60 167 174,
sut-Pflanze des Südens 16 74 137
147 161 164.
sebeb - Flüssigkeit (Misch trank :
Variante Sebbet, gebet) 3 36
75.
sebeb-Pflanze (Festuca) 125.
sebet-Brod 151 177.
Sebet-Harz 180.
sebt-Weihrauch 130.
— 213 —
Sepen- Krankheit (rothe Flecken
zeigen) 155.
§epnen- Samen (Mohn) 102 103.
§eps-Pflanze (Edelkraut) 118 121
148 150.
sept (Unordnung) 151.
Sefu-Oel 37.
SefSeft-Fnicht 23 38 66 103 121
142 152.
senau-Pflanze (Carthamus lanatus)
124.
§eneft (Opferkorn) 4 8 10 12 14
15 17 21 23 27 50 60 71
77 102 122 123 125 148
150 163.
sens-Brod 61 130.
seset-Pflanze 131.
se§ (Mutter des Königs teta) 106.
qaa-Kömer 125.
qaat-Komer 124.
qaqa-Pflanze (Ricinuspflanze) 5.
qaqaut (Pusteln, Pocken (?)) 120
121.
qat-Körner 131.
qat-§ut-Kömer (Endivia) 129.
qadit-Thier (Antilope) 83.
qadet-Pflanze 60 69 73 141.
qebu-Frucht (cfr. baq) 98 111 158
162.
qemu-Samen (Schwarzbaum) 16.
qereft (Knoten) 152.
qereqtu-Samen 176.
qesi (ApoUinopolis parva, Stadt
in Ober-Aegypten) 90.
qesit-Kom 83.
qesemut (Glanzlosigkeit) 96.
= K.
kesebt-Baum (Ricinus frutex (?))
4 11 12 15 84 158.
kesu-Kömer 114.
ketket-Pflanze 127.
S = G.
gabgu- Vogel 104 105.
gennu- Vogel (coracias garrula)
179.
gengent- Bohne 3 4 6 7 18 19
74 78.
gent- Krankheit (cfr. Einleitung)
175.
genti- Samen (Cassia) 36 51 53
55 72 112 172 174 175 178.
gentet-Pflanze 15 59 60 123 165.
gehu (grosse Schwäche) 79.
gesfen-Kom (Kupfervitriol (?)) 64
82 83 87 92 103 112.
o = T.
ta-Saft 22.
ta-Brod 15.
täa (Gerste; Variante tau) 21 80
146 147.
tIt-Kom 7 124.
teun- Pflanze (Variante teunen)
50 120 135 139 140 141
148 187 188 189.
teur-Schilf (Weidenbaum) 81.
tepau (Früchte) 139 143 153.
tepaut 50.
tepu-Körner 148.
teftiut (Göttin, welche die feuch-
ten Niederschläge spendet)
174.
temt-Fisch 119.
tentem-Beere 64 82.
tendä-Beere 84 86 94 143.
terp-Gans 94.
tehebu-Baum 6 53.
tehua (Variante von Oehui) 41
43 47.
tektek-Pflanze 33 59 143.
tetä 106.
= e.
däam-Pflanze (Variante däm) 4 5
6 16 17 20 24 26 39 42 46
47 70 71 77 78 122 162 164.
8u»ekeii 99.
»fmes 194.
Bert (Weidenbaum) 72.
fteliui-PflaDEP (VarisDtp Sehua) 3
36 38 58 6U 113 116 128
131 13a 133 136 144 I4'l
153 158 177 188 189.
delier- (Variante deben) Krank-
heil ^ iDorhus ruiis, put-
redo (?) 48 75 182 183.
des-Krug 8 38 3!'.
dei -Samen 44.
deser- Samen 67.
de<jm-(Variantedega)Baum = Ri-
cinusbaum 6 62 10-2 130.
cr 1»7.
;0,6 Liter) 2 3 3 10 11 15
7 18 19 -20 21 37 32
39 Ö0 53 54 55 57
S 66 71 72 75 78 81
03 109 127 137 156 163
69 170.
(Variante tod Sehut) 99.
Tbier 113 125.
^ =
l'aäs-PIlanie 16 59 127.
t"aä-K.^nier 8 121.
t'ahi (Land in Agjen) ISO.
t'as-Pfianze 14 117 131 132 136
143 144 153 159 163 169 186.
t'ät-Oel 126 132 145 147 148.
t'eft'eft (Eiterfluss) 91.
I'eha-Thier 110.
I'edeb-Fiscb (Zitteraal) 75.
Berichtigungen.
Seite
13.
Z. 18
von
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Datteln von der weiblichen
Palme.
ta-Brod.
sut-Pflanze des Südens,
uat^- Krankheit,
u at'- Krankheit
Brugsch.Wört Bd. VII. S. 1311.
statt Luring. S. 60.
0,456 Liter statt 0,465 Liter,
einen statt ein.
hunnut-Metall.
statt XLV.
aaget-ÖL
se§ salt- Korner.
Halse statt Hals,
erweicht slatt erreicht,
gedauert statt bedauert.
Xra-Fisch.
im ^i^i.
">-^H«^-
i^kS
tffttrtattott
Sur
(Erlangung 6er Doctorujurbe
f inr |i|ni jirifttfifni likultit Itr |«il»iit»r|lfif ;t itt|ri
»orgclegt
Don
fielen.
1888.
L« •»..
fiber bte ban^tfat^ttd^ benn^te Stteratnr.
1. ^rnolb, ^erfaffimgiSgefc^ic^te ber beutfd^en grfiftobte, (Boii^a 1854.
2. C^ inert, Uebrr bad Utd^t ber ^^ameniSfu^rung unb 9{amendänbenmg. ;3[n ben
„(J^drterungcn eingefner SRaterien btd (Siotlre^tö". !I)redben unb Setpjig 1840.
3. @lareiiS, Srunbrig ju $or(efungen über bad bcutfc^e bürgerliche 9{e(^t, biegen
1877 § 40 unb 42.
4. ^QrciiJ, 2)Q« juriflife^c SBefen ber Sfntorre^tc, fottjte beS girmen* unb a)^arfcn'
ffl^it^e in Sufd^'iS^riJ^i)) für^^eorie nnb^ftvap^ bed $anbe(dre(^ted, 35. ^anb,
33crlin 1877.
5. Berber, ©eutfd^ed ^rioatrn^t, 9. «ufloge.
B. @ 5 finger, 9lealIe;ifon ber beutfd^en 9(tert^ümer.
7. ^anbbuti^ für bic f^nieigerifc^en diDilftanbdbeamten. herausgegeben \>om fc^mei^e«
rifd^en ®eportcment beS Innern, ®ern 1881.
8. ^etn^e, bte beutfd^en Familiennamen, ^atte 1882.
9. ^ermann, Ueber bad 9{ed^t ber 9hmendfü^rung unb ber 9^amendänberung, in
bem «rc^it) für ciDilijlift^e ^rajid, 45. ©anb 1862.
10. 3^ er in g, 9ied|tdf(ffu^ gegen injuriöfe Sted^tdoerletjungen, in ben 3[a^rbüd)evn
für bie !3)ogmatif bed heutigen römifc^en unb beutfc^en ^rioatred^td, ^anb XXIII.,
3a^rgang 1885 <5eite 320 ff.
11. Saferer, Ueber bie ^^erfonennamen unb beren ^fenberungen nac^ öflerreic^ifc^en
(»efefeen, Söien 1879.
12. ft- 0^1 er, ^ad 9Ie(^t bed ä^ar!enfc^u|^ed, Sürjburg 1884.
13. J^riegf, 2)eutf(^ed ©ürgcrt^um im SWitteldter, granffurt a. m. 1871.
14. Laurent principes de droit civil, Paris.
15. 9lot^, ©i^rtem bed beutfc^en ^rioatred^ted, 2:übingen 1881.
16. Salverte, Easai historique et philosophique sur les noms propres, Paris.
17. 0. vSit^ercr, dommentar gum SReic^dgefe^ über bic 33curtunbung bed' ^erfoncn*
flonbed, erlangen 1870.
18. Stmrod, 3)ie ebba41eberfcfeung, (Stuttgart 1876.
19. ©tanbedbeamte, ber. Organ für bie Sntereffen ber ©tanbcdbeamten im bcutfd)en
mtidie, ©ertin feit 1875.
20. @tobbe, ganbbud^ bed beutft^en ^rioatrec^td, erfle unb jnjeitc Auflage.
21. Söeinfjolb, «Itnorbifd)cd Ceben, «erlin 1856.
22. ^iarba, Ueber beutfdfe Vornamen unb (^efd^ted^tdnamen, Berlin 1800.
23. 3ac^arioc , $anbbudf t^e^ franjöfifd^cn ßioilred^td , 7. Stuflage (2)rei)er)
^belberg 1886.
3ttv Oefd^id^te bet i^ors unb 3ttttamen.
6^ ift cine aUbefanntc Zljat^a^t, ba§ bic ®ittc, jwci SWamen,
einen 3Sornamcn, and^ lanfnamen genannt, nnb einen ^wnamen
I Familiennamen) jn fiitiren, in X^cntfrf)Ianb eine öer^ältnigmä^ig fel^r
jnnge ift.
©nlgegen ben ®ebräu^en ber 9tömer, bie feit ber 9iepublif neben
i^rcnt, unferem Ijcntigen äJornamen entfprerf)enben praenomen, jur
iBejeid^nung be^ Oefd^Ied^t^ einen nomen gentilicium, gnr SBejcic^nung
ber Familie einen ^ön^ili^i^ttön^c"/ cognomen, jnnjeilen and; noc^ einen
iöeinamen, agnomen, trngen/) begnügten fid) bie ©ermanen Söfjt^un-
bertc f|inburc^ mit ber ans^fdjlie^lid^en t?üf)rnng eineö Dlamenö;^) eö ift
bic^ ber fogenannte ^crfonenname. !Die Beilegung biefeiS 9?amenö,
bie SWamengebung , oolljog fid^ bei ben ©ermanen ber älteften Qdt in
feiernder SBeifei'O 2)aö neugeborene fiinb ttjurbc in bcn @c^oo§ beö
23atcriS gelegt. 'Diefer naljm eö auf, begoß eö mit 333affer nnb legte
il)m ali^bann einen 3lamen bei. Die fid^ and) bei ben meiften 9?ölfcni
finbcnbe SBcfprengung m^t SBaffer ^attc ben Qtocd, baö Sinb ju I)ci-
ligen unb ju njeitjcn^) unb c^ ift leidet erfid)tlid^, baß bie ?le^nlic^feit
mit ben bei ber djriftli^en laufe üblid)en g^ormalitäten üicl bagu bei^
trug, ber le^teren leid^teren ©ingang in ®ermanien ju t)erfd[)affen.
S)ai8 5Red^t, bem neugeborenen Sinbc einen Xiamen ju geben, ftanb
bem SJater fraft feiner ^an^üäterlid^en ®ett)alt ju, juweilen üerjid^tete
er mo^l aud^ ju fünften eineö naiven 33ertt)anbten auf fein 9led)t.
tiefer festere f)attt bann eine bem d^riftli^en ^at^en gauj entfpred[)enbc
Stellung unb ftanb ju bem Äiribe, bem er ben 5Wamen gab, ba^ gauge
ycl&itt .^inbur^ in einem gemiffen autoritativen SSer^ältniffe. 3)er
*) »gl. ^ier^u namcntüt^ ©olücrtc I § 28 ff. unb Starba ©. 117 ii. 118.
*) 3"n)eilcn finben roir bem römif(^en nomen gentilicium cntfpre(^cnbe Söcjcid)'-
nungen, wie äWcroroinger, Slgilolfingcr u. f. tu.
») »gl. ScinMtt^ ©• 262 ff.
*) «gf. bic ©tettc ber (Sbba in bem rät^fl^often SHiinenlicb Cbm« Stropfje 159 (21 >,
Stmrorf'd @bba 3. 57.
9ebi. SSornatnen unb gramificimatncn. 1
— 2 —
Siaincngebcnbc pflegte bent Stinbc, ebeufaü^ ber fpätcren djriftlic^cn Sitte
conform, ein ®ef dient ju reirf)cn.^)
©ic (Sermanen uerbanben mit i^ren 9tomcn eine gettJiffc Scbcutiing.
^nbcm man bcnfelbcn cine Art ttjeigjagcnbc Sraft jufd^rieb, gab man
bcm ^Tinbe gerne einen Seamen nad^ einer Sigenfc^af t , bie ba^Jelbc,
grog getüorben, l^anptf äd^lic^, bet^ätigen fottte, nnb c« tritt hierbei ein
©runbjug hc^ germanifrf)eu SSoIf^d^aracteriS infottjcit tiar gn Xage, ah
ja^lreid^e männlid^e nnb tütiblid)t 9iamen i^re SBejiel^nngen jn !ricge^
rifd^en JBefd^äftignngen, ju ©äffen unb Stampf flar erfcnnen laffen.-)
SBenn aud^ bie Germanen bej§ g^^Micnnamenö entbehrten, fo tritt
bo^, tt)ic bieig öon SBein^oIb na^gemiefen ift, entfd^ieben ba& Sc^
ftrebcn fjerüor, bie ^nfammcnge^ürigfeit ber einjelnen göinilienmitglicbcr
an^ fd[)on in ben geführten ^erfonenhamen erfennen jU laffen unb
man erreid^tc bieö t^cite baburd^, ba^ man bem Soljnc ben SWamen
beiS SJaterö ober aud^, tibereinftimmenb mit einem bei ©rieben unb
;3fuben gcljanbljabten ®ebraud^e, ben SWamen ht§ ©rogüateri^ gab,
t^eil^ bur^ ©ebraud^ beö ablaute, ber Stttiteration unb ber SQSieber
Ijolung beöfelben @nbmorti§ an oerfc^iebenen Stämmen (j. 58. Stfcridj
unb aiprid^).3)
?([§ ba^ Sf)riftentf|um fid^ in 2)eutfd^Ianb 93a^n brad^, äußerte cs^
einen ©nfluß auf ha^ SlameniSmefen junäd^ft babur^, bag bie t)on ben
(gltcnr'glcid^ luid^ iljrer ®eburt benannten ^iuber bd bem urfprüng^
lid^ nur auf Dftern ftattfinbenben laufacte auf ben gegebenen SJamen
ober auf einen gleiten, if)nen ^ier beigelegten, aber im gcmöl^nli^cn
Seben gar nid^t gur SJernjenbnng fommenben 5Wamen getauft UJurbenM
unb (jicrauö entnjicfclte fid^ bann bie Sitte, bie 9iamengebnng mit ber
Taufe ju öerbinben.
*) 3nteieffont ifl in bicfcr ©ejicbung eine ©tette ber Sbbo im Öicbe oon ^clgi,
bcm ^o^nc ^iörnjorb« (©imrocf ^. 132 ff.). 2)en ftummen So^n ^iömarbS
trafen cinft neun SSalfürcn. S>ie ^crrüc^fte fang „fpät hjivfl 2)u, $clgt, bie @(^übc
be^ervft^cn, 2)u rcid^ci* ©t^tac^tbaum" u. f. n). 3^r antwortet ^etgi „xoa^ gibfl 3)it
mir nod^ ju bcm 5Ramcn ^efgi, blü^cnbc ©raut, ben 3)u mir boteft, crmäge ben gan-
zen @vu6 mir wo^l, id) ne^me ben Xiamen nic^jt o^ne Xxtt)"
^) Söein^olb, dtnorbifc^e« Öcben, @. 262 ff.
''*) Ucber ben ©ebrauc^, ben iJinbcSttamcn aiiS bem Dramen bed ©aterS nnb ber
i2)?uttcr gu bilben, fo bag $. S3, ein $atcr @er^arb unb eine iDhttter Solf^ilbc
i^rcn <So()n „QJerotf" benennen, ög(. Stcub, bie obcrbcutft^en fjamiliennamen,
aWunc^en 1870, ©. 30 ff.
*) SBiarbo @. 170 ff.
- 3 -
Tlan bcbicntc fic^ jeboc^ nod^ ;3af)rt)unbertc nad) (ginfii^rung bt^
ffi^riftcntl^umig in 3)cut[d^lanb nur bcr anf gcrmanifd^cm ©oben cnt^
yproffcnen ?ßcrfoncnuamcn. @rft mit bcm (Snbc bcä elften unb bcm
Einfang be« jn?ölften ^[a^rl^unbertg trat Ijicr eine Äcnberung ein. 9Rit
bem aSad^fen ber pJla6)t ber ®eiftlic^en, mit bcm fid^ immer mc^r
ftetgernbeu Sultu^ ber J^eiligen, brangen allmäljlig and) frembe, grie=
(f)if(^e unb Iateinifrf)e Seamen in Deutfd^faub ein i) unb fie f anbcn, feit
bem breijejintcn ^f^^r^unbert and) aU SSprnamcn. neben ben ^amiücn-'
namen fte^enb, bei bcm SJoIfe um fo Bereitwilligere ?Iufna^me, al§ bic
and) ^eute noc^ bcftel^enbe SKcinung cine fcl^r verbreitete tvai unb
burc^ bk ®eiftlid^feit auf'ig ©ifrigfte genährt würbe, ba§ man mit ber
Ännal^mcbcS 9lameni§ cincig |)eiligen fid^ aud^ bei^ befonbercn ©c^ufeesf
be^felben öerfic^ert l^alten fonne. Der le^tere Umftanb crflart t^ and)
äur ®enüge, baft einige $)eiligennamen, wie ijjoljannei^ mit feinen
Äbfiir jungen unb UmftcUungen, ?etru^ unb ^anluig fid^ am ^äu=^
figften finben. 31)enn wenn man einmal bur^ ©rfiefung be^g ÜWameuö
fi^ in ben @d^ug cincö ^eiligen begab, fo war ni(^tig natürli^er, alö
baß man fid) aucfj einen bcr mä^tigftcn jum Patrone auöerwä^Ite.
^^htn biefen ncuteftament[id)en 9?amen fommen befonberö feit bcr
:Hefqrmation, aber and) fd^ou oor biefer Qtit ^) altteftamcntarifrf)e SSor^
namen auf, bie fid^ in fe^r rafd^er äScife verbreiten unb von bencn
' einige, wie abam, fogar in üWobe fommen.'^)
Ucbrigeni^ mag ^icr l^erüorge^oben werben, ba^ bic SScrbreitung
ber diriftlid^en SJornamen früher eine local völlig vcrfrf)icbcne war unb
wo^I aud^ Ijcutc no^ ift. Söä^renb firf) 3. SB. in einigen Dörfern von
Württemberg um baö ^a\)x 1383 laut erl^attcncr Urfunbcn nur gcr==
manifd^e 35ornamen finben,*) finb ju berfclben $^di bie 33ornamen in
Sedierten vorjügli^ d^riftlid^e ^) unb fold^er SBcifpiclc ließen fid^ wo^I
bei ÜSergleic^ung ber Urfunbcn vcrfd^iebcner ®egenben an^ einer bc^
ftimmten (Spod^e Uid)i mefirerc beibringen.
M ög(. ^ierau ^eiit^e @. 24 ff. unb Siarba @. 73 ff.
') ^%{, einen 8lrtifc( oon (g. Söernide in ber ©ciCaflc gur Stttgemeinen gcitung
oom 10. gcbniar 1886, ber in einem «ergeic^nifFc ber ölteften Äonfuln oon 5Bre«lQU
im 3a^re 1290 einen ^oc^arioÄ, im Ofo^rc 1316 einen Salomon, im 3o^re 1412
einen ©abriet u. f. mi conjlatirt.
^) «gl. Scrnidc a. 0. O.
*) S^jjL ^iergu einen SIrtifel üon g. X^ubic^um in bcr öeiCagc jur* 3(ögc
meinen 3<^^wng^öom 10. Januar 188G.
-) »a(. feernitfc a. 0. O.
1*
®ir f)a!bm focbcu ba§ @nbc bcö elften unb ben Anfang beig jwölf«
ten 3?a]^rl)unbertig aliS bie Qdt bejcid^nct, in bcr jucrft c^riftlid^e SHamcn
nöc^ 35cutfd^lanb gcbrnngcn finb. ^^m. ?lnfang beiS jwölftcn ^af)x*
l}unbertd nun beginnt ftd^ eine noc^ urn ))ieled mid^tigere Umtt^anblung
imlßamcnöwefen 2)eutf(I^Ianb!g ju uoUjiel^cn, cine UnirtJanblung, bie crft
in unferem :3al^rl|unbert al§ ooBenbet ju betrad^ten ift, mir meinen ba^
^Xuffoinntcn erblicher Familiennamen. 2)a5fclbc ift fein jufälligeö nnb
Q§ fefjlt feinejgttjegö an einem Sinbeg'Iiebe, ba^ öon bem einfad^en ^er^^
fonennamen ju bem ®ebraud|e jmeier S'Jamen iiberftil^rt.
^n älterer 3cit, too ^eber an feine ©d^oIIe gebannt lebte, ."panbcl
unb 25er!c]^r gering unb aud^ bie SBeüölferungi^äC^l nod^ nid^t fo grog
mar, ber SJad^bar ben 9larf)barn genau fannte, fonnte man mit einem
Xiamen ööUig aui^fommen. ®obalb aber in einem gemiffen engeren
Söejirf bei ftelgcnbem S>erfeljr mehrere be^fclben S'iamen^ neben einanber
lebten, mugte mit 92otl)menbigfeit in einer Unterfd[)eibung gefd&ritten
merbeu unb cö entftanben fo feit bem je^nten unb elften ^a^rtjunbert
unt)ererbtidt)c 93 ein a men bcr »erfd^icbenften Strten, hergenommen j. SB.
oom S?atcri^namcn, üom Stmte, einer Ijcröortretenbcn . Sigenfd^aft einer
^erfon u. f. m.^)
8tu^ bicfcn oft med^felnben SBeinamcu nun, bereu |)auptunterfd^ieb
Don ben germanifd)en i>erfonennamen moI|l barin ^n finben ift, bafe
biefc ben ^crfonen burrf) bie ^^nii^ie beigelegt merbeu, jene aber gerabc
i^ren @d)i5pfer in entfernt ftcl)cnben ^erfonen finben, entmirfcln fid^
feit ber angegebenen ^eit erblid^c iJömiliennamcn. SJei bem ftärfcren
^eröortreteu bcr ^erföulid^feit gegenüber bem früher prätjalirenben ®runb*
befig, ber großen Qai)l üon SRc^tögcfdjäften, bie üom 33atcr abgefdljloffen,
bem ©oljnc S5erpfHdjtungen auferlegten, mar e§ nöt^ig, SBejeic^nungcn
jU fiiibcn, bie bie SJermanbtfd^aft erfennen, ben ©laubiger feinen
®d|ulbner, ben ©d^ulbner feinen ©laubiger rafdE) finben liegen, unb
') SBgl. hierüber Sßiarbo @. 105ff.
@in etgent^ümttc^ed Slnalogon gu ber SBeinamcniSgebung iener a(tcn 3^^^
finben to\t in einer $eff. SSerorbnung.Oon 1850. SJgl. ^^eff. 9^e^ierungdblott . oon 1850
©. 282 (§ 10). @3 ^ei^t ^tcr":'2ßenn in einer ©emcinbc [ooieCe ^crfonen bcnfefben
95or* unb 3"non^fn baben, hai bei bloßer Unterft^eibung berfelben nad} S^Jummern ein
3rrt^um leidet toorfommen !onnte, fo "n)erbcn bie ^Beamten unb $iUfi8beamtcn ber -frei*
njittigen ©crid^töborfeit, indbefonbere bei Uebertragung oon ©runbeigent^um , einer
folc^en ^erfon jur befferen Untcrfd^eibung neben ber 5Jiummer not^ eine Weitere ©e-
jeic^nung geben, meiere oon bem Stanbe, bem ©emerbc^ oon bem 92amen ber (Sftern
ober ä^nli^en llmftanben ^ergune^men iß.
— o —
baö bcftc 3RittcI ^icräu bot eben ba§ ©ntfte^en erblichet Familiennamen.
@Ä fann unferc Slufgabe nid^t fein, bie ücrfd^iebenen Sitten bcr ffint*
ftc^ung ber ^ßwiili^nnamen ^ier nä^cr ju berühren, e^ möge ber ^in^
roei^ anf einen ?lbfci^nitt in „Ärnolb, aSerfaffungögcf^id^te ber
beutfd^en f?reiftäbte, 35b. 2 ®. 197 ff., bie compilatorifd^e «rbeit üon
Albert ^ein|e, „®ie bentfd^cn Familiennamen" unb ba^ \(i)0\x er^
möi^nte 85nc^ tjon © t e u b genügen, roelcfier in ^öc^ft intereffanter aSeife
eine groge SRei^e t)on Familiennamen, bie man bi^l^er \tct^ auf ^erüor*
fted^enbe (gigenfd^aften, ben ©tanb beö urfprünglicfien Siamenöträgerig
u- f. tt). jurücf fütirte , auö uralten beutfd^en SRann^namen erflärt.
SBo^t aber finb I)ier nod^ einige 93emerfungen über ben Ort unb bie
3eit ber ©ntfte^ung in 3)eutfd^lanb am ^lag.
3)ie Fii^^wng bcr F^iniKcn^önicn entmidelt fid^ in ©eutfd^lanb
än^erXtJjtngfam, i^inb^n ^e fid^ im 12. unb 13. ;3o^^^wnbert an
einem Ort, fo fann bai^ immer alig S^^^^^ ^^^^^ freien r.egeren Sßer^
fel^rö an bemfelben angcfeticn mcrben. Sie tommen juerft' in ®üb=
bcutfd^lanb, am Sl^eine auf unb jroar nad^ rid^tiger 8lnfidE|t bei ber
Älaffc uon Scmol^nern, in bereu |)änben bamate auöfd^ließlidj
^anbel_^ unb 33erfe^r lag, bei ben ©tabtbürgern unb aud^ l^icr
ttjicber juerft iti ben ^atriciern, fpäter bei ben 9iittern unb ^anb^^
Werfern. Äud^' ber ^ol^e ?lbel, ber fid^ nad^ fbinem ©tammfi^e nennt,
ftc^t hinter ben ©täbteu jurticf.
3?ön Solu, baö fc^on um 1106 F^ntiliennamen aufjuweifen tjat,
von 3üti^, SSafel, aWaiuj unb SBormig breitet fid^ bie (Sitte im 13. unb
14. ;3fa^rt)unbert allmäfilid} nad^ ben ©täbten bei§ SiorbeuiS ^in an§.
23on ben ©täbten bringt bie ©itte tangfam auf ba^ flad^e 2anb ju ben
äSauern über, bie ber Familiennamen nod^ nic^t fo fel^r bcbürfcn, ba
\)kx bie ^erfönlic^feit öor bem ©runbbefigc ganj jurüdttritt, unb jum
X^eil nod^ im 15. unb 16. ^al^rl)unbert ber Fön^i^icnnamcn entbel^ren.
Den ?[bfd|tu§ ber ©uttoidEeluug fönneu wir erft in baö ®nbe beö t)ori=
gen unb ben Anfang unfere§ :3^I|rf|unbert^ fefeen, ba in biefer ^eit
erft bie :^uben _burd^ üerf^iebene SBerorbnungen allgemein 5ur Äu-
naljmc fefter F^^iwilic^^^^^^^w fameu.
ÜDaS franjöfif cf)e , aud^ für 9l^einl)effen gültige 1)ecret oom
20. 2utiJ808 Jeftimmt in
Art. 1. Ceux des Fran^ais qui suivent le culte h6braique et
qui, jusqu'ä präsent n'ont pas en de uom de famille et de prenoms
— 6 —
fixes, seront tenus d'en adopter dans les trois mois de la publi-
cation de notre present decret, et d'en faire la declaration parde-
vant I'officier de Tetat civil de la commune oü ils sont doraicilifes.
Art. 7. Les Juifs, qui n'auraient pas rempli les formality
prescrites par le present dfecret et dans les delais y portfes, seront
renvoyfes de France.
ÜDurd) patent oom 23.^ ^nli 1787 njurbc ben ;3:ubcn in bcu öftcr^
reid^ifc^enJSrblänbcrn ücrorbnet, fcjtimmte ©efdjlcd^ts^namcn unb bcutfdjc
33ornamcn anjuncl^mcn.
®ö l^cigt in § 1 bc^ latentes :i) @S ttjirb ücrorbnct, bie :JJubcn*
fc^aft in alien ^roüinjcn ju öer^altcn, baß ein jebcr ^auSöater für
feine JJamilic, ber SBormunb für feine SBaifcn nnb eine jebe lebige,
Weber in ber üäterlid^en ®mali, nod^ unter einer SJormunbfd^aft ober
Kuratel fteljenbc 3Kannöperfon Dom 1. Januar 1788 einen bcftimmten
@efcf)led^t^nanien führen, baiS ttjeiblic^e ©efd^led^t. im lebigen Staube
ben ©cfd^led^ti^namen iljre^ 33ateri^, üerl^eirat^et jenen i^reö 3Ranneö
annel^men, jebe einzelne ^crfon aber oline 3luignaf)me einen beutfd^eii
25*ojnamen fid^ beilegen unb fold^en Qtit iJebenjg nid^t abäubern foil.
2)Jan üergleid^e weiter: ba^g preußifd^e ebift tjom 12. Wäx} 1812
unb für baS ©roß^erjo^tl^um |)effen (©tarfenburg unb Dberl^effen) bie
55erorbnungen oom 15. JJejember 1808 unb 11. ;5Januar 1812.
3Ba^ ba^ SSer^ältuiß ber SJornamen }u ben ^unamen im 15., 16.
unb 17. ^al)rl^unbert anlangt, fo würben mertwürbiger ®eife bie 8Jor^
natuen in biefer Qdi aU biejenigen Sßomen betrad^tet, bie bie ^crfoneu
am fid^erften bejeid()neten unb fie am beften inbiüibualifirten.
S^ ge^t bk§ au!§ einer ganjen 9iei^e üou 2^^at)ac^en ^erüor.
2Bir pnben junäc^ft biö in ba§ 16. :5JaIjr^nnbert l^inein bie ©ittc,
bafe SBcamte, bie firf) einei^ g^^yicnuameuiS erfreuten, fogar in amtlid^en
©d^tiftftücfen nur mit it)rem SJornameu augefüljrt würben. 5Wod^ im
16. Qfa^r^unbert finbet fid^ in ben JJranf furter 9tatf|gprotocotten ber ©^n*
bicu§ Dr. a b 0 1 f Ä n 0 b l a u d^ ftet^ nur alö Dr. ?l b o l f angeführt unb
ber Jrantfurter SRatl^ rebete 1458 in brei Schreiben, welche an ben
taiferlid^en aKüujmeifter ffirwin t)on Stege ju SBicn erlaffen wur^
ben, benfelben mit „lieber Srwin" a\u^)
i
') Saferer @. 9.
0 Ärifof, 3)cutfc^c« «üvgert^iim ©. 205.
5Dic ^%&\)aUni bcr 83oruQmen bemeift ferner bie fel^r beJanntc Art
ber Äuj^fül^rung ber ^ünftlcrmonogranime be« a)?ittelaltcrö. @ö tritt
^ier bie Zi)at^acS)t fjtxiox] bag ber SfnfangSbu^ftabc bcö SSoruamcni^
ben ^aupttl^cil beö SOJonogrammö bilbct nnb ber SJuc^ftabe beö 5«^iKcn*
namenö baneben fc^r jnrücf tritt, i)
@d^lie§Ii(^ mag nod) anf bie cigent^ilmlid^e STrt ber ^iiljrung
Dielcr afp^abetifd^er SRamen^ücrgeid^niffe beö SKittelalter^ ^ingcmiejen
werben. ®o finb j. SB. in einem anf ber'IKainjer ©tabtbibliot^et be*
finblid^en, auö bem ^di)xj 1618 batircnben SWamem^üeräcid^nig aller ber
*JJcrfonen, bie t)om ^df)xz 1565 bio 1618 acabemifd^e SBSilrben erlangt
^aben, bie Seamen ber einjelncn, nic^t ettt^a wie I)eute nad^ ben An-
fang^bud^ftaben ber JJamiliennamcn georbnet, fonbern nad^ benen ber
Sornamen, fo bag j. 93. alle ^ctrni§, atfe ^IjiTippnö jufammenftetjen.
(Sin gleid^eiS wirb oon g^anffiirtcr Seebbiid^ern ^) , ein gleid^eö non
frfflefifd^en Urlnnbenbüd[)ern berid^tct.^)
3Bir fte^en Ijier fid[)cr einem allgemeinen ßJebrand^ gegenüber.
Üangc^eit, bcüor man in Dcutfd^Ianb erblid^e Familiennamen
I)atte, 1t)aren foldjc fd^on in ^talkn gebräud^lid^. 9Wan finbet fie in
«enebig um 809, in mailawb 882, in 3?erona 905 ^) nnb e^ liegt bie
9?crmut^ung wo^l mä)t atl^nferne, bag bie Setanutfdiaft mit biefer
itolieniid^en Sitte, bie ja bnrc^ bie üielfad^en Sejie^ungcn, bie *Dentfd^*
lanb im 10. nnb 11. ^atjr^unbert fowofjl bnrd^ feinen ^anbel, aU
anö) bnxä) bie Ütömerjfige ber Dttonen mit Q^talien f)atU, eine fe^r
leidet ju ermerbenbe war, gnr ©infü^rnng ber erblid()en fjamiliennamen
in 35entfd^lanb öiel beitrug.
^miies Kapitel
Sie ([heutigen SSotnamtn.
e^ ift eine fdjon t)on SJieten bemcrfte SC^atfadEie, bag in ber ffiatil
bcr SJornamen einer ©pod^e bie in berfelbcn ^errfc^enben ©eifte^^
ftrömungcn unb ;$Jbeen fid^ getreulief) wiberfpicgeln. Qnx Qzit ber 9Jc=^
*) »g(. §. SB. boS 3)?o!iogrQmin 2)ürcr8.
») ftricof ©. 204.
'} 3B er in de q. a. O. 8ic^e ©. 3 a. 2.
*) ©ö^iiiflfr'd »Jfa«cpfon bcr beiitf(^fn «Itcrt^ümci* ©. 549. »öC. ouc^
aalöert« I @. 271 ff.
— 8 -
naiffancc, bcö SBicbcrbcäinnö claffifd^cr ©tiibicn tvaxcw anäf antifcSSot'
nömcn an bcr Jagc^orbnung ; fo führten, um ein Scifpicl augufü^rcn,
bie beibcu ©öl^nc bcö 1506 tjcrftorbcncn 5^'anffuttcr ?[rjtcö ©tcntoart
üon ©ocft bic 3JornQmen_©qIon unb ^aüa^. 3^^ 3^^* ^^^ ^uritanif-
tnuä in Gnglanb tarnen frömmclnbc SSornanten^) auf unb bic frieg^^
bcmcgten erftcn ^af)Xitf)ntc' unferei^ iQfö^^'^w*^^^^^^ liegen Slamen n?ic
fianbjturminc, ©neifcnauctte u. f. to. erfte^en.
Slud^ für un)ere Ijcutige Qdt läßt fid^ baö 93c[trcbcn nid^t öerfenncn,
früher mcnigcr gebräudjiid^e 9?amen, fo bje bcr beutfd^cn. Sagen in beu
SSorbcrgrunb treten gu laffen,^) unb eö ift ttjol^l bcötjalb bie Aufwerfung
unb (Sntfd^cibung bcr S^rage am ^lafee, ob unb in wie fern ®efe^e
ober 3Serorbnungcn in Deutfd^Ianb bic freie 2Ba^I Don 3?ornamen Bc^
fdiränfen.
3?or^er jcbod^ muffen jujci onbcrc ??ragen nä^er bcleud^tet »erben :
. Die crfte lautet:
Auf wcld^e SBeifc erfolgt l^eutc bic SJeikguug bcö aSornamcni^?
§ 22 be§ 3ieid)i3gefefeeö über bie SBcurfnnbung beä ^erfonenftanbe^^
unb bie @f|efd^Iic§ung oom 6. Februar 1875 fagt, bag bie (Eintragung
beö ©eburt^fatlcig in bie ©eburti^regifter neben anberem bic SJornanten
beiS .^inbeö entljaltcn folic, ©tauben bic SJornamen bciS Äinbc^ gur 3«it
bcr Slujcigc nod) nid^t feft, fo finb biefelben nad^träglid^ unb längftenö
binnen jtoei ÜJionatcn nad^ bcr ®cburt anjugeigen.
®i§ ift nun nad^ bcr Raffung beö ®efc^e^ barüber moljl fein
3tocifel ntöglid), bag bic 23ornamen uid)t burd^ bie ©rflärung wx bcm
©tanbe^bcamteu gegeben ttjcrbcn, foubern bag bic cigentlid^c SWamen^*
gebung ein Act ift, bcr üon btn SJorgängcn auf bem ©tanbeöamtc
oöttig getrennt ift unb in eine bcr Snjcigc öorauögeI)enbc ^cit fällt.
@ö gc^t bicö ganj flar an§ beu SäJortcn be^ 9Iei^§gefcöe^ ^crüor:
©tauben bie SJornamen jur ^^i* ^cr Slnjcigc noc^ nid;t f eft, founc
an^ bem SBortlaut bcr bunbeörät^Iidjen Formulare: tüdd)^^ Sinb btn
Seamen 2C. erhalten I)at.
*) ©ic Xl^oma« Gomu, bcr ©prec^cr beS ,§oukS bei* ÖJcmcincn jiir ^dt Qfacob I.
imb Äarl I. f)attc eine 5^au, melcf)c 3Ra6tgfcit ^ic§. ©eine tJier Xöd^ter ^örtcn auf
bie Ü^Qmcit ,,öJcbu(b, ©djiücigfamfeit, 9}M6i3teit unb Hlug^cit". Br, Ö on bau, in bcr
3eit|(^rift ,,Uebcr Öonb unb Mm" 1883 ©. 335.
*) ^fll. über bcn (Sinflug fBagncr'« ouf untere SSornamenöcbung einen ^ubfc^
gefd^riebenen Slrtifel im Stalcnber bei8 beutfd)en Sdjultjercin« 1888
— 9 —
'Dem ®efc§e, ba^ für alle eonfcffioiicu glcid^ gilt, ift c^ an fid^
gleid^gültig, mic ber jur SJoritamengebung S3cred^ttgte bicö fein Slcdft
ausübt, ob auf fcicrUd^e ober unfeicrlid^c SBcife. ^n SBürbigung bcc^
Umpanbe^ jebodi, ba§ t^ eine weit verbreitete unb tief wurjelnbc ©ittc
ift, bic 5Ramengcbung mit ber Jaufe ju t)erbinben/) l^at eö bie üßög-
lic^feit eröffnet, bit SBeurfunbung t)or bem ©tanbeöbeamten erft nad^
bicfcm feierlid^en Slfte ber 5Rameni§gebnng eintreten ju laffen, inbem e^
Die eben erwähnte gnft üon jttjei 2)ionaten jur Angabe geftattet.-) •^)
Q§ ift weiter flar erfid^tli^, bafe bur^ bie einmal erfolgte An-
gabe ber SSornamen beim ©tanbeöbeamten beurfunbet wirb, baß unb in
welcher 3Beife berjenige, ber jur Siamenögebung befugt ift, fein SRed^t
auegeübt l^at,*) unb ba^ ber mit SSorname Sfngejeigte, abgefe^en natüv=
lic^ oon ber fpäter ju be^anbelnben Äenberung ber SJornameu, öer-
pflid^tet ift, biefe unb nur biefe angegebenen SSornamen im Seben ju
führen. ®rfoIgt alfo bie 5WamettiSangabe bti bem ©tanbe^beamten üor
ber laufe, fo fmb bie ^ier gegebenen SSornamen öor bem ®efc^e allein
gültig, einerlei, weld^e SSornamcn fpäter in ber laufe beigelegt
worben finbv'O
©in 3)iitarbeiter ber „©latter für abminiftratioe ^raji^ unb i8oligei=
geric^t^pflege, junäij^ft für 89at)ern'', ^at in bem 33. S3anb biefer QtiU
fc^rif t ^) bie ^Jrage aufgeworfen, ob für ben g^all ber 'iDioergeuj ber bei
bem @tanbei8beamten genannten 9Jameu mit ben in ber Jaufe gegebenen
nic^t ber 5'QÖ ^i^^^ Serid^tigungi^ocrfatirenö ber §§ 65 unb 66 be^
^Reic^^gefefee^ öorlicge unb Ijat biefe ^Jrage unter folgenber Segrünbung
bejaht :
^) aWotiOf JU bem entwürfe be§ pi-cuß. ÖJcfc^cS üom 9. 'Max^ 1874 o. 18.
") SlnberS oer^nlt fi(^ bic @ad^c in ber ©^weig. 'Jladj SCrt. 14 unb IG bcö
*^unbe!^gefc^e5, betr. bie JJeftftettung unb ^eurfunbung be§ (EioiIj!anbeä unb ber (S{)c
ooin 24. S^riftmonot 1874 mug bie !i)?amen^beilegung gleichseitig mit ber binnen brei
lagen ju bcroirfenben OiJeburtSangcige erfolgen.
•*) lögt. $eff. 3(mtöblQtt für Stanbeöbeamte öom 20. Jcbrnar 1887: X\c 3tonbe««
beamtcn »erben angcwiefen, bei ber Sfnjeige üon ÖJeburten SlUeö ^n unterlaffen, roaö
bic Slnjcigcnben gur übereilten ^Tngobc notl^ nit^t feftftc^cnber 3Jornomen ocrleiten
fönntc, oieimcbr, fobalb fic mo^rne^men, bog über bie ^a^t ber 93ornamen enbgiltigc
^^mfc^üegungcn nod) nldjt gefaßt fmb, bie SCngeigenben auf bic i^ncn in § 22 letter
'äbf. bf« 0lei(^ggcf. o. 6. 5«^^"^^ 1875 eingeräumte Sefugnig ber nachträglichen unb
iängfiend binnen 2 'JU^onaten nad^ ber (Geburt ju t>ottgie^cnben ^n;;eige ber 93ornamen
aufmerffam \n machen.
*) ö. ©id^crcr (S. 239.
^) ®gt. 3nftruction für Cippc uom 20. 'il'^ouember 1875 über ba« öJefe^ oom
(\. ^hxmx 1875, Stanbeöbeamte 1876 ©. 26: 25ie in bad Stanbcöregifter einge*
nragenen Vornamen ber ^inber ftnb rec^tlic^ allein maggebenb.
«) ©. 230 ff.
— 10 —
@iue SBcrid^tigung tft gegenüber einem unrid^tigcn Sintragc möglich
nnb bie Unric^tigfeit biefeö fann gum ®runbc ^ahzn, eine nnrid^tige,
b. I), öon bet ©irtlid^feit abweid^enbe Änjeige. ^^t nun bei ber ®eburt^*
anjeige mit ober o^ne ffirmal^nung ber laufe gefagt ttjorbcn, ba§ Sfinb
Ijabe ben nnb ben ?iamen erhalten nnb ba§ Sinb mirb fpäter auf einen
anbcrcn SWamen getauft, fo ift bie Slnjeige unrid^tig. Denn mar aii^
bie angeblid^e frül^ere 9?amen«gebung cine SSereinbarung ber ©Item
ober cine förmlid^e, bei irgenb einem Änlaffe erfolgte ©rftärung, fa
f)abcn bo^ bic ^litxn baburd^ bic 5Ramen§gcbung ju nid^te gcmad^t,
bafe fie bem Sinbe bei ber 2:aufc einen anberen Stamen geben liefen.
I)ic bei ber laufe gefd^efjcnbc 9tamen^gebung ift jufofge ber ^errfd^enben
©itte ber Äui^brucf ber befinitiüen SBiCenöbeftimmung unb eö ift fomit
bie aSorauöfefeung cineö Seri^tigungöüerfa^renjg gegeben.
X'icfc 9Iufid^t ift offenbar gänjiid) falfc^. Sine JBerid^tigung fann nur
uorgenommen ttjcrben, mcnn ber :3:nf)alt ber (äintragung jur S^xt ii)xtx S5or^
na^me bem tt)irflid)cn ©ac^üer^alt nic^t entf priest. ^) Qnx bamaligen 3cit
l)ai aber ber jnr 5Wamengebung 89ered^tigte bem Äinbe factifd^ einen SWamcn
fd^on beigelegt unb bie^ beurfunben laffen. ®5 ift alfo nur eine xid)-
tige 2:f)atfad^e beur!unbet toorben. SEBenn ;5cmanb, bem bie SKöglic^feit
offen fte^t, bie ^anblung ber Xaufe t)or ber Eintragung in ha§ ®eburtö^
regifter öornetimen ju laffen, biei^ unterläßt, fo muß er aud^ bic folgen
tragen, bafe ba§ ®efcfe bie erfolgte 9iamen§gebung, bcjüglicli bereu er
uor bem ©tanbci^bcamten eine ©rtlärung abgibt, aU befinitioc anfielt.
33on feiner Scri^tigung, jeboc^ üon ein«r ©rgäujung ber einmal
eingetragenen 3?ornamen, bie fott)ot)l innerhalb ber gmeimonatlid^en fjrift,
aU auä) fpöter für ben ffatt möglid^ fei, bafe in ber 2:aufc nod| mc^r
SSornamcn gegeben mürben, aU bei bem ©tanbeöbeamten angcjcigt
morben, fprid^t eine Verfügung bc^ I. fleinen Senaten bcö ÄgI. Ober-
gcri^tö ^annotjcr öom 9. %pxil 1877.2)
^Jnncr^alb ber jmeimonatlic^cn ^^ft red^tfertigc fid^ bie ©rgänjung
am § 22 » be§ 9i. ®., inbem bie Ijier geftattetc nad^träglid^e Eintragung
ber Vornamen, fomol)! ben SBorten mie bem ®cifte bcö ©efe^ci^ nad^,
nid[)t nur auf ben i^ati gu begiel)en fei, mo jur ^cit ber Stujcige übcr^
fjaupt no^ feine 33ornamen bc5 SKnbeö feftftanben, fonbern atid^ auf
ben f^alf, mo nodf) nidf)t fämmtlid^c 83ornamen feftftanben.
M .&cff. 3nfiruction gu § (55 unb 66.
-) StanbcSbcamtc 1«77 S. 110.
— 11 —
3für ben ämcitcn ^aH — bic (Srgängung nad^ 2 SKonatcn — qr^
gumentirt bie Sntfd^etbung folgenbermagen : 2Benn aud) me^r tok
2 3Konatc ücrftrid^cn jcicn, jo fönnc bic SSerfäumnife bicfcr %x\\i nur
Strafe auö § 68, nid^t aber ben SScrIuft bei^ JRed^teS auf bcn fpätcr
angegebenen SWanten na^ fid) gießen, benn bie le^tere fjolge \)'iiiit fonft
im ®efe|e auöbrütflid^ angcbro^t n>erbeu muffen unb n?ürbe confcqucnt
3U ber t)om (Sefe^geber gemiß nid^t gewoCten äbfurbität fül^ren, ba§
^nbimbuen o^ne alle inbimbualifirenbc SSornamen efiftiren.
®egen biefe Äuff äff ung menbet fidEi mit 'ütiii ein Srlag bc§ $reu§ifd^eu
ü}Zinifteriumig be^S ;3""^^"'^) *^^^ f^^ ^"f ^^"^^ (£rla§ bcig 9leic^^juftijamt§
bcjie^t. Qn bem (enteren ift au^gefprod^en, bag eine Äenberung ber in einer
öJeburtöurfunbe eingetragenen SSornamen, fei t^ burd^ ?lbänberung bcr=
fclben, fei eiS burdi ^injufügung weiterer SSornamen aud^ inncrl^alb
ber im § 22 be§ SR. ®. t)om 6. gebruar 1875 eingeräumten grift für
ausfgefd^Ioffcn ju erad^ten ift, infofern nid^t ber ^öH einer SBerid^tigung
vorliegt; bag inöbefonbere ber in ber angegebenen SSerfügung be^ Dbcr=
gcrid^ts ^annoüer nicbcrgelegte ®a^, t^ beftel^e nad^ § 22 ein SRed^t auf
bie nad^träglid^c Eintragung ber in ber laufe gegebenen Sornamen mit
ben ®runbgebanfen beö ®efc§e^ öbttig unvereinbar erfd^eint.-)
®iS ift jtt)eiteni8 ^ier bie 5^age ju erörtern:
©er ift giir ^Beilegung beö SJornamenö befugt?
(£iS ^errfd^tUebereinftimmung barüber, bag bie JBeftimmung bei^
iUoniamenS bei e^elid^en fiinbern ben .Gltern jufommt. Slönncn biefe
nc^ fiber ben SJiamen nid^t einigen, fo ift ber SBitte bcö Saterö fraft
beffen l^anöl)errli^er unb tjäterlid^er (Senjalt entfd^eibenb^.) Den un*
ct^eHc^en Äinbern legt bie SWutter ben SSornamen bei.*) '^\i hz\ e^e*
Hd^en Geburten SSater unb ÜKutter, bei unefielid^en bie SDiutter oer*
itorbcn, fo fällt ba^ SRcd^t ber 5Ramcngebung an ben SSormunb.
Sc^wierigfeiten bereitet l^ier nur ba^ ®cbiet beö franjöfifd^en 3{edl)tö.
Sir Mnnen uni^ tjollftänbig ber allgemeinen 3Weinung anfd()liegen, bag
>) ©tanbcöbeamte 1877 @. 219.
') ©cjüglt(^ ber ©orfc^rungcn, tüclt^e getroffen fi«^, um eine Ucbcreinftiinmung
ber Saufnamen unb angezeigten ^{amen befonberd au(^ in bem $aUc gu erzielen, ba^
bei Doraudge^enber j^aufe anberc M bie ^ier beigelegten Vornamen gur (Eintragung
fommen foUen, ügf. o. (Sicherer ^nm. 68 ju § 22 ©eite 240.
') S5gl. ^ermann @. 158, ö. Sicherer ©. 235.
*) Sd ift bied f(^on auiSgef)>ro(^en m einem fdc^rtft^en Stefcri^t uom 16. ^prit
16()2. $gl. %xo% über bie 92amendfu^rung ber auger ber @()e geborenen lltnber.
3eitf(!^nft fOr 9{e(^tdpflege unb 9^erma(tung, gunac^ft für bad ^i^nigreic^ ©ac^fen. 9?euc
5olge, IX. S9b. I. .&eft, @. 69 ff.
— 12 -
ben SJomamcn bcö uncf|clt(^en Sinbc^, njel^eö bcr SSatcr bei bcr ®eburt
ober binnen rid^tiger Qtit nad^ ber Geburt ancrfannt f|at bicfer be*
ftimmt. ©benfo ftel^t t§ tvoi)l au6) außer ^vaqt, baß bic SRutter,
n?eld^c i^r Sinb ancr!cnnt, in Smtangelung ber 3(nerfennung be«
S3ater5, baö SRed^t bcr SSornamengcbung t)at.
^n weld^en Hcten ift jebod^ eine ^Inerfennung beg Sinbcg burd^
bie SWutter gu finben?
Die ^Beantwortung bicfer aud^ für bie Seljrc oon ^amüicnnantcn
überaus njid^tigen ^^ogc foU bent näc^ften Sapitel überlaffen bleiben.
§ier mag nur fo oiel bemerft werben: Siegt eine SIner!cnnung bei^ ftin
be^ burd^ bie SWutter ni^t oor, fo muß i^r in einem fold^en J^attc bic
33efugniß ber SSornamcngcbung abgefprod^en werben^) unb ba^ Siwh
mirb nad^ Analogie ber ^iwt^clfinber ju be^nbeln fein. SSJa^ bie 3Sor'
namen^beilegung biefcr le^tgenannten S!laffe angeljt, fo ertt)eilt berjcnigc,
ber ben 2?ornajnen angibt, aud^ ben ^Vamiliennamen unb eS bleibt baljcr
aud^ bie (grörterung biefcr ^rage bem näd^ften SJapitcI Dorbef;aIten.
®ir fönnen nun ju unferer fd^on berül^rten Hauptfrage übergeben,
ob unb in wie fern burd[) ®efe^e ober 3?erorbnungen SBefc^ränfnngcn
in ber Söal^l ber 33ornamcn in ©eutfd^Ianb red^tögültig befteljcn.
Sllö erftc Sc|d[)ränfung muß angefül^rt werben, baß bcr ©tanbcc>^
beamtc befugt ift, Stamen, bic einen unanftänbigen, fittcnjofen ober ben
<Btaat unb bie 3teIigion bcleibigcnben 2) 6f|araftcr I)aben, surüdfäuwcifcn.
®oId)e SiJornamen bürfcn einem S!inbc nid^t beigelegt werben. @g ift
bieö ein Verbot, ba^ fid^ fd^on aui^ bcr 9Jatur ber ©ad^e ergibt.
3nm Ueberffuß ift eö aud^ nod^ in mand^en (Staaten burd^ befonbcrc
SBcftimmungcn jum ?lu!gbrudE gcbrad[)t Worben. So ^eißt e^ in ber Q\v
ftruction für bic ©tanbcöbeamtcn oon ©ad^fcn-äBcimar^Sifcnad^ uom
22. Ottober 1878 r"^) „J)ic Stanbcöbeamtcn werben angewiefen, unan-
ftänbige ober fonft anftößige 35ornamcn in bic ©tanbcöbüc^cr nid&t ein
antragen, foldjc 9?amcn üiclmer^r jurücfjuwcifen unb bic ?lnmclbcnbcn
jur Eingabe auberer 23ornamen ju ocranlaffcn." Äc^nlic^ fprid^t fic^ bic
^nftruction für ©tanbe^bcamtc oon ©ad[jfen^9)?einingen § 38 axi^,^)
äljnlid) eine ©encralocrorbnung bcö Sgl. 9)iinifteriumi§ bc§ ;3i^^icrn in
') 53g(. u. Sicherer § 22 ©. 235.
«) §^crmonn a. a. O. § 3 @. 159 $(. 3.
«) ©tanbeöbcamte 1878 @. 23«.
*) @tanbe«bcQmtc 187« @. 236.
— 13 —
©ad^fcn t)om 27. Dcgcmbcr 1875/) bcrjufolgc ana) bic eingetragenen
3?ornamen Danton, 3Karat beseitigt »erben mußten. 3SgI. weiter
eine SSerfiigung be^ ÄgI. Dberpräfibium^ ber "^roöinj 'iJreujsen ooni
11. gcbruar 1875 2) ujib bie SHeöifionöbemertungen bes Saiferl. ©eneral^
procurator^ für ffilfaB^fiot^ringen öom 29. (September 1877.3)
SiS ift bieig ^rittjip natürlid^er SBeife aud> in anbcren ®taattn
tu ©eltung.*)
Äußer biefer einem atigemeinen JRed^t^grunbfa^ entfpringcnbeu 95e*
fdjränfung fiaben einzelne 9te(j^tj^gebietc jDcutfd)Ianbs^ anbere fpejiette
3Jor)d)riften aufjunjeifen :
I. 3)em oft fel)r ffll^Ibaren aJtiBftanbe, baß ^erfonen an bemfelben
Orte^bci gleidjen Familiennamen aud^ gleiche 2?ornamen fiUjren, tritt
bie ®ad^fen=3)?einingen'f(^e ;3"P^wction jum 9lcid^^gefc|e oom 6. Feb-
ruar 1875 (§ 37) entgegen, 5) meldte ben ©tanbei^beamten anmeift,
gegen fold^c Sornameneintragungen ju mirfen, freiließ, obne^ baß in
biefcf §fnfid|t irgenb tin Stoanq ausgeübt ttierben fönntc.
ßntfd^iebener fprid^t fid^ eine ©ad^Ien-SBeimar^Sifenad^'f^e äßini^^
fterialbefanntmadiung oom 18. Februar 1876^) auö. X)iefelbe fagt:
'Jlae^ befte^enben SJorfd^riften bürfen für neugeborene Slinber nidjt
biefclben SJornamen gen)ät)It werben, meldte ber 23ater ober ein anbcren
Crt^cintt)of|ner öon gleid[)cm ^wnamen bereite fü^rt.
n. ÜDic 9leoifionöbemer!ungen beö Saijerl. ®encraIprocurator^
üom 29. (September 1877 7) madden eö ben (Stanbeöbeamten öon
(Slfaß^Sot^ringen jur ^flidtjt, im beutfdf^cn (Sprad^gebiete franjöfifd[)c
Sornomen jurüdjuweifen.
m. I)ie ^effifd^e Q^nftruction jum Meidö^gefe^e oom 6. JJebrnar
1875 ^) beftimmt, baß im red^tör^einifd^en ©ebiet be^ ©roßl^ergogtliumi^
nur fold^e 93ornamen eingetragen werben, bie al^ fold^e and) üblid[)
finb unb erflürt
*) ©tanbcSbcamre 1883 @. 42.
»} ©tanbeSbcamte 1874/75 ©. 52.
») @tttnbe0bcamre 1877 @. 233.
*) «gt. für bic ©d^wcia fionbbuc^ ©. 215 unb für Ccftcrrctt^ Äafarcr <S. 4G.
*) ©tanbeöbeamtc 1876 @. 236.
•) @tanbf«beomtc 1876, ©. 130.
') ©tanbfdbcomtc 1877, @. 223.
") W- M- 3fnPrnction gu § 22 bcS 9?ci(^«gc[e(jc«. «Kr. 52 (@citc 619) bc*
^rffiff^m Siegierungdblatted oon 1875.
- 14 -
IV. !©ie SJcftimmung bcig franjöfifd^cn @cfc^ci3 Dom XI. Gernii-
nal de raiLXI (1. ?(pril.J803) für 5Rf)cin^cfjen auöbrüdtlid^ al^ in
Äraft bcfinblic^.
"Die bit&htiÜQÜä)t Scftimmftng be« erwähnten ®cfcgcö, auf bcffcn
(gntftcfjung nod^ juriidtgcfommcn ttjcrbcn foil, lautet ttjic folgt:
Art. I. A compter de la publication de la präsente loi, les
noms en usage dans les differents calendriers, et ceux des per-
sonnages connus de Thistoire ancienne, pourront senls 6tre re^us,
comme prenoms, sur les registres de Tetat civil destines ä con-
stater la naissance des enfants; et il est interdit aux officiers
publics d' en admettre ancun autre dans leurs actes.
®^ fragt fid) nun, finb alle bie crioä^nten 33orfc^riften gegenüber
bent ateid^i^gefe^e alö ju JRec^t befte^eub ju erad^ten, iu'Sbefonbcre ifi
nod^ bie SBeftimmuug beö citirteu fraujöfifd^en ©cfefecig, tvzld^c, wie
ber erfte Slicf le^rt, üöllig oerattet unb unjeitgcmäg ift^ für bac*
beutfc^e ®ebict be^ fraujöfifdieu 'Sitöji^ in Sraft unb bie ^cff. ^n
ftruction mit SRed^t ergangen?
«on t). ©irfierer,' (@. 235), §infc^iuö (@. 85), fitting (@. T.^i
in i^ren Eommentaren jum ^erfonenftanbi^gefeg ift biefe ^'^age bejaljt
ujorben. ;$^ebod^ i)at aud) bie entgegengefe|te SWeinung 33ertretung gc
funben. 2ßir öerweifen auf ein Urt^eil be^ !üuigl. Sanbge.ridjt!?
Jlöln. 1) 6^ Reifet f)ier : ©rwägenb > baß ber ©tanbeiSbeamte fid^ mit
Unrecht auf bie SBcftimmung be^ ®efe^eö öom 11. Germinal XI be
3ic^t, iubem biefeö ®efe^, nad^bem baö 9ieic^5gefc^ oom 6. gebruar 1875
bie SBeurfunbung bes ^erfonenftanbeig unb bie ©Ijefd^ticßung für baö
I)eutfrf|e SReid^ regulirt ^at unb bemgemäjs bie Söeftimmuugen bes<
rl)einifd)eu ßiüilgefefebud^ö unb beffen ergänjeube 6Jefege über ben
'ißerfonenftanb i^re ®ültigfeit verloren ^aben, !eine Änmenbung mc^r
finbet, bafe ber § 22 be« Oefefeeö oom 6. gebruar 1875 lebiglic^ bie
SSorfdjrift enthält, ba§ bie @eburtj3ur!unbe bie 3Sornamen bciS Sinbe^*
enthalten fott, ol^ne fic^ barüber nä^cr aui^jufpred^eu , tucld^c SJor*
uameu alö juläffig ju betrad^ten feien, ba§ bemnad^ bie SSJaljI ber
33ornameu bem jur Slujeige SScrpftic^teten überlaffcn bleiben muß unb
nur bie ©intragung unanftäubiger ober anftößiger SJornamen abgelehnt
mcrben tann, baß jubcm ber 35orname ^ot^jena ein nid^t ungeioö^n*
li6)tx (?) ift unb beffen SBa^l in jebcr Sejie^ung gerechtfertigt er-
^ritanbedbcamtc 1884, ©. 20.
• — 15 —
fd^cint, tt^irb bcr ©tanbcöbcamtc jur Äufnal^mc biefcg 9Zamcn^ in bic
(SJcburtSurfunbc angctüicfcn ^).
Aber biefc^ Urt^eil bc^ 2anbgerid|t« Sofn ift cntfd^icben falfd^.
(&§ ift nid^t crrw^tlid^, mic ein ®cfe|, ba^ t)on ber SBa^I bcr
SSornamen, bcr Äenberung bicfcr unb bcr ^öntilicnnamen ^anbelt,
bnrd^ ein ©ej'c^, baiS na6) litel nnb ^ni)alt nur bic Senrfunbung
bcig ?ßerfoncnftanbeö regelt, au§er Sraft gcj'cfet merben foH. ginc
a}orf(ä^rift unfercö 9leid^ägcfc^ei§ über bic S5Jaf)I ber 93ornamcn wäre
feinem ganjcn ;3^^^^It "od^ gar nid|t am ^la^c unb eö fanu ba^er
auö bcm ^el^Ien einer fold^en SBeftimmung nid^t gcfd)(offen merbcn,
ba§ bai^ @cfe$ burdj fein ©d^wrigen bic 335a^I bcr SSornamen für
frei unb alte bie^bcjüglid^ ergangenen (ober noc^ ergc^cnben) lanbci^^
gcfe^Iidien SBcftimmnngcn aU ungültig erflärcn n)otIc. ©^ mu§ öie^
me^r bic 93eftimmnng be^ franjöfifc^en ©cfctjeö, njic atte anbercn
unter I — III criüftl^nten SJorfd^riften aU uöllig ju 9ted^t beftel)enb
erad^tct n)crben.
^n ben \>on bcn ernjä^nten Seftimmungen nid^t getroffenen
J^cilen J)eutf(^Ianbig ift bagegen ber gur 5Wamengcbnng 3iere(^tigtc
in bcr SBa^l bcr SBornamen m_^t befdjränft. (Sr barf ungemö^nli^e,
fclbftgebilbete unb felbft gamiliennamcn aU SJornamen geben ^).
Sig barf nic^t öerfd^micgcn werben, ba^ ÜJJanc^er bicfe iljm gcfe^*
lid^ juftc^enbc 5^eil^cit fdjon im aui^gicbigftcn SWaa^c aui^nu^tc. SSenn
ein gabritant, bcr gerabe gute ®cfc^äftc in Scnjin gcmad^t ^at, bicfcm
fjabrifat ju Sljren feinen neugeborenen ®o^n „Senjion" nennt 3), ober
eine aKutter it)rcg gerabe in ?Imerifa mcilcnbcn ®atten gebenfcnb, bcr
Xoc^tcr bcn 5Wamcn „@anf rauji^f a" beilegt*), fo möd^te'man ber
üKeinung bercr merben, bic eine reid)ögefc^Iid[)e 9legdung bcr 3Sor*
nameniäfrage in bcm ©inne öcrlangcn, ba§ nur SSornamen gegeben
njcrbctt fotten, bic aU fold^c au(^ nhlid) fmb.
*) Sluc^ bic 3füfc^rift „2)er ©tanbröbcamtc" jmeifeü in feinen legten 3fa()v*
gangen bie 9ie(^tdgültigteit bed frangöftfcfien (^efe^ed in !2)eut[c^(anb an.
*) 3Jg(. ^icvju eine SSerfügung beS Äg(. C)ber^)räfibinm ber ^^roüinj ^reugen
üom 11. gebruar 1875, @tanbedbeamte 1874/75 ©. 52, ben (Srlap beg Ä'reiöauö*
fc^uffeö in ^olberg uom 10. ^JJldx^ 1885, ©tanbedbeamtc 1885 S. 85 nnb bic be*
vcc^tigte ^ritit bejüg(i(^ bedfe(ben , in bei* ^oc^cnfc^rif t ,, !S)ie ©etbfiuerroaltnng "
/ @tanbcigbeamte a. o. O.)
••) @tanbe«beQmtc 1874/75 S. 129.
*) ©tanbeSbeamte 1877 <B. 102.
- 16 -^
Sie ^tnttgtn ^amilietmamen.
Wlit bem @intrttt in ba« Seben erwirbt baö ffiub fofort einen
Familiennamen. 55icfer ift lei^t feftjuftcHcn, menn SJater unb 2Kuttcr
ober nur bie 9)Jütter beö ffinbeö befannt ift unb ft> fid) and) bic
Frage nad^ ®t;elid^feit ober Une^elic^feit ber betreffenben ®e6nrt Ieid)t
crlebiflt. Sud; ba^ Rinb, bad üerlaffcn unb einfam aufgefunben wirb
unb bcffen ?(ngeprigen nid^t ju ermitteln finb, ber ^i^^bling, f)at im
?tngenblicl ber ®eburt einen Familiennamen fi^ erworben. Da ber
fclbe aber bei Unbefanntfc^aft mit ben @Itern ööllig unbefannt bleibt
unb nadj l^entigcm 9tedf)te jeber aWenfd^ einen Familiennamen führen
mufev fo mn§ bemfelben ein neuer Familiennamen beigelegt werben.
Qm ißerlanfc eineö 3}Jcnfc^enalterö nun fann ber einmal erworbene
Familienname Slcnberungen erfahren unb jWar tann bicfe ?(enberung
lebiglid^ unb allein auf ben SBillen bcß 5Wamenöträgerig jurücfjufüljren
fein ober fie ootljietjt fid^ unabtjängig t)or bem SBillen beö Siamcnc^
träger^, traft ©efegeö ober öewoI)nt)eit al^ F^tgc beftimmtet juriftifd)
bebentfamer ©rcigniffe.
S(ni3 bem ®cfagten ergibt fid^ bie f;icr folgenbe Sintljeilung. SEBir
betrachten
I. hcn (Srwerb beö Familiennamen^ burd) ©eburt,
II. ben Xiamen ber F^^i^Ii"9^^
III. bie in Folge mannigfaltiger red^tlidj) intercffanter Jf)atfac^en
fraft ®efe^e^ ober ®cwot;nl;eit fid^ oolljictjenbe Slcnberung ber
Familiennamen.
(Dem folgenbcn Kapitel bleibt bie freiwillige Slcnberung ber
Familiennamen oorbc^alten.
I. Der Srwerb be^ Familiennamen^^ burd^ ©eburt.
A. ^it e^elit^en .^inber*
©iner ber wenigen, feit Sllterj^ f)er unbeftrittcncn , fd;on bei ben
aiömcrn anerfanntcn ©äge be5 9lamen^re^t!§ ift ber, ba§ cl)elidjc
Äinber ben Familiennamen be^ 3?aterö erljalten. (So ift biefer ©a^s
and; in äat)lreid)en ®efe^en jum Äu^brucf gefommeu. S5gl. j. ®.
^x, 2r. II, 2 § 58. Für Cefterreidj 83. ®. § 146 u. f. w.
— 17 —
Die ^articularrccä^te, bic bicfcn ©afe auöbriicflid) aufgenommen
unb QU^gefproc^en {)a6en, !önnen nur aU anerfennenbe 3^U9"iff^ ^i^^^
gemeinen SRcc^t^ bettttd^tet loerben^).
Seine Siegel o^ne SuSnal^me. 9ia6) heutigem 9f{ed|te gibt t§ nod)
cine Slaffe t>on e^Iic^en fiinbern, bie ben Slamen beiS SSaterg nidjt
filmten. e§ finb bie^g bie Sinber, n)el^e einer fogen. (J^e jur linfen
.^anb entflammen. ^) !t)ie @f iftenj ber (Slje jur linfen §anb unter bem
9lei^^feJ jDom 6. gebruar 1875 ipirb jU^ar t)on 5)ernburg^) unter
ber Segriinbnng geleugnet, ba€ ernjä^ntc ®efeö fenne nur eine r)olU
gültige &)t , ber Stanbei^beamte fei nur berechtigt , bie SSerlobten al&
e^eleute ju üerbinben, ofine Sefd^räntungen l^injufügen ju biirfen unb
bürfe in ba^ »^eiratlj^regifter einen 3JermerI über ?{bjc^Ing ber 6()e
jurjfinfcn ^anb nidjt eintragen, unb 9Jot()^) befd^räntt i^re ©iiltig*
feit, ben § 72 bed 9Jeicl)ögefefeeä für fid^ anfuljrenb, auf bie 3)titgliebcr
ber lanbed^errlid^en ^^milien. Allein eö ift too\)l ber Ijauptföd^Iid) üon
©tob be 5) Dertretenen SDieinung ber^orjug ju geben, bafe ba^ :3"f*i^w*
ber morganatifdien (Sf)^ für ben ganjen ^ot)en SIbcI Ijeute nodj ju 9?cc^t
bcftel^e unb jmar begl^alb, meil bad 5Heid)dgefc|i nur bic go^'^" ^cr
(f$efd)lie|ung regele, ed jeboc^ nid)t oerbiete, neben ber ftanbedanit-
lid^cn Srflärung einen befonberen SSertrag ju f(^lie§en. 2öad für bic
Xiamen ber fiinber an^ einer ®t|c jur linfen $anb gilt, mufe n?ot)I
aH3emein_.für bic an^ einer SJü^^eiratt) ftammcnben äinber angenommen
loerben.
SäJerben fiinbcr in einem Äugenblide geboren, mo bie bei il;rer
Beugung oor^anbenc ©(je bereits aid nichtig erflärt mürbe, fo I;aben
biefelben, falld eine putatioe (il)t oorliegt, bcn oäterlid^en göntilicnnamcn.
(Sd ift bied bie fiefjre bed gemeinen, bed franiöfifd^cn ^) unb bed iiftcr^^
reid|ifd)en ') 'Siti^t^ , mäljrenb iljncn bad preufeif c^e üanbred;t in ©e*
mä§()eit bed § 53 S:l)eil IL litel II., mie allen and nid^tiger e()e ftam-
menben Äinbern, ben ^i^^niti^nnamen ber SWuttcr . in ber Siegel jumcift.
338ad bie 9^amen ber ^ier nod^ ju ermätjnenben Ärautfinber an^
langt, fo fmb bie ©efe^gebungen ber oerfd)icbenen Jcrritoricn burd)'
*) ^ermonn ©. 821.
') t3gl. ¥r. ßanbrec^t 11. %\)^\\ I. %\u\ §§ 873, 874.
') i^ei)rbud) bfö ?rc»6iic^cn $riuotvcd)t§, 8. ?(uf(., III ^. 10.
*) II § 91 %rm. 4.
^ IV. § 214.
«) code civü %xt 201.
') IL ©0. § 160. «gl. Saferer @. 25.
l'eoi. S^oiiiamcn unb ^^milicnnomcn. ^
— 18 —
auö ücrfd^icbcu. 3)ie Seftimmung bc« ^cufeifd^cn fianbrcd^t« Z^txl II.
litel IL § 597: „®tn mit einer förmlich öcrlobten SBraut etjeugtes
Äinb erlangt bie' Siechte ciiteö et)elid^en fd^on burd^ bic bloße gerid^t
Iid[)e ®rflärung hc^ ^üh, ttjenn gleich bie (£§e mit ber SDtutter nidtit
wirflic^ üottjogen morbcn", ift burd^ § 22 beiS prengifd^en ©efe^ee
i3om 24. april 1854 1) aufgehoben, fo bafe im ©ebietc beö ))reu§ifc^cn
iJanbred(>ti3 83raut!inber jtej5 ben 5Wamen ber aWutter filieren. 5>aöfelbe
ift nad^ franjöfifdiem unb öfterreid^ifdiem ?Rcd)te ber ^aU. Äuberö
na6) füd^fifd^^ Siechte, ^ier führen SBrautfinber in ®cmä§^eit bc^
§ 1578 beö fäd^fifdien (Scfelbuc^eiS ben Slamen beS natürlid^en SSatcr^.
S35ai3 ba§ gemeine Sfted^t anlangt, fo fteüen mt ganje iRcil)e
ÜE^eoretüer, oor allen JRotl^,-) eine gemeinrcd^tlid^c ^rajie
baftir anfü^renb, SBrauttinber, b. i). f)kx bic nac^ öorauögcgangcnem
gültigen öffentlid^en SSerlöbniffe, auf baö ol^ne <Sd^uIb ber SDiutter eine
&\)t nid^t folgte, erzeugten Sinbcr ben eljelic^en oöUig gleich, werben
i^nen alfo auc^ ben Slamen bcig SJaterö bemiöigcn muffen.^)
^n ber^ ©d^ttjeij gelten SBrautfinber at^ unel)etid&. ffiinc %n^<
nai)mz befte^t ^ter nur für ben ffanton Sßaabt. ^ier gelten nämlich
„bie unter ©l^cöerfpred^en geborenen ffinber für el^elid^, erhalten alfo
ben ^yiamcn bc§ S3atcr^, menn baö Gljeöerfpred^en t)or bem eit)ilftanbig*
bcamten errid^tet, bie ®^e anß einem oom SBillen ber SScrlobten un^
abl^ängigen ^inberniffe nid^t üotljogen mürbe unb bai^ SJorfjanben-
fein bicfer 33orauj§fc^ungcn burd^ bie juftänbige Se^orbe conftötirt ift."*j
B. Sie unel^eUt^en Sinber.
2)a§ 5fiamen§wcfen ber 5RBmer ift un§ in mannigfad^en JBe^
gieljungen noc^ fe^r bunfel unb njaö in^befonbere ben SJamen ber
unclöclid^en Sinber anlangt, fo ift nad^ ber Unterfud^ung ßinert'i^
eine fräftige 93ctt)eiöftelle für bie ©itte, biefelben nad^ ber SÄutter jn
benennen, nid^t Dor(;anben. ©inert fd^liegt jeboc^ an^ öorl^anbencn,
auf ben üWamen ber Äboptitjfinber bejüglic^en ©teilen, bag römif^c
©itle unb ©emo^n^eit für ben Slamen une^clid^er Jtinber eint Siegel
geftellt \)abt, bag . fie ben Slamen ber üßutter afö einen angeborenen
ju befolgen l^ätten. ^) (S^ ift mo^l < aujunel^men, bafe bei bem auf-
M ©tobbc IV @. 108.
') 9{otf| n, § 153.
») Uebcr eine obmeic^cnbe Anfielt ögl. ^tobbc IV. § 261, ^, 408 SC. 25.
*) öanbbud) @. 230.
*) iSincrt S. 109.
— 19 —
fommcn bcr Sfamilicnnamcn in ben ocrfdjiebenen (Scgcnben 1)cntf(]^Iaubö
bic unc|cH(i^ctt Sinber, benen aud^ in bicfcr 3^it ^^^ altbcutfd^e
JRcd^tiofigfcit uiVb änrüd^igfcit ^) noc^ mcrfltd^ anhaftete, bic legten
iDoren, bet benen überhaupt bte 93etlegung eineiS ^Familiennamens in
^rage fam, ba% fie gerabe fid^ nod^ längere 3cit nur mit einem Seamen
begnügen mußten, ba ja 5Wicmanb ein Q'ntereffe baran Ijatte, biefe
^erfonen al^ ju feiner 5^"^^^^ gehörig gu bejeid^nen.
^nr "^SJcIenc^tuug ber J^rage , »eichen Jöiniliennamcn nnelielidje
ftinber im 17., 18. :5Ja^r^unbcrt unb im ®ebiete beS gemeinen SRed^tö
in ben erften ;3ia^rae^nten unfereö ^a^r^unbertö fül^rten, mag ^icr auf
ein Urtljeil beS Söniglic^ lä^fifc^en Cber^apettationi^gerid^tö üom
7. 2Rai 1839i) unb auf bic «nftd^t 9Biarba'S ^ingcwiefen merben.'^)
^aö cxtoi\)ntt Urt^eil ftellt ben ®runbfa^ auf, cS fei ben beutfd^en
@ett)oI|n]^eiten angemeffcn, bag une^elid^e Äinber ben 5ßamen ber iWutler
fiiljren^ lücnn ber ^ater ungcn)iB , baß fie Ijingcgen, menn biefer au^^
gemacht ift, beffen Xiamen annef)men. ^Daneben prociamirt q^ jcbod;
Va^ später nod; ju betrad)tenbe ?^rinjip ber freien SWamenSücränberung
in bcm Sage, baJ3 eine !ä)intter if)rcm Sinbe an^ jebcn beliebigen ©e-
fd^fed^t^nanicn beilegen fönnc, berfelbe alfo an ben Siamen ber 9)?uttcr
nic^t gebnnben fei.
J^ui r b a Ijat bagegen bie merfn)ürbige ?(nfid^t — unb biefelbe
fann bod) nic^t gerabeju iii ber Suft fte^en, fonbern grünbct fidj fidier
auf ju feiner S^it geübte ^rajiö — ein. SSaftarb fei na^ gemeinem
flted^t burd^au^ nid^t befugt, btn ©efd^tec^tSnamen ber SDJntter njiber
ben SBTffeii 'btx ?fgnaten berfelben aujune^men, fönne aber mit 3ELMlfen
be<5 25aterg beffen ®efd|led)tönamen annehmen.
"^ir l;aben alfo ^ier eine ganje SRei^e öerfd^iebener ®t)fteme unb
c^ ertjcllt fd)on am biefen SBeifpielen ^nx ®enüge bie SSermirrung, bie
ijur angegebenen ^eit in Scjug auf biefe 5^age in T)eutfc^Ianb l^errfc^tc.
Diefe SJermirrung ift ani) ^eute noc^ nid^t ganj gefd^munbcn ; bieö
wirb fid^ auiS bem nun ju f d^ilbernbcn , geltenbcn {Red^töjuftanbe
ergeben.
aßir fommen 1. ju ber Jrage: 9SJcld)en Familiennamen führen
bie une^elidien Sinber einer lebigen grauenöperf on ?
*) ©tobbe § 201 I.
*) B%{. ^ierau bie ^ritif C^inert'd unb $ermann*$, ^ermann @. 323 ff.
"") S^iarbQ @. 212, 245.
2*
— 20 —
aiö Qjfgemciuc Stcgel Iä§t fid^ l|icr bcr ®a^ nufftettcn, ba| mu
cf)clid^e Äinbcr bcii Siamcn i|^rcr abutter führen. Qa\)lxcx(i)t ^Jßattu
cularrcd)tc cntl^altcn cntfpre^enbe SBeftimmungcn. T>a^ preußifd^c Saubrcd^t
^ac[t in Jticil II. XM II. § 640: „Unc^cHd^c Sünbcr fütircn bcn ®c^
fd^Icd^tignamcn i^rcr 3Wuttcr." ^n bemfclbeit ©inuc fprcdjcn ft^ § 16f)
bc!§ bürgcrlid)cn ®efc&buc^ö für Dcfterreic^ unb § 1001 bcö fäc^fif^cn
ßJefc^buc^ö an^. JJenicr mag ^icr öietteid^t auf eine 83remenfif(^c SBer*
orbnung üom 10. JJejember 1875 bic Äui^fü^rung beö ^erfonenftanb^
gefeßeg belrcffenb, Ijingctüiefcn Jücrbeii. (S^ Reifet Ijicr: „Uneticlid^ ge=^
boreue Sinbcr, roetd^e n\ä)t bxxxä) iiadifolgenbe ß^e legitimirt finb, fül^icti,
fo lange uidjt üon ber juftänbigcn aicgierungöbel|örbc bie Beilegung
cine^ anbeten 9iamcnö erfolgt tft, ben 9?amen ber üJhitter. ^)
Jtbcr auc^ üon biejer t)ier aufgeftettten ollgemeinen ^Hegel ejiftiren
eine große Ängal^I änSnal^men nnb Abweichungen. SBetJor njtr jur
iBefprec^ung berfelben übergeben, möge l^icr beö 3wf^"^^"^"^^^^9^ lücgen
bic SSJirfung ber ?(nerfcnnung beö 3?aterjg auf bcn ^Familiennamen be§
unef|elid)en Sinbeö in'ö Äuge gefaxt njcrbcn.
3kd) cjemeinem ?li!id)tt ermirbt baö uneljclid^e Sinb burd^ bic Än-
crfennnng bcr 35aterfd)aft feinen ?lnfpruc^ auf ^ü^rung bcig JJamilicu-
namens bc^ 3?atcrö. !Da§ SKei^ögerid^t f)at biefen ®a^ in einer für
bie £e()re t)om 55«miliennamen übcrauig mid^tigcn ®ntfd)eibung Dom
22. Cf tober 1881 (SBanb V. @. 172 ff.) auöbrüdlidf) an^gefprod&en.
©benfo füljrt nad^ preu§ifd^cm iJanbrcd^fe nnb na^ beut fäd^fifd^en
bnrgcrlid()en ßJcfcgbuc^c ba§ aujsercfjelid^e Sinb, aud^ menu ber
£d)mängerer bie ?(nerfcnnung ber SJaterfd^aft erflärt l^ot, ben gamilien*
namen ber 9JJntter. X^ie Sinber jebod;, bereu natürlid^cr abater fd[)on
Dor bcm 1. Wdxi 18G5 bic ?lncrfennung auögefprod)cn I)at, ^aben
nadj fäc^fifd)em Siedet ben 9?amcn be§ SJateri^.^)
^ad) fran jöfifd^cm Slcdjtc enblid^ füljrt ein natürlid^eS Sinb , je
nadjbem c^ oou bcm 93ater ober bcr aJhittcr anerfannt wirb, bcn 9?amcn
be^ 33aterö ober bcn bcr aWuttcr.^) J)icfcr in ber ÜE^corie ofjnc 3^cifcl
baftct)cnbe ©afe ^at in ber ^rafiö gcfdjwanft.^)
S33ie ift e^ ju Ijaltcn, menu ein üon ber aWutter anerfannteö Slinb
fpätcr gnd^ Dom SSater anerfannt wirb? §ier erhält cö nac^ richtiger
M StanbeSbcomtc 187(5 ©. 131.
*) ^tonbcöbcamtcv 1878 @. 56.
^) 35gl. fjm^u 3nd^oriae III. § 572a.
*) S5g(. tjiergu fine dorrefponbcitj im ©tnnbeöbcointcn 1882 <S. 61, totld^ bein
üom 3?atcr ancrfonntcn ßtnbc nui* beii ^jiomcn bei aJhittcr betwiüigen Juiff.
— 21 —
^JKcinung nic^t ctma nur ben 2Jatcri§naincn, fonbcrn e^ f)at ba^ Stcd^t,
ben SSatcriS* unb üKutternamcn ju fuhren, ^[t ha^ Sinb üom SJatcr
unb^9Kuttcr juglcid^ anertannt, fo erhält cö cbenfaUi^ ben 5amilien=
nanicn be§ 3}atcr§ nnb ben bcr aJiuttev.^)
SBejiiglid^ ber <B6)mxi mag Ijier bemertt werben, bag nur tu
einigen ffantonen bie äncrfennung benfjomiliennamcn beiSSJaterö gemä^rt.^)
®ct)en toix nun jur SBetrae^tung ber «uona^mcn oon bent an bie
@pi§e unferer ©rörterungen gefteltten ^rinjipe über, ba§ une^elid^c
Sinber ben 5Wamen ber abutter erhalten, fo !önnen mir alö erfte ?(u^^
naiime anführen, bag bie une^elid^en Sinber abeliger 2)Klttcr nad) ein^
seinen ^articularred)ten nid)t bereu Slbcligpräbicat, fonbern ben einfad^en
iJamiliennqmen erholten.
§ 641 I^eil n litel II beö allgemeinen preufetf^cn Saubrediti^
öeftimmt: ^\t bie 9JIutter t)on abeliger .f)erfunft fo fann bennod^ baö
nnet)elic^e Sinb besf abeligcn SlamcniS unb SBappenö fid^ nid^t anmaßen,
ffiö ift biefer ^aragrap^ merfmürbiger ffieifc üon ^ermann^) tjottftän-
big überfe^en ttjorbcn. Derfclbe joitt äbel unb abelige Seamen nadj
preugifc^cm. Sanbrcd^te fc^arf trennen unb miß i^nen ben abeligen &t
f(^ted^ti8namen ber SWutter jut^eilen, toä^renb er i^nen auf ®runb be^
?(n^angöparagrap^en 94 ju § 592 ben Abel abfprid^t.
«ud^ ber § 165 S.®. fpricl)t ben ©a^ an^: Une^elid^c Äinber
^aben auf ben Abel ber aKutter feinen «nfpruc^.
®ä beftimmte ferner 3frt. 68 bed gntmurfö eincö bürgerlid^en
@efe^bud|ö für bad ®ro§^eraogt^um Reffen üom ^a^x 1842 : „Une^eli^e
Rinber erhalten ben ®ef*^Ied^tönamen, nid^t aber ben abel ber a)?utter."
35gl. ferner ©tob be § 261b unb bie bort citirten SSerorbnungen.
^u einzelnen Territorien ert;ält — ed ift bieö bie jmeite ?(udna^mc
uufcred obigen 'JJrincipd — ba^ uue^elid^e Äinb nic^t ben 5Wamen ber
2)iutter, fonbern mit ^wftimmung bes SJaterö beffen g^J^ilicnnameu.
3tot\)*) citirt in biefer $inft(^t folgenbe Seftimmungen :
1. für »atiern, aKinifterial-grlaß t)om 25. ;3uli 1825,
2. für Söürttemberg, ®efe|*t)om 15. September 1839, «rt. 28/)
•) «0(. l^aurcnt 33b. IV @. 187.
••') «g(. ^anbbud^ «Wr. 65, 65 a, 83.
») ßermann @. 326.
*) Sot^ II § 172.
*) »öL aiic^ ben intereffanten ?(rttfd im Stanbcdbeamtcn 1878 8. 21G ff.
— 'i2 ^
3. für aKchüngcn, ®cfcjj üom 9. ©eptcmbcr 1844, «rt. 10,
4. für ©ot^'Scfcfe üom 1. ^uli 1869, «rt, 13,
5. für Soburg, ©efeg öom 28. ^vX\ 1858, «rt. 36,
6. für Mcufe j. S., ©cfcfe oom 29. ^uni 1864,
7. für Sübcrf, ©efefe öorn 1. ^uH 1865. i)
Scfclcr^) gwcif dt bic ©ultigfcit aUer bicfcr Scftimmuugcu an.
ffir bcfiauptct, bic «ncrfcnnung bcfg Stinbc« — eine folc^e töirb auci^
fid^erlid[( ber (Srlaubniß ber SWameni^beilegMng Dorou^ge^en muffen —
gebe no^ nic^t ben SKamen beiS SJater^ unb t^ crfd)cine fraglid), ob
bic ^articularrcd^te , ttjcld^c baS unc^clid^c Äinb mit 3wftimmung be^
aSatcr^ bcffen Stamen führen laffcn, bem Meid^^gcfc^e gegenüber nod)
in ®cltung finb.
Slid^tig ift, bag bic ancrfennnng \y\ ben mciftcn iJätten nic^t ben
^Warnen beö SJatcrj^ i^crfd^afft, ober eiS ift unerfinblid^ , mic auö bcm
§ 25 bed aieid^iggefcgeö ober auö bem ©d^ioeigcn bcö ®cfe|e^ über
biefe SBefugnife be^S SSatcrö jur 5Wameni3beiIegung — fpred^cn tt^äre nad>
bem fd)on öfter crn?ä^nten cinjigcn 3*üC(fe best ®efefeed gar nidjt am
■^la^c — bic Ungültigtcit ber erwähnten Seftimmungcn gcfd^Ioffen
werben fann. DaiS citirte SWeid^ögcrid^t^nrt^eil oom 22. Dftober 1881
crmälint bicfelben in einer 9Beife, bie feinen ^xot\\!^ barüber laffen
fann, bag biefcig Ijöc^fte ©erid^t fie für ööllig in Kraft fte^enb erachtet.
@^ mag bei (Srmä^nung ber gleiten Su^nal^me unfered ^ringips^
toeiter^in barauf aufmerffam genmd^t mcrbcn, baß in I^eilcn bc5 gc*
meinen SRed)t^, in einem Jfieilc ber ^rouinj ^annooer unb in ®d)Iei8n)ig=
.^olftcin nid)t burd) ®cfe^, fonbern laut ^erfommen unel^elidie Jtinbcr,
aud^ Jücnn ber 33ater bie 3)iutter nid^t gec^clic^t, bcjto. ba^ Äinb nid^t
anerfannt I;at, baö SRcd^t ^abcn, be§ 35ateri8 ^^miliennamen gu führen,
fobalb im S!ird)enbuc^e ber 9lamen bei^ SSater« benannt ift. 25gl. ^ierju
©tanbe^beamte 1878 ©. 255 unb bie Serid[)tigung ber ®rog^eräogI.
3Re(fIenburgifd;cn fianbei^regierung ©. 270 1. c. , ferner bie Diel ioei==
ter gefjcnbe Semerfung im ©tanbe^beamten 1885 ©. 116 unb enblic^
eine SJerfügung ber Äönigl. SRegierung in ©c^Ie^mig, betreffenb
©ntragung unehelicher ®eborener, Dom 12. Dftober 1878. (©tanbeiS*
beamter 1878 ©. 1.): „Sei gintragnng Don (g^efd^Iiegungen unb ©terbe-
*) (£d mag noc^ bie ^cflimmung bed (£nttvurfd bf« büvgerUi^en ®efe^bu(^d für
.J)effcn hinzugefügt merben: „^tugere^elic^c Äinber erhalten, iwcnn beten ^atcr fic an-
erfannt ^at, mit beffen 3"P"nni""Ö f«"*^« ^Jiamen."
») Softem bed Deutfi^en ^riDatvet^tS § 57.
— 23 —
fatten tft bcm bi^fjcr in Ijicfigcr ^vomnj ^ic unb jfa beftanbcncn ^cr^
fonunen, toom^ unel^el^ @(eborene auf ben 91amen bt§ angeblid^en
^dfiodnQtxcx» bcr 9(Wuttev getauft »urben, Sled^nung ju tragen, ©o
ba^cr urfunblicä^ nad^gemiefen wirb, bag bieö gefd^eficn, ift in baö JRe*
giftcr ber SWamc, auf meieren bie ^crfon getauft roorben, aufgune^nien."
ffi« ift mo^I anjune^men, bag biefeS $)erfominen, ba^ fid^ auf 93e^
ncnnnng jum Sird^enbu^e grilnbet, bti Sinbern, bie unter ^errfd^aft
beö Sleic^^gefegeö geboren finb, nid^t mel^r in SBeriicffi^tigung fommt.
SBaS fd)Iiepd^ ba^^ ofterreic^ifd^e SRed^t anlangt, fo fmb bie 9Wein*
ungen bejiiglic^ ber grage, ob unelielid^c JHnber, wenn ber natiirlid^e
iBater bei Eintragung beg Äinbeg in bad lauf* refp. OeburtSregifter
fcinc 3MftitnmuBg gibt, ben JJamilicnnamen be^felben führen fönnen,
gct^eilt. 35gl. Saferer ©. 16 unb ®tubenraud[) ßommentar jum
Ö.®. V. Auflage ©. 267, ber fid^ im tjerneinenben Sinne anöfprid^t.
fflir ^abcn conftatirt, bag ein une^elic^eiS Sinb juwcilen ben 5)?amett
bci^ »aterg fü^rt.
^]t nun and) — unb bieg wäre bann bie britte Äuönat)me unferer
aUgcmeinen 3tegel — ber gall ntöglid^, bag ein unel)elid)c5 Sinb weber
ben 9lamen beö SSater«, noc^ ben ber abutter erpit?
Saferer fii^rt in feinem öftere citirten ffierfe^) ein ,^offanjIei-
bcfret t)om 21. Oftober 1815 an. ^n biefem ^eigt e§: „2)ic beftefjeu:^
ben ®efe|e üerorbncn mit ©eii^^eit, öerunglücften *^erfonen, bie ÜWütter
auger ber @t>e geworben finb, bag ®e^eimnig i^reg magren 9lameng nid^t
3U entreigen. ^n biefer ®emäg5^ert ifT ben gül^rern bcr @ebnrtgbü(^er
uac^träglid^ ju ber i^nen mitget^cilten ^^nftruction mitjugeben, bag fie
in alien fallen, wo ein Sinb alg unel^elid^ geboren augbrücüi^ angegeben
wirb, o^ne bie ©intragung beg 5Wameng bcg augercl)elid)cn SJaterg ju
forbern, bie ©rforfd^ung beg wahren 9?ameng ber Sinbegmutter burd^ einen
3eugenbeweig ober burd^ bie Anzeige an bie politifd^e Crtgobrigfeit gang
ju unterlaffen unb ben angegebenen 5Ramen ber Sinbegmutter mit bem
Seifa^e „angeblid^" in bag ©cburtgbuc^ o^ne weitereg eingutragen ^aben."
^nad^ bt4er ^(norbnung ift eg möglid^, bag ein une^elic^eg Sinb nic^t
ben ©efc^Iec^tgnamen ber SWutter, fonbern einen beliebigen oon ber
ÜDiutter angegebenen erhält.
Äud^ bag geltenbe franjöfifc^e 5Red)t ift t)ier einer einge^cnben
Prüfung ju unterwerfen.
') @cite 18, 19 ff.
— 22 -
3. für STOciningcn, ®cfcfe tjom 9. ©e|)tcmbcr 1844, «rt. 10,
4. für ©otI|a/®cfc^ wm 1. ^uK 1869, «rt. 13,
5. für Soburg, ®cfc^ üom 28. i^uli 1858, «rt. 36,
6. für McuB j. 2., ©cfcft Dom 29. :5um 1864,
7. für Sübcct, ®cfcg Dom 1. ^uli 1865.»)
SB cf der 2) jwcifclt bic ^ültigfcit alter bicfer Seftimmungeu an.
®r bcliaitptct, bie Äncrfcnnung bc3 Stinbc« — eine fold^e wirb auci^
fid^erlid) bcr (£rlaubniß ber Slamcni^betleguttg Doraui^gc^en muffen —
gebe nod^ nid^t ben 9?amen bcö SJateriS unb c5 erfd^eine fraglich, ob
bie ^articularred[(te , njeld^e baö une^clid^e Ätnb mit S^f^ntmung beö
äJaterö beffcn iWamen führen laffen, bem Meicä^^gcfe^e gegenüber no(^
in (Geltung finb.
SRid^tig ift, ba§ bic anerfennnng in ben mciften ^dütn \xid)t ben
5Wamen beö SJaterig Derfc^afft, aber ei^ ift nnerfinblid^ , mie auö bem
§ 25 beö SReid^ggefe^ciS ober auö bem ©d^meigen beö ©cfc^e^ über
biefe 99efugni§ bci8 SSateri^ jnr 9lamem3beilegung — fpred^en wäre nad>
bem fd|on öfter erwähnten einzigen Qtoedt be$ ®efegei^ gar nid)t am
^la^e — bic Ungültigfeit ber erwäf)nten SBeftimmungen gcfd^loffen
werben fann. Da« citirte 3lei(^ögerid[)tigurt^cil oom 22. Ottober 1881
erwähnt bicfelben in einer 9Beife, bie feinen 3>^cif^I barüber laffen
fann, ba§ biefeg l^od^fte ®erid^t fie für Döllig in Sraft fte^cnb erachtet.
@!8 mag bd ©rwäl^nnng ber jWciten Änönaljme nnfercS ^rinjipsf
weitcrljin barauf anfmerffam gemad^t werben, ba§ in J^eilen be« gc=
meinen SRei^tig, in einem J^eilc ber ^roDinj ,^annoDer nnb in ©c^Ieöwig-
.^olftein nid^t burd^ ®cfefe, fonbern laut ^erfommen nne^elidje Stinber,
and^ wenn ber 3?ater bie 3)?utter nid^t geeticlic^t, begw. ba« ffinb nic^t
anerfannt Ijat, ha^ SRed^t ^aben, be§ SJater« ^^milicnnamen ju führen,
fobatb im Äirc^enbu^e ber 9iamen beiS 33ater« benannt ift. SSgf. ^ierju
Stanbei^beamtc 1878 ©. 255 unb bie 93eri^tigung ber ©ro^^erjogl.
aWedEIenburgifc^cn fianbci^regierung ®. 270 1. c. , ferner bie Diel wei^
ter gefjenbe Scmcrfung im ©tanbei^beamtcn 1885 ®. 116 unb enblic^
eine SJerfügung ber Äönigl. SRcgierung in Sd^Iei^wig, betrcffenb
(Eintragung unehelicher ®eborcner, Dom 12. Oftober 1878. (©tanbeiS*
beamter 1878 ©. 1.): „Sei Eintragung Don e^efd^Iicgungen unb Sterbe^
') @d mag noc^ btc ^eflimmung bed (Snttvurfd bfd bürgerlichen ®efe^bu(^d für
Reffen hinzugefügt hjerben: „^tußcre^elic^e Äinbcr ermatten, iwenn beren Sater fie an*
erfannt ^at, mit beffen 3"f^ii"'"""9 feinen ^J^amcn."
') @k)ftem bed :i)eutf^en $rit)atre(^td § 57.
— 23 —
fatten ift bcm bfe^cr in tjicfiger ^rotjinj ^ic unb Ifa bcftanbcncn ^cr^
fommen, toona^ unel^elid^ @(eborene auf ben 9lamen be^^ angeblid^en
Sd^toangcrctig bcr SKutter getauft würben, Med^nung gu tragen. SJo
ba^er urhmblici^ nac^gemiefen wirb, ba§ bie§ gefd^cljcn, ift in bag 9ic«
gifter ber SWame, auf weld^cn bie ^erfon getouft worben, aufjune^men."
e« ift mo^I anjune^men, ba§ biefeig ^crfommen, ba^ fi(^ auf 33e^
nennung jum Sird^enbud^e gritnbet, bei Sinbern, bie unter ^errfdiaft
btä JReid^jggcfegeiS geboren finb, nid^t me^r in Serilrffid^tigung fommt.
%&a^ fd|)liegltd^ bai^ öfterreid^ifd^e 9fled^t anlangt, fo fmb bie 992etn«
uugen begiiglic^ ber S^age, ob unel^elid^e ftinber, wenn ber natürlid[(e
5Jater bei Eintragung beiS ffinbed in ba& lauf« rcfp. ®eburt§regifter
feine 3wftimniuBg gibt, ben JJamificnnamen bc^felben führen fonnen,
get^eilt. 35gl. Saferer ©. 16 unb ©tubenraud) Gommeutar jum
Ö.®- V. Auflage ©. 267, ber fi^ im toerneinenben Sinne au^fprid^t.
fflir ^abcn conftatirt, ba^ ein une^clic^cig Siub juweilcn ben 9?anien
be^ SJatcre fii^rt.
3ft nun auc^ — unb bied wäre bann bie britte ÄuiSnal^me unferer
allgemeinen Siegel — ber gaD möglich, ba§ ein uneljelid^eö .^inb weber
ben Slamen beö SSater^, nodf) ben ber 3Kutter erhält?
Saferer fii^rt in feinem öfteres citirten SBerfe^) ein .t)offanjfei*
befret üom 21. Dftober 1815 an. ^n biefem I)ci§t c§: „(Cie befteljcn^^
ben @efe|e üerorbnen mit SSeiöIieit, öeruuglürften i^erfonen, bie SWütter
auger ber (St)t geworben finb, baS @(e^eimni§ i^reiS wahren 92amen^ mä)t
iu entreißen, ^n biefer ®emä§5^Tt i)1 ben 5"^^^^» ^^^ ®eburt^bttd^er
na^träglid^ ju ber i^nen mitgct^eilten :5nftructiou mitjugebitn, bag fie
in allen flauen, wo ein Sinb aid une^elid^ geboren ausbrücflid^ angegeben
wirb, o^nc bie Eintragung bcö Stamens bcig außereljelid^en 23atcri3 ju
forbern, bie ©rforfc^ung beig walircn 5Wamenö bcr Sinbei^mutter burd^ einen
^eugenbeweid ober burd^ bie Anzeige an bie politifc^e Crtöobrigfeit gauj
ju unterfaffen unb ben angegebenen Flamen ber Äinbeömuttcr mit bem
Seifa^e ,,angeb(id^" in ba^ ^(eburtdbuc^ ot|ne weitered einjutragen ^aben.''
3la^ buitx ^(norbnung ift t§ möglid^, bag ein une^elid^cd Sinb nid^t
b€n ®efd^Iec^tdnamcn ber äWutter, fonbern einen beliebigen üon ber
Setter angegebenen erhält.
%ud^ bad geltenbe frangöfifd^e 9{ed[)t ift ^ter einer einge^enben
^rfifung §u unterwerfen.
') Seite 18, 19 ff.
L.
- 24 ^
®d ift cm fcftftct)enbcr (3a^ bc§ franjofifc^en äicd^t^, bag ein
natiklT^eg_ginb Steckte gegen . feine äWuttcr crft burd^ eine 3lncrfc«nung
©eityt^ berfclften erwirft, bte entnjeber eine freimidigeober gcric^tltd)
crjtonngenc fein fann. SWur bie erfte tt^irb unö in tJofgcnbcm intcreffircn.
(S§ l^ängt »Ott bieder änerlennung nnfereig ®rme[feni3 ah, ob ba§ Äinb
ben 5Wamen ber 5Kntter füljren barf ober nid^t. ®ö barf iljn nic^t
führen, wenn feine Änerfennung fetten« ber abutter vorliegt. S5gl.
^ierju 1. Qaä)axxaz § 572* am @nbe: „®cr Simiftanb eine« natür*
lid^en aner!annten Sinbeö mirb beftimmt burd^ ben Siüitftanb bes^
SSater«, toenn e« t)on bcm 35ater, ober burd^ ben Sioilftanb ber a)intter,
wenn e§ öon biefer anerfannt worben ift. 5Wac^ ber äJerfd^iebcn^cit
ber gälle fil^rt bo« Sinb entWeber ben Siamen ht» SSaterö ober ben
ber aWntter." 2. aiot^ »anb 2 ®. 396: „5Wid^t anerfannte une^e^
lid&e Sinber ftetjen jn i^ren (Srjeugern in feinen red^tlic^en 8ejict|ungen
nnb ixvat a\i6) nid^t jnr 3)hitter. ?l n e r f a n n t e nne^elid^e Äinber t^eiten
ben Siöilftanb beö erfennenben ffilternt^eilö unb füljren beffen 5Wamen."
3. 25gl. befonberg jebo^ Saurent Sanb 4 ®. 187:
De qui Y enfant naturel prend-il le nom? Quand il n' est
reconnu que par V un de ses pere et mere il n' y a pas de
question, il prend le nom de celui qui V a reconnu, s' il n' est
pas reconnu ni par acte ni par jugement il n' a pas
de filiation, partant il n' a pas le droit de porter le
nom de sa mere, quand meme il aurait ete declar6 k V offlcier
de r etat civil et constats dans V acte de naissance etc.
@g fragt fid) nun, in welchen Acten ift eine Änertennung ber
üKutter äu finbcn? SBefanntlid^ beftimmt baö franaöfifd^e SRed^t, ba^
baö freiwillige Änerfenntnig nur unter ber Sebingung ju 9ied^t beftc^en
foK, baß eö mittel« einer öffentlid^cn Urfunbe gefd^e^en ift. ©ie ftellt
fid) nun ^iergu nnfer 9leid)ögefe| öorn 6. ^ebrnar 1875? § 22 bc«=
felbcn f^reibt, tük größtenttjeil« in ber J^eorie angenommen wirb, tjor,
bafe ber Flamen ber ÜButter im ganzen beutfd^en 9leid^, alfo aud^ im
®ebiete be« frangöfifd^en SRed^t« in ba« ®e6urt«regifter aufjune^mcn
ift. »gl. t). Sicherer ©. 220 unb bie ^effif^c ^^nftruction ju § 22 J)
fiiegt nun in ber Aufnahme be« SWamen« ber ÜÄuttcr in ba« ®c^
burt«rcgifter eine ben «nfprüd^en be« franjöfifd^en Siecht« gcnilgenbc
Slnerfennung ober nid|t?
*) ?tbwei(f)enb bie 58obt[(^c 2)ienftroei(mtg § 54, o. <Sid)crcr <S. 221.
— 25 —
Sei ber $)eantnu)rtung btefer ^xaqc looden tuir eine @onberunc)
3toeier ^Qe Dortte^mett.
1. galt. 6;^ fanu bie^uieigc be§ natüvlidien Äinbe^ hnxä) bic
,t)ebamme, ben ?lr jt, jebc anbete bei ber ©eburt jngegcn gcwcfcnc ^ßerj^on,
2. galt. Sie fann burc^ bie äßuttcr erfolgen.
(Sä mag nun gleich benterft n^erben, bag bet practifc^ bei Jöeitem
wichtigere, faft au§f(^Iie6Ii(^ üotfommenbe ^^tt ber crfte ift, benn
feiten ift bic ÜKuttcr in ben erften ad)t lagen überhaupt im ©tanbc,
eine Änjeige bei bem Stanbeöbeamten ju erftatten unb gubcm liegt ber
^ebammc, bem Ärjt unb jeber britten jugegen getoefcnen ^crfon bie
^erpflid^tung jur Änjcigc in ©cmäp^eit beö § 18 beä SReic^Sgcfe^c^
vox ber aDiutter ob.
Sann nun in ber ©eburtä^anjeige burd) bie sub 1 genannten ^er-
fönen eine Änerfennung beö ftinbeö burc^ bie 9)iutter gef unben werben ?
<Bxd)^x^\^ nic^t.
ÜÄan fönnte (jier an eine Steffoertretung ber 2)Zutter bei bem Acte
ber Änerfennung benfen, aber bie britte ?erfon erfüllt bei ber Slnseigc
eine i^r gefe^Iidj obliegenbe Serpflid^tung unb e*^ mügte bei einer fo(cf|en
<Stcßoertretung unbebingt eine jd^riftlid^e, anttjentifc^e 35oHmac^t ber
ÜWutter — bic nie üortjanben ift — üorlicgcn.^}
®ir fommen alfo ju bem 9iefultate, baß in bem etftgcnanntcn
^atte ba§ Sinb fo lange nid^t ben 9?amcn ber 3Wutter fütiren barf,
aU nip^t eine üon i^r nachträglich in gefeglidjcr Jyorm gcfd^cliene 2fn^
erfennung vorliegt.
^infic^tlic^ beiS jmeiten 3föttö befte(;cn in ber Theorie SWeinungä^
t)erfc^ieben^eiten. ©äljrenb 9t o t ^ ^^ {^ feinem 'Deutf c^en ^riüatredjt i
bie Anficht üertritt, ba§ bie änjcigc ber ®eburt beö uneljelid^en
') «gl. tiicr^u «anb 17 bfr 3fttf(^nft für franjöriWe« Gioilretftt 3. 441 ff.
(S^ ^eigt in bem ^ier refcrtrtcn Urt^eit bed Obevtanbedgeric^td 3^<i^^ü(fcn i
tiom 6. Januar 1886: ,,9ud allgemeinen 9{e(^t!Sprin3ipien , tuie audj noc^ and and*
brflcflii^er 9$orf<^rift bed 9rt. 36 c. c. fo(^t, bag im ^aüt ber 3tettt>ertretnng eine
fpegteQc unb aut^enttfc^e «oUmac^t Xedjentgen not^nienbtg ift, melc^er ein freiroidigcd |
^nerfenntnig machen w'iU. 9kc^ biefen Haren Slec^tdgrunbfä^en, mie fte jmeifeUod and i
bem ^rt. 334 ^eroorge^en, fdnnte a(fo eine itnerfennung burc^ bie SP'^utter in einem '
Hfte unter ^rii^atunterfc^rift ebenfomenig ai^ eine freimiUige ^nerfennung erachtet
tverben, xü'k eine Slnerfennung , melt^c oon einem Xritten (unb Xüäxt ed felbfl ber |
natfirtid^e Sater bed ^inbed) für bie 9J2utter pemac^t merben ivoflte, n^enn berfetbe fic^
nur auf eine Sottmadit unter $rioatunterf(^rift ober einen munblic^en Auftrag berufen
fonn ober wenn gar nur bad ftittfc^meigenbe (Sinoerftänbnig Dorandgefe^t ti3irb.
*) II @. 397.
- 26 —
Slinbci^, bnxä) bic SHuttcr fclbft erfolgt, aßen SJorau^fe^ungcn cntfprä^c,
meldte baö fvanjöfifd^c 9tcd^t für bic 9(ncrfcnnung burd^ bic SDiuttcr
öorfd^reibe, maä)t ü. ©id^crcr in feinem Sommcntar *) folgcnben
Untcrfd^ieb: ffi^ liegt eine Stncrfennung in bcr ®ebnrtdanjeigc , wenn
bie üKntter in frcitüitfigem ßntf^hife, obnjol;l anbere ^crfonen gunS^ft
üerpflid)tet mären, fii^ jnt änjeige ^erbeilögt. fficnn bagegcn bie
anfeerel^elid^e SQZnttcr bic Slngcige Icbiglic^ in ber ffirfüKung ber gefcj;*
liefen SSerpflid^tung erftattet, fo ift eine Änerfennung nur bann üor*
^anben, mcnn mit bcr Änjeige eine Änerfcnnungöertlärnng ücr^
bunben mirb,
SBaö bie 3lnfic^t 9lotI)'si anget)t, fo ift biefc falfd^. ®g ift un-
billig, an einen gefe^lid^ oorgefd^riebenen, feine^mcgö freiwilligen Aft
bcr a)f utter bie J^olge einer freiwilligen Änerfennung p fnüpfcn.
J)er oon t). © i d) c r c r auf geftcllc @a^, bag eine freiwillige Änerfennung
üorlicgt, wenn mit ber ?lnjeigc eine Snerlennungöerflörung oerbunben
wirb, ift in ©cmäBljeit beö § 25 be§ jHcidjögefe^eig nnbeftreitbar. SBir
Ijalten jcbod^ auc^ bie erwäf)ntc wcitergcljcnbc Slnfi^t biefeö SRcd^t^^
Ic^rerö für richtig,
gür ben an fii) f^on fel^r feltenen gweiten gaU Ijätten wir alfo
baö aiefultat, bajs ba§ Stinb*^) burd^ bie einfädle Slnjcige ber ÜDiuttcr
ben 5Wamen berfelbcn nid|t erl^alten fann.
©I^ewibrigc Stinber fonneu nid^t anerfannt werben, füf)rcn alfo
niemals ben ^Warnen ber 9Wuttcr.
2Bie ftellt fid^ nun ju biefer ganjen S^agc bie ^rajiiS? ric
rl)cinl|efrifd)e, fidler and^ in anberen (Jiebieten bcö fraujofifd^en 9led^t^
geübte ^raf iö gcf)t ba^in, bag baig unc^elid^c Sinb otjue wcitereiS burdE>
bie ÖJeburtSaujcigc ben 5Wamen feiner abutter erhält unb auf ben
5Wamen feiner SKutter in bie alpljabctifd^en 9lamcnöregifter einge-
tragen wirb.
^§ liegt ^ter ein ben löeftimmungcn beig code civil nid^t ent^
fprcd^enbcjg, gefc^lid^ nid^t jn rcd)tfertigenbeg SBorge^cn uor. Die
^ißrasiö nimmt einfad^ bic erfolgte Slnerfcnnung burd) bic iDhitter alö gc-
fd^el|cn an, eine @rfcl[|einung, bie aud^ bei ber üorbel^altlofen Eintragung
beö SBornamen^ eine^ une^elid^cn Sinbcö, ben büigfelbe laut «ngabe bcr
britten anmelbenben ^trfon butd^ bic SUJuttcr erhalten f)at, gii 3:age tritt.
') ö. @i(^crcv @. 208.
-< !Diit bcr einen üon o. @i(^ercv emäl)nteH Slu^nQ^me.
- 27 -
a3on einem bic SBcftimmungen be^ code ciril außer Sraft fe^cn-
ben ®mt>i)nf)iit§xtä)t^ fanit betanntlid^ nid^t gefprodjen merben.
Unb bod) liegt bent gef d^ilberten , naä) unferer Slnfid^t ungefe^*
lid^en ffiorgel^en ein rid)tiger ®ebanfe ju ®runbe, ber nämlid), ba§
ci3 ein Unbing ift, ba§ ftlnb in ber SBeife, toie t§ im frangöfifd)cn
fRedite gef^iel^t, t)on ber 2)iutter ju trennen. 3)cr SReid^^cobeE wirb
bic SBeftimmungen t)on ber SInerlennung beiS une^elidjen Sinbed burd^
bic aKutter fic^erlid^ nid^t aufnehmen.
SBir bel^anbeln nun ic'iVi ^/>«-*'--
2. 1?ie SWamen ber une^elidfien tinber gefd|icbener unb
uerwittweter grauen.
Sefanntlid^ bcfte{)t in alien JRcd^ten Deutfd^lanbi^ bie ffleftimmung^
bag Sinber öerwittmeter re{j._ gefc^iebener ^rouen, weld^e innerl^alb
einer befttmmfcn _Srift- nad) Gintritt beö bie @t)e trcnnenbcn @reig^
niffcig — lob unb Stu^fpru^ be^ trcnnenbcn Srfcnntniffei^ — gc*
boren »erben, afö e^cli^egu Dcrmut^en finb, bag fie aber afö un*
c^clic^c gelten, wenn bie ®eburt crft nad^ biefer fjrift eintritt. Die
gtijtJeXbjit ift in ben öcrfd^icbencn SRcd^tiggebictcn tjcrfd^ieben , balb
bilbet ber breij^unbertfte, balb ber brciljunbcrt jwcite Jag ben
©rcnggein.
(gig fann nun feinen Qtozi^ü unterliegen, bag bic innerhalb ber
genannten J^ift geborenen Siinbcr aU e^clid^e ben 5Wamen be^ SJateri^
crfjaltcn.
SBcjüglic^ ber fpater geborenen Sinber i)cxx\ä)t jeboi^, mie in fo
pielen 5Wameii5frägen in Dcutfd^Ianb^'SRed^ten leinc Uebereinftimmung.
go fönnen naturgemäß nur jmei 5Wamcn bei biefer tJragc in
S3ctrad^t fommen, ber Familiennamen beö öormaligen S^emanncö unb
ber burdd bic ©inge^ung ber nun getrennten @^e abgelegte goinilien^
name ber fjrau, bereu Q^ungfer* ober 9Käbd^enname.
3u ben 9?ed|ten, bie eö ben uncrjelid^en Sinbern geftatten, erfteren
Flamen ju führen, gcl^ört t)or allen baö gemeine SRed^t, ba ja, wie
^ermann richtig bemerft,^) stuprum ber J^au ben burc^ ffiinge^ung
ber @|c erworbenen SZamen nid^t üeniid()tet, bic cinsigcn SBerluftgrünbe
beigfclbcn Job ober anbcrweite @^e fmb, cnblid^ ficfi aud^ juriftifd^ ein
pl'6^\\6)c^ Sieberaufleben i^rcig alten angeborenen gamiliennamcm^, ber
*j J^ et mann S. 330.
— 28 —
^ttoa tijrcn unc^cli^cn Äinbcm jufatlcn fonntc ober fottte, fid^ md)t
conftruircn Idgt. ^mtntQtQtnQt^ti^ttn ©innc fprid^t ficfi im ®cbictc
be« gemeinen Siedet« i)~ "eine Serfügung bc5 SKinifteriumö bciS Qfnnern
bed ®roJ5l)erjogt^umö ÜWecf fcnburg * ©d^werin »om 26. Dftober 1876
SKeiter ift ^ier nod^ bad JRc^tdgcbict »on ©acfifen SBeimar axi'-
jufil^ren. ^n einem ©efd^eib bed @taatdmuu|lcfiiniiyT)bm 3. Dttobcr 1877 ^)
^eißt ed, nnd^bem audgefiiljrt ift, ba| uneJ^elic^e Äinber unter bcm
(Sef^Ied^tdnamen ber 3)hitter aufjuftt^ren feien: „ber ©efd^led^tdname
«iner öer^ieiratl^eten g^rau ift nad) bem ©prad^gebraud^ in ber ®efefe^
gebung bed @)rogf|erjogtI|umd ibentifd) mit ben Familiennamen ober
^unameu bed S^emanned unb bie gran behält biefen ©efd^led^tdnamen
aud^ nad^ bem Xobe bed @^emannd, ja fogar l^erfömmlidj nad^ 9[uf^
^ebuitgTcr @§c hd."
3(nberd fte()t ed nun in bem @iebiete bed allgemeinen preug. £anb^
rc^td. '3ruf ®runb bed § 640 I^eil II Sitel II, toild)tx beftimmt,
ia^ une^elid^e Sinber ben ®cfd^lcc^tdnamen ber SWutter filliren, bebucirt
bic attgemeiue aßeinung, ba| biefelben ben iRäbd^ennamen ber SDJuttcr
3u fiitjren fatten. Der ®efd^Ied^tdname einer iJrau fei nämlid^ ber^
jenige bed ©efd^Ied^td, and bem fie eutftammt unb bad 3*ed^t bed
SJatcrd ®efdjlcd^tdnamen ju tragen, fei ein audfd^Iiefelid^ed SRe^t ber
c^eli^en Siuber.
^m ®ebiete bed franjöfifd^en 9?cd()td n>irb mo^I nad^ ber l^crrfd^eu^
ben ^ißrafid bad Sinb jebeitfattd ben Ü)?äbc^cnnamen ber aWntter führen.*)
@in red^t merfwilrbiged SBeifpiet für bie 9?ed^td3erriffen^eit ber
Sd^tt)eij bilbet bie SJe^anblung biefer ^rage TiT ben ' uerf^icbenen
Santonatdred^ten.^)
X:er iJ^^ilicnname , ben bad augerel^elid^e Sinb einer gcfi^iebencu
ober üerwittn^eten ^rau nad^ ben üerfd^iebenen 3ledf|tcn S)cutfd)Ianbd
erhält, njirb jmar nidjt, mie ed bad fi^njcijerifd^c Sunbedgefe^ oom
^) ^%U raettev unten and; bic ^effifc^c ^^tniflerialbcfanntmac^nng ^ bie auc^ fui*
©tavtenburg unb Obcvbcffen gilt.
^} $lg(. @tQnbc«bcamtc 1876 @. 325.
^) (Stanbedbeomte 1877 @. 227.
*) 35gL für ba« ÖJroß^er^ogt^um §effcn eine 33ctQnntinac^ung be« @r. 9Äini*
ftevium« be3 inneren unb ber ^uftij, betr. bie 9lcoifton ber S^ebenregijlcr für 1876
worn 13. 3uli 1878 a« @. 22. (Stanbeöbemntc 1878 S. 197.
^) Da« nttfjere Dgt. im §anbbu(^ 3 220 ff.
- 29 -
24. ffi^riftmonat 1874 Art. 16, unfcrer Änftcfit naä) jttJCcfmäBig/ vor^
fd^rcibt, in bai3 ©cburt^rcgiftcr eingetragen, jebod^ öcrfügit and) in
^cutfcfilanb ber ©tanbcöbeamte über ben Familiennamen bc0 ^nbes^
nnb gn^ar burd^ bie (Eintragung in bai^ alpl^abetifd^e StamenSDergeidinig.
Der l^iernadi beftimmte SWame mirb ttjol^l junäd|ft überall für bie
©intragung in ^tixatf)^» unb ©terberegifter mafegebenb fein. 3JgI.
^ierju ben ®c^tuj5 ber then angcfiilirten ^effifd^en JDhnifterialbefannt*
mad^ung: „^n bem alpl^abctif^en Siamen^üerjeid^niffc ift ba§ Stinb
einer gefd^iebenen iJran ober ffiittnje mit bem iJamiliennamen be^
SatcriJ einjutragen, mcnn t^ al« e^elid^ geboren t)ermut^et werben
barf, mit bem Familiennamen ber SWutter aber, wenn biefe SSer^^
mutljung nid)t ^ta§ greift. ÜDcr l^iernac^ in ba^ alpljabetifd^e JWamenö-
oergei^nig eingetragene 3^^"^"^^ ift ^^^^ f"^ ^^^ Eintragungen im
.^eiratl|<s* ober Sterbcregifter entfd^eibenb , in fo lange nid^t bie J8e*
red^tigung gur F^^^w^g ^i«^^ anberejt 3w"ö"i^i^^ ^o" ben 85etf|eiligten
burdi öffentlid^e Urfunbe nad()gemiefen wirb."
SJiel fürjer fönnen mir unö nun
IL bei ber -SBetrai^tu ng bt^ 9?amcn^ ber Fiwbclfinbcr
faffen.
§ 24 nnfere^ ^crfoncnftanb^gefe^eö üerpflid^tet jcben, ber
ein neugeborene^^ Sinb finbct, ju einer, fpätefteni^ am näd^ftfolgcnben
läge gu erftattenben Ängeige bei ber Drtöpoligeibe^örbe. Diefe mad^t
bem'^ ©tanbcöbeamten beig SBcgirfe^ tjon bem Srgebniffe ber t)on ilir
angeffefftcn (Ermittelungen bel^ufö Eintragung in ba^ ®eburti^rcgifter
«ngeige, unb bie auf ®rnnb biefcr (Ermittelungen erfolgenbe Gin*
tragung foU au^ bie 5Wamen entl)alten, tt>eld)e bem Sinbe beigelegt
werben.
aßir glauben, ba| nac^ ber F^iffung beö angeführten ^aragrapfjen
fein 3^^ifcl barüber befte^cn fann, ba| ber Drt§^oIigeibe{)örbe bie
SBatfl beö Föniiliennamenö unb be^ SJornameuj^ be« Fi"^I"ig^ gufällt ^).
SBei ber Stui^mal^I ber 5Wamen waltet in gang Deutfd)Ianb eine
merfwürbige ©itte, bie fid^ aud() in granfreid^ conftatiren Iä|t. 35er
Fomilienname be5 ginbling^ wirb nämlid^ nad^ bem Ort begw. ber
Strap^ beffimmty "wo berfelbe aufgefunben worben ift.
') SJgl. ^ef(if(^|c 3nftruction gu § 24 unb begüglic^ b« gmeinionatnc^cn JJ^ift
gur %n%aht be« S?ornamen« ö. @i<^eret ©. 246.
- 30 ~
Sßenn fpätcv bte Snerfennung bed ^inbelf inbei^ , fei t^ bur^ bte
unel^elid^e SBiutUx, fei ed burd^ bie e^elid^e äRutter ober ben e^elici^cu
93ateT erfolgt, fo erhält bad $(inb otjne weitere^ im erften t^aKe ben
Stamen ber 3Äutter , in ben bciben legten ^Jäffcn ben aSatcrdnamen.
®d ift ber iDZetnung t). (Sid^erer'd^) DöKig betjuftimmen , ba% in
analoger Änwenbung bed § 26 bed 5Hci(^dgefc|ed au(^ bie «ner^
fennung eined e^elid^en jtinbed oor bem ©tanbedbeamten erHärt unb
im ©eburtdregifter beurfnnbct mcrben fönne.
93etrad)tcn mir nod^ einen Ängenblicf bie Scftimmungen anbercr
^n ber Sd^meij beftimmt bie St:antonaI*®efe^gebung , meld^er SBc-
Ijorbc bad iRti)t ber 9lamcndgcbung gnfte{)t.
®ic erfolgt in Sern burd^ bie JRegiernng, in SEBaKid bnrd^ bad
Departement bed ^nnern , in 9?euenburg burd^ ben 5^iebend
rid^ter^) n. f. m.
5ür Oefterrcid^ conftatirt Saferer ben SWangcl einer gcfe^Iidjcn
aSorfd^rift barüber, meldten ®efd|Ie^tdnamen ein audgefcgtcd Sinb
führen foil. Derjenige, mcld^er ein folc^cd Sinb in feine Obforgc
netjme, ))flege beffen ®ef(^Ied^tdnamen jn beftimmen nnb fönne and)
feinen eigenen ®cfc^led^tdnamcn crmäl)Ien.
3»it einem SBortc fei l)ier and^ nod^ ©paniend crmäljnt.
@d ift in Dcutfd^Ianb mclfad^ bie Änfid^t Derbreitet, ba^ in
Spanien bie 5ini*tt«9« 9^fc^I5^ <Jt^ öbelig bctrad^tct mürben. 3) Dicfc
?fnftcl)t ift nnrid^tig. ?(uf eine Anfrage beim Saifcrt. ÜDcntfd^en Eon
fnlat in Sffiabrib erl^ielten mir folgenbe Äudfunft: (Ed ift nocfi fjcntc
mie frül)cr ®ebraud^, ^^inblingen aid 3""«"ick ^^^ 5Wamen bed
^eiligen jn geben, an beffen ütag fic gefunben merben, alfo menn am
:3ot;annidtage j. SB. Carlo ober Pedro de Juan. Die ^arlifel »de**
t)or einem* ^wnamen hzbzntü im ©pqnifdien überhaupt feinen «bei.
fjinblingc finb in Spanien nie abelig gcmorben.
*) 0. ©teuerer ®. 255.
') $anbbu(^ S. 256.
") JöflL a- «. in 2«et)fr« eonucrfQlionMe^iton ben ?(rt. ^inbeHäufer: „3n
<SpQnien tuerben bieginbtingc gefcljlic^ otd öbelig httvad^M, bamit feiner, ber mirtlid)
Abelig märe, feiner Prärogative beraubt loerbe.''
- 31 -
in. S)tc fic^ aH 5^19^ xtä)tlxä) tntetcf f antcr Zf)({
fad^eu ftaft @efe|e!@ ober ® etuo^n^ett, unabhängig üou
bent äBtllen bed Tiamen^trägetiSDoUgie^enbeSenberung
bcr 5öw^i^ic"Wöwicn.
^eS ^ufammenl^angd n^egen n^aren n)ir genöt^tgt, bie 9!amen^^
änberung burd) Stnerf ennung , bie eigentlich ^ier^er gehörte/ Doraus^ju^
iiel^mcn. ^ier betrachten mv nun
A. 2)ie 9lamcndanbcruug buri^ bie @^e.
9?ad) fämmtlict)en 3{ec^tcnJDcnti^tanbd erhält bie (g^cfrau burd)
ben "äbf^IuB ber ®I)e ben ^32amcu bed S^emanncö. Sgl. pnn^. £anb^
rec^t I^eil II litel I § 592. "^ür Öefterreic^ 83. ®. ©. 92 u. f. m.
Da bie ©jefi^Iiefjung nad) unfcrem 3*eid^ögefe|c burd^ ben %]i^\pxvi6)
beig ©tanbeöbeamten, ba§ er bie 3SerIobten fraft ®eje^ed für red^tSmäfjig
»erbunbene ®t)elcute erflärt, DoHgogen ift, \o tritt auc^ ber (Srwcrb be^
J^amiHennamend bej§ 3)?anneö für bie ^rau in biefem 9)iomcnte ein,
unb biefelbe fjat folglich bie .^eirat^igurfuube mit bem J^amiliennamen
bed SWanned ju untergei^ncn. älö Äu^na^mc üon ber 9tegel, baJ5
bic e^efrau beu 9iamcn bcö iDZonncd fül^rt, ift ^ier, wie bei ben e^e=
litten Siubern gu ermähnen, bafe bie üßi§{jeirat{| ^) unb morganatifd)c
(Sf)t ben abeligen- 9lamen unb Jitel beö 2Rannei8 nid^t öerleiljt.
Die SBittmc behält ben iWamcn beg aÄanncS ungeäubert bei.
35on biefem <Ba^ti)abtn toix nur in einem Santoue ber ©d^n^eij eine
audna^me finben lönnen. ^m Sontone ®enf nel^men aSittwen i^ren
3Ääbe^ennamen wieber an.^)
B. Sic 9{ameudanberung burifi Scriobnig mtb S^mängcrnng.
.f) e r m a n n ^) fpri^t Don einigen ^articularre^ten, bie einer :3w"9'
frau ober ffiittwe, bie nacfi ffiingel^ung eined 3JerIöbniffe§ ober unter
SSerfpred^ung ber S^e gefd^mängert würbe, für ben 3faö, ba^ bie @^c
bnxö) Zob, abwefen^eit ober ©d^ulb beö ©d^mängererd nid^t ju ©taube
fam, erlauben, ben Jömiliennamen i^reö ©c^wöngererd ober Sräutigamd
au führen, ©r erwähnt § 1049 J^eil II litel I «bfc^nitt IX, § 1050
unb § 1057 unb ben ant)angöparagrap^en ju § 163 Üt^eil II 5litel I
^bf<l)nitt in bed preu§. fianbrec^td.
V
\
N
1
M «gl. ««(^«flfrit^t 53b. II (S. 147 ff.
') ^anhhitdj ©. 220.
•; @. 332.
- 32 —
3Dicfe SBcftimmimgcn finb icbod^ fd[)ou burd) ha§ prcng. ®cj^cfe
Dom 24. April 1854 hinfällig geworben, fobaß bie ®efd|tüängerte bic
Beilegung bed Stamens bciS ©(^toangererd im Gebiete bed preugifd)en
Sanbred^td nid^t mz\)x forbern fann.
Äud) cine entfpre^enbe SBeftimmung etned fönigl. fac^fifd^en 9le=
fcriptd Dom 7. 5Wot)cmber 1808 ift burd) 5«id^tnufnal^me bed ^tn^oltd
bedfelben in bad fäd^fifc^e ®cfc^bu(^ oon 1865 aufecr Sraft gefegt.
C. 2)ic 92amendaHberunA hnxif bie @^cf((cibung.
^ier ift njieberum cine gro§c 9Scr)d)icbeu^cit in ben cinjeluen
üied^tdgebieten ju conftatiren.
SBäfircnb naä) gemeinem SRed^tc eine grau bur^ bie ©(Reibung
bad ?iitä)t, bed 3Wanncd ^Warnen m tragen, nic^t verliert, ^) beftimmt
bad preng. fianbred^t folgenbed:
§ 741 Iljeil II Jitel I: ^n bcr 5RegeI Ijat bic grau bie ©a^I,
üb _ fic„ bcn 9?amcn bed gcjd^iebcncn 3Kannc§ Bcibc^aftcn , ober ob fie,
befonberd in bem gallc bed § 740, i^ren üorigeu ®cfd|Icd^td' ober
SBittttJcnnamcn wieber anncljmen tooKc.
§ 742 : :3ft fie aber andbrüdfli^ für ben f^ulbigen 3^il erflärt,
fo barf fie bcn 9?amen bed 2)?anned miber beffen S38iKcn ni^t ferner
fül^rcn.
^m ®cbietc bed franjiifif ^en jRcd^td gilt na^ 3 a d^ a r i ä III ©. 142
bcr ®runbfa^, ba§ eine gcfd)icbenc ©tjcfrau bcn 9iamcn i^red gemcfencn
6I|cgattcn nur nod^ mit bem 3wfa|c „gcfdjicbenc" führen bürfe. Sin^
berer SUieinung ift Sauren t. 3)erfelbe fagt, bic ©irfungcn ber (S^e^
fd^eibung bcfpred^cnb : 2) II n'j^a plus d'epoux, done la fenime ii'a
plus le droit de porter le nom de celui qui fut son mari.
^n Dcftcrreid^ ift bic Änfid^t, baß bie Gtjcfd^eibung bcr ^Jrau bcn
5Wamen bed SD^anncd nid^t cntjietit, burd^ bie 2}2e^rja^l ber Ül^coretücr
nnb einige 2)?inifterial ^ ffintfd)cibungen vertreten. ^) ^n ber <Bd)toc\i
l)äU fid^ bic Qdf)l bcr fiantonatdrcc^te , ttjcl^e ,ber grau ben SWamcn
bed 3Wanncd belaffcn, bad ®Ieid^gett)id|t mit bcn, bie meitere gportfiilirung.
bedfelbcn ücrbietcnbcn.
») m <S. 329.
•♦) ftofcrer @. 22.
- 33 —
D. 3)ic ^lamcn^änbcrung buxd) Scgitimation.
a. !Dte Scgitimation bnxä) ttad^folgenbe (&t)z.
Dicfc crt^cilt übcrQÜ bent Icgittmirten Sinbc bie Siedete einc^ cl^«
lichen unb bamit ben Seamen be§ SSater«. »gl. c. c. «rt. 333, 33. ®.
§ 161, preu§. £anbre^t I^eil II Xitel II § 596.
ß. bic legitimation burc^ Ianbe§^errlid^e§ SRefcript.
Diefc tin ®cbiete be^ franjöfifd^en Med^te^ uttbefannte Segitimationig*
art crt^cilt nad^ gemeinem SRed^te unb preu§ifc^em iianbrec^te bem ffinbe
ebenfalls ben ??amen bci^ SSater^. SJgl. px. Sanbred^t II, 2 § 603.
^a6) batjerif^em fianbrec^te biirfen fid) bie auf fole^e SBeife legi-
timirten Sinbet be^ 9?ameni§ beig SJaterig nur bcbienen, »enn t^nen in
bem Segitimationärefcript burd^ einen jpe^itellen adet^ö^ften ©nabcnact
bic SBemitligung baju etrtl^eilt n^irb. SBatjer. 2. 31. I. Sap. 5 § 14.
Qn Ccfterrcid^ erhält nad^ § 162 SB. ®. ba^ burd^ »egünftigung
bciS Sanbeigfürften legitimirte Sinb üom läge ber atterp^ften (SnU
fd^liefeung an ben 9iamen beö SSatcri^.
a^ mag Ijicr nod) angeffitjtrt »erbeit, bag bie ©e^weij eine Segiti-
mation burd^ obrigfeitlid^e SJerfilgung fennt. 55iefe öerieifit ben Siamen
be^ SJater^.i)
E. Die 5Ramenöänberung burd^ ^boption.
dlaä) gemeinem 9tcd)te erhält ber Äboptirte ben ^Warnen beö
Sboptanten.
3Ba^ bag preu|. Sgnbrec^t anlangt, \o gelten l^ier bie folgenben
Seftimmungen :
Der ?(boptirtc ertjölt ben 9?amen beö ?Iboptanten unb ermirbt mit
facfonbcrer lanbess^eFrlic^er ®ene^migung befjcn Stbel. 3)er ?lbelige, ber
Don cinem'^JBurgcrlid^en aboptirt tt)irb, mu^ auger bem 9?ameu bcö
^boptirenben gugleid^ feinen abeligen Familiennamen beibehalten, wä^renb
cö liC t5cn Eitlen bcö bürgerlichen äboptirten geftellt ift, feinen eigenen
®cfcf|led^tiSnamcn neben bem be§ ?tboptanten fortjufüf)ren. (Sin uon
einer ^rdu ?fboptirtcr erljält ben ®ef d()Ie(^tönamen ber fjrau, ben Spanten
bc§ getocfenen ÜÄanne^ berfelben nur unter Ianbe^^errlidf)er ©cne^migung.^)
9Zad^ franjörifd^em 9fled^te gemalert bic «boption bem Stboptirten
ben Flamen bed Stboptanten, ber beffen eigenem 5Wamen beigefülirt wirb.-^)
») fianbbud) S. 24(>.
«) »gl. pr. Canbrcc^t X^cU II XM II, § 6«2, 084, «585, ♦)b8, 689, 713.
') «rt. 347 c. c.
Cevi. Vornamen unb ^amUieitnamcn. 3
— 34 —
ein glcid^cö ift nac§ § 182 bc« ». @. bcr ^aU.
3[n ber ©d^mcij, tüo bic Stboption fctnc^cg« in qücu Sontoncn
juIäiftaJjt, öeriei^t btcfclbc bcm aboptirtcn cBcnfattö bcn Flamen bcö
SboptQntcn neben feinem eißcnen Slamen.^)
Viertes ^apifcf.
Sie freitiiiai0e SlenDerung Der f$familietis uttD Somameti.
Sin bie Spi^e biefcr Grörtcrung ift eine SBeftimmung be^ römifd^en
9ted^t§ gn fefeen. 35ie beril^mte est. un. Cod de mutatione"Tiominis
(IX, 25), bie öon ©inert meifterlid^ interpretirt ift:
Sicut in initio nominis, cognominis, praenominis recognoscendi
singulos impositio libera est privatis, ita eorum mutatio inno-
centibus periculpsa non est. Mutare itaque nomen vel praenomen
sive cognomen sine aliqua fraude licito jure, si über es, secundum
ea, quae saepe statuta sunt, minime prohiberis, nuUo ex hoc prae-
judicio futuro.
@ig njirb nlfo liier bn^ $rinjip_ber freien, einer ftaatlid^en @e*
neljniigung nid^t bebürfenben Stenberung ber SJornamen unb J^milien--
namcn Jjroclamirt.
ÜDiefer ©afe tt)urbe in 1)eutf(i^Ianb recipirt, ttjar biö in'« 18. ^affx-
l^unbcrt mit n^cnigen Äu^naljmen -) in ©eltung unb bilbet bie Oncttc
unb bcn ^In^gang^punft ber unfäglid^en 35crn?irrungen, bie b"a^ 5Ramen^'^
roefen in T)cntfc^Ianb be^errfc^ten.
SH^ gtänjcnbcr SBeleg bofür, hjie fel^r in Deutfd^Ianb bie mutatio
nominis an ber Jageöorbnung war, möge ^ier nnr auf ha§ Satinifiren
unb ®räcifircn ber SSor« unb Familiennamen ber ©elel^rten ^ingc^
micfen njcrbcn.
aJian nimmt gcnjöf)nlid^ an, ba§ erft ber ^umaniömuä bicfe ©itte
nad^ ÜDeutf d^Iaitb" gc6rad)t i)at Steuere Uuterfud^ungen, geftü|t auf bic
jüngft erfd^ienenen ^eibelberger SUiatrifel l^aben jcbod^ ergeben, bafj
fd^on in bcn Qfa^ren 1460—1470, alfo üor ber Qtit, in wcld^er bcr
^umaniömug feine SBirfung in ÜDentfd^Ianb ausgeübt, fid^ in ben Uni=
») SJg(. ^QiTblmd^ S. 246.
') ®öl. füv ©atjcrn bic atter^öc^fie ©ntfdjüegimg öom 12. SKärj 1677.
— 35 —
t)erfitätömatrifcfn fd^on maffenl^aftc fiatiniprunflcn öorfinbcn. 3)«
.^umaniftcn l^abcn alfo" beim fiatinifircu unb ©röcifircn bcr 5Wamcn an
fc^on oorl^ttnbcncn 3:rabirioncn angcfniipft, unb bag 9?cuc i^rer Silffttig^
feit bcfte^t nur barin, baf fic aud^ fpröbc SBortc, bte fd^einbar jeber
Uebcrfeftung fpotten", untjumobcln öcrftanben. ^) ^j
'Slo^^idthd in feiner öfter« ertt)äl;ntcn ©d()rift») [teilt für bai^
gemeine Stecht ben @a^ auf:
ffis !ann jcbttjcber feinen 35ornamen unb @efd^Iccf|tönamen nad) '
feinem ÖJutfinben/ öorauf gefegt , ba| feine böfc Äbfid^t jum ©runbc
lieget, unb fo wenig ber Staat aU ein ^Dritter baburd^ gefäljrbet mirb,
umfc^meljen, abönbern ober mit ganj fremben SZamen üertaufd^en.
aber ju SBeginn be^ 19. ;3a^r§unberti8 unb uor^er ^aben audj
fd^ou einjelne ^articulargefe^gebungen bie SJermirrung, bie burd^ private
Slamcnöuerünberung ^erbeigefüf|rt wirb, rid^tig erfennenb; ba« mitt*
fürlicfie äenbem ber Familiennamen unterfagt.
gia^bem fc^on ba« pr. Sanbred^t 5C^eil II Sitel 20 § 1440 b mit
feiner ffleftimmung: „SSBer aud^ ol^ne unerlaubte Äbfid^t eine« fremben
Familiennamen« ober 2Baj)pen« unbefugter ffieife fic^ bebicnt, bem foil
bcrgleid^en Anmaßung bti wiKfürlicfier, bod^ au«brüdlid^er ®elbftrafe
unterfagt unb biefe ©träfe im Uebertretung«faHe gegen i^n wirflid^
»errängt werben", bie «nmafung eine« wn einem ?tnb cm geführten
Familiennamen« unterfagt l^atte, beftimmte eine preufeifd^e SSerorbnung
üom 30. October 1816 allgemein: „9?iemanb foH bei einer SSermcibung
einer ®elbftrafe üon fünf bi« fünfzig S^alem ober eine« uertjältniß^
magigen Ärrefte«, ftd^ tim^ \t)m nid^t jufommcnben 9?amen« bebicnen",
unb in bcr atterf)öd^ften Sabinet«orbre oom 15. April 1822 Reifet e«:
M^d^ beftimmc ^ierbur^, bag bei SJermeibung einer ®clbbu§e oon
fünf jig I^alern, obet üierwöd^entlid^cr ®efängni§ftrafe, ^iiemanbem gc=
^tatttt fein foil, oline unmittelbare lanbe«^errlid&e (SrTaubnig feinen
Familien* ober ®ef^rcd)t«namen ju änbern, wenn aud^ burd^au« feine
unlautere Abfielt babei ju ®runbe liegt."*)
*) 2Bg(. ^icvju ben Citcraturbcrit^t ber ^tflorifAcn 3^^^W^if^ ^^^ ^ ein rid)
ü. ©ijbcl 17. «b. @. 547.
') 2)ie oft gan^ ungeheuerlichen 92Qmenbi(bungen erflärcn flc^ auiS bein Umflanbc,
bag bte Ueberfe^er bie altbcutfdien 9lamtn nid^t me^r oerßanben unb ftd) nun neue
9{amen fc^ufen, inbem fte (Sitbe für @i(be i^rer alten 92amen, bie nur irgenb meiere
Ueberfeljung gulieg, in*j^ Sateinifd^e ober ^riec^ifc^e übertrugen.
*) Seite 200.
*) ^ermonn @. 168.
3*
— 34 —
ein glcid^c« ift tiac§ § 182 bcö ». @. bcr ^aU,
3[n ber ©d^mctg, wo bic abot)tion fctnc!^tt)C9d in allen Santoncn
j^uläffig i^t. ücrieitit bicfelbc bem äboi^tirtcn ebenfalls ben SWamcn beö
abOptanten neben feinem eigenen Slamen.O
Viertes S^apxtel
Sie freitiiiai0e SlenDerung Der f$familiens uttD Somattieti.
?ln bie Spi^c biefcr ffirörterung ift eine SBeftimmnng bt^ römifc^cn
SRee^t!^ gu fe^en. 35ie berüt)mte est. un. Cod de mutatione""noiniiiis
(IX, 25), bie öon ©inert meiftcrlid^ interpretirt ift:
Sicut in initio nominis, cognominis, praenominis recognoscendi
singulos impositio libera est privatis, ita eorum mutatio inno-
centibus periculpsa non est. Mutare itaque nomen vel praenomeii
sive cognomen sine aliqua fraude licito jure, si über es, secundum
ea, quae saepe statuta sunt, minime prohiberis, nuUo ex hoc prae-
judicio futuro.
ßg njirb alfo l^ier ba§ ^rinjip^ber freien, einer ftaatlid^en ®e^
nel^migung nid^t bebiirfenben Senberung ber 9?ornamcn unb ^ö^Hi^n--
nameu proclamirt.
ÜDiefer ©a^ n^urbe in 1)entfd)lanb recipirt, toax b\§ xn-§ 18. ^af)X"
l^unbcrt mit n?enigcn Stu^natimeu 2) in ®cltung unb bitbet bie Ouelle
unb bcn 2(uögangigpunft bcr unfäglid)cn SSernjirrungen, bie baö Siamcn^^
ttjefen in Deutfdilanb be^errfd^ten.
Äl^ glänjenber Seleg bafür, toie fel;r in ÜDeutfd^Ianb bie mutatio
nominis an ber JagciSorbnung tvax, möge ^icr nur auf baö Satinifiren
unb ®räcifircn ber 3Jor* unb ^Jamiliennamen ber ®elcl^rten ^ingc-
n)icfcn njerbcn.
aJian nimmt gcrt^öfjulid^ an, ba^ erft ber ^umanii^mu^ biefc ©ittc
nad^ Dcutfd)lanb gebrad^t l^at. Steuere Unterfud^ungen, geftüfet auf bie
jüngft erfc^ienenen ^eibelbcrger SWatrifel ^aben jebod^ ergeben, baft
fd^on in ben Q^a^ren 1460—1470, alfo öor ber Qtit, in totld)tx bcr
^umani^nniig feine 3Birfung in Deutfd^Ianb ausgeübt, fid^ in ben Uni=
») »gl. ^dnbbiic^ ©. 246.
«) »gt. fur SBatjern bie otter^öc^fitc Sntfdjlicßung Dom 12. SWärj 1677.
— 35 —
üerfität^matrifcln fd^ou maffcn^afte fiatinifirungcn öorfinbcn. Die
.^umaniftcn l^aben alfo beim gatfnifircu unb ©räcifiren ber 5Wamcn an
fc^on Dor^anbenen 2;rabitioncn angcfni^^ft, unb ba§ 5Wcuc t^rcr STIfätig^
!cit befte^t nur barin, baf fic aud^ fpriJbe SBortc, bic fdieinbar jcber
Uebcrfelung ftJotten, umjumobeln öcrftanbcn. ^) ^j
^o^J^ijubsL in feiner öfteres crrt)ä^nten ©^rift 3) ftcHt für bai^
genteine Siecht ben ®ag auf:
ffi§ !ann jebtocber feinen 35ornanten unb ®efd)lcci^tignanien na^
feinem ©utfinbcn, Vorauf gefe|t , ba§ feine böfe Slbfid^t jum ®runbe
lieget, unb fo wenig ber ®taat aU ein Dritter baburd^ gefä^rbet wirb,
umfc^meljen, abänbern ober mit gang fremben 5Wamen ücrtaufd^en.
Aber ju SBeginn bc^ 19. ^JJal^r^unbertS unb tjor^er i)aitn and)
fd^on einjejtne ^articu(argefc^gebungen bie SJerwirrung, bie burd^ private
9lam'enöt)crünbernng b^^'^cigcfül^rt wirb, rid^tig erlennenb; bü§ tvilh
fürlid^e Senbern ber Jömiliennamen unterfagt.
SWad^bem fd^on bai^ pr. Sanbred^t 5C§ciI II Xitel 20 § 1440 b mit
feiner Seftimmung: „SSBer aud^ o^ne unerlaubte Äbfid^t eine^ fremben
^amiliennameni^ ober SBappeniS unbefugter 2Bcife fid^ bebient, bem foK
bcrgleic^en Anmaßung bei wiKfürlidder, bod^ auäbrüdlid^cr ©elbftrafc
unterfagt unb bicfc ©träfe im Uebertretung^falle gegen xf)n wirflid^
»errängt werben", bie Anmaßung eineö wxi einem ?t n b e r n geführten
^amiliennameuig unterfagt l^atte, beftimmte eine preußifd^c SBerorbnung
üom 30. October 1816 allgemein: „9?iemanb foH bei einer SSermeibung
einer ©elbftrafe öon fünf bi§ fünf jig ST^alcm ober cine^ öer^ältniß^
mäßigen ?(rrefte^, fid^ cinc^ i^m nid^t jutommcnben ^flamtn^ bebicnen",
unb in ber aUerl^bd^ften SabinetSorbre üom 15. April 1822 Ijeißt eö:
„^df) beftimme ^ierbnrd^, baß bei SScrmeibung einer ®elbbuße oon
fünfjig X^alern, obet tjierwöd^entlid^er ®efängnißftrafe, 5Wiemanbem ge=
ftattet fein foil, o^ne unmittelbare lanbeiS^errtid&e (SrTaubntß feinen
Familien* ober ®ef^re^tönamcn ju änbern, wenn auc^ burc^auö feine
unlautere Äbfid^t babei ju ®runbe liegt."*)
*) 3?9L ^terju ben Cttcraturbcrtd|t ber ^tflorift^cn 3"*W^U"t öon ^ einrieb
ü. ©tjbel 17. «b. @. 547.
') !2)ie oft gan^ ungeheuerlichen 92amenbi(bungen erflären f\^ aud betn Umflanbr,
bag bie Uebcrfe^er bie oltbeutfdien ^^omen nic^t me^r üerßanben unb \\d) nun neue
Flamen ft^ufen, inbem fte Silbe für @ilbe i^rer alten 92amen, bie nur irgenb roetcf^e
Ueberfe^ng julieg, xn'§ Satetnifc^e ober (Sfriec^ifc^e übertrugen.
■) <Seite 200.
*) ^ermann @. 168.
3*
-- 36 —
gür Ocftcvrcid) fei ^icr auf ein faifcrlidicS patent üom 3. J^br. 1876
uub ein ^ofbecrct tjom 5. :5uni 1826 üemtefcn.^)
@£i fann für baö heutige 9lc(^t fein 3^cif^I barüber bcftef|cn, baß
in Deutfc^Ianb baö ^rinjip ber freien ^amiliennamen^Äenbcrnng, fei
t^ burd^ ®cfefe ^) ober SJcrorbnung, fei eä burd) ®cn)o^nl)citi^rcdöt überall
befcitigt ift, unb ba| bai8 ©egent^eil alö ®a^ bcö öffentlid^cn JRed^tö
gilt.^) (Sine, n?enn aud^ nur fe^r bef diränftc , reic^^gcfeglid^c 2[n*
cr!ennung ber 3Scrpflid^tung, ben bxixä) ©cburt überfommenen ^öntilicn*
namen ftänbig ju führen, finbeu wir in bem § 360 3iff- 8 unfcres
aftcidi^ftrafgcfe^bud^cö, inbem ^ier berjenige, ber fid^ cineö i^m nidjt
jutommenbcn 9?amenö einem juftänbigcn SSeamtcn gegenüber bcbicnt,
mit ©elbftrafe ober ^aft bebro^t wirb.
^enn.fo jebe n)ifffürlid)e private SfiamenMnbcrung afö unerlaubt
gelten mu|, fo ift bod^ auf ber anbercn Seite bie Sfenberung bee
S'amilicnnameng unter ftaatlid^er Autorität unb Genehmigung nic^t avi^-
gefdE(Ioff en , unb e§ möge ^ier nun bic Art unb Seife, mic pt^ eine
fold^c Slenberung öoKäief)t, betrad^tet werben.
Site Siegel wirb ber öffentli^ red^tlid;e ©afe gelten muffen, ia^
bem ©taatg^au^Jtc bie Seredf|tigung jufäUt, bie ©ene^migung jur 9lamcn^*
änberung ju ert^eilen. ^n äat)ern j. S. ert^eilt ber ^önig bie ®r*
Iaubni§ gur S^amen^änberung.
Unter ?tufrcd)tcrt)altung bcö ®runbfa|c5 ift aber bic S8cfngni§ jur
Ausübung biefeö 9led^tg bcS ©taat^obertiaupts öielfad^ an Se^örben
übergegangen. ®o in ^reupen: SJgl. SRönnc, ©taatigred)t ber prcufe.
aWonard^ic IV. «uftage 93anb I ©. 158 : „«uc^ f)at aUein ber Sönig
ba^ 9?ed|)t, bie ®rlaubni§ jur STcnberung beS ^amilieujg* ober ®cfd^Icd[)tS'
namcnö ju ertl^cilen. 'Die Ausübung biefeö Sied^tö ift jebod^ mit äui^^
nal^me berjenigen ^äße, in bcncn cö fic^ um bie äcnbcrung einc^
abeligen 9?amenS ober um bic Slnna^me abcliger ^räbifate ^anbclt, in
M Saferer <B, 9 unb @. 27.
») »gl. j. S3, für |)cffen ba« §eff. ^oHgciflrofgcfctbud^ öon 1855 § 75: „^ct
ofjnc ©cncl^Tnigung ber juftänbigen ^e^örbc fid^ Meibcnb diien anbercn {^omiüen-
(djcfc^terfftd») 9iQmcn betlegt, aI5 benjenigen, toetc^cn er noci^ feinem ©eburtg« bejtt?.
Xonfoctc 5u fuhren berechtigt ift, mirb mit einer ©elbfhafc öon 1—15 (äJulben beftraft."
^) !£ie SSerpflic^tim^, ben üom 8ater überfommenen ^ötnUiennamcn ju führen,
fc^ticgt bie njeitcrc 33erpfli^tung in ft(§, aut^ in S^e^ug auf bie ©d^reibwetfe bon be«
3Jater« 9^amen nid)t objutreit^en. (53 iinrb bie§ and} in unfcrer 3«t noii^ ^Sufig üerfonnt.
^ :j7 —
tue(d)en ^äden bte @inl^oIung ber (Sntfc^eibung be^ $öntg^ vorbehalten
ift, ben Scjirti^rcgicrungcn nnb in bem ©cbiete bc^ öormaligcn Sönig-
xti6) |)annoücr ben Sanbbroftcicn übertragen worben. 3JgI. ft\ D. üom
13. «uguft 1822, «tterljöc^fte K. D. üom 12. ^nli 1857/'
3lu(^ in Olbenburg i)at cine 3Serorbnung Dorn 10. ®e))tember 1878
bic 93efugm§ jnr @rtI)eUung ber Sriaubnig jur JiamcnMnberung bem
3)Ziniftcrium übertragen.^)
Den StciiSregterungcn faßt bie ®enef)mignng jnr Slcnberung ber
fjamiliennamen in SQSürttemberg anl^eim, wäl^rcnb in ©Ifag^gotl^ringen
bur^ cine SJerorbnnng betr. bic Uebcrtragnng lanbcs^crrlid^er SBefng^
niffc auf ben ©tabt^altcr in Slfafe t)om 23. ;3uli 1879, bem ©tabt-^
falter bie ®rmäd)tigung jur 9iamcn§änbtrung jugcftanben tt)irb.
:J^n SBabcn Ijat cine lanbeöl^errlicfic SBerorbnung Dom 16. X>cccmber
1875 'bie bei Sfafercr nod^ aU gcltenbes Siedet citirte 3Scrorbnung
tjom 18. :3anuar 183S auger traft gefegt.-)
3)ic ^icr intereffircnben SBeftimmungcn laffcn luir folgen.
I. SBer feinen biiS^crigcn g^amilicnnamen mit einem anbcren uer=
taufd^en, ober nod) einen ferneren [Familiennamen annel^men mill, bcbarf
^icrju einer befonbcren Srlanbnig, weld^c er unter ?[ngabe ber @rünbe
hci bem ig^Jpijitti^Mt^^iw"^ nad^jufndjcn t|at.
IL X>a§ ^n^tiimim'iimvim prüft ba^ ©efud^, nad; 93erne^mung
beö ^tmtiSgerid^ti^, beig Stanbe^bcamtcn, fottjie ber Ortigpolijcibe^orbcn
unb bcfd^licjst, menu ci^ i^m nid^t gleid)balb oerwerflid^ fc^cint, bic cin^
malige Scfauntmad^ung bci^fclbcn bnrci^ ben Staat^anjciger unb bie
ffarl^rul^ef 3citung.
III. ;3?nnert|alb breicr aSoc^cn, uom IagcJ)icfer SBcfanntmac^ung
an gcredinet, ^aben bicjcnigen, welche gegen bie SBcmilligung bcö ®c^
fuc^c^ Sinfprac^c ergeben wollen, fold)Cj§ mit ben ©rünbcn, toorauf
i^rc (Sinfprac^c bcrul^t, jur Senntnij} besJ Quftiämiuifterium^ ju bringen.
IV. 9lad^ 3tblauf ber in § 3 beftimmtcn 5^ift wirb über ba6
öefud^ entfd)ieben unb menu ba^felbc alö juläffig crflärt wirb, glci^^^
zeitig bem Stanbc^beamtcn eine ?tbf(^rift ber Sntfdjcibung mit ber
SBeifung angefertigt, bic ^iamcuigänberung am Staube bc^ ©eburtig^
rcgiftcriS äu üermcrfen.
») Stanbe«beamtc 1878 ©. 221.
»j Äolcrcr @. 32.
- 38 ^
(S^ bleibt nun nur bod) baö franjöfif^c ®cfc| öom 11. Germinal
bcö ^faljrc^ 11 (1. «pril 1803) ju cTOäljncn übrig, ^u bcm SJev*
ftänbniß bicfcö ®cfc^c« ift aber eine furje Ucberjid^t über bic ®cf(^ici^tc
bei8 franjöfifd^en Siamenj^mefcnö nöt(|ig, bie lüir, gcftü^it auf ba§ Ex-
pose des motifs ju biefem ®efe^e, erstattet t)on 5IW i o t ,^) l)icr geben lüoflen.
'^u ^^anfreid^ cfiftirtcn tjor bcm :3ö^K^ ^^^ toü>cx crblid^c
^amiliennanien nod^ SJeimxmen. JJic (enteren famen in biefer 3^^*
auf. ®rbHd)e g^amiliennamcn entftanben erft jur ^dt ^p^ilipp Äuguft'i^
gegen 1200. Die S^ämeniSänbcruug war jcbod^ too\)l im 14. unb lö.^a^r^
^unbert pöHig frei.
@rft ^einric^ II. fa^ fid^ öcranlagt, bcm immer mcftr mad^feuben
Unfug, ber burd^ Srbid;tung unb S5ern)cd)felung bcr SWamen getrieben
iDurbc, burd) eine Drbonnanj öom 21. Wäv^ 1555 ju fteuern. ÜDiefe
uerbot ben ^riöilegirten bie SZamen^änberung oljne Srmirfung eine^
lettre de commutation bei I;ol)er ©elbftrafe, Serluft ber Äbcl^prit)i==
legicn u. f. tv.
SWad^bcm eine Drbonanj tjom ^afycc 1629 bie Untcrjcid^nung mit
bcm g^amilicnnamen an ©teile bcr SBcjcidinung mit bcm SWamen bc$
Icl^nöljcrrlid^cn ®utcö hei allen Sontractcn bei ©träfe bcr 9iid)tigfcit
anempfohlen l)atte, war c^ bic 9f{cüoIution, bie t)ou cinfc^ncibcnftcrTBc^
beutung für haß Slamcnönjcfcn mürbe.
9?a^bem am 4. äuguft 1789 bic 5f»ba(rcd^tc abgefd^afft morbcn
waren, glaubte man aud^ bie Slbcls^titcl nid^t länger bcftcfjcn laffcn gu
bürfcn.
J)ie ÜDccrctc bcr 5RationabcrfammIung oom 19. ^m\\ 1790 unb
t)om 27. September 1791 crflärtcn bcn «bei für aufgcfjoben, bie litcl
^^^^Qf Surft u. f. rv. follten nid^t meljr gcfütirt werben unb nur bic
wirflid^cn g^amjlicnnamen erlaubt fein.'-)
Daig !Ccffct üom 20. September 1792 übertrug bic fjü^rung ber
®tanbc!3büd)cr an ©teile bcr ©ciftlid^fcit bcn Shinigipalitätcn, eröffnete
jcbodi ^ierburd^ ber SBfllfür in ber SBa^I ber 9?amcn, bcfonberi^ ber
SJornamen, 2:t)ür unb Z\)ox. ^m Verlaufe bcr ftürmifd^ bewegten
^cit trat eine enorme SBcrwirrung ein, mau gab feinen Jtinbern 2Jor*
namen nad^ feinem SScIicbcn, wcd^fcltc bcn Familiennamen burd^ me
') Locr6, la legislation de la France etc. ©ünb III (S. 320 ff.
') 3n 5XuÄfü^rung biefc« Söeft^Iuffe« nannte fid^ Ca ^ntjcttc — iDi^ttier,
2)M r Qb cau — SRiq net ti u. f. nj. (5s führte bic« cmc 3ett lang jjii großen (Jrr*
t^ümcrn unb i^eriofdjfctungcn. ^qU 33e(fcr'« SKettflcfd^it^tc ^b. 13 ^. 179.
_ 39 —
* ^
einfädle ©rflärung öor ber |)eimatt)^bcprbe , oft anH) nur burd^ eine
ertlarung in bcr JBoIfi^Derfammlung , unb bcr ^lationalconüent er^ob
bicfciS Ireiben burd^ fein Dcfrct t)om 24. brumaire bc^ ^^al^rci^ II.,
wdd)^^ bcftimmt, ba§ jcber feinen Familiennamen bur^ eine einfädle
©tllärung tjor ber SKunijipalität änbern tiJnne, jum ©efefee.
i)ie an§erorbentIid^en 3)?i§bräu^e unb bie ®cfa^ren, bie in biefer
Stnorbnung lagen, mürben jebod^ balb crfannt unb ein ®efe^ t)om
16. Fructidor bg^felben Qa^reö \)erbot eö, anbere Familiennamen ju
tragen, aU bie in ben ®eburtöaften niebergelegten unb befiehlt ben-
jenigen, bie fie abgelegt Ratten, bie SRildtfe^r p benfelben.
(Sine enbgültigc {Regelung n)urbe crft ^erbcigefül)rt burd^ baö &t'
fe^ t)om 11. Germinal bci^ ^a\)xt& XI.
Da^ ®efe^ jerfäUt in jmci litel, Don benen nm Ijicr nur ber II.
intereffirt, ber crfte be^anbclt 3}ornamen§maI|l unb Äenberung.
Titre IL Des changemens de Noms.
Art. n^. Tonte personne qui aura quelque raison de changer
de nom, en adressera la demande motiv^e an gouvernement.
Art. V. Le gouvernement prononcera dans la forme pres-
crite pour les reglemens d'administration publique.
Art. VI. S'il admet la demande, U autorisera le change-
ment de nom par un arrete rendu dans la meme forme, mais qui
n'aura son execution, qu'apr^s la revolution d'une ann^e, ä compter
du jour de son insertion an Bulletin de lois.
Art. VII. Pendant le cours de cette ann^e, tonte personne y
ayant droit sera admise ä präsenter requete au gouvernement pour
obtenir la revocation de l'arret^ autorisant le changement de
nom; et cette revocation sera prononcee par le gouvernement,
s'il juge Topposition fondee.
Art. VIII. S'il n'y a pas eu d'oppositions , ou si celles qui
ont ete faites n'ont point ete admises, Tarret^ autorisant le change-
ment de nom aura son plein et entier effet ä I'expiration de
rannte.
Art. IX. II n'est rien innove par la präsente loi, aux dispo:
sitions des lois existantes relatives aux questions d'etat entrainant
changement de noms, qui continneront k se poursuivre devant
les tribunaux dans les* formes ordinaires.
— 40 —
®inb nun bicfe fronjöfif d^ * red^tlic^en Seftimmungen in ?R^cin^
^cffcn nod) gültig? 5>ic eben ge^anbl)abtc '^Jrajio ift bic, baß bo^-
@efud^ urn 5Wamen«änberung birect bcm ®ro§I)erjogc eingerctdit
wirb. 'X)a^ beauftragte 9)Hnifterium forbcrt ba^ fianbgeric^t ber ^ro=
Dinj jum Scrici^te auf, ba^ fcincrfeit^ ba^ ?tmt^gcrid^t mit Med^erc^cn
unb 95erid)t beauftragt. Denfelben SBeg ge^cn bie erhjadjfcnben Sfftcu
mieber jurücf.
3)ic \)erf(i^iebencn S8erid)te merben bent ©rofe^erjog unterbreitet,
ber l^ierauf feine ©ntfd)IieBung trifft. Diefelbe gelangt im 9tegierung^^
hlattt gur SJeröffentlid^ung.
e^ lägt )x6) nun biefe ^rafi^ abfolut nidjt mit ben Scftimm^
uugen be« franjofifdien ®efc|c« in Ginftang bringen.
Dbnjo^I ein abänbernbeö ®efeg für Si^ein^effen unfereö aSJiffens^
nad; nod) nid^t ergangen ift, fo wirb man rvoifl bejüglid^ biefeig Il^eil«
be§ ®efcgeö, ba§ \a t)on ber .^effifd^en Siegicrung in Setreff ber SJor-
namen aU in Sraft ftel^cnb ancrfannt wirb,') bie heutige 9ied)tögültig^
feit im ^inblid auf bie üeräuberten ftaat§rcd)tlid)en SJcrl^ältniffc lotx-
neinen fönneu.
Ucbcralf gcf)t ot|uc 3^^if^f ^^^ Grt^eilung ber Grlaubnig jur
Äenbcrung be« göuiiliennamenS eine causae cognitio öorau«. fragen
wir, worauf fidj bicfe gu erftreden fjabcn wirb, fo muß natürlid^ bic
(Sigeuartigfeit jebe« ^alle« für bie Unterfud^ung maggcbenb fein. Q[m
allgemeinen ließe fid; boc^ woljl aU Siegel aufftellen, bag jebenfall« bic
Jamilienmitglieber be« 'ißctcutcu um i^re 3)ieiuung gefragt, unb weitere
Srfuubigungen barüber eingesogen werben muffen, ob bie an bem
9Bol)nfige be« ©cfud^fteller« befinblidjen Irägcr be« neu auäune^mcnbcu
9lamen« mit ber 3?amen«äuberung ciuDerftaubeu finb, eöentueH weld^e
Siuwenbungen fie ju madden f)abcn. 'Die Unterfudjung Ijat fid^ jcbcu'
fall« auc^ mit ber 5rage gu befdiäf tigeu , welche 'Hiotioe ben ^Petenten
leiten, in«bef ouberc , ob nid)t burc^ bie 9Zamen«änberung ber ©d^eiu
erwedt werben foil, ber ^13etcut geljiJre ju einer ^-amilie, ber er factifdj
nid|t angeljört. (Smpfe^lcn«wert^ ift woljl — unb in biefcr Söejie^ung
fiub bie babifc^en öeftimmungeu auggejcid^net — bie grögtmöglic^fte
^ublicität ber ganjen Unterfui^ung, bamit e« jebem ^^ntcreff enten mög-
lich gemalt wirb, fein ;3utereffe, \>a^ er au ber 9iic^tänberung be«
I» Sil
) %l. 3. 13.
— 41 —
iÄamcn^ t)at, auf bcm SBegc bc^S ©infprud^ö bei ben SBcbörbcn gcitcnb
ju' madden.
©ntpfcl^lcni^mert^ ift auä) bic ©cgung einer bcftimmtc« 5^ift jur
©eltcnbmad^ung bicfer Änfprild^c. 3)iefe barf jcboc^ nid)t 311 lang
au^gebel^nt tverben.
jDic Äenbcrung bc^ g^wilicnnantenö bewirft feine JBcränberuug
bcr ©tanbei^red^te einer ^erfon, ba ba§ SRcd^t auf ben ^Warnen nid^t
aU ©tanbeöred^t betrachtet lüerben fann. Irogbem wirb öftere nad^
lanbeögefeglid^er SSorfd)rift bie erfolgte ?fenberung beig gomilicnnamen^
at^ atanböermerf im (Seburt^Sregifter aufgenommen.*)
ßö ift fcftfteljenbe Siegel, ba§ nur biejenigen ?5erfonen ?Infprudö
auf 5Wamen^änbcrung in einem beftimmtcn £anbe ^abcn, bic I|ier and)
ba^ ^nbigenat befigcn.
ÜDaig SSerbot ber wittfürlidtien privaten 9?amcn§änberung ift tool)l
in allen europäifi^en Itänbern burd^gefü^rt. ^m 9?ad^fte^enbcn follcn
bic SBeftimmungen einiger 'Staaitn über bic unter ftaatlid^cr 3(utorität
burd)jufii^renbc ?lenberung mitgetfjeih werben.
:3;n O eft erreich beftimmt \>a§ fd)Ou citirtc ^ofbefret 00m o. Quni
1826: „gine 3Seränberung bei§ ®ef^Icd^t^namenö barf nur beim Uebcr*
tritte jur d^riftlid^en SReligion ober bei ?[beI§ocrIei^ungcn uub im Ic^tercn
$a((e aud^ nur mit au^brüdflid^cr (jöd^fter SBewiUigung unb unter ben
erforberlid^en 3Jorfid^ten ftattfinben. ©ottte auger bicfcn beibcn J^ätten
eine SJeränberung beö ®cfd^Ud^tsinamenö nad^gefud)t werben, fo bel)alteu
fic^ ©e. 3Wajeftät bie Gntfd^cibung fold^er ®cfucf)c in befonbers^ riicf:^
fic^tsiwtirbigen Ratten ^öc^ftfclbft beüor."
Sine ÄaifcrI. SScrorbnung 00m 20. Xicsember 1848 übertrug bic
35ewittiguug^bcfugni§ jur Slamen^änberung bcm 9)linifter beö Qnncrn uub
eine (£ntfd)Iic6ung 00m 12. üRärj 1866 fold^c ben politifd^cn Sanbeöftettcn.
äWerfwürbigerweife wirb eine bewitUgtc 5Wamen!Sänbcrung in Ocfter
reid^ nid^t ücri^ffcntfid^t. 2)
Sc^r ücrfdjieben fiub wicberum bic fantoualen SBcftimmnngen bcr
©d^wcij. ©cmcinbcratf) , ?fmtiggcrid^t , Olegicruug^ratt) u. f. w. fiub
Ijier bie für S^amcnöänbcrung juftänbigcn 93cl^örbcn. ^j
») »gl. 0. ©teuerer 3. 2(>1, 2«2.
') Saferer @. 27 ff.
•'') ^onbbu(^ ©. 2r>r).
— 42 —
^u Spanien tmrb bie 92amen£iänberung bei bem ^erid^te nac^-
gcfuc^t. fie^tcrcö öcröffcntli^t baö ®efu(i^ in einigen Leitungen. 35rci
a)ionate wad) bicfcr ©inrücfnng erfolgt cine ©ntfd^eibnng ber SRegietung,
bie, wenn cine Dppafition brittcr ^erfonen eingelaufen ift, uor^cr ben
Btaat^xatf) ju confultiren ^at
^n SRufelanb ift cine gainiliennamen^änbening nur burd^ eine
Qmmebiateingabe an ben Saifer gu erlangen.
^m ?(nfc^lu§ an bie Äenberung bev Familiennamen JvoHert wir
Ijicr anc^ nod| bie unter ftaatlidier Autorität fid^ öottjie^enbc Äenberung
ber SJornamcn 6etrad)ten.
Die @rfenntni§, bag aud^ bie giiljrung ber einmal erworbenen
3?ornamen cine im öffcntlid^cn 9icd^t begrünbete ^fli^t unb jebe wiH*
fiirlid^e Äeubcrung bcrfclbcn unterfagt fei, Ijat in JJcutfd^Ianb fc^r fpät
Eingang gefunben.
.'per mann war ber crftc Jl^corctifcr , ber in feinem, 1862 er*
fd)icnenen äuffa^c eine 9lcd^tiSpfIid[)t, bie erl)altenen SJornamen baucrnb
JU fiilircn, ftatuirt. ©ir fönncn bie JRid^tigfeit bicfcr anfid)t nic^t bcffer
barttjun, aU wenn wir ben I;ier einfc^Iagenben Zi)cH einer Verfügung be^
Äönigl. Saljer. ©taatömiuiftcriumö be« ^^nnern Dom 8, 2Bärj 1866 1)
citircn :
„T}k g'ü^rung bcftimmter 9?amen bejwccft, jebe cingeinc ^erfon
üon alien anberen, inöbefonbcre aud^ in SBcjiel^ung auf 9tedl)te unb
^flid^teu fid^er unb bauernb ju untcrjd^eiben unb ift burd^ bie ®r*
wägung geboten, bag ber georbnete ßuftanb jcbeö ©taateig bie beftänbige
gleidimägigc Uuterfcf)cibung aller il|m angctjörigen ^erfoneu erforbert
unb bicfe bei Dcrfdfiicbcncn ftaatlid)en ®inri^tungen öorau^gefc^t wirb,
^[encm für baö 3}cd^tö= unb Familienleben fowic bic öffentlidfie Drbnung
l)öd)ft wid^tigcm Qtvtd genügt aber ber Familienname nic^t in auö-
reid)enbem SÖ^aßftabe, foubcrn bie untcrfd^cibenbe Senntnig eiuci^ ein*
jclnen SKitgliebe^ einer Familie unb beffen Untcrfc^eibung oou anbern
ben gleichen Fönnli^unamen fü^renben ^crfonen wirb erft burd^ bic
i<crbinbung bc$ a?ornamcn^ mit bcm Fö""Iicw'i^"^c^ erreid^t. ®^ er*
f^cint baf;cr bic willfürlid^c 2?eränberung bc§ SSornamenig, cbcnfowenig
wie bie be« Familiennamens, mit bem öffcntlidfjcn 5Red^t unb ber öffent-
lid^cn Orbnung öcrciubar."
^) StanbcSbcamtc 1879 <S. 1.
- 43 —
3>ic crftc, menu aud^ bcfd^ränttc, reid^^gefc^Iidjc Stncrfcnuung bicfcr
im öffcntlid^cn SRcc^tc begrünbeten ^flid^t ift nnferer Änfi^t nad^ im
ffteii^igftrafgefelbnc^ § 360 3iff. 8 enthalten, inbem bie fid^ ^ier finbenbc
Strofbeftimmung fetneömegig auf ben Jöwiliennamcn ju bcfc^ränten ift.
3n bicfcm ©inne fprtd^t fid) oud^ ber 93eri(]^t ber Eommiffion bcr
11. Sammer jum preufeifd^en Äbgeorbnetcnljaufe an^. Entgegen fte^t
freilid^ ein ffirfenntni^ be^ prcugifd^en Obertribunal^.^)
SBir l^aben ferner fc^on in nnferm jUjeiten Sapitel gu conftatiren
©clcgen^eit gehabt, bafe nad^ unferm 9teid^^gefege eine auf Antrag
tmt^ ^ritjQten burd^ ben ©tanbe^beamten erfolgenbe äbänberung ber
einmal eingetragenen SSornamen ööttig unftattl^aft ift. Äu^ I)ierin liegt
fidler ein ©erbot ber tt)iüfürlid)en SJornamenöänberung.
^Dagegen finb Äenberungen ber 3Sornamen mit obrigfeitlid^er ®r*
Iaubni§ wo^l benfbar, unb wir moöen im ^olg^nben bic ©tatt^aftigfcit
fold^cr Slenberungen unter bem 9tcid^^gefe|e unb bie in ben üerfdfjiebcnen
Staaten ge^anbfjabte ^rajii^ betrad^ten.
Qu 93at)ern hjar burc^ bie f^on citirtc üßinifterialöerorbnung üom
8. SKärj 1866 eine Sornamenigänberung mit obrigfeitlid^er (£rlaubni§
für juläffig crflärt unb al^ juftänbige Seljörbe bie Diftrict^polijei--
bctjörben unb in ^öl^erer ^JJnftang bie fgt. ^Regierung beö Qf^nern er==
flärt njorben. @nbe be^ ;3a^re§ 1877 hjollte nun ein ©^egatte unb
9Jatcr bie gum ®eburtöregifter t)on ifjm angegebenen SSornamen feinet
§:inbtß n)enige läge nad^ ber Eintragung änbern. ®r würbe im ^in-
btid auf bic erwähnte 3)iinifterialentf^lie§ung angemiefen, fid) mit feiner
(Singabc au baö fgt. ©taatöminiftcrium bcjS ;3fnnern gu wenben.
Daöfelbc erlief aber unterm 20. 35cjcmber 1877 ba^in @ntfd^Iie§ung,
baJ5 bicfcr Sitte um ®cnct)migung bcr äbänbcrung bc& äJornamcnS
fra9lid)en ^nbc!^ eine f^olqt nid^t gegeben werben fiJnne, ba eine
?(enberung bcr in ba§ ®cburt^rcgifter eingetragenen SJornamen, fei ci^
burc^ 3tenberung berfelben, fei eö burdj ^injufügung weiterer 23or*
namen, o^nc SBcri^tigungSöerfa^rcn nic^t guläffig fei. 2)
©auj ä^nlid) fprid^t fid^ eine 9Serf ügung bcsi prcufeifd^cn ÜÄinifterium^
bcö :J^nncrn üom 15. Dcgcmber 1885 auö:^) (Sine au^ bem geheimen
M 2öb. 36 ©. 219. 5?gL O|)pcn^of' « (Jornmentov jum 3lfid^«prafflffctjbw(^
6. 808.
«) iög(. ^tergu @tanbf«bcamtc 1878 ©. 267.
"") ©tanbf^bcomte 1886 @. 1.
— 42 —
3u ©pauicu toixb bic Slamcnsiänberuug bei bcm ©cricfttc nac^*
gcfud^t. fie^tcrcig öcröffentlid^t baö ®z\nä) in einigen ^citwngcn. ®rei
äßonate wad) biefer Sinrildung erfolgt eine (Sntfd^eibnng ber Stegierung,
bie, njenn eine Oppofition britter ^erfonen eingelaufen ift, uor^er ben
^taat^xaif) gu confultiren l)at
^n 3iu|Ianb ift eine gamiliennamen^änbcinng nur burd^ cine
Qmmebiateingabe an ben Äaifer ju erlangen.
^m 8[nfdjlu§ an bie Äenbcrung ber ^^mitiennamen moHeU wir
I)icr auc^ nod^ bie unter ftaatlic^er «utorität fid^ uoHjiel^cnbe Äenberung
ber SJornamen bctradjtcn.
Die @rfenutni§, ba^ anä) bie ^iifjrung ber einmal erworbenen
2?ornamen cine im iJffentlirfien 9icd)t begrünbete ^flid^t unb jebe lüill*
fürlid^e Äenbcrung berfclbcu unterfagt fei, l^at in JJeutfd^Ianb fel)r fpät
Eingang gefunben.
.•per mann war ber erftc Jl^corctifcr , ber in feinem, 1862 er*
fd)ienenen äuffa^e cxm 5Recl^töpfIid[)t, bie erljaltcnen SJornamen baucrnb
ju füljren, ftatuirt. 93Jir fönnen bie Stid^tigfcit biefer «nfid^t nic^t beffer
bartfjun, alö wenn wir bcn Ijier einfrf)Iagenben üfjcil einer SJerfilgung be^
fiönigl. Sat)er. ©taatöminifteriumö bt§ ^'"^lern oom 8. Tl&xi 1866 0
citiren :
„55ie 5"^i^wng beftimmtcr 9?amen bcgwecft, jebc cinjcine ^erfon
üon aßen anberen, ins^bcfonberc anil) in Sejicl^ung auf 3ted^te unb
^flid^ten fieser unb banernb gu untcrfc^eiben unb ift burc^ bic @r*
wägung geboten, ba§ ber georbnetc ßuftanb jcbeö ©taateö bie beftänbigc
gteidimägige Unterfd)eibung aller il|m angeljörigen ^erfoncn erforbert
unb biefc bei uerfdfiicbenen ftaatlid^cn ©inrid^tungen uorau^gefe^t wirb,
^[enem für baö iRed^t2J= unb göinilienlebcn fowie bie öffentliche Drbnung
Ijöc^ft wirf)tigcm Qwtd genügt aber ber Familienname nid^t in an^--
rcid^cnbem 3)ia§ftabe, fouberu bie unterfd)cibenbe Senntniß einci^ ein*
jelnen SKitglicbeiS einer Familie unb beffen Unterfd^eibung öon anbern
bcn gleid^en göinili^^^^tamen fü^renbcn ^erfonen wirb erft burd^ bic
35erbinbung bcö 25ornameng mit bem Familiennamen errei^t. (S^ er^
fd^eint ba^er bie wiHfürlic^c Seränbcrung beö SJornamem^, cbenfowenig
wie bie be§ Familiennamen^, mit bem öffentlidEien SRcd^t unb ber öffent»
lid^en Orbnung öereiubar."
M StanbcjJbcamte 1879 @. 1.
~ 43 —
Die crftc, wcnu aud^ bcfd^ränttc, reid^ggefe^Iidjc Sfncrfcmtwiig bicfcr
im offentlid^cu SRcd^tc begrünbeten ^flid^t ift nnjcrer Anficht nad^ im
aflei(i^^ftrafgefe|l)nd^ § 360 3iff . 8 enthalten, inbcm bie fid| l^ier finbenbe
Straf bcpimmung feine^megö anf ben JJamiliennamen ju befc^ränlen ift.
3n biefem ©inne fprid^t fid^ aud^ ber 99ertd^t bcr Eommiffion bcr
II. .Slammer gum pren^ifd^en Äbgeorbneten^aufe auö. Entgegen fte^t
freili^ ein grfenntnife beö preu§ifd^en Dbcrtribunalö.*)
SBir l^aben ferner fd^on in unferm jhjeiten Sapitel ju conftatircn
Gelegenheit gehabt, bafe nad^ unferm 9teid^ögefe|e eine auf Antrag
cinc^ ^riDaten bur^ ben ©tanbe^beamten erfolgenbe Äbänberung ber
einmal eingetragenen 3Sornamen ööttig unftatt^aft ift. Änd^ l^ievin liegt
fidler ein ©erbot ber mittfürlid)en SJornamen^änberung.
^Dagegen finb äenbernngen ber 33ornamen mit obrigfeitlidier ®r=*
Iaubni§ mo^I benfbar, unb wir moöen im JJoIgcnben bie ®tattl)aftigfeit
fold^er Henberungen nnter bem 9ieirf)^gefe|c unb bie in ben \)erfd)iebcnen
Staaten ge^anbfjabte ^rajii^ betrai^ten.
Qn 58at)ern mar burd^ bie fd^on citirte üßinifterialöerorbnung t)om
8. aJlärj 1866 eine 3Sornameni3änbcrung mit obrigfeitlid^er (Srlaubnife
für snläffig erflärt unb aU juftänbige SBeljürbe bie Diftrict^polijei*
beijörben unb in t)öl^erer ^^^nftang bie fgl. ^Regierung bei^ Qf""^^*^ ^^^
flärt njorben. @nbe beg ;3al^re^ 1877 hjollte nun ein ß^egatte unb
9Jater bie jum ®cburtiSregifter öon i^m angegebenen SSornamen feinei?
Sinbciä menige Jage nad^ ber (Sintragung änbern. ®r njurbe im ^iu:'
blicf auf bie ermäl^nte 9)}inifterialentfd^liegnng angemiefen, fid^ mit feiner
Eingabe an baä fgl. ©taat^minifterium bt§ 3?""^^^^ i^^ wenben.
ÜDasffelbe erlief aber unterm 20. !Dejcmber 1877 bdf)\n ©ntfd^Iiefeung,
ba§ biefer Sitte um Genehmigung ber äbänberung be^ Sornamen^
fragli^en Sinbeö eine ^olQt nid^t gegeben merben fönne, ba eine
Sfenberuug bcr in ha^ Geburti^regifter eingetragenen 25ornamen, fei c^
burc^ «enbemng berfclben, fei eö burd) .f)injufügung weiterer 25or*
namen, o^ne 95erid)tigungiSüerfa]^ren nid|t juläffig fei. 2)
@anj ä^nlid^ fprid)t fid^ eine SSerfügung be«; preu^ifd^en aRinifterium^
beö $^nnern tjom 15. Dejember 1885 an^:^) (Sine auö bem geheimen
') m. 36 @. 219. iPgl. O»)»)cn^of's Kommentar gum SReic^«flrafgefe(jbu(^
@. 808.
-) l^f^l ^icrgu ©tonbeSbeamtc 1878 S. 267.
*; StanbeöbcQttitc 1886 €. 1.
— 44 -
(Cabinet bcm aßiniftcrium jur SBerftigung jugcgangcuc ^[mmcbiatoor*
ftcUung wirb ba^tn bcantmortet, bag bcm Stntrag bcr Sittftcttcrin , bcu
i^rcm SJinbe uon feinem SJatcr beigelegten SSornamen £ u 3 i f c r tüieber
^n bcfeitigen, ba fein Serid^tigungöüerfafiren ju ©runbc rfegt7 ni^t
ftattgegeben merben fann.
~Stu(i^ bic fod^fifdje ^rafii^ ftimmt hiermit überein. i)
Qnbem man nun in biefen Staaten öon bcm @a|e au^gc^t, bafe
cine SBornameni^änbernng oljne glcid^jcitige 33eränberung im ©eburtö-
regiftcr unbenfbar ift, ^at man I)ier bie ^^^ffigfcit ber SSornamcn^^
änbcrung über^an))t verneint. 2)
^n anberen Btaaicn bagcgen ift bie SSornamenöänbernng mit
obrigfeitIi(i)er (SrlaubntB für juläffig erad^tet worben. 2)ie OJeoifion^=
bemcrfungen beg @roB^. .^effifd^cn 9)?inifteriumö bef Suftij öom
18. December 1876 ») befagen ^u § 22: ©inb bie 23Drnamen citte<^^
Sinbcfii gleid^jcitig mit bcr ®eburt bcs^felben angcjcigt unb ber Sfnjeigc
cntfjjreci^enb eingetragen n)orben, fo fönnen anbcrc ober toeiterc SSor-
namen, aud^ wenn fie innerhalb bcr jur 3iamengebung gcftattctcn fjrift
üon jioci SJiouatcn jur Sfnjcigc gelangen, üon bcm ©tanbe^bcamtcn
nic^t ol)nc SBciterci3 eingetragen werben. Sine äbänbernng ober SJcr-
t)ollftänbigung bereite eingetragener 33ornamen fann oiclmet)r nur im
Söcge einer oon ®r. Sgl. |)of|cit bem ©rofeljcrjogc 3U geftattenben
5Wamen)8änbcrung erfolgen, ö^ wirb alfo l^icr eine 3?ornamengänbcrung
burd^ ben ÖJrog^erjog für ftatt^aft erad)tet unb in ber ^^raj:iö Ijäufig
geübt.
5ür S3aben gilt bfc fd;on erwähnte lanbc^ljcrrlic^c 23crorbnung
T)om 16. December 1875:
„3wr äeubcrung bcr 93ornamen genügt, baß bie bcabfid^tigtc
^enbcrung bcm 3tmtögerirf)te angezeigt, üon bicfem, wenn fein Änftanb
obwaltet, bie SJornamcn^änbcrung iin Söejirf^uerfünbignng^blatt uer
öffentlidjt unb bem ©tanbci^beamtcu be^ufg ber i^ormerfung am 9ianbc
beö ©eburtöregiftcrö mitgctl)eilt werbe."
gür 93remen beftimmt eine 33crorbnnng betr. bic 9[u«^fü^rung bcö
©cfc^eö Dom 6. g^ebruar 1875 00m 10. December 1875^): „aenbcrung
')* 3>gt. ©tanbcSbcamtc 1877 3. 87.
■-} 5>9l. aud) $VoI)(cr ©. 7.
'•^) o'tanbfSbeamtc 1877 ^. 27.
*) StanbeSbcamtc 1H7(J 'B. 331.
— 45 -
bt^ rcd^tlid^ geführten 9lamcn^, aud^ bc^ SJornamcu^, bleibt aii^fd)Iiep^
lic^ bem ©cnatc t)orbcf|altcn."
3iad) unfcrer Änfid^t ijl bie in SBatjcm, ^rcu&cn unb ©ad^feit
gci^anbl^abtc $raji§ bcm fRcid^^gcfcge nid^t cntf^>rcd^cnb. 33Jir galten
ben ©a$, baJ3 ciuc SJornamcnigänbcrung nur benfbar ift mit gfcid)*
jcitiger SJeranbcrung in bem ®cburti8regifter, für fe^r bcftrcitbar. 1)er^
fclbc finbet unfcrer Änfid^t na6) im 9ieic^iggefe|e abfolut feine ©tü^c.
Dicfcö l)at cbenfowenig mt bie gamilicnnamenänbcrung , bie 3Jor^
namenänberung mit obrigfeitIid|cr ©rlaubniß regeln wollen — e§ i)at
bieg ben ßanbei^gefegcn überlaffcn — unb ebcnfowenig , wie eine er^
folgte J^milicnnamcnänberung na6) unferm 9lei(^ögcfc^ im ©eburtö*
regifter Äenbcrung üeranlaßt, ift bieg bei ber 2lcnberung ber SSornamcn
ber ^att. ^m :5«tercffe ber Stec^töfid^cr^eit wäre freiließ, wie bieg
nad^ lanbcggefe|lid^er S3orfd)rift anä) hd ganiiliennamenänberungen gc*
fc^ie^t, eine Semerfung am 9ianbe bcg ©eburtgregiftcrg , ba§ eg ber
betr. ^crjon öon bem Könige u. f. w. gcftattct werben fei, ben SSor-
namen X ju fül^ren, am $Iagc. @ine burd^ 3ianbuermerf ju wlU
.^ie^enbe ä b ä n b e r u n g bcg ®eburtgregifterg freilid), wie fic bie ange=^
füt)rten .^effif(^cn Sfteüifiongbemerfungen üorfc^reiben, ift, ba feine 99c^
ri(^tigung öorliegt, auggefdf|Ioffen , aber öon einer Slbänberung beg
®eburtgregifterg burd^ äftanböermerf , ift, uufereg Srad^teng, eine anf
Örunb Ianbeggefcglid)cr SSorfc^rift erfolgenbe, feinegwcgg eine ?(bänbe=
rung beg ®eburtgregifterg in fid^ fd^lic^enbc S^emcrfung am Staube über
bie obrigfeitlidf} geftattete 3Sornamengänberung wo^I gu unterfd^eibcn.
9Bir glauben, ba% bie in jcbcr |)infid)t auggcgcidinctc babifdie Ser-
orbuung aud^ ^ier ba^ richtige getroffen t)at.
Daß ein fe^r gro§eg ^^ntereffe an ber SSoruamengänbernng bcftc^eu
fanu unb biefelbe bafjer in ben Sanbeggcfe^en sujulaffen fein wirb,
bebarf feiner weiteren ©rörterung.
933erfen wir nod^ einen Slicf auf bie öfterreirfjifd^e ^rafig.
Saferer tl^eilt 2 SKinifterialcntfd^eibungeu Dom 23. aWai 1873 unb
9. ^imi 1877 mit, weld^e ®efud^c um Äbänbcrung ber 9?ornamen alg
unjuläffig verwerfen.
Der t)on Saferer felbft vorgetragenen ÜJicinung, eg miiffe bie
freiwillige, otjne ftaatlidje ®euet)migung erfolgenbe Slenberung ber 5Bor*
namen für juläffig erflärt werben, wenn nur bafür geforgt ift, bafi
— 44 -
©abinet bcm aßiniftcrium jur SJerfügung jugcgaiigcnc Qramcbtotüor=
ftcUung tt)irb baf)\n bcantmortct, ba^ bem Antrag bcr SJittftcttcrin , bcu
il^rcm Äinbc t)on feinem Sater beigelegten SSornamcn Sujif er tüicber
^n befettigen, ba fein 93crici^tignngdt)erfal;ren ju ©runbe liegt 7 nid^t
ftüttgegcben tperben fann.
~3lu(i^ bic fäc^fifd)e ^rajiö ftimmt hiermit überein, ^)
;3nbem man nun in biefcn Staaten uon bem ©afec au^gc^t, bafs
eine SSornameni^änbcrung ol^ne gleid^jeitige SJeränbcrung im @cburt^=
rcgifter unbenibar ift, ^at man ^ier bie ^^läffigfcit ber SSornamens'-
änberung über^an))t üerneint.*^)
:^n anberen Btaatm bagegen ift bic SSornamenöänberung mit
obrigfcitli(i)er ©rlaubni^ für juläffig erad^tet worbeu. Die Otemfions
bemerfungen beiS ©roßt}, ^effifd^en SDZinifteriumS bet ^uftis w\n
18. !I)ecember 1876») befagen jju § 22: ®inb bie 35ornamcn eine«
äinbcö gleid;jcitig mit bcr ÖJeburt besifelben angezeigt unb ber Änjcigc
entfpred^enb eingetragen Sorben, fo fönnen anbcrc ober »eitere SJor-
iiamen, aud) mcnn fic innerhalb bcr jnr 9?amengcbung gcftattctcn ^rift
t)on äwei SKonatcn jur Stngcige gelangen, Don bcm ©tanbcj^bcamtcn
nic^t oI)ne SBciterc^ eingetragen n?crben. ©ine 'ättjänbernng ober 3?cr-
tJoKftänbigung bereite eingetragener S?ornamen fann oiclmeljr nur im
3ßege einer oon ®r. Sgl. ^o^eit bem ®ro§I)ergogc ju geftattenbcu
5Wamcn8äuberung erfolgen. &§ tvixb alfo ^icr eine 9?ornamcn^änberung
burc^ bcn ©roßfjerjog für ftatt^aft cradjtct unb in ber ^raji^ l^äufig
geübt.
^ür 3}aben gilt bte fc^on erwähnte Ianbcs^t)crritd;c SJcrorbnung
T)om 16. December 1875:
„Qxix Slcnbcrung ber SJornamen genügt, ba§ bie bcabfid)tigtc
^tenberung bem 9(mt^gcrtd)tc angejeigt, üon bicfem, menu f?in ?lnftau^
obmaltct, bic SJornamenöänberung im Scjirf^aücrfünbigung^blatt uer
öffcnttidjt unb bem Stanbc^bcamten bel^uf§ bcr SJormcrfnng am 9tanbc
beö ®eburtöregifterö mitgct^eilt mcrbc."
5ür SBremen bcftimmt eine S5crorbnnng betr. bic Sfufi^fü^rung bes
©efe^eö oom 6. Februar 1875 oom 10. December 1875^): „?(enbcrung
'r 3.^91. StanbcSbcamte 1877 ^. 37.
•) il>Gi. audi ilor)(cv @. 7.
'•'} Stonbe^beamtc 1877 (S. 27.
*) ©tanbeöbcamtc 187G S. :m.
— 45 -
bed rcd|tlic^ geführten Jiomend, auci) bt^ 3Jornamcn^, bleibt aui5fd)IicB^
It(^ bein ©enate vorbehalten."
Slad) unfercr Slnfid^t ift bie in Satjcrn, '^reu&cn unb ©ad^fen
ge^anbl^abte ^rajid bem aieid^^gefcge ni^t entj^>red^enb. SBir galten
ben ©a$, baß eine Sornamenigänberung nur bcnfbar ift mit gleid)=^
jcitiger 3Seränberung in bem ®eburtöregifter, für fe^r beftreitbar. 1)cr^
felbe finbet unfcrer Anficht na6) im SReic^iSgefe^c abfolut feine ©tü^c.
I)iefeig i)at ebenfowenig tvit bie gamiliennamenänbemng , bie 9?or^
nomenänberung mit obrigfeitlid|cr ©rlaubniß regeln ttjoöen — e^ ^at
bied ben Sanbei^gefegcn überlaffen — unb ebenf omenig , wie eine er^
folgte 5^miliennamenänberung naä) unferm SReic^dgefe^ im ©eburtiS-
regifter Äenberung veranlaßt, ift bieö bei ber Slenberung ber SSornamen
bcr ^all ^m :5ntereffe ber Sfleci^töfid^erfieit märe freiließ, wie bicö
nad^ lanbe^gefeglid^er SJorfd^rift and) bei 5öittilic"^rt"^^ttftwt>^^i*"9^Ji 9<^"
fc^ie^t, eine Semcrfung am Slanbe be§ ©eburtöregifter^ , bafe e^ ber
betr. ^crjon öon bem Sönige u. f. w. geftattet worbcn fei, ben SJor-
namen X ju führen, am $lage. Sine burd^ ätanbuermerf ju üott^
.^ie^enbc ä b ä n b e r n n g beö ®eburti§regifteri^ f reilidE), mic fie bie ange-
füfjrten |)cffi)^en Slcüifionöbemerfungen üorfc^reiben, ift, ba feine Sc-
ri(^tigung öorliegt, ausigefci^loffen , aber üon einer äbänberung be§
©eburtiSregifteriS bnrd^ Slanböermerf, ift, unfere^ @rad|ten^, eine auf
(Srunb lanbe^gefe^lid^er 33orf(^rift erfotgenbc, feineöweg^ eine 9lbänbe=
rung beö ©eburtöregifterö in [i^ fdiließenbe 53emerfung am Staube über
bie obrigfeitlid^ geftattete SJornamen^änberung n)ol)l ju unterfd^eiben.
SBir glauben, ba§ bie in jeber |)infidf|t auggejcidinete babifd^c 33er^
orbuung aud^ ^ier ba^ richtige getroffen \)at
Dag ein fe^r gro§eö ^^ntereffc an ber 3?ornamcn!§änberung beftcljen
fann unb biefelbe ba^er in ben Sanbei^gefe^en gu^ulaffeu fein wirb,
bebarf feiner weiteren ©rörterung.
SBerfen mir nod^ einen SBlidt auf bie öftcrreid^ifrf)c %H'afi£J.
Saferer tl^eilt 2 ÜKinifterialeutfd^eibungeu Dom 23. 9l)?ai 187;} unb
9. :JJuni 1877 mit, meldte ®cfud^e um äbänberung ber 9?ornamen ah
uujuläffig tjermerfen.
S)cr t)on Saferer felbft vorgetragenen !i)2einung, eö muffe bie
freiwillige, otjne ftaatlidje Genehmigung erfolgenbe ?lenberung ber SBor*
namen für juläffig erftärt werben, wenn nur bafür geforgt ift, baf;
— 44 -
Cabinet bem aJiittiftcrium jur äJcrfügung jugcgangcnc Qmmebiatüor*
ftetlung ttjirb bafjin beantwortet, ba§ bem äntrag ber SBittftcttcrin , ben
i^reni XJtnbe t>on feinem SSater beigelegten 83ornanicn Sujifcr njicber
p beseitigen, ba fein SBcrid^tigung^ücrfafiren ju ©runbc Itcgtr ni^t
ftottgegeben merbcn !ann.
^%vi(i) bie föd^fifdie ^rajiö ftimmt l^iermit übetein.^)
;3nbem man nnn in biejen Staaten ryon bem ©afec aufgellt, ba§
cine SJornamen^änbcrnng o^ne gleid^jeitige SSeränbcrung im ®eburt^.
regiftet unbenfbar ift, ^at man f)ier bie 3wläifi9fcit ber SJornomcn^-
änberung über^anjjt verneint. 2)
3fn anbeten Staaten bagegen ift bie SJornamenöänbernng mit
obrigfeitIid)er ©rlanbniß für jnläffig erad^tet worben. I)ie $Remfionö=
bemerfungen be^ ®roB^. §cffifc^cn SWinifterinmö bei? Qnftij t)om
18. !I)ccember 1876») befagen p § 22: ®inb bie SJornamcn cines^
iSinbcö gleidj3eitig mit ber ®eburt bes^felben angezeigt nnb ber Sfnjeige
cntfprcd^enb eingetragen ttjorben, fo fönnen anberc ober toeitere 2Jor^
namen, a\iä) tvcxin fie inncrijalb ber jnr 92amengebung gcftattetcn 5^ift
t)on jmei SKonatcn jnr Stnscige gelangen, öon bem Stanbe^beaniten
nid)t oljnc SBeitere^ eingetragen jocrben. ©ine Stbänbernng ober a?er-
t)OÜftänbignng bereite eingetragener 3?ornamen fann öielmel^r nur im
Sßegc einer oon @r. Sgl. ^ofieit bem ©rogl^erjogc ju geftattenben
Slamen^änberung erfolgen, öö mirb alfo ^ier eine SBornamenipänberung
bur^ bcn ©roB^crjog für ftatt^aft eradjtet unb in ber ^xaxM l}öufi9
geübt.
gür 53aben gilt btc fdjon ermähnte tanbe§l)crrlid;e SBerorbnung
00m 16. December 1875:
„Qnx äenbernng ber SSornamen genügt, bag bie beabfid^tigtc
Äeuberung bem 3lmt^gerid)te angegeigt, uon biefem, menn Ifin ?lnftüub
obmaltct, bie SJornamemöänberung im SBejirf^ücrfünbigungöblatt r>a^
öffentlidjt nnb bem Stanbc^beamten be^uf^ ber S3ormcrfnng am Stanbo
bcö ©eburtöregifter^ mitget^eilt mcrbe."
5ür SBremen beftimmt eine SSerorbnnng betr. bie 3[u^fü^rung bee
©efe^eö Dom 6. gebruar 1875 00m 10. ^December 1875*): ,,?(enberunrt
•)-i<gt. ©tanbcöbcomte 1877 S. ^7.
•') i^gl. aitc^ Jl'o^ler @. 7.
=') Stanbcdbeamtc 1H77 ©. 27.
*) ©tanbcgbeamtc 187G S. 831.
— 45 -
bt^ rcd)tlid) geführten 5Wamcn«, mid^ bc^ SJornamciiö, bleibt aui^fd)IicB^
lid) bcm Senate vorbehalten."
SWad) unfcrcr Änfi^t ifl bie in Satjern, ^rcu^cn unb ©ad^fen
gc^anb^abte ^rajiö bem 9lcid^i^gcfcgc ni6)t eutf^>red^enb. SBir galten
ben ©a^, ba§ eine Sornamenöänberung nur benfbar ift mit QUid)-
jcitiger SSeränberung in bcm ©cburtöregifter, für fe^r beftrcitbar. Dcr^^
felbe finbet unferer 3lnfid)t nad^ im SReic^iSgefcfee abfolut feine ©tügc.
IHcfeö \)ai ebenfotoenig wie bie gamiliennamenänbemng , bie SSor-
namenänbcrnng mit obrigfeitlid|cr ©rlaubniß regeln wollen — e^ i)at
bieg ben öanbe^geje^en überlaffen — unb ebensowenig, wie eine er^
folgte Jamiliennamenänbcrung nac^ unferm SRei(^^gefeg im ®eburtö*
regifter Äenberung üerantafet, x^t bieg bei ber Slenberung ber SSornamen
ber ^att. ^m ;j5ntereffe ber 9fle(^tgfid)erf|eit wäre freilid}, wie bieg
no(^ Ianbeggefe|Iid^er 3Jorfd)rift aud^ bei göinHi^nnamcnänberungen ge=
fc^ie^t, eine Scmerfung am älanbc beg ®eburtgregifterg , ba§ eg ber
betr. ^erfon öon bem Sönige u. f. w. geftattct werben fei, ben SSor-
namen X ju führen, am $Iage. Sine burd^ ätanbuermerf ju üott-
^ieljenbe Slbänberung beg ®eburtgregifterg freiließ, wie fie bie ange*
füfjrtcn ^effifc^cn 3ieöifiongbemerfungen tjorfd^reiben, ift, ba feine Sc^
ri(^tigung t)orIiegt, auggcfd)Ioffen , aber üon einer Stbänberung beg
©eburtgregifterg burdE) SRanböermcrf , ift, unfercg ßra^teng, eine auf
(Srunb lanbcggefe^lid^er 33orfd^rift erfolgcnbe, feinegwegg eine 3(bänbc=
rung beg ®eburtgregifterg in fid[) frf)lic§enbe SBemerfung am 9ianbe über
bie obrigfeitlid^ geftattete SJornamengänberung wo^I ju unterfd;eiben.
9Bir glauben, ba§ bie in jcber |)infid^t auggcgcidinete babifd^e Ser-
orbnung auc^ Ijier bag richtige getroffen ^at
Da§ ein fefir grogeg Qfwtcreffc an ber SSornamengänberung beftel^eu
fann unb biefelbe ba^er in ben Sanbeggefetjen ju^^ulaffen fein wirb,
bebarf feiner weiteren (Srörterung.
SBerfen wir noc^ einen SBIicf auf bie öfterrcid|if^e ^rajig.
Saferer tfieilt 2 2Rinifterialentfd^cibungen Dom 23. mai 1873 unb
9. ^mii 1877 mit, weld^e ®efudf|c um 2fbänberung ber 9?ornamcn alg
unjuläffig verwerfen.
Der t)on Saferer fclbft Dorgctrageneu üÄeinuug, eg muffe bie
freiwillige, o^ne ftaatlidje ®enel)miguug erfolgenbe ?(cnberuug ber SJor^^
namen für julöffig crflärt werben, tvznn nur bafür geforgt ift, baf^
— 46 --
bicfe Äcnbcrung ben SBe^övbcn gehörig befannt lucvbe, i[t unter feinen
Umftänben bcijutretcn.
35ai3 SScrbot ber pripaten wittfürlic^en Äcnberung ber gamilten^
namen unb ber SSornamcn ericibet nun, wenn anö) feine Äu^na^me,
fo bod^ in einem ^aOe eine iDiobification.
®ettjiffcn ttaffen t)on ^erfoncn, bereu SBeruf baß ©te^en in ber
Ocffentlid^feit unb ben ftänbigen , mittelbaren ober unmittelbaren 3Ser*
fe^r mit bcm ^ublifum crtjcifd^t, ift ei8 geftattet, für biefenSSerfe^r
fid(| angenommener g^amilien» unb SJbrnamen gu Bcbienen.
@!3 gehören fjierfier alle Sünftler (^Dialer, S8ilbf;auer, SJirtuofenu. f. tv.),
alle ^erfonen, bie bei bem Xl^cater ober t^eateräl)nlic^en ^^nftituten
a3efd)äftigung aU aui^übcnbe 9J?itglieber finben unb bann alle ^^Jcrfonen,
bie fd^riftftetterifd^ t^ätig finb. Die angenommenen >Jiamen (I^eater^
namen , ^feubont)mc) bürfen jebod^ tbtn nur in bem SJerfe^r mit bem
^ublifum jur Änwenbung gebrad^t merben. Den 93ef|örbcn gegenüber
bürfen jrocifelöoljue nur bie ttjal;ren SZamen t)on ben betreffenben ^er-
fönen gebrandet tt^erbcn, I;öd^ften^ barf ber angenommene üJJamen mit
bem 3wfafee „genannt" hinzugefügt werben.
üDa^ ^fcubontjm ber ©d^riftfteller Ijat reic^5gcfe^Iid;e anerfcnnung
gefunben in bem § 11 beö ^Jteid^^gefe^e^ über baß Ur^ebcrred^t.
3;m Uebrigen gefjört bicfeig gange ©ebiet wol)l nod^ me^r ber Sitte,
alß bcm aicd^tc an.
S§ fann feinem 3^c^fcl unterliegen, ba§ burd^ bie f)äufige 3Jer
taufd;ung ber angenommenen Stamen Ungelegeuljeiten bereitet unb
namentlid^ Betrügereien oerübt merbcn fönnen. (£inc Siegelung ber
I^eaternameui^üer^ältniffe n^äre waljrlicl) am ^lafee unb e^ fönnten t|ier
bie J^eatermitglieber felbft mol^l am beften einf^reiten.
©rwä^nenöwertl) ift nod^ bie 3Scräuberung beö 9lamenö hei Sin=
tritt in baß iSlofterj anä) Ijicr mu§ ber SBc^örbe ber in ber SBelt gc*
führte 5Wamc ftet^ angegeben merben.
Das oölferred^tlidje ;3;nfognito ift ^icr ebenfalls aujufütjreu.
47
fünftes S^apiiet.
^a» Steigt am 9latnen.
ffiir gelangen gur legten unb jd^wierigftcn S^age: (Sibt c^ ein
^x\\)atxt6)t an bem gömiliennamen , tüelc^en Qfn^alt f)ai biefcö SRed^t,
faK§ c^ cjijlirt unb üon weld^cr 9?atur ift eö?
3)ic ganjc ^rage ift in Üljcorie unb ^raji^ lebhaft beftrittcn.
(Jö mag barum junäd^ft t)erfud|t werben, einen Uebetblid über bie ücr-
fd^iebenen befte^cnben Änfidjten ju geben.
(Sine SBemerf ung über bie Änorbnung be§ ©toffs ift ^icr am ^la^e.
SBcnn mir öon einem ^riüatred^t am Familiennamen rebcn, fo
Iä§t ftd^ hd ber erften SBetrad^tung ate ;3fnt)alt biefe§ Sled^te^ folgenbe^
bcnfcn: ^6) ^abe ein ^riüatredfit am Slamen, tüenn id^ bered^tigt bin,
einen mir burd^ ®eburt beftimmten g^ntiliennamen ftetig ju führen, gc^
Tid()tli^ einen mir nad^ bem ©efe^e jufommenben, aber üon mir au^^
irgenbttjeld^en ®rünben nid^t geführten Siamen ju erftreiten, ^f^ben, ber
mid^ an ber gö^^^ng meinei^ gömiliennamenö ^inbern xoiU, gerid^tlid)-
jurüdfjuweifen*
SSon einer Steige derjenigen nun, tüelc^e tin ^ritatred^t in biefem
@inne annel^men — eine 3iei^e Don ©d^riftftellern negirt jebe^ ^rioat-
red^t — wirb bie i^ragc aufgeworfen : :$5ft baö ^riuatred^t am 9?amcn
oud^ ein SSerbinbungöred^t !J)ritten gegenüber, ba§ f)n^t, i)at e^ ben
weiteren :3'^^öf*' ^^6 ^^^ ^n^aber cine^ beftimmten Jö^^it^cnnuamcnsi
auf bem 3Bege be^ Eioilprogeffeä anberen ^erfonen, bie biefen Xiamen,
o^ne baju Iraft ®efe^e§ ober burd^ legale 9?amen^änbcrnng crmftd^*
tigt 3U fein, alfo unbefugt führen, bie gü^^wng biefeö 9iamcnö
unterfagcn fann? ^iefc JJragc wirb tl^eilweifc bejaht, t^eilwcife uer«=
ncint.
SBeiter mag conftatirt werben, baß fid| mand^e ÜÄeinung auf bie
Sel^anblung beö juerft über ben SSegriff be^ ^rioatred^tö ®efagten gar
uid^t einlädt, fonbern btn SBegriff ^riuatred^t am 9?amen mit bem cioil-
^jrojeffualifd^en SSerbietung^red^t Dritten gegenüber ibentificirt.
®ir betrad^ten nad^ bem ©efagten nad)einanber bie ÜJicinungen,
weld^e ftatuiren:
— 46 -
bicfc ?tcnberung ben SJc^övbcn gcljörig betannt n?erbe, ift unter feinen
Umftänbcn beijutretcn.
Dag SBerbot bcr pripatcn willfürli^cn Stenbcrunfl ber g^o^iK^n*
namen unb ber SJornamen erleibet nun, n^enn and) feine Sui^na^me,
fo bo^ in einem ^aUe zinc SD^obification.
®cn)iffen Jtlaffen tjon ^erfonen, beten Seruf ba^ ©te^en in ber
Ocffentlii^fett nnb ben ftänbigen, mittelbaren ober unmittelbaren S5cr*
fe^r mit bem ^ublifum erl^eifdfit, ift ei8 geftattet, für biefenSBcrfel^r
fid) angenommener e^amilicn» unb asbrnamen ju bcbienen.
(gö getjörcn Ijier^cr alle Sülnftler (9)?aler, SBilbfjauer, 35irtuofcn u. f. w.),
alle ^erfonen, bic bei bem 2:l)eatcr ober t^cateräl;nlic^en :3fnftitutcu
S3efd)äftigung aU au^übenbc Witglieber finben unb bann alle ^^crfonen,
bie fd^riftfteUerif^ t^ätig finb. 35ie angenommenen 9?amen (I^eater^^
namen , ^feubontjmc) bürfen jebod^ eben nur in bem 5Jerfef)r mit bem
^ublifum jur «nmcnbung gebrad^t merben. Den 93et)örben gegenüber
bürfen jmeifet^olinc nur bic n?al;ren Flamen wn ben betreffenben "JJcr^
fönen gcH'aud)t werben, Ijöd^ftenö barf ber angenommene Slamen mit
bem 3wfa§e „genannt" Ijingugcfügt werben.
Dag ^feubomjm ber ®d|rift)teller tjat reid^ggcfei^lid^e 5lnerfennung
gefnnbcn in bem § 11 beg aieid^ggcfcgcg über bag Ur^eberredjt.
^m Ucbrigen gehört bicfcg gange Oebiet mo^t nod^ me^r ber Sitte,
alg bem SRcd^te an.
®g fann feinem 3*^^^f^^ unterliegen, bag burc^ bie häufige 3Jer
taufd^ung ber angenommenen 9lamen Ungelegentieiten bereitet unb
namentlid^ ^Betrügereien ücrübt merben fönnen. Sine {Regelung bcr
I^caternamcngüertiältniffc ujäre ttjaljrlid) am ^lafee unb cg fönnten ^icr
bit J^eatermitglieber fclbft moi^l am beften einfi^rciten.
®rtt)ä^nengtt)ert^ ift nod^ bie SSeräuberung beg ÜWamcng bei (Sin*
tritt in bag 5i;iofter; aud^ fjicr mug ber Se^örbe ber in bcr äöelt gc*
füljrte 9?ame ftctg angegeben werben.
"^a^ t)ölferrcd;tlidje ;3;"fW^*o M'* ^icr ebcnfallg angufüljrcu.
47 —
fünftes S^apM.
^a» Steigt am 9latnen.
ffiir gelangen jur legten unb fdfiwicrigften i^xa^t: &ibt e^ ein
^rioatred^t an bem g^w^Wi^w^ön^cn , tüelc^en ^n\)a\t f)at bicfcö äted^t,
faKö e^ eftftirt unb üon mcld^cr 9?atur ift es?
3)ic ganje JJrage ift in 2:l;eorie unb ^xa^i^ lebhaft beftritten.
(£§ mag barum junädjft t)erfud|t merben, einen Uebcrblid über btc üer^
fd^icbenen beftc^cnben Änfi^tcn ju geben.
(£inc 33emer!ung über bie Änorbnung be§ ©toffs ift ^icr am pa^e.
SBenn mir öon einem ^riuatred^t am JJamitiennamen rcben, fo
Vd%i fiä) bei ber erften SSetrad^tung aU ;3fn^alt biefeö '^t^6)t^^ folgcnbel^
benfcn: ^ä) f)abz ein ^riöatrcd^t am Slamen, menn id^ bercd^tigt bin,
einen mir burdfi ®eburt beftimmten ^Familiennamen ftet^g jn führen, ge*
rid^tli^ einen mir nad^ bem ©efe^e jufommcnben, aber üon mir awt^
irgenbmeld^en ©rünbcn nid^t geführten Siamen ju erftreiten, ^f^ben, ber
mid^ an ber ^ü^rung meinet Familiennamen^ ^inbern mü, gerid(|tlid^
jurüdfjunjcifen*
3Son einer SRei^e !t)erjcnigen nun, n^eld^e ein $rit)atred^t in biefem
Sinne anncljmen — eine 3iei^e Don ©d^riftftellern negirt jcbeS ^rioat^
red^t — n?irb bie i^rage aufgemorfen : ^ft ba§ ^riöatred^t am 9lamcn
aud^ ein SSerbinbungöred^t Dritten gegenüber, baS ^eigt, Ijat eö bcn
tüeiteren :3^^§^f*' ^^6 ^^^ ^n^aber eines beftimmten JöwtiliennnamcnS
auf bem ffiege beS EioilprojeffeS anbercn ^erfonen, bie biefen Slamen,
o^ne baju Iraft ®efe^cs ober burd^ legale üJiamenSänbcrung crmäd^=
tigt ju fein, alfo unbefugt führen, bie gft^ning biefcS 9JamenS
untcrfagen fann? Diefc JJragc n?irb t^eilmeife bejaht, t^eilmcife t)er<
netnt.
®eiter mag conftatirt ujerbcn, baß fid| mand^e ÜÄcinung auf bie
Sc^anblung beS juerft über ben SBegriff beS "iJrioatred^tö ®efagten gar
tiid^t einlaßt, fonbern ben SJegriff ^riöatrcd^t am Dramen mit bem cioil^
^jrojcffualifd^en 3SerbietungSred|t Dritten gegenüber ibentificirt.
%3tr betrad^ten nad^ bem ©efagten nad)einanber bie 3){einungen,
n^elc^e ftatuiren:
— 48 -
I. ®ie SWegation jcbcö 5Wamcn$rcc^tei5,
n. ein SWamcni^rcc^t o^itc SScrbictungiSrcci^t,
III. ein SJcrbietung^ret^t ÜDrittcn gegenüber,
L 35ie ^legation jebeig ))rit)aten 5Wamcnigrcd)t«.
Den 9tnfang möge ^ier bic I^corie (Sincrt^^ madden. i)
1)iefcr conftatirt tt)o^I eine ©itte, ba§ n?ir baö el^elid^e Sinb nad)
bem SJater, baö une^eltd^e .Sinb nad) bcr 3Kutter nennen,
„3)a^ eigentliche 3te^t läßt eS jebod^ — fal^rt er fort — bei ber
Sitte bcmenbcn, b. fj. es [tort fie nid)t unb mißbilligt fie ni^t, aber
eö beftätigt fie aixö) nic^t nnb wanbeft ben ßuftanb, ben bie ©itte unb
bie ©enjo^nfieit erjeugt i)at, m6)t in einen 9terf|t5juftanb. 3)aS öJefe^
füljrt feine red^tlid^e ^lot^menbigfeit bc^ ©eburtönamenig ein. .I)as^
©efeg erfennt bei ben Siiomcrn fo wenig, alä mie bti unö überhaupt
ein abfolnte^ unb unbcbingtei^ S^amenöred^t an. @^ fci^üfet nxä)t barin,
noä) weniger be^nt cö biefei^ JRcd^t bi^ jum Umfange cineö SJerbictungö:^
rcd)tö au^."
3ur Söiberlegung biefer Änfid|t möge l^ler nur auf bie trefflid;en
äu^f Urningen ^crmann'ö^) öerwiefen werben, ^ie ©inert'fd^c
Xlieoric fte^t unb faßt mit bem (Sa^c, baß ba^ ganje 9iamcnigwefeu
nur (Sadjt ber Sitte fei unb bic Unrid^tigfeit biefer ^nfid^t liegt bei
einfacher .^inweifung auf unfere Dorauögc^enben Äapitel auf ber ^anb.
Snf einem anbcren ©tanbpunft fteljt 91 ß ß I e r in feinem Ücljrbud^c
beö beutfdjen 9SerwaItung^red|t^.3j j)jcfer beftreitet, baß baä kt^t§^
inftitut be§ 9Jamen§ bem @taat5== ober bem ^riüatred^te angefjöre ; bai^-
felbe fei lebiglid^ Sac^e be§ fojialcn SSertoaltung^red^teö, ba bic 5Wot^^
menbigteit bcr ^Wameuigfü^rung an§ bem gefcHfd^aftlic^en ^ufammenlcbeu
unmittelbar cntfpringe, unb bie ^Hegeln berfelben an§ bcr gcfeUfc^aft^
liefen )Ked^t^anfd^auung pffen. 55er 2)Jeinung 9i ö ß I c r ' ö fd^licßt fic^
and) Jtafcrcr^) an, ber übrigens conftatirt, baß bic i3fterreid^ifci^en
Sd^riftfteller ein ^rioatred^t am Flamen ancrlcnneii.
3Bir fönucn mit biefer Stnfid^t nic^t übereinftimmen.
&ani rid^tig ift cö, baß bie SWotfjmcnbigfcit bcr 5rtamenigfü§rung
an§ bem gefcKfdjaftlidjen ^^fammenlcben cntfpringt unb bie Siegeln
') ©inert @. 109 ff.
•) @. 316 ff.
•*) m. I 2)aö focinfc 5?cnimttung*rct^t S. 81 ff.
*) ft^afcrcr (S. 14.
- 49 -
bcrfelbcn auö ber gefcttfci^aftlid^en 5Rcc^ti8orbnung flicken; aber ba^
Stcd^tiStiiftitut bed Sigent^umd entfpringt motjl and) aud bent gefeHfi^aft^
Itd^en 3wfatnntenIcBen^ rpie bcffen JRegcIn, unb wie eine priuatred^tlid^e
Seite beS Sigent^untd nid^t geleugnet werben fann, fo faun man aud^
neben ber öerwaltungdreti^tHd^en Seite beig 5Wamen5inftitutö eine priöat^
xc6)ti\d}t anerfennen.
Äud^ ® 1 0 b b e in feinem |)anbbud^e be» beutfd^en ^ritjatred^td ^) bc*
^anbe(t ba^ 9tec^t am 92amen unb gwar unter ben Steckten an
immaterieKen Gütern, inbem er ed, fall» üor^anben, bem Sutor^
re^tc, bem ^irmenred^te u. f. m. gleid^feftt.
!X)ie Sudfü^rungen StobbeS fd^eiuen ba^iu ju gef)en^ bag er im
allgemeinen jcbe^S ^riöatre^t am SJamen leugnet, bagegen muß er gu*
geben, bag in einzelnen ^articularred^ten bie Äuffaffung jur ®x=^
fc^einung fommt, bag jeber Ruberen »erbieten bürfe, benfelben 5Wamen
unbefugt gu fähren unb bag ber "^amt @}egenftanb be» ^rogeffed
werben fönne.
®ir !ommen nun gur Änfid^t ^f^c^i^ifl'^/ niebergelegt in bem
23. SSanbc feiner i^^^^^w^cr, in bem Äuffa^e über „Sled^tj^fd^u^ gegen
injuriöfe Sled^tdtjerlegungen". Stuf ©eitc 320 ff. beljanbelt Qf^ e r i n g bie
5rage, ob ber ^riöatname — eine fe^r glücflid^e SBejeiddnung im
©egenfage jum faufmännifd()en 9famen, ber girma — ®egenftanb bei^
geiftigen ©gentium« fei 2) bag ^eigt, ob ber Xrdger be« 5Wamend ein
^Red^t ^abe, bie Annahme bcdfclben einem Änberen im SBege bed &mh
projcffei^ }u »erbieten.
3; gering untcrf treibet brei t^&Ut,
1. 35ie unbefugte Annahme eine« SWameui^ nur um bed 9iamend
widen,
2. bie unbefugte ?lnnal^me, inbem fid^ ber unbefugte 3:räger ^ier==
burd^ für ben wirflid^ bcre^tigten Präger ausgibt,
3. bie unbefugte Annahme, um bie 3wgcl)örigfeit ju einer bc^
ftimmten JowiiKe ju bocumentiren.
fjür alle brei f^&Ut unb fomit überfiaupt leugnet :j>^ering ein
priüatrerf)tlid^eö 3Serbietungdred^t am 92amen unter fofgenber aHotiöirnng :
») «aitb 3 €. 52.
*) Söcring üert^cibigt in bnn gotanntcn 31uffa^c ben Sfgriff be« geiftigen
C^igent^uiniS.
Ccüi. Soniamcn unb (totniltciinamcn. ^
-. 50 —
SJcjüglid) be« crften ^aUt§ untcrfd^cibct er jwifd^cn verbreiteten
9lamen unb, mic man fic tt>ol)I nennen fann, 9lameni8unifcn, Den
!Erägern ber erftgcnanntcn Art tjon SWamen tonne ed ööüig qUiö)-
gütig fein, ob i^re Qaf)l noä) nm einen vermehrt mürbe, nnb für bie
SSßa^mng^beö ig^^^'^^ff^^ ^^^ Zx'dQtx ber 5Wamen«nnifen an ber Slid^t-
onna^me bicfer burd^ anbexe, genilge bie ®eltenbmad^nng bc« ^f"*^'^^!!^^
burc^ ?[njeigc h^i ber ^oligei.
^m jweiten ^^aUt Ijanbk eö fid^ gar nid^t nm btn 9lamcn,
fonbern nm bcn 9inf beö Xrägerig, bie SteUnng, bie i^m ber 9iamen
oerfd^afft ; nid^t ber Slame, fonbern ber 9luf beö 9lamenöträger« merbc
prit)atrec^tlid[) gefd^ügt.
Äud^ im britten ^^a&t fame ber 9lame ni^t aU fold^er in Sc-
trad^t, fonbern nnr bie Prätention eine« SJertoanbtfd^afti^t^er^äftniffci^,
bie ebenfogut ol^ne Snna^me beS 92araenS t)or fid^ ge()en fönnte.
:3^cring gefteljt für bie jWet legten gäöe, fall« dolus vorliegt,
no^ gemeinem 9led)te bie actio injuriarum ju.
Unferer ?(nfid()t nactj liegt ^ier eine 33ermcd^fclung üor. 3?^)^^^^^^
fe^t, cntfpredienb feiner 5CI&eorie öom ^riüatred^te , bad materiell ge^
fd^üfete 3:ntereffe an ©teile bed formell gefc^üfeten aie^t«. ffid ift ja
\)büxQ rid^tig, ba§, greifen toir einmal ben g^U in l^eraud, ber Stn^
fjjrnd^ ber ^amilicnangel^örigfcit ®rnnblage bed ©treited ift. Aber
biefer Snfprnd^ ändert fid^ bod^ formell in ber annähme bed g^amilien*
namend. ^kx ift ber "ißartei, mag materiell bal^inter Hegen njad h)ill,
bie ^anbljabe jum Eingreifen gegeben nnb Q^^^^i^S f^^M* ^«6 bied
anerf ennen , menn er am Sd^lnffe feiner ?tndfn^mng fagt : • „3)ie Um»
ftänbc fönnen in bem 'Saüt ber unbefngtcn Annahme cincd SWamend
berartig bcfd^affen fein, ba| bie ^ragc tion bem Anredet bed SBettagtcn
anf ^ü^rung bed Slamend mirfli^ jnjeifclljaft ift. Unter biefer JBor^
audfe^ung würbe bie Slage nad^ riJmifd^er lerminologic aid ^rö-
jnbigialttage, nad^ Ijentiger aid 3^eftftellnngdflagc jn bcjeid^nen fein.
SDJaterielt gefprod)cn, ber Siid^tcr l^ättc nur auf Äbcrfennung
bed 9ted|td, nid^t auf ©träfe ju erf ennen.
3tud^ ® erb er toixb ftänbig, fo aud^ öom äJeid^dgcrid^t in ber
JRei^c ber jenigen genannt, bie ein ^rioatred^t am 5Jiamen ni(^t an*
erfennen. ®erber^) verneint jtoar cnergifd^ bad abfolute, prit)atrcd{)t»
*) öJcrber, S>ciitfc^c« ^nüatrcdjt 9. SCufloge 3. 80.
— 51 —
Uc^c Scrbictungi^red^t (mitteilt Qmö)ili(i)tv Slagc) bagcgcn, bag ^^'"öwt^
einen mit unferm Seamen Ubereinftimmenben Seamen annimmt nnb con«
ftatirt ferner, bag nur bic SJermaltnngsJbe^örbc berufen ift, bei legalen
3?amendänberungen ha^ ^ntcreffc bercr, bie im SSefifte ^iftorifc^er
9iamen finb unb biefc an«fc^Iieglid| beibehalten rooUen, ju nja^ren, ej3
ift jeboc^ fe^r zweifelhaft, ob aui^ ben ©orten ©erbcri^: „ffil^elid^e
Ätnber ffaben ben ^ömiliennamen i^re^ SSatersJ, une^eli^e b^n ü)xqx
'JÄutter, (S^efrauen ben il^re^ ffi^emanne^ unb gn?ar in bem ©inne,
ba% fte nid^t bloi^ ein Stecht, fonbern aud^ bie $f(id^t jur ^üf)rung
bicfe^ iRamensJ ^aben" nid)t gefc^Ioffcn werben fann, bag ® erb er
ein ^ritatrec^t im ©inne unferer Slaffe II, jU ber mx je^t übergel^en,
ancriennt.
IL 25ai8 ^ritjatred^t am Slamen o^nc 35erbictnngör ed)t.
|)ier ift nur bie Änfi^t ^ermann^ anjufö^ren ^). I)iefer be-
l^auptet ein prioateiS ^lameni^re^t, ba§ er al^ ein Sted^t, .h)cldf)eö au^
ber ©fiftenj unb ©tellung ber '^Jerfon entfpringt, alö ücrerblid^ej^
i3erfonenred^t in baö ©tjftem be^ bentfd^en ^riöatred^tö eingefügt
miffen mü, infofern, aU jebe ^erfon
1. ben i^r gufommcnben 5Wamen führen unb gerid^tlid^ erftreiten,
2. t)on jebem 5)ritten bie Änerfennung beö nac^ ben ^Regeln bdS
^cä)t§ erworbenen iWamene oerlangen unb erftreiten,
3. ben Familiennamen auf anbere beftimmte ^^Jerfonen na^ ber
Dom pofitiüen 9ted()t angegebenen 95Jeife übertragen nnb ber S?erlegung
biefeiS iRt6)i& gerid^tlidj entgegen treten fann. 'Dagegen verneint er
ein priuatred^tlid)cö 3Serbietungj^redf|t mit folgenber 9)iotit)imng :
^n jeber wiUfürlid^cn SJerftnberung bei9 nac^ ben SWegeln beö
iRtdfii^ erworbenen Familiennamen^ liege bie SJerle^nng eineig Sa^eö
be^ öffentlidien 3Jcd)t^, beö nämlid^, bag 5Wiemanb feinen 5Wamen will^
!ürlid^ änbern bürfe. jDie ÄbftcHung biefer 25erle^ung fei ©ad|e ber
iSoIijei ober 35ermaltungöbcf|örbe, biefe fönne ex officio einf freiten.
2Boöte fie ber ©injelne, beffen 5Wamen willlürlic^ ein Dritter ange^^
nommen l^at, ju biefem Sinfc^reiten üeranlaffen , fo muffe ber 9?ad^*
rod^ genügen, bag jener ben iWamen mit 5Rüdfid)t auf feine ^erfon
angenommen t)abc. Diefer iWad^weii^ fei feine legitimatio ad causam.
') ^ermann S. 334 ff.
- 50 —
SJcjüglid) bc^ erften ^aUt^ MUtcrfd^eibct er jroifd^cn verbreiteten
Slamen unb, wie man fic todf)l nennen fann, Slamendunifen. Den
Prägern ber erftgenannten 3lrt t)on Slamcn !önnc e^ Döllig gleid^-
giltig fein, ob i^re Qa\)l nod^ nm einen tjcrmel^rt mürbe, nnb für bie
SBa^rung^ bei^ Qfntereffe« ber Präger ber 5Wamen«unifen an ber ^i^t^
onna^me btefer burd^ anbete, genüge bie ®cltenbmad^nng be« ^f'^tcreffe^
burd^ Sfnjeigc bei ber ^oligei.
^m jweiten i^aUt Iianblc t^ )i6) gar nid^t um ben 5Wamen,
fonbern um ben 9iuf be« Xrägerig, bie ©tellnng, bie itjm ber Warnen
üerfc^affl ; nid^t ber Slame, fonbern ber 9tuf beö ^Wamenis^trägerö merbe
priDatred^ttid^ gefd^ü^t.
Äuc^ im britten Jötte fame ber 5Jamc ni^t aU fold^er in ©e^
trad^t, fonbern nur bie Prätention eine« SJerwanbtfd^aftööcr^ältniffc«,
bie ebenfogut o^ne IRnna^me be« 92amen« t)or ftd^ ge^en fönnte.
:3^ering gcfteljt für bie jmei legten ^Mt, fall« dolus vorliegt,
nac^ gemeinem 9ted()tc bie actio injuriarum ju.
Uuferer Stnfi^t nad^ liegt §ier eine 33ertücd^felung üor. Q^ljerilig
fegt, cntf))red()enb feiner Il&coric vom ^rivatre^te, ba« materiell ge=
fd^ügtc 3:ntereffe an (Stelle bc« formell gcfd^ügten fRec^t«. @« ift ja
völlig rid^tig, ba§, greifen wir einmal ben ^aU III ^erau«, ber Än^
fprud^ ber fjamilicnange^örigfeit ®rnnblage be« (Streite« ift. Aber
biefer Änfprud^ äußert fid^ bod^ formell in ber ?tnna^me be«5omilien*
nameu«. .^ier ift ber 'ißartei, mag materiell ba^inter liegen tt)a« will,
bie |)anbl)abe jum Singreifen gegeben unb ;3!^^^i"8 f^'^'^f* ^"6 ^^^^
anerfcnncn, menu er am Sd^luffe feiner ?lu«fü^rung fagt:„3)ic Um-
ftänbe fönnen in bcm 5<^lle ber unbefugten Annahme eine« 5Wamen*3
berartig befdiaffcn fein, ba§ bie ^^^ge Von bem Anredet be« Seflagtcn
auf gii^rung be« Slamen« wirflid^ jtveifelljaft ift. Unter biefer SBor=
au«fegung tvürbe bie Slage nad^ römifd^er Terminologie al« ^rä*
jubijialflagc, na^ l^eutiger al« 3^eftftenung«!lage ju be3eid[)neu fein.
SDJaterietl gefprod)en, ber 9lid^ter f)atte nur auf Äbcrfennnng
be« Sttc^t«, niddt auf ©träfe ju erfennen.
3tud^ ® erber Jvirb ftänbig, fo axidj vom 9{cid(i«gerid^t in ber
Slei^c berjenigen genannt, bie ein ^rivatred^t am SJiamen nid^t an«
crfenncn. (Serber^) verneint gwar energifd^ ba« abfohlte, privatrcdjt*
*) OJcrber, 2)cutfcl)c« ^riuatvec^t 9. ^Cuflaßc ®. 80.
— öl —
li6)C Serbictutiflörcd^t (mitteilt gerid^tlicl^ct Slagc) bagcgcu, bag ^^"^^"t^
einen mit unferm 9?amen übcrcinftimmenbcn 9?amcn annimmt nnb con*
ftatirt ferner, ba§ nnr bic SJcrwaltnng^be^örbc berufen ift bei legalen
3?amendänberungen ba^ ^ntcreffe berer, bie im SBefi^e ^iftorifd^er
9iamen finb unb biefe an«fd^Iie§Iici() bcibefialtcn wollen, ju magren, cö
ift jeboc^ fe^r jnjeif el^aft , ob an^ ben 333orten ©erberi^: „®l^elic^e
Ätnber ^abcn ben Familiennamen i^reö 3Sater^, nne^eli^e ben i^rer
ÜÄutter, S^efranen ben ii)vt^ (S^emanneö unb jn?ar in bem ©inne,
ba% fie nid^t bloö ein Siedet, fonbern aud^ bie '^flid^t jur Jö^^wfl
bicfeg 9?amen^ i)ahz\V' nid^t gefd^loffen werben fann, ba% ® erb er
ein ^riüatred^t im ©inne nnferer ftlaffe II, ju ber wir jegt übergel^en,
ancrfennt.
IL 25aiS ^riüatred^t am 92amen o^ne 35erbietnng^r ed)t.
^ier ift nnr bie Änfid^t §ermann^ anjufii^ren i). JJiefcr bc^
^anptet ein priüate^ 9iameuöred^t , ba^ er al^ ein Med^t, .weld^eö an^
ber ©jiftenj unb ©tellung ber iperfon entfpringt, alö üererbli^eig^
^crfonenred^t in ba^ ©tjftem beö beutfd()cn ^riüatred^tö eingefügt
wiffen will, infofern, aU jcbe $erfon
1. ben i^r jufommenben 5rtamcn führen unb gerid^tlid^ erftreiten,
2. üon jebem "I^ritten bie Änerfennung be^ nac^ ben ^Regeln b^
9ied^t^ erworbenen 9?amenö verlangen unb erftreiten,
3. ben S^amiliennamen auf anbere beftimmte ^iJerfonen nad^ ber
üom pofitiöen SRed^t angegebenen SSJeife übertragen unb ber SJertcgnng
bicfe^S 3fled^tö gerichtlich entgegen treten fann. 3)agegen verneint er
ein prioatred^tlicljeö SJerbietungi^red^t mit folgenbcr 9)totit)irung :
^n jeber willfürlid^cn 35cränberung beö nac^ ben Siegeln bei^
ifltifi^ erworbenen gamiliennamenö liege bie SJerle^ung eined ©ageiS
be^ öffentlid^cn Sled^ti^, beö nämlid^, ba§ 9?iemanb feinen 5Wamen will^^
!ürlid^ änbern bürfe. I)ie Äbftellung biefer 23erle^ung fei ©ac^c ber
•^JoHjei ober 35erwaltung^bel|örbe , biefe lönne ex ofücio einf freiten.
©oöte fie ber ©injelne, beffen 9?amen willlürtid) ein Dritter ange*
nommen l^at, gu biefem Sinfc^reiten Deranlaffen , fo muffe ber "Sflai)^
weiö genügen, ba§ jener ben iWamen mit SRücffid^t auf feine ^erfon
angenommen f)abQ. Diefer $Wad()Weiö fei feine legitimatio ad causam.
') Hermann ©. 334 ff.
4*
— 52 —
X)urd^ Äufred^tcr^altung ober §crftettung bcr Scftintimiugen bcsJ
öffcutltd^cn iticd)t^, werbe fein ^nterejfc, bafj fein SWamc niti^t mittfürlic^
tjon einem Dritten angenommen werbe, {)inrcic^enb gewalirt.
5Bir gelangen nnn
ni. 3"^ ® c*^ö^t^"9 ber änfid^ten, weld^e ein prioat-
red^tlid^eg SJerbietnng^rec^t ancrfennen.
2Bir wollen mit SB i a r b a beginnen. I)ief er bel^auptct, bcr 9'iame
fei bag priüatiöe ©igentljum einej^ ®efd^Ied^tö nnb folgert ^ieranig, bafe
9?iemanb in 3iücffic^t anf bicfc 5'^niilie \iö) beren Seamen eigenmäd^tiger
aöeife anmaßen bilrfe.^)
2:1^ on in feinem SBud^e über Stei^t^norm nnb fnbjectiüe^ 9led)t-)
ftatnirt einen priüatrec^tlid^en Sfnjprud^ auf Unterlaffnng ber ^ü^rung
eineö 3^mitiennameng unb rechnet i^n ju ben ^riuatanfprüc^cn, wcld^c
unmittelbar ben ©d^u^ eine^ perfönli^en ®uteg ju realifircn bc-
ftimmt finb.
Söefelcr in feinem Softem beö Deutfc^en ^riüatrcd^t^ (§ 57)
ftellt folgenbe <Sä|e auf:
a. Der ^flid^t bcr Slamen^fii^rung entfprid^t baö Siedet auf bie=
fclbc. (£3 liegt f|ier ein ^rit)atred)tgüer^ältniß üor, fraft beffen $Jeber
bic S5efugni§ ^at, 9?amen unb Sd6)tn ju füfiren, wcld^c bie äußeren
Äenn.^cidjcn ber 5<^n^ifi<^«önge^örigfeit fmb, bem Dritten aber bie An-
maßung berfclbcn im Eiöilrcd^t^wege ju verbieten.
b. ®egcn bie unbefugte 5"^^wng beg 9iamcng ift im Allgemeinen
jebem 5<*milicnmitgltcbc , wcld^cg ein Q^ntcrcffe unb jwar nid^t auö^
fd()Iießlid) ein Dcrmögengred^tlid^cg Qntcreffe bartljun fann, bag @in*
fpruc^gred^t ju gcwötiren.
?(ud^ bic ?(ugfü^rungen t)on ©arc ig, in beffen @runbri§ ju SSor-
lef ungen über bag beutfd^e bürgerlid^c SRed^t ^) unb in 58 u f d^ ' g Ärd^ip
für ,^anbclg* unb 3öcd)fclrcd)t SBanb 35 .^eft 3, crfcnncn ein ^ri\)at*
red)t am 5Wamen an.
\) ^tavba @. 259 ff. ermähnt and) ein merhuürbtgeö ^nalogon gnm prtuot^
rec^tüd)«! SBcvbotc bcr Jü^vung bc« ^^'"^^^'^""o^"^"^ ci"^^ Sfnbcren. |[uf Slntroji
beS Sd^tpängcrcrd ^aben uämHc^ einzelne ^eric^tc ^UH'fiigungcn bafytn er(<iffen , bdg
ein nnf{)c(id)rd Slinb mit beS <S(!)n)änqcverd ober beffen näc^fter ^^ermonbte» Vorname
nidjt bei bcr 2^nufe belegt merben fönne.
-) S. 153.
•') öJrunbriB § 40, § 42.
— 53 —
®areiö reluct baö 9icd)t am Flamen ju bcn ;3[nbioibuaIrcd^ten, ^)
dnct Klaffe tjon Sftcd^tcn, in bic aud^ ba^ SKarfcnred^t , Ur^ebcrrcd^t
u, f. ttj. gehört, unb twelve er im Änfd^Iuß an bic Se^te von ber ^er==
fon bc^anbelt. ©egcnftanb biefer 9?ed)tc ift baö ignbioibimm, bic Sc-
i^ätigung bci^ Q^nbioibuumig aU i^nbimbuum unb baö Siamen^rcc^t ift
an^ bcm ®runbe Qnbioibualredit, ba c^ auf bem Iricbe besJ ÜRenfd^en
bafirt, fid^ aU :JJnbit)ibuum ancrfannt ju fcljcn, toeld^cm Jvicbe eben
bic SRc^töorbnung burd^ rcdjtlic^e Slncrfcnnung unb ^^ni^ cinci^ be=
ftimmtcn, baig ;3[nbioibuum tenntlidf) mad^cnben 9?amcnö nad^fomme.
O^nc 3^^^^f^^ cr!ennt ®arei^ ein ^riöatrcd^t am S^iamen im ®inue
unfcrer Klaffe II. an. 93ei aSerneinung ber üöttigen (Sjclufiöität lägt
er aber auc^ einen ijjutereffenfd^u^ bur^ prit)atrcd)tlid^e Klage in gwci
f^älten gu
1. tpcnn burd^ bic unbefugte annähme bci^ 9iamen^ ein Setrug^*
tl^atbeftanb gegeben ift,
2. wenn burd^ bic unbefugte Ännafime bic SSerlegung eineö Slutor^
xtä)t§ gegeben erfd)eint.
ßng an bic ®arciig'fc^en ?Iu^fül)rungen f daliegt fid^ bic 3(nfid)t
Sofilcr'^, ju bereu S^aracterifirung xoix jegt übergeben motten.-)-^)
(Die Äört^cr^ unb ©eiftcöfräftc , fo bebucirt Koller, finb ved^t*
lid^ gefd)ü|te Filter. 9iid()tig ift ber (Sinwanb, baß bic ÖJcfammt^eit
ber Körper:' unb ®eifteöfräfte bic ^erfönti^feit au^mac^e, ba§ bicfelbe
uic^ jugleidj 9{ed^t)g^@ubject unb Object feine fönne, ba ein ©anjc^
uid^t^ Änbere^ fein fönne, aU bic ©umme feiner Itjcilc. Der ©ffcct
ber 3ufammcnn?irfung aller Steile bilbct jebod^ eine neue ©röfee,
weldje bcn I^eilcn felbftänbig gegenüber fteljt. S)a§ )JlcdE)t an ber
©efammt^eit unfcrer Körper* unb ®ciftc^fräftc , unfcrer pcrfönlid^en
®iiter, weld^eö Stecht bie integre SJenu^ung biefer ©ütcr unb ben in-
legren ®enuB berfelben garantirt, ^ei§t nun paffeub ^nbiüibualrcdjt.
^icfciS 3^nbi\)ibualrec^t, an fid^ nur eincig, jcrfplittert fic^ nac^ iier*
M ^^l andf no(^: ÖJareiS in Hartman n'd 3^^^?^^^^ f"^ (äcfc^qcbung iinö
^rajrid auf bem öJebietc beö beutfc^cn öff entließen Siecht«, 3. ^al^rgong, iPevlin 1877
^. 137 ff.
*^ ^gL ^o^lcr, 1. in bcn Jo^rbüc^ern für bie 3)ogmotif bcS heutigen römifd)en
unb bcutfcften ^rioatre(^t^ ©anb 18, S^a^rgong 1880, 2. bcffen SRet^t be^ 2)krfen^
^u^f« SBürjburg 1884, ©cite 6 ff.
^ 9(u(^ ü. IMgt in feinem Ji^e^rbnc^ beö beutfc^en Strafredjte^ , 2. 5(uf(ogc,
©erlin 1884 @. 31)9 ff. erfennt ben 5?egvtff nnb bic 2)cfinition bei* 3nbioibuaIrec^tc
an unb rechnet gu biefen ba« ^Jiamen», girmcn* «nb 9Worfenrecfjt.
— 52 —
"Durc^ Jlufrcc^tcrijaltung ober §crftcttung bcr Scftintmungen bcs«
öffcutlid^cn Mcd)i^, loerbc fein ^ntereffc, baf3 fein SWame niti^t mitttilriic^
tjon einem Dritten angenommen werbe, Ijinreic^enb Qma\)xt
5Bir gelangen mm
III. 3wr Betrachtung ber Änfid^ten, welche ein prioat-
rcd^tlic^c^ SJerbietnngi^rec^t ancrfennen.
SBir n?oHen mit SB i a r b a beginnen. CDiefcr bcl^aut^tct, ber yiamt
fei ba^ priijatioe ©gentium einc^ ®ef^Iec^t§ unb folgert ^ierauiS, bafe
5Wiemanb in {Riidfic^t auf biefe Familie fic^ bereu Flamen cigenmäd^tiger
SBeife anmaßen bürfe.i)
21) on in feinem SBud^e über Stei^tignorm unb fubjectioei? SHcdit*)
ftatuirt einen pritjatrec^tlid^cn Sfnjprucl^ auf Unterlaffung ber gü^rung
einei^ ^ömiliennamen^ unb rechnet i^u ju ben ^rioatanfprüd^cn^ toeldie
unmittelbar ben ©d^ufe einest perfönli^en &nk§ ju realifircn be^
ftimmt finb.
SBefelcr in feinem @t)ftcm bed Dcutfd^cu ^ßriüatred^td (§ 57)
ftellt folgenbc Säge auf:
a. !J)er ^flid^t bcr 5rtamendfiit)rung entfprid^t ba^ Siedet auf bic^
fclbc. (So liegt ^ier ein *i|}riDatred|töt)er^äItnig oor, fraft beffen Qf^ber
bic S5efugni§ ^at, iWamen unb 3^^^" i^ führen, njeldfic bie äußeren
Äennijcidjen ber ^^"^ilicnangctjörigfeit ftnb, bcm 3)ritten aber bie An-
maßung bcrfelbcu im Siüilred^tdwegc ju verbieten.
b. ®egeu bie unbefugte ^ii^li^ung bed 9lameud ift im Ättgcmeincn
jcbem fjamilienmitglicbc , wcld^ed ein :3fiit^^cffc unb jmar nid^t and^
fd)Iic^(id) ein uermögeudrec^tlic^cd ^ntercffe bartfjun fann, bad ®in*
fprud^dred[)t ju gemät)ren.
"Und) bie ?(udfü^rungen üon ® areid, in beffen Öirunbrife ju SSor^
lefungen über bad bcutfdie bürgerlid^e 9ledt)t •^) unb in Sufd^^d Ärd^iii
für ,^anbcld* unb 3Bed[)feIred()t SBanb ^55 ^cft 3, erfennen dn ^rinat*
red^t am 92ameu an.
M Siavba @. 259 ff. erttiä^nt andj ein mer!n)ürbtged 9(na(ogon ^um pvivat-
re(f)tüc^cii S3erbotc bcr 5"^vunfl bcö Jamiüennamcn« eincS Stnbcren. Auf Antrag
bed Sdiipäitgcver;^ l^aben immtid) einzelne (^eric^te ^Verfügungen ba^n erlaffen , bog
ein une^cfit^r^ $linb mit beS (Sd)mdngercrd ober beffen nac^fter $ern)anbteu l^ornauic
nid)t bei ber Xaufe belegt werben tonne.
-) S. 153.
•') (iJrunbriö § 40, § 42.
— 53 —
® a r c i ö rechnet baö 9icd|t am Flamen jw i^cu ;JJnbiöibuaIreci^tcn, *)
einer Slaffe tjoti 9icd|tcn, in bic audd baö SKarfcnrcd^t , Ur^cbctrc^t
u. f. tv. Qtf)6xt, unb mcl^c cr im Änfd^Iufe an bic Seigre tion ber ^cr^^
fon bc^anbclt. ©cgcnftanb biefcr SRed;tc ift baö ij^nbioibunm, bic 93e=
t^ätigung be^ :^nbtt)ibuum<S al^ Qnbimbuum unb ba^^ S^amcm^red^t ift
an^ bcm ®runbc Qnbioibualredjt, ba c^ ouf bcm Jricbc bcsJ 9Jicnfc^en
Bafirt, fid^ al^ ^nbioibuum ancrfannt ju fc^cn, mcld^cm Iriebc eben
bic SRe^j^orbnung burd^ red^tli^c Äncrfcnnung unb 'Bä)ni^ cinc^ be-
ftimmtcu, ba§ ;3nbioibuum fenntlidi mad^enben 9Jamen§ nad^fomme.
£)^nc S^^if^f erfcnnt ®arcii§ ein ^riöatred^t am S^iamen im ©inue
unfcrer iSIaffe IL an. 93ei 93erncinung ber üöttigcn ©fchifiüität Iä§t
cr aber and) einen ijjntcreffenfd^n^ bnrc^ priüatred^tlid^e tiage in gn^ei
t^äUen 3U
1. tpcnn burd^ bic unbefugte Sfnna^me beS 9iamen§ ein Setrug§=^
t^atbcftanb gegeben ift,
2. menu burd^ bic unbefugte Annahme bic SJerle^ung eincö Äutor^
xed^tiS gegeben erfd^cint.
(Sng an bie ®areiig'f^en 8lui^füt)rungen f daließt fid^ bic Slnfid&t
Sto^Ier'^, gu beren S^aracteriftrung tt)ir jegt iibergcficn molten.-)^)
Die Äbrpcr- unb ©eifteöfräfte , fobebucirt Stolzier, finb red^t*
üä) gefd)ü^te ®üter. 5ßid()tig ift ber ©inmanb, b'a§ bic ©efammt^cit
ber Äörper* unb ©eiftc^fräftc bie ^^erfönli^feit auömad^c, ba§ biefelbc
nic^ Sugleidj 9teddtiS=@ubject unb Object feine fönne, ba ein ©aujce^
nic^t^ Änbereö fein fönne, aU bic Summe feiner 2t)cilc. Der ©ffcct
ber ßufammenmirfung aller J^eile bilbet jebod^ eine mnt ©röfec,
tueldje ben I^cilcn felbftänbig gegenüber fteljt. Da^ 3lcdE)t an ber
®cfammt^eit unferer Sbrper«^ unb ®eiftcöfräf tc , unfercr perf Unlieben
Öüter, welc^eö Oicc^t bic integre öenu^ung biefer ©iitcr unb ben in^
legren ®enu§ berfclben garantirt, Ijei^t nun paffeub ^J^^i^ibualred^t.
Diefcig iQfnbimbualrcd^t , an fid^ nur cineö, jerfplittcrt fic^ uad^ öcr-
*) ^cjl. audj noc^: ÖJorciS in |)nrtmonn'ö 3fitW^if^ f"^ QJcfc^flebnng iinb
^royi« oiif bcm ©ebietc bc§ beutfc^cn öffentlichen ^«dft^, 3. 3o^^9öng, JPevlin 1877
^ 137 ff.
*) 35g(. ^o^ter, 1. in ben Jfa^rbüc^etn für bic 3)ogmati! bci§ heutigen römifd)en
unb beutf^cn ^riüatrcf^t« ©anb 18, ^a^rgang 1880, 2. bcffen 9icc^t bcä SD^orfcn-
ff^u^« SBürgburg 1884, Seite 6 ff.
') 9lu(^ ü. V?i6t in feinem il^c^rbuc^ be« beutft^en (5trafred)tc« , 2. SCuflage,
©crltn 1884 @. 309 ff. erfcnnt ben 5^egriff nnb bie 2)cfinition ber Snbiuibuolrcc^tc
an unb rechnet jn biefen bog !Jiamen», 5*^^'"^"* "nb SWarfenrcrfjt.
— 54 —
fd^iebcncn SWtd^tungcn, ha bie pcrfbulid^cn ®üter ücrfd^iebcnc ?{tt9riff^-
punftc mit t)crfd|icbencn Sd^u^mittcln ^abcn unb neben bicfcn Oiitctn
genoffcnfdiaftlid^e ginrid^tungcn beftcfjen, tt>cld^c jnr Sfu^fc^cibnng unb
J^nbiuibualifirung bcr jeweiligen ^unctionäre gegeben finb. ®& tft ba-
lder aud^ vid^tig, Don einer ÜRe^r^eit üon ^nbioibualred^ten jn fpred^en.
Qu bicfcn Siechten gehört nun anä) ba§ SSe^t ju öcrlangen, bafe ba^
.:j$nbimbuum alig fold^Cig in feiner Sefonbcrl)cit unb QjiWmbualitilt an*
erfannt unb jcbe SJcrmifd^ung mit anbcrcn Qnbioibuen ferngehalten tt?irb.
3u bicfem ®ef)ufe tjat ber S?crfc(jt ein @rfennung§jcid^cn ge*
bitbet, bcn iWamcn. ®ö ift fomit ein priüated S'Zamcnj^rec^t ju con*
ftatiren. ®ö ift bie§ ba^ SRed^t auf ?(u§fd)eibung bc« ^f"^^^^^""^^
burd^ ba^s 2Webium bcö 9iamcng, baö Mec^t beg ^nbimbuumö auf bie*
jcnige ©nrid^tung, welche nöt^ig ift, um bie eine ^^nbimbualität üon
bcn übrigen gu fd^eiben. üDicfeö aied^t crjcugt mit SRcd^tönotf^mcnbigtcit
einen ?lnfpruc^ gegen jebcn Störcr, alfo gegen i^^^^cn, ber bcn 9?amcn
in conf unbirenber , 9Jertt)Cc^felung errcgenbcr JBcife ufurpirt, unb mit
bem ?tnfprud^ ift bk actio, baö 9iecf)t ber gcrid^tlic^en SScrfoIgung,
gegeben. S)ie Slage get)t auf Unterlaffung weiterer Störung unb ba§
Urt^eil wirb bementfpred)enb ooHjogen.
kluger feiner inbioibueKen Sebcutung fann bcr SWamc aud^ nod^
einen familtenredfitlid^en Gl^arafter Ijabcn, fofcrn burc^ i^n nt^t nur
baö Qfnbitjibuum bcjcic^nct, fonbcrn aud^ feine änge^örigfeit ju einer
bcftimmtcn ^Jamifie erfennbar gemad^t wirb. @i^ ertjcbt fic^ fo gCgen
eine Ufurpation ciue^ ^lamcuiS bad ®cfammtintercffc ber f^amilie,
ber 2räger bed g^amilicnnamcnd tjat nid^t aid fold^cr fonbcrn aid
gamiliengeuoffc bad JRec^t bed ©infprud^d unb ber Klage, unb cd mu§
cutweber einem jebcn ^amilienmitglicbc folibarifd) bad Slagcrcd^t ein^
geräumt werben, ober eine SRcpräfcntation bcr f^amilic burdi einen
j^amilicnältcften ober ein anbered 5JamiIient)aupt ftatuirt werben. Die
fiegreid^c ©ntfd^cibung fommt attcn ^amilicngenoffen ju ®nt
I)ie fo gcfdfiilbertc Slnfid^^t SofjIcrd, bcr übcrbied auf Seite 15
rid^tig l^croor^cbt, bafe bad prioate Sfclufiöitätdrcd^t nur eine ©cite
bed 3«l>iöibualred^td bed 9?amend fei, ift wo^I bie wcitgeljcnbfte.
@^e wir nun gur ^racifiruug unferer eigenen ifnfid^t übergcl;en,
muffen wir bie 5^agc beantworten: 3Bte ftellt fid) ©cfe^gcbung unb
"^Jrafid ju bcr gragc bed priüaten a}crbielungdred)td ?
— i>ij —
^icr muffen ^toix junäd^ft conftatiren, ba§ \>a^ .^onbcI^gcfc|buci^
unjJDcifcI^aft ein pritjatc« 35crBietung§rcd^t ancrfennt. Art. 27 be«
^.®.a. fagt fjolgcnbce:
3Ber burc^ ben unbefugten ©cbraud^ einer ^irma in feinen Kcd^ten
tjerle^t ift, faun ben Unberechtigten auf Unterlaffung ber weiteren
5ul)rung ber ^ixma unb auf ©dfiabcn^erfa^ belangen.
^n. ber I^eorie ^errfd^t bariiber fein 3^cifel, ba§ ein vermögen«*
red^tlid^eS ^f^tereffe gar nidit oor^anbcn ju fein braud^t, fonbem fd^on
ein ptx[onl\6)t^ genügt unb bag aud^ ein 92id^tfaufmann flagen fann,
wenn ein Slnbcrer feinen 5Wamen ate girma bcnugt. SJgl, l^ierju
V. ^al^n'S Sommcntar ju Slrt. 27, Äo^Ier ®. 14. i)
Una) bie ^rajis I|at fid^ in biefem ®inne auSgefprod^en. 55a«
Belannte SRci^^geri^t^-Urt^eil in Sachen Farina ca. Farina öom
10. Februar 1882 2) crfcnnt an, bag ba« SJcrbietungörec^t nic^t
baburc^ bebingt ift, baft ber Sitägcr unter feinem 9lamen ^anbtW
flcfd^ofte betreibt, ba§ setter ba« fragliche Unterfagungörec^t ft^
an ben JJamiliennamen fniipft unb cine Uebereinftimmung be« öoUen
iWamen«, alfo 2?or* unb Qnnamtn^, burc^au« nid^t erforbcrlic^ ift.
Steben biefem, allgemein in 2)eutfd^Ianb gültigen SJerbietung^rec^tc
lommt t)on ^articulargefe^en nod^ ba« preugifd^e Sanbrcc^t mit feinen
iöeftimmungcn über ben 5Wamen gefd^icbener JJrauen in SJctrac^t.
§ 742 Jtieit II litel II beftimmt:
. 3ft bie ^xau au«brücf(ic^ für ben fc^ulbigcn I^eil erllart, fo barf
fie ben 9?amen be« ÜÄanne« miberbcffeu SSSiUcn nid)t länger führen.
@« unterliegt in Sljeorie unb ^raji« nid^t bem geringften 3^<^if<^l/
ia^ ber üKann biefe« 2Jerbictung«rec^t burc^ gcrid^tlidje Stage uer*
folgen fann. ^^)
©a« bie beutfc^e ^raj i« anlangt, fo möge ^ier junäc^ft auf einige
ffintfd^eibungcn in ©euffert'« Slrc^it) ^ingemicfen werben : ®. Ä . VI
2«r, 6, XIX 5Wr, 114.
3SieI n?eiter al« biefe entfd^eibungen ge^t bie uon 3()cring oom
<Stanbpunfte be« heutigen 3?ec^t«juftanbe« an§, mit ^ed^t ^art an=
gegriffene entfd)eibung t). üßündjen S. «. »b. 17 5«r. 3. Sic ftettt aß-
*) 3Jif(Ceid)t aii(^ no(^ 91. tOhlllcr Xic Öe^rc öoit ber (5Jef(f)äftöfirma itadj
fc^meigcrifc^cra Dbligationenret^t ©. 41 ff.
'') entfc^cibungm beS SWct(^«gcnd)t« ©b. 1, @. 279 ff.
^) i^cjl. öieflcid^t audi "0(^ hcn (gntmurf eine« öj^crrcid^ifdjen SiDiJ»(£^c=öefc^e!*
% 78, bor ein ä^nlic^e« SöibcrfprudjSredjt conflativt. Saferer ©. 23.
— 54 —
f^iebenctt 9Kd^tungcn, ba btc pcrfonlid^cn (Sttter üerfd^icbcnc angriffe*
punftc mit ücrfd^iebcnen ©d^u^mtttcln f)abtn unb neben bicfcn Otttcrn
genoffenfd^aftltd^e (ginrid^tungcn beftcljen, wcld^c gnr 3fui^f^eibnng unb
Qfnbimbualifirung ber jcttjeiligen gunctionärc gegeben fmb. ®j^ ift ba^
I)er auc^ vtd^tig, x>on einer aWc^r^eit Don ^fnbtmbualred^teu ju fpreci^cn.
Qu biefcn 9ied|ten gehört nun auci^ ba^ 9ied|t ju »erlangen, bag ba^
.Jjjnbiüibuum alig folc^eö in feiner Seyonbert)eit unb ^fnbimbualität an*
erfannt unb jebc SJcrmifci()ung mit anbercn ^[nbimbuen ferngehalten ttJirb.
3u bicfem Sctjufe f|at ber 35erfef)t ein ffirfennung^jeid^cn ge*
bilbet, ben Seamen. @ö ift fomit dn priüate^ iRamcnsJred^t ju con*
ftatircu. (£§ ift bie5 ba^ SHed^t auf «u^fc^eibung bci^ Qnbiüibuum«
burd^ baö SKebium bc8 Xiamen«, ha§ 3ted^t beg ;3;nbimbuum^ auf bie*
jenige @inrid|tung, n)cld^e uöt^ig ift, urn bie cine ^[nbiüibualität wm
ben übrigen gu fdjeibcn. Diefe^ Siedet erjeugt mit SRcd^tönot^menbigfeit
einen 8lnfpru(j^ gegen jcbcn ©törer, alfo gegen i^eben, ber ben ^Warnen
in conf unbirenber , 33ertt)cd)f clung errcgenber SBeifc ufurpirt, unb mit
bem anfprud^ ift bie actio, baö 9ied)t ber gerid)tlid|en SScrfoIgung,
gegeben. Die Slage ge^t auf Unterfaffung weiterer Störung unb bag
Urtf)cil wirb bcmcntfpredjenb üoHjogen.
?lu§er feiner inbiöibuetlen SJebcutung faun ber SWamc aud^ nod^
einen familienred^tlid)en Sljarafter I)aben, fofern burc^ iljn nid^t nur
bag ;3"^^^i^w""i bejeic^net, foubcrn aud^ feine Mngeprigfeit ju einer
beftimmten ^amilie er!eunbar gcmadjt wirb. @g ergebt ftc^ fo g^gen
cine Ufurpation eincg 9lamcng bag ®cfammtintereffc ber J^amilie,
ber Präger beg gamilicnnameng I)at nid^t alg foId)cr foubcrn alg
gtimiliengenoffe bag SRec^t beg ©infprud^g nub ber Klage, unb eg mu§
eutmcber einem jcbcn Jamilicumitglicbc fofibarifd) bag Slagercd^t ein*
geräumt werben, ober eine 9te^)räfentation ber ^amilic burd^ einen
J^amilienältcften ober ein anbereg 3'«niilienl)aupt ftatuirt werben. 35ie
fiegreid^c Sntfd^eibung fommt aücn 3^amiliengenoffen ju ®nU
T)ie fo gefddilbcrtc Stnfid^t Kol)Icrg, ber überbieg auf Seite ir>
rid^tig Ijcrtjorfjcbt , bag bag prioate (Sfclufiüitätgrcdtjt nur eine ©cite
beg i^ni^i^ibualrcd^tg beg Slameng fei, ift wo^I bic weitgcl^cnbftc.
&)C wir nun gur 'ißräcifirung unferer eigenen Änfid^t übergcljen,
muffen wir bie ^rage beantworten: 9Bie ftettt fid^ ®cfeggcbung unb
^ißrajig jU ber Jvagc bcg privaten aJerbictunggrcd^tg ?
f
;)ij —
$ier ntttffen 'toix sunäd^ft conftatiren, ba% t>a^ ^anbeli^gefelbuc^
unjtoetfcl^aft ein prtoatc^ SScrbictunggreci^t ancrfcnnt. Strt. 27 be^
ip.@.85. fagt fjolgcitbe«:
3Bcr burc^ ben unbefugten ©cbraud^ einer ^ixma ' in feinen SRcd^ten
tjcrlc^t ift, faun ben Unbcred^tigten auf Unterlaffung ber weiteren
fyiltirung ber gitma unb auf ©d^aben^erfa^ befangen.
^n. ber I^eorie ^errfd^t bariibcr fein 3^^^^/ ^^^6 ein öermögen^*
reditlid^cö ^fw^^^^ff^ 9^^ "i^^ öor^anbcn ju fein brandet, fonbern fc^on
ein perfönlic^ei^ genügt unb \>a% aud^ ein 92id^tfaufmann flogen !anu,
tvenn ein Änbever feinen 5Wamen alö ^ixma btnni^t SSgl, l^ierju
ü. ^af)n'§ Sommentar ju 31rt. 21, Ä o ^ I e r @. 14. i)
9ud^ bie $ra;i^ l^at fid^ in biefem (Sinne auiSgefprod^eu. ÜDa^
befannte iKei^iggerid^tig^Urt^cil in ©ad^en Farina ca. Farina üom
10. Februar 1882 2) crtcnnt an, bag bad SJerbietung^red^t nid^t
baburc^ bebiugt ift, ba§ ber ftläger unter feinem Flamen ^anbeU--
flefrf)äfte betreibt, ia^ meiter basi fragliche Unterfagungiäred^t fic^
an ben goniiliennamen fnüpft unb eine Uebereinftimmung be^ üoUeu
SWamend, alfo SPor* unb 3"women8, burc^au« uid^t erforberlid^ ift.
ifltbtn biefem, aUgemcin in !iDeutfd^(anb gültigen ^erbietungs^red^te
fommt Don ^articutargefegen nod^ baö preußif^e Sanbrcc^t mit feinen
iBeftimmungen über ben SWamen gefdfjiebener JJrauen in SBelra^t.
§ 742 J^eit II litel II beftimmt:
:3ft bie ^xau aus^brüdlid^ für ben fd)ulbigen Xljeil erflärt, fo barf
fie ben 9iamen bei^ SWanneö njiberbeffen ©iUen nid^t länger führen.
ffiö unterliegt in Iljeorie unb ^rajiö nid^t bcm geringften ^^^^if^l'
iafe ber aOlann biefcö 35erbietung^red|t burc^ gcric^tlid)e Stage ver-
folgen !ann. ^)
SBaö bie beutfd)e ^rajiö anlangt, fo möge ^ier junäd^ft auf einige
ffintfd^cibungen in S e u f f e r t ' ö airc^tti l)ingen)icjen werben : ©. S(. VI
m. 6, XIX 9ir, 114.
SSiel »eiter aU biefe ßntfd^cibungen getjt bie Don 3M^^^^9 ^^^^
©tanbpunfte bc^ I;eutigen 9led^töguftanbci3 aii§, mit ^Jled[)t I)art an=
gegriffene emfd^eibung ü. ü«ünd|cn ®. «. 93b. 17 Sir. 3. Sie fteKt all-
*) 3JiftI«rfjt nii(^ nod^ %. ißlüUtx Xic Ce^re öon ber (^cfrf)äftöfirma nadj
f(^tt>eijerif(^cm Cbligationenrcc^t ©. 41 ff.
'^) Sntft^cibungen be« »ecid)«gcnd)tg 53b. 7, (S. 279 ff.
*) SBgl. öifflfid^t oud) no(^ ben entwarf eine« öflerreid^ifc^en (IiDil*i£^e-öefc^e«
§ 78, ber ein ä^nJidje« Siberfprud^grec^t conftiUirt. fioferer ©. 23.
— 56 —
gemein ben ©a^ auf: „Der Familienname, mit ipeld^cm alle ©Heber
einer Familie Ocjeic^net werben, ift ©egenftanb unantaftbaren 9ied)tö
biefer g^amilie. 5)ic ®fieber einer anberen gamilie, meldte aud^ einen
anberen Spornen führen, bürfen fid^ feinen ©ingriff in jeneiS 3iedt|t
bttrd^ Anmaßung be^ glcid^en, iljneu nid^t gebü^renbcn Siomenö er^-
tauben. ®efd&äl)e z§ bennod^ unb njottte fid^ Q^manb einen 9?ameu
beilegen, ber t)on bcm feinigen öerfd)icben unb einer anberen {^amilic
eigen ift, fo müßte ber letzteren auf be^fallfigci^ anrufen ber gebü^rcnbe
®d^u^ gegen fold^e Anmaßung ju If^eil ttjerbcn.
®e^r mid^tig ift für m\^ bie $rafi^ beö Sieic^i^geric^tg, inöbefonberc
eine ^wf^w^^^^^^ltiiws jttjcier 9leid)ägcrid^tö»Urtl)eile, ba« eine üom
7. SlÄai 1880, im ©b. II ber ©ntfc^eibungen (®. 145 ff.), ba« anberc
Dom 22. Dftober 1881, im Söb. V ®. 172 ff. enthalten.
Qn bem le^tcrwäl^nten Urt^eile ift feineömegö Don einem ciöilred^t^
lid^en SJerbictungjgreddte bie Stcbc. ffiö ift ^ier ancriannt, baß bie
S3efugni§, einen beftimmtfen ^ömiliennamen jU fül)ren, ein im 3ted^t^ipeg
üerfolgbareö ^riDatrcd^t fei. Der ^flid^t gur 3^üt)rung be^ f^milicn^
namcnö, ^eißt eö in biefcm Urt^eile, entfprid^t jugleid) ba^ iWec^t, beu
JJamiliennamcn-au führen, tt}cld^e<8 alö eine aujg bem e^cimilienöerbanbe
entf^jringenbc 33ererf)tigung bem ^riuatredjt angehört, n?ie bie JJamÜicn*
redete überhaupt. SBeitcr mirb {)ier feftgeftellt, baß, mie eine Slage auf
J^eftfteHung ber S^id^tefifteng ber cl)elicl)en SSaterfd^aft na<^ gemeinem
SRed^te ftattfinbet, fo and) bemjcnigen, meld^er al^ außerehelicher SSater
in SnfprudEi genommen tüirb, eine Klage auf e^cftftellung be^S 5Wid^t^
üorljanbenfeiuj^ ber außerctjelid^en 93aterfd()aft ober bcä barauö abge^
leiteten 9led[;tö auf gü^rung feineig JJamiliennameni^ nid)t ju öerfagen fei.
@^ ^anbelt fid^ alfo I)ier lebiglid^ um Jeftftettung. änber« f priest
fid^ bagegen baö Urt^eil üom 7. ü)iai 1880 an^.
DiefeiS ftetlt folgenben ©a^ auf:
3Son ber Frage, ob Organe ber ©trafgctralt bercd^tigt finb, gegen
bie unbefugte Fö^^^^^Ö ^on ?lbclöpräbicatcn , liteln unb SRamcn einc^
bcftimmten abeligen ®efd|lcd^t^ einjufd^reiten, ift mcfeutlidf) tjerfd^ieben
bie F^age, ob bie üDiitgliebcr ber Faiwilie, bereu Üitel unb ©appen
unbefugt wn einem Dritten gebrandet mcrben, biefe^ im äBege ber
Siuilflage t)er^inbern fönnen. Diefe F^age muß bejaht werben,
weil baö 5?ed^t, um beffen 33erlegung eö fic^ Ijanbelt, ein bem
^riüatreddt ange^örigeig ift.
— o7 —
atljo, bcr unbefugte ®tbxanä) beö ZittU uub S33at)t)en^ eineiS 6c^
ftimmteu abeligen ®efd^Icc^tg fann gerid^tlid^ öcr^inbcrt tocrben,
mcil ^ier cm bem ^riüattcc^t angc^örenbcö 9te^t tjorfiegt. J)ent
^rioatrec^te gehört naä) ber erften (£ntfd)etbung aud) baS 9teci^t am
nid^tabcltgen Xiamen an. 2)iefe beiben ^riDatredjte finb iljrer Statur
urtd^ üöttig gfeic^ unb merben ana) in bem Urtljcile Dom 22. Dhobcr 1881,
mie folgt, einanber gleid^ geftcMt: „3lu^ ba^ JRcid^^gerid^t \)at bereite
l)infid^tltd^ einer ^amilic be§ ^o^cn Slbcfig aui^gefproc^en, ba§ baö 9led^t
sur eJü^tung beö liteU unb 2Bappen§ eincig beftimmten abeltgen ®C'
fc^led^ts bem ^riüatred^te angehört unb ©egenftanb eincö bilrgerlid^cn
Med^töftreitcö fein fann. Söenn bie§ bei bem (jo^en Sbcl anpne^men
ift, obgleidEi bie bemfelben angel^örigen gomilicn SJorrec^te genießen,
meldte bem öffentfid)en 9ted)te angel)ören, fo mu§ ba^felbc urn fo meljr
bti nid^tabcfigen ober bem nicberen Slbcl ange^brigen JJamilien ange=
nommen werben, benen feinerlei bent öffentlichen SHed|te angel)örige
2Jorred|te gufte^cn."
SBJir fommen alfo nott^menbigermeife jn bem ©c^Iuffe, ba§ nad^
?lnfid>t bc^ SReid^^gerid^tö auc^ ben äßitglicbern einer nid^t abcligen
tJamilie, bereu 5Wamen unbefugt uon einem Dritten angenommen mirb, nid^t
nur eine Slage a u f JJ e ft ft e 1 1 u n g ber ÜWid^tbered^tigung biefe^ Dritten
jur 5)lamen§fü^rung, fonb^rn aud) eine ^lage jufte^t, bie barauf gerid^tet
ift, bem Settagten j u u n t e r f a g e n , ben 9Jamen ber J^^wtilic ju führen.
®g mag ^ier nod| bemerft fein, bafe baö 9{cid)j^gerid^t nur bie
Jätte im ?{uge i)at, tt)o :3emanb burdf) 5wf)^u«9 ^i"c§ ?iamcn§ bie Sn^
gel^örigleit ju einer beftimmten Familie bcf)auptet.M
fragen mir fc^tießlid^, meldte üon aütn angeführten ü)ieinungen
motjl ben SJorjug tjerbient, ob unb in mie mcit .ein ^^riuatredjt am
9iamen ju ftatuiren fei, fo fdieint mx^ junäd^ft burc^ bie ?(ufna^me öon
Söeftimmungen über ben S^J^ilicnnamcn in ®ef egbüd^crn , bie nur ba^^
^riüatreddt jum ©egcnftanb ^aben, eine ©fiftenj bc^ priöaten 9lamen^*
rc^t!§ im ©innc uuferer klaffe II, alfo in bem ©inne, ba§ ic^ bai^
9?cd^t ^ahc, einen mir nad) bem ©efe^e jufommenbcn 9?amcn ftet§ ju
führen, ba§ id^ biefen gerid^tlid^ erftrciten unb :3:cbcn, bcr mid^ an ber
*) 5^ejüg(i(^ bcr frangöftft^cn ^rayid möge l)tcr nur au§cr bcr oon bem ^Retc^ä-
gcrtc^tg-Urtj^eUe uom 22. Cf tober 1H81 citirtcn jRcc^töfprctl^ung auf bie oon Ä'o^Jcr
Seite 7 citirte Stelle au^: Renouard, droit industriel ^ingciuiefen ttjerben. (5« tüirb
^ier etil priDatrec^tüc^eS ^erbietung^ret^t ^ugetaffcn.
— 58 —
^ü^rung ^nbcrn Witt, gcrid^tlid^ jurücfttjeifcn tami, im ®cltungögcbietc
bicfcr ©cfc^büd^cr au§cr 3^^if^^-
9S$tr mähten fomit ein ^rioatred^t in bief^m ®inne fd^ou naä)
jäd^fifd^cm, öfterreic^ifd^cm, franjöfifd^em inib prcugifd^cm aflcd^tc ftatuircn.
^ber wir bürfcn fid^erfid) ein ^riüatrcd^t am 5Wamcn in btcfcm ©innc
and) na6) gemeinem Siedete annehmen, unb t§ ift infon)eit ben ^u§^
fül^rungen bci^ SReid^ggerid^tönrt^cilS mm 22. Oftober 1881 unb ber
Änfid^t |)ermann'i8 DöHig beijnpf(id)tcn.
De lege ferenda glauben n)ir aud^ ein t)noatre^tlid^eg S5cr=
btetungSrec^t befilrtoorten ju fönncn.
9Q3ad btn Umfang biefeiS äkrbietung^red^tiS anlangt, fo mö(^ten
ttjir ein fold^e^, über bie bii^ljerige SRe^tfpreddung bei8 9lcid)i8gcrid^t!?
l^tnau^gel^enb, jebod^ au^ leintet Sohlet juriidEbleibenb, in folgenben
IJätten ftatuireu:
I. ©enn ;$Jemanb burd^ bie unbefugte Annahme eineö Slamen^^
fid^ tüiffentlid^ ober unttjiffentlid^ mit einer beftimmten brittcn ^crfon
ibentificirt. !Bai5 Älagered^t fte^t biefer britten ^erfon gu. ^ier toixi
and) ha^ ^feubon^m unb ber li^eaternamen feinen ©d^uß finben.
n. ©enn fid^ Q^emanb burc^ unbefugte ?lnna^me eines 9lamenS
wiffentlid^ aU ju einer beftimmten 5^"^^^^^ gehörig fjinftettt. S)ae
Slagcre^t f^at jebeS 3DiitgIieb ber fjamilie. •
III. SSJenn Q^emanb jmar ni^t boloiS Ijanbelt, aber boc^ burd^ bie
unbefugte Ännafime eines 5ßamenS ben Schein eriüedEt, er getföre ju
einer beftimmten ^ömilic. ^n bicfem ^alte l^at baS ri^terlid^e Gr-
meffen ben ttjeiteften ©J)iefraum unb eS n)irb auc§ bie Seltenheit beö
9lamenS in SBetrac^t gejogen ttjerben muffen. ÄIS attgcmeine 9tegcl,
bie freilid^ mcle StuSnalimen jutägt, mag ber ®a| aufgeftettt werben,
ba% nur ben am Crte ber unbefugten Annahme wo^nenbcn gamilien^
mitgliebern baS Siedet ber Silage gegen ben, ben Xiamen biefer tJötnilic
fü^renben Dritten ju gewähren ift.
3Beiter barf mo^l uid^t gegangen werben. 0
6in SBerbietungSred^t in bem angegebenen Umfange -) empfiel^It fid)
fd|on an§ rein ^)rüctifd^cn ©rünben. Der auf nid^t cioilrcd^tlic^cm ©cgc
*) Son ber @eItenbmQ(^ung eine« prioatcn Serbietungdred)« gegenüber einer
bcabfirf^tigten ^fJamenganbcrung !ann lelbflöcrftänbltc^ md)t bie »lebe fein.
*) 2öir fonnten §icr ha^ ja gefc^tic^ fijirtc SerbtctungSret^t gegenöber beni
unbefugten (SJebrouc^ eine« ^J^amenS in ber JJirma auger 5{d^t (offen.
— 59 —
ju crfangcttbc ©d^g bcr ^icr oor^anbcncu Qsntercffen rctd^t nämlid)
fic^erlid^ nid^t au§. @m ^etfpiel möge bied flarfegen:
993tr nehmen an, ein )?on ber 9)tutter anerfannted une^elid^es Sinb
fii^re in SRatnj fortmä^renb ben jiemK^ feltenen ißamen etneiS 9)!anne^,
bcr im SJcrbac^t ftc^t, SJatcr bc^ StinbciJ gu fein, ed in ©irflid^feit
abet nid^t ift. SBeld^e @c6u|mittel l)at biffer 3Rann, menn ba^ $inb
gubcm bei bcr SBc^örbc, wie bieiS ja ein Icic^tcig ift, feinen ridjtigen
3lamen fü^rt?
5Wad^ bcm obtn^) fd^on ermähnten 2(rt. 75 be^ ^olijciftrafgcfe^-'
bud^^ mirb nad^ erfolgter Stnjeige bei bcr ^oligei cine ©clbftrafc an^ge^
f^rod^en mcrbcn, bei nod^maliger Anzeige eine jttjcitc, bann cine britte n. f. to.,
über 15 fl. barf jeboc^ feine gelten.
S)ad ift t)oDftänbig nngenügenb. @an j anberi^ n^irft bagegen bie QtvauQ^^
oonftrerfung, tt^eld^e nad^ erfolgter 3"fP^^c^ung ber auf Unterlaffnng ber
^ii^rung be$ fremben 9tamen^ gerid)teten Silage eintritt.
tBenn bad ©erid^t in ©emäß^eit be^ § 775 ber SR.e.^.D. bei ber
anjeigc ber erften ßumiber^anblung gegen baö ergangene Urt^eil auf
«ntrag beö Slägen^ eine ©elbftrafe big gu 1500 jl ober ^aftftrafc
h\§ gu 6 STOonaten auöfpred^en unb bieiS bei jeber neuen 3utoiber^anb=^
lung toieberliolcn f ann, »enn baö ®eridE|t f enier bem 33erurtl^eilten bic
SSefteltung einer ©id^cr^eit in beliebiger ^ö^e für ben burdfi fernere
3uttjiber^anblung entftc^enben ©d^abcn auferlegen fann — ein ©d^aben
ift in unferm f^aUz fel)r leicht benfbar — fo mirb baö une^elid^e ilinb
bod^ n)o^l ))on ber ^ü^rung bed i^m nidjt gufommenben 97amend balb
abfielen.
SBSaö bic9?atur unfereö privaten S^amen^red^teiS anlangt, fo Ijalten
n)ir bic t)on ® a r e i ^ eingeführte unb Don Ä o ^ l e r aboptirte Cualifi=
cation bcdfelbcn alö 3^nbit)ibualrcd)t -) für üoltftänbig rid^tig unb burd)*
fd^lagcnb unb t^ möge balder auf bic obigen äuöfü^rungen bcr genannt
Un Autoren ocrttjicfcn merben.
O^nc Zweifel gebührt bem Stamcn^rcdljtc eine ©teHc im ®t)ftcm
bed beutfc^en ^riüatrcd^ti^.
SBir ^aben focben baö Dlamengred^t al^ ^nbioibualrcc^t im Sinuc
bcr ®areiö'fd)cn I^corie bejeid^uet. folgen wir bcr 3:t)coric biefcsJ
©d^riftftcUcrd nod^ einen 2Äomcnt.
'] ©. 102 «. 1.
») 3>gL and) o. Cigt a. o. D.
— 58 —
^ü^rung ^inbern mU, gcrid^tlid) jurürfttjcifcn tonn, im ÖJeltung^gcbictc
biefcr ®cfe|6üci^cr QU§ct 3^^*?^^-
SBir müßten fomit ein ^rioatrcc^t in bief^m ©innc fd^a» nad^
jä(j^fifd^cm, öfterrci^ifd^cm, franjöfifd^cm unb prcngifd^cm {Rechte ftatuitcn.
?lber wir bürfcn fid^crlid) ein ^riöatred^t am 5Wamctt in bicfcm ©inne
aud^ nad^ gemeinem Siedete annehmen, unb eö ift inj on^eit ben iXu^-
fül^rungcn beg $Reid^i^gerid^t§nrt^cUg öom 22. Dftober 1881 unb ber
?tnfid^t |)ermann'ig DöIIig beijnpflid^ten.
De lege ferenda glauben n)ir aud^ ein priöatre^tlid^e^ S5er^
WetungSrec^t befürworten ju fönnen.
üBo^ ben Umfang biefe^ SSerbietungöre^t^ anlangt, fo möd^ten
wir ein fold^e^, über bie bii^ljerige 5Red^tf^red^ung beö JReidj^gerid^t^
^tnau^gel^enb, jebod^ auc^ t)inter Äo^ler jurüdfblcibenb, in folgenben
UäKen ftatuiren:
I. SBenn ;$Jcmanb burd^ bie unbefugte Annahme eineig Slameue
fid^ tüiffentlid^ ober unwiffcntlid^ mit einer beftimmten britten ^erfon
ibentificirt. !Bag Ätagercd^t fteljt biefer britten ^erfon ju. ^ier wirb
aud^ baö ^feubon^m unb ber I!l)eaternamen feinen Sd^ug finben.
II. ©enn fid^ Q^emanb burc^ unbefugte Annahme eines 5Wamenö
miffentlid^ aU ju einer beftimmten Familie gehörig l^infteöt. ^aö
Älagere^t ^at jebcö SDiitglieb ber gamilie. '
III. SBenn ;5cmanb gwar ni^t boloS Ijanbelt, aber bod^ bnrd^ bie
unbefugte Slnna^me eines 5ßamenS ben Schein erwedEt, er gelföre ju
einer beftimmten gömilie. ^u biefem g-alle ^at ba§ rid[)terlid^e (Sr-
meffen ben weiteften Spielraum unb eS wirb auc§ bie Seltenheit be^
SlamenS in fflctrad^t gebogen werben muffen. Als aKgemeine Wegel,
bie freilid^ üicle Ausnahmen juläßt, mag ber Sag aufgeftetlt werben,
ba§ nur ben am Orte ber unbefugten Annahme wo^nenben Familien ^
mitgliebern baS iRed^t ber Stage gegen ben, ben ?iamen biefcr ifamilic
fül^renben Dritten ju gewähren ift.
aBciter barf wo^l ui^t gegangen werben.^)
Gin SSerbietungSre^t in bem angegebeneu Umfange ^) empfiel)lt fxd)
fd|on aii^ rein practifdjen ©rünben. Der auf nid^t cioilrcd^tlic^cm SBcgc
*) $on ber QJeltcnbmac^ung cim^ priuatcn 93erbictuug§re(^t8 gegcnfibct einer
beabfti^tiotcn 92amcn8änbcrung fann telbflocrftänbUc^ itic^t bie fRebcfcin.
*) 5öir tonnten ^icr bad ja ö^f^fe^i«^ Pji^^c S^erbietungäret^t gegenüber bera
unbefugten Q^thvaud) eine« *J?amen« in ber girma anger $((^t Jaffen.
— 59 —
ju criangcubc <Scl^u| bcr ^ier oor^anbeucu QSntercffen reid^t nämlid)
fid^erlid^ nid^t au^. (Sin ^etfpiel möge btea flarfegen:
S35ir nel^mcn an, ein »on ber 3Äuttcr anerfannteiS unc^cli^c^g Sinb
fä^re in SRoinj fortmö^renb ben giemli^ feltenen ißamen eineiS SJlannei^,
ber im 3Serbac^t fte^t, SSater be^ StinbeiJ ju fein, c^ in ©irfUd^feit
abtt nid^t ift. äBeld^e ®c6u|mittel \)at biefer 3Rann, n^enn ba§ j^nb
gubcm bei ber SBc^rbe, njie bieö ja ein leid^tei^ ift, feinen rid^tigcn
Xiamen fiiljrt?
^ai) bem ohtn^) fc^on ertoä^nten 3lrt. 75 beö ^olijeiftrafgefe^*
bud^S wirb na^ erfolgter Ängeigc bei ber ^olijei eine ©elbftrafe an^gc*
fprod^en merben, bei nod^maliger 3(njeige tint itvdtt, bann eine britte n. f. to.,
über 15 fl. barf jcbod^ feine gelten.
S)Qd ift t)oQftänbig ungenilgenb. ®an} anberi^ tvivtt bagegen bie QtvanQ^'^
oollftredtnng, ttjeld^e nac^ erfolgter ^ufprec^nng ber auf Unterlaffung ber
^ii^rung bed fremben Siamend gerichteten fflage eintritt.
JBenn bad Öierid^t in ©emäß^cit bei^ § 775 ber M.d.^.D. bei ber
Slnjeigc ber erften ^utoiber^anblung gegen ba« ergangene Urtt)cit auf
«ntrag bed «lägeri^ eine ©elbftrafe big ju 1500 JL ober ^aftftrafe
bii^ gu 6 STOonaten auöf^red^cn unb bieiS bei jeber neuen 3utt)iberl|anb=
lung ttjieberl^olen fann, menu ia^ &m6)t ferner bem 35erurtl^eilten bic
JBeftellung einer ©id^cr^eit in beliebiger ^ö^e für ben burd^ fernere
^utt)ibcrl)anblung entfte^enben Schaben auferlegen fann — dn ©d^aben
ift in unferm ^Jalle fel^r leidet benfbar — fo mirb bad une^elid^e Sinb
bod^ nio^t wn ber ^äl)rung bed il)m nid^t gufommenben 92amend balb
abfielen.
©ad bic9latur unfered pritjateu 5Wamendred^tcd anlangt, fo lialten
mir bie wn ® a r e i d eingeführte unb t)on fi o 1^ I e r aboptirte Cualifi-
cation bedfelben aid 3:nbiöibualred[)t -) für öoUftänbig rid^tig unb burd)*
fd^lagenb unb cd möge balder auf bie obigen Sludfü^rungeu ber genann=
Un Autoren üerwiefen ujerbcn.
Dl^ne Zweifel gebührt bem 91amendred^te eine ©telle im ®t)ftcm
bed beutfc^en ^rioatred^td.
ffiir ^aben foeben bad Slamendrec^t aid :3nbii)ibualrec^t im ©innc
bcr ®arcid'f(^cn Itjcorie bcjeid)net. folgen mir ber 3:l)eoric biefed
©d^riftfteUerd no(^ einen SWomcut.
') @. 102 «. 1.
'; «gl. Qua) Ü. Ci^t a. o. O.
— 60 -
®arctö ftatuirt eine Änertcnnuiig ber ;3«bit)ibualred^tc burc^ ba§
pofitiüe Siedet in brci ^Hid^tnngcn.
I. 2)urcl^ iSla^nai)nm\, bic jnr ^JcftftcUung beö SRcd^tö bienen.
n. Dnrc^ ben ®d|u$ bieder 9ite(i^tc im oerle^tcn ober bcbrot)ten
ßuftanbc, burd^ ©tatnirnng t)on Strafen, SBufecn n. f. n>.
III. 2)urd^ bic ancrfcnnung üon Äcd^tögcfd^äftcn über bicfc ^nbi^
utbnalred)te (5)?egotiabitität, Uebertragbarfcit, 3SererbIid^fcit, ©infd^ränf^
barteit bcrfelbcn).
ffiic weit trifft bieö nnn nad^ all' ben bi^ jegt conftatirten Se*
ftimmnngen bt^ pofitiuen Slcd^tö in ÜDeutfd[)lanb anf baö Qnbiüibualrcd^t
beä 3Iameni§ ju?
acl.l. äfö ßonftatirnngi^maßrcgcl beig Sie^tö auf ben Flamen
bient baiS EiöilftanbiSregifter. gttr nnel^clid^e Sinber ift, tt)ic wir oben nad):'
gemiefen, ba0 alpl^abetifd^e 5Wainen8i)erjcic^niJ3 uon bef onberer öcbcutnng.
ad 2. 5ür ben ©c^u^ biefcö :3^ibimbualred^ti^ finb
a. ©trafen ftatnirt in ben ^oligciftrafgefc^büd^ern 1)cntfd^lanb§
(4^effen «rt. 75) unb bnrdE) § 360 Q. 8 be« Sleic^gftrafgef eßbuc^g,
, b. entfdjäbigungen bnr^ ?trt. 27 ^.®.g5.
ad 3. 93on einer 35ercrblid^feit beig 9iamengreci^tö fann nid^t gnt
gc)proTf)en werben, ba ein Sinb im a)?oment ber ©eburt traft eigenen
9ted^t*3 ben JJamifiennamen erl)ält. ßbenfo nid^t t»on einer Ucbcrtrag-
barfeit bc^ 5Wamcn^red^ti§. ?(nd^ ber «boptirtc erl)ält j. SB. ben 9Zamen
9lbDptanten fraft originären Srwerbö.
Änö biefcr ÜDarftelInng ergibt ]i(i) anä) bie im fjcutigen SRcd^t öor-
l)anbenc 33cr^d)iebenf)eit jwifd^cn bem 91amen^red6te nnb bem überaus
nalj Dernninbten ^irmenred^te.
• _
@§ fei.nn^ geftatlet, mit einem 35ßnnfdjc gu fd^Iiegen:
SOiöge ber l^offentlic^ in 93älbe erftc^enbe 9{eid)^cobef in bic bnrd^-
an§ i^erworrene lUfaterie bes^ 9lamcn^red^t§ Orbnnng bringen. 0
') 85?äl)vc!ib beS 25vu(fc8 biefcr Arbeit cvffbicn nun „bei* (^ntiourf etncÄ bürgevlicbcn <S^cfc$
luicf)cö für baö bcutfdic dttXd)".
?\\iv boö ^JomeuiSvedJt \)on bcfonbeicr iftcbcutunq ift ^ 1561):
„Xaü uncbcltdic fkinb txf)äU ben gainiltennaiiicn ber flutter unb/ wtnn biefe burd?
2d)Iiefiun(t einer (il)e ben or<^miltennamen bc8 (i^bcmannS ert)a(tcn i}(it, ben grontiUcunameTiy.
u'cldicn bic 3)hitter »or Sdjlicftunfl ber (^bc geführt Ijat."
^'cr JKcgclunfl biefcr übciand beftrittcncn f>ragc im Sinne beS CSntivurfS ift imbcbingt-^U'
,VM"timincn. . •*-
Xic 3^cftimmunfl bc8 S 1455: „3)!c 9cfd)icbenc 6"I)cfrau bel)ttlt ben ^'>amiUennaQ||n bcS ($^c- "^
mannS" loirb woftl ftart anflcfod)tcn werben.
§ 16:!2 entbiilt ?*orfd)riftcn fiber ben Flomen bet an flinbcSftatt angenommenen.
Ter ISntiuurf liifjt Icibcr eine JRci^e anbeicr, widitiger f">ragen tjollftänbiß unberu(fft(^ttgt.
SDu
^tftUfthuft mn ^mfUnttn.
©in 39eitvag
311t 3iinfts mtb 8ttten0efi|ii|te
Der Sfaöt ScQafj^aufen.
SBon
^- Bardrr.
1
Son jioSlfen tcr atinge am a(tcn Qkf^meib'
SRoft biencn }ut '^r&fung ber f^\nt,
Sit ^ften ten OJalftab an %xtut' ml an Veto
Unb trennen bic iSa^r^U vom @il^ne.
9i|tff|titfen.
Sttii^brudeTei ber ^robtmann'fd^en ^ud^^anblung.
1MI9.
y
t
©itier
ll90l)labrltd)en Clrfellfdiaft
jun <^auffeuten
in ^od^ad^tung
geioibmet.
3u einer ^^di, in toeldier Bei bem rafd^cu
2Berfe()r auf ben ©d^icncnftrafecn unb bei bem
%luQ bcr Söorte über ben Ojean bie entfern^
tefteu 3?bl!er mit einanbcr in 23crill^mng ges
bra(ä^t werben, in njetd^er ba§ 5)enfen unb
(5rfinben, baS „Erringen unb ©rraffeu" me^r
<ifö je in ben SSorbergrunb tritt unb mit ftaus
nenerregenber ©enjanbtl^eit gteid^fam eine neue
SSelt l^ertjorgaubert, liegt bie S3efür^tung nal^e,
bafe ob bem raftlofen 5j;reiben ber 9fieu§eit bie
SScrgangenl>eit ©efal^r taufe, tjergeffen ju njers
ben, ober bafe ber ©egentoart toenigftenS ein
rid^tigeö ^^erftänbnife beS früher ©agetoefcnen
abl>anben fomme.
Um bieje S9efür(ä^tungen ju lieben, ^at bie
$iebe gur ^eimat^ imb bie St^tung für baS
3lltcrt^um überall ^aferegeln ^um @(^u|e ber
VI
SScvgancjen^eit unb i^rer 3)cnfntäter fervor?
gerufen, ein iBeftrebcn, ttjeli^c^ aud) in imfever
SBaterftabt 3(u!lang imb 9'iad)al^mung gefmu
ben ^at.
^n bie[er Stbfic^t finb auc^ biefe Jötätter
entftanbcn. 3(te @efettfd)aftögenof[e l^at [id^ ber
Unterjeid^ncte bie Stuf gäbe gefteUt, bie jer*
ftreuten Stftenftüde über bie ^aufleutftube gu
fammetn unb jufammenjufteUen, unb übcrgiebt
nun feine Strbeit mit ber Sitte um njol^lnjoU
lenbe 2lufnal>me unb SÖeurt^eilung berfetbcn.
5)a^ biefeS SBerKein n)iU!ommene Sluffc^lüffe
unb Erinnerungen getoäliren imb ba^u bei^
tragen möge, bie erfreulid^en 33anbe ber 6ins
trad^t unb ber ©efeßigfeit unter ben 3}litglies
bern ju erl^alten unb f ortgu^flanjen , njünfd^t
aufrid^tig
J5d)aflf!jattfen, 19, ©egember 1866.
2>cr !ßerfo|ftr.
(StnltitunQ.
!D{e e^ilberitng bed SSefenS unb SBirtenS bet ©efetl::
fc^aft gun £auf(euten, rod^t (einal^e ein §aI6e$ ^^^rtaufenb
umfogt, ift fo innig mit ber ®eftaUung ber ftbrigeu ©efeO-
fd^ofteu unb 2\\n\it unb mit ber ®ef(j^i(j^te ber 93aterflabt
t)erlnflpft, ba^ eine furje Ueberfid^t ber SBer^dttuifje , unter
beuen bie ©efettld^aft entflanb, namentli^ ober gur Sudübung
poUtifd^er Siedete gelangte, erforberlid^ {d^eint. i)
SDer gledfen ©d^aff^aufen ftanb gur 3^1* ber Stiftung
beS ^lofterS 9lDer^ei(tgeu unter ber ©erid^tSbarfeit bed ®rQfen
(Sberbarb III. t>ou TleOenburg unb gieng 3(nno 1052 aid
@tiftungdgut mit aQen 9ted^ten on bad ^loftcr fiber. S)ie
Siebte toon Sltterl^eillgen mürben in jmeifad^er ©egiel^ung §erren
bed Ortd. @in ©d^ultl^etg fiil^rte 9tameno bed ^tofieid ben
©erid^tdftab, fomie benn bie 9lat§e urfprunglid^ ebenfaQd i^re
^Berufung ben geiftßc^en Ferren gu Derbanfen l^aben mod^ten.
3m SBerlaufe ber ^txt Bemühte fid^ ber 3lbel, bad SRegtment
an ftd^ gu giel^en, na^ bemfelben grogtent^eild gelang. Jtaum
aber l^atteu bie Slbelid^en bad @tener ergriffen, aid aud^ bürget-
lid^e ©efd^Ied^ter bie ^anbe nad^ bemfelben audfiredften unb
in golgc iljred Slnfel^end bei bem 93otfe unb i^rer Sntetligeng,
menigftend t^eilmeife, gum SRegimente gelangten.
3m ^a^xt 1264 murbe ©d^affljoufen unter bie 9ield&d=
pgbte ge^S^It. 3Kit ber Derme^rten ®et)olferung mudjd aud&
bie @eltung bei ben übrigen 9teid^d{!fibten^ med^alb mel^rere
berfelbenUtit ©djaff^aufen in enge SBerbinbung traten.
*) liefer Ueberftcbt liegen im SlUgemeinen bie toorbanbenen Qfyco-
ntten unb bie Jtirc^^ofer'fd^en S^euja^rdgefcbenle ^u @runbe.
1
3)etn offentlid^en SBefen ftanb ein 9ieid^8t)Ogt t)or unb
bem aud 12 aJtitgliebern (efie^enben .^atl^ ein Sd^ultl^eig.
^KdJJJWt^c würben t)on bcm Slbet beftefit unb ble SEBal^l ber
übrigen t)ier SJlitglieber ben SSurflern anl^elmöepelli , wctd^e
t^re ^lpr5]entanten t^ellroeife auS ben ongefel^enften ©efd^ted^s
tern ober ebenfalls ouS ben Hbelid^en mal^tten. ^n ben n)i(l^*
tiflefeTlTngelegenl^citcn amteten „ber dlat^ unb blelfffirger
gemeinlid^/' SDiefed n)aren bie 9%ed^te unb Uebungen gur ^^it
ber SRei(i^8frei§eit
IDurd^ mannigfad^e Sebr&ngniffe fanb fid^ ^5ntg Subn^ig
9(nno 1330 genStl^iget, an bie ^ergoge Don Oef^erreid^ mehrere
9leidpfiSbte gu Derpf&nben, n)eI^eS ®d^i(f fal aud^ ©d^aff Raufen
trajTlDurSp Tiefe 'SJerfügung ntilberte [xäf ber ©d^merj fiber
bie Derlorne 9%eid^dfrei^eit, urn fo el^er, al8 ^erjog Otto ben
93urgem @d^aff$aufen3 perfSntid^ bie SSerftd^erung gab, ba|
bie ^errfd^aft t)on Oefterrei^ il^re biSl^erigen S^ei^eiten ntd^t
t)ertär}en, fonbern e^er beffern roerbe. ©leid^fam aU $fanb
blefer SBer^eifeung rourbe ein Sfirger ber ©tabt, 9litter §eins
ri^ Don SRanbed, al8 bßerreid^ifd^er SBogt ernannt. S)ie neuen
SSerl^&Itniffe gefialteten ftd^ befriebigenb, inbem bie gegebenen
3ufid^erungen bejfigtid^ Slufred^t^attung ber bisherigen Siedete
uid^t nur eingehalten, fonbern bur^ ^iuguffigung neuer n)irtUd^
Dermel^rt würben. Ueberbied fanb man ftd^ je^t nid^t me§r fo
Dereinfamt al8 tormald, inbem bie nad^fte Umgebung, ebenfaQS
unter Oefterreid^ fiel^enb, ©^aff^aufen guDertdfiigeren @d^u^
barbot, aid ^aifer unb Sfieid^ nebft ben Derbfinbeten 9ieid^S«
fidbten ber ©tabt berliel^en fatten.
9{ad^ Sinken waren bie 3^erl^ditniffe geregelt, aDein im
3nnern l^crtfdjte Unfriebe. ®ie Slbellc^en^ jroei ©efettfd^aften
bilbenb, maren fd^on feit 2i<i^^cn mit einanber gertragen.
SBegen ber Sefe^ung be8 States unb too^l aud^ megen Ueber«
tretung ber 9iat^8orbnung geriet^eu biefetben im ^a^xt 1335
fo l^art an einanber, bag ber Sludbrud^ eine8 SurgerlriegS gu
beffird^ten fianb. S)er 9latl^, minbeftend auS groei ^ritt^eilen
3
VOM 9lbetic^cu befefet, roar unmdc^ltg bic <£tr€Uiflfciteu ju
fi^üc^tcu unb über Die üorgcfaüciic ^Winbraud^ung oon »3)lcf[cr
unb Sdjroert" ju rid^ten, roFl^alb frcmbc $)agn)ifd^cufunft
aiiflcrufeu lüurbc. Oeftemi^ijd^e 9idf5c unter SSorfife bcS
oftcrreid^if(j^en SSogtö gu Ägburg^ Slubolf t)on Slarburp, unter::
fud^tiSTbiF^tieitpunlte unb fdüten einen auf jTDei 3^1^^^
binbeubeli Spruc^i ^m ^a^v 1337 rourbe auf ©e^eife be8
JperjogoJUbrei^t ein formtid^er griebenSöertrag abgefd^toffen,
öon Men befd^woren unb \>on ©d^utt^ei^, 5Rof5 unb SBurgeru
beträftigt.
Ol^ne frembeg 3wtl^un errid^teten Slnno 1350 bte ©djutt^
^ci^en, bie 3idt^e unb bie SBürger ein ©üubniß auf öler 3aljre,
ebenfaQS'üm bed ^^riebend unb ber aUgemeiueu SSol^tfa^rt
roilleu, in roetc^em bie potitijt^en Steckte unb äSerpfUd^tungen
gegenfeitig enthalten maren unb erläutert n>urben. Sßfil^renb
bie bid^erige Sefe^ung bed 9lat^d beibehalten mürbe, volxi gum
erften 3)?a[ eined ©ro^en Stating gebadet, an melden toid^tige
^ngeTegenl^eiten , namenttid^ bie i^rage toegen 33eibel^a(tung
ober Slbdnberung biefer @a^ungen gebrad^t roerben foQen.
3lu$ bie ©emeinbe, bereu SReprdfentant ber ©ro|e SÄatl^ war,
e^riftirte nod^, roeS^alb benn aud^ bei @r(ag bon neuen ®efe^en
neben ben @d^ult^ei|en unb ben Sidtl^en aud^ bie ^^SBürger
gemeiniglid^/^ errod^nt werben. 5)urd^ bic Uneinigfeit beS
Äbelä gelang ed ben ©ürgern, größeren @inf[u| auf bie
öffenttid^en Slngetegenl^eiten audguüben. 3m ^a^v 1367 fam
ed gmifd^en ben beiben ^artl^eien begügli^ ber SBetl^eiligung
am ^Regiment gu ernften ©rörterungen.
^ \3"lStf Sfterrei^tfd^e SRdt^e, Sifd^of S^^^nn t)on Sri^en
an beren Spii^e, mürben mit bem 9luf trage betraut, in @d^aff?
Raufen grieben gu ftiften. 5Jer bieSfaüpfl^ 2lnla|brief, meldjer,
nad^bem er bie 3^fttutmung erl^alten l^atte, t)on fdmmtlid^en
bürgern befd^rooren mürbe, bejiimmt, ba§ ber ©rofee SÄatl^
au8 60 Üßitgliebern beftel^en fotle, Don benen 30 au8 ber
^a^l ber ^Ibelid^en auf SebenSgeit unb bie anbere $d(fte auS
ber B^wgcn ©ürgcrfd^aft, jebod^ nur auf jioci Sa^re, burd^ bic
betben abetid^en ©efeUfc^aften ertod^lt roerbeu foOe. ^a^{e(6e
SBdirfblTcgium ^at ben Älcincn 9lat^ mit 8 Slbetid&eu unb
4 Surgcrn ju bcfcfecn, bercn Slmt^bauer nur auf 6 SÄonatc
fld^^rftrecf t. S)em ©rofecn 9iat^ roirb bie SBcfugnig eingeräumt,
über Äriefl unb ^fiebcU; ©ünbniffe, 3^11 unb Umgelb, SRünj
unb (Semtd^t ju Derl^anbetn unb gu eiitfd^eiben unb in tolc^^
tigenJßrlDatangetegenl^citen al8 offene^ ©erld^t unter ber
SauSe gu amten, onftatt ber früheren ©emeinbc.
'Jeoc^loar fein SDegennium, üerfloffen, a(3 fi(^ bie Surger
t)on ben Slbellc^cn überliftet ful^tten, inbem ber Älelnc dtatft
gang nur ^on blefen befe^t mar. S)a aud^ megen @r^ebung
ber ©teuer Ungufriebenl^elt l^errfd^te, fo rourbe ?lnuo 1375
eine längere Slnroefcn^elt bc8 §ergogS geop.olbjn ©d^affl^aufen
toon ber ®ürgerfd^aft benufet, urn i§re ÄlageiLbemfelben toors
gutragen unb tl^n um eine gufagenbe, i^re Siedete beffer beru(f<
fid^tlgenbe a3er|a[funa gu bitten,
®le Söürger tijoten feine gel^tbitte. 9lad^ ber neuen SSer.
foffung ronxit ber ©ro^e dtatf) auf 36 SRttglteber rebugirt
unb ber kleine 9lat^ auf 16 3RitgIieber er^5^t, metd^e in
belben Kollegien auS Slbelid^en utib 93ürgertic^en gu gleichen
Stielten ermS^U roerbin follen, eine 3wfammenje^ung, bic aud^
für ble Silbung bed and gmolf 3RltgÜebern befte^enben ©e-
rld^td, bag and ber Witte bed ©rogen 3tatf)^ errodblt rourbe,
i^re Slnroenbung finben fottte. ^\xt SSerl^ütung o^nlid^er 3Ser:=
ftoge gegen bad 9leprafentatlondred§t murbe ein SBal^lfoQegium
gebilbet, bei metd^em unter ^uffid^t ^ergogKd^er ^Beamter beibe
Parteien gfeid^ vertreten waren-
yjlxt biefer neuen Orbnung begnügte man fid^ bid ein
^a^x nad^ ber aud^ für Sd^aff^aufeu ung(üd((ld^ ausgefallenen
©d^Iad^t bei gempad^. 8118 2lnnq_1387 §ergog ?ltbred^t wegen
^Regelung einiger Angelegenheiten feineä ^aufeä in ©chaffs
l^aufen rotiUt, mürbe berfelbe t)on ^^Sbeln unb ©emeinen^
erfud^t, bcn 2copolb*fd^ett Orbnungäbrlef gu erneuem unb
tl^ren aBflttfcftcn unb Sebürfniffen anjupaffen. SDiefer, ben
i^miber ber j^rotetTod&t erfennenb, |ol6_juf5rbcrft bie belbcn
politischen Sorporationen al8 fold^e auf unb t)eroi'bnete, bag ber
steine diat^ qu8 20 SRitflliebern befielen unb au8 ber g»iltc
bed ®ro|en Statics l^eroorgel^en foQe, rotlifytx loieber auf 60
9RitgIieber geflellt xonxit, unter jftl^rttd^er Smeuerung eined
SJritt^eiÖ berjetben. 5)ie SBal^t ber IWitglieber be« ©rofeen
9lat|^ au3 bcnen ou^ bie Slid^ter unb 93eamten gu ernennen
Toaxtn, rourbe gftnglic^ freigegeben, t)orau8gefe^t^ ba| bie el^r-
barften unb roeifeften SRdnncr ern)&^(t rourben. Obfd^on bie
gefamntte Surgerfd^aft nad^ %6(auf Don t)ier 3<^]^^^^ urn bie
Seftitigung biefer Serorbnung eintam (1391), fo tag fte
berfelben balb nid^t mel^r gang eben, Inbeffen fd^ien eS ratios
{am, bamit fid^ gu bereifen unb gu begnügen biS gu gele^
generer ^txt.
9118 nad^ ber 9tieber(age be8 5{ierretd^ifd^en £)eer8 an
ber SBoIfSIJalbe (1405) ^ergog griebrid^ wieber nad^ Sdjaff«»
Raufen gurütfgefe^rt n)ar^ \>o\x too au8 berfelbe bie ©efel^bung
ber ^[ppengeller eingeleitet l^atte, fd^ien ber ^ugenbUcf ge-
fommen, benfelben urn Kb&nberung ber oon feinem ißater
ertaffenen Stabtoerfaffung gu bitten, well biefelbe »l^infflr
nid^t nu^tic^ nod^ füglid^, fonber unleiblid^ unb n)iber ber
©tabtgemeinbe 9lu^ roäre, Don m&nigerlet @ad^ negen/
3n Serfldffici^tigunfl ber erji neulidj mieber gu lage
gelegten treuen Srgebenl^eit unb ber einbringlid^en 93itte, mit
ber bie 93erfaffung8anberung na^gefud^t murbe, beauftragte
ber $ergog bie il^n umgebenben dt&t^t, eine ben SBunfd^en ber
®e{ud^{tetler entfpred^enbe SSerorbnung au8guarbeiten, meldte,
mit bem l^ergoglid^en @ieget befrdftigt, S^eitag8 bor Sart^o^
lomdi 1405 ber . ©tabt übergeben rourbe. «)
S)iefe SBerfaffung entfprad^ ben gehegten (Snoartungen nid^t
oon Serne, ba biefelbe nur gang unmefentlid^e ^bdnberungen
*) Urlunbe im Ifantotii^arc^iD.
bejügtt^ ber üßitglieberga^I ler beiben dtit^t zc. entl^teU,
iD&l^renb baS SBa^Ired^t rerlümmert erfd^ien, inbem bie SBa^Ieu
unter bei* Seitung bed ofterreid^ifij^eu 2anbt)0gt8 in Sd^roabcn
unb jn)eier öfterreid^ifc^er dtät^t, beren iBeeinfluffung man avß
@vfal^rung fannte, t)orgenommen loerben mußten. Uebevl^oupt
lüoUtc !einc SSerfaffung bcn SBürgern mel^r sufagcn, bie~nl(l^t
ble ®Ici(j^terc^jlgung aller Surgcr i^rer 3^5' ^^^ gcrodl^rs
leiftele, nad^ aJiaggabe ber aSevfaffungen anbcrcr ©tfibte^
wofelbft bie ati^ergcbrac^ten ©efelljd^aften unb Innungen mit
poliü|d^en Sitäjtiix bebac^t unb aid t)oUfommeu gleid^bered^tigte
Il^eile gu einem (Songen oeveinigt mürben. *)
^nx ©neid^ung biefeä ^ki^ mürben feine SÄü^en gefpart
unb nac(|bem man \\i) onberrodrtö um bie ^unftoecfaffungen
umgefe^en unb beren Slnrocnbung für bie ©tabt ©d^aff^aufen
genugjam befprod^en ^atte, mürbe eine Slborbnung gu i£)ergog
Jriebrid^, roeld^er auf bem ©tein gu Saben §of ^ielt, entfenbet,
um il^n gu vermögen, bie bisherige ^erorbnung gurücfgugiel^en
unb ber ©tabt eine ^w^f^^^^föffw^fl "öd^ bem vorgelegten
'^ojeft gu geraderen. ®em §ergog lag an ber ©tabtöerfaffung
fe^r roenig, bagegcn l^ielt fic^ berfelbe öerpflid^tet, ber Sürger=
fd^aft oon ©(^aff^aufen in il^ren SBünfd^en gu entfpred^en,
meil fie gu ber ^errfd^aft öon Oefterreic^ oft unb t)iet ,,8eib
unb Out gefet^'fic^ roel^ get^an unb für biefetbe i^r SBlut in
©tfeifen ijergoffen^ ^abe. Jpulbooo ert^ellte ber §ergog für
fid^ "unb feine ÜJlitregenten ber ©tabt ©d^aff Raufen bie SSoü-
^^4^/ r/3ünfte ober anbere Orbnungen gu machen, aid fte
meineil; ba^ bad gut fep/' inbeffen mit bem Sorbe^alt, bag
ber » SSürgermeifter, bie 3wnftmeifter, 9idtl^ unb bie Sürger
gemeinlid^, fie fepen ©bei, Öieid^ unb Slrm" attjd^rli^ in
®egenmart bed Sanboogtd ben ^ergogen oon Oefterreid^ ben
») 3. S3, in 3üri* Slnno 1336. 3n »afe[ cyiftirtcn f*on im
13. 3abrbun^ert 3ünftc, in Stein, Sonftanj, gTciburg im ®rci«aau,
Ulm u. f. to. im 14. ^a^r^unbcrt, inbe^ o^ne, ober mit befcbrÄnitcn
pDUtif(i^en 9le(!^ten,
gib ber Streue unb bem Sürgermelper unb dtat^ ®e$orfam
angeloben joQen. Um bie ertl^eilte ©nobe ju t)erooIIftdnbigen,
fleroS^rte ber JperjOfl bcn Slbgeorbneten au^ ble fernere ®itte,
bie SBofltet eiuISfen gu burfcn, in ber SBeife, ba§ ber SBoqt
fortan „über fcinertei ®od^ me^r rid^ten foil, beun über bag
SBlut unb greDcI, bie. Seib unb ®ut antreffen/' »)
9Kit biefem (Sriaffe fa^en bie ^Bürger il^re Wngft gehegten
SBünfd^e im DoQften Wla^t erfüQt. UnDergügUc^ mürbe bad t)on
bem Jc^erjog gutgel^etgene ^rojett gur ^uäfü^rung gebrad^t.
®ie aSarfügermöniJ^e räumten ber Sürgcrfd^oft l^re Äird^e ein
jur SBorna^me ber Jöal^len. 3n SRitter ®5fe öon §üneberg
erhielt bie @tabt ben erften 93ürgermeifl^. ^lad^bem aud^ bie
3unf tmeifter , {Rat^e unb 9iid^ter geipd^lt roaren unb bie
^ulbigungen ftattgefunben l^atten, bilbetc bie KuffteOung ber
3uuftbriefe ble erfie 2lrbeit be8 neuen SRegimentö. 68 ent=
galten biefelben gtet(j^ (Singangd bie @tabtt)erfaffung unb
fobann eine ©pegiafoerorbnung berjenigen 3wnfte, für meldte
bad SDotument beftimmt rourbe. %\\ ®t. üRid^aeldtag bedfelben
3o^re8 würben blefe Sriefe an ble ^ün^t au8get§eilt«
SRad^ biefer erflen 3unftt>erfaffung, meldte bl8 gum ©d^lufe
beS' 18. 3oi^^unbcrt8 nur unbebeutenbe SSerfinberungen erlitt,
l^atte fi(§ler*®ro6e Stat^ attjä^rtld^ auf ©t. Sol^ann »aptift«
S:ag gu t)erfammeln, um einen ißorfd^Iag gur Sßal^t eined
SBürgermelfiera gu bUben, weld^er ber üerfammelten ®emelnbe
torgelegt rourbe. IRad^bem baS ©tanbeSoberl^aupt geiDdl^It
war, traten ble 12 Korporationen (ble ®efcnfd^aft gun Ferren
unb ble 11 3fi"ft0 gufammen, um guerfl einen 3wnftmelfter
unb fobann ble ,,®£4to'' gu wd^Ien, t)on benen ber 6r|l^
gerodelte ebenfaUS ^Itglleb be8 JTIeinen diat^i unb ble übrigen
bed ®ro6en 9tat§d fein foOen. 9)em Alelnen 9lat^ ftanb ble
®efugnl| gu, ble ®erl(ljt8fletten gu befefeen unter SBerüdtfld^s
tlgung ber SBertretung iegUd^er 3^"!^- ^^^ 99eenblgung
') anitttvoci^d t)or St. Ulric^dtag 1411. Urt. im ^antoni^arc^it).
6e3üglid^ ber ÜRitgliebergal^I ter Beiben dtii^t zc. entJ^ielt,
mdl^renb baS SBa^tred^t revlümmert erf^ten, inbem bie SSüa^Ieu
unter bev Leitung bed ofterreid^ifd^en £anbt)ogtö in Sd^rcobcn
unb groeier öftcrrcid^ifc^er dt&t^z, bercn Seeinpuffung man auS
@rfal^rung fannte, Dorgenouimeii totxhtn mußten. Ueber^aupt
lüoUte leine Sexfaffunj bcn Sürgcrn mel^r gufagen, bir nid^t
bie ©leid^Bcnd^lttflung aüer ©iirgcr x^xtx 3^5^ ^^4 ftfroSl^rs
lelftele, nod^ aJiaBgobe ber aSerfaffungen anbcrer ©täbtc^
roofelbft blc althergebrachten ©cfellfd^aften unb Innungen mit
politifd^en 9ted^teri bebac^t unb a(d t)oUfommen gletd^bered^tigte
Il^cile ju einem (Sangen oereinigt mürben. »)
^nx ©rreid^ung biefeg ^iti^ rouvben feine SKü^en gefpart
unb nad)itm man (ic^ anbermdrtd um bie 3u^ftoerfaffungen
umgefe^en unb bereu 9lnmenbung fur bie @tabt ®d^affl^au[en
genugjam bcfprod^en l^atte, mürbe eine 2tborbnung gu ^ergog
^riebrid^, roeld^er auf bcm ©tein gu Saben §of ^ielt, entfenbet,
um i^n gu t)erm5gen, bie bisherige SSerorbnung gurücfgugiel^eu
unb ber 6tabt eine ^unftoerfaffung nad^ bem t)0rgelegteu
'^o\ett gu gerod^ren. £)em §ergog lag an ber ©tabtöerfaffung
fe^r roenig, bagegcn l^ielt fic^ berfelbe öerpflid^tet, ber Sürger«
jd^aft oon ©(^aff^aufen in i^ren aSünfd^en gu entfpred^en,
meit fie gu ber §errfd§aft öon Oefterreid^ oft unb t)iel ;,8eib
unb ®ut gefetr/fic5 roel^ get^an unb für biefelbe i^r Slut in
Streifen öergoffen" ^obe. Jßulbooö ert^eiltc ber §ergog fur
fid^ "unb feine ÜJlitregenten ber ©tabt ©d^aff Raufen bie SBott^
^tt^ä&t/ //3ö^ft^ ^^^^ anbere Orbnungen gu machen, olä fie
meinen, ba^ ba« gut fep/' inbeffen mit bem Sorbe^olt, baß
ber „SBürgermeifter, bie 3unftmeifter, »idt^ unb bie Sürgcr
gemeintid^, fie fepen ebct, SReid^ unb Slrm" aflid^rlidj in
Oegenroart beö Sanboogtg ben ^ergogen üon Oeftcrreid^ ben
') 3. 95. in 3urict Slnno 1336. 3n fflafel eyiftirten f*on im
13. 3abr^unbert 3ünftc, in Stein, (Sonftana, grcibutö im SBrei^gau,
Ulm u. f. to. im 14. ^a^r^unbert, inbe^ o^nc, ober mit befcbrdnften
poUtifc^en Siedeten,
gib ber Streue unb bcm ©flrgermeiper unb SRotlJ ®elJorfam
angeloben {oQen. Um bie ertJ^eilte ®nabe gu t)erooaftdnbigen,
fleroö^rte ber ^er^og ben Slbgeorbneten au(^ bie fernere Sitte,
bie SBogtei einl5fen gu burfen, in ber SBeife, ba§ ber SBogt
fortan ^,üBer feinerlci ®ad^ me^r rid^ten |oÜ, benn über bag
SBIut unb greoel, bie Seib unb ®ut antreffen/' »)
2)iit biefem (Sriaffe fa^en bie ^Bürger il^re Idngft gehegten
9Bfinf(j^e im ooQften 9ßa^e erfuDt. Unt)er2ÜgIi(^ mürbe bad t)on
bem Jc^ergog gutgeheißene ^rojett gur 9uäffi§rung gebrad^t.
®ie ©arfügermönd^e räumten ber SSürgerfd^aft l^re Äird^e ein
gur SJoma^me ber Jöal^len. 3" ^Ritter ®5^ i)on §üne6erg
erhielt bie ©tabt ben erfien iBärgermeiftn:. 9lad^bem au^ bie
3unftmeifter , {Rdt^e unb 9iid^ter gemd^lt maren unb bie
^ulbigungen ftattgefunben Ratten, bilbete bie 9[uffte0ung ber
3uuftbriefe bie erfie Slrbeit beä neuen 8legiment8. (S8 ent=
galten biefelben gleid^ SingangS bie @tabtt)erfaffung unb
fobann eine @pegtatt)erorbnung berjenigen fünfte, für meldte
baS S)o!ument beftimmt rourbe. 9(u ®t. ^Rid^aefötag bedfelben
3a^re8 mürben biefe Sriefe an bie ^m^tt auSget^eilt«
SladJ biefcr erfien ^^^fttJerfaffung, meldte bi8 gum ©d^Iu§
beS' 18. 3ö|r^unb_ert8 nur unbcbeutenbe SSerdnberungen erlitt,
^atte fi(§ beriSrofee Stat^ aajd^rtid^ auf ©t. Sodann »aptijl«
S:ag gu t)erfammetn, um einen ißorfd^Iag gur Sßa^t eineS
SürgermeifierS gu bilben, metd^er ber oerfammelten ®emelnbe
torgelegt mürbe. Dtad^bem bad ©tanbeSoberl^aupt gemdl^U
mar, traten bie 12 Korporationen (bie ®efenfd^aft gun Ferren
unb bie 11 3fi"ft0 gufammen, um guerft einen 3wnftmelfier
unb fobann bie ^©;^fer'^ gu md^Ien, öon benen ber ©rffc
gemd^Ite ebenfaKd SRitgUeb be8 Jtletnen dtat^i unb bie übrigen
be8 ©roßen 9tat^8 fein foHen. SDem Aleinen Statin fianb bie
S3efugni| gu, bie ®eri(ljt8ftetten gu befefeen unter SSerflcffld^s
tigung ber iBertretung ieglid^er ä^n^. 9lad^ Seenbtgung
>) Tiitlmoä)^ oor et. Utrid^dtag 1411. Urt. im Itanton^arc^io.
8
biefer ^al^Ien l^atte ber 83ürgermeifter t)or beiben 9tdt(en unb
bcr ©emctubc ju fd^roören: ;,Unfcr gndbigen §crrfd^aft Don
Oefteireid^ Streun) unb 9Ba^rl^eit, begglid^ gemeiner ©tabt
dln^ unb frommen ju förbern nnb ©d^aben gu menben nnb
bie Slvmen in aQen jimtid^en unb biQid^en ©ad^en gu galten
aü bie dipd^en na(j^ feinem SSermogen on aQ ®efd^rbe.^
ipierauf murbe fomo^l Don ben 9idt^en atö ber SSilrgerfd^aft
bcm SSurgermeifter ber @ib beS ©el^orfamd geleiftet.
5Kit bem eib, ben bie 3ünftlgen il^rem ^unftmeiftcr
unb ben ied^S übrigen SSorgefe^ten ju [($n)5ren l^atten, toaxtn
bie SSol^Igefd^dfte ber Sürger beenbigt. !&ie ^betid^en waxtn
nun ben 8flrgerlid^en begüglid^ ber SSertretuug in ben beiben
mtfytn nottftdnbig gleid^ gcflettt. Srft im 3a§r 1461, 9»itt.
mod^S Dor ®t. ^plarien-SEog, murbe benfefben bie SBegün«
ftigung eingerdumt, bofe fie „l^infuro jdrlid^en uffer irer
®efellfd^aft Dier Srbor ^anu ... in ben steinen 9iQt^ tiefen,
fe^en unb n)d(en fonb unb ju ben Dieren brei in ben ®rofien
KatlJ/' 0 5WadJ Ablauf bcS erften Sa^rS würbe ein neuer
Sürgermelfter gerodl^ftTTüÄffcnb ber Slbtretenbe, ot8 alt
8ürgermeifter, ber gtoeite äßürbentrdger ber ®tabt blieb, eine
SBerfügung, meldte in ber golge jur fte^enben Orbnung rourbe,
inbem bad Surg^ermeifteramt in ber Siegel gmifd^en ben einmal
©cmd^lten Sal^r um ^afyx wed^ feite.
•) Urhmbe in ber BpU\V)6)tn d^ronil.
€ntftti)nn0 Iter (lltftU|'it)a/t.
Scr Zmb jur ©cfcttigfcit ift fo alt, als bic ÜKcnfd^l^eit
fel6|% au§ TDeld^em fobanu bevjenige, augerl^alb be§ engern $au§::
^alt§, mit altera-, Scnifäs ober ©tanbeägenoffen fid^ ^u erl^olen,
l^eroorgicng.
Utifcrc 2lltDorbern festen auf bie abcubUd^en 3"fömmen=
fünfte, noTncnTTic^ auj bcn ^^rinf^ ober 3Reiftcr= Stuben, großen
SSBert^, roeS^olb bcr 9lu§fd^Iu§ au§ benfelben al^ eine ber empfinb=
lid^fien ©trafen angefe^en uub baS 5^erbot, bie S:rinfftuben ju
Bcfud^en, nur in ben fci^roerften gäHen aud^ auf bie Sonntage
auSgebe^nt rourbe. •) 3cbc ©d^id^te ber Seoölferung unb gleid^jam
jeber ©taub I|atte feine ?:rinfftube. ©o bie ©eiftlid^feit, bie 9titter
unb Sbeln, bie Äaufleute, bie ^anbrocrfer, gifd^er unb Stebleute
u. f. ro. S^er ftarf certrctene §anbn)erferflanb gruppirte fid^ nad^
ben ^auptgeroerben, benen ftd^ in ber 9{egel bie Derroanbten ®e-
roerbc anfd^loffcn.
9lu6cr bem ^rotd, bcn 3lbcnbtrunf in ©cfcllfd^aft einju?
nel^men unb bei Scfpred^ung ber S^ageSereigniffe u. f. n). , ober
bei Äur^rocil, roeld^c bic ©piele brad^tcn, fid^ ju erholen, l^attcn
biefe ©efellfd^oftcn unb Innungen (^Bereinigungen?) nod^ ben be^
fonberen 3">^^/ bie @cnoffenfd^aft§s3ntercffen ju befpred^en unb
ju roäl^ren, rooburd^ bie 93anbe ber ^Bereinigung je länger je
juücrläffiger gefnüpft rourben, inSbefonbcre rotnn nod^ politifd^e
©ejhebungen l^injutraten , roaS bei ben abclid^cn ©efeUfd^aften
inSbc[onbere ber gad loar. 3lud^ ber Irieb, öffentlid^ als Kor-
poration aufzutreten, max oorl^anben unb fanb ^unöd^fl bei fird^lid^en
') Slnno 1533 purbe bciüglicb Slleyanber SibcrS üor SRatb ertannt:
„ba6 er binfüfTTTTcifi Ue'rt^cn nod^ ccfelaftrun! mebr tl^un foUe^ benn
oüoin am SunbTog' uff finer £tu6cn" u. f. tu.
1*
10
gefllid^feiten feine 93efrtebtguitg, wo^w bann nod^ bie ^emeinfd^aft^
lid^e 5eier_beäcvfovncn ®cnof{cnfd^aft§patronS unb bie Scärabnifei
fciev Beim ^infd^eibe Don 3nnung§genoffcn n. f. xo. fanien. Urn aU'
biefe ocrf^cbciiortigen Äunbgebungcn be3 gefcnfd^aftlid^cn 9?evbanb3
jum 35Bo^t ber SSereinigung unb bev einzelnen ÜKitglieber ^n regeln,
ronrben ©tubenorbnungen aufgcfleKt, benen fid^ bie ©enoffen ju
unterhielten fatten.
5ßon Seite ber Vhtxn waren biefe flatntarifd^en ©croegnngen
ber ©tubengen offen nid^t gerne gcfc^en unb oftmals, wenn bicfelben
ben bfös' gefcttfd^aftlid^en ^xotä überfd^ritten, oerboten, weit man
befürd^tete, bag l^ieburd^ bie @intrad^t ber ©emeinbe unb bamit
bie SQSol^lfal^rt ber ©tabt gcfa^rbet merbe. Sd^on ?lnno 1291
fagten 9iat^ unb ©urger ben fcicrlid^cn ©ntfd^luft, unter oHen
Umflanben nid^t bulben ju rooHcn, bag ^cmanb cine 3w^^f*/ ®^'
fellfd^aft ober SRciflerfd^aft ober eiblid^e ^r^crbinbung grünbe ober
aud^ nur in 9lnregung bringe, unter gcjlfcfjung, bag bemjenigen,
ber roiber biefen Sefd^fug ^anble, fein befteS §au8 nicbcrgeriffcn
ober in (Srmanglung eineS eigenen §anfeS eine S3uße oon jel^en
SKarf (Silber) auferlegt werben foUe, bi« ju beren ©ntrid^tung
ber fflcfh-afte bie ©tabt ju meiben ^abe. *) !J>ie äbclid^en bilbeten
jwei ©cfcUfd^aften, bie i^re "iPerfammlungSorte auf ber §errenflube
unb auf 0er fpatcrn Äaufleutftube fatten, weld^e nad^ i(|rer Sage
bie obere unb nicbcre 5:vinfflube genannt würben. Cbfd^on beibe
©efeUfd^aften biefelben 3"^^^^ ocrfolgten unb au§ glcid^e 9?cd^te
befagen, fo entflanben bod^ jwifc^en benfclben öftere S)fcibungen
unb nid^t fetten bebenflid^e 3wfaninicnftö6e wegen ©onbcrintereffen,
ju beren Verfolgung fie fid^ eiblid^ üerbanben unb im Sd^ooge
ber Sürgerfd^aft nad^ ^»elferSl^elfern warben.
§ergog älbixd^t pon Oefterreid^ l^ob bie poUtifd^en Siedete
ber beiben ©cfeHfd^aften auf, in golge beffen biefelben im 3^^^*^
1394, nur nod^ 40 SWitglieber jal^lenb, ju einer einzigen ©efetis
fd^aft fid^ oerbanben unb auf bie obere ober ©crrenflube jogen.
') SRIcbtebrief S. 34.
11
einige JPlitgtieber, bic fid^ bcn ®a(jungcn bcä eivic^tctcii „®e=
icQeubviefd'' nid^t unterbieten ober überhaupt fid^ nid^t Deieinigen
ioottten,"tIicBcn auf ber nicbeven ©tube ^uvücf unb rouvben^ roenn
nic^tjbic Övüubev, fo bo^ üJlitglieber ber Öefettft^aft jim Jlauf=
(euten, roeld^e von ba an i^ren So^nfi^ auf berfetben auffc^lug.
^ie näheren Serl^attnijle biefer Slnfieblung fönnen nid^t me^r
angegeben werben, eS liegt aber bie Sefd^reibung eineö i^orfaUö
Dox, xoti^tx im iti^itn 2)e§cnnium beS XIV. ^ol^r^unbertä fic^
zugetragen, auä xoti^tm beutlid^ l^erDOrgel^t , bag bie Jtaufleute
bereits im Sep^ be§ ©ebäubeS rooren. Ta biefe Sc[c^reibung
überbiei einen 33lid^ in bie bamalige ro^e 3^it gemalert, fo folgt
fie ^ier roörtlic^.
„$anä ©olbfd^mit bi ber nieberen Irinfjluben, ber fpilt
„Siad^tS umb ÜKitternad^t unb barnad^ mit ©ain^lin ber 5toflüt
„itnec^t, uf ber ^oflütftuben, in ben ^i^enad^ten unb geroan il^m
„ fünf ^funb an. Unb ba ber jtned^t nit baav ^fenig l^att unb
„\f)n nit je ©tunbe beja^len woUt, bo fc^idCt ber ®olb[d^mit nad^
„finem ®un unb finen Äncd^ten, bie brad^tenb oier ©d^rocrt unb
,,fiu^nbenb für bie Stubent^ür unb rooQten i^n nienbert l^in lan
„gan, er beja!)le . . benn. Ueber ba^ berfclb §ain^li i^n flc^iflid^
„bat bo6 er i^n lieffe gan, er roöttt i^m bringen ben @ieP) alb
„(ober) ben Äron ober raellen er unter finen $erren roöllte, ber
„für i^n (gut) fpräd^ umb ba§ (Selb; baS l^alf atteä nit, unb
„mußt er in ber ©tuben beliben . . . Unb bo pe allfo lang oer^
„^arrten bo ging $ain^li bar unb fprad^, roenb iE|r mid^ nit
„^inug in min SRuroe lan gan, fo roiH id^ l^ie inne ligen fd^lafen
„unb leit fid^ uff ainen Sanf fd^lafen unb leit fm ©ürtclgemanb
„unter baS $opt. Unb bo er alfo fid^ nibergelait, bo namenb p
„il^m pn Xäfd^en ba l^at er wo^l 10 ©ulbin roert^ innen unb
„pn ©ürtclgewanb gönjlid^ unb trugenb eS mit i^nen |aim. Unb
Ji)at baS jffe3 fröoenlid^ mit ©ewalt unb o^ne SJet^t mit redeten
„Uffa^en. I:a3 llagenb alle bie @ef eilen uf berfclben ©tuben unb
') 9}itolaud, ber ^(^»iegen^ater be^ $>einri(!^ Ilron jur Jlrone.
m^tx.
12
„funbcr Don il^m bcm ®u^n unb Don jincn Äncd^ten, ba§ fie ain
„§ainifud^ in il^rem §u§ get^dn i)dbtn, roann jlc nid§t§ boriimc jc
„fd^affcn \)ant, ©i bc^übenb i!)n od^ jroo ©tunbcn unb mc, oHfo
« gefangen in bev Stuben bis i^nen fin Za\^ roavb, bo giengenb
,J\ enroeg," (civca 1396).
2)ie evfte ©tubenorbnung bev Äaufteute^Öefetlfd^aft ijl nid^t
tne^v oorl^anben^ allein au3 ben befannten unb nod^ lange in
Uebung gebliebenen ß^invic^tungen ju fd^liefeen, war fie bevjenigen
ber oovl^evge^enben ©efellfd^aft ä^nlid§ , roonad^ baS ©tubenved^t
oom 3?ater auf bie ©ö^ne pd^ forterbte. 3Sater unb ©ol^ne ober
©ruber, bie mit einanber einen unget^eiltcn §au§^alt führten,
l^atten an bie Saften ber ©efellfc^aft nur ben Iribut eiueS einjigen
©enoff^n beizutragen. Triefe Saften beftanbcn in ben 9luälagen für
bie Unter^(tung?ifoften beS ©efeUfc^aftä^aufeS unb bie innere
©inrid^tung unb 9luäftattung beöfelben, in ber 5lnfd^affung unb
Unterhaltung bcä ©ejcltä unb ber Äriegögerat^fd^aften , in ©es
flreitung beä Äned^tenlol^uä , beä Sic^tpfenningä , beä ^oljgelbeS
u. f. ro. unb würben burd^ reglementarifd^e (Sinja^lungen quarta=
liter geleiftct unb bei augerorbentlic^cn ©ebüvfuiffen aber mittelft
bcfoubcrer 9luflagen, weld^e ju gleid^en i^eilen auf bie ©enoffen
gelegt würben.
3u 2lnfang beS 15. Sal^rl^unbcrtg; unb fd^on juoor war bie
„ ©efeUf d^af t uff ber Äouflütftubcn" öfonomifd^ fc^on fo gut be-
ftcttt, baö pe iäl;rlid^c 3i"fc faufeu, b. \). (Kapitalien auölei^en
fonnte, worüber mehrere ^iJ^^briefe 3c"ä"ife geben. S)urc^ allerlei
!fsefbicufte um bie Saterftabt, fei e§ burd^ 33ürgfd^aftöleiftungen
für biefelbe, ober bnrc^ 23ergabungen an milbe ©tiftungen, burd^
aufmunternben Wiwti) bei Söaffentl^aten ober burd^ weifen i)iat^
in ben inneren 9lngelegenl^eiten beä ©tabt^auä^alteS , erwarben
mand^e ©efellfd^aftSgenoffen gerechte ^(nerfennung , bie nac^ unb
nac^ auf bie ganje ©efellfd^aft übergieng, um fo me^r, alö biefe
treu gu ben ißürgerlid^en f|ielt unb- in ißefämpfung ber unleiblid^
geworbenen ?fitä)tt beg 9lbelä l^öd^fl wal^rfc^einlid^ ben 9lu§fc^lag
jum ©icg gab, ber mit ber 3wnftoerfaffung erreid^t würbe.
13
iBas ^unftmefeiu
®ic ©cfcttfd^aft jun Äauficutcn rourbc bcä ©cioerbeä roegcn,
bag i^r ben SRamen licl^, ben 3wnftcn BeigefeHt. SScjuglid^ ber
SJerhetung im ^atf) ctütt fie jroar eine etroetd^e @inbu§c, roeil
na(fy ber neuen Orbnung ber 3^)iugc bie 9teprafentation in ben
beiben 9Jat^en ber 3^1^^ naci^ biefelBc war, roä^renb fie ijuoor eine
TDeit größere 93ertretnng aufjuroeifen l^atte. ^nbeffen niod^ten fid^
bie @enof|cn jumeift mit ber @rfa^rung§fad^e troflen, bag bie
geifligere unb ofonomifd^ beffcr geficlltc 5?ertretung bominiren roerbe.
©0 roar e8 aud^. 9?on 22 33ürgcrmeiflern, meldte bis jur SRefors
motion an^ Stegiment gelangten, roaren ei(f Snitglieberoon ber
Äaufleute^unft. @d^on nad^ 3lblauf beS erften 3^^^^^ rourbe ber
©efeBfd^aft bie @^re ju ?:^eil, in i^rem Su'if^^n^^f^^r , §an3
8inggi, ben groeiten Sürgermeif^er ber ©tabt ju begiTigen.
Son 1530 an roenbete fid^ bie @unfl t)on ber ©cfcttfd^oft
ab, fo bag Don 46 nad^folgenben ©tanbeS^auptern biS ^um ^a^r
1831 nur nod^ 6 93ürgermeifier ab ber ^aufleutftube gerodelt
würben, äWand^e unferer ©tanbeSl^aupter unb Statine rourben mit
roid^tigen ©enbungen betraut ober famen fonft in ben gall, bie
3ntereffen ber SJaterflabt oft unter fd^roierigen 95er]^ä(tniffen ju
wahren unb ju oerfed^ten; fo §einrid^ Sarter imb ^eter
Slünangfter, roeld^e im 3al^r 1454 nad^ SKünd^cn gefonbt
rourben, urn mit ben 93oten ber oerbfinbeten 9{eid^3ftäbte bie fd^roie-
rige Sage ber ©tabt gegenüber §crjog 9l(bred^t oon Cef^erreid^
ju beratl^en. 3lnno 1491 Surgermeiflcr §anS oon SBalbfird^
„als er gon SRegcnäburg jum Äaifcr ritt.">) J^er Sürgermcifter
^an^ ^it^itx roar einer ber eibgenoffifd^cn ©efanbten, roeld^e auf
ben Sßunfd^ bed ^opfleS Slnno 1512 nad^ Ütom entfenbet rourben
^ur Seratl^ung einer l^od^roid^tigen 9lnge(egenl^eit, bie inbeffen fe(|r
flein enbete. ^m ^a\)x 1521 roar er 2tbgeorbneter an ben frans
jöfifd^en §of bel^ufS Slbfd^liefeung beä nad^gefud^ten ®ünbniffeS
') IRed^nung^robel.
14
mit ben ßibgenoffen. 3m glcid^cn ^iai^xt 509 cv an bcr 2pi(3C ooii
300 3Raitu nad^ $attau, um bicfc cyciuciiibc 511 oermögen, unter
ben ©d^ivm uub bic SotmaBigfeit bcr 3tabt 5c^aff^aufcu fid^
gu begeben.
Ter ^Mtgcr S^an^ Stocfar, roie c^ fc^eint loeniger geeignet,
fd^roievigc politifd^e 9(uf träge ju übernehmen, f^at burd^ grofec
Xreue unb Slufmeiffamfeit^ bie er in öfonomifc^cn 9tngelegenE|ciicn
ber ^[^aterftabt ermieS, bereu Tant unb 9(nerfeunuug oielfältig
oerbient. (^Ueic^fam alS 93c(o^nuug muvben i^m einige angenehme
®efanbtfc^aften übertragen, unter benen bic bebeutenbfte biejenige
nod^ 33ern, greiburg unb SoCot^iirn im ^^a\)xt \ 526 fein mochte,
jnm ^xütd ber Slbna^me bcä ©ibeä auf bie iöunbeäbriefe. »)
3al^lreid^e unb wichtige Sotfd^aften rourben bem S3ürgermeifter
§aug 3lafob 3i^9l^v übertiagen, roeö^alb berfelbc 3(nno 1650,
als bic oou i^m nad^gefud^tc fäuflid^e 3(6tretung bcä 9}ebeul^au[ed
jur lanne beanftanbet rourbe, in Erinnerung brad^te, roie er „nun
mef)r als in 20 ^a^xtw me^r alä 100 Steifen unb Sotfd^aften
aUcmal mit äRü^c unb etliche mat mit ©efal^ren unterlegt, getrau
unb perric^tet" ^abe. C^r roar unflreitig einer bcr intefligenteften
gü^rcr beS ^ieftgen ©taatö^auä^altä im 17. ^a^r^unbert.
Ttni Cb^errn GJ^rijlop^ oon 3Batbfird§ rourbe am
20. 3annar 1563 bie befonbere ©^re ju i^eit, in Scgteitung
beS Cberoogts Dr. ÜJJartin ^$e9er bem Äaifer S^rbinanb I. in
SBatbg^ut bie ^ufroartung 5U madden, um benfctben ju bitten, ber
©tabt ©d^aff^aufen bie ®nabe eineä Sefud^S unb feinem Begleiter
biejenige bcr Se^erbcrbung feiner faiferlid^en SKaiefiät ju erroeifen,
roeld^em ©efud^ bann aud^ am nad&ftfolgenbcn läge entfprod^en
rourbe. 3lud^ bem Cb^errn S^aixi ßonrab ^eger rourben oiete
©efanbtjd^aften übertragen, über bercn 3?crrid§tung nod^ ganje
9lftenftö6e, oon eigener $anb gef daneben, 2luffd^lu6 geben; eine
ber roid^tigften üJlifriouen roar biejenige au Äönig Subroig Xlll.
*) iWan oerglcicbc beffen Sagcbu(b t)on 1520 bi» 1529, t}nam^
gegeben oon 3Raurer«^onftant, 1839.
15
na(l^ ^-Parte wegen beä 9Seltlin§, weld^c im ^al^v 1622 jur SluS^
fu^rung fam. *)
Tie rocitere Slufja^fiutg bcr e^vcnpoBcn 9luftrage, bic jc ju
3citen ben 9?egimcntSobcrn ab ber Äaufleutflube, uamenttid^ in
ben testen jroei ^a^r^unberten, übertragen warben, müfjcn einer
fpateren geber üBerlaffen werben.
f/^cr 3"»iftmeifler nnb bie ®ed^8" bilbeten bie SSorflel^erfd^aft,
roeld^er bie Sefngnig eingeräumt roar, über bie 2lufna]^mSgefud^e ber
©eroerber um bie ©efeOfd^aft ju entfd^eiben, bie 3Kilitarbienjipflid^5
tigen einjutl^eilen unb bie SKnlagegelber für S^bjugSs, Sau- ober
anbere augerorbentlid^e Sofien }u beflimmen. Sll^nen lag bie
ijanbl^abung ber obrigfeitlici^en ©efe^e unb SBerorbnungen ob mit
einer Strafbefugnis bis auf 10 ß $tr. , ») bie «ufpc^t über baS
©eroerberoefen unb bie Cberaufjld^t über bie Defonomie bcr ®es
fellfd^aft, roeld^e jroei Pflegern auä ber SJlitte ber ©efellfd^aft
anüertraut rourbe.
3)em 3i"Ut»^«if*ci' flttni> ^i^ Sefugnig ju, bie Sw^ftflcnoflen
ju 333a^(en unb Seratl^ungen jufammenjuberufen , wie er benn
aud^ baS Crgan roar, bie 993ünfd^e unb 93efd^roerben berfelben bem
Äleinen 9tat^ üorjutragen ober umgefel^rt bie Sefd^lüffe unb Rei-
fungen beSfelben entgegenjunel^men nnb ber ^wnft miijutl^eiten.
3u ben 3"fttmmenfünften ober in§ ©ebot rourbe ben ©e?
fellfd^aftägenoffen burd^ ben ©tubenbiener, in ber Siegel bei einer
Su§e, geboten. I^ie 9luSbleibcnben rourben urfprünglicl^ mit einem
©drilling ©ufee belegt; oon 1489 an betrug biefelbe 2 /? geller.
(5incn_@d^lQing foB be jaulen roer ^nac^ ber erflcn llmbfrag"
eintrifft, ©p man aber „bi ber trüro gebütet, baS fott gefd^el^en,
*) IBon ibm befi|t man aucb eine im 2)ru<f erfcbtenene StaafcS«
Derfaffung unter (SromroeQ.
^) ,,^0(!b ift mit Seamen barin ufioßfe&t fcbla^ben, 9illef[er äugten,
tounben unb toa^ ^emaffnete ^anb ift unb ob oucb atner bem anbern
m fprdcb, bajs er atn 3)ieb mere ober ein 9Jl5rber, ober fuft ungeroonlicb
Siebe, bie ainem ftn 2xh, 6re ober ®ut anrüebrte unb ou(!b ungemonlicb
6(bmür, ba^ foQ bem IRatt bebalten Rn ^e ftraffenb unb gu richten"
u. f. to. 3nbalt fdmmtlic^er 3unftbriefe oon 1411 unb 1449.
16
fo bag SJott Don bcr (Stabt rocgcn \\t, fo ocrfaOt ber, fo ganj
uSbelibt, ein 93u6 nad^ (grfanntnug ber 3"nft<\efellcn.^ Urn ba8
fpatc gintvcffcn ju ocr^üten unb bie bicäfoHfigc ßontrole ju
praclfircn, lourbc 9lnno 1565 Bcfd^loffcn, ba^ bie Pfleger eine
®anbu(;v, eine ^albe ©tunbe laiifenb, anfertigen laffen foffen,
roelci^e „aUrot^ uff bie Stunb fo gebotten ufgeßcttt unb roann fte
uffgeloffcn, ber baruad^ fommt foil 1 ß, unb ber gar nit fommt
2 /T Bc;^a^lcn. " Slnno 1685 faßte bie ©cfeafd^oft ben »efd^rufi,
ba§ bie (Sntfd^ulbigungen wegen beS SotS nur bei bem CBl^erren
eingelegt unb Slbfenjen ol^ne genügenbe ©ntfd^ulbigung mit 4 fr.
SBuße belegt werben f ollen. !Diefer Sefd^lug blieb bis Slnno 1784
in Äraft, in weld^em ^Qi)x bie Sufee für baS 9lu8bleiben auf
12 fr. feflgefe^t würbe.
Sei ben 3""ftüer^anblungen galten bie bei ben Söe^örben üb^
lid^en 9}egeln, welci^e ftd^ aud^ auf bie SluSflanbSorbnung erjlre^ten.
33ei ben SBal^lcn entfd^ieb 3al^r^uuberte ^inburd^ ba§ relatioe 3Re^r.
Si§ jum ^a^v 1673 würben bie Stimmen bem Cb^errn unb
jwei SBa^lbeputirten auä ber ÜRitte ber ©efellfd^aft in einem
bcfonberen 3i"i»ner münblid^ abgegeben, jlanben biefe ein, fo ^tte
ber 33orfi^enbe baS (Sntfd^eibungSred^t. !Da aber bei ber ^^munb?
lid^en Öffnung unb (Sinnel^mung ber 9Bal^len fid^ vielerlei Se-
fd^werlid^feiten befunben, inbeme nit allein ben SBöl^lenben bie
t^reil^eit umb etwaS benommen unb bie SEBal^len gleid^fam gel^emmet,
fonbern aud^ bie in bergleid^en ©efd^öften l^öd^ft notl^wenbige $^er:
fd^wiegen^eit weniger ju l^offengewcfen/' würbe 9lnno 1673 in
bem Seflrebcn, ,,bie fo wol^l anftänbige SSertraulic^feit, Siebe unb
grieben unter ben ©efeUfd^aftgenoffen weiterS ju erl^alten unb fort?
jufe^en, oon einer ,,Söblid^en abelid^cn ©efellfd^aft" bie ©infül^rung
oon aBal^lröbeln befd^loffen, auf weld^cn ,, aller ©efeDfd^aftSgcnoffeu
SRamen mit i^rem Unterfd^eib entl^alten fc^n fotten." 2luf biefen
3ebbeln würbe außerhalb beä SJerfammlungSjimmcrS ber 9lame
beS ju SBa^lenben ,,mit JÜötl^eP unterjogen, fpater buvd^gefhrid^en
unb fobann bie gefallenen Stimmen mit einer ängfllid^en Sorftd^t
in einem 92eben)immer boppelt oerjeic^uet unb nad^ SRittl^eilung
17
be$ ^al^lergebniffeS unb SSeenbtgung fammtlid^er 9Bal^len bte
@timm3ebbe( oerbvannt; roeld^e nad^^er oon benjemgen ,,fo bat-
buTd^ gu einer @§ren{lell beforbert woxhtn/* be^al^lt loerben mußten.
S)tefe 9Ba^Iart, loenn auc^ in oeteinfad^ter i^ovm rourbe erfl im
2ia^r 1837 abgef^afft unb bie (Stimmabgabe mittelfl gefd^riebener
3ebbel eingeführt.
3«!, 17. unb 18. 3a^r^unbert ^errfd^tc in ©d^aff^aufcn
eine groge Segierbe nac^ S^renfleUen unb Remtern, meldte fel^r
oft ju unerlaubten unb uerroerflid^en äßitteln oerleitete. ^al^er
erlieg ber 9tat^ 9lnno 1618.„pan tragenben oberfeitlic^cn 5lmtS
roegen, auc^ umb beS gemeinen 9lut^ unb SBol^lflanbS roitlen" eine
Crbnung^ i^mie ed ^infüro bei 99efa^ung bed 9tegimentS u. f. m.
gehalten werben ft)Qe/' ber ^ufolge bie ©ema^Iten por 9lat^ eiblid^
bezeugen foKen, bag fie ,,o^ne aUeS prafti^iren unb troleuj, e^rlid^
unfi"'reb£id§er SBeiS" ju il^ren Stctten gelangt feien. 35er Unfug,
mittelfl ©efd^enfen unb ^erfpred^ungen ©teilen ^u erl^afd^en, mar
bereits fo tief eingewurzelt , bag biefe 3Ragregel nid^t nur roenig
©rfolg ^atte, fonbern nod^ ^ufige^ ÜWeineibe ^erporrief. ?luf
$ftngften Slnno 1714 mürbe oon ben ßanjeln ^erab gemaltig"^
gegen ,, biefe burd^ge^enbe Serberbnug unb ben leibigen SReineib, fo\
bei PorfaOenben SBal^len burd^ Uebertretung beä ^lafti^ireibs j
begangen merbe" geeifert unb fobann im ©d^ooge beS ©rogen/'
Status burd^ einen ©efeUfd^aftSgenoffen, ^o^anned^eper, $rof
feffor, *) in ber ßigenfd^aft als ©rogratl^ösSfüger ein ßommentar
}u biefen ßanjelergftfien gegeben, ber in 12 fünften fummarifd^
bie Serfünbigungen nad^mteS, beren fid^ bie 9}iitglieber beiber 9idt]^e
}u ©d^ulben fommen liegen. S^iefe SuSeinanberfe^ung blieb ntd^t
o^ne etmeld^en ßrfolg^ inbeffen mürbe baS ^raftijiren nod^ lange
fortgetrieben, tro^ ber angebrol^ten l^arten ©trafen, megl^alb bie
Obrigfeit 2lnno 1672, in 2lnbetrad^t, bag ^ber G^rgeig unb bie
99egierbe unter un3 niemalen aufl^orcn merbe," ju bem Sntfd^luffe
!am, ^infort oon ben ©erod^lten nur nod^ ein ^anbgelübbe gu
^) @in Sotin beS Obbenen 3ob* (Sonrab $eQer unb ein trüber
bed Med. Dr. ^onrab ^eper.
18
«ilangeit, baß . Pt ouf rebuke üßdfe ju i^wn ^Sltllen gekommen
fden, —
ade^rert ©tnoffen jun ÄQufteuten, bit fi^ befonbtrS befflEiigt
unb berufen ~fll^eit , t^Sfigen ^nt^eil am dtegitnent jh ne^uien,
inbeffen in ^oiqt afljii jalilrfid^tt Semetber mtnig Hoffnung ^egen
tonnten, genä^It jn raerben, quiltirten bie ©eleQfii^aFt unb enoaiben
Sunftreii^te , buTC^ ml^t STIa^rcgeln fie i^te ^bfiil^ten in turner
3eit erteilten, fo Salomon !peger jum ^feil, Med. Dr. S^rijlap^
$QTbeT unb Slnbtre.
Bei Sefe^ung einträgtit^er ©teilen unb 9Iemter, bit ber
A[Eine_^at£^ nergebtn ^atte, ^errfi^te ein ft^önblic^er SlepotiS^
mvä, btm ft(^ noi^ aHe mBgliii^en Unlauterfeiten btigefeQten. Oft
unb oiel murbe biefer aUigbrouc^ btä amtlit^en 3"trflitenä f^arf
gerflgt, o^ne jeboc^ eine befriebigenbe Mb^ülfe ju erjielen.'Gnbtid^
im ^af)x 1688 nuibe baS tDtittel gefunben, biefem Uniotfen tin
filt aQemol ben Miegcl ju jti^ieben, inbtf^en o^ne bit weitere
@ttD9t|T, fSi bie )u oergebenben ©teilen jeneiCä bie tauglichen
^krfönlic^feiten gu finbcn. @e war bits baS fogenonnte blinbt
800B, loel^efi auf btn Stntrag tineS ©eftUfc^aftSgennfftn jun
Äaufleuttn, beS bif^6f[i^ conftanjif^en Imtmannä $anS Submig
$tqer, eingeführt murbe, meiner alien %nlag ^attt mit ber ^its
figen iSufHjpflege unjufrtebtn jn (dn unb btJTen 3Rigt)anblung auii^
Q)eian(affung bot, bie trbörnilic^tR öfftntli^tn Bi'f^^tbt, ^u|its
rdt^Itc^ im SStnualtungäroeftn , j" nnltvfiii^crt iinb mittelft einer
„iReformatian* umjugeftalten. 3)ie älnnetibung btä Soofta mui'bt
Don ber @eft^gebuitg folgenberraeife ftftgtfltClt : „@S [oUe bae
„Itbig gtnorbene 9lmt ober ^ienfi auf aden @tfellf(^afttn unb
„BOnft"! publijirt, ollborttn oon btntn bie ^ienim ju bitten Sufi
„l^abtn auf einen getoofel, ^trnat^ oon ben ^wi^tn, ober non
„mit nieltn ®eftllf(^often unb Sflnften einzelne bo^in tommtn,
„oor gefeffenem 9tat^ miätnim geloofet, jebo<J^ jusot, in loaS
«Orbnung fie in btn JEBttjlfatT langen foQen, tbtnemtafTtn baS
„S008 gtraorfen, fobonn ber, nieder oor anbern bie SSalgl erlangt,
(b. ^. ou8 btn eingtttgttn ©c^Sc^teld^tn, btrtn jtbea dntn ©pitU
19
PfOminflJ^^S^ badjenige, loeld^ed einen perfUBerten ^[{feninft enthielt,
l^erauSjog) einem 933. 9B. Äleinen Statine IfingjienS innert brei
i^SRonaten nad^ erl^altenem SooS l^ierum nantl^afte SSilrgen oor«
i^gufleQen, gel^alten fe^n foQe/' Di^ne StMnberung blieb bad Soo8,
fo Tonge bte ^ün^tt politif d^e 9ie($te ausübten , rourbe jebod^,
nad^bem baSfelbe nod^ 9[nno 1847 ben SSerl^altniffen einer ges
fammten Silrgergemeinbe angepaßt roorben, laut Sefd^lug berfelben
ben f2. 3Rai 1861 PoUftanbig. bjfdttget.
^erporgerufen burd^ bie obeno&l^nte 9teformation oom ^al^r
1678—1688 flanb ben ©efcttfd^aften unb Sünften ba8 JRed^t ju,
aQjaJ^rlid^ einmal i^lfnterfud^ung anjufteQen, ob in bem Sauf be9
^al^rd ntd^td fe^e pon ber Obrigfeit unternommen ober gctl^an
n}orben, n)eid^eä ben gfrei^eiten ober bem 9Bol^l bed gemeinen
SBeflen, §um ©d^aben unb Slad^tl^eil gereid^t l^abe/ >) ebenfo bie
biedfallftgen 3Bünfd^e l^ieran )u fnüpfen, roeld^e „^xtif)tiV* nid^t
feiten }u unerquidClid^en !!>ebatten fül^rte unb fiberbieS nic^t piel
auflld^ l^atte, ba bie unter bem SRamcn 3wttf t « I)cflberien bem
jtleinen ^atf) unb fpSter bem @rogen ©tabtratl^ ein}ureid^enben
^unbgebungen fe^r oft perein^elt baftanben, mitunter aud^ ben
Sludfe^ungen unb 'SSünfd^en anberer Korporationen fd^nurfhradPS
entgegenflanben unb fo ben 99e^3rben ©elegenl^eit barboten, un^
beliebige ^unbgebungen ad acta }u legen ober mittelft biploma-
tifd^er ^unftgriffe ju umgel^en unb erfolglos }u madden. Urn
inbcffen jebem Sürger ©elegenl^cit ju perfd^affen, feine Slnfld^ten
}u 8u§em, aud^ menu berfelbe nid^t befol^igt ober SBillend fein
fonte^ biefe perfönlid^ porjutragen, mürben auf aOen ©efeQfd^af ten
unb B^nften 9iüger aufgefteQt, meldte bie il^nen geworbenen Sluf::
tr&ge unter Stamendperfd^meigung porjutragen l^atten, eine (Sin-
rid^tung, »eld^e bei ber ©efeUfd^aft pxn ^aufleuten fd^on ^nno
1679 i^ren Anfang genommen l^atte.
«) 3lu« ber JRebe bed Urt(>eilfpre*erd 3. a&r. |»arber bei lieber*
nabme ber 9lÜgerfteUe Slnno 1791.
20
Stnfpred^enber, xotxl realen ©eioinn (rtngenb, TDorett bte Ser^
^anblungen über 9(nntelbungen ^nr ^ufnal^me in bte ©efeOfd^aft,
roeld^e jroar laut ben 3wnftorbnungen in bie §dnbe ber SSorfte^er
gelegt würben^ bagegcn bet ben Aaufteuten nid^t ol^ne BufUmmung
ber ©efeOfd^oftSgenoffen jlattfanben. Urn ben 3ünften eine gins
nal^mSquelle )u oerf d^aff en ^ n>urbe, wit eS fd^eint, Don einer
Sürgerred^tdeinfaufSgebü^r Umgang genomnten, bie bidder in ber
Abgabe etnei ober mel^rerer'jpamifd^e ober aud^ nur in SSeflanb-
tl^eilen oon 9tüflungen beflanb. £ie 9lufnal^m8gebü^r rourbe für
alle 3fi"f7« 8^^i^"iä6ig feftgeflellt itnb betrug jroei $funb $ijtler
unb eine ^rmBrujl im SBert^ von 3 $funb feller. ®obann ^atte
ber Slufgitnel^menbe bem 3unfttneiftcr unb ben ©ed^fen ein SJiertel
beS bellen 8anbn>ein8, bem 3""^««»!^^^ inäbefonbere 2 ß. geller
unb bem ©tubenfned^t 1 ß. §eller ju entrid^ten. 35a bie ©efett-
fd^o(t jun Äaufleuten^ als bie 3önfte eingeführt würben, bereits
ein anfel^nlid^eS SorporationSgut befa§, fo l^ielt man ftd^ bered^-
tigt, ju ber fpdter auf 6 ©ulben tarirten ©infaufSgebü^r nodj
weitere 8 ® ulben als „9lnja]^l an ^iu^en unb SRenten* ju forbem,
meld^eS 9}erlangen mel^reremat auf %[nfed^titngen jlie§ unb fetbfl
obrigfeitlid^e 9tügen unb SBeifungen gur gfolge l^atte. SBei ber
3lufna^me ^eter ©rlad^er'S änno 1461, roeld^er fld^ auf bie
obrigfeitlid^ feflgefe^te ßrinfaufsfumme berief, würbe bemfelben
oerbeutct, bag er allerbingS um 6 ®ulbcn 3wnf^= wwb ©tuben^
redjft erwerben f önne, baß er inbeffen für baS ,, ®tubciuöifi= unb
Suf®elb" attjä^rlid^ 2 ©ulben ju entrid^ten l^abe, worauf ber«
fette jur B^^^ung ber oollcn 16 ©ulben fld^ l^crbeilie^. Sluf
^flngPen 1476 würbe im Äleinen »tat^ befd^loffen ,,bie Äoflüt
im ©rogen SZatl^ angufpred^en umb ba§ fie il^r 3unft einem nit
woQen geben als anber 3ünft t^unb unb ainem SZatl^ barin
ungel^orf am flnb, " eS blieb jebod^ bei ber bisherigen Uebung. 3)ie
Srfd^werung ber SinfaufSgebül^r, oerbitnben mit ben beträd^tlid^en
Anlage- unb Unterl^altungSgelbern, ^aitt unoerfennbar ben ^totd,
ber nunmel^rigen 3unftgefellfd^aft i^ren ISngjl^ergebrad^ten ©el^alt,
burd^ ^Ibl^altung frember Elemente, }u bewahren, ein 93eflreben,
21
rotl^t^ je lauget je mel^r cingel^alten lourbe, inbeffcn crfl nad^
erfolgter Serjid^tleifhing auf bie gcrocrblid^cu Sorred^te jur poHeu
Suhoiddung Yarn.
SOtit SSeginn bed 16. 3<i^^^unbert8 tourbe bie @infaufSgebü^r
auf 9 ?fuub §eller ermaöigl, loal^rfd^eiulid^ weil Dom 3o^r 1500
an neu aufgenommene SSürger an bie @tabt eine @inf au fSgebül^r pon
fl. 4 ju entrid^ten l^atten. ß^rifiopl^ Stimm er, beutfd^er ©d^ul^
meifier pou Surf^aufen, ber Stammpater ber l^iefigen ©timmer,
mar tnbeffen ber te^te, bem um biefen betrag, SontagS na^
Seon^arbi Slnno 1535, baS ©efeUfd^aftSrec^t pertiel^en mutbe.
93ei (Erneuerung ber 3"nf Briefe im Sal^r 1535 würbe bie
BunftenperbungSgebül^r unter SSeibel^attung ber üBeinfpenbung unb
ber @infd^reibgebül^ren auf 8 ©ulben gefegt. a)lid^ae( Sggen«
florfer, ber le^te 9lbt Pon 9ltter^eißgen , mar ber crpe ©efells
fd^aftSgenoffe, ber um biefe ©ebül^r aufgenommen rourbe (1537).
SKnno 1536 rourbc bie Sürgereinfaufögebül^r berjenigen für
bad Bunftred^t gleid^ gefegt, b. 1^. auf ben boppelten SSetrag erl^S^t.
9Bie ed fd^eint, mar bem frül^eren S3ebürfni§, burd^ Sürgerauf-
nal^men fid^ }u ftSrVen, POÜVommen @enflge getl^an, medl^alB benn
aud^ pon ba an fomol^l bad Sürgerred^t aid bad 3unftred^t l^ö^er
tarirt mürben. 3)ie ©efeUfd^aft gun ^aufleuten, nad^bem biefelbe
bie 93erpflid^tung, aud^ bie ^^Srber unb Sleid^er aid ©enoffen }u
betrad^ten, einfad^ au9 bem Bunftbrief geffarid^en, fam feiten mel^r
in ben gfaK, il^r Stubenred^t }u perlei^en. Sejüglid^ ber S^nn^s
perleil^ung rourbe 9lnno 1557 befd^loffen ,,fo einer bie 3w«f^ wnb
©efcOfd^aft wolle foufen, foITe er erfttid^ 10 ©ulbin gen unb fo
pil ©elb, aid ein Sedier uff unfer ©efcOfd^aft roert^ ifl.''
3Jon biefer 3«t an rourbc bie (ginfaufdgebü^r immer gePeigert.
$lld $lnno 1612 @r^arb ®to!ar um bie Slufnai^me einfam,
rourbc erfannt, bafe er ber ©efcHfd^aft ,, geben foHe fl. 36.
6 lif d^tüd^er unb brei g)0/^et 3:ifd&^roe]^elin ; ^ pon bem ©efud^,
mit i^m aud§ beffen ^inber aufjunel^men, rourbe ^aud beroeglid^
Urfad^en^ Umgang genommen unb biefe Slngelegenl^eit )u pertagen
bef(^loffen ,ybid fle ju i^ren ^af^xtn fommen.*
22
@metn Sunfer ^tinxi^ Subioig Xfd^erntn aud 99ol^men
rourbc, uncrad^tet bet ^jlarfcn gürbttf feines taufpatl^cn SedteU
meifter ^an« 3a!ob ^it%Ux, bie Äufnal^me in bie ©efettfd^aft
SKnno 1644 nici^t anber« bewittiget) alS bag er ^tefür ,,100
©ulben baareä ®clb, 12 ptbeme Xx\^it^tx, 1 lif^lod^en/ 12
tifd^jroel^eli unb 1 ^^u^enb ginnc tetter'' einliefere. Ueberbie«
murbe im $rotofoQ bemerft, ba§ man ;,ind!ünftig gegen anbere
nit babei bleiben, fonbem ein SKel^rereä forbem rterbe.'' „^tx^
fommen, fci^Bne SKittel unb oortrefftid^e ©tubien^ galten^oTs
befonberc ©mpfel^lung bei gefiellten Slufnal^mSgefud^en. Diefe
@igenfd^aften „nebfi oielen anberen Dorjüglid^en perfonal'duali-
täten" würben bem 9lnno 1729 aufgenommenen 3o^anneö
©runner beS States, poh !Die§en]^ofen, jugefd^rieben, weld^er für
baS ©tabtbürgerre^t fl. 4000 gu bejal^len l^atte unb für bie
2lufna]^me in bie ©efeUfd^aft einen filbcr^pergolbeten ©ed^er, 2
3)u^enb pibemc Soffcl, SWeffer unb ©obeln nebfl 4 ftlbemen
®al^büd^3lein überreid^te, ein ©emid^t oon 248 Sotl^ reprafentirenb,
weld^e ©aben auf fl. 351 geroert^ct rourben.
^ad ©efheben, ber ©aterflabt nü^lid^e Gräfte ju gerainnen
unb )u erl^alten, beftimmte bie ©efeOf d^af t, ben au3 ©af el wegen
ber ?5ejl l^iel^er berufenen Med. Dr. Sol^anneS ©creta oon
3aDor)i3, au3. ©oilmen, Slnno 1637 mit Srt^eilung beS ©e-
fellf^aftired^td ju el^ren, nad^bem er bereits mit bem @^renbürgers
red^t ber ©tabt begabt werben.
®o coulant bie ©efeUfd^aft bei (Srtl^eilung beS ©efeUfd^aftS^
re<l^ts mitunter aud^ war, ebenfo ^a^e l^ielt fie an il^ren 9?ed^ten,
wenn fie biefelben beeinträd^tiget glaubte. ®o ). ©. als i^r oon
bem Äleinen :iRatl^ jugemut^et würbe, mit ben 3^"ftttt ju toofen,
weld^e oon ben eilf Korporationen bie oier l^interlaffenen ©öl^ne
beS ©eibenfabrifanten 2lol^ann 3a!ob Seber, gebürtig oon
^irfd^lanben, oufjunel^men l^abe, ba beren ©ater bei ber (Srwer-
bung beS ©ürgerred^tS biejenige eineS Bunftred^tS unterlaffen ^atte
unb nunmehr feine B^nft ftd^ geneigt }eigte, biefelben aufzunehmen.
3n ber beSwegen eingereid^ten ^roteftation würbe bem 9tat]^ inS
23
93ebenVen gegeben, toie bie ©efeSfd^aft gun jtaufleuten feit mel^r
als einl^unbert ^fal^ren iJ^red 3""f^9^^^^^^ P^ begeben unb baburd^
bie $rarogatipe einer abeiici^en ®efeUfd^aft erlangt ^abe. 9iad^bem
bie ©efcllfd^aft pon Seite bcr ^m\tt aUertei miöbeliebige 58or=
^alte entgegen nehmen ntugte unb ju ber ©eroigl^eit gelangte, bag
fle in biefer Slngelegen^eit ben jtürgeren {teilen werbe, fo refoloirte
man^ fic^ im Sid^tme§bot 3lnno 1759, einen ber ©ebrüber, (&ffxU
flop^ 9Beber, Kaufmann, bamaliS in Senebig flc^ auf^altenb,
o^ne Söo§ awfjunel^men, inbeffen unter ber Sebingung, baft man
bie ©cfellfcljaft fortan bei i^rer „93erfaffung rul^ig ©erbteiben* laffc.
®o oiel über bie (Snoerbung bed B^nft« unb (Stubenred^tiS,
meld^eS man inbeffen aud^ verlieren tonnte, n>enn nSmlid^ ©öl^ne
Don ©efeQfd^ftdgenoffen, bie ba§ Snred^t l^atten, xotnn fle felbfl^:
fldnbig gemorben, als ©enoffen aufgenommen )u merben, ein ©eioerbe
erlernten, roeld^ed bie (Sinoerleibung in eine ber beflel^enben ^anb«
»erfer-Bflnfte erl^eifd^te, ober aber, ebenfalls nad^ ben ©a^ungen
bed BunftbriefS, menn ein aRitglieb „2|a^r unb %a% o^nt reblid^
®ad^ oon ber Stabt ifi unb oudb in bemfelben 3abr ber Bw^f*
unbienftbar ift, ber l^at bie Bunft oerloren unb ob er bomt nieber
barin fommen wollt fo foH er bie B^^ft foufen att einer, ber fl
erjl fouft.'' SKbfenjen innerl^alb eines Sal^rö unter obigen Um«
flonben i^attm eine Bwwftemeuerungdgebttl^r jur gotge, für weld^e
in biefem gaU 8 ©drilling fetter bejal^lt werben mußten, gflr
bie Bwnftemeuerung l^atten ©ö^ne oon ©efefffd^aftögenoffen hü
i^rer Slufna^me' laut Bunftbrief oon 1535 nur bie Abgaben an
bie aSorflel^er unb ben ©tubenfned^t, wie pe bei Aufnahme neuer
SRitglieber oorgef daneben waren, gu entrid^ten, wobei ber SBein
bie i£)auptrolIe fpielte. Sei ber in neuerer ^dt eingefd^lagencn
9tid^tung würbe aud^ biefed ,,$rSftanbum'' in ©elb umgewonbelt.
24
demerbemeren*
6in ^mupt|)unft bcr äu^iftgcrcd^tfamc bilbctc bic SHIcinbercd^s
tigunj jur SluSübung bcr Äaufmaunfd^af t , innerl^alb bcr nid^t
bcm offenen ÜRarft eingeräumten ^6t, 5)ic Äaufmannfd^aft war
eS, bie bcr ©cfettfd^aft il^re Gntflc^ung unb ben 9iamen gab.
©d^on in ben frü^eflen 3^^*^" g«no§' bie Innung bcr Äauffeute
gleid^ ben übrigen ©ewerben bcr §anbroer!cr obrigfcitlid^cn ©d^ut?,
inbem bie attl^ergcbrad^tcn 9?cd^te bei Slufflcllung ber 3i^nf^6riefe
als befonberer Xl^cil in biefelben aufgenommen mürben. 5>ie Äaufs
mannfd^aft bcf^rSnfte ftd^ bamalS auf ben 95erfauf gefärbter,
namentlid^ roottener Z^^tx, ©cibcnpoffc u. bgl. , bie nur bie
eigentn^^cif^auftcute auSmeffen unb oerfaufcn burften, ober wer
oon benfelben bit ©cred^tigung l^ieju crmarb. 3)ie 3wwftbriefe
brödfen fld^ folgenbcrweife au8: „Q% mag oud^ ein jeglid^er bcr
in ber 3wnft ift aHeS gefärbt ©ewanb fd^niben, baffclb ifi aber
Ärämem, ©d^nibem unb jebermann oerbotten, e§ märe bann, ba§
einer ben ©croerb foufte, fo mag er oud^ rool^l aOeS gefärbt
©ewanb fd^niben, be§g(eid^en ©ammat, Tamafl, ©d^amlot, 9lttla§,
5:affent, Slrrafe unb barju aller ©attung ^arifers ÜRailänbifd^unb
^rrafe-^üt. ** ^ I)iefelben ^t(l^tt mürben aud^ ben fremben Äauf«
leuten an ben ffiod^ens unb 3al^rmärftcn eingeräumt. SBer ben
©ewerb fauft, foQ ,,;u ben ^eiligen fc^wbren ben ©ew^u
triben ju offnem ©aben unb nit in ben SBBinfeln unb §üfem.
3lber einer ber bie 3unft ^at, ber mag i^n triben offentlid^ ober
l^eimlid^. "
(Eingriffe in bie SRed^te unb SBefugniffe ber 3wnft fonnten
bie Äaufteute mit 10 ©d^iffing §eller bügen. SBlit berfelben ©uge
foH belegt werben „weld^er einem 'Jud^ einen aubem Flamen bann
ba^er e§ ift, giebt." 9luf bie^Oeffnung ,,be8 ©abcnS burd^ faufenS
uiib ocrTaufcnö willen* an ben ©onn= unb geiertagen war eine
©träfe oon 1 ©drilling §eller gefegt.
») 3ufa6 oom 3abt 1535.
25
5ür bie ßrrocrbung beä äuwftgctoerb« mußte bcn Jtauftcutcn
2 ?funb §cffer bcjal^lt werben, fobann bem 3wnftmeiftcr 2 ß
unb bem ®tubenbiener 1 ß. Ueberbie§ waren bie Sorfle^er mit
einem Siertcl fianbmein ju regaliren.
^a^ jä^rlid^e Unterl^altungdgelb betrug 16 Pfenning unb
würbe ade ^^ronfaflen bei ben @ewerbegenof[en eingebogen, bie
begl^alb gronfaflner genannt würben. 3m 3ö^r 1428 waren 11
^erfonen ber Äaufteutejunft affiliirt, weld^e ^af)i mitunter biö auf
baä doppelte ftieg. Siä jum 3a^re 1637 madjte bie ©efettfd^aft
}un ^aufleuten pon bem il^r ^uftänbigen ©ewerb^red^te ©ebraud^.
am 26. SRoDember gebadeten 3a^reS würben biefe JRed^te fallen
gclaffen unb befd^Coffen: »^fürl^in bie ^^onfaftcns unb ©ewerbgelber
nit mel^r einiujiejen^ weil eS fö ein fd^led^t X^un barumb" unb
bamit bem Streben, in ben 9tang einer abclid^n ©efettjd^aft
oerfe^t ^u werben, bie erfle offentüd^e $ulbigung bargebrad^t.
Wtffv- mh /ronbtenßpfltil)t.
2?on ben Siedeten ber ©efeHfd^aft ju ben ^ftid^ten berfelben
überge^enb, begegnet man gunad^fl ber 3)li(itarbienftpflid^t , als
einer ber erjien Cbtiegeul^eiten beS S9ürgefä'," wcld^c oön allen
ffie^rfäl^igen perfönlid^ geleiflet werben mußte unter Tarfe^ung
von Seib unb Seben. 3Ba^renb cor ©infii^rung ber äwnftoerfaffung
bie benöt^igte ^riegdmannfd^aft ol^ne 33erild(ftd^tigung ber ©ewerbe
aus ber ©efammtbfirgerfd^aft auSgel^oben würbe, weld^e ^u biefem
93e^uf in 4 Sludjüge getl^eilt war, würbe bie @int]^eilang unb
SluS^ebung ber SBlannfd^aft je^t ben fünften übertragen. I^ie
3unftbriefe befagen über bie SKilitärbienflpflid^t folgenbe«: „®8
foil .ou(^ jeglid^er 3wwftmeifler unb fin ©ed^S fin 3unft tl^eilen,
fo man reifen wiQ, baß f^ bann getl^eilt ftnb unb il^ren ^amifd^
l^aben. äBare aber, baß einer nit fal^ren. (auSjiel^en) mod^t oon
Äranfl^eit wegen flnS SibS, ber foU bann (fpater) reifen" nad^
(Srfanntniß ber SBorftel^er. ^2BaS bie ©erjel^renb, benen uffgebotten
26
xüixh, e8 f^e bag fte uSfa^renb mit $arnifd^ ober fufi, bad fonb
bie, bte bal^eim blibcn flnb, l^clfen gelten.* 3)ic SBe^rpftici^tigen
iDurben bei einer Süße von 10 $funb geller jum lluSjug aufgeboten
unb felbp bieTBJittfrduen fonnten jur ©tettung Don iSötbnern
oerpPiajtet werben, pon welcher SSefngnife auf ber Äaufleutfhibe
fel^r oft ©ebraud^ gemad^t rourbe. 9(ud^ in 99etreff ber Sßei^rpftid^t
^aben bi^ ©efettfd^aftägenoffcn ber SSaterflabt erfprießlid^e 3!)ienfle
geleiflet unb bic @]^re unb SBo^lfal^rt berfelben ju förbem ge^
trad^tet.
S3ei ber dlteflen üBaffentl^at, beren Xl^eilnel^mer bie ©efd^id^te
und aufben}a]^rt l^at, nömlid^ ber B^^f^orung bed 9?aubfd^loned
©wottingen auf bem ©d^roarjroalb SKnno 1370, finben fid^ inel^rerc
ber it'aufleutftube einuerteibte @efd^(ed^ter , 9lögeU, ^od^ unb
^ron, Dertreten. Son ber ®d^lad^t bei @entpad^ ftnb bie Flamen
ber @rfd^lagenen inbeffen jiemlid^ unjuoerlaffig aufge^eid^net, unter
benen feine Angehörigen ber ©efeUfd^aft erfd^einen; bagegen perlor-
biefelbe au SRafeld «nno 1308 Ulric^ ©olbfd^mib unb an ber
aBolfä^albe «nno 1405 ©einrid^ ©olbfd^mib, bie öorfa^ren
ber pon äBalbfird^.
9lld bie §erjoge oon Cefterreid^ 9[nno 1454 indbefonberd
barauf todgiengen, bie ©tabt ©d^affl^aufen nwt ©enialt roieber
unter i^re SBotmägigfeit ju bringen, würbe 9lffem aufgeboten, um
ber ©tabt i^re ©elbflftanbigfeit ju crl^alten. 3)ie gefammte SBürger?
fd^aft bewaffnete fid^ unb für bie Dienftunfal^igen unb Sittwen
würben ©ölbner bepettt üiad^'bemlBorbilbe ber Södte in 3ürid^
bilbete fi^ unter Slnfü^rung eined Äauf teutflüblerd , Hauptmann
$eter Slünojtgfter, bem 14 feiner ©enoffen jur ©eite jlanben,
ein ß^orpd oon gfreimilligen, 97 SJlann flarf, mit geuerbüd^fen unb
^aHebarten bewaffnet, bie jtd^ bie 9lufgabe jieHten, aid SSorfampfer
bei ber Sßert^eibigung ber SSaterflabt i^ren üRitbürgem mit gutem
93eifpiele ooranjugel^en. Slid ©^mbol il^rer Sereinigung führten
fie ein „Södflein* im fanner. $and g'^ii^^olb, ßonrab
©dowager unb ^einrid^ SBarter, Se^terer oon ber Äaufs
leutjhibe, würben aid »yOberfls^auptleute über gemeine ©tabt*
27
ernannt, mit mSgttd^fl auSgebel^nten Sodmad^ten. ^urd^ ben
9lbfc$(u6 cincä Sünbniffc« mit bcn Gibgcnoffcn am 1. 3uli 1454
würbe ber Belagerung fd^neQ ein @nbe gemad^t unb bie brol^enbe
©efal^r ol^ne SlutDergtegen pon ber ®tabt abgeroenbet.
Sßenige SRonale fpSter (§reitag^ Dor ^at^rina) mar ben
©rafcn Don ®u(j ein bewaffneter 93efiid^ jugebad^t. 3!)ad Kufgebot
mar nur Kein, roeSl^alb bie ®eno|len ber Äauf(eutflube mit ber
3unft jun ©d^neibem einen gemeinfdjaftlid^en 9teiferoagen auS^
rüfhten. SereitS mar berfelbe, mit ^roüiant u. f. w. bepadft, ben
9(uSgejogenen gefolgt, als ©efel^l jur Umfe^r eintraf, worauf bie
Angelegenheit burd^ ©olbner abgemad^t mürbe.
Ueber bie Surgunberfriege ftnbet fid^ nid^t« oon befonberer
SBebeutung bejüglid^ ber ÜRitglieber ber ©efettfd^aft oerjeid^net.
^er Slufbrud^ nad^ ©ranfon ^uff ÜRanung bero oon Sem"
gefd^al^ greitagö oor ©t. SWatl^iag Sag 1476. Ueber bie SBal^l
bedSBill^elm oongfulad^ }um jpauptmann bed AuSjugS mürben
befeibtgenbe Sieben ausgeflogen, meldte weitere ^nfuborbinationen
oeranlaiten. Unter ben vielen $lnge(lagten befanb fid^ aud^ ein
©ol^n beS Slewi oon @id^ unb ber junge ^fluger, benen
jebod^ gletd^ bem j£^omaS Oflertag „xffx ^^reoel nad^gelaffen
würben, Urfad^, baß fie mit ber fanner im %tli gewefen finb. "
äJlit ben äOSel^rpflid^tigen ab ber Itaufleutfhtbe jogen aud^ 4 ©ötbner,
bie oon ben 3wrüdtbleibenben auSgerüjlet würben. 9ln biefe 9lu8=
rufhingen gaben ^eter ^it^ltx, ein „ jlurf ettli, ^ jwei Strmjüg
unb )wei ^anbfd^u^e, $anS®ämpein „i^obt^arnafd^,^ Sonrab
Sorter ein ©oller urtb 1 ÄrebS, §artmann Äeller ein fragen,
$anS 93a4 gwei Strmjüge unb $eter ©d^upp ein „^opt^
l^arnafd^,^ ein ÄrebS, ein ©oller, jwei Strmjügc, jwei Sttngs
l^anbfd^u^e, eine ^aUebarte unb ein ©treitbeil ; baS t^el^lenbe würbe
aus ber Siüflfammer ber ©efettfd^aft unb auS bem ^tncjf^au^ tnU
le^nt. ©ie Stnlage für bie gelbjugSf often nad^ ©ranfon unb SJlurten
betrug bis 13 $funb ^ller unb mu§te t)on ben S^al^eimgeblie^
benen entrid^tet werben. Die SBittwe Soor, nur mit einem ^funb
belegt, blieb 10 2|al^re l^tnburd^ ©d^ulbnerin ber ©efetlfd^aft.
28
Wlit ber Slufna^me ©d^aff^aufend a(8 jmolfter Crt in ben
93unb bcr ©bgenoffcn (1501) erfreute pd^ bie ©tabt eineä fraf=
tigen ©d^u^eS, ed enoud^fen berfelben aber aud^ neue Sorgen,
^aum l^atte fie fld^ in i^re neuen 93er]^S(tniffe eingerool^nt, al§
i^r fd^on ©elegenl^eit geboten würbe, bie bunbeSbrüberlid^e Zreue
gegenüber bem @tanb Uri an ben ^ag ju legen, roeld^er niegen
ber Don Äönig Subroig XIL t)on gronfrcid^ geforberten 3urüdfgabe
Don 39eUen) bie @ibgenoffen urn ben)affnete $ü(fe angieng. äRan
}og aud^ roirVIid^ auS, aUein e^e bie ,^rieg§6en)egungen jum doK-
ftanbigcn SluSbrud^ gelangten, tDurbe ^^riebe gefd^lofjen unb bie
©raffd^aft Seilen j ben Urfantonen abgetreten (1503).
Tiefer Sclbjug foflete bie ©cfetlfd^oft gleid^ bei Scginn 44
©ulben 1 $fuub 8 ß, 3 §etlcr, oon rocld^er ©ummc bem ^aupts
mann Sernl^arbin^e^cr ft. 20 beim 32ßegjie^en jur 33erfügung
gepellt würben, baS übrige ®elb l^attc bie 2lu8rüpung erforbert.
@ä mürben 2 ^ferbe gefauft, oon benen baS eine auf 8Va ©ulbcn
unb baä anbere auf 5Va ©ulben ju pe^en fam. 3)ann mußten
Saumf Otter liebP ^\xii^'6x\>t, namentlid^ 2 oerfd^liegbare ^Segenlen"^
angefd^afft werben, in benen allerlei ^rooiant u. f. w. mitgefü^rt
würbe, nämlid^: 2 ÜRutt Äernen, IVa äßutt $aber, für 13 /?
„©d^malj umb SrpieL ju röpcn/' für 12 ©drilling minuS 2
^fening ©alj, für 12 /3 faring unb für 4 ß „Sollend ©obann
£er}en unb ©d^wefel, etwas $uffd^miebwerf)eug u. f. w. ^Item
$er(ommen gemag würbe ben SluSjiel^enben ein $(bfd^ieb§trunf
gereid^t, fowie bei ber 3uvüdffe^r ben ©illfomm, wcld^er bei glüdts
lid^em Grfotg nid^t feiten in ein förmlid^eS gepma^l übergieng. *)
3lo^ ip ber burd^ ben oor^errfd^enben Uebermut^ unb bie
oernad^läfpgte 2Ba(^famfcit erlittenen 5Ricberlagc auf bem ©übel
ben 24. Cf tober 1531 ju erwdl^nen, wol^in ©d^aff^aufen ben
•) 1490. w3tem aber uffgebcn 12 ß. aU bie fölbner oer^arttenb
aU fp ain loeg looQtenb, ju bem morgen brott, aber bab icb uffgeben
12 ß alö man 3n fdjanft bo fp wiber fommen oon St. ©aüen."
„3tem mir fonb (Slaufen unferem €tuben!nc(bt 2Vi S unb 16 $flr
bp bemuRaal bo mir oon SBalb famen; 1 S* 3 ß aL$ mir oon ffiilcbingen
fomen bo ber ($rib anging." 1449.
29
3ürid^ern mit 350 SKanu unb 4 ©türf ©efd^ü^en ju $ü(fe jog.
9Son ber Äauftcutflube wohnten biefem ?:reffen bei: Seat SBagen^
i£)auptmanu über bie ©efd^ü^e , granjisfuä S^h^Ux, Sieu=
tenant, §anä Süti unb ^einrid^ ^e^er nebfl 5 ©ölbnern.
granjiäfuS 3i^9^«i^ trof mit 14 ÜRitbürgem ba3 8oo8 ber
©efangenfd^aft unb mu§te mit p. J3 gelöst werben.
9?on ba an trat eine ^t\i ber 9?ul^e ein, bie nur bann unb
roann burd^ $ü(ferufe geflort mürbe unb Seranlaffung gab, bie
SSaffen gu ergreifen, §. S. 3lnno 1587 megen auSgebrod^enen
SürgerfriegS ju ÜJlül^d^aufen, ju beffen Unterbrürfung oon ©draffs
Raufen 300 9Rann unter Hauptmann 99artl^o(omauS Cf d^malb
abgiengen, fobann Slnno 1633, jur ^tit beS SOjo^rigen ÄriegS,
unb Slnno 1718 megen beä 9luf{ionb8 ber 'SSBitd^inger. Unter
biefen SSerl^oltniffen gieng boä 3ntereffe für boS 5Be^rmefen oöHig
unter unb eS artete baSfclbe jur btofeen Spielerei auS, bie fld^ in
Srrid^tung eines fogenannten ^reugen^ ober grei-6orp8 unb in
9lb]^aTtüng''entfpred^enber ÜRufienmgen gefiel. Söegen ber Dielen
Sorgen, meldte bie nad^ aller Ferren Sänber geformten Corps
gu befe^en barboten, erfreuten fid^ biefelben einer großen Z^txU
na^me, um fo el^er, als bie einmal erhaltenen Xitel auf SebenS^
bauer blieben.
3n fremben ÄriegSbienften mürben mand^e ©enoffen ber
©efeÖfd^aft gu l^ol^en ß^argen beförbert unb mit Serbienflorben
gefd^mürft, fo namentlid^ Sol^anneSStietmann, roeld^er gleid^fam
oon ber $ique auf btente unb, nad^bem er guerfl in foniglid^
nieberlanbifd^en I)ienften gefianben, Slnno 1737 in ^iemont baS
SreDet eines ©eneralS empfleng.
Sine l^armlofere SSerpflidJtung, meldte gu erfüllen allen ©ürgern
oblag, mar biejenige beS ^SurenS^ ober gronenS, meldte groar
oon Seite ber Äaufleutfhibe, wenn eS immer angieng, auf frembe
©d^ultern, felbfloerflonblid^ gegen ©ega^lung, gelegt rourbe.
30
9(U e8 ^^ Slnno 1449 barum l^anbelte, meistere j^iufer
am Romberg ab^ubre<i^en, bamit möglid^er SEBetfe ber ^einb nid^t
0011 benfelCehlBeft^ nel^nten unb bte ®tabt oon ha aud fd^abigen
fonne, ooQgogm laglo^ncr bic ^^onarbeiten, cbenfo Snno 1454
bei Erbauung cincS Söc^rt^urmS am 8tl^in, ober 3lnno 1472,
al8 bie Sürgerfd^aft bei ©rbauung ber ®t. 3o^anne8 ^rd^e ju
Sronbicnflen angehalten würbe. Sei bloS oorüberge^enben gron^
leifhingen in gfolge flattgefunbener (SinSfd^erung oon ©ebSulid^feiten,
mit benen si(S^^i<$ bie Sewad^ung ber ^euerflatten oerbunben roar,
unterzogen fid^ nur wenige @enoffen biefer balb ermilbenben ^flid^t
unb fanbten ©teHoertreter, j. 8. Slnno 1480 „al8 boS ©djroarj;
t^or oerbrunnen roar/ ^nno 1489 bei ber Einafd^erung bed
$aufeS bed $eter @d^upp unb bedjenigen bed 99ifd^ofd in ber
i^orflabt, roeldje im gleid^en ^a1)x ein 9iaub ber gffttntmcn rourben.
3ur Segleitimg bed Sürgermeifterd an ber ^®ruberfUroi/ ju
roeld^er jebe (Corporation einen ober mel^rere @el^arnifd^te.)u fleOen
^atte, gaben fid^ bie iSaufleutflübler nie ^er, fonbern liegen ftd^
jeroeild burd^ ^ngefieUte oertreten.
Sei Unternehmungen, bie geeignet roaren, bad 3ntereffe ber
Sürger gu feffeln, festen bie ©enoffen gun Äaufleuten eine 6^re
barauf, bie fronen, roenn ed immer angieng, perfdnlid^ gu oer-
rid^ten. 3)iefed roar ber ^aVi, aid Im Sal^re 1524 ber ©raben
am Smmerdberg erfleQt rourbe, an roeld^em ber £our nad^ aQe
3ünfte arbeiten miifeten, ^9teid^ unb Slrm . . . Pfaffen unb Sapen,
. . . unb roenn ain >9{id^er ntt roerfen roott, fo mod^t er ain
^ned^t l^an unb mufft fetber od^ barbi ftn unb mufft gulugen,
ba§' ed red^t gugieng^ 2c. $and ®tofar, and beffen Zagebud^
biefe üRitt^eilung entnommen ifl,.bemerft oon fid^ fetbfl: „unb
roerfet id^ an bem SursäBerf , bafe id^ fie (bie Slnfhengung) an
brei S38ud^en empfanb."
^adfelbe Serfal^ren rourbe eingeölten, aid bie Saute ber
fleinemen Stl^einbrüdCe Snno 1585 roieber in Angriff genommen
rourbe, um bie nod^ fe^lenben groei S)rittl^eile gu ooQenben, eine
Arbeit, roeld^e 26 IJa^re ^üt erforberte, inbem biefelbe erfi
31
%nno 1611 6eenbet tourbe. ©omo^l §ur 93elo^nung bed t$lei§e8
a(8 jum fieten Slnbenfen an bic langröicHöie Slrbeit, fa§tc ber
SRatJ^ ben 6ntf<iJ(uB, jebem Sfirger, aud^ jeber SSBittroe fortan auf
^ftngpen 1 5Ka6 333ein uub I ^funb ©rob gu oerabreid^en. Ttx
©efeUfd^aft gun Äanfteutcn würben auä bem "iParabieferamt aU-
ja^rtiii^ alS betreff ni§ biefer ^fingftgaben 1 ®aum 3V, 6imer . .
rotten unb 3 gimer 2 33ierte( weisen ©ein üerabfotgt ^tnn baS \
^orabicferamt burd^ einen (SefeHfd^aftägenoffen oerroaltet würbe,
fo gait aid Siegel, bag bie ©efeUfd^aft wSl^renb bef[en ^mtsbauer
i^anio^rlid^ 1 6imer rotten 3Bein ine^r ju forbem l^obe." I^ie
©efellfii^aftdmitglieber fd^einen auf biefe ©aben infoweit oergid^tet
gu l^aben, aid ber rot^e 9Bein ber Xour nad^ oon einem ^oxi
gefegten begogen würbe, weld^er ^tefur 60 jtanten 9Bein gu fpenben
^atte, ber wei§e 9Bein, gu gwei jtreuger bie äRag tarirt, gel^orte
bem Pfleger, weld^er ^iefür 28 Tanten gewö^nlid^en äBein ober
aber fl. 3. 44 fr. gu vergüten l^atte. %td bem fernen mugte
ber Satfer 340 ^funb ©rob an ben tifd^ ber ©efeöfd^aft liefern.
Cbfd^on bie fleinerne 99rücte fd^on $[nno 1754 in t^olge Dor-
genommener ©d^u^magregeln (gu @unflen bed ®tanbed B^^i^)
eingürgte^ würbe ber ^ftnßjlwein nod^ im ^a^xt 1786 ol^ne
weiterd oerabfolgt ! 0
3u benjenigen Einlagen, weld^e bie ©efedfd^aft gun ^auf«
leuten mit ben übrigen @enof[en in Serbinbung brad^ten, gS^len
indbefonbere aud^ bie ürd^Iid^en geierlid^feiten bid gur Sieformation.
S)iefed war namentlid^ bei ben ißrogeffionen ber gall, berjenigen
am ($ronIeid^namdfe{l unb auf (Sxaubi, an weld^em Za% bie ftapede
in Sruber Ulrid^d i^öfli mit jtreug unb §a^nen befud^t würbe.
') ^rotoloQ'StudjüQe bed la ^abrbunbertd im 9ert6 bed ^unfer
Obberm 3. 6. ißeper, alt Sürgermeifter.
30
9(ld eS JH^ 9(nno 1449 barum l^anbelte, mel^rere i^Sufer
am Romberg aiiixtxtdftn, bamit möglid^er SEBeife ber ^etnb nid^t
Don benfelEen ^efi^ nel^men unb bie ®tabt Don ba aud fd^&bigen
fönner^öttjogm laglö^ncT bie Fronarbeiten, ebenfo 3lnno 1454
bei Srbauung eines äBe^rt^urmS am SRl^ein, ober Snno 1472,
als bie Sürgerfd^aft bei Srbammg ber @t. ^Jol^anneS ^r<i^e ju
gfronbienflen angehalten mürbe. Set blo8 oorübergel^enben ^ron^
(etftungen in golge flattgefunbener @inif(j^erung oon ©ebSuIid^feiten,
mit benen jngleid^ bie Semad^ung ber ^euerfldtten oerbunben mar,
unterzogen fid^ nur menige @enoffen biefer balb ermübenben $flid^t
unb fanbten ©teHoertreter, j. S. 9lnno 1480 „al^ baö ©d^roarjs
tl^or oerbrunnen mar,* Slnno 1489 bei ber (Sinäfd^erung bed
$aufed bed $eter @d^upp unb beSjenigen beS Sifd^ofd in ber
^^orflabt, meldte im gleid^en Sal^r ein 9taub ber flammen mürben.
3ur Segleitung beS SürgermeifterS an ber y,93ruberfilmi,^ ju
meld^er jcbe Korporation einen ober mel^rere ©e^arnifd^te.ju flellen
^atte, gaben fid^ bie ^aufleutflübler nie l^er, fonbern liegen ftd^
jemeild burd^ ^ngeßeUte »ertreten.
Sei Untemel^mungen, bie geeignet maren, baS 3ntereffe ber
Sürger }u feffeln, festen bie ©enoffen gun JSaufleuten eine 6^re
barauf, bie fronen, menn eS immer angieng, perfdnltd^ gu oer^
ridjten. 3)iefe8 mar ber gaH, al8 im Saläre 1524 ber ®raben
am SmmerSberg erflellt mttrbe, an meldbem ber 7our nadb aQe
3ünfte arbeiten mußten, »9teid^ unb 9lrm . . . Pfaffen unb Sapen,
. . . unb menn ain 'Stid^er ntt merfen mott, fo mod^t er ain
^ed^t l^an unb mufft felber od^ barbi ftn unb mufft gulugen,
baf'eg red^t gugieng" 2C. $an8 ®t of ar, aud beffen 7agebud^
biefe ÜRittl^eilung entnommen ifl,.bemerft oon p'dj felbfl: „unb
merfet id^ an bem SursäBerf , ba& id^ fle (bie Stnfirengung) an
brei S38ud^en empfanb.*
^aSfelbe Serfal^ren mürbe eingel^alten, al8 bie Saute ber
fleinemen 9t^einbrü(te Stnno 1585 mieber in Eingriff genommen
mürbe, um bie nod^ fel^lenben gmet S)ritt]^eile )u ooQenben, eine
Slrbeit, meldte 26 ^oi^xt ^tit erforberte, inbem biefelbe erft
31
%nno 1611 beenbet tourbe. ©oido^I )ur 93e(o^nung beS ^^leigeS
aU jum fielen _9lnbcnf en an bic fangrölenge Arbeit, fa§te ber
9iat§^ben 6^ntf(i^(iiB, jcbem Bürger, aud^ jcber SBittroe fortan auf
^fingpen 1 3Ma6 333cm uub 1 ^funb ©rob ju Derabreid^cn. Ttx
©efeUfd^aft i\m jtaufleuten rourben au§ bent '^arabieferamt aQs
jo^rliiij ols S9etreffni§ biefcr ^fingftgaben 1 ©aunt 3Va ©inter
rotten imb 3 ©irner 2 Siertel weifecn ©ein ticrabfolgt. SSBenn bag
^arabieferamt burd^ einen ©efeUfd^aft^genoffen Derwaltet tourbe,
fo gait a(g 9{ege(, bag bie ©efeQfd^aft wal^renb beffen ^mtdbauer
,,allid^rltcl^ 1 (Sinter rotten SBein tnel^r )u f orbern l^abe.'' ^ie
©efeOfcl^aftSntttgUeber fd^einen auf biefe ©aben infon>eit Derjid^tet
in ffaitti, aid ber rotl^e 9Bein ber £our nad^ Don einem ^on
gefegten bejogen ronrbe, »eld^er ^iefür 60 Xanten äBetn ju fpenben
^atte, ber raeige 9Betn, ju itotx Xreujer bie SDtag tarirt, gehörte
bem Pfleger, weld^er ^iefür 28 Äanten gctoö^nlid^en 3Bein ober
aber fl. 3. 44 fr. }U Dergüten ^atte. %td bem fernen mugte
ber ©ätfer 340 ^funb ©rob an ben tifd^ ber ©efeOfd^aft liefern.
Dbfd^on bie fhinerne Srücfe fd^on Slnno 1754 in JJolge oor^
genommener @d^u^ma§regeln (ju ©unflen beS ®tanbed Bürid^)
eingürjte^ lourbe ber ^nfljhoein nodj im Saläre 1786 ol^ne
tt>eiter3 ocrabf olgt ! 0
3u benjentgen Einlagen, wü^t bie ©efeUfd^aft jttn Jtauf::
leuten mit ben übrigen ©enoffen in Serbinbung brad^ten, jaulen
indbefonbere aud^ bie ftrd^lid^en geierlid^feiten bid jur Sieformatton.
S)iefeS toar namentlid^ bei ben ^rojeffionen ber ^aU, berjenigen
am gfronleid^namdfefl unb auf gxaubi, an »eld^em Za% bie ftapeQe
in ©ruber UIrtdJ« $öfli mit Äreuj unb gal^nen befud^t würbe.
') $Totoloa'S(udaüQe bed 18. ^abrbunbertd im 9ert6 bed ^unfer
Obbemt 3. (S. ^eper, alt Sfirgetmeifter.
3g
Sn bitff gei{rIi(^Wf reifte fi^ tin attgemtintä ^tmbenftft an,
loobet namentlt^ bie ^iigenb ocrtrelen mar, nie(<i^t SVa^mittagS,
bie @labtmuftfnnttn on b» ®pi^c, inä ^TuberEiüflt auf bcn
Slttftniilab jog.
3unft um B"nft, gtfeun^eic^ntt but^ bit ^orpoiatbnafalintn,
btt^tiligtt r»^ bie fflfirgtifi^oft Ui bitfen 5[5to)e(fionfii, na^ finer,
9lnno 1468 obrigfeitli^ beftimmten, Stei^enfolge , dfo lautenb:
„3Senn man ^infür mit ber ^rojeffion unb bem ®afranient gat,
■ foHen ad Äerjen nor aller ^riefterfii^aft fingen unb von ber
£i(d^en Dier ßerjen gcorbnct nerben, bie aUernäi^ll vox unb naÜf
bem @afroment gangen, ^tem bie Sd^mib feilen aQernäi^f) vor
ben ©d^ülem ^ingon, barnoi^ bie . . , anber 3ü"ft- äRit bem
@aframent fBDen gan bnib 93ürgermeiflev, unb bte JpimmelSflü^n
tragen Ulri^ ^rüllerai, m\f)t\m Siümri, Surf^arb -^e^er unb
31. SR."
^ie häufle Ute liefen j^re jroei Jtevjen jeneilS buri^ {mei
.Knaben oortragen, meiere ^iefßr angemeffen ^onorirt unb mit
„effen unb tiinfen" bebaut mürben.
3Iu^ bei ^egräbniffen oon @efeIIf(^aftägenoffen ober beren
nS^flen S[ngef|5rigen traten bte ^aufieutfHiMer ali @enof|cn(<i^aFt
auf. 3)i« ältefien Meinungen geben ^iefür ^tngnifi, inbem eä
Sitte mar, na^ beenbigtem Seic^enbegängnig einen gemeinft^aft:
lii^cn Ibrd^iebätninF ober SDta^I ju galten. %n „Jpermann JtronS
SSegrabb" Mmio 1419 würben 33 ß auS ber ©efeUff^aftaCafle
)u bem Wafji beigetragen. „€lf ©filling bo bent ©abel^nfer {tn
@un unb ^. von ^itffen^ofen begraben mürben, 6 /} bo ber
alt ^itg^Uv flarb, brei ©chilling, aid man Uli ^aqerS tPtutt»
oergntb" u, f. ro.
!£iefeS Sufammen^alten ber ©tfeQfc^aftSgenolfen bet S9e=
giäbniffen muibe aud^ na^ ber Steformation me^r ober meniger
beibe^olten nnb eitftirt, menn au^ in [i^mai^en Umriffen, Eieute noi^.
33
SDad gefeOfd^aftlid^e 2Atn tx^itli burd^ bte polittfd^en Sted^te,
iDeld^e ber urfprünglid^en ^rtoatgefellfd^af t ^u9eiDiefen iDurben, neuen
%uff(l^n)un9 unb rourbe überbted bitrd^ bte niand^erlei @ntolumeute,
bte t^r l^ieburd^ jufloffen unb bte ber ©d^arfftnn itnferer Slltvorbent
überl^aupt no^ l^erbeijitleiten Derflonb, gel^oben. ^ebe ©elegen^eit
roitrbe benfi^t, urn neue ^9{n(öffe^ ju fd^affen unb unter gutem
Sonoanb bie Sudgaben bafflr irgenb einem SSeglüdCten jujufd^ieben.
(Sinen $aupt]^ebe( )ut gefellfd^aftlid^en Unterl^altung btlbete fd^on
in ben frü^eflen ^tiitn ber 9Bein, barum aud^ würbe biefem
©etranfe unter Qtten 3:iteln fo gro§e 3lufmerffamfeit gefd^enft
unb getrad^tet, fQr jebed gemetnfd^aftltd^e SRa^I biefeS Sabfal
gratis in befommen. @o entftanben ber ^Sufna^md^, ginfaufd^
©rneuerungSs, 9Ba]^l=, ©emal^U, ©tubenlofungS-, 9lamcn§tag8^
$ftngf}2 unb grb^SlBein* unb rote bie 9{bgabenn)eine alle l^eigen
mod^ten. Tie (Sinrid^tung würbe fo getroffen, ba§ bei jeber ja^l^
reid^eren 3wföni«tenfunft ober bei jebem 3ln(a§ ein ^®rati8sS9rünnes
lein^ flog, beffen ^erbeifettung ®ad^e ber ißfleger war, weld^e bed^alb
eine firenge ^ontrole fiber bie ^ributpflid^tigen )u ffil^ren Ratten,
^ad 9(mt ber ^f^eger war nid^t 3ci>^i^ann8 @ad^e, abgefel^en
von ber ©efeUfd^af tSred^nerei , weil bamit aud^ ba§ $rofuriren,
b. ^. bie ^norbmtngen ber 9Ra^ljeiten, namentlid^ aud^ bad ^Uerten
madden'' ober bie Sejlimmung be§ burd^fd^nittlid^en SetragS ber
3ed^e bei ben gemeinfd^aftlid^en Slbenbtrfinfen, @d^enfungen ober
SDlal^tjeiten oerfnfipft war. TeS^alb aud^ würbe in ber Siegel neu
aufgenommenen ©enoffen biefe S^renfieQe aufgeburbet ober biefelbe
befonberS geeigneten aRitgtiebern fibertragen, weld^e ffir i^re Se-
mfl^ungen burd^ ben ©enug Don Sportteilen entfd^äbtgt würben.
Unter ben ©d^enfungen oerfianb man ©elage, weld^e )u
S^ren eined ©afted ober eines ©efellfd^aftdgenoffen abgehalten
würben. 3n le^terem %aüt gieng benfelben meifl eine üRa^ljeit
ober ein Stbenbtrun! ooran, als bereu banfbare (Srwiberung ber
©eber anberen XagS oon feinen ©&fien bewirtl^et würbe. 3n ber
3
u
Siegel tourbe bet biefen 9(nlajfen bte ^t^t etwaS }u (urg gegriffen
unb bad äRangelnbe auS bem 99eutel ber ©efeüfd^aft beigetragen.
9(8 ©äfle, benen )u (S^ren auf dted^nung ber ©efeOfii^aft«^
mitglieber ©d^nfungen abgehalten toiirben, n>erben junad^ft ®e:
fanbte oerbAnbeter ®t&bte ober ber etbgendf jtfd^en @tSnbe aufgeführt.
%u4 lybem 0ran)o8" mürbe eine. Sd^enfung )u XJ^eil, namlid^
bem franjdfifd^en 99otf drafter ^Dangerant, »eld^er %nno 1523 als
|$efhingSbau(unbiger wegen ber @^rbauung beS Unotd aud Supern
^te^erberufen wurbe^ um beffen 9[nfid^ten )u oeme^men. @tattlid^e
©d^enfungen n)urben oeranfialtet ^nno 1517 }u (S^ren eined
$erm von i^elmfiSbt, bed 9lbt9 x>on 9tütt u. f. w. 33on ben
^al^lretd^n ©d^enfungen^ bie wegen ©efeQfd^aftdgenoffen abgehalten
würben^ oerbienen folgenbe befonberer Srwa^nung: «^XlS ber
Slinger fin erfl 3Reg fang" %nno 1437 mürbe bte ©d^enfung
fo jal^lreid^ befud^t, ba§ 33 ß Ueberfd^ug ber ^affe ju gut (atnen,
y/ mSl^renb biefelbe fonjl immer einen diüdfd^lag ju becfen l^atte^ fo
j. 8. 1461 1 ^funb 2ß „ü §an8 3rmafee8 ©d^enfi unb
1/3 4 ^Ix. bi ^an^ 83arterd ©d^enfi, als t^m ein junges
maS morben.^
Seranlaffung )u ©d^enfungen gaben {unad^jl bte SBal^len ber
Bunftmeifier unb ber Ob^erren unb ber übrigen Sorflel^er, fobonn
bie Slufnal^me neuer äRitglieber mtb bie SSermS^tungen. S)er le^-
teren wegen mürbe Snno 1472 befd^loffen: i^äBetd^er ©efell, Toon
finer Stod^ter megen, ^od^^it ober ©d^enÜ uff unfer Xrinffhiben
l^at, ba§ ber ben ®ef eilen ben ©emad^elmin geben foQ. Unb
mev ber ifi, ber ein ©d^enfi uff unfer ©tuben l^aben miQ, bag
ba niemanb bi ^nnel^mung ber ©d^enft foQ {in, bann oon unfer
®ef eQf d^af t. '^ Sine augergemö^nlid^e ©afierei Deranftaltete Sene-
bift ©tofar, ber jüngere, auf bie t^aftnad^t %nno 1570, megen
ber ©efeDfd^aftdemeuerung unb feiner 93erm&^lung mit 9lal^el
SZütl^linger uon ©t. ©allen, meld^er i^fetbiger ^ad^t maS uff
unfer ®ef eUf d^af t jünf tig, mi^i unb SRann ju ©afi ge^ept. ** 3n
ben meifien ^iUtn mürbe jebod^ nur bie gemö^nlid^e Zaxt für ben
©emal^lmein be^a^lt, 10 iBajen ober ein $funb geller betragenb.
35
ba fiberbteS nod^ anbere XuSgaim brum unb bran ^tengm. ^er
treul^ersige ^an% (Stodor bemerft beSl^alB in feinem Siagebud^:
^Uff bie gfd^ttrmittmud^en (1527) ^an i<i^ minen ^erren unb
BunftgefeQen ein $funb ju ©ema^lmin gen. 9(n biefem Xag ifl
ed mit milb gangen unb mugt bem @tubenfned^t gen 1 @ulbtn
für 1 happen unb ber ^omen unb Snngfromen 2 $aar @ö^ul^
unb Pantoffeln. ^ Sine gefeQfd^afttiö^e Serorbnung t>on 1557
befUmmt, ba§ bem ©tubenroirt^ ein SBarett, ber @tubenfrau ein
$aar Stiefel unb ber iDlagb ein $aar @ö^u^e gegeben werben
foOen. ^ai @elb für ben ©emal^lmein erforberte feine umfiSnb-
ttö^e Suö^ung, inbem badfelbe feinem ^mtdt gemSg fofort Der-
oenbet unb folgenbermeife in ber 9te<i^nung aufgeführt murbe:
^am @unntag nad^ bem nügen ^ox 1501 l^at ic^anS Sarter unb
$an8 ic^uber il^ren iDlagelmein geben, ifl oerjel^rt.^ irStem uff
bie (Sfö^ermittmuö^en (1568) l^at i^and Ulrid^ ic^arber ben ®u
ma^lmin gen, tl^ut 1 $fb. ^tUtx unb ifl uff benfelben ^ag
Derje^rt**
%QiS^rtid^ fanben menigfienS ein l^albeS S)u^enb obligate
aRal^ljeiten fiatt, n&mlid^ am 9leujal^r8s ober Serd^tolbiStag, am
Xage ber 1^. brei Jtönige, an ber Xf d^ermittmod^ , am ^ftngfl^
montag, bet Xbna^me ber Sted^nung im äRonat 3uni ober 3uli
unb auf bie jtird^mei^e. 3^^ Ausfüllung ber Sude ma^renb ber
SBintermonate bot bie ©enerofitSt ber Obrigfdt nid^t feiten Snlag,
inbem biefelbe ,,i^ren lieben unb getreuen 93erburgerten auf ben
©efeOfd^aften unb 3ünften'' in Salären bed Ueberfluffed an Sad^fen
unb SBilbpret eine 99efd^erung }uge^en lieg. 3n Serbinbung mit
bem ©efeQfd^aftSmirt^ beforgten bie beiben $fleger bie SinfSufe
an SebenSmitteln , an Sf^eifd^, f$ifd^n, 99rob, St&\t u. f. m. auf
9ted^nung ber ©efeQfd^aft ^^Unb fo man ic^ü^ner ober 93ögel ^aben
möQt — befagt eine QSerorbnung oom 3^^^ i474 — mögen bie
pfleget bem ftned^t ober finer Sungfromen befehlen, baruf )u
waxttn unb bamad^ ju fieQen unb maS alfo profurirt mirbet, foU
ben Pflegern gejeigt unb in ©efd^rift gegeben werben/ ebenfo «^mad
man von @emür), ®d^mal} unb anberem in bie Jtüd^ bni^t.^
3*
ä6
i>a% Aod^gefd^irr nebfl bem jpotj tourben ebenfalls oon ber ®e=
feQfd^aft geliefert unb bem ©efeQfd^aftSbiener ein Solvit für bie
Buberettung ber Speifen au9gen)orfen , ebenfo bie Seteud^tungS^
fofien Dergütet.
^ie abgetragenen ©peifen unb ®elranfe mußten ebenfalls ben
Pflegern oorgeroiefen unb je nad^ Umjlänben ^ur Verfügung gefteHt
werben. (58 galt al8 ©runbfa^, ba§ ,,ongef<iJnittene ©rob, ein=
gefd^enfter SBin unb mad oon $(eifd^ ober t^ifd^en ob 2:ifd^ ge-
brod^en würbe, ^ bem SBirt^ unb beff en Sngeftedten jufaQen f oDe,
;,aber Pflegern unb Seja^lern foQ man jum 9tad^mat frifd^ ^ing
geben/ SRit ^udnal^me ber Sieujal^rd ^ aRal^l}etten l^atten bie
©efedfd^aftdgenoffen minbeflend bie ^{benbmai^Ijeit ober baS Dtad^-
mal^l aus eigener ^afd^e gu bejal^Un.
Unter biefen oHiS^rlid^ roieberfel^renben Snloffen unferer VIU
oorberen würbe berjenige am !3)reifönig8tage am buntefien begangen,
ba ein Umjug bamit oerbunben mar, ber feinen Urfprung in trgenb
einer oerbienfKid^en äBaffent^at }um SSSo^le ber Saterflabt l^aben
mod^te unb bedmegen aud^ in ooQer JtriegSrüflung auSgefül^rt
; mürbe. 3)iefer Umjug fanb nad^ ber SRittagSmal^Ijeit Don ber
Aaufleutfhibe au8 ftatt unter großem SolfSjulauf. „Tie Slmt-
leute^ ober bie §auptperfonen beä 3uge8 mürben alle ^af)xt neu
befhat unb bei ber SBa^l berfelben mSglid^fle 9iüd(f!d^t auf bie
äBünfd^e ber }u äBd^lenben genommen, meld^eS namentlid^ bei ben
brei legten ©teilen, bie p ©ergeben maren, ber gaU fein mod^te,
ju beren Ueberna^me pdj befonberS bie jungen ©enoffen melbeten,
um ftd^ bemerflid^ )u madden. 3)ie ^u befe^enben 9lemter maren
ein Hauptmann, Sieutejtont, gd^nbridj, Sorf Sl^nbridJ , gourier,
©d^reiber, SBad^tmeifler, iprofo« nebfl Trabanten, Jrommelfd^lager,
Pfeifer, Doftor, genfer unb §enfer8fned^te unb groei Starren,
le^tere mit möglid^ft auSgebe^nten ^rei^eiten begabt. Son ben
flbrigen ©efeUfd^aftdgenoffen f^onben bie Sufitragenben als ©emeine
ein. 9Rit ©raottat bemegte fid^ ber Bug burd^ bie ^auptflragen
ber ©tabt unb feierte alSbann }u einem frugalen Slbenbeffen auf
bie ftaufleuf^ube gurücf.
37
3n 5Ro<i^a^mun(j bcr Hebung bei ernjlen ©elegenl^eiten ntod^te
ed <Bxttt fein, bag bie oberflen 93eamten oon ben übrigen nad^
^aufe begleitet würben, bie bann für biefe (S^renbe^eugung nod^
mit einem ©d^Iaftrunf beioirt^et mürben. !3m SSerfauf ber ^tit
fd^lojfen fid^ immer mehrere ber Segleitung an, fo baß bie 91ns
nal^me biefer Dorübergel^enben @^renamter nad^gerabe bebeutenbe
Soften }ur fjolge f)attt, abgefel^en oon bem Sdrm, ber l^ieburd^
auf ber ©traße unb in ben ^oufcni oerurfad^t mürbe. „Uff guter
So^Imeinung" mürbe am brei JSonigStage 1595 biefer aßi^braud^
T)on ben ©efellfd^aftSgenoffen abgefleHt unb befd^lojfen, ba§ anfiott
beS ©d^laftrunfS ein .Hauptmann ^infort einen ßimer S38ein unb
ber Lieutenant einen l^alben (Simer 9Bein, fobann beibe jufammen
„uff ieben tifc^ eine Statte mit ®ulj unb 1 Statte mit jtüdjli"
geben fotten. 35iefer Sefd^tufe mürbe nid^t lange aufredet erl^alten
unb artete in bem Orabe auä, ba§ ber flipulirte 3Bein-alIerbing8
entgegengenommen, bagegen bie ^auptleute nad^ mie vox mit @ang
unb JSlang nad^ i^aufe begleitet mürben.
©an} befonberS bunt mürbe ber 3)reiI3ntg9tag im Sal^r
1600 gefeiert, fo baß ber SRatl^ [x^ oeranlafet fal^, ber ©efett^
fd^aft )u verbieten, benfelben fortan in ftattgefunbener SBeife }u
begeben unb „SRad^tS unb etmann bis gegen 5:ag uff ber ©äffe
mit bem gonblin, 5:rommen, ^feiffen, 3aud^jen unb ©d^re^en,
allerlei Unful^r unb Unma§ ju üben unb ju treiben." Son
an mürben bie Umgüge mieber in aller Orbnung abgehalten unb
bie Segleitung ber Slnfül^rer unterlaffen, bagegen ober bie SBein:
fpenben erl^o^t unb felbft auf bie gfSl^nbrid^e audgebel^nt, meldte
jebod^ il^re Serbinbltd^feiten erfl am Slfd^ermittmod^ }u leifien
l^atten. iDlit bem ^dffx 1607 mürben nur nod^ bie ja^lungS-
pflid^tigen Seamten gemault unb Snno 1618 ber [Umjug )um
le^tenmal gehalten.
!Cie ÜRa^ljeiten, meldte bei Slnlofe ber (grmal^lung eine« neuen
Obl^errn auf 9ted^nung be$felben abgel^atten unb baS „Obl^erren
Äüd^li" genannt mürben, fd^einen im 18. ^al^rl^unbert fel^r fplenbib
gemefen ju fein, inbem »nno 1722 in ber «bfldjt, bie biedfaUfigen
38
Unfofien )u oerminbent unb ju regeln^ befd^loffen lourbe, „ha^
An ieioeilig neuerio&^lter Oi^etr dot bie aRa^ljeit (S. 93. 9.
©efeOfd^aft geben foUe f(. 350., baoon foOeti fl. 200. ju bent Qk-
feQfd^aftSgut get^an unb mit (ben) übrigen fl. löO. foQen bie ©e-
feafd^aftdpfleger mit Sonoülfen unb 9{at^ ber Sunfem unb ig^eiTen
Sorgefe^ten profuriren'' u. f. to. 3n bemfelien 9Ra§{lab mürben
aud^ bie übrigen neugem&^tten 9tatl^8l^erren unb 9tid^ter belafiet.
!Diefe überfd^menglid^en iDlaJ^Ijeitereien unb bie ia^tn, mit benen
bie )u (Sl^renfieQen gelangten @enof[en belegt mürben, finben i^ren
©runb in ber ^afd^erei nad^ ©teilen, bie, mie oben erm&^nt, )u
ienen S^t^n in Sd^aff^aufen florirte unb aud^ bei ber ©efeUfd^aft
)ttn ^aufleuten (Singang gefunben ^otte« 3m vorigen 3<^tl^uttbert
mürben bid )um 3a^r 1770 {eben äRonot gemdl^nlid^e ,,©efeOs
fd^aftS^aRittagd-.iDla^ljeiten^ abge^lten, bie aber «,mei( bie 9ln)al^l
ber ©äßen niema^len gar {tart unb meil bie guten äBein in einem
excess!? I^ol^en $rei8 ju flehen fommen,^ auf alle )mei SDlonate
audgebel^nt mürben, unter bem meiteren SSefd^lug, ba§, nm bie
Bal^l ber Xl^eilne^mer )u oermel^ren, ^bie Uert^en nid^t ^öl^er al8
24 !r. auf ben ftopf )u flel^en f ommen foUe. "" 0
S)er (Smfl ber ^tit am @d^(uffe bed 18. unb )u Anfang
bed 19. 3a^r^unbert$ , bem fo oiele alt^ergebrad^ten unb lieb-
gen)onnen Uebuugen unb ©ebrSud^e meid^en unb ftd^ anpaffen
mußten, übte feinen (Sinflug aud^ auf bie gefedfd^aftlid^en Ser^ält^
niffe aud unb mad^te fid^ junad^ft in Serminberung ber SRa^ljeiten
geltenb, meldte in nid^t gar (anger ^tit bii auf brei rebujirt
mürben, biejenige am ^fd^ermittmod^, am $ftngflmontag unb bei
^bna^me ber ^al^redred^nung im 3)ejember. (Sine neue $eriobe
mar mit bem neuen ^a^rl^unbert eingetreten. 3Rod^ten aud^ SRand^
mit ben politifd^en Umgeflaltungen unb fonfKgen !Reuerungen fid^
*) Ueber bie Qualität ber ^auptmab^eiten unb bie Serrec^nungd«
loeife berfelben giebt ber im Slnbang abgebrudte „Zrattir'SRobel" tvobl
bie ^uoerlafftgfte Sludtunft. 3e nad^ ben ^^brei^^iten loecbfelten bie
®eri(bte ettoa^ ah, aUein im ©anjen blieb fnjp bie IBetotrtbung glei(b
unb ^loar nodb bur(^ mehrere Qabr^e^nte bed gegenio&rtigen ;3abf(^un«
bertd binbur(^.
39
nid^t ettiDerftanben erflären, fo burd^jog bafür ein an^eite^meS
©efü^l bie ^ei^en bet ©enoffen bei bent 93en)ugtfein, injroifd^en
auf bent 9Q3ege ber Sit)i(ifation einen bebeutenben ©d^ritt oottoSrtd
get^an ju ^aben. 3n Skrfolgung biefev eingefd^Iogenen 9lid^tung
gaben fid^ ba(b roieber neue 93en)eife funb für bie rtd^tige %tfs
faffung bet i^txt, a(d faum ber oberroa^nte g^riebe gefd^Ioffen unb
bie fd^ioeijerifd^e @ib9geno|fenfd^aft mit ben 22 Kantonen neu
geflaltet nmr.
& rourbe bie Seranflaltung eineS 2!ugenbfefled angeregt^ in
ber 9lbf!d^t ,^bie ©o^ne oon ©efeUfd^aftSgenoffen fd^on in früher
Sttgenb mit einanber befannt ju madden unb bie freunbfd^aftlid^en
Sanbe anjufnüpfen, bie nad^ unferen bürgerlid^en ißerl^Sttniffen in
fpoterem Sllter groifd^en f elbigen befleißen muffen. " Sn SBürbigung
biefeiS fd^önen 3n)ectS unb gen)i§ aud^ geleitet oon bem 93efire6en,
,,an ber greube ber 3ugenb bie eigene greube ju erl^ö^en/ murbe
ben 7. S)ejember 1815 befdjloffen: alle 2 ^oifxt ein Sugenbfefl
abgu^alten, an meld^em bie JSnaben oom 6. ^affxt an bid ju
i^rer Confirmation ^Intl^eil nel^men foUen. 3)er Xfd^ermittmod^
roor ^iefür befHmmt. 93or ben oerfammelten 33Stem fleHten Pd^
bie JtnabeU; mie je^t nod^, in 9iei^ unb ©lieb^ ber SItefle ber-
felben ^ielt eine 9{ebe, fflr meldte er mit einer S)u(ate ^onortrt
mürbe, yia^ bem iDüttageffen fanb fomo^I gur Unterl^altung als
gum Vergnügen eine S^erloofung oon ^tlbfd^en ©egenfiinben fiatt,
bie nad^ brei 9[ttergpufen georbnet loaren unb^ um ben ©efell-
fd^aftsfonb gu fd^onen^ minbeflend gu Vs oon ben aRitgliebem
burd^ freiroinige Seitrage, eine Sieil^e oon Salären ^inburd^, gebetft
mürben. 3«^^ 33ereinfadjung mürbe fd^on beim gmeiten gejl eine
©elMotterie eingeführt. Som 3a^re 1822 an befd^fte mon bie
Jtnaben überbied mit ben Sleujol^rdgefd^enfen oon Dr. SDleld^tor
Äird^^ofer unb nad^bem biefe gu erfd^einen aufgel^ört l^atten unb
aud^ bie ©elblotterie befeitigt war, mürben anbere roert^ooHe ©d^rif»
ten aU ®ef diente audgetl^eitt, mit benen bie monnlid^e 2lugenb
je^t nodj erfreut mtrb. »iffiger SBSeife nmrbe im Saläre 1824 ba«
:3ugenbfefi aud^ auf bie meiblid^e Sugenb audgebel^nt, unter ber
40
Verfügung, bag badfelbe je^t nur nod^ aOe brei ^cifxt abgehalten
merben foQe. Um bie greube DoOfoinmen ju mad^en^ rourben oom
;3al^re 1830 an aud^ bie enoad^fenen Xod^ter uub bie ©attinnen
eingelaben unb ein formlid^ed gfamUienfejt angeorbnet, an meld^em
fid^ fpater aud^ bie ©efeQfd^aft )un Ferren bet^eiligte.
%I9 geiflige ÜBürje bei biefen %nla|fen rourben in bem reb«
feügen, titutaturreid^en 17. ^Jal^r^unbert bie £rin!fprüd^e eingeführt,
)u beren Slbl^altung jeber ©efeQfd^aftSgenoffe bei feinem erften
Eintreten oevpflid^tet würbe, ebenfo jeber neue @^rengafl bei Ueber»
reid^ung bed SBiUfommbed^erd. ÜRod^ten aud^ SDiand^e l^ierin eine
gute ©ele^en^eit evblidCen, il^r 9tebnerta(ent leud^ten ju laffen, fo
n)urben bagegen Slnbere ^ieburd^ in groge 93erlegen^eit gefegt, roeil
fd^on bie Titulatur eine etmeld^e 3ungenfertig!eit erforberte, um
biefelbe rid^tig uorjutragen. Som ^a^re 1664 liegt nod^ ein
Srud^fiüct einer fold^en 9lnrebe vox, ber jebod^ bie Titulatur bed
Cb^errn abgebt, weldje einfad^ in „§crr Setter Cb^err* abgefürjt
erfd^eint, bann aber alfo lautet: ,,^od^gead^te, äBol^leble, ©eflrenge,
(g^r- unb SRot^Defte, §od^gelel^rte, gürpd^tige unb SBeife, §od^5
günfhge, ^od^geel^rte 2lunfern unb Ferren dou ber loblid^en unb
abelid^eu ©efeQfd^aft/ 3n bem gegenwärtigen Sfal^r^unbert ^at
bie "ititulatur mie fo oieleS anbere eine leid^tere §orm erhalten,
beffenungead^tet aber fanb man eä ber 3^^^ angemeffen, bie (S^reu^
gäfte fortan nid^t me^r mit ^Ib^altung oon Xoaflen ^u behelligen,
bagegen ift für bie neuen SERitglieber bie Sitte beibel^alten morben,
um, mie eS fd^eint, ben frühem ÜRitgliebern geredet )u werben.
Son ben ^reuben ber £afel }u ben übrigen Sergnügungdarten
überge^enb, nimmt bad ®piel aid bad gewol^nlid^fle Unterl^altungd-
mittel ben erfien $la^ ein. Ueber bie $ö^e ber ©pielf&^e beftanben
fdjon in frü^efier ^tit SSerorbnungen ; eine fold^e oom ^af^xt 1530
befagt, ba§ „niemanb n>eber ^aimifd^ nod^ frombb, meber mit ber
harten, bem 3Bürfel, nod^ in anbermeg tl^ürer bann umb ain
jailer ober Pfenning fpielen fott." ^n ^tittn mar bad (Spielen
41
^mit bcr Äarten^ gang »erboten, aber „Sogej^unb ffia^len unb
Srettfpiel ober ©d^ad^jabet unb ©d^ieffen mit ber 9lrmbriift" auSs
na^mSroeife geflattet (1389).
9lu§er ben genannten Spielen floiirten nomentUd^ aud^ ba«
Äcgelfpiel, für roeld^eS l^Supge änfd^affungen an Äegeln unb
Äugeln ben 9ted^nungen einoerleibt fmb, ebenfo für bie 93rettfpie(e
unb fpoter aud^ für ein SBurffpiel, roeld^eä eherne Steine erfor^
berte. 3?ie ©efedfd^aftSfluBe würbe oon ben ©enoffen als ein
gefreiter Ort betrad^tet unb balder bie jufagenben Spiele ol^ne
anberS, inbeffen möglid^fl innerhalb ber Sd^ranfen ber 9Ra§igung
getrieben. 3n bem oerorbnungSreid^en 18. S^^rl^unbert rourbe (im
Sid^tme§bot 9lnno 1758) erfannt: „bafe bei geroö^nlid^en Slnläffen
!ein ffiürfel bei Straf oon 2 Äanten SQBein, foHen gebrandet
werben.* Später, al« biefeS SSerbot aud^ auf baS Äartenfpiel
auSgebel^nt würbe, war $rau 9ln na, bie Stubenfrau, fo gefäUtg,
ben Siebl^abem bed Spiels il^re 9Bo^nung ^ie3U etnjuröumen, für
weld^e ®efällig!cit berfelben „oor oerfammeltem ©ott" 9lnno 1761
baS emfle ÜRifefaKen bejeugt würbe. Ueber baS Slrmbruflfd^iefeen
im Umfange beS ber ©efeQfd^aft jufl&nbigen 9taumeS finbet ftd^
nid^tS oergeid^net, eS liegt inbeffen bie Sermutl^ung nal^e, bag
biefeS mannlid^e Spiel in ben früheren Sa^'^^unbcrten bei ber
©efettfd^aft jun «tlaufleuten aud^ in Uebung war, inbem bie äRit-
glieber berfelben fiets greunbe oom 3Wf<^i«6tti waren. I)em gu
golge finben wir biefelben bei beiben Sd^ü^engefeQfd^aften i^al^lreid^
oertreten unb oiele oon il^nen burd^ fd^Sne ©ewinnfle fowol^l in
Sd^ff^aufen als auf auswärtigen Sd^iegen als gute Sd^ü^en
belol^nt. 9ln bem im ^al^re 1577 ju Strasburg abgel^altenen
greifd^iegen, wetd^eS wegen beS warmen §irSbrei ber 3^^^^«^ ^i"«
etweld^e Serül^mt^eit erlangte, war bie ©efeUfd^af t burd^ fünf aftioe
SKitglieber oertreten. S3ei ben 7 5Bogeufd^ü^en auS ber Stabt waren
^anS ^e9er, SRid^ter, ßonrab $»uber, Spenbmeifler , unb
3a!ob§uber, ^ol^err, unb bei ben 10 Sfid^fenfd^ü^en, bie nur
jur §alfte ouS Stabtbürgern beflanben, §anS oon ©albürd^
jum 9?itter unb Hauptmann ^anS ^einrid^ oon SöalbfirdJ.
42
Ter @tnn für gefd^idte ^onbl^aiimg ber SBaffen, loeld^er
bie %lh)orbem )u @unften ber SJaterlanbdoert^eibtgung belebte,
er^ieU ftd^ jletd rege unb felbfi burd^ biejetfigen Briten l^tnburd^,
in benen otö gfolge langen gfriebend bad äRUitönoefen bis i^um
$uppenfpiel l^erabgefunfen roar. 9nno 1716 oeranflaltete bie @t:
feUfd^aft unter fid^ ein Bi^lfd^ic^cn auf bem ©d^ü^enpla^, roeld^S
Don ba an ade 12 ^affxt abgel^alten würbe, )um legten 9Ra(
jebod^ %[nno 1786 roegen ber politifd^en @^onjuncturen. Tie @a6en
rourben jen)ei(d burd^ freiroidige beitrage ber SRitgüeber jufammen;
gefieuert unb flbcrbied von benfelben ein Toppel gelöst. Tad ^tlt
ber ©efetlfd^aft mürbe auf gerid^tet , um unter bemfelben Dor ben
©trollen ber ®onne ober ber Ungunf) ber SBitteruug ®d^u^ }u
fiuben unb nebenbei ftd^ gfltlid^ )u t^un. (Sine @d^u^enma^l)eit
burfte nid^t fehlen, an ber aud^ bie Sebienfteten X^eil nol^men.
3n bunte Rapiere unb Sanbcr gemitfelt, fd^aufelten bie fd^muden
©aben, in @ilbergerat^fd^aften unb nü^lid^en ©egenftanben be^
fle^enb, om ©obcnflfinber. ©in paragrop^enreidJeS Programm
orbnete jemeild ben S^erlauf beS ©d^tegenS, ' bem um f o e^er nad^^
gelebt mürbe, aid bie fo beliebte @traffompeten) felbfi im freien
ausgeübt mürbe. ®o j. 9. ,,mann einer fd^ieffet unb fein Seitens
geme^r anl^at, fo foUe berfelbe ber ©efeUfd^aft 1 Tanten 9Bein
)u geben DerfaSen fe^n, beSgleid^en, mer beim ©abenauSt^eilen
gufiel^t/ jmei Tanten 9Bein ^atte Dermirft, mer beim ©d^iegen
in bie Irüllfdjeibe me^r als eines „ @to^n/* fldj bebiente ober
i^mo man mit bem ©emel^r umbge^et" Xabaf raud^te. ^a^
Seenbigung beS ©d^iegenS jogen bie 2:i^etlne]^mer unter pfeifen
unb Irommeln, umgaufelt oon einem ^ritfdjenmann, bem greuben?
bereiter ber ^ugenb, nad^ ber ©tabt, um allba nod^ ein %benbeffen
einjunel^men. 9lnno 1774 mürbe „baS comifdje unb burlesque,
namlid^ ber 3ug oon bem Sd^iegl^auS unb ber fogenanpte Srüttdk'
monn,^ abgefdjafft. 3« Wefem ©djieften fleuerten 73 ÜRitglieber
fl. 460. 19 fr. 6S mürben aud^ 60 Toppel & fl. 1 gelöst
unb auf bie 5 ©djeiben Dert^eilt. 3m ©tidj betrug bie bejie
®abe fl. 50, 45 fr., in einem ^aar fllbemer Seudjter reprSfentirt.
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I)ie ©d^cibcn ,, Slitter unb Sungfrau" waren nur bürftig bebadjt,
bagegen loiefen bie betben SlruUfd^etben aH erfien @etoinn fl. 15
imb fl. 14 ben beften (Sd^ü^n an. @ine ÜRarfe in bie XruQ?
fd^eibe foflete 4 !r.; auS ben biefifaDflgen (Sinnal^men raurbe bie
ÜRittagd^aRal^Iieit beflritten, meldte ^mit bem gribU/ bem ©d^ü^en-
mix% & 21 93a^n pr. ©ebecf oerafforbirt mar.
Sir Wbüppin\i^iVbt nitb bie ZrinfgeWrre.
9luf bie Sufifiattung ber ©efeQfd^aftdlofale oermenbeten unfere
SiltDorbern »enig. %bgefe^en oon ben gemalten ©d^eiben, bie
namentlid^ in ber erften ^ilfte bed 16. ^a^rl^unbertd t>on guten
aRdfhm angefertigt würben unb mit 9ted^t aU iitt\>t galten unb
jebed ©efeOfd^aftS^auS fd^mütften, l^atte bie Xrinfftube ber ^auf ^
leute nid^td 93or}üglid^ed auf jumeifen. Sluger einigen ^irfd^gemeil^en
unb einem meffingenen ^^tanjleud^ter,^ ber in ber untern großen
@tube oon ber ^tele l^erabl^ieng, fd^etnen bie 3Bappentafeln lange
3eit bie oorjüglid^fle ^uSftattung gemefen }u fein. ®(eid^ bei
Gntfiel^ung ber B^nfte murbe bie erfte ^afel angefertiget, worauf
bie SBappenfd^itbe ber @enoffen nad^ ber SnciennetSt, ber Ser^
tretung ber @efd^led^ter unb nad^ ber 9tei^enfolge ber Slufnal^me
gemalt mürben. 9lnno 1422 murbe eine 9Bappentafel angelegt,
auf ber „ ml ftattltd^e SBappen etlid^er @raf en, 3:r9en unb (Sbeln "
entl^alten waren, nSmlid^ „oon ^^rol, ^absburg, SRoutfort,
SBerbenberg, SleUenburg, ^^^f^^^^S/ Bol^^i^f SBinfperg, ^(ingen,
9tofenegf, SBpffenburg, jtlingenberg, ©egler, gfribingen, @toffe(n,
9tanbenburg, gfalfenftein unb oon 8obmann. 3^ie Seranlaffung ^ur
Srfledung biefer ^afel, auf weld^er erft 9nno 1605 nod^ bie
beibcn legten ä&appenfd^ilbe l^injugefügt würben, fd^eint einen
l^iflorifd^en @runb gel^abt ju ^aben. Siedeid^t foQten biefe SBappen^
fd^ilbe )ur (Srinnenmg bienen an bie ©d^lad^ten, bei weld^en bie
fanner oon @d^aff^aufen neben benen ber gebadeten @rafen unb
$enen welkten; oielleid^t, bag bei anberen aud^ nur bie freunb-
fd^ftlid^en Sejiel^ungen angebeutet würben. Seibe Zafeln l^atten
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in bent untern ®aa(; in roefd^em bic gefteffen abgehalten n)uvben,
i^re ©telle.
Sie SBappeutafel bev @enoffcn biente ^ugleid^ al3 autl^en^
tifd^eS SRitglieberDer^cid^nig , nad^ roetd^em bie SBe^nnanuer ein^
get^ettt, bie Slula^en erhoben unb bei ^tn äRal^lgeiten bie $(ä^e
bev lafelnbcn benimmt roiirben, in roeld^* le^tevm 3?erfa§ren fe^t
raa^rfd^einlid^ ber Sd^merpunft bejilglid^ beS ilBert^ed unb beS
9?ortl^ei(S ber Sffei^enfolge lag. 93on S^it ju 3^'^ je nad^ ÜIRaggabe
ber ^ufna^me oon neuen äßitgliebern , mußten neue XafeCn an^:
gelegt loerben. Sei Slnlag ber 9lnfertigung ber SBappentafeC t)om
3al^rc 1592 würbe befd^toffen: „bag nun l^infüro gu eroigen ^tittn
alle unb jebe ®d^i(b unb SBappen ber alten ©efd^led^ter ju oberft
in angemelbter gemeiner @efeUfd^aft Safel'' Derbleiben foQen,
infofern nämlid^ nod^ jemanb au8 benfelbigen am Seben fei. ^m
San ein ®d^ilb „uff 9lbfterben ober Slbfd^eiben unb ^inmegjie^ung
einer $erf on, " bie feine männlid^en SeibeSerben hinterläßt, crlebigct
roirb; fo fott berfelbe „bem Sleltiflen fo in follind^em ©efd^led^t . . .
Dor^anben fe^n würbet, orbentlid^er SOB^S unb ol^ne einiges Siber^
fpred^en erblid^en jufaQen unb alfo folgenbS etgentl^ümlid^en uff
benfelben unb finen monnlid^cn SeibeSerben rürocgf lid^ oerbl^ben. *
®eim Xobe eineä aRitgliebS, roeld^eä ©ö^ne ^interlogt, fott beflen
öltefter ©ol^n nad^ bisheriger Hebung feines 9?aterS ©d^ilb erben
unb einnehmen, ©tirbt biefer, ol^ne mannlid^e Slad^fommen ^u
^interlaflen ober gu ben eingangs erwäl^nten „©efd^led^tern ber
oorberjlen ©d^ilben" ju gel^oren, fo ifl ber lebig geworbene ©djilb
als auSgefiorben gu betrad^ten. Um biefem 93efd^luffe bie ^öd^fl
möglid^fle Sebeutung gu geben unb eine t^ortbauer auf ewige ^tittn
gu oerlei^en, würbe berfelbe bofumentarifd^ auf Pergament gebrad^t
unb mit brei ©iegeln ber erften 33orflel^er befraftigt, gu ben „@t'
wal^rfaminen'' gelegt. !X)er ©d^ilbe wegen gab eS bisweilen l^i^ige
erorterungen, fo g. S. 9lnno 1567, als Sern^arbin ^e^er,
ber nad^ oergeblid^er ^roteflation gegen bie Set^etligung feiner
minberjäl^rigen abwefenben 99rüber $anS Seopolb unb %nton
^eper bei einer Einlage bie SQBappenfd^ilbe berfelben bennod^ auf
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bie ^ofel inalen lieg. @d fd^uf biefed Unterfangen iöfed $Iut,
allein ;^unf er 93ern^arbin fümmerte ftc^ roenig borum unb bot
ber ©efeUfd^aft 9ied^t an oor SSurgermeifler unb 9?atl^, vox meieren
benn aud^ wirfüd^ biefe ©treitfac^e erörtert unb ba^in entfd^ieben
rourbe: ;y^'ien)9l beibe iße^er ©ebruber il^r gebul^renb Slnlaggelb
begal^lt, foUen unb mogenb {le aud^ il^r @d^ilb in ber Xafel ^aben^
ober aber mogenb gemeine 3i"tft fte i^red ^nlaggelbd erlaffen, alsbann
foUen fie bie ^a^er @e6rüber il^re ©d^ilb mit in ber 7afel l^aben. ''
9lad^bem 9lnno 1609 bie 93erorbnung r>on 1592 ber ©d^ilbe
roegen nod^malS beflatigt n)urbe, fd^eint be§]^alb nid^t$ tne^r
2Befentlid^e§ verfügt roorben ju fein, ^n neuerer ^t\t ^at fid^ ber
beffere ©efd^madt aud^ bei Anlegung ber SBappentafeln betl^atigt
unb urn ber SRu^e überhoben ju fein auf ber Saube bie rid^tige
dtei^enfolge ber SRitglieber ^u erfunbigen, rourbe 9(nno 1848 ein
bemeglid^eS aRitglieberoerjeid^nig angefertigt, umgeben oon ben
SBappen ber bamald nod^ auf ber @cfeQfd^aft reprdfentirten 12
©efd^led^ter nad^ ber Speisenfolge i^red @intritt$ in bie ©efeUfd^aft,
mit bem Il^urm obenan, bem ©l^renjeid^en ber ©efettfdjaft. *)
(Sinen n)ertSooaeren @d^mutf bilbeten feit ber SRitte bed
16. S^^^tl^unbertS bie filberoergolbeten unb filbemen l^ol^en ZxxnU
gefd^irre, @d^aten unb Sedier, Don benen jeweild eine ^nga^l )um
gewd^nlid^en ©ebraud^ bem ®tubenn)irt]^ eingel^Snbigt würben unb
in ber @efellfd^aftdftube, ^inter ©ladtl^üren Denoa^rt, aufgefleUt
fein mod^ten. SDlit 9(u$nal^me eined ,,2BilIfomm:99ed^erd^ befa§
bie ©efeUfd^aft bid ju biefem B^itpunft feine berartigen ^runf-
gefd^irre, fonbern bebiente ftd^ ^oljerner 8ed^er unb ber Srinfglafer,
n)eld^e fd^on in ben erflen 9ted^nungen aufgeführt ftnb. ^a aber
unfere 9ltDorbern bei il^ren Srinfgelagen fel^r lebl^afte !£idcurfe
führten unb ben ©lafern aid fold^e feine groge Sufmertfamteit
roibmeteu; fo bilbete bie 3(nfd^affung biefer aUerbingd reinlid^eren
©efaffe nad^gerabe einen fie^enben unb foftbiQigen Sudgabepofien,
n)edl^alb bie @iafer Snfangd nur ben ©afteu aid S^Ä^ta ber
*) ^uxdt i>. SB. $.
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Äufmcrffamfdt Dorflefc^t »erben mod^ten. 3m ^dfyct 1557 befo§
bie @ef etif d^af t bereite eine Xnjal^l ftlberner Sedier ; um bie ^dfl
berfelben ^u oermel^ren, murbe ben neu aufjune^menbeu ©enoffen
bie @d^enfung eined 9e(!^er3 ^ur Sebingung gemad^t. S)a aber
nod^ biefem aRobu9 ber SBunfd^, aQe ©efeafd^aftSsenoffen mit
filbemen Sed^em ju verfemen, in aQjuweite greme gerütft murbe,
fo fagte bie ©efeOfd^aft jraei Sal^re fpSter ben Sefd^Iug: M%
l^infüro, fo einer oon ber ©efeOfd^aft in ben ftleinen 9tat^ enofil^tt
merbe, fo oormolen nie barin gegangen föQe einen fifbemen Sedier
geben, g(id^f3rmig unb an ©emid^t ben anbern, unb fo einer in
ben ©ro§en Katff ermSl^U roirb, foQ er ^mei ©ulbtn an einen
Sedier geben unb baffelbig ©elb anberfi nienen l^in Dermenbet
werben. " 3)ie ®penbung t)on ©ulben }u biefem Bmect mürbe bei
9leuma^len aud^ auf bie Steid^SoogtdfleQe ^ ober bergleid^en Remter,
fo etmad Snfommen ^aben/ auSgebe^nt. 91m Serd^tolbfitag 1772
fam man mieber auf biefed 2:raftanbum jurütf unb fleQte genauere
SefUmmungen auf, benen }u Solge „mtt ein Stmt befommt,
meld^ed unter 10 ©ulbtn j&l^rlid^ ertr8gt fi. 2. — bei einem %mt
mit 10 ©ulben fflcfolbung ober barflber fl. 4* — gum 3medf
ber Xnfd^affung t)on 99ed^em bejal^ten foQe. Sei einer S9efolbung
oon jfi^rlid^ 20 ©ulben ober ber SrmS^lung }um Bunftmeifier
mürbe bie Abgabe eined gangen 99ed^er8 geforbert unb ^fo einer
^inffir Surgermeifler mirb ober ^4[$ogt gu 9lünfild^ ober SBogt Aber
bad ©ebirg, ber feil einen ^albmSffigen Sedier fammt einem Sib
(Dedfel) barüber gen.* ffliS gum So^r 1575 befag bie ©efea«
fd^aft fd^on 40 filbeme Xtfd^bed^er unb einen grogen l^albm&gigen
$ofal, ben ©eorg dtietl^mann bei feiner in gebadetem 3a^re
erfolgten Sufnal^me in bie ©efeUfd^aft oere^rt ^atte. ^mo 1602
maren aQe aftioen ©enoffen mit gemdl^nlid^en S3ed^em Derfel^en,
nad^bem in biefem ^al^r auf 9led^nung ber ©efeüfd^oft nod^ 4
mangelnbe Sedier angefd^afft morben. Suger bem Stiet^mann^fd^en
$o!at befa§ bie ©efeQfd^aft nod^ 3 meitere ^o^e ^rinfgefd^trre,
bie berfelben Snno 1597 t)on grangtSfud äi^S^^^ ^^ \^^^
(Srmft^lung gum Oberoogt fiber 9teun(ird^, %nno 1602 burd^
47
äRatt^auS ^e^er für bie ©edetmeifterfleOe unb von $an§
Sonrab Stimmer bei feiner Srtod^lung aid Unter ? @d^retber
übergeben n)iirben. S)er jet^t nod^ Dorl^anbene ©efeQfd^aftds^ofal,
in f^orm eines runben Se^rt^urmd, beffen S)ad^ nebfi 4 baron
beftnbnd^en X^flrmd^en ben 2)e(Iel bilbet unb abgehoben »irb,
flammt au3 bem Sa^re 1698. €d ^a(t berfelbe eine alte l^albe
9Rag unb wiegt 44 iotff. SDiefed, bamalS bad 132. fUbeme
^rinfgefd^irr^ n)urbe auf äted^nung ber ©efeUfd^aft in SlugSburg
angefertiget, um aid „^iSttomm" gebraud^t }u werben. !£rei
I, altf örmif d^e ^ol^e ©dualen, fo an @en>i(i^t gehalten 58 Sotl^''
nebft fl. 6. 32 fr. in baar mußten baffir gegeben werben.
Obfd^on %nno 1730 ,,30 ^ol^e ©efd^irr unb 9 alte Sedier"
im ©emid^t von 550 2otl^ für alteS (Silber Derfauft mürben,
befa^ bie ©efeUfd^aft im 3a^re 1747 bennod^ 3842 Sotl^ biefed
SRetaQfi. ©egen 93ed^er k. mürben je^t aud^ fUbeme Seflecte,
Seud^ter u. f. m. angefd^afft unb bid )um So^re 1782 ber @ilber-
beflonb auf 1465 Sotl^ rebujirt, nad^bem bereits Snno 1779 bie
abgaben für empfangene (Sl^renfleQen unb Slemter in ©elb um-
gemanbelt mürben.
Per (ifffUfitiaflafoitli-
X)ad ^apitaloermSgen betrug bei (Sinfül^rung ber ^M^tt
circa fl. 140, meldte, in 5 Sofien angelegt, jü^rlid^ 7 ©ulben
Bind abwarfen. S)iefe 3ntfe, in 93erbinbung mit ben SeitrSgen
ber SRitglieber unb ben Seiffatngen ber ©ewerbegenoffen, bilbeten
bie; gewB^nlid^en (Sinna^mdqueUen ber BunftgefeSfd^aft.
S^'ie Dielen unb betrSd^tlid^en gintrittdgebül^ren neuer SRitr
glieber unb Sinfaufdgelber ber ©ewerbegenoffen, bie Bunftemeue-
rungdgebü^ren unb felbft bie S9u§en unb Slbfengengelber trugen
wcfentlid^ )ur %eufnung bed gonbd bei. 3m Saläre 1454 betrug
berfelbe fc^on 340 ©ulben. ^ad grögte Kapital oon fl. 100
flanb bei ber (Stabt, laut Srief «om Saläre 1398, weld^er oon
48
dtitter ®d^ oon i^ftnenberg ertoorben tourbe. @d xoax btefeS
ein 9(n(ei^en, loelc^eS ber ©efeUfd^aft fe^r ipo^t }u Statten (am,
xotii ber Bind nad^ Sebarf belogen rotxhtn fonnte. ^lad^ ein-
l^unbertifil^riöem Seflel^en ber ^m^t jun Äaufleuten betrugen bte
Äapitatien nur nodf fl. 320, im 3a^re 1611 p, 654, «nno 1711
p. 2540 unb anno 1811 ober Dier^unbert ^a^xt feit ber ©nt-
pe^ung ber Sünfte p. 8135, wobei inbeRcn ber fflert^ be« ®elbe8
in ben oerfd^tebenen !3a^r^unberten in 8etrad^t gegogen merben mug.
3u ben ftapitaljinfen famen im Serlauf ber B^it aud^ äRietl^^
jinfe fflr audgeKel^ene Sof alttaten u. bgl. ^er 9taum bed Xl^urmd
}u ebener @rbe rourbe fdjon in ber erPen ipälfte bed 15. Sal^rs
l^unbertfi einem 93arbier audgeliel^en, ber in bemfelben eine fomm-
(id^e ©elegenl^eit jur Stablirung eined ^Sd^errgobend'' etblitfte.
^k gute Sage biefer Sofatitat trug bagu bei, bag biefelbe nie
leer Panb, fonbern oielmel^r in ^^olge Parfer iRad^frage x>on 7
bid auf 10 $funb ^eUer ^a^^^dmiet^e gePeigert murbe. (^reilid^
(am bie ©efeOfd^aft bidmeilen in ben t^all, aufgelaufene ^in^t
tl^eilmeife nad^gulaPen ober ben SRietl^dmann bafür ju pfanben,
medl^alb i^r gule^t bie gauge innere Sludrupung bid auf ben
„ ©djcrrjhil^l * l^erab angel^örte. Som 3a^re 1551 an iitf) bie
@efellfd^aft einen !J>ad^boben aid ^omfd^iltte aud, ber eine Steige
von Salären Dom @t. ägncfcn ? ämt mit ib % $etter perjindt
mürbe. ^Id ®aalmiet^e bei ^od^geitauIäPen Ratten iRid^tmitglieber
1 <K 10 /3 i^eller gu begal^ten, eine (Sinna^me, meldte gu ^tittn
nid^t unbetrad^tlid^ mar. S)ad SePrebeu, ben ©efeUfd^aftdfonb gu
äuffnen, verleitete fogar gur iSerleil^img bed $ta^ed oor bem
©efeUfd^aftdl^aud an ben 3[al^rmfir(ten, an meld^em gmei ^am^
buben aufgefd^lagen mürben, für beren jebe ein ^la^gelb Don 6. ß
^eQer erlegt merben mugte.
9lid^t unbebeutenb maren bie (Sinnal^men an „Srbmein.'' (Sd
mürben bie ©efeQfd^aftdgenoPen einig, nad^ bem 9$organg einer
9B9[. oberen ©efeüfd^aft aud^ auf ben 93egug dou (Srbfd^aften
eine Abgabe gu ®unpen bed ©efeOfd^aftdfonbd ju legen, mel^
nad^ einem 93efd^lug oom Sa^re 1783 für ein bejogened (Srbe
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von p. 20 bis p. 1000 auf ff. 4 unb oon einer erbfd^aft von
fl. 2000 big p. 4000 auf p. 8 angefefet würbe.
^'\t bebeutenbpe (Sinna^me enoud^S jebod^ ber ©efeüfd^aft
aus ber nun ebenfolls unter bem litel „(Sxbxotin** erfdjeinenben
9(6gabe für eintrdglid^e öffentKd^e ©teilen, burd^ ben Sertauf ber
oomtalS aufi berfelben ^ergePo^enen plbernen fötale unb Sedier,
wobei aQerbingd eine bebeutenbe @umme, wetd^e bie Ofa^on gefoPet,
Derloren gieng, ba man ju jener ^tit aufter ber $robe unb bem
©eroidjt feine anbcren gaftoren für bie äSert^ung fannte! —
!Diefeg bie (Sinfünfte ber ©efedfd^aft, and benen bie 9lud=
gaben bePritten werben mußten; reid^ten pe nid^t aud, fo würbe
in ben früheren ^lal^rl^unberten an bie ÜRitglieber appeQirt unb
mittelp Einlagen bie not^igen @ummen erl^oben.
^ie bebeutenbpen Sludgaben erforberte bie ^[nPanb^altung
bed ©efeQfd^aftS^aufed. (Sd ip wirt(id^ a>iffa(Ienb, an ber $anb
ber 9?ed^nungen ^u erfel^en, wie Diel unb oft an bemfelben reparirt
würbe, namentlid^ beburften bie ^u unter^altenben 2)Sd^er jum
ofterPen ganje SBagenlabungen ^xt^d unb oiele ^aufenbe 9lagel,
weld^e bie ©efeQfd^aft ^u liefern l^atte ; aud^ bie Cefen erforberten
unerfCarlid^ oiel Sieparaturen, weld^e jum ofterPen „in oerPrid^en,
ju oerMe^en unb ju malen ^ waren. 3Benig fopeten bie genPer, bie
nod^ im 15. l^^^^^^^nbert tl^eilweife nur mit Rapier überjogen waren,
weld^eS @efd^äft oon weiblid^en $änben oerrid^tet würbe, ^ Um
biefe ^tit mußten für baS ^Seim fod^en* jwei SKa§ ©ein ab=
gegeben werben, über bePen ^erwenbung inbePen nid^td 9lSl^ered
mitget^eilt iP.
^m ^a^xt 1551 würbe bad ©efeUfd^aftd^auS burd^aud
renootrt, namentlid^ aud^ mit einem neuen iDad^fhtl^l verfel^en,
)u weld^em 93e^uf mel^rere l^unbert ©ulbeu aufgenommen würben.
!^ie enblid^e 3:ilgung ber ^(nleü^en würbe Slnno 1567 burd^ eine
^olä)t von @lad, bie in einem Zrog oerwabrt unb, wie ed f^eint, nur
wdbrenb bed äBinterd angebAngt würben.
4
66
Anlage beioerffteaigt, bei loeld^er jebe$ äRitgtieb mit fi, 2 fi(!^ ^u
betl^eUigen l^otte.
3u ben geto&l^nlid^en ^udgaben jS^Ue oud^ bie ^nfd^ffung
unb Unterl^oltung ber Singe, bed ^ouSratl^d unb bed ^üd^en^
gefd^irr«. S)te jur SSBirt^fd^aft erforberlid^en ©egcnflönbe, bie ?:ifd^e,
®tü^(e u. f. 10. famen befonberd balb in Abgang, ber ^öljemen
^eder, Sedier unb ber @Iafer )u gefd^roeigen. %ud^ bie ©peifung
bed Sffigd unb bie Unterl^oltung unb ^nfd^affung ber ©piel-
geratl^fd^aften, Äegel unb Äugeln, Spielbretter u. bgl. erforberten
nid^t unbetrSd^tlid^e Sudgoben.
(Sinen ^auptaudgabepoflen bilbete bog benSt^igte ^olg )um
^ei^en unb Äod^en. ^nfSnglid^ n)urbe ber SSebarf farrenmeife
gefauft, bann aber (1447) ber ipoljbebarf einem ^ipoljmann*
afforbirt, n)etd^er ,,ber Äauflüt Srinffluben unb bie Äüd^e mner?
^alb eined ^al^red bel^otjen foQ nad^ i^r 9lot^burft ungefol^rlid^,
barumb foQ man il^m 15 $funb ^eQer geben unb ob er bie
©efeQfd^aft an $ol) fumpte, fo mögen bie ©efeQen uff ftnen
©d^aben ^olj faufen unb man mag ^ei^en nad^ bem SRa^tag
ober oor SRid^aeti ob fü^l ^ag fommen unb bie ©efeQen bed
begehrten/ bod^ immerl^in mit SDlag unb 3^^^*
3Kit ben ©tubenfnedjten (©efeUfd^aftdbienem) mürben il^rer
fieiflungen unb bed Sartgelbed megen ebenfaQd SertrSge ab-
gefd^loffen. $and@egenffer, meld^er auf ^ol^ann 99aptift 1447
feinen 3)ienfl antrat, erl^iclt 10 $funb geller ^al^rlo^n unb 2
SSiertet ©atj.' Conrab Äi^inger, ber ?[nno 1455 beffen SRadJ-
folger mürbe, begnügte fid^ mit ber ^Slfte bed Sartgelbed, mo}u
inbeffen nod^ freie SSo^nung unb allerlei Siort^eile famen. ^m
3al^re 1589 betrug bad ffiartgelb bereitd 27 ^funb i&cOer unb
ebenfo 9nno 1606.
3m ^oifxt 1474 fal^ fld^ bie ©efettfdjaft oeranlagt, in bie
^orbnung ffir ben ©tubenfned^t bie SefHmmung auf^unel^men,
i,ba§ fomo^l er aid bie finen ®org unb t^lig ^aben foQen, mad
oon Ferren unb ©efeQen gerebt ober gel^anbelt merb, bad ^u
oerfd^miegen unb nit mpter }u bringen, baoon il^nen ®d^aben ober
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ScT^inberung eriDad^feit m9g. ** ^tx ©tubenbiener ^atte nid^t nur
für bie 8nDirt§ung ju forgen, fonbem aOe ©efd^Sfte eineS SBet^
6e($ unb (Sin^ügerS gu oerrid^ten, aud^ loar berfe(be gleid^ ben
übrigen ©tubenmirt^en oerpfltd^tet, auf bie ttxoa oorfommenben
Sfreoel ju od^ten unb biefe ju oerjeigen, eine S^erpflid^tung , bie
mit obiger 33erorbnung verfKeg unb balder i^re %nn)enbung in ben
meinen f^affen n)o^t nur gegen 9lid^tmitglieber gefunben ^aben
mod^te.
3u ben unDemteibUd^en Sudgaben gehörten in fernerem bie
§ur ^edtung ber 9}üd(fd^lage bei ben SRa^lgeiten unb ®d^en(ungen
erforber(id^en SeitrSge, bie jmar nur audna^mtoeife geflattet
maxvx, inbeffen nur aQjuoft Dorfamen, meil bie Oberen im SBonne^
gefü^l bed 9lugenb(itfd bie biedfafffigen Serorbnungen überfa^en
ober nid^t fonfequent burd^fü^ren mod^ten. ^reilid^ nahmen bann
in ben 9Ied^nungen biefe SuSgabepofien einen etmad befd^ulbigenben
6^arafter on, menu eS j. ©. ^ie§: „i ^funb fetter fdjhig bie
3unft ^inber uff bie «affnad^t (1489)^ ober ^uff 3. ÜJla^ 5lnno
1599 l^at man $aulud ^agenbad^d Xod^termann oon Safel
gefd^enft unb bamit bad "taf (en^äRal gehalten ; ifl mit 93en)i(Iigung
Ferren ^flegerd ^atob i^uberg ^inber gemad^t morben 2 ^
18 ß" u. f. w, 3w biefer S>^it fommen bie SRücffd^läge ^aufig
oor unb belaufen ftd^ nid^t feUen in einem 3a^r auf 10 unb me^r
$funb, ba eben jebe Gelegenheit unb jebed ©efd^oft jur Sb^altung
einer ?:afe(ung benü^t würbe, fo ^a(d man bie @iitjo§r an bie
taflen uffgefdjrieben" (1572), roeld^r anlog attjä^rlid^ fam unb
nur ben Sorfte^ern gegolten ^oben mirb.
Somit lenft bie @efd^id^te bed f^onbd auf bod ©ebiet ber
©efd^enfe unb (S^rengoben ein, meldte )u aUtn ^txttn bei ber
©efeOfd^oft jun Jtouf leuten in Uebung waren unb wieberum geeignet
finb, ben Oeift ber ^At on benfelben ya bemeffen. 35ic Sfleuja^rd-
gefd^enfe galten ^unod^fi bem ©tubenmirt^, beffen S^el^olfte unb
ber 3)togb ober ;3ungfrau unb fd^einen nid^t unbebeutenb gemefen
in fein, weil bei SefleOung eined (Stubenmirt^d borouf ^ingemiefen
würbe, bann würben oud^ $. 93. 9[nno 1419 „bie {ungen 2R&nd^e,
4*
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We fa^renbcn growcn, bic 93(inbcn, Sutcnfd^ta^cr imb bie ?f9ffer''
befd^enft. @8 famcn aud^ „©obenfd^enf innen" on bie ©irt^Sleute
vox, ebenfo ^atl^engefc^cnfc. 3luä bem 3a^re 1471 ©irb erjo^lt,
bag bet einer ^benbmal^l^eit, im SOtonot SRoi, bem Urt^eilfpred^er
3o^. ffonrab ^e^er jum 1:^iirmlein bie erfreuttd^e 3la^xi^t
gugieng, ^ba§ feine grau Siebfle mit einer ?:od^ter barniber ge?
fommen, worauf gebadeter 3unfer Urtl^eilfpred^er eine gonje SB51.
©efeUfd^aft beel^rt unb biefelBe e^rerbietigfl ju ©eootter gebeten,
ba bann 3fr. Cb^err ^e^er jum gotbenen Cd^fcn fid^ im Stammen
e. 30391. ©efettfd^aft vox bie bejeugte Affection bebanft. " Urtl^eir=
fpred^er unb ^rbfeffor 3J^9^«i^ würbe mit bem Sluftrog betrout,
„biefeä d^rifltid^e ©erf nomine aller ©efettfd^aftSgenoffen" ju
oerrid^ten. @8 murbe erfannt ,,jum ©teiffpfening" 1 I^ufaten,
jur ^ Ginfhidf eten" ebenfooiet, ju einem ^^Äinbbettpraesend" aber
einen fUbernen ^räfentirteCer im aßertl^ non fl. 53 unb fcd^ö
3ndferflödfe nebfl einer ^^ÜJlanbel^turten* ju geben, ©pater nol^men
biefe (^^renauSgaben auS ber ©efeüfd^aftdfaffe ebenfaOd einen
ernfleren unb jeitgemageren S^arafter an unb mürben mo^U^&tigen
!3n{lituten unb gemeinnü^igen Unternehmungen gugemenbet, eine
SSermenbungdmeife, me(d^e je länger jemel^r il^re Slnerfennung
finbet.
!Die Umgefialtung ber gefeQfd^aftlid^n ^Jerl^altniffe überl^aupt,
burd^ Sefeitigung be§ ro^en ®elbflgenuffe§ unb @infü^rung an-
flanbigerer Sitten, ifl neben bem @rnfi ber 3«^*«" l^anptfod^lid^ ben
befferen ©d^ulen ju oerbanfen, fobann inSbefonbere bem erleid^terten
SefudJ ber ^ö^eren Sel^ranftatten unb bem auS ben miffenfd^afts
lid^en @rrungenfd^aften l^emorgegangenen Streben nad^ ebleren
©enüffen. 9Rit g^^wben erfüllt e8 unä 511 erfe^en, bog in üKitte
einer jiemlid^ trojHofen ^t\t von äRitgliebern ber ©efellfd^oft oud^
in biefer Sejiel^ung ein guter ©oome oudgefheut mürbe ^ beffen
{bfllid^e ^rüd^te nod^ ber fpSteren Slad^fommenfd^aft jum 9lu^en
unb frommen gereid^en werben.
S)er äBol^ltl^atigfettgfinn ber SlltDorberen im ^rioatleben
begegnet unS fofl auf jcbem ®latt ber ©efd^id^te. 9lnfäuglid^
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roanbte jid^ bcvfelbe ben firc^Kc^cn 3nflituten gu unb l^attc mc^r
einen egoiflifd^en G^arafter, urn mittelfl guter 3Bcrfe baS Qtii ber
@eele )u erwerben ; bann aber roiirbe berfelbe gemeinnü^iger unb
na^m bte @efialt beg 3)anfe3 an gegen &ott für ergeigte So^l^
tl^aten unb oerliel^enen @egen. @§ rouvben Vergabungen gemod^t
gu ©unflen ber 3trmen unb Äronfcn, unbemittelter Durd^reifenber
unb fogenonnter ^auSarmen, 9Sergobungcu auS Xant unb 2ln=
•erfennung ben ©eifHid^en für gefpenbeteu trofl, fobann für ben
Unterrid^t ber 3w9«n^/ ö^ä einer „ ^flanjflötte erfpriegüd^er Äennts
niffe unb gef egneter ^ix^t unb ß^rborf eit. '^ ^n 93erf otgung biefe?
^^rinjipä würben aud^ ©tipenbien gegiftet für ©tubirenbe, Don
benen jmei; bie fpotere (Stiftung au3fd^lie§(id^, ben ©efeUfd^aftd-
genoffen gun ^ouf(euten gemibmet würben.
ßit |f0atf.
1)aS i\tq^itv'\^t Segat oefcanft feine Stiftung bem Ob^erm
3o^. ^atol ^it^Ux gur $offnung3burg, weld^er 9lnno 1722,
„in Setrad^tung ber oon bem lieben @ott genoffenen, gcif^tid^ unb
(eiblid^en SBol^Ul^aten unb befd^eerten reid^en @egen, gur @^re
®otte3 unb gur Scförberung ber Äird^en unb ©d^ulen" 4000
@ulben botirte, um barouS gwci ©tipenbien oon je fl. 400 abs
gugeben unb gwar für einen Stubenten ber X^eologie unb einen
©tubiofuä SuriS, mit ber ©rmäd^tigung jebod^, in grmonglung
eines S^^if^^it aud^ ba§ gweite Stipenbenbium einem Xl^eologen
gu oerabfolgen. 9llS Segugäbered^tigte l^aben bie ©efd^tcd^täoers
wanbten beS Stifters ben crften 9tang eingunel^men ; wenn feine
Bewerber fid^ oorpnben, fo ge^t bie Sercd^tigung auf bie übrigen
©efellfd^aftSgenoffen über unb wenn' aud^ unter biefen feine 8e=
Werber für bie ^u oergebenben Stipenbien wären, fo fann baS
©tipenbium für bie Ideologie einem Angehörigen einer anberen ©e^
fettfd^aft ober 3""ft ert^eitt werben^ inbeffen unter ber auSbrücflid^en
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Scbingung, ba§ auf ba« obrigtcitlid^c ©ttpcnbtum ^Scrjid^t gclciftct
merbe, toeld^ed bann oud^ ^ur ^^otge ^atU, bag feine ^ngei^orioen
anbetet Sotpotationen urn baS Bi^d^^t'fd^e @tipenbtum, a(8 bad
fleinete, (IdJ bewatben.
®o gtoge ^netfennung aud^ biefet n)o^lt^atigen Stiftung
gejoQt n)utben, fo fonnten bie SBünfd^e bet ©tubitenben anbetet
^äd^et, nameutUd^ bet äRebi}tn, nid^t untetbtüdK n)etben, bag bie
@ttpenbien aud^ auf fte auSgebel^nt wütben, n)ei( biefed ®tubium
,,ebenfo fofibat unb bem $u6(tfum fel^t nü^üd^ unb bienlid^ \t\)t,*'
21 Kein bet ©ottlaut bet Stiftung cetroe^tte bie Setüdfld^tigung
biefet, menu aud^ geteerten SBilnfd^e. Urn biefen ^nftd^ten Sted^nung
)u ttagen, fügten btei ©ompetenten: Sontab ^e^et jum gol^
benen Cd^fcn, Subroig oon Si^g'tc^ h^^ tot^en t^utm unb
®eotg Ofd^roaCb oom Sd^roanen im ^Q!^xt 1742 ben tfi^m^
lid^en (Sntfd^(ug, auf bad i^nen jugeftd^ette 3^^t%itx'\^t Stipenbium
itn ©efammtbettag oon fl. 1200 ju oet^id^ten, in bet ©troattung,
bag biefe Summe ,,fo roetbe emplo^itt unb aud^ fo batübet n)etbe
biSponitt wetben, bag biefe 9iefolution fammttid^en 3unfetn unb
fetten ©cfeCfd^aftSgenoffen unb in Specie benen in filnftigen
3eiten competitenben SubjeftiS )u ^iemlid^em 'J3ott^ei(, befonbetS
abet }u 93eibe^aUung gutet ^atmonia bienen metbe/' Salb nad^
biefen Setgid^tleifhingen fd^Iog ftd^ ein oiettet 9{enun}iant, ebenfalls
ein 3"tifl, Subwig oon S'^S^^r gum ©eigen X^utui, benfelben
an unO routbe ^iebutd^ bet SRitftiftet bed fogenannten dtenun-
gianten-tJonbg, meldtet füt aQe ©enoffeu gun ^aufleuten gefliftet
routbe unb nad^ bem SBitten bet Stiftet fd^on feit 3<^^i^«w alien
Stubitenben, meldte an itgenb einet n)iffenfd^aftltd^en Slnftalt,
Unioetfltdt, Slfabemie obet pol^ted^nifd^en ^nflitut Stubien betteiben
unb pd^ über gleig unb gottfd^titte mit ^«wflniffen auäweifen, ju
gut fömmt. 3^aS 3ieg(et'fdje Segat bettdgt jefet ^t. 850, ba«--
jenige au8 bem 9?enunjiantenfonb abet, füt Ideologic, 3wnSP^w*>^«^
unb aRebijin gt. 3000 unb füt bie übrigen gadget, al« : ^ö^ete
gl^irutgie, ^^ilofop^ie, ©efd^id^te, SRatunoiffenfd^aften, SMatl^ematif,
?J^ilologie, led^nologie, E^emie, '^ift^Txt, Sametolia, gotflmiffens
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f(^aft, 9tationa(ofonomte, Jtriegfiioiffenfc^ften, ^^ormaceutit Xl^ter-
ar^neifunbe, bilbenbe Jrünfie, Srd^ttef tur , 9RaUret, Silb^aueret
unb SRufif gr. 2000. S5ic ictDciCigen Sorfld^cr bcr ©cfcOfd^aft
unter 3u$ug bet gamUten s ^elteflen bilbcn bie Huffid^td? unb
Scnualhrngdbe^örbe über biefe beiben gonbd, n)c((^e ftetS mit ber
größten ©eraiffen^aftigfeit Derwaltet mürben unb nad^ Anleitung
ber befie^ben ^orfd^riften fo fd^one SiefuUate ^eroorgebrad^t ^oben.
iPtf bftbfit (ifffUfd)afl9l)attffr.
T^\t heutige ft'aufleutflube ertfiirt erfi 82 ^oifxt unb würbe
auf bent ^(a^, Den ber urdte fogenannte jtaufteutfiubentl^urm unb
bod erfle ©efeSfd^aftd^aud eingenommen, oufgefül^rt. @m>a^nter
X^urm mar ba§ ottefte ©ebiube in <5d^aff^aufen unb trug bie
3a^re8ja^l DCCCLXXVI. (876). i^od^fl ma^rfd^inlidj würbe
berfelbe mit feinen Slebengebäuben oon einem grafßd^ Üflellenburs
gifd^en Beamten bemol^nt; ebenfo mal^rfd^einlid^ ifl biefer "^^urm
biejenige ®e^re in ber 9la^e be3 jtlofterd SQer^eiKgen, meldte
®raf abalbert oon Ä^burg ju ÜWörSburg ju ©nbe beS 11. ^affx-
^unbertd befefiigen lieg, um bie 3R&nd^e Don Slller^eißgen im
@d^od^ }u l^atten unb $u bemflt^igen. @raf ^balbert oon SRörd^
bürg mar ein (Sntti be$ trafen Sber^arb III. oon SleQenburg,
bem ®d^aff^aufen bie (Stiftung be3 ^'(oflerd unb eine beffere
Srifieu) gu oerbanfen ^at. Unge^aCten auf bie äRönd^e, benen t&
gelungen, feinen frommen Cnfel ®raf ©urfl^arb oon Slettenburg
5lnno 1080 ju oermögen, auf bie bei ber Stiftung btS Älofler«
oorbe^altene Sboofotie )u oerjid^ten, gieng ber 9leffe bamit um,
biefen %(t ungültig ^u erflaren unb brang fid^, als ber Sugen^
blidC }ur ^udfü^rung gefommen, mit @emalt ben äRSnd^en als
@d^irmoogt auf. 9tad^ ber ^^ronif eineS S^i^S^noff^f ^^ äRönd^d
8ert^olb ju Sonftan^, unternahmen bie Sonoentualen §u Stiers
^eiligen im ^ai^xt 1098 einen 93ittgang nad^ bem SBo^nfi^e i^red
66
öcfkengen ©d^itmoogt« , oon wo auä bicfclben, uncrod^tct bcr
^odjücrc^rtctt Sicliquicn, bic fic mit jtd^ führten, eine 2lrmbnift=
®a(üe erhielten, bcrjufotge fie fid^ eiHgfl, unter äwrücflaffung
einiger lobten unb 3?enounbeten , noc§ bem Äloficr flüd^teten.
3m Saläre IUI erl^ielt ba§ Ätofter oou Äaifer §einrid^ V. bie
SemiOigung, einen ©d^irmoogt nad^ freier Sa^l onjune^men, oon
xoti^tv bie Ferren oon ^derzeitigen ju ©unften bed gefixrd^teten
@rafen %ba(6ert, um benfelben ^u geroinnen, ©ebraud^ mad^ten,
inbeffen erft in ^olge eines neuen faiferlid^en ^rioilegiumS oom
^a^re 1120, ben nad^gcfud^ten beffern ®d^u^ gegen beffen 39e-
brütfungen auSroirften.
!Die erften fid^r befannten 8efi(jer bcS J^urmS bei ben
f^ifd^bonfen ober bed ^aufteutflubent^urmd roaren bie $än oon
SBeringeU; oon benen berfelbe an ^ermann oon SBinfelä^eim übers
gieng, roeld^cr Slnno 1318 barin wohnte, ^m S^^ve 1331 rourbe
biefer S^urm nebft ^Ingebäube oon iEBit^etm im X^uru bewohnt,
ber bamald mit feinem ©ruber 9?ügcr im I^urn jroei ßaplaneis
pfrünben ju ®t. Sol^anneä fliftetc. 3Son ber gomitie im I^urn
gieng biefer äBo^nfi^ an eine ber beiben abelid^en @efeQfd^aften
über, bie in bemfelben i^re S^rinfflube etabtirte, unter ber Se-
jeid^nung „SRiebere trinffhibe" im ©egenfa^ jur ,, Oberen" am
©algmorft.
93ei ber im ^df)n 1394 erfolgten 3?erfd^meljung beiber
obelid^en ©efellfd^aften unb Sereinigung berfelben ouf ber oberen
Stube, ber fpoteren §erreuflube, giengen Xl^urm unb §ou8 an
bie ©efeUfd^aft jun Äaufteuten über, bie boä ©efeUfd^oftö^auS
bequem unb nad^ äRaggabe i^rer gefeDfd^aftlid^en @rforberniffe
einrid^ten liegen. (Sine 93equem(id|!eit jcbod^, im weiteren ©inne
beS 33BorteS, fonnte erft im Saläre 1409 in %ol%^ gefälligen
@ntgegenfommen§ ber 93arfü§er erjielt werben, meldte in ©etrad^-
tung „ber großen §ilf unb gfürberung, fo bie erfamen unb frommen
ber ©efettfd^aft uff ber Äouflüt^Jrinffhiben, bem ©o^^ud mit
9llmofen geben, mit SKeffen ju fHften unb mit anbem troftlid^en
©ad^en bid^ar oft unb hid erjaigt,'' unentgelblid^ einen ^la^ ^ieju
57
am $aufe ^um Unterl^of einräumten, mit SemiDt^nng i^red $ro'
oinjiald aud^ i^reS Seibgebing^mannS „C^ori oon ^iet^eim/ bet
^ur ^txt biefeS ^auS bemo^nte.
S)a8 alte ^efeQfd^aftd^aud mar jmeiflocftg, im erflen @to(!
Manb {td^ bag @efea|(i^aft3(ofa(, im ^meiten auger einem 3ii>inier
)u gefedfci^aftlid^en 3n>(<^cn bie SBo^uung bed ©efedfd^afrdbienerS ;
jebed (Btodrotrf mar mit einer ßüc^e oerfe^en. Ter 9{aum ebener
(Sxht mod^te oormald jur Slufbema^rung oon ^o() u. bgl. aud^ be$
97üftmagend gebient ^aben, murbe aber im 17. ^a^r^unbert )u
einem fog. Seid^enfaal umgemanbelt, in metc^em namlic^ bei fieic^en^
beganguifTen oon ©efeOfc^aftdgenoffen bad Seib ^ttia%i murbe. 9uf
bem Tad^boben befanb jtd^ eine J^oi*nfd^ütte, meldte, nad^bem biefe
£ofalitat grünblid^ renooirt mar, oermiet^et murbe. Tie brei @to(f-
merfe bed T^urmd mürben aid ^ufbemal^rungdort für allerlei
jtriegdgerät^fd^af ten , aid : SBaffen , Slüflungen, dteifejelt u. f. m.
benü^t, ma^renb ber 9?aum }u ebener (Srbe aid 99arbierflube oer?
tiefen mar.
Tie ©efeUfd^aftdfhibe mar nieber unb finflcr, tro^ ber auf
ber i^auptf route angebrad^ten 12 l^enfteroffnungen in 4 Vbt^ei-
(ungen )u 3 0enflern, oon benen je bad mittlere um einen gflügel
über bte beiben anberen l^eroorragte. (Sd maren biefelben in diu
mölbebogen eingefe^t, bie auf boppelten ®aulen ruhten unb eine
breite Unterlage Ratten ; überbied murbe ber 9?aum bed äinitti«^^
oon SBanbbanfen, maffioen nmben, aud^ einigen langen "tifd^en
unb Saufen fe^r beeintrad^tigt. Tie Tiele mar gemolbt unb oon
$ol) fonfhruirt, eine fogenannte @d^oodbü^ne, unb bie X^üre
entfpred^enb fc^merfällig unb mit breiten ^udtabungen oerfel^en,
moju bann nod^ ein gemeiner, umf angreid^er , unglaftrter unb
angefhid^ener j^ad^elofen fam, um ooQenbd ben 9{aum )u oerengen.
Unter biefen Ser^altni^en ifl ed begreiflich, bag bie ©efeO--
fd^aftdgenoffen für i^re abenblid^en 3uf<^nimcnf^>^f^^ ma^renb ber
feigen 3<i^T^S}ci^ i^n ^freien eine Buflud^t fud^ten, bie ber ©arten
hinter btm $aufe gemalerte, meld^er oon jmei Sinben überfd^attet
murbe, um meldte runbe Xifd^e angebrad^t maren. Tiefe Sinben
58
mußten von ^txt ju 3^'^ gefiüdPt loerben, um bad 3)a(^ ettttiS
nachbarlichen ^aufeS oor Sd^aben ^u jtc^ern, fo ^nno 1495, al8
ftc^ bie ^orfle^erfd^aft genötl^igt fa^, ben ©olbfd^mieb f^riebrid^
J^raft roegen einer SBafferbole unb unjlatt^after 93enü^ung feiner
iüd^töffnungen in ben ©arten ber ©efeüfd^aft, oor üRarc^engeric^t
^u oerflagen. Cbfc^on bie J^Hagerin im ^ed^t beflanb, mugte bies
fclbe bie SQBeifung entgegennehmen, bie beiben Sinben ,>biö^ ufi_bie
alten S)tum)ien ftümmlen unb ab^oroen )u laffen.^ ^m ©an^en
genommen, fam bie ©efeQfc^aft feiten in ben gaU, i^re i^auSred^te
gegen Singriffe ber Sflad^barn magren, noc^ meniger fic^ biefed
gre^Ierd megen oerantmorten )u muffen. 3lU Slnno 1543 Sonrab
Salbenl^ofer 5um ^vAtr fic^ beigeben lieg, an ben äRarfttagen bie
^eroorfle^enbe ^^urmecfe unb biefen felbfl jur Slud^öngung oon
„ lapeten, (Sorgen (Sorbürcn) unb bcrgleic^en auc^ f onft Äromer?
©ottierung" ^u benü^en, fc^te fie bemfelben feinen Uebergriff
auSeinanber, begnügte fic^ inbeffen mit einem 9ieoer$ unb ber
Bufic^erung eined jö^rlid^en ^la^jinfed oon 2 Se^emfc^ ober 6
Äreujern.
©nem fpdteren Seft^ei* beS §aufeä §um B^ber, bem ©efell-
fd^aftSgenoffen ©ecfelmeifier 4»an8 ßafpar Stocfar, mürbe
Slnno 1571 bie (Srbauung eines ©rferd, unter Senü^ung ber
X^urmmauer auf bie gluckt berfelben, gegen einen SteoerS bemiU
liget. 3w ber befien urfunblic^en govm ausgefertigt blieb bie
^ergament^Urfunbe unbefiegelt bis jum Sa^re 1647, ju welcher
3eit Conrab §uber Sefl^er beS §aufeS jum äw^«'^ n>"^i>« w«^
burd^ eine 9lad^fd^rift unb bie ^n^dngung feines Siegels ben
»eoerS beftdtigte.
3m 3tt^te 1551 unb 1654 mürben §auS unb Xl^urm
bebeutenb renooirt, allein man überzeugte fid^ na^ ber legten
9tenooation nur aU^ubalb, ba§ ^ieburc^ nur eine jeitmeilige Ser-
befferung erhielt morben fei unb mad^te ftd^ fo nad^ unb nad^ mit
bem ©ebanlen oertraut, fomol^l £^urm als J^auS abbrechen unb
ein neues ©efeÜfc^aftS^auS erfletlen ju muffen, um ben immermdl^s
renben 9?eparatur(often überhoben ^u merben unb ben ^nforberungen
59
ber Bett unb ben gefellfci^afttid^en (Srforberntnen @enflge )u letfien.
3n.9Ritte bed 18. ^a^r^unberts mar ber B^i^P""^^ gefommen,
urn mit oonem 9tt^t bie Stn^anbna^me einer 9leubaute gu befür-
worten, ba bie @efellf(^aft$flube (aum me^r ben not^igen 9taum
barbot, urn bie jal^lreic^en 3Ritglteber aufzunehmen. Ueberbied
mißfiel ben jungen ®enoffen baS ganje ,,aUfran(if(l^e @ebäu»/
meld^eS aQe gfeliler unb aRigbeUebigfeiten in ftd^ oereinige. ®e(bf}
altere SRitglieber marfen, burd^ bad ftete Serfd^ieben ungehalten,
enbtid^ bie f$rage auf, ,,ob ed nid^t aUerbtngS bie (S^r unb 9{epus
tation er^eifd^e, ba^ eine bereite im ^[a^r 1762 bewirf te Srfanntnig
je elinber je lieber ooUjogen unb o^ne 9lnflanb unb 3<itoerfaum=
nig Praeparatoria jur Erbauung eineS neuen ®efellfd^aft3^ufe8
gemad^t'' mürben. Son ben @egnern einer folc^en Unternei^mung
mürben jmar bie oorl^anbenen 2)tange( anerfannt, aud^ bie 3Bünfd^c
barfeit eined neuen ©efeÜfd^aftSl^aufeS jugeftanben, bagegen bie
äludfül^rung biefed ^^Stojeftd, menn badfelbe ^ur ®prad^e gebracht
murbe, auf geeignetere ^tit, b. ^. bis ber ©efettfd^aftsfonb bie
erforberlid^e Qb^t erreid^t l^aben merbe, urn fold^ groge Unfof^en
unbefd^mert ber übrigen Seifhtngen prafHren p fonnen, jemeilS
mit (Srfolg )u oerfd^ieben beantragt. Bn)an3ig 2|a^re maren bereits
oerfloflen, feit ber erfle 9(ntrag megen (Srbauung eineS neuen
@efeIIfd^aftS^aufeS gefteQt murbe, eS amtete bereits eine 9au=
fommiffion unb bennoc^ gelang eS ben angfllic^en @egnern am
9. SDtai 1779 einen nochmaligen SSerfc^iebungSbefd^tug ju bemirfen,
bis ber ©efellfd^aftsfonb bie ®umme oon ft. 40,000 erreid^t ^aben
merbe, moran, im SSorbeigel^en gefagt, nur nod^ fl. 500 mangelten.
Salb nac^l^er murbe Med. Dr. ^o^^nn 2|afob oon Bi^d^^t
3um Obl^errn gemo^lt unb ^ieburc^ eine ju 6^ren beSfelben ab-
ju^oltenbe ana]^l}eit ben 9Ritgliebern in SuSftd^t gejieUt.
Unerad^tet beS Sauoerfd^iebungSbefd^luffeS murbe bei 9nlag
beS Sled^nungSbotS am 6. ^ejember gebadeten ^al^rS burd^ (Kapitän
$e9er ^um 3;rauben in (Srinnerung gebrad^t, mie ^bei ipaupt^
unb anberen solennen %n(affen man genöt^iget fe^e, auS SRangel
an $la^ in ber ©efeQfd^aftSfhibe nod^ einigen (S^ren^^Sliebern in
60
bem Seib:®aa( $(a^ anjuroeifeti, xotl^t^ abei in ber 7l^at unter
aQen Zittin fe^r unbequem unb %ax nic^t fd^icfltc^ fe^e.^ Urn
nun biefem Uebel^anbe abAu^elfen, finbe er ftc^ oevanlafet, ben
?(ntra9 ju ftetten, e§ möchte bie 5?onia§me einer ^auptreparatur
gencl^migt »erben, welche circa f(. 1500 betragen roürbe unb
geeignet roäre, ben ^Jebürfniffen bcr Ö^efetlld^aft auf ^a^rjel^nbe
^inauö ,^u genügen, barin befle^enb, baß eine neue t^intermauer
aufgeführt, bic Sc^ooSbü^ne entfernt, bie 5^nf^«^*bänfe ncbfl Säulen
roeggebrod^en unb neue Jcufler angefc^afft mürben, rooburc^ ba«
Ö)efettf(|aft0(o?al an ^Haum unb Sic^t gewinnen unb ju einem
„ frol^müt^igeren Bin^n^er" umgcroanbett werben fönnte. I^iefeS
3?cparation§projeft (cuc^tete ein, inbef^cn fanb man für notl^roenbig,
bie 9(u§fü^rbar(eit be§fe(beu ^auptfac^Iic^ be^üglic^ ber ((rage, ob
^iebur(| nid^t bad ganje @ebaube gefa^rbet merben fönnte, ber
Saubireftton unter Seijug oon ®er!meiflern gur Prüfung unb
Seantroovtung ju unterfletten. 'Der Sefunb berfelben lautete ba^in,
ba§ nac^bem aud^ bie ©rftcHung eines neuen I)ac^jhi]^(8 unum=
gäng(i(^ not^rocnbig fei, eä roünfd^bar märe, aud^ bie ©orbere
grontmauer ab^ubred^en unb neu ^u erftetten, rooju benn auc^ bie
©anbireftion ermächtigt rourbe, unter bem Slnfinnen „nad^ i^rer
guten Sinfic^t ba^in ju trad^ten, ba§ biefe« Sauroefen je el^nber
je lieber beförbert werbe.'' —
©irflid^ würbe bie 93aute rafc^ an Rauben genommen, bie
beiben fronten abgebrochen unb bie Wintere SKauer aufgefül^rt,
oud^, um bem „uralten J^urm ein etwefd^eS 9tnfe§en ju machen
unb mit bem übrigen ®auwefcn ju egaliflrcn," eine Sic^t'Ceffnung
in bemfclbcn erweitert, um einen Ärcujporf einjufetjen, ä^nlic^
benjcnigen an ber $auptfronte. 9118 am 19. ^uü (1780) SlbenbS
bie Erweiterung bereits fertig war, er^ob fic^ ein gewaltiges Ärad^en,
ber 2:i^urm erhielt mel^rere ?Riffe, fo fe^r, ba§ bie 9lrbeiter fc^redfen-
erfüllt booon liefen unb bie ganje 9lac^barfd^aft in 9lngH unb
Sefümmemife geriet^. 3"^^ Beruhigung berfelben würbe ber tl^urm
mit 93alfwer( unterfW^t unb beffen 9lbtragung, foweit biefelbe
erforberlidj fein werbe, f of ort in Eingriff genommen. 9lm 26. 3uli
61
lourbe btefeS (Sreigniffed tpegen ein augerorbentüd^ed ©eBot ah
gehalten unb nad^ einlagtic^er ^ludeinanberfe^ung ber baulid^en
3Jerpltniffc bcfd^loffen: ,,nac^bcm biefcr urattc, fiber bic 900 3^1^^
^geflanbene ,(tauf leutflubent^urm , ooii oiclen itittn \)tx roegen
„bo unb borten fid^ barin gejeigten Riffen eine gan^e SB. ^.
,,@efeIIfd^Qft unb erfl jüngfl wieber bie gan^e 9iac^6arf(|aft in
,,ben 8u§erften ©c^rcrfen unb Unru^ gebracht, fobann auc^ — roie
,,oerlauten will — bad ^unbament beffelben fe^r fd^Ud^t, folglich
,,fe§r bebenttid^ roar, aud^ nur bie §a(fte be« Il^urm« flehen ^u
„laffen; alS foOe biefer alte "i^urm mit bent l^eutigen tag feine
,,6nbf(^aft erreicht ^aben, bergeflalten , ba§ burc^ bie befteQte
^ ©erf lent mit bem 3lbbred^en roeiterS fürgefa^ren unb (berfelbe)
,,bi8 auf ben ®mnb abrafiert werben folle^C!). 3n golge biefe«
Sefc^luffeS legten bie biSl^erigen 99aubire(toren i^re ©teilen nieber,
worauf eine neue Saufommiffion befieUt würbe imter bem Sorjl^
be8 JRat^^errn unb @§reugefanbten ^o^^nn 3ö^ot Bi^gl«^-
^tx ipian §u bem ntxxtn ©cfeUfd^aftS^auä, unter 93enfi^ung ber
^offlatte be§ X^urmS, würbe burc^ ben ©tabtbaumeifler Speng-
ler entworfen unb ju befferer Seranfd^aulic^ung beffelben burc^
3o^. Sonrab 33ogler, Silb^auer unb ©(^reiner, ein ^oljmobel
angefertigt, wonad^ fobann bie Saute burd^ ben 9Jtaurermeifler
3. 3afob 3t^ glüdflic^ ausgeführt würbe.
3m Slpril 1784 war bag neue ©efeafd^aftS^au« erfleHt,
welches beiläufig auf 32,000 ©ulben ju fte^en fam. ^ie (Sins
weilfung beSfelben fanb erfi am 23. ©eptember 1784 fiatt, bi«
in weld^em Xage bie fc^on 5 ^a^xt juoor projeftirte ^b^altung
einer Cb^errensüJla^ljcit oerfd^oben würbe. Die Pfleger erhielten
ben Sluftrag, mit bem ©efeUfd^aftäbiener „eine nieblid^e, bieferem
6^renanla§ anftSnbige aRai^l^eit'' ju oerafforbiren.
62
^tf llitglifitfr.
3uT Seroodftftnbigung bet DarfleQung ber gefetlfd^aftlid^en
'Ser^altntfTe überl^aupt, indbefonbere aber ber biSbal^in nur oer-
einjelt erio&^nten ©efeOfc^aftggenoffen folgt ^ier junad^il bad ftltejle
SRitglieberoer^eic^m^, loelc^ed ber 9te(^nung oon 1418 beigefilgt
ift; fobann bte Sluf^al^lung ber ©efetlfd^aftgoerleil^ungen an bie
f pater eingetretenen ®ef (^le<|ter , xoit fold^e auf ber SBoppentafel
oom ^aifxt 1848 entl^alten ftnb.
1. $r. nicoL Crnfl. 19. 19. Cngrlmann. 36. 5i^«99.
2. ^iam.
3. ^tmenfr
4. jttlinr.
5. ^aUoiorr.
6. Jkt^,
7. »firdj.
8. junftmriflrr.
9. Vli pai^rr.
10. Hans lltaltr«
ll.i|an0 pflugrr.
12. S. «olifmit.
13. ISrri^matfter.
14. dabrl^ufer.
15. % », SiefTenlj.
16. jSalmasmiUr.
17. «. jfib.
18. JSfiinaer.
20. e. JJarter
21. f ttjr.
22. Ittarti |Kfin^
maiftrr.
23. jStipprr.
24. % jSlattrr.
25. |o. jSlatter.
26. ^erbft.
27. IBfintnger.
37. ISerIi 0011 S^^.
38. 1|an0 ]9etrr.
39. jSUttr^^ribtr.
40. IKat^ias.
41.^nt^oii9.
42. (Stiver.
43. jSmt^er.
44. Clingrr.
45. ^an0 Rattler.
28. |0. oon Skx^tn. 46. Hiet^er.
29. QLl. oon 1|agnoni. 47. i$. Ilegttli.
30. «. Jlifglfr.
31. H. ]9arter«
32. 1|. ^ron.
33. Vrenboli.
34. CI. WifT.
48. «u^.
49. (6txfitx.
50. U. «olt.
51.1|aninan jtfgUr.
52. likli 5aiUr.
35. jSi^errrr.
^iefed äUefie aRitgUeberoerjetd^ni^ btente aU (Sinjugd^SIobel
unb tragt bie Ueberfd^rift ^l^iigenommen oon 3cili<$^tn vig ß al8
^tenad^ gefd^rieben flatt.'' S)ur(^ Sergleid^ung mit ben fpfitem $ers
^eid^niffen, me^r aber mit ben 9ted^nungen unb anbem glaubmür^
btgen 9Uttn, i{l eS gelungen, bie £fi(fen big an n)enige aufzufüllen,
ebenfo über bie aufgeführten $erfönlid^(eiten, burd^ Seifügung bio«
grapl^ifd^er unb allgemeiner 9lott§en; etweld^e Sluffd^lüffe 3U geben.
63
1. 9{icolau3 (Srnfl, (Kaplan an @t SRid^aete ^lltar )u
@t. gol^ann, oon 1399—1417.
2. 9lbatn ^ron, beS kleinen Stalled. Slnno 1425 mirbe
er oon 9Cüger im ^^urn ^ur $afe({laube, €onrab ©d^roager unb
einem oon gulac^ überfallen unb (eben^gefd^rltd^ oenounbet. S)ie
^^ftter mürben für biefen f^reoel mit ber l^ol^en Suge oon 80 %
feller belegt unb für 1 Sal^r oon ber Stabt oermiefen. Anno
1438 murbe 31. Stxon ^um 99ürgermei{ler erma^lt, meld^eS Smt
berfelbe jebod^ nur furje ^dt befleibete. 0
3. ^einrtd^ S^niafe, einer ber jjentgen Slbeltd^en, bte Slnno
1394 auf ber 9tiebem @tube blieben unb ber ©efeOfc^aft )un
J(aufleuten fid^ etnoerleibten.
4. Sonrob 3w6er in ber Unterpabt. S)iefe8 ©efc^led^t
eriftirte nod^ 9(nno 1532 in @d^aff^aufen, fd^eint aber mit Srl^arb
Buber erlofd^en }u fein.
5. JpanS ©allauer, 1423 Sunftmeifler unb 1431 ©ürger-
meifler. @r roo^nte in ber SJepfergaffe, f 1441. Ueber bie ^attauer
ober bie oon $allau, meiere fd^on im 13. Slal^r^unbert urfunblid^
auftreten, bemerft Sauger, ed „mill mid^ bebunfen, bie guten e^r^
lid^en Seut^ ^obenb bie @eiftlid^en Reifen reid^ madden, mobei fie
in 3lrmut]^ fommen."
6. SBil^elm Xt^, an ber Slepfergaffe, f oor 1434.
7. ^ermann A'üfd^ (auc^ J^ünfd^), Sefi^er be$ ^aufeS
jum ÄönigSfhi^l bi« jum 3a^re 1440. ») 2lnno 1408 murbe er
oon Sreil^erm 2!o^<inned oon Mengen, $errn ju Sglifau, mit ber
9Rü^(e )u ^ad^fen belehnt. >) 9la(^ bem Serfauf feineS SBo^n^aufeS
in ©c^aff^aufen bejog er baä ©d^log 5re9enPein am 3rd|et. Die
©efangennel^mung eineS SRanned auS jener ©egenb, „umb fd^led^ter
Urf ad^ miOen, "^ oeranlagte eine grofie Erbitterung gegen ben @(^lo§::
l^errn, medl^alb ben 28. 9looember 1443 unter 9(nfü^rung bed
^einrid^ ©d^menb oon B^rid^, 93ogt ber ©raffd^aft A^burg, bie
älngel^örigen ber ©raffd^aft, unterfiü^t oon Bujugern ber ®tSbte
>) «uget u. U. >) Urt bet t>. 3B. ^. •) 3. 3. 6pleii (E^roniji
64
SBintert^ur unb !Z)ie§en^ofen^ oor bad @dflofi ^ogen unb badfelbe
mittclfl gcucrpfcilen *) in ©raub Pcdtcn , n)obut(| bic ©efa^ung
$UT Uebergabe genot^tgt murbe. Ob ber @ier nad^ 8eute oergagen
bie @teger ben (befangenen, ju bef^en ^efreiuung fte oor bad
®(^lo§ gebogen, bid berfelbe unrettbar oerloren war unb erjlidte.
©ad ®(^lo§ auf ben @runb gerflort, blieb fortan Siuine. ') $er-
mann jlüfd^ ^interlieB einen gleid^namigen @o^n, wetd^er noc^ 9(nno
1481 in ben äRitgüeberoerjeid^niffen ber ©efedfc^aft erfd^eint.
8. $and Singgi, )um fd^marjen SBegeifen, je^t )um Sin-
^orn. Erntete 9nno 1405 aid Statthalter bed Sogtd $einrid^
©on 9tanbegg. •) @r mar ber erfle äwnftmeijler ber ©efellfc^aft jun
J(aufleuten unb murbe Snno 1412 jum ^mtdburgermeifter erro&^lt,
meldte ©telle berfelbe alle anber ^af)xt bid 1418 befleibete.
9. Ulrid^ ^e^er oon £^engen }um ßaftg, ein Sruber bed
9lbtd 2|o]^anned ^eper ^u Slllerl^eiligen. @r mar Urt^eilfpred^er
unb aJlitgtieb bed ©rogen Siatl^d %nno 1413. SBa^renb fein
Sruber ,,eine ^al^m^ aid SBappenbilb fül^rte, {tegelte er fd^on
9(nno 1403 mit einem 9{ab, melc^ed 9Bappen feine 9lad^(ommen,
bie ^eper im $of, ^ur @tunbe uod^ gebraud^en.
10. $and SDlaler, feined Serufd ein ^lad^maler. ^©tuben^^
fnec^t jun ^aufleuten oon 1431—1443.
11. $and $fluger.
12. Sonrab SBalbtirc^, genannt ©olbfd^mieb, ein ®o^n
oon $einrid^ SSalbtird^, metc^er in ber ©c^lac^t an ber ÜBolfd-
l^albe fiel unb SSater bed Sürgermeifterd ^an^ aSBalbfird^. (gr
faufte 1429 oon Slifabet^a oon Xflfen bad $aud ^um ®tord^$
lein, ie^t funnel genannt, f 1448.
13. ^einrid^ 9Ber(mei{ler. ^tx ©efc^led^tdname ifl
unbefannt. 3n ber @igenfd^aft aid SBerfmeifler übertrug i^m bie
@efellf(^aft ^nno 1431 bie Sr^eHung einer 93arbierfhibe im
jtaufleutfiubentl^unn.
') „man f(^of[e ^euer ind 6(^10^.'' ') @plei6'f(^e Gbronit,
Stumpfe G^ronit 2c. ■) Urfunbe in ber ©p(ei^*f(ben G^ronit
65
14. Sonrab ®a6ell^ufer, S3eft^er beS ^aufeS )um iteffel.
3m 3a^re 1401 pachtete er ©on bcr ©tabt bic ©cfätte bc8
3Bem)oQeS; $an8 Sxon unb Utrid^ $e9er leifleten Sürgfd^aft
für i^tt. 0
15. ^einric^ oon SJiefecnl^ofcn f 1418. I^cfjcn ffiittme
„bte Srfam f^roio Slara^ oerHel^ %nno 1431 txnln Stingarten
im Urtocrf für ben britten Z^Al beS (SrtragS jum QrrMei^en. *)
~16. $einrt(^ oon ®almangm9ler, Pfleger unb Ser^
n)efer beS ^lofierd ^arabied, in weld^er (Sigenfd^aft berfelbe Stnno
1416 mit Sütfrieb bem iDtuntbrat oon €onflan} einen jfauf
abfd^lol. ')
17. Sonrab 89b, gur Sinbe (^tr^tx^o^), 1413. SSon
$einri(| ^rmafe (3) (aufte er Slnno 1429 bad ®d^I5^(ein Sön)en^
burg im Urmerf, ben untern Sdwenflein. *)
18. $and Söffinger, jum Stebftod in ber aRünflergafle.
mt feinen 93rübern Siubolp^ Söf finger, ^riejler, unb ^einrid^
Sofftnger entlel^nte er 9(nno 1418 bei ber SapIanei-^Jenoaltung
@t. So^anned )u 9ltler^eißgen ein Capital. >)
19. ^o^anneS Sngelmann, ©olbfd^mieb oon ^a^ngen.
3l^m war bid jum 3a^re 1412 bad von SBemer jum I^or l^ers
rül^renbe Selben bed .ftornma^ed oerfe^t, meld^ed in biefem Sa^re
oon ber ®tabt um 340 rl^n. @utben audgelodt murbe. <)
20. ©onrab S arter. (5r mol^nte jum rotten Sd^Ub,
n^eld^ed $aud er "anno 1405 für 427 r^n. @u(ben oon ®ö^
©c^ultl^ei^ oon 9tanbenburg ermarb. ^) ^xoü ^al^re juoor erlauf te
er oon 3tal 36^ler für 260 ©olbgulben einen SBeingarten nebf!
Irotte in ®ruben •) unb 3lnno 1418 oon Sertl^olb ©d^dnburger,
@d^neiber, einen ©arten oor bem (Sngelbred^tdt^or *) 2C.
21. Sucad anüngmeifler. 3)en ®efd^(ed^tdnamen (ennt
man nid^t, bagegen ifi fein f^amißenwappen auf und gelommen.
») etabtbu(^. >) Urf. bed bift. onttq. SSereind. •) Url. bei ^.
SB. i>. •) Urf. bed bift ontiq. 33ereind. ») Urt bei i>. 3Ö, ^. •) (Sbenba.
"*) ^audbrief bei ^erm 3. @. Saffon. *) Urt. bei ber bH fd^mei}.
Boubireftion. *) Urt. bed bift. antiq. Sereind.
66
er würbe in ber 9tegcl SKripcr SufaS betitelt. 3m ^o^re 1417
letflete bie ©tabt für i^n Sürgfc^aft um bie @umme loon 360
©ulben gegenüber Slara @^tnger, geb. @rünberg oon Sonflanj.
3ur ©id^erflettung oerfd^rieb er ber ©tabt fein §au8 am ÜRarft
mit aller ^dSfxffait. »)
22. aWdrtin aHünjmeijier, ©olbfc^mieb.
23. §einrid^ ©teigbar, ein ©ruber be8 ö^onrab ©teigbar.
3^r beiber 6rbe SRubolp^ ©teigbar, ß^orl^crr ju SWünfier unb
Kaplan ballier, ftiftete 9lnno 1475 bie ©t. ÜRaria gapelle ouf
bem $errenacfer, jur ©teile be« je^igen §aufe8 jum SudJ«. *)
24. ^einrid^ oon ©d^latt, aud^ ©(glatter genannt, 9{i<i^ter.
er amtete «nno 1426 als ©tettoertrcter ber ÜRargarct^a 2bw,
Äloflerfrau ju ©t. ?lgne§, bei einer 3in^»«tf(^Teibung ju ©unpen
bcrfelben. •) 3^"^ gel^Srte bie fogenannte gnaelmannSfdSeunc auf
bem ©djü^engraben, aud^ befafe er ®üter auf ^iljinger?, Sbringer?
imb 9tietl^eimer5®emarfung ic, •)
25. ^anS oon ©d^latt ober ©d^latter, Kmmann bed
ÄloflerS ©t. ?lgne8. ^m ^a\)xt 1395 er^ob 3o^önntt oon ©riegs
^eim, SBittme be« $and ^eggenji, ^lage gegen il^n megen unbefugter
SerSugerung eine« i^r ^uflanbigen oon 9{ofenegg'fd^en Se^engutS
JU 9tiet^eim. Der l^iefige 9?at^ crf Idrte bie Älagc als unbegrünbet. »)
26 ^crbjt. er erfd^eint al8 Äapitalfd^ulbner ber
©efellfd^aft, wirb inbeffen immer o^ne taufname aufgeführt.
27. §an8 Süninger beS Statins unb ©ecfelmeifler, meldte
©teile berfelbe fdjon ainno 1422 bcfleibete. er faufte «nno
1426 oon aOtargaret^a tempter fernen jinfe ab einer jpuobe }U
9laj]^eim. •)
28. 3o^anne« oou eid^, Sater bed 99ürgermeiflerd ^lU
(olaud oon eid^.
29. 9licolaud oon ^agenon).
30. ©onrab &\t^Ux, ^eterS, be« ©tammoater« ber gfa«
milie ^it^ltv in ©d^aff^aufen, ©o^n. Der Sater, ein Kaufmann
*) Urhmbe im Itantondard^io. >) Stiftung^urt. bei ß. ^. ip.
•) Urt. ebenbo. •) Urt. im Stabtarcbio. *) Urf. bei Jp. ®. $. •) ^benbo.
67
unb 9Rit()lteb ber @e|e[l)d^aft jun ilaufUuten, txtoaxi für Sonrab
3iegler ;,uff bte 39^ aid fid^ bte Blufft angehebt ^anb unb gemad^t
loorben ftttb, ^ bad 3unf tred^t bet ben Jtauf(euten. 93et bem aud::
gebreiteten .^anbel roar ed faum 3U oermetbeu, bag ntd^t mitunter
9Baaren ^um Serfd^lug tarnen, votldfc fheng genommen in bad
&tvotxbt ber jtramerjunft gehörten. 9(nno 1433 reftamirten beg-
»egen bte Äramer, bag ,yber @rfam ffunrat 3'^9^^^/ i^^^^ Bwnft
jugel^oren unb bienjibar jtn f odt. ^ S)iefe 3(ngelegen]^ett murbe )ur
(Sntfd^eibung ben beiben Statinen vorgelegt, votU^t in ^erüdfld^-
tigung bed Sad^oerl^altd oor ^ftngfien gebac^ten Sal^red eriannten,
bag er ferner d „bi benfelben Jtouflüten unb in il^r Bunft fin unb
beliben foQ, bod^ oon bed ®emerbd wegen ber ^romere^ ... mit
ber Bunft, ob fie bed nit entberen motten , überfommen mag^
i^nen barumb ^u tunb atd benn ber B^nft ®ttt unb ©omonl^ait
ifl 2C." *) Ob bem ©eroerbe ©ergag 6. ^itg^itx feinedmegd feine
bftrgerlid^n Obliegenheiten, ©d^on 9nno 1421 leifiete er für bie
93aterfiabt 93ürgfcl^aft gegenüber ber Snna ©enbler geborne 2om
unb übernahm Slnno 1440 bie fd^mere Sfirbe eined ©edelmeifierd.
31. ^einrid^ »arter, bed »at^d «nno 1437. SRit €on=
rab ^xt%itx, feinem ®d^mager, faufte er Slnno 1434 oon jpand
Ulrid^ oon Xettingen ben 9Bei^er im Urmerf. >)
32. ^ermann ^ron, genannt ber Slieber, leifiete mit
feinem ©o^n «nno 1382 «ürgfc^aft für bie ©tabt. f 1418 »)
33. $and Urenbolb oon SBalbd^ut. «uger i^m fennt
man nur 9>erena Urenbolb, meldte 9(nno 1389 aid bie ©attin
eined äSBurjerd oon Sd^aff^aufen auftritt. «)
34. 9licolaud SBiff. «nno 1429 faufte er ®elb}infe ab
ffoti ^dufem, in ber Sor^abt unb im ©d^utgagli gelegen. *)
35. Sber^arb ©d^errer von »onnborf.
36. Ulrid^ ©(^agg, ®olbf<^mieb. (Sd befag berfelbe 4V>
3ud^art ditbtn tm ©d^upfer, bie er um ben oierten X^eil bed
«) etabtbu*. ') Urtunbe im Äantonearcbio. •) 3. 3b. SRüger'd
Sefc^reibung. «) Urt. im 6tabtarc^io. *) Urt. im Itanton^arcbio.
68
jal^rlid^en ^rtragd oerlie^. SRtt feiner ©attin itnb feinem ©o^ne
lUrid^ ®^<iii, ^Ttefler, übergab er %nno 1451 befagte Sieben
nebfl einer jpuobe )u ipaufen unter «Kraben bent @pita( gegen
eine Seibrente für fld^ unb bie ©einen. 0
37. SBerner oon %f). 9leben il^m lebten jur ^eit nod^
U(ri(^ iinb $eini Don %f), 33ater unb ©ol^n.
38. ^an^ Hermann, genannt ^anS $eter, 1439 ^id^ter,
bann be« 9tat^8. @r oerfaufte mit feinem Sruber ^eter ^ermann
«nno 1429 ^mei ©elbjinfe an SRifolauä SBiff (34). ») «nno
1430 mar er ©efeHfd^af tapfleger.
39. ^tinxi^ ©pieg, ©tabtfd^reiber. 9lnno 1412 mol^nte
er im Auftrag bed 9?at^d einer jtauffertigung vox @d^ult^ei§ unb
Stati^ )u ^iegenl^ofen bet. *) ^rei ^al^re fpater mar er nid^t
me^r im 2lmt. f 1*18.
40. äßat^euS ©iffac^, genannt Cramer.
41. %nton ^er ©efd^led^tdname fe^lt auf alien SSer-
}ei(^niffen. 9lnno 1432 erfc^eint biefer 9lame }um le^tenmal.
42. ^anS @el)er. ^ ^erbinbung mit feinen ®(|meftem
®ret^ unb 3lgat^e verlauft er Slnno 1444 ein i^nen gemein-
fd^aftlid^ jugefaUened ^an^ an ber 9ieu{labt. «)
43 ©d^m^jer. ^er j£aufname mangelt in aQen
93er}eid^niffen^ badjenige oom ^a^xt 1431 gebenft feiner nid^tmel^r.
Sermutl^lid^ mar biefer ©d^m^jer ber ©tifter jeneS S9ilbl^äu8;
d^enS, l^ermartS ber beiben iJelfen am Singang bed SOterid^aufer::
j unb bed ^^reubentl^ald gelegen, oon meld^em bie ©egenb bie
Sejeid^nung „beim ©d^m9)erd::SBilb" erhielt.
44. §anä Slinger, Urt^eitfpred^er. 3m 3a^re 1437 lad
beffen ©o^n bie erfle SOleffe.
45. §and ©attler, Urt^eilfpred^er, 1423 bed StatJ^d. 3n
biefer (Sigenfd^aft oerbeiflanbete er bie 3Ratrone SSriba Xüd^elin
bei Snla^ einer 33ergabung an bad ^lofler ^arabied. *)
/
«) Urf. im etabtar^io. ») Urt. im ^anton«^ar*it). •) Urf. ©benba.
*) Uriunbe im 6tabtar(^io. *) Urf. im ^antondarc^it?.
69
46. 9tubo(p^ Stiet^er (efag %nno 1414 einen 9Betns
gotten am ©oiäberg, welcher bet ©efettfd^af t ju^ Äaufteuten für
eine jtopitalfc^ulb oerpfänbet mar.
47. ^einjli SRegeUi, §einti(^S ©ol^n, mo^n^aft on ber
Sod^brürfe. Diefe ©rond^e trug ben 39einamen ßtterjoim. *)
48 3t u^ ober tRud^, ber ?:oufnome iji unbefannt.
t cor 1421.
49 ©erfier. er bürfte ber 93atcr be8 $on8 ®erfter
gewefen fein, roeld^er 9lnno 1488 ol« Sep^er eine« $oufe§ in
ber Cberflabt oufgefül^rt mtrb.
50. 99ert^o(b @o(bfd^mieb, feined ©emerbeS ein @o(b^
fd^mieb, wohnte %nno 1414 neben bem niebern 9?ot^]^au8, meld^eS
in biefem Solare on bie 3wnft ber ©d^neiber fouftid^ abgetreten
mürbe. ')
51. i&onmonn 3*^9^«^/ SW^ ä» ^ofjletten, ein 93ors
fol^r ber „bürgerltd^en ^itglitx.''
52. Sofob ©eiler.
Son biefen @efd^(ed^tern flnb nur nod^ bie oonSSolbfird^
unb bie ^it%ltx nebf} ben ouS biefen ^eroorgegongenen oon
Siegler unter ben jetzigen ©enoffen oertreten.
^er oben oufgefit^rte Ulric^ ^e^er oon X^engen(9) mar,
mie ermahnt, ein SSorfol^r ber ^e^er im j^of, metd^e Familie
megen il^rer beiben äBol^nfl^e an ber Srubergaffe bie $ei)er im
$of genannt mürben. 9lad^bem in i^olge ber 9ieformation einige
SRitglieber biefer t^omilie $e9er in Sujern unb Soben ftc^ nieber-
geloffen, Sernl^arbin ^e9er im §of, ber Urgro§enfcl beS
genannten Ulrid^ ^e^er, im 3a^re 1575 mit 4 feiner ©o^ne
boS ©efettfd^aftSred^t auf ber ^errenjlube erroorben, ftorben bie
^e^er im §of auf ber Äouffeutfiube im 3. S^ejennium beä 17.
Sal^r^unbertS ouS. ^\t Ofamilie ^e^er, meldte brei SBecfen im
>) Urt. im @tabtar(^io. ') i^aufbrief ber Scbneiberjunft.
70
^}Üt fül^rt, ifi erft fett betn So^re 1528 ber ®tfeaf<^aft etn^
oerlribt. ^x6 ®ö^ne b€§ SürgermctflerS $and ^e^er Der}t<|teten
auf bad ©tubenred^t bei ben @cl^mieben unb fauften ftd^ bei ben
Jtauf(euten ein, nämKd^ ipeinrid^^ei^er (,)um Suft/ äteic^^oogt
1534, $an9 $e9er ^um n»i(ben äRann unb SRartin ^e^er
^jur J^interngelö/ 1563 Cbenjogt gu SReunfird^. 35er jmeitoltefle
Sruber Süeranber ^e^er, roeld^cr Stnno 1547 jum Surgenneijler
ern^a^tt rouxht, behielt bad Bunftrec^t bei ben Sd^mieben bei.
$and ^uber, gebürtig oon Cel^ningen, Urtl^eUfpred^er,
enoarb 1491 bad ©efeQfc^aftdred^t. 3n ^olge audioärtiger Slieber::
laffung ^at biefe ^^amUie bad ©efeafd^aftSred^t eingebügt.
3m 3tt^re 1518 erfaufte ber ©tomniDater ber gamilie
Of(^n)a(b, SBartl^olomaud Cfd^n^alb oon ßngen, bad ©e-
feüfd^aftdred^t. (Sr mar bed @rafen @igmunb oon £upfen ^atf)
unb S^g^nneifier unb befCeibete im fogenannten ©d^mabenlrieg
Snno 1499 unter gebadetem feinem $errn bie ^auptmannfieDe.
T'it § arber flnb feit bem Saläre 1539 ©enoffen ber Äauf-
leute. 3afob jparber, ein ®o^n bed Sieutenant 3af ob §arber,
ßnfel bed 3"nftmeifterd ^eter §arber unb ein SReffe bed Snno
1525 in ber ®d^tad^t bei $aoia gefallenen Hauptmann Ulrid^
^arber, quittirte bad 3unf^^^^ ^^^ ben Sd^neibern unb faufte
am $a(mtag gebadeten ^af)xt^ bad ©efeüfc^aftdred^t.
Sencbift Surgauer, Med. Dr. unb ©tabtarjt, ©o^n
bed ^farrerd Senebift Surgauer, gebürtig oon ®t. ©allen, mürbe
anno 1559 ©efeöfd^aftdgenoffe.
!£)er (Sinoerleibung ber ^^amilie ©creta oon3<iDO^S^S^u^
Sd^men, im Sal^r 1637, ifl fd^on oben (©eite 22) ermo^nung
gefd^e^en.
^a^ ©efd^led^t ber @gloff mar nur 23 ^afjxt bei ber
©efeüfd^aft oertreten. 3o^<tnn Sonrab @gloff, Sanquier oon
©ottrieben, f 1850, ermarb badfelbe 5lnno 1827.
3m 3a^r 1833 mürbe bergürfi SKarimilian oon t^urn
unb jCarid aid (S^renmitglieb in bie ©efeUfd^aft aufgenommen.
71
rotidft S^tenbejeugung oon @r. ^Durd^taud^t am 4. ;3<Knuar 1834
fd^riftltd^ oerbanft lourbe.
I)ic 3lufna^me ber gömilic x>an SSloten auS Utred^t, im
3a^rc 1836, bercn ^icfiget StammDatev nod^ unter una lebt,
bilbet ben @d^(ug ber ©efeQfc^aftdoerlet^ungen.
Sünft^alb 3<t^^^itnberte liegen jmifd^en bem erfien WtiU
glieberoerjeid^nife unb bem je^igen. S)ie ©efeHfd^aft barf fid^ im
Sttgemeinen il^rer ©enoffen freuen, meldte oon ?lnfang an biS
)ur @egenmart ein Streben nad^ (S^re unb Sraud^barfeit ju Sage
gelegt l^aben unb bei aQen mid^tigen Unternehmungen il^ren SRit-
bürgern mit gutem Seifptel oorangegangen ftnb. @ben biefe Sraud^^
barfett, gepaart mit (S^renfefHgfeit, bot iBeranlaffung, bag fo viele
SDtitglieber mit ben wid^tigflen @teQen im 9tegiment beehrt unb
mit fo t)ielen emflen 9(uftragen unb Sotfd^aften betraut mürben.
@d märbe gu meit fül^ren, xooUtt man aQe oor^üglic^eren
SRitglieber mit i^ren Seifhingen aufj&^len ; um inbeffen ben ^ranj
ber bereits enoäl^nten (Selebritäten )u oerDoUflanbigen unb aud^
ben 9}ertretern ber S^eologie, ber SDtebi^in it. f. m. 9}ed^nung }u
tragen, mögen l^ier nod^ einige oerbiente unb berühmte äRänner
ber frül^eren B^t ßrmal^nung ftnben unb bamit ber @runb gelegt
merben }u einer (S^rentafel ber ©efellfd^aftdgenoffen )un itauf-
teuten.
SoSmaS $ol}ad^, Med. Dr. oon S3afel. %l^ ©tabtarjt
9(nno 1559 l^ie^er berufen, mirfte er fegenSreid^ bid an fein
Sebendenbe 1595. SBai^renb faft 40 l^a^ren betleibete er bie ©teOe
eines ilRitgliebS bed ©d^ulratl^d mit unermflblid^em (Sifer.
2:obiad Stimmer, jtunflmaler, geb. 7. Stpril 1539,
t 1582.
«bei Stimmer, ©laSmater, geb. 7. 3um 1542.
g^riflopl^ Stimm er, gormf c^neiber , geb. 17. SWärj
1549.
/
72
Sofia«, Stimm er, Äunflmalcv, geboren 24. gfebruar
1555.0
^ie Seifhingen biefer ©ebrüber fmb ju befannt, al8 bafe eine
2lufja^lung berfelben nid^t füglid^ l^ier wegbleiben bürfte. 3m
Saläre 1569 unb 1570 malte $:obia8 Stimmer ba8 ^anS
pm diitter fflr $an8 oon SBalbfird^. 9}on il^m beft^t man aud^
eine felbfl „geflellte", mit geberjeid^nungen gefd^müdte ,,6omebia*,
betitelt ,^ein nüro ©d^impffpiel oon jroeien jnngen ©eleuten* ic.
oom ^a\)Xt 1580.
3o]^ann SBill^elm 3iegtcr, ©tattl^alter , geb. 1574,
f 1653. 6r mar ein umfid^tiger unb fleißiger ©ammler Don
äRaterialien gur ©efd^id^te ber @tabt @d^aff^au|en. 9}on i^m ifi
eine Sebendbefd^reibung beS ^auner^errn Qaw^ ^m £^urn, nebfl
Serid^t über ben Urfprung ber gömilie 3m I^um, Slnno 1611
im S)ru(t erfd^ienen. ^ür bad ^rd^io bearbeitete er eine ^aud?
ffl^rlid^e 93efd^reibung bed Soruberjugd ber mSd^tigen Jta^ferlid^-
®panifd^< imb Sa^erifd^en ^rmeeen an ben ©renjen ber @tabt
unb Sanbfd^aft ©d^aff^aufen/ 1633.
$einrid^ ^e^er, Hauptmann unb Sau^err, geb. 1621,
t 1690. Grbauer beä Oberl^aufed für feine eigene 9fed^nung. ©r
ifl ber 55erfertiger ber großen, mit ben SBappen ber SKitglieber
bed kleinen 9iat]^d umgebenen ^arte bed jtantond ©d^aff^aufen,
loeld^e bad l^iefige antiquarifd^e ©abinet ^iert. ^nno 1 685 mürbe
biefe mertl^ooHe , für bie bamatige 3«^ f^^^^ genaue Äarte, in
etmad tleinerem SRagflabe, oon f^elir Wlti^tv oon SBintert^ur
rabirt.
Sol^ann ©onrab ^e^er, Med. Dr., ©ol^n bed Ob^erm
gteid^en SRamend, geb. 1653, f 1712. @r mar einer ber bebeu=
tenbflen Slerjte ballier, roeld^er burd^ bie ©ntbedfung ber S^rüfen
im B^Btffing^barm (Glandulae Duodeni) in ber mebiginifd^en
©elt Sluffel^en erregte. SReben feinem ©ruber Sol^anned ^e9er
mar er ^rofeffor am ^ieftgen Collegium humanitatis, beffen Sel^r^:
*) 3)ie ©eburtdtage fmb ben bi^f^g^n 2^aufregiftem entnommen.
X 73
fad^er aUt, mit ^luSna^me ber t^eologifd^en, burd^ biefe @ebrüber
bocirt lourbcu.
3oel §einri(§ '^tr)zx, V. D. M., gcb. 1674, f 1748.
3öav beiitfc^cr "^JfaiTev in @cnf imb franjofifd^er ^farter bonier.
Xnxd) feine Stiftungen ju ®unflen ber ©tubitenben ber I]^eo=
logte, bed fran^ofifc^en Jilrc^enfonbd u. f. n). ^at er ftd^ ein
bantbareö 2lnbenfen erworben.
3o^ann 6^onrab äi^S^cr, (Sanbibat ber i^eologie,
geb. 1692, f i731. (?in aRann oon foliber löiffenfd^aft unb
tiefer ^eligiofitat , rourbe nic^t^beftoroeniger mit fünf anberen
©eiftlic^en 9nno 1717 n)egen bed Separatismus remooirt unb
jroar beoor i^m ein C^rameu abgenommen roar. 6r ifl ber ^Jer^
faffer beS oon befagten Öeifllic^en 2(nno 1721 bur(§ ben Tnxd
DeroffentUd^teu „^eugnift ber SBa^r^eit" unb mehrerer fd^önen
Äirc^enlieber unfercö (:>Jefangbu(§ed.
Sauren^ oon 3Batbfir(§, V. D. M., ^^Jfarrer am ÜRünfler
unb iriumoir, geb. 1699, f 1759. SSerfaffer einer roert^ooHen
S^ronif in ^roei Sänben, betitelt: äRerfroürbige Segebenl^eiten ber
Stabt Sd^aff Raufen.
6onrab ^l>e9er, geb. 1707, f 1768. 3» aßarburg
fiubirte er bie ^{ed^tdroiffenfc^aft unb biente ber ^aterftabt als
Urt^eilfpred^er unb alS 3Rttglieb beS ©rogen ^at^S. 3u äßieS^
^ol^ bei >Kamfen befag er ein Sanbgut, in beffen Idnbtic^er StiQe
er gerne roeilte. Dafelbfl fc^rieb er ,,beutfd^®ebid^e,'' meldte
Snno 1748 im 3)rucf erfd^ienen unb i^m mannigfaches Sob unb
SLnerfennung einbrachten. 3)ur(^ bie Slufmerffamteit, roeld^e er ber
Sluffinbung eines SernfteinS ^u SBieS^ot) fd^enfte, gab er "Ser-
anlaffung )u einer roertl^ooQen Slb^anblung beS Med. Dr. !3o^.
©eorg ©tofar Aber biefen @egenflanb.
74
8cU«gc a.
itB tft ätt f^tßltn gttfrat der
Sanfen maler (lO) und fmer (^roiven ift in geantururt
vj feria post margrethe a®- 1431.
$t iij groR kffel.
jit. iij |tlig kfffel. ')
It. j kUin keffel. >)
It. iij erin l^ifen.
3t. j grofir pfanncn.
Jit. iij ftlio pfannen.
It. ij Iff n fplf. >)
It. ij rö|l.
It. ij triffifT.
It. j ifin r^ttfel.
It. j f^trtvam. M
It. iij t)<lboi(rtrttig kanttn. >)
It. ij kopfcUig kanten.«)
It. ij ^iptn (9(efte).
It. j gie(rr«R
It. j bfkkt.
It. ij »alien. ')
It j kä^f : «T
It. iij grolT. nipf.
It vij groir teUer.
It ij grolf rot f^ttlfelen.
It j gemaUti r^filFel.
It. xzviy flayer fd^uffUn. ')
It Lxxxv teller un6 furtellen. <»)
It xwij «off Wöfflen. ")
It »ij fenf r^ufflen.
It j fall r^uffel mit vj r^fiffltnen.
It iij ipn loffet
It. ij fixLit^in loffet
It V imelyellen.
It ij lang ffir^melyeUen.
It ij tlfd^lacken.
It ij Mil^tn tu4. **)
It ij tifd) ?ur<iiR(n gelatt
It ij reiben.
It ij taffellcn lang.
It. ij lang aid^tn fifit
It ij falben flül.
It j gejettt
It j raiff trog.
It j raiff ftupk. ")
»t viiij trifpil^.
It ij ifin nieggcn. ^*)
It V köpf.
It xlj bed^er.
It. xxviiij glefer.
It ij Tpil brett
It Ü niif}Mvttt >')
It j ^albrett
It j poarie taffel.
It j naffergelt
It j gelt ba mail niaffer in tut »ere
min fer kfilen.
It j l^akbank.
It j etrog.
|t. vj ;^rmbrttfl.
^) ji^idf getv&^nlic^er, b. ^. mittleter (^röge. ^) Slnno 1450 aid
„3if*fcffcli" bcaei*nct ») ©ratfpiefe, 1575. •) ipcrbra^mc. *) 4 STOoJ
^altenb. •) 2 mai ^altenb. ') ^Alen 1486, ^elen 1524, ^50 1573, eine
Ölutfifte, über welche IBrotpfannen gelegt tourbcn. ») Äupfemcr aBaffer*
f Rapfen. ») a^iefierf^üff lan 1460. ") SurtcUen, Surfeln, ®abeln. ")f leine
e(^ümau,1460. »«Ji^^ecttu* für einen runbenJifct ober ©*eibe. ")„®e-
fteü fo uff oinen SRaiff wagen gehört" 1486. ") eifeme Äeile. ") @<6af-
aabel, Scbad^fpiel.
75
8cU«ge b.
S^ractir-llodel
U^onncrftagd iiiib greitag« ben 5. imb 6* December 1689 finb nad^
fle^altencr 9tc(§nung oolgenbe ©peilen Dcrbraud^t roorbcn unb Sofien
100 ft 33i^ot^ ^ 12 SRpn.
• . «
.
P. 8. -.
16 ©aßen . * .
•
„ 13. 14.
100 It ÄelberiS ä 14 $f
ng. .
.
, 7. 43.
2 gammer^ SSierling
.
, 1. 20.
39 % 2äd^8 ä 12 rr.
.
» 7. 48.
71 Sratroürfl ä 5 fr.
•
ff 0, 00.
pr ®pe(f
«
ff z» .
4 % Äer^en
•
. -. 48.
Äö^l
•
f, — . 28.
ärocgflen .
t i
>
. -. 16.
3 % JRinbpeifd^ .
' 1
. -. 14.
@alat^ .
•
„ 1. -.
28 "S^oi^tt ©öfteren (©acfroerf)
•
„ 1. 39.
92(inen , , . . .
«
„ -. 26.
©empf ....
» <
»
„ -. 14.
®en)ürt unb Zitronen
•
•
. 2. -.
Den auf äüartern
• <
»
„ 1. 12.
T'tx @(l^ü)fe[n)af(^ern
•
»
„ -. 40.
pr. ben Xifd^ $(unber ju wa^^tn
.
„ 1. -.
Äoc^erlo^n ....
.
, 4. -.
. Summe
i p. 59. 57.
2)ie werben bcjal^lt wie l^ernad^ folget. —
IBon 3u»i^«Y (F^riflop^ unb 9l(eranbei- %it%ltx jum
Äeffel
^xotx) ^od^jeitmä^Ier ....
P. 12. — .
5Son §err §anS ^ö^ob ©(^ald^en in ber Surg
ein ©tubcnlogung ....
„ 7. 12.
«u6 Sobl. ©efettfd^aft ©efe(
„ 5. 36.
©obonn beg ©rflen XagS oon ')8 ^erfo^nen ä 19 fr.
fi lo. zz^
3)e§ anbem lag« oon 53 1
Jerfonen
.
•
„ 16. 47.
©umma ff. 59. 57.
3nl)alt.
Einleitung 1
Entfte^ung ber (^efeUfc^aft 9
3)ag 3unfttt}cfcn la
©cnoerbeiDcfcn d4
SBe^t* unb 5ronbicnftpfli*t 25
Äir*H*c gcftli*!citcn 31
®efeaf(^aft(i(^eiS Sa
Xie S)appen1(^ilbe unb bie Stintgefc^ine ... 43
2)cr ®cfcflf*aftdfonb 47
3)ic fiegate 53
^ie betben (defeQfc^aftö^Aufer 55^
3)ie aJUtglicbcr 62
Seilagen:
a) Snüentarium be^ ^au^rat^d t)on 1431 ... 74
b) Sroctir-SRobel »om 3a^r 1689 75
Aus der
volksmässigen Ueberliefenmg
det* Heinuti»
Von
P. Anmnd Baumgartcn.
I.
Zur volksthümlichen Naturkunde.
r
D
^
V
Ein Landesmuseum setzt sich die Aufgabe, Kunde von
Land und Leuten zu geben, in die Eigenlhümlichkeit beider mit
einem Blicke, welchen die Betrachtung des heimischen Wesens
schärft, liebend einzudringen. Zu dem Ende werden Archive durch-
forscht, Klima und Witterung beobachtet, Thier, Pflanze und Stein
wissenschaftlich beschrieben oder in Sammlungen zum Augenschein
vorgestellt Waffen, Münzen und Geräthe, selbst einer grauen
Vorzeit, in welcher längst dahin geschwundene Völker den hei-
mischen Boden bewohnten , werden aus dem Staube der Verges-
senheit hervorgezogen oder dem neidischen Schooss der Erde ent-
rissen. Auch Geist und Gemüth des Volkes, wie sie im Laufe
der Zeit gewaltet und geschaffen haben , das edelste Erbe der ver-
gangenen Geschlechter, wird der Gegenwart erhoben und der Zu-
kunft gerettet. Geist und Gemüth des Volkes aber spricht auch,
und zwar nicht selten in den innigsten Lauten, aus seinen Mythen
und Sagen, offenbart sich am vertraulichsten in Brauch und Sitte,
Glauben und Meinung. Auch die Natur des Landes , Nationalität,
Religion und Kirche, die eigenen Thaten und Schicksale der Be-
wohner und die, an welchen sie, im Verband und Verkehre mit
Stammesgenossen und Fremden , theU genommen haben , alles
diess findet darin helleren oder dunkleren AusdrucL Daher ist
auch seit Jahren fast in allen deutschen Gauen das Bedürfnis er-
wacht, die Quelle volksmässiger Üeberlieferung , welche die Un-
gunst mehrer Jahrhunderte hatte versanden und von fremdem Ge-
strüpp feindlich umwuchem lassen, wieder zu reinigen und, wenn
auch nur mehr aus still und spärlich rieselnder Fluth , daraus Er-
kenntniss des eigenen innersten Lebens des Volkes zu schöpfen,
den poetischen Sinn desselben in seinem geheimen Wehn zu be«
1*
lauschen, in seine Kultur- und Sitlcngeschicble sich lebendiger
zu vertiefen , sein Lachen und Jauchzen , sein Fürchten und Ban-
gen , seine Liebe und seinen Zorn zu verstehen , seine Vorzüge
und Tugenden zu achten und zu ehren , seine Irrlhümer und
Fehler aufzudecken und zu verurthcilcn. Diesen Zweck suchen
auch , obschon im bescheidenen Mass , die gegenwärtigen , und
80 Gott will, die künftigen Beilräge zu verfolgen. Ich nehme mit
ihnen nur den Namen eines Sammlers in Anspruch. Es braucht
wol nicht erst der Entschuldigung, wenn ein Sammler seine Zusam-
menstellungen in zwangslos nalürhcher Folge verknüpft und nur
relative Vollständigkeit erreicht ; sowie es sich leicht begreift , dass,
wer sich einschlägigen Arbeiten in der gewählten Form *) unter-
zieht, die Grenze nicht immer haarscharf logisch zu stecken ver-
mag, mitunter an Wiederholungen slreill,^) oder doch bald vor-
wärts , bald zurück zu weisen genölhigct wird. Wenn hin und
wieder Erklärungen dem wissbegicrigen Leser es andeuten , worin
der Werth des volksmässig Ueberlieferlen für die deutsche Mytho-
logie besteht, ist es auch nur auf Andeutungen abgesehen. Den
Vorwurf, was ich hier miltheile oder später mittheilen könne,
stimme und werde mit dem im übrigen Deutschland bereits Auf-
gefundenen im wesentlichen grosstheils übereinstimmen, fürchte
ich nicht ernstlich. Einiges könnte doch unbekannt sein, dem schon
bekannten wird nicht unwillkommene ßcslätigung zu theil und je-
denfalls dürfte meinen engeren Landsicuten damit ein Dienst ge-
than werden. Zum Schluss danke ich allen Förderern der Sache,
besonders meinem hochwürdigen Freund und Mitbruder P. Meinrad
Haas, aus ganzem Herzen und ersuche sie und jeden, der es im
Stande ist, um Gefälligkeit in neuen Mittheilungen!
*) Zu dieser Wahl trieb das Mass der Arbeitszeit.
*) Solche koooten besonders in I. aus dem Aufsats: »Das Jahr und seine
Tage, &. A.«, Programm des Kremsmünster Gymnasiums, 1860, nicht
vermieden' werden, da dieser absichÜich mitunter ausserhalb der selbst
gezogenen Grenzen sich ergieng. —
I.
Zur volksthümlichen Naturkunde.
^
. Himmel und Erde. 'i%
^. Xirde, als Wellkörper. In einer beinahe schon
gänzlich verschojjc|ifiD Redensart heisst die Erde als Wohnplatz
der Lebenden »Heh^berj(^ % d. h. Höherberg. Aus dem Norden
Deutschlands ist für das Todtenreich die Benennung iNieden-
berg, Unterberg« nachgewiesen.
2. Den Himmel (Steinerkirchen ^) steHt man sich als eine
ungeheuere Hohlkugel vor und die Sterne als^ Lichllein, welche
Abends von den Seligen angezündet werden.. — ^)
iMit alt mythischen Zijgen sogenannter Lügenproben berührt
sich , was einst ein alter Bauer beim »Kindswerä« ^) den Enkeln
erzählte. Er gieng einmal aus und kam an ein Wasser; dann
schwammen Enten. Nachdem er sich eine Zeit besonnen, fing und
I) aä« vertritt in mundarllicben Ausdrücken hier immer das helle »a« ; •"«
deutet ein aus- oder abgefallenes »li«, »*« andere aus- oder abgefal-
lene Laute an; «ea« ist das durch die Nase g<«sprochene •!« oder »ie«.
*) Ohne weiteren Beisatz, ein- für allemal Steinerkircben im Traunviertl.
') Nach der Edda waren alle Gestirne Feuerfunkeo , die in dem Lufträume
herumflogen, bis ihnen die Götter Sitz und Gang anwiesen. Grimm,
deuUch. Mythol. U. 683.
*) Kinder wahren, ihrer wtiien.
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rupfte er sie. Aus den Schwungfedern machte er sich Leiter-
bäume, aus den Pflaumen S£rossen^ und stieg so bis zur Himmels-
thür hinauf. Da sie gerade offen stand, that er schnell einen
Blick in den Himmel hinein. Alles war voll Leute und unbeschreib-
lich schön. Jedoch, als er hineingehen wollte, stiess der Wind
die Thüre zu und warf seine Leiter um-ttnd zur Erde hinab. Zum
Glück für ihn stand eine Fuhr »Maltirt vor der Himmeisthür und
darauf lag ein iSäckl Kleubnt . ') Er knüpfte sich nun die tKleubm
zusammen und erhielt so ein Seil, woran er sich wieder zur Erde
hinab zu lassen vermochte. —
•S* HimmUfthoa^c. Manche behaupten, es thue sich bis-
weilen der Himmel auf, d. h. er thue sich so auseinander, dass
man in den »leibhaftigen • Himmel hineinsehe. So hat sich der
Himmel einmal einem alten , frommen Bauern aufgethan , als er an
einem schönen Sommerabend nac^h Gewohnheit sein Abendgebet,
im »Roa^gartenf herumgehend, verrichtete. Er sah nemlich eine
unbeschreibliche Klarheit und Helle, die Sonne kam damit gar nicht
in Vergleich, es blendete ihm fast die Augen. Doch dauerte der
Anblick nur kurze Zeit; der Himmel that sich wieder zu, und es
war sternhelle Nacht, wie zuvor.
^. Sonnenfinsternis. ^ Wenn sich die Sonne verfinstert
(Altmünster), ist der Teufel mit ihr im Kampfe und sucht sie zu
überwinden. Anderswo biess oder heisst es, der Teufel will der
Erde das Sonnenlicht nehmen und sucht zu dem Ende die Sonne
zu verdecken; doch bringt er es nic^ yölljg zu Stande.
') Altmythische Züge sind die Enten, die Fuh^ Malter und die Kleien. Die
Enten sind Wolken ; der Wolkenhimmel ist eine^ Mühle. Ein Kinderreim
lautet: Ringer, ringer, reiher. Sin mir unser dreier, d* Fischerl sind
im Weiher, d^Anterl sjinj i^m Obersee, hupfn alle hoch in d* Höh.
Siehe später: »Feuere und »Fisch.* —
■) Die Verfinsterungen der Sonne und des Mondes gaben tu dem Mythus
Anlass, dass sie von 2 Wölfen verfolgt würden, welche sie zu ver-
schlingen drohten. Simrock, deuUche Mythologie, S. 2i.
Nimmt man ein BScbifflf M^asser und stellt es so, dass die
Sonne, währen^ sie verfinstert wird, sich darin abspiegeln kann,
siebt man diess genau. Bei einer Sonnenfinsternis (Steinerkircben)
will der Böse die Sonne wälilling« *); schaut man in eine iLakm,
so sieht man es, wie er damit »abhausti. ^) Damit er nicht
■überhand nehme«, müssen alle Geistliche, alle Mönche und Non-
nen , während der ganzen Dauer der Sonnenfinsternis , fleissig
betea» ^ Anderswo sagt man , dass der Teufel die Sonne prügele,
oder auch , dass Sonne und Mond miteinander raufen. Häufig
warnt man auch , während einer solchen Finsterniss Wasser zu
holen und davon zu trinken. Durch eine Sonnenfinsternis (Stei-
nerkirchen) wird Weid' und Wasser vergiftet; man soll daher kein
Wasser , weder für Vieh , noch für Leute , ins Haus holen und
das Vieh nicht auf die Weide treiben, oder wenn es draussen
wäre, unter Dach führen und so lange drinnen lassen, als die
Finsternis dauert. —
JA^cnn es zuglejch^rognet und die Sonnig. scheint, so prügelt
der Teufel sein Weib. (Sehr häufig.)
\Venn man (Unteraeh) am Ostersonntage vor Sonnenaufgang
in ((er «Frei« auf dem lU oll erborge« ^) oben ist, sieht man
3 Sonnen .jaufgehen.
A. Mond, »Ma", Ma'scher, Aelrna"'«. Der letztere Name
schemt ehedem allgemeiner gewesen zu sein ; er kommt jetzt fast
nur mehr im Munde sehr alter Leute vor. Von dem roth auf-
gehenden Monde sagt man: Er ist »wiar ä föoräsjad « , oder ä
*) Vertilgen.
«) Zanken, Streiten, Schelten.
') Pillwein bringt in seinem bekannten Werke die Notiz bei , dass im J.
1706 bei Gelegenheit einer Sonnenfinsterniss im Innviertl noch öffent-
liche Gebete angestellt wurden.
*) Die Namen selbst scheinen bedeutsam. Von dem HoUerberg glaubt
man auch, dass er einst das Dorf Unteraeh, das weder durch Feuer,
noch durch Wasser zerstört werden kann, in den See •hineinUuche«.
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föoi^irö KugU. — ^er Hof des Mondes sowol, als auch der
Sonne nennt man iRad oder Ringf . ^usser den »N^usonntagent
spricht das Volk auch von neuen MitUyochen und Freitagen. —
JTon dem Monde erzählte man einst im MühlviertI den
Kindern, dass man in ihm einen Holzhacker sehe, den er, der
»^nlmant, einst verschluckt habe.
ylm Monde ist ein »Widhacken, der an einem neuen Sonn-
tag »Wid gehacktf hat. Er wurde zur Strafe hieHir mit Hacke,
Stock, iBurt Wid< und Reisig dahin entrückt; bei Vollmond kann
man dieses alles deutlich sehen. Er muss dort ewig verbleiben
und »Wid hacken« bis zum jüngsten Tag. ^m Kloster Lambach
soll sich einst ein uraltes Bild befunden haben , welches ein Weib
mit umgedrehtgoiKopf oder Hals, bei Mondschein am Rocken
sitzend , darstellte. Ein Zusatz ') erklärte , es sei dicss geschehen,
weil sie Donnerstag Nachts gesponnen habe. Jt)cn scheinenden
Mond (Steinerkirchen) soll man nicht zu lange anschauen, noch
weniger bei seinem Lichte arbeiten; sonst wird man in
den Mond »verzuckt«. ^) JMan hüthet sich auch, aus einer Schüs-
sei zuessen , in welche der Mpnd scheint ; dem Unvorsichtigen
schwillt der Bauch auf, oder er bekommt, hat den »Mondschein«. ^)
') Dieser Zusatz scheint so gut als die Einschiebung des neuen Sonntags
(oben) aus einer Zeit zu stammen, wo man gcnöthigt war, bereits un-
verstündlich Gewordenes sich neu zu erklären. Doch weist selbst der
neue Sonntag auf Verbindung mit dem Monde hin. —
^ Hiemit ist die unmittelbar vorausgegangene Erklärung gerechtfertigt und
die Ansicht Simrock's, d. Myth., S. Si, begründet, die Sage von dem
Manne im Monde hänge mit der alten Heiligkeit des Mondscheines zu-
sammen. Wol darum haben auch die Messer , in deren Klingen 3 oder
9 Mondscheine eingegraben sind, besonderen Werth. Dass neben den
Monden eben so viele (christliche) Kreuze eingezeichnet sind, spricht
eben für die heidnische Anschauung von der Heiligkeit des Mond-
scheines.
•) Diese Anschwellung, »der Mondschein» steigert und mindert sich mit
zu - oder abnehmendem Monde.
JiTon Speis und Trank , welche der Mond bescbeint , (Steinerkircbcn)
soil man nicht geniessen; man wird sonst »mondscheinigt. —
Auch in der Viechtau wusste man vor Zeiten von einem
Mann im Monde , der Reisig mache^ um damit^ Abends, die glernc
anzuzünden. Eine vielleicht nur den Viechtauern eigene Vorstel-
lung war es, dass sie von dem Monde, war er unh}r.J[a^s sicht-
bar, sagten, er komme aus dem Bado und Iroikene sich, und
wenn er sich verfinstere, so schliefe er aus dem Wams und^lege
ein neues an.
j(Steinerkirchen und Umgebung) Der Neumond heisst der
»jungö Man«, der abnehmende aber der »altü Man«. Der junge
und alte Man Ireten bei vielen Verrichtungen und Arbeiten be-
stimmend auf. Ackern , Säen , Dreschen , werden^ nur im alten ,
andere, z. B. Mähen, nur im jungeiLÜan vorgenommen. —
.5. Sterne. Das Sternbild des grossen ßär^n heisst der
»Hin^Ugng«, die 3 abstehenden Sterne die »Deichsel« und der
kleine Stern über dem mittelsten in der Deichsel das iReiterU.
^uch die Milchstrasse hört man den »Hörweg« ') nennen.
^Sie heisst auch die »Himmels^u und in Steinerkirchen
die »Romstrasse«, ^) und man erklärt diesen Namen damit,
dass , wer ihr nachgeht , geraden Wegs nach Rom kommt. — Eine
mit den Schwänken, deren Gegenstand der heil. Petrus geworden
ist, verknüpfte Erzählung lautet, dass der Herr einst, als er mit
Petrus auf Erden wallte , nach einer Milchsuppe verlangt habe.
Voller Hast lief Petrus darnach ; aber , imiem er sich nicht vorsali,
*) Heerwagen und lleerwog.
•) Nachdem (Wolfg Wenzel in der Germania, VI., 2) die uralte, aus Asien
stammende Vorstelluug, dass die Seelen aus dem Himmel auf dem Wege
der Milcbstrasse zur Erde herabkommen , auch für die d. Myth, nachge-
wiesen ist, drangt sich unwillkürlich die Frage auf, ob mit der Benen-
nung «Romstrasse* nicht auch die Redensart im Zusammenhang sei, das^
die Wöchnerinnen nach Rom reisen?
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geschah es, dass er auf dem Rückweg stolperte und von der
Milch ausgoss. So entstand die Milchstrasse. ')
Zu den Gestirnen, welche bei uns volksthiimliche Namen
haben, gehören auch 3 Sterne im Orion, der »Petei^stabi oder
■PetexsslaffeU ^) genannt. —
In sternhellen Nächten soll man nicht zu lange^ MXjfn Himmel
aufschauen; denn würde man zufällig sein^^.xigi^u^ Sternes ansich-
tig, man stünUe^tjult zu Boden nieder. (Kremsmünster). —
Wenn du Nachts gehest, verlautete es einst in Altmünster,
und das Firmament anschauest , sollst du ja niclU die^Sterne zäh-
len ; denn jeder Mensch hat seinen Stern , und wenn du zufällig
den Deinen njitzählst, so bist du todt. — (Steinerkirchen). Wer
seinen Stern zählt , auf den fällt er nieder und veiitfennt ihn. —
Mit dem astrologischen Glauben, der nicht nur in Palästen,
sondern auch in Hütten Eingang gefunden hatte, hiengcn die
»Planetenbüchlein« zusammen, welche eines hohen Ansehens
unter dem Volke genossen, und auf die noch manche verbreitete
Meinung, z. B. dass die im Zeichen des Widders gebornen Kinder
nicht reich werden, zurückzuführen ist. Sie geben die Art und
das Wesen der Planeten an , ob sie hitziger oder kälter , trocke-
ner oder feuchter Natur seien, welchen Göttern der Alten sie
heilig waren , welche Thiere , Pflanzen und Steine , Organe und
Glieder des menschlichen Körpers , Farben und Zahlen , Anlagen
und Triebe ihnen gleichsam zugehören , und daraus wird Charakter
und Geschick dessen prophezeit, der unter diesem oder jenem
Planelen geboren ist. Von den Planeten gehen diese Büchlein
über zu den Monaten und oflTenbaren, mit Hinsicht auf die Zeichen
des Thierkreises u. dgl. , was für Speisen und Getränke nach
') Here, die Gemahlin des Zeus, zornig über den ihrer Brust untergelegten
Hermes oder Herakles, bildete durch. ihre am Himmel verspritzte Milch
einen weiss glänzenden Kreis.
*) In Skandinavien, einst Spindel der Frigga; mitliin Uebertragung der heid-
nischen Spindel auf den heil. Apostel. Grimm d. Mylh. H., 690.
11
Monat und Tag die gesündesten seien, welche Arbeiten und Er-
götzungen nach Monat und Tag dem Menschen am meisten ent-
sprächen. Den Schluss machen gewöhnlich einige iPraxikac,
Mittel, zu erfahren, wer von zwei Eheleuten zuerst stirbt, wie viele
Kinder ein Ehepaar bekommt und dgh Selten fehlt die Mahnung,
auf die wahren Sprüche, welche darin enthalten seien, wol zu
achten und sich in seinem Tbun und Lassen genau darnach zu
richten.
J^, Komaty »Kumöt, Kumötste'n«. Sie wurden und werden
noch als Vorboten drohender Landplagen angesehen. Den Schweif
nennt das Volk einen »brennenden Besen oder Schaubc, eine »Ruetn«,
ein I feuriges Schwert •; es sieht in ihm eine »Zuchtruthe«, welche
Gott den Menschen vorläufig zeigt , um sie zur Bekehrung aufzufor-
dern. Besonders deutet ein Komet Krieg an , der ohnediess , wenn
er länger währt, die übrigen Landplagen, »grosses Sterben •, Miss«
wachs, Theuerung und Hunger mit sich führt. Mitunter werden
diese Plagen nicht nebenbei, sondern ausdrücklich und auch un-
abhängig vom Kriege , aus der Erscheinung des Kometen vorge-
deutet. Auch ist die Richtung des Schweifes bedeutsam. Von
ein Paar Kometen, welche in den Kriegsjahren am Ende des vo-
rigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts erschienen, erzählten
alte Bauern, dass der erste sein Schwert übers Reich und über
Oesterreicb gerichtet habe und es daher im Krieg immer schlechter
gegangen sei. der letzte aber (wol der vom Jahre 1811) habe
seine » Ruetn f übers Frankreich hingehalten; von da an seien
»die Unsern all weil vorgeruckt i.
Die Jahre 1858 und 1859 führten diesem Glauben neue
Bestätigung zu. ^icht selten trifft man den Vergleich mit einem
»Wiesbaume«. Der Stern, dem die heiligen 3 Könige »nachzo-
gen«, ist nach alten Weihnachtslicdern ein Komet gewesen. Ein
Hirt sagt davon:
Wierä Wishäm is ä gwösn,
Abä zodät umädum ,
Han oft vo" Komötn glösn,
Dös war halt ä woldäs Drum. —
12
.7. Hordlieht, •& Liechln oder i Rein« am Himmel. In
ihr sieht das Volk ebenfalls ein »Himmelzoachä«, das ihm einen
sehr blutigen Krieg, ein entsetzliches Blutbad verkündigt, das Gott
in naher Zukunft unter den sündigen Menschen anrichten werde.
Die Röthe ist das in Strömen fliessende Blut , die einzeln oder
mehrfach aufschiessenden Strahlen oder Strahlenbündel sind das
göttliche Rachcschwert. Dabei sind Bewegung und Forlschritt be-
deutsam. Das in der Charwoche dos Jahres 1859 beobachtete
Nordlicht schritt in seinem Ausgange von Nordwest gegen Nord-
ost vor, und bald darauf brach von Westen her der Krieg mit
Frankreich aus. Eine verwittwetc Söldnerin , Multm:. mehrerer roi-
litärrdhiger Söhne, kam damals weinend zur Nachbarin und klagte :
■ Das wird halt mc A ßluatbad a^zoagn; v^leicht is insä Bluat ä
da Scilla" diib.lt !
y6. Sternschnappen I »Sje*nreispan«. Sie sind die noch
glühenden BReispn« *) von den Sterniichtcrn. In der Viechtau
galten sie als die abgebrannten Dochte, welche der Mond auf
dem Wege durchs Firmament zur Erde herabwirft. — Was man
sich, während man eine Sternschnuppe fallen sieht, wünscht,
das geht in Errüllung. In Steinerkirchen heisst es: kann man
während des Falles einer Sternschnuppe 3mal sagen : ich wünsche
mir den Himmel, so kommt man gewiss hinein. Demjenigen,
welcher auf der »Los stehti, verkündet eine Sternschnuppe den
Tod eines gekrönten Hauptes. —
9, Begenbogen. Wo seine beulen Enden auf der Erde auf-
stehen , dort findet man einen Schatz. Oder : wo ein Regenbogen
»niedergeht«, (Buchkirchen), liegt ein iHeort«.') —
*) Unter ' Reispn » verstellt das Volle eine üüiine, in versctiiedenen Win-
dungen sich zusammendrehende Kohle, welche beim Brennen von Kinn-
spSnen sich bildet. Auch sie ist nach ihrer Form mehrfach vorbedeut-
sam, in Befug auf Leben und Tod, Heirat, Besuch u. dgl.
') Hort. Das lange »o« lautet diphthongisch und zwar wie ^o, der Um-
laut von 6 — ^o ist tßi. —
13
JSagt ^^>A9nd» dort seli* iolu-itm^ Regenbogen, so ärgert
sich über das_ der Teufel und suckt i»- nachzumachen ; es gelingt
ihm jedoch nie völlig, dalter erschcioi^ofLßio zweiter (Neben-
Regenbogen) , der aber stets blasser und wässeriger aussieht. —
Spricht man aber, da ist ein^Jliuimelsring , so ist des_ Teufels
Kunst aus , und es kommt kein zweiler |kgcnbogen zu Slande
Der Regenbogen hcisst daher überhaupt recht oft »Himmels-
rin g«. ')
j(ßuclikirchen, Hausruckviertl.) Der Regenbogen ist die Strasse,
auf welcher die in der Schlacht gefaljcnen Soldaten in den Him-
mel einziehen. ^)
R edensarten und R ä t h s e I. 1 — 8 betreflFend. Oan
s* blauö >:an Himel ghoassn; abä ^rni*§t£igng kau ä sih sölbi.
Der Himmel ^is void Geigng,c d. h. es herrscht die höchste Freude,
Lustigkeit. — Rän eäm is gleih ön Himel da ßo*m aus, d. h.
ihn bringt alles, jede Kleinigkeit gleich aus aller Fassung. ^) — Bei
Sonne und Mond speisen oder isich d^ Sun ön Magng schein
lassni, heisst fasten müssen^, hungern. — Es »schei't mä Sun ä
') Schon in dem Namen bricht die Vorstellung cinefl im Gewitter geschmie-
deten Kleinodes durch. —
*) Von den Soldaten, welche in der Sclilachl fallen, sagt das Volk audi,
ilass sie >Tom Mund auf« in den Hunrocl kommen. Odbin nimmt alle
vom Beginne der \Vclt auf der Walstatle gefallenen Helden zu Kindern
an; sie gehen in Valhöll ein, in den Aufenthalt und die Wonne der
Götter. Der Regenbogen nimmt aber die Edda für eine himmlische
Brücke, »Bifröst,« die )»ebende Strecke und lässt über sie die Götter
wandeln. Grimm, d. Myth. IL, S. 694 und 778.
*) Die erste der zuletzt angeführten zwei Redensarten gebraucht in einem
oberösterreichischen WeihnachtslJcd ein Hirt von dem Sang und Klang
der himmlischen Scharen bei der Geburt des Herrn. In einem andern
Lied erklärt sich einer der Hirten damit, dass «am Himmel gen gwis
6i Bo'm durih- gfaln« ist. Das Herumfliegen der Engel in den Lüflen
u. s. w. —
14
nu' ä mal. — Koan Ste'n nöd ham. — An Slen treibn. •) —
Es geht was durchs Heu und rauscht nicht. Die Sonne. — Es
geht was durch den Bach und wird nicht nass. Die Sonne. —
Was ist das ? S' ist schon , seit die Welt steht , und ist doch
noch kein Jar alt. Der Mond , weil er immer neu wird. — Heoh
erhabo , noö gebarn , und wird koa* Jar nöd alt Der Mond. —
Heoch erhabn , krump gebarn , wunderlich erschaffn. Der Regen-
bogen. —
B. Die 4 Elemente.
Die Seelen der Verstorbenen, hiess es vor alten Zeiten in
der Viechtau, kehren in Feuer, Wasser, Luft und Erde zurück;
ist nun die Zahl der in die Elemente zurückgekehrten bösen Seelen
grösser als die der guten, so entstehen wildes Feuer (Blitz), Ueber-
schwemmungen. Stürme, Hisswachs und Krankheiten. ^)
»■■---
aj Feuer.
1. Fütterndes Feuers. ') Wenn die Hausmutter kochte,
gab sie auchdem Feuer seine Speise; oft sagte sie dabei: iFeu-
erl , Feuerl, da hast A dein Sach , An anders mal i widä dein
Sach recht macb.f Beim Kraj>fenbacken ^) (Kremsmünster) warf
die Bäuerin einen kleinen, eigens hiezu geformten Krapfen, ge-
wöhnlich den ersten oder letzten, ins-Feuer^ damit es nicht »aufs
') Vielleicht Ton den »SterDsingem« herrührend. —
*) Gewöhnlich wurde die Seele nur als Lufthauch oder Blitzfunke gedacht.
') Das erste Feuer auf Erden ist Blitzfeuer. Der Donner- und Blitzgott
auch Feuer- und HeerdgoU. Auch das erste Schadenfeuer bt Blitzfeuer.
Diese auf uraltem Glauben ruhenden Anschauungen sind als massgebende
festzuhalten. —
^) Ein aus Germleig in Schmalz gebackener , flachrunder Kuchen , mit einer
braunen Rinde, die in der Mitte des Randes mit einem blasseren Reif-
chen oder Ringe geziert sein soll
15
Dach_ laufe« und Haus und^ Hof verzehre. Es geschah ofk mit
dem Spruche: •Feuerl, Fcuerl, da hast dein Lon, ^n andersmal
bach ä md& schon*. ') Ein alter Mann (Kremsmünster , auch Ke-
maten) erzählte vor Jahren / er habe einst Nachts 2 Heerdfeuer mit
einaqder reden gehurt, und das eine habe„ bitter geklagt, dass
die Hausfrau gar so »klueg« sei und ihm gar nichts mehr ver-
gönne; wenn sie es aber noch eine Zeit so fortmache, werde es
»wild^werdßft und au fs_Dacli laufen«. Auch^ehj und Gries warf
man ins Feuer, damit es nicht ^ ausfahre <• So oft aus Schmalz
gebacken wird, wirft man das ersle^ferlj^e.. Stück ins Feuer, aber
wie man sagt, zu dem Ende , jlasj^ die armen Seelen ^) im Fege-
feuer etwas zu zehren hätten. Die Bäuerin, welche Krapfen bäckt,
( Wartberg , TraunviertI ) wirft den ersten ins Feuer , in der guten
Meinung , Gott ein Opfer für die^ ajmen Seelen darzubringen.
Hie und da ward das Feuer dreimal im Jahre insbesondere
»gerüttert«, zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Wenn nem-
lich die •Störic gebacken wurde (Klaus), so buk man, zugleich
mit ihr, auch einen kleinen Laib , den man in 3 Theile brach ;
mit einem fütterte_man das Feuer am heil. Abend , mit den übri-
gen an den Abenden vor deni Oster - und Pfingstsonntage , indem
man dabei jedesmal das Wort Amen ausprach. Dieses Brot hiess
dann auch das »Feuerbrot«. Am Schluss sei noch bemerkt,
dass selbst Hausmütter, welche das Feuer sonst nicht zu Tüttem
pflegten , es dennoch niemals unterliessen , wenn sie die Störi oder
die Faschingkrapfen ^ buken.
*) Schön.
*) Die armen Seelen traten hier wol zunächst oder unmiUelbar nur an die
Stelle eibischer Wesen , Hausgeister , welche dem Menschen hold waren,
allerlei Dienste Ihatcn und dafür mit Ueberresten von Speise und Trank
bedacht wurden. — Rührend ist übrigens im Gegensatze zu dem Ver-
halten so vieler Gebildeten die Pietät des Volkes gegen die Abgestorbenen.
*) Beide erweisen sich auch hiedurch als alte »Festgebäcke«. Das
Backen auf dem Heerd oder im Backofen , besonders das * Krapfenbacken, «
Iß
2. Das Feuer »singLt llecrd und arme Seelen.
Wenn das Feuer »singt«, ^) entsteht bald ein Brand; eine andere
Deutung lässt es mit einem Verdruss abgehen. Man ^irft zur
Abwendung^^alz_ hinein. Andere erklären dieses Singen als Weh-
klage der armen Seelen und meinen, das Salz "erleichtere ihre
Qual. (Mühlviertl.) Eine Magd hatte Nachts etwas im Hofe zu
thun und musste auf dem Wege dahin durch die Küche. Da lag
auf dem llccrd ein Haufen glühender Kolilcn und darauf sass
eine arme Seele. Hätte die Magd Brosamen in die Glulh ge-
worfen, wäre die arme Seele erlöst gewesen (Steinerkirchen). —
Wenn der »Dreifuss«,^) nachdem schon abgekocht ist , über dem
Feuer stehen bleibt , müssen die armen Seelen (darauf sitzen und
wurde als oin Abbild des himniljgcheii _ Backens aiigeselieü. Der Gewitter-
heerd buk Segen und Fruchtbarkeit.
Um unldr einem gleich vom Mahlen zu reden , der Wolkenhiromel
ward als Mühle, die Erzeugung des Wetters, besonders dos Gewitters,
als Mahlen vorgeslcUt. So kamen Mahlen und Backen auch m Bezie*
hung zu Leben und Erzeugung des Menschen. Das Volk spricht noch
scherzend von einer Pelzmühle, wo man die alten Weiber jung mahlt
Kinderreim: • Müllner, Müllncr, Säckärl, Is der Müllner nit z* Haus,
s* Riegcrl vor, s* Schloss vor, Werfm^ Säckiirl unters Thor.> Dabei
legen die 2, die gesprochen und das Kind an Kopf und Füssen hin-
und hergeschwenkt haben, es nieder. Zu solchen und ShnKchen Auffas-
sungen, welche manches erklären, regen besonders die Werk« Bdie
Göttenvelt der deutschen und nordischen Völker von Mannhardt und der
Ursprung der Mythologie von Schwartz i an.
*) So heisst ein cigenthümliches Tonen aus der wehenden Flamme. Schon
die Griechen sagten beim Knistern der Flamme , Hefaistos oder Hestia
lache. Die Kobolde, die himmlischen Feuergeisler der deutschen Mythe,
lachen ebenfalls. Hier weinen sie, weil sie in der Vorstellung sich zu
armen Seelen wandelten. —
*
') Der Dreifuss ist ein alt beUi|{es Geräthe, welches ebenfalls mit Gewitter
und Blitz in Verbindung steht Ueberdiess tritt der Blitz selbst, nach
uralter Auffassung, sehr oft mit der Zahl 5 in Verbindung. —
17
Qual leiden. (Häufig.) — Einst nannte man an der armen Seelen
statt auch • unsere liebe Frau«. 0
S.^Heil. Florian Feuerspatron. Als »sonderbarer« ^
Patron vor Feuersgefahr ¥rird allgemein ein Landesheiliger, der
hejL Florian, verehrt. Man findet ihn häufig abgebildet, wie er
aus einem vollen iSchäfRc Wasser auf ein brennendes Haus giesst,
in der andern Hand hält er eine Ritterlanze , von deren Spitze
ein rothes Fähnlein in die Lüfte weht ; mitunter zeigt dieses auch
ein weisses Kreuz oder einen weissen Streifen im rothen Felde»
so dass es an die österreiehischen Landesfarben gemahnt. — •
Damit hängt es wol auch zusammen , dass man wünscht ,
am Florianitag ^) möge es wenigstens etwas regnen, damit es
das Jahr durch weni|[ »Brünsten« gebe. — Es ward auch an diesem
*) Diess weist noch stürker auf die alte Heiligkeit ^es Heerdes zurück.
Wenn jemand aus einem Nachbarbause Feuer holt, so wird ihm, wenn
er fort ist, uiweilj^o. Wasser nachgeschüttet, weil es nicht gut ist, tom
HftftrH K'^ufp ny^ggiigAhAn — Siehe auch Wasser, 1. —
*) Besonderer , besonders mächtiger.
*) Er fallt auf den_ 4^ MaL An Frühling und Blühen gemahnt schon der
Name des Heiligen. Diess und das obeBbeschriebene Fähnlein an der
Lanze, so wie dass er in die Fluthen der Ens gestürzt wurde und meh-
rere Züge aus seiner Legende (siehe später »Ochs«), alles zusammen
bewirkte, dass er zum Feuerpatron, zunSchst wol zun) Patron gegen
das Blitzfeuer, wurde. Das Feuer nennt man noch das rothe F^hnl,
noch sagt man, es giesst, als wenn man's aus »Sch4fl*eln« schüttete.
In einem zwar komischen aber echt tolksmUssigen Uede heisst Er der
»feurige Mann«, der ■ Häuser anzünden und verschonen kann«. Seine
Abbildungen, natursymbolisch gedeutet, bezeichnen also den dem Blitze
nachrauschenden Gewitterregen, ^amit ist die Existenz und Geschichte
des heil. Märtyrers nicht im mindesten angetastet, eben so wenig das
fromme Vertrauen auf die Fürbitte der Heiligen. Nicht einer Vergötte-
rung der Heiligen, nur der Anlehnung der alten Götter an die ältesten
Heüigen, besonders Landesheilige, gibt dieses rm6 anderes Zeugniss.
Treffend spricht hierüber J. W. Wolf (Joannei Laicut) in der Vorrede
zu den Beiträgen zur d. Mythol. S. XH. &. —
2
'Ol
18
Tage (Steinhaus) einst im ganzen Hause Jcein Feuer gemacht,
oder man »feuerte« doch erst um 9 Uhr »ant , damit daselbst das
Jahr über »kein Feuer auskomme«. In einigen, andere sagen,
in 3 Bauernhöfen in der Umgebung von St. Florian wird an dem
Feste des Heiligen J^einl^'cuer gemacht, ja nicht einmal ein Licht
angezündet, bis jemand aus den 3 Häusern dem Heiligen in St.
Florian das^» Opfer gebracht hat.« —
4. Anzeichen eines Brandes. Wenn die Kirchenuhr
unmittelbar nacheinander länger fortscblägl, gilt es im Mühlviertl
als eiiPÄnzeichen , und man besorgt eine Feuersbrunst. —
Schon zweimal glaubten die Bewohner einer Ortschaft (Inn-
viertl), das Nachbardorf siehe in »hellichten« Flammen und liefen
fort, um löschen zu helfen ; bald darauf aber brannte wirklich
daselbst ein Haus ab , und das ganze Dorf stand in der äussersten
Gefahr. Dem ersten Hause folgte io kurzer Frist ein zweites. —
Im Traunviertl besorgt man einen Brand , wenn sich in dem
Hause »Zwiebrände«, d. h. Späne, welche an beiden Enden an-
gebrannt sind, befinden. — *)
Wenn die Hennen krähen, so krähen sie um Feuer. (Buch-
kirchen.) —
5. U n g 1 ü ck mit Feuer.
Wer kein Sonnenwendefeuer brennt, der hat Unstern mit
dem Feuer. Auch der hat damit Unglück, welcher am Himmel-
fahrts-, Pfingslsonn- und Frohnleichnamstago bleicht —
Wenn man einen Krebs*' in das Haus bringt, so brennt
dieses ab. — Wenn eine Ente (Allmünsler) auf den Eiern sitzt
und es Tällt nur e i n Junges aus , soll man dieses beileibe nicht
am Leben lassen. Denn geht eine solche Ente_9mal ums Haus,
brennt dieses ab.
') Das erste deute ich als ein Vorbild des himmlischen Donners, das an-
dere als das des lodernden Blitzes. Auch der Zwiebrand ist mir ein
irdisches Abbild des himmlischen, des Blitzes. —
1»
Dasselbe geschieht auch , wenn Thiere , welche mehrere
Jungen auf einmal gebären , z. B. Katzen und Schweine , nur eines
werfen. Ein solches muss man alsogleich ersäufen ; denn bliebe
es am Leben, so müsste das Haus abbrennen, sobald es 9mal
um dasselbe gelaufen. — ^)
Verbrennt bei einer Peuersbrunsl _ ein Hund, ^ so brennt
das Haus in sieben Jahren zum zweiten Male ab. — (Steinerkirchen.)
Wenn bei einer Brunst Hund oder Katze verbrennen, darf und
soll das Haus und zwar, ohne dass die »Herrschaft« etwas »drein-
zureden« hat, auf einem andern Platze neu aufj^eHihrt werden. ^)
Unglück mit dem Peuer kann auch der haben , über dessen
Haus ein »feuriger Drache« fliegt; solches hat gewis einmal,
früher oder später der, dessen Haus einen »Feuerbaum« hat
Der feurige Drache ist wie ein Vogel gestaltet, aber der Leib ist
eitel Feuer; der Schweif ist so lange, als ein Wiesbaum, und
ebenfalls von Flauer ; das Thier speit auch Feuer aus, und wenn diess
»Gespei« ajjf Häuser fällt, so brennen sie ab. Man pflegt daher,
sieht man einen fliegen , zu beten und das heil. Kreuz zu machen«
Ein solcher Drache aber lässt sich nur ganz kurze Zeit sehen;
sein Flug ist auch oft von Saus und Braus begleitet. (Traun-
und Hausruckviertel.) —
') Ente, Katze und Schwein stehen (siehe spSter »Thiere«) mit Gewitter
lind Blitz in Verbindung. Der Krebs , der gesotten roth wird , ist der
vorher dunkle, aber im Blitzfeuer geröthete Himmel. Aus dem »ein«
erklärte man sich spSter das, wofür man keinen Grund mehr einsah.
Was die Zahl 9 betrifft, siehe »Gewitter. 1.«
*) Nebenbei sei aufmerksam gemacht, wie derlei Meinungen hin und wieder
ohne darin etwa ihren Ausgangspunkt zu haben, Mitleid, auch gegen
das Thier, beförderten. Der arme Kettenhund, obwol an ihm kein be-
sonderer Werth liegt, soll auch gerettet werden ; Schaden hat, wer seiner
vergisst.
•) Wie der Donnerkeil (siehe später) nach 7 Jahren an eben derselben
Stelle wieder zum Vorschein kommt, eben so Hunde und Katzen, welche
Bilder von Sturm und Blitz sind ; aber als Feuer, ursprünglich Blitzfeuer,
selbst. —
2»
20
Gegen Sonnenuntergang (Innviertl) fliegt oft ein Drache über
die Dörfer, mit einem Hundskopfe, breiten Flügeln und einem
feurigen Schweife. Streift er^ damit an einem Dachfirst an, so
fallen Funken ab, und das Haus fängt an zu brennen. ^)
Feuerbaum. ^) (Häufig). Wenn der Blitz in^ einen Baum
schfdgt, verschenkt man das ganze Holz. Verwendet der Eigen-
thümer auch nur etwas davon für sein Haus, um z. B. Dach oder
Thür damit auszuflicken , schlMgt der Blitz in eben dieses Stück
ein , und das Haus brennt ab. In einem fremden Hause aber
bringt es, wie immer verwendet, keinen Schaden. —
Als einst (Kremsmünster) ein Bauernhof abbrannte, und der.
Besitzer der Ursache des Brandes durchaus nicht auf die Spur
zu kommen vermochte , auch Brandlegung war nicht anzunehmen,
gelangte er endlich zu dcm^rgebniss , dem »Feuerbaum saine
Zeit sei aus. gewesen.! In Windischgarsten heisst es in
gleichem Sinne : »d a s H o I z JlslIjlu s j;« d i e n 1. 1 —
Ein Feuerbaum (Steinerkirchen) wird nach 32 *) Jaren von
selbst brennend ; 2 dürfen die Zimmerleute bei einem Hausbau
') Der feurige Drache ist ursprünglich der Gewitterdrache, ein Nalurbild
des Gewitters. Er, dessen Nahrung nur Erz war, das in seiner Gluth
zu reinem Golde schmolz, der Getreidesegen und Fruchtbarkeit brachte,
ist uns hier nur mehr als feuergcrährlich bewahrt. Doch weisen auf
seine ursprüngliche Art der feurige Schweif hin , die breiten Flügel und
der Hundskopf. Der Sturm, Hund, Ut mit dem Gewitter verbunden, er
geht ihm unmittelbar voran. Das Gespei war Gold; feurig heisst es
noch. Wie der Gewitierdrache am Himmal Gold spie, speit die Kröte
(siehe später) der Hexe im Schmalzkübel Schmalz. —
*) Der Feuerbaum scheint mir ein Abbild des himmlischen Wetterbaums,
der baumähnlichen Gewitterwolke, welche den Blitz, das Feuer, in sich
birgt. Siehe spater (Pflanzen) die verschiedenen Donnerkräuter oder
Sträuche 4. —
•j Darf man an die Zahl 50, mit der sich hin und wieder noch die zwei
verbindet, denken, und zwar als an die Zahl, welche den Ablauf der
Verjährung bestimmte? Unfug und Unmasse, biess es im Mittelalter,
dauern keine, also höchstens 30 Jare. —
21
zur Seile schieben, den dritten aber ipüsscD sie. einlegen. Ers^
wenn er_ einige ^eit liegt, darf man daran denken, ihn wieder
auszunehmen. —
Ziromerleule (Kremsmünster) erkennen einen Feuerbaum
daran, dass beim Behauen Funken >• herausspritzen ;• sie können
solch^Stämme ausscheiden, aber nicht mehr als drei. *) Ist unter
dem Bauholz ein vierter , schlägt auch die Axt keinejfunken mehr
heraus , und es ist dem Haus einmal beschaffen , einen Feuerbaum
zu haben. Nicht jedes Jiaus hat einen Feuerbaum ; das aber einen
solchen hat , muss einmal , zu seiner Zejj«. abbrennen. —
Für einen Feuerbaum hält man in der Grünau einen
Baum, den der Blitz gctrplfcn hat, ohne ihn bedeutend zu beschä-
digen, abzubrechen oder gar zu zersplittern. Um Kremsmünster
meint man, dass manche Bäume überhaupt Feuer in sich bergen,
das nach einer bestimmten Anzahl von Jahren , welche aber niemand
weij[Sj_. ausbricht. —
Mit dem über den Feuerbaum Gesagten hängt wol auch der
Glaube zusammen (Uttcndorf), dass, wenn auf einer Brandstatt
wieder gebaut wird und der erste hölzerne Nagel ^) beim Ein-
schlagen Feuer gibt, das Haus oder Gebäude in kurzer Zeit von
neuem abbrenne.
6. Abwendung und Abwehr.
Wenn ein hölzernes lUuä gebaut wird, schlägt man , um
von ihm Feuersgefahr abzuwenden, in den ersten Bai-
ken ^ eiserne . Nägel und macht dabei das Zeichen des heiligen
Kreuzes.
Um einen Brand zu löschen oder Gebäude , welche in
nächster Gefahr stehen , von dem Feuer mit ergriffen zu werden,
hievor zu schützen , kennt der Volksglaube verschiedene Mittel.
*) Siehe obco Anmerkung zu Dreifuss. —
*) Kuhn bat nachgewiesen, dass die Bereitung des sogenannten Nothfeuers
in der Nabe eines Rades nur die Nachbildung eines bimmliscben Pro*
zesses ist , den man in der Entzündung des Feuers beim Gewitter wahr^
zunahmen glaubte. —
- .^
22
Als einst irgendwo im Mühlviertel ein starker Brand ausbrach und
alle Menschenwehr und Menschenarbeit sich zu schwach erwies ,
da sprach ein Bauer auf allgemeines Verlangen und sogar mii
Einwilligung des Pfarrers den iFeuersegeuf. ') Das Mittel
hatte auf der Stelle Erfolg? nMäiisälT es, wie das Feuer dem
Segner ordentlich nachfuhr, bis er es auf eine Stelle leitete, wo
es aus Mangel an Nahrung nicht mehr um sich greifen konnte ,
sondern leicht gelöscht wurde. Die Anwendung des Feuersegens
heisst auch das lAnsprechen des Feuers.« '
r /'. iZigeuner und Wurzngrabä« ^) besassen nach einer
'^^ * • einst allgemein verbreiteten Meinung Macht über das Feuer. In
Hegau brannte einst die Kirche ab , und der brennende Thurm
stürzte in den Hofraum des nahe gelegenen Bauernhauses, ohne
dass diesem nur die geringste Gefahr entstand. In dem iStadU
nemlich hatten die Zigeuner , wenn sie in die Gegend kamen , ihr
Quartier gehabt, und aus Dankbarkeit das ganze Haus feuerfest
gemacht. Ein Kaufmannshaus in Windiscligarsten (handschriHliche
Mittheilung) ist bei dem Brande im Jahre 1728 nicht abgebrannt,
weil isie hier ehevor die Zigeuner behalten haben, und ist ihnen
zur Belohnung versprochen worden, dass ihr Haus niemals ab->
brennen werde.«
Die Zigeuner können (MühlviertI) mit dem Feuer besonders
•gut umspringen.« Einem Bauern, bei dem sie gern über Nacht
blieben, versprachen sie, dass sein Haus nie abbrennen werde.
Sie machten , ohne je Schaden anzurichten , auf der JEeiloe. Jl^ucr
^} In der Beilage folgen 5 Segen dieser Art. Den ersten triflPt man noch
hin und wieder in den Häusern des Landvolkes ; der andere ist einem
Roman enbüchlein entnommen; der letzte fand sich handschrifUtch im
KremsmUnster- Archiv aufbewahrt. Es fällt auf den ersten Blick auf, in
welch' hohem Grade, besonders der erste und der dritte, so zu sagen,
christlich vermummt und verbrämt sind.
*) Sie graben in Bergen und Wildern heilkräftige Wurzeln , Kräuter u. dgl.
und gellen darum für wissend. «Rodn wieri Wurznman« heisst so
viel, als ungewöhnlich, besonders beredt sein.
23
an, soUeo und brieten in hölr^rnen Gefässen, ohne dass diese das
Feuer ergriff. Einmal verbrannten sie gar ejnen Ha|m Stroh mitten
aus dem Schaub und zwar von einem Ende bis zum andern, ohne
dass der Schaub zu brennen oder auch nur zu „glosn** anfmg. —
Als es einst in Mondsee brannte, blieben die Hütten der
Würzen mann er, welche -voa Holz waren,, uawjrsebrt, obwohl
mehrere gemauerte Häuser nicht konnten vor dem Feuer gerettet
m
werden. Das Wunderbarste war es, dass sie auch gar nichts an-
deres thaten, als sich mit kleinen iScchtcrln^ aufs Dacli_ petzten
und daselbst ruhig sitzenblieben. — *)
Auch W i I d e r e r verstehen nicht selten neben anderen auch
diese Kunst. In der Grünau lebte vor mehr als lOO Jahren ein
Mann, der mehr konnte, als »Birnen braten.« Unter andern besass
er völlige Macht über das Feuer. Als er einst nicht zu Hause war,
er war ein' Wildschütz, versuchte man es, seine Hütte, welche tief
in den Bergen lag und nur aus Tannenreisig roh zusammenge-
üochten war, in Brand zu stecken. Doch umsonst! Nur das Holz,
welches man rund um sie hergelegt hatte, verbrannte. Ein an-
deresmal war auf dem »Salm« ein Waldbrand ausgebrochen; alle
Abwehr war vergeblich, es brannte bereits durch 4 Wochen, und
das Feuer schien noch grössere Ausdehnung nehmen zu wollen.
In dieser Rath- und Hilflosigkeit wandte man sich an den »wilden
Jodl.« ^) Er versprach auch Hilfe zu schaffen, wenn man von jedem
weiteren Rettungsversuch abstünde und ihn ganz allein , auf dem
Berg oben, seine Kunst anbraucben liesse. In der Noth gieng man
hierauf ein. In kurzer Zeit war das Feuer bemeistert, andere sagen
sogar, es brannte keinen Finger breit weiter. —
Das Umsichgreifen einer Feuersbrunst verhindert man auch,
wenn man eine Scheibe aus was immer für einem Materiale
') Erinnert nicht wenig an die bereits enväbnte bildliche Auflassung des
dem Gewilterfeuer nachrauschenden Regens. Die Wurzeninanner sind die
letzte Wandlung Thdrs. Die YermiUlung bildete die Kenniniss der
tWuraen«.
') Georg. Selbst der Name ist nicht unbedeutsam. —
24
m die Flamme wirft, worauf die folgenden Charaktere und zwar
genau in derselben Folge verzeichnet sind: ^)
SATO R
A R E P 0
TENET
OPERA
R 0 T A S.
Statt einer Scheibe kann auch ein Tel I er genommen
werden. —
Ein Haus, welches in Gefahr ist, von einer Brunst ergriffen
zu werden, bewahrt man auch, indem man (im Hause selbst) einen
Laib Brot ^) yerkebrt auf den Tisch legt, oder ein Päckchen Pa-
pier, worin man am Gründonnerstag einen Stein gewickelt
hat» ins Feuer wirft ; dabei müssen die Worte gesprochen werden :
■Es ist vollbracht«, oder doch auf dem Papier geschrieben stehen.
Auch ein E i , welches am Gründonnerstag gelegt
und am Ostersonntag ist geweiht worden, löscht, in ein Schaden-
feuer geworfen, dieses aus. ^
Besonders die iRomanus- oder Romanenbüch-
leim ^) geben Mittel an, Feuersnoth zu »wenden.«
7* Redensarten. Ein gebranntes Kind fürchtet das
Feuer. — Einen, wies Feuer fürchten. — Oan *an »rcots Fant
'afstökn.« — Einem den >reo(n H^" afs Dah sözn.« —
') Ee bilden sich aus ihnen, man mag sie von links nach rechts oder von
rechts nach links, von oben nach unten oder umgekehrt, von unten
nach oben und rechts nach links tugleich lesen, immer dieselben Wörter.
*} Abraham a Si. Qar. ISsst einen dummen Buben unter anderm auch
beichten, dass er den Laib Brot od auf die verkehrte Seite gelegt habe. —
Ein Weib that einst die Aeusserung; »Liebi lass ich s' Kind steribn,
als *n Brotlaib i( di väkertn Seit lign«.
^ Siehe spMter: Gewitter, 8. —
^) Diese Büchlein enthalten die verschiedensten^ meistens abergUobische
Mittel, durch deren Gebrauch t Menschen und Vieh vor Unglttck und
Krankheit, Feuer- und Wassergefahr , Diebstahl, Verwundung durch
Waffen aller Art, so wie vor aller Zauberei in und ausser dem Hause«
8. K a r 8 a m 8 1 a g. An dem geweihten Feuer ujDdet man
(Ma^dalenaberg) HolzschwSmme an und aucbt sie, wp möglieb, noeb
brennend oder glimmend heimzubringen. Häufiger nimmt man biezu
ein Bündd^heitlein , meist von Haselbolz, und trägt das • Weiche
holze, nachdem man es angebrannt bat, zu verschiedenem Gebrauche
ins Haus beim ; auch die vom Weihfeuer übrig gebliebenen Kohlen
tnigt man zur Benutzung nach Hause. —
9. 0 s t e j; f e u e r. In der Osternaeht werden (Kirchham,
Traunvierll) um 1, 2, 3 Uhr früh aufjreiem Felde F^uet^ange-
zündjct, und die Bäuerin gibt rohes Fleisch mit, welches an diesem
Feuer gesotten und alsogleich verzehrt wird. Fällt Thau auf die
Erde ,_ so wie auf das frischgesottene Fleisch , so zeigt es eine
reiche Ernte» überhaupt ein fruchtbares Jahr an. —
10. J 0 h a n n i s - oder Sonnenwendefeuer. Als
Herodes {unteres Müblviertel) Jobannes den Täufer wollte gefangen
setzen lassen, trug er den Schergen auf, an der Stelle, wo ihnen
der Heilige in die Hände fiele , zur Stund* ..ein. Teuer anzuzünden,
damit er so schnell als möghch von dem Gelingen Kunde erhalte.
Sie thaten es; aber sieh, zu gleicher Zcjt loderten rings auf allen
Höben Feuer empor, so dass der König nicht wusste, wie er daran
war. Zum Andenken an dieses Wunder brennt man noch heute
die Johann isf euer. — (Innv.) Als Johannes sollte eingezogen wer-
den, steckten die ausgeschickten Kundschafter an die Fenster des
Hauses, worin der heilige Mann eben war, iJobanniskraut,! ^)
damit die Schergen alsogleich das rechte Haus erkennen sollten.
Doch um St. Johann zu retten und seine Verfolger irre zu führen,
fand sich durch ein Wunder an sämmthchen Häusern dasselbe
bewahrt werden. Büchlein dieser Art fOhren auch den Titel: RunstbUcb-
lein, z. B. »Ein schön, neu erfundenes K uns tbQcblein, darinnen (wie
oben) &. &. Herausgegeben von Dr. Pleinhorati, königl. Leibroediko in
Egypten als einem gebomen Zigeuner. Die Druckorte wechseln, und
es figuriren nur fremde, meist enÜegene.
*) Siehe später Pflanzen. Es ist ein Kraut mil gelber Blüthe, ein Donner-
oder BUtzkraut —
n
Kraut ausgesteckt. *) — Mit einbrechender Nacht (Attersee) flackern
von den Bergen und auf dem See Feuer empor. Mit den „Suna*-
wendfeuern'* ist das Feuerspringen und Besen werfen
verbunden ; man spaK hiezu das ganze Jahr hindurch die alten,
unbrauchbar gewordenen Besen auf. Im Innviertel heisst es jedoch,
man soll über das Sonnenwendefeuer nicht Öfter als 3mal sprin-
gen, weil au£h der hl Johannes nicht öfter tfarüber gesprungen
ist. — Um Grein zündet man P ech fasse h e n an und wirft ^
sie brennend in die Donau. Um Sleyreck schleudert man solche
Fasschen brennend in die Lüfte. Im Mühlviertel bewahrt man die
geleerten Wagenschmierfässchen für diesen Tag auf; mit dürrem
Reisig angefüllt und an einer langen Stange befestigt, werden sie
angezündet und geschwungen.
0^-^^* ' Am Sonnwendelag gicng (Wolfseck und Umgebung) ein Bube
\' ^ von etwa 12 Jahren, ganz in >Tangrass*at< eingekleidet, in zahl-
reich lärmender Begleitung von Haus zu Haus und sammelte
') Diese legendenariigen Erzählungen haben ohne Zweifel myUiischen Hin-
tergrund. Der beilige Mann soll gefangen, eingekerkert werden; es ge-
lingt aber nicht. Johannesfeuer, Johannoskraut sind Bilder des Gewitter-
feuers, Blitzes. Mannhardt trägt die altvedische Anschauung, dass um die
Zeit der Hundstage das Feuer der verderblich werdenden Sonne von dem
Gewittergotte verlöscht und diese dann wieder mit dem Blitzstrahl ent-
zündet werde, auf die deutsche Sommersonnenwondc über. *- Jedenfalls
wirken hier zwei GewittennSchte einander entgegen. Die wohltltätige er-
hält den Sieg über die verderbliche. Weil aber von dieser Zeit an die
Gewitter überhaupt abnehmen , nimmt auch sie ab , stirbt. Siehe später
das Verbrennen der beiden Strohpuppen.
') Diese Fässchen sind als Bilder der Sonne, wenn nicht vielmehr des
Blitzes, aufzufassen. Die Besen, welche man brennend in die Lüfte wirft,
sind wol sidierUch mit dem Blitz in Verbindung zu bringen, Bilder des
Blitzbesens. Siehe auch Pflanze, Georgiwiseh, und das in der Vorrede
angezogene Programm vom Jahre 1860, Georgitag. Noch sagt man
wenn nach einem Gewitter gleich wieder reiner Himmel wird, dieser sei
„wie ausgekehrt", und meint, wenn es im Sommer lange regnerisch ist,
erst ein Gewitter werde schönes Wetter bnng^en, den Himmel reinigen. —
27
Holz zu dem Feuer, indem er den Spruch hersagte: »Der hei-
lige St. Veit dat^iuln um *a Scheit; wans ins koan Scheit net
göbts, So machä mä koan Sunwendfoir not.« Oder auch : »Wald-
horn, Waldhorn wüli, Trink a saurö Mülich, Bier und Wei', Bier
und Wei", kan da WaWma' scha" brav lusti' sei". — Das Holz
zum Johannisfeuer (Äspach, InnviertI) wird mit folgendem Spruch
gesammelt: »Der heilijge St. Veit dät biln um ä Scheit, der hei-
lige St. Ulrich ddt biln um ä Bur* Wid, der heilige . St. ,Nigl dät
bitn ura*Tn Brigl, der heüjge St. Florian, Um 7Jühr kendmä s'
Feuranii <) Dem, welcher Holz hergibt, dankt man mit den Wor-
ten: »Nim an Schimel, Reit qql Himel!« Im Gegenfalle schilt man:
»Nim^änJRa^, Reit ön d'Hel !** S(att des vorausgegangenen Spru-
ches heisst es auch: Der hl. St. Veit dät bitn um a Scheit, dit
bitn um ä Sieur zum Sunäwendfeur.« — An diesem Tage (Ma-
rienkirchen , InnviertI) geht das Bubenvolk im Dorfe herum und
bettelt um altes Gewand für ein Manns- und ein Weibsbild. Die
geschenkten Kleider werden zwei Strohpuppen angezogen ;
hierauf befestigt man »Hansl und Gredl« an dem Ende einer
langen, bis zum Gi*und mit Stroh umflochtenen Stange, die Gredl
zuhöchst, etwas darunter den^ansl. (In Steinerkirchen geschah
einst dasselbe ; doch erzählt man nur von einem Strohmanne. Zu
Buchkirchen (HausruckviertI) wurde der »StuelbAm«^) errichtet und
an dem oberen Ende ein Strohmann und ein »Pechfassl« befestigt.) —
*) Die Namen scheinen nicht völlig unbedentsam ; dass auf St. Nikolaus
manches heidnisch Götyiche sich übertrug, unterliegt keinem Zweifel. Wolf
erwähnt eines Bildes des hl. Ulrich, Landespatrons von Bayern, das auf
einem Eichenstumpfe stand, und bemerkt dazu, dass dis Eiche auf Donar
hinweise. Ebenderselbe Gelehrte sagt auch, dass St. Vitus eine der heid-
nischen Hauptgottheiten vertreten habe, nur sei es dunkel , welche. In
Oberösterreich hat man einst junge Hähne auf dem Altar des Heiligen
geopfert und ohngeacbtet aller Abmahnung, mit den ,J(rebo" derselben
Kreuze auf den Altar gemacht Dies aber weist auf den Donner- und
Blilzgott bin. —
*) Stud, Studel (Scbmellcr, III. 616) Pfosten, Säple. Unsere Wortform lässt
auf ursprüngliches uo schliessen. —
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Sind Sirobmann oder Strohpuppen an ihrem Platze, fährt man
um Hole in den Wald und bringt dessen so viel als möglich zu-
sammen. Den Waje n ziehen sie nicht selten selbst.
Sodann wird ein Uolzhaufcn errichtet, die Stange oder der Baum
hineingesteckt und angezündet. Das Feuer Uhift an der Strohhütte
rasch hinauf, und Hansl und Gredl *) verbrennen unter dem Ge-
jauchze der Untenstehenden. Erst wenn Strohpuppen und Stange
verbrannt sind, fangen Buben .und Mädchen paarweise übers Feuer
zu springen an. —
Neunmal , heisst es hie und da , muss man über das Son-
nenwcndeieuer springen, um vor Fuss- und Kreuzweh verschont
zu bleiben; neun^soMie Feuer selicn, sonst stirbt man noch in
diesem Jahre. — Wer 9 Sonnenwendefeuer sieht, heiratet das Jahr. —
M e t h, an diesem Tage getrunken, ist gut gegen Kreuzweh.
Wer an diesem Tage gebackenen >H oller« isst, wird das Jahr
hindurch nicht krank. Auch Krapfen werden nach altem Brauche
für den Aben4tij^ck gebacken. ^) —
Der Acker, worauf ein solches Feuer angezündet wird,
freut sich (Rremsmünster) 9 Jahre darauf. Einst kniete man auch
am Feuer und betete. Bevor die Leute übers Feuer sprangen,
sagt man im Mühlviertl, giengen sie, betend und einen Spruch
hersagend, einigemale um dasselbe herum. —
Jedoch soll man das Springen nicht über Mitternacht fort-
setzen, man könnte sonst leicht Schaden nehmen; denn nach 12
Uhr £ang.en die Hexen zy springen an. —
') Die wohlthatige Gewittcrmacht, obwol sieghaft über die verderbliche, hiess
es früher , nimmt ab , stirbt. Dürfle man in Hansl und Gredl vielleicht
Thorr und Sif erblicken ? Gredl ist Margaretha. Die Sipbacbzeller Kirche
ist zu Ehren der hl. Margaretha geweiht Auf der Wand vor der Kir-
chenthlir ist das Bild des hl. Christoforus gemalt, wie er durchs Wasser
watet — Hiezu bemerke ich noch, dass verbürgten Mitlheilungen zu
Folge Wallfahrer vor Zeiten, das Volk, wenn es jetzt davon erzShlt^ deutet
es als roulhwilligen Frevel, für Heilige beteten, namentlich für den, »der
das Söchterl ausschult*!« (Siehe Feuer). —
^ Alles dies, zusammen genommen, weist auf ein heidnisches Festmahl hin. —
29
Ausserdem warf und wirft man hie und da noch ge-
wisse Kräuter in die Flamme. Besonders verwendet man
hiezu die »Pro h nj^ichna m sk ranz e.i Man dorrt sie an der
Sonne, zerreibt sie am Sonnenwende-Abend und wjrfl sie ins Feuer,
oder räuchert damit Haus und Hof. Auch die Striiuche und
Reiser, welche am Frohnleichnams^ oder »P r a n g e r t a g e« die
Wände der Häuser, Fenster und Thiiren, die 4 Segenstätten u. s. w.
zierten, spart man an vielen Orten fiirs Sonnenwendefeuer auf. —
<1. Petersfcu e r. Auch Petersfeuer werden angeziindet,
und zwar desto zahlreicher , je mehr es die Johannesfeuer ver-
regnet hat. —
i2. Todtenfeuer. Es genüge hier, dass man darunter
ein im Freien angezündetes Feuer versteht, in welches man das
Bettstroh eines Verstorbenen zum_Verbrenncn wirft,
b) Wasser.
1. Nebel, Thau, Regen, Reif, Schnee.Jm Inn-
viertel heisst über Nacht eingefallener Nebel die »Nachtgrii-
fjji.« Jn Wartberg (Traunviertl) war einst das »N eb elläu t e n< . .^^^
üblich. Es wurde nämlich von Georgi an bis Bartholomäus vor dem '
morgendlichen Gebelzeichen, mit allenfiloeken geläutet J)er Name er-
klärt sich daraus, dass Nebel in der wärmeren Jahreszeit sehr ge-
fürchtet sind. — Am^eorgitag gicng man vor etwa 50 Jahren
noch t h a u f a n g e n oder t h a u f i s c h en. »Dasi Thau , in das
' Futter gegeben, schützte das Vieh vor Verhexung. Aber auch die
Hexen giengen thatifangca , weil sie des Georgithaues zur
Hexensalbe bedurften. Das »Weibsbild«, das thaufischen wollte,
erzählte man im unteren Mühlvierll, gieng vor Sonnenaufgang
nackt I mit einem Kru^ in der Hand , auf Wiese oder Feld und
streifte den Thau ins Gefäss. Zu Hause fuhr sie den Kühen mit
der äusseren Fläche der thaubenetzten Hand über. den Rücken,
sie gaben dann erstaunlich viel Milch. — ^tx sieh mit Mai-
thau wäscht, bekommt eine »schöne Haut.^ — ^asselbo heisst
es von dem »Märzen wasser« , d. h. dem Regenwasser,
das im März fällt. — Am 6 u n d 1 1 a g, 3. März, soll es regnen;
30
das Wasserjst^ gut gegen das HinfalUd. Auch spart man Mär-
xenwasser auf, um damit am Georgitag vor Sonnenaufgang Tbür-
und Thorschwclle, Krippen und Barren ab- und auszuwaschen. —
^enn der erste Reif föilt, sagt man gerne zu den Kindern:
»8* Rlifwäbärl« JJ is draussn und sitzt äfn Dah. — J)en Mär-
zenschnee soll man dörren ; er ist gut gegen die Flöhe. —
- - -, .^-
JA^enn es grosse Schneeflocken wirft und sie lustig durch einander
wirbeln, heisst es: »Die Backen und MüUner raufen«, oder auch:
»n* Bökn Hats zrissn samt n Wökn.« Die alten Jungfern müssen
nach dem Tode •Schnee reutern« und die Junggesellen »Wolken
schiebn«, oder »Nöbl slrittn«. — ^
2. Wasser überhaupt. Das Wasser, Fluss , Bach und
Quell, spielt in der Legende und frommen Sage eine nicht
unbedeutende Rolle, worüber hier nur einiges, mehr im allge-
meinen, bemerkt wird. Flüsse und Bäche tragen Gnadenbilder auf
ihren Flulhen daher. — Diese schwimmen mitunter selbst strom-
aufwärts — und tragen sie fromm beflissen ans Ufer; an der
Stelle erheben sich bald Kapellen und Kirchen. In der Nähe von
Kapellen^ und Kirchen quillen häufig Brunnen, die sogenannten h I.
B jr ü n d 1 , ^) deren Wasser gegen allerlei Krankheiten, besonders
der Augen , heilsam ist Unweit Hartberg (Buchkirchen) soll einst
ein Raubschloss gestanden sein. Hieher wurde jährlich am
Stefanitage geritten und den Pferden aus einem Brünlein,
das noch fliesst, die^Augen gewaschen, um sie vor Erblindung
zu sichern. Der Brunnen heisst der »Tänibrunnen.« —
Das Wasser scheucht auch böse Mächte und Zauber
fem, dient zur Erforschung der Z u k u n ft. — Wer sich durch
<) VfihM, d. h. Barbara. —
') Von der Auflassung des WolkenhimmeU als MUble, Heerd etc. war be*
reits die Rede. In den Kreis dieser AufTassnng gehören auch die eben
angeführten Redensarien, die iwei leisten ausgenommen; doch mögen
auch diese auf verwandten Vorstellungen beruhen, sich vieUeicht auf das
Heilen des Backofens beziehen. —
*) Solche finden sich vorzUglich bei Marien-, Georgen-, Leonhard- und Ni-
kolaikirchen, überhaupt bei denen der Sltest und höchst verehrten Heüigen.
81
9 Tage_nicl)t wischt, seUt sich hiedurch in den Stand, Teufels-
werk zu treiben. Wer Morgens ungewaschen betet, dessen Gebet
ist Gott nicht angenehm. Wer ungewaschen ausgeht, dem kann
die HexeaiK^^er an einem Sommerraorgen, besonders wenn er
als der erste aus dem Hause geht, »u'zwahnü« sich ins Freie be-
gibt, der verursacht ein Schauerwetter. Zauberrath wird in flies-
sendes Wasser geworfen. Junge Hunde und Katzen verträgt man
über fliessendes Wasser, damit sie nicht mehr zurück können.
Diebe, welche über fliessendes Wasser entkommen sind , erwischt
man nicht leicht mehr. Jemand verstand die Kunst, verlaufene
Thiere »zurückzubringen.« Er bediente sich dazu eines Messers
mit 9 Kreuzen und 9 Monden. Als ihm einmal seine Kunst an
einem Schweine misslang, erklärte er es damit, das Thier sei durch
ei4i rinnendes Wasser gelaufen. Auch Krankheiten »vertragti man in
fliessendes Wasser. — Einst soll ein Bauer (Waldzeil), um seine
»Zukünftige« zu sehen, nachdem er sich 9 Tage nicht gewaschen
hatte, das Gesicht sich im sogenannten »Katzenbäclil« gereinigt
haben , worauf sie erschien und ihm das Handtuch reichte. Im
unteren l^IühJviertl hört man hie und da von den »K elcjib rü ndl-
wassern.« Es sollen hiemit gewisse »Brunn flüsse« gemeint
sein , und wer darein blickt , ersieht das Bild des ihm bestimmten
Bräutigams oder Braut
3) Wasserpatrone und Füttern des Wassers.
Als^ Wasserpatron wh'd besonders der heil. Johannes Nepo-
muck verehrt. Als älterer Wasserpatron ist aber der heil. Ni-
kolaus *) anzusehen , der vornehmlich auch Patron der Schiffer
und Müller war. Am Nikolaustag durften daher die Wasserarbeiter,
Müller, Sägemeister u. s. w. nicht arbeiten. Auch wurde an die-
sem Tage von den Müllern das Wasser gern mit einem Stück
') An den Ufern der grösseren Flüsse der Heimatli finden sich mehrere
St. Nikolauskirchen. An der Donau das einstige Kloster St. Nikola in
PassaiTj'WaTdkirchen , Inaell , Mautbbausen, St. Nikola unweit Grein. Am
Inn-Ufer bei Obemberg, Hagenau bei Braunau. An der Traun, Iscbl, die
Traunfallkapelle, Paura bei Lambach. —
t2
•Schober,« mit Brod oder Koch gefiitteii. Das Rad der heiligen
Katharina mag vielleicht neben anderm diese Heilige ebenfalls mit
den Mühlen in Verbindung gebracht haben. Denn einst wurden
an diesem Tage die Räder der Mtühlen gesperrt. — Auch am
Weihnachtsfasltag buk man zugleich mit der Störi ein länglich-
tes Brot in Daunienrorm , und warf es in die Hauslache»
um damit das Wasser zu •füttern.« Am Palmsonntag
gibt man hie und da noch drei geweihte .Palmen in Lache
und Brunnen, damit Niemand darin ertrinke. — Nebenbei werde
hier zugleich bemerkt» dass man nach Sonnenunterg^ang nicht gerne
mehr^Wasser ins Haus schafft, um davon zu trinken. —
4) In besonderer Beziehung zum Wasser scheint in un-
serem Ländchen der Georgitag gestanden zu sein. Wo St.
Georgskirchen sind, tauchte man Brod in die nahen Brunnen und
gab esT so dem Vieh zu essen. In der Grünau warf man ein Bün-
del Heu in den Almfluss. In Steinhaus brachte man den ganzen
Tag über kein Wasser ins Haus, um nicht die Hexe mit herein
zu bekommen. Im Innvierll wurden die Brunnen ausgeschöpft und
Weibwasser in sie gesprengt.
5)Ueberschwemmungs-8agen« Ina Georgiberg bei
Michldorf ist ein See; wenn man sich hinter den Altar legt und
hinabhorcht ^ hört man deutlich das' Wasser rauseben. ') — Im
Grünauerberg hört man es, besonders im Hornung und Man, oft
schreckhaft ^sausen und brausen. Man glaubt^ dass in den Tiefen
des Berges ein See sich befinde. Einst wurde sogar schon, zu
nicht geringer Angst der Thalbewohner, der Tag genannt, an dem
der See ausbrechen und die ganze Grünau überschwemmen werde.
— In der_Tiefe eines Berges ( Pergkirchen iih Mühlviertl ) wogt
ein grosses Wasser, der Ausgang ist ihm durch einen Felsen ver-
schlossen. Dieser weicht einst und überschwemmt das ganze
') Bei den Wurzeln Yggdraiilt, der Weltesohe, liegen S Brunnen. Unter
der dritten Wurzel, welche über Niflheim, der Unterwelt steht, ist der
Brunnen Hwergelmir, d. b. der rauschende KesseL —
33
Macbland. <) Der Traunstein bei Gmunden stürzt einst Id den
See, der seinen Fuss bespült, und das TraunviertI, so weit es
reicht, wird überflutheL — In dem Steinbrunnen vor dem Aicber-*
tbor zu Krenosmünster wird, noch geht die Sage, jährlich ein Mess-
gewand getaucht , damit das Wasser nicht einmal ausbreche und
alles in der Umgebung mit sich fortreisse. — Der Berg zwischen
Kremsmünster und Sipbacbzell, lautet eine andere Erzählung, ist
hohl und voH Wasser, das einst hervorbricht und alles über-
schwemm f. Vor etwa 40 Jahren war es schon hart daran, so ge-
waltig war das Sausen und Brausen ; man hielt schon Bittprozes-
sionen u. dgl. — Das ganze Kloster Kremsmünster ist auf Bür-
sten gebaut. ^) — Auch die Krems ist ein so wildes Wasser, dass
man alljährlich zur Beschwichtigung ein neues , schönes Messge-
wand hineinwerfen muss. Dennoch geht das Kloster einmal durch
Wasser zu Grunde. Auch hat man es mit dem Messgewand schon
einige Male übersehen^ und da ist die Krems wie wüthend gewor-
den. — Dem Grafen Herberstorf, der die Kirche von Altmünster
gebaut hat, wurde prophezeit, dass sie einst durch Wasser zu
Grunde gehe ; er Hess daher unter dem Hochaltar einen grossen
Klumpen Gold einmauern, damit man gleich das nöthige Geld zum
Wiederaufbau zur Hand habe. — Das Dorf Goisem war einst eine
grosse Stadt, die sich über eine Stunde in die Länge erstreckte.
Sie wurde von einem Ungeheuern Lindwurm zerstört, der vom
»Wurmstein« hervorbrach. *)
') Die Midgardschlange , das die Erde amschliessende Meer, verseUiogi am
jüngsten Tage die Erde ; das Meer durchbricht seine DSinine und über-
fluthet die ganze Welt Simrock, d. Myth. S. 118 u. s. f. —
*) Auch ist es erwUhnenswerth , dass die Stelle, wo der Tradition nach
Herzog Thassilo's vorgeblicher Sohn, Günther, von dem angsterAillten
Vater todt aufgefunden wurde, eben in der Nähe des sogenannten „Ur-
sprungs" liegt, und ein Eber als das Thier genannt wird , das, tödtlich
verwundet, ihm die Todeswunde schlug.
») „Wumstein" heisst eine Ortschaft, seitwärts von Goisem, auf einer Berg-
höhe gelegen ; etwas unterhalb entspringt ein BSchlein, „der Wurmbach" ;
3
34
Das ganze Donaulhai (Alkofen) ist vor Zeiten ein grosser
See gewesen. Damals lebte in dem Schloss 0 1 1 e n sheim ein
mildthäthiges Fräulein, welches die Wohlth'äterin der
ganzen Gegend wurde, indem sie einen Berg abgraben liess, und
SO dem See einen Abfluss verschafTte. — Auch in Aschach, etwas
weiter aufwärts, lieisst es, dass die Donau einst ein w;eit grösseres
Bett gehabt habe und von dem Schlosse Stauf hergelaufen sei. —
Einst floss die Donau hart an Arbing (unteres Mühtviertl) vorbei
Es ist noch nicht lange her, dass man an den Häusern die eiser-
nen Binge^sah , woran die »Zilnt angehängt wurden. Jetzt liegt
Arbing gut eine Stunde vom Ufer entfernt. —
6) Wirbel- und S tru d el s a ge n. Der Wirbel bei
Grein und der Plattensee in Ungarn sollen mit einander unterir-
disch in Verbindung stehen. Ein ßindergesellc wollte einst es
herausbringen, wo denn das Loch wieder münde, und warf seinen
Schlägel hinein; dieser ward im Plattensee, nach anderer, allgemei-
nerer Fassung, weit stromabwärts erst wieder aufgefangen. —
Die Entstehung des Strudels und Wirbels erklärte sich das
Volk einst so. Der Teufd wollte quer durch die Donau unter
dem Wasser eine, Steinmauer aufführen, damit recht viele Schiffe
und Menschen zu Grunde gingen. Schon war er mit seinem
Werke fast zu Ende ; es fehlte nur mehr der Verschluss-Stein. Da
krähte der Hahn, und voll Wuth und Ingrimm warf er den hiezu
bestimmten Stein , welchen er eben dahertrug , hinter sich in
den Fluss, so, dass das Bett ein Loch bekam. So entstanden
es fliesst durch das fast eine Viertelstunde lange Dorf. Der Lindwurm oder
Wurm ist hier Naturbild des angeschwollenen Bergwassers, das in wilden
Windungen von der Höhe herabstUrzt und Leben und Habe im Thale
vernichtet. Der Bach selbst heisst hier „Wurmbach." Hieraus ergibt sich
auch Bezug auf St. Georg. Auf St. Georg, den Sieger über den Drachen
oder Lindwurm, wurde neben anderm, was einst von einer Frühlingsgott-
heit galt, auch deren Verhältnis zum Wasser tibertragen. —
35
Strudel und Wirbel, *) »Strum und Werfl;« der Wirbel mündet
erst tief in Unleröstf^rireicb.
Bald, nachdem der Teufel dies gethan hatte, schwamm eine
»Zum Wallfahrer den Fluss daher und ging^mit ihnen unter. Doch
der Bö8eJ)ekam nur ^ine Seele; die übrigen sagte er, bat alle-
sammt »*s Marijil in ihr FürU^^ ,jssamgfangn.t
7) N i X c n. ^ Der^ltersee wurde , wie die alten Leute
noch häufig erzählen, früher sehr oft, ohne dass der geringste
Wind ging, unruhig, schäumte wild auf und warf gewaltige Wel-
len. Man schrieb dtess dem Teufel^) zu.
Einst wollte Jemand die Tiefe dfia »Krotnseest ergründen.
Da tauchte jedoch ein Männlein aus den Fluthen empor, welches
rief: »Ergründst du mich, verschlick ich dich! t Voll Furcht nahm
er reissaus. Seitdem heist es, dieser See sei unergründlich. Als
unergründlich gilt auch der Traun- oder Gmundnersee.
Der »Wassermann.« In allen Wassern, in Lachen und
Teichen, in Bächen und Flüssen ist der »Was^sä- oder La kam a"*,«
Mit einern__ljjigßQ. Haken *) reisst er die Kinder zu sich hinein,
welche dem Wasser zu nahe kommen. Daher schreckt man kleine
Kinder, welche es beständig zur Hauslache Jiinzieht, — die Er-
wachsenen selbst glauben nicht mehr daran, — indem man zu
ihnen sagt: »Geh nöd aud zun Wassä; da Wassäma" kam auä
und reissät dih einö!«
*) Erinnert an den eddiscben Mythus von Swadilfari, Simrock d. Myth.
S. 56 u. 8. f. Nachklänge desselben kommen in vielen Sagen von
Brücken- und Kirchenbauten vor. — Auch der Markt Struden, ganz in
der Nühe des Strudels, heisst mundartlich : » Strum. < —
') Aus Manens Mantel , dem Mantel der Liebe, ward hier Fürtuch oder
Schürze. —
*) Von ihnen und anderen ethischen Wesen hier und sonst nur in so weit,
als es sich mehr um das Element selbst handelt —
*) Ist hier nur stellvertretend. —
') In Norddeutachland heisst der Nix davon sogar »Uakelmann.« —
3*
38
8) H u n g^cr^ XV !^ n e n. Es gibt deren in der Heimat wol
viele. Ein solcher befindet sich an der Strasse von Ried nach
Pattigham; ein anderer in der Pfarre Waldzell bei dem Weissen-
brunnergute. Beim Aubauern Gaster *) unweit der Alm (Vorch*
dorf) rieselt aus der tLeitni eine Quelle, welche zuweilen länger
oder kijrzer ausbleibt. Das Ausbleiben bedeutet Krieg und
andere Landplagen. — In Fischlham brach vor nicht gar langer
Zeit aus ein em Br u nn cn, der sej) 0. Jahren keinen Tropfen
Wa8S«r mehr gegeben hatte, ein armdicker Strahl hervor«
und dies, obwohl rings in der Gegend ai:ger Wassermangel herrschte.
Auch dieses deuteten alte» erfahrene Leute auf Krieg, Krankheiten
und Theuerung. In Kematen ( Traunviertl ) ist der »Dietlbrunn«
vorbedeutsara. Gibt er mehr Wasser als gewöhnlich, deutet es
nabende Theuerung an. Man erzählt es für gewis, dass erst vor
ein paar Jahren ein Wiener Qetf^ideJiändler sich um den Zustand
des Dietlbrunnens bekümmert habe.
9) Wasserstillen. Aber auch Menschen machen es ,
dass Brunnen zu fliessen aufhören, mit oder ohne Willen.
Wenn eine^ Sechswöchnerin^ Wasser aus einem Brunnen
pumpt^ so »dorrt er aus.« Es gibt auch Leute, welche die Kunst
verstehen, rinnendes Wasser, Quell und BrunDen zu »stillen.« Sie
bedienen sich dieser Kunst nftftra g^gfin .ffnin^y^^'^g''^^'*'*, denen sie
eben feind sind, und es bleibt dem, welcher den Brunnen graben
lässt, nichts anders übrig, als sich an Jemanden zu wenden, der
ebenfalls dieser Kunst mächtig ist, damit er dem andern entgegen-
wirke.
10) »Wasseransprechen.« Manche können das Was-
ser »anspreoben,« so. dass es eine besondere Kraft eriiält und
ungemein heilend wirkt, wenn man darin badet, Wunden damit
wäscht etc. —
Hier auch etwas von Quellenauffinden. Der
Ort Peuerbach hatte vor Zeiten grossen Mangel an Wasser,
namentlich an gutem Trinkwasser. Da sollte ein Verbrecher bin-
*) Hohlweg, der auf eine Anhöbe, besonders ein hohes Flnssnfor fübri —
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gerichtet werden. Auf dem Wege lum Galgen versprach er, wenn
man ihm das Leben schenken würde, eine Quelle auszufinden,
welche den ganzen Ürt reichlich mit Wasser versähe. Man ging
darauf ein. Er verlangte nun einen Korb, füllte ihn mit Wasser,
nahm ihn auf den Kopf und ging so dahin. Wo der erste Tropfen
aus dem Korbe zur Erde fiele da, sprach er», .werde die verheissene
Quelle sein. Der Tropfen fiel, man grub nach, und eine reiche
Quelle sprudelte hervor. Dem Verbrecher ward das Leben ge-
schenkt, die Quelle aber heist noch die »Urtel.« —
11) Wasser als Todtenstrasse. Schiffer und andere,
welche am Ufer der Traun wohnen, sehen manchmal um Mitter-
nacht ein schwarzes Schiff* die Wellen hinabgleiten ; leise, fast un-
hörbar, zTefrr es seine Bahn. Man erblickt weder Ruder noch
Schiffknechte ; es wird von Geistern gelenkt. So oft das Goister-
schiff gesehen wird, findet baM oder unmittelbar darauf Jemand
aus der Nahe seinen Tod in der Traun. Ruft man das Schiff an,
ist es auf der Stelle verschwunden.
Manchmal hört man zur Mitternacht über dem Wasser ( der
Traun ) leis wehmüthige Stimmen , als ob mehrere zusammen un-
terdrückt klagten und weinten. Es sind die Seelen derer, welche
in der Traun ertrunken sind und sich nach Erlösung sehnen.
12) Redensarten und R ä t h s e I n. Das ist Wasser
auf meine Mühle. — Wassi in Bah tragng. — Dö hoamlingi
Wässäl schwoabn dö grestn Stök aus. — Dreinschaun, wie 9 Tag
RögnwödX — Und wann's Spiss und alte Weibä rögnäl! •) —
Jetzt thuat ins4 Hergot seinö Stockfisch wissärn.^ — Geht um4-
dum ^unis Haus , Und sa^ alleweil Schnappaus. Die Traufe. —
Es flog ein Vogel federlos . flog auf den Baum blätterlos , darauf
kam die Frau vom untern Schloss , und frass den Vogel federlos.
') Scherzhafte Betbeueruiig, sich durch nichts, selbst nicht durch das ärgste
Unwetter, vom Ausgehen abschrecken zu lassen.
') Scherzhafte Umschreibung des Regens.
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Schnee und Wärme. *) — Was hat den kleinsten Kopf? Das Was-
ser , weil es. üherall ^lurchschliefen kann. — Es liegt in seinem
Bett und lauft alleweil? Der Fluss. — Wie tief ist das Meer?
Einen Sleinwurf lief. — »Grumbi, Lang^, wo gehst bin?« >Gscber(^,
was gehts dich an.« Wiese und Bach necken einander.^)
^) Luß.
A) »Wind f u 1 1 e r.« In der Fastnacht wurden ^gerne drei
ungebackene, aber geformte Brodlajbchen für den Wind 3) auf Zaun-
pfähle gesteckt; oft auch nur ein Laib, und zwar am Abend vor
^^X heil. Dreiköoig. Auch in Daumen form /"und an Bäume wurde das
Brod ^Is^ Windfutler gesteckt. Dabei sagte man den Spruch :
»Söh, Wind, da hast du das dein, läss md du ä das mein!« —
Man fütlerte jedoch den Wind öfter, so oft er nämlich arg stürmte,
indem man etwas Mehl auf die Gatternsäulen ^) legte. Auch Salz
und Asche wui-de hlezu verwendet, das Windfulter auf einen
»Bahstil« oder freien Platz gelegt, oder auch in die Luft gestreut.
Im Windischgarstner Thale nahm man, wenn der Sturm wild durch
die Berge brauste, einen Teller, gab darauf eine Hand voll »Kim,«
Sah und Asche und streute dasj^indfutter hinter sich in die
Luft, indem man sprach: »Wind, da hast Salz, Ascbo, Kim, Nims
hoam zu dein Weib und Kind.«
2) W i n d i n. Auch in Weyer verlautete es einst von einer
Windin, und dass sie ärger sei, als der Wind selbst. Zu Luim
') Siehe März, Maria Verkündigung. Der Ausdruck »Frau vom untern Schloss«
erinnert an die nordische Gerda, die in die Unterwelt gebannt ist. Sim-
rock d. Myth. S. 68 u. s. f.
*) Diese dramatisirten Neck - oder Trulzreden finden sich nur mehr höchst
selten, und scheinen mir lief in die Vergangenheit zurück zp reichen.
*) Der Wind wird in der nordischen Mythologie als ein grimmiger Riese
oder auch aU Adler gedacht; sein Name »LeichenschHnger« zeigt, dass
hei dessen Bildung die Vorstellung eines aasgierigen Raubvogels waltete.
*) An Gattfirnsäiilen , besonders denen, welche sich an den Grenzen zweier
Güter befinden, kommen die Hexen zusammen, erschehit der Böse und
andere Unholde, FuchtelmÜnner etc.
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(Loibeo, Steinerkirchen) war eine Bäuerin, welche die Windin weit
mehr fürchtete als den Wind und sie sehr fleissig fütterte. —
Auchj^esen wurden, wenn der Wind gar zu arg lobte, ge-
gen ihn in die Luft geworfen. —
^) Schadenfeuer und Gehenkte *) werden als Fut-
ter des Windes angesehen. Wenn bei heftigem Winde ein^JPeuer
ausbricht, heisst es, nun habe er ein Futter und werde sich bald
legen^ Besonders dem üntcrwind (Ostwind) geht es um Feuer.
Wenn der »Eosenwindt ^) (Ostwind) im FrülyaUcJlälJßg ,geht, wird
es bald Sommer. — Wenn es sehr stark windet und stürmt, so
hat sich Jemand gehenkt, und es stürmt durch 3 Tage fort. Oder
man sagt auch: »Der Wind wird sich nicht eher legen, bis er
wieder einen hat.«
i) Als gefährlich gilt es auch , am Blasiustage^
p i n n e n ; thut man es, so zerreisst der Wind das Dach. —
enn auf Schiffe lyg e p f i f f e n wird, thun es die Schiffleute
selbst oder andere, so pfeift man den Wind herbei.
') Dass Feuer und Wind in diese Verbindung gebracht werden, ist schon
daraus t>egreiflich, dass die Flamme selbst Wind erzeugt, und durch den
Wind verbreitet wird. — Der Glaube, bei Selbstmorden durch Erhängeu
entstehe Sturm, erklärt sich aus der ehemaligen Auffassung (Mannhardt,
die Götterwelt der deutschen und nordischen Völker) der Seele als kör-
perlicher Luflhauch oder Wind, welcher beim Tode vom Sturmgotte in
Empfang genommen wird, und setze ich hinzu, aus der tiefen Ueberzeu-
gung dcsVolkes von der Frevelhaftigkeit des Selbstmordes. Sieh auch B.
die vier Elemente, Altmünster.
*) Man fühlt sich wirklich versucht, an Asenwmd zu denken, weil dieser
Name sonst nie vorkommt. Einen West-, Nord- oder Südwind nennt
das Volk gar nie.
*) Er fällt auf den 3. Februar, und manches (siehe Februar) lässt vermuthen,
dass in den Anfang dieses Monats ein Fest des Luflgottes fiel. Denkt
doch das Volk selbst bei dem Namen «Blasius« an »Blasen.« — ^er
Akt des Spinnens erzeugt stets einen Luftzug. Wer spinqt^JMCbt als«^
Wifld «tc. —
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5) Zigeuner können Stürme erregen. — Als man
einst in »Edm (Steinerkirclien) »Har« zettelte, kam zufällig eine
solche Bande des Weges vorüber, schlug ein helles Gelächter an,
und jauchzte. und klatschte in die Hände. Als man nun nach der
■Retz« den iHar« heben wollte, kam bei völlig heiterem Himmel
ein fürchterlicher Sturm daher, der ihn allen wegführte. Die Leute
gaben die Schuld den Zigeunern ; sie hätten es ihnen angcthan,
als man den Har zettelte.
j6. Besonders die, jtWiJtt jdja4).ra u d ä r n« •) macht sich gerne
über »Ha_r_und Leinwat« her. Man schützt den Har vor
ihr, indem man , wird er zur Rotze ausgelegt, 3 Burzelbäume ^
darüber macht; sie vermag ihn auch nicht zu heben, wenn man
ihn mit 3 oder 9 Haselzweigen »ansperlt.i Die »Windspraudärn«
führt ganze Stücke Leinwand hoch in die Lüflc und treibt damit
ihr tolles Spiel. In Buchkircben erfasste sie gar einmal ein gaqz
nasses Stück, das eben zum »Blödern« zusammengelegt auf der Wasch-
bank lag, und trug es unter heftigem Geräusche weit mit sich fort.
7. Die >W in d s praudär n,« der Teufel. Der Teufel ist
es, sagen die Leute, wenn der Sturmwind das dürre Laub im
WirbeLheriimdreht. Wer in die Nähe kommt, kann leicht besessen
werden. — Wenn die »Windspraudärn« (Sleinerkirchen) um einen
tanzt, so macht man den Mund zu, damit einem der Teufel nicht
in den Leib fahre. — Die »Windspraudarn« Ist eigentlich der
»Deixl,« der da sein »Gschpil« hat. Wenn man sie herankommen
sieht, bekreuzt man sich und ruft : »Saudrök, Saudrök,c ^) oder auch :
tSaudröky Geh wög!,c damit der Böse nicht in einen hineinfahre. —
') Es ist wol an eine Entstellung aus Windsbraut zu denken, die tu einer
Zeit eintrat, als der mythische Ausdruck »Windsbrautt nicht mehr ver-
ständlich war. Dem steht freilich entgegen, dass das Volk dennoch von
einer Windin spricht. —
•) Überhaupt werden Sprünge in Verbindung mit dem Gedeihen des Flach-
ses gebracht. —
') Die Sau, der Eber, ist ein Naturbild des Sturmes. Daher ist dieser Zuruf
als Drohung gegen den Teufel, den alten Sturmgott aufzufassen, wie
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6. Die Bauern in Traunkrrcben und Umgegend sagten, wenn
der AVetterwind zu toben und tosen begann : »Die Riesen
fangen an zu zürnen. •
J9. Nun eine Erzählung, welche die wohlthätige Kraft
des Windes anerkennt. Ein Bauer, dem selten eine Ernte gut genug
war, hatte die Gewohnheit, über die Massen auf Jon lieben Herr-
gott zu schmähen, dass er kein gesche|teres Wetter mache. Eines
Abends, es war noch zu der Zeit, als der Herr Jesus mit Petrus
auf Erden wanderte , trat dieser ein und bat für sich und den
Jünger um Nachtherberge. Sie ward gewährt. Das Gespräch drehte
sich bald ums Wetter, und der Hauswirth zog wie gewöhnlich
auf den Herrgott los. Der Herr stellte nun, nachdem er ihn hatte
ausschimpfen lassen , die Frage, ob denn er, wenn er die Macht
hätte , sich besseres Wetter zu machen getraute ? Der Bauer be-
jahte es aus Leibeskräillen ; man solle ihm nur Gewalt geben über
Regen und Sonnenschein ! Beim Abschied nun verlieb ihm der
Herr die Gewalt über beide. Doch , so gut es auch der Bauer
anzutragen ineinte, das Wetter schlug dem Getreide nicht an ; er
hatte nämlicb in seinem Unverstände ganz und gar darauf ver-
gessen, dass es hiezu auch der Gewalt über den Wind ') bedurfte.
iO. Wolf, Naturbild des Windes. Wenn man nicht ein-
schlafen kann , rälh man im oberen Mühlvierll, soll man sich ein
vom Winde bewegtes Kornfeld, oder, setzte der Mitlheiler un-
gläubig hinzu , ein Feld vorstellen, durch welches der Wolf lauft,
und der Schlaf kommt gewis bald. '^)
man noch etwa droht: »Dich kenn ich schon!« In Beziehung auf Flachs
und Leinwand werde hier nachträglich bemerkt , dass die Flachsarbeit
selbst, Spinnen und Weben mit dem Wind, Bleichen und Waschen, Nähen ^
und Flicken mit dem Gewitter in Verbindung scheint. —
*) Wind, der nicht zu heftig ist, befördert die Befruchtang. —
') Das Wind- oder Sturmeslied (Orpheus, Horand) ist allgewaltig, es singt
auch in Schlaf. Von Volker sagt das Nibelungenlied : Süeior und« senfler
gigen er began, Do entsehwebete er an den betten tU mtiiegen sor
genden man.«
42
11. Redensarten und Räthsel. Gschwind, wie d4
Wind. — Ganz vädr^ht, wie da Wind s* Laufes wälit. — Pfeift
i der Wind aus dem Loch? ') — Mil'n Wind scbifn. — :. Was ist
5 stärker, als die FhUhjm Meer ? Der Wind, der sie treibet hin und her.
d) Erde.
Auch die Erde erhält in der Fastnarht^Jhr FuUer, indem man
ein kleines, zugleich mit der StÖri gcbackenes Laibchen eingräbt.
Das Brot hat auch Daumenform, und das Eingraben geschieht am
hl. Dreikönigsabend.
>(i*^ C. Zeit und Witterung,
D- -r^-^ Fruchtbarkeit und Gestutdheif.
ili'^"^5^'"' i
Jänner , auch Holzbrenner genannt.
Im Weihnachtstag wächst der Tag,
So weit d* Mukn gea^ mag.
Im Neujahrstag, so weit da Han kr^tschn mag,
Im hl. Dreikönigstag, so weit da Hirsch springä mag.
Im hl. > Dreikönigstag c beginnt ein Sprechspiel für Kinder,
»springt der Hirsch ^) übern Bach.« —
Am Neujahr heisst es : „Ma"Äaßlis,Taff wachs, Köldn wachs. —
Am Valdistag singt man: »Um Valentin gehnt d' Peirt^,
d* Nächtn und d' Störin dahin.« —
Zu Sebastian Will der Saft jg die Bäume, gan. ^) —
*) Nimmt man jetzt diese Richtung ? Oder : Kommt von daher der Antrieb ?
') Der Hirsch ist Natarbild der Sonnenbewegung. Mithin wollen diese
Sprüche sagen: erst am h. Dreikönigtag beginnt eine merkbare Zu-
nahme des Lichtes.
') Das Volk ent^elt sich an diesem Tage des Genusses^ \:ou Obst. A]i^cm
sowol als gedorrtem. Auch dem Moste, dem beliebten »Uaustrunke« sprach
man nicht zu, fastete bis zum Abend bei Wasser und Brot und zwar,
weil der Heilige, an einen Baum gebunden, die Marter ausstund. Er wird
als Patron gegen ansteckende Krankheiten verehrt. —
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Z' Vrzenzi heiratn d' Vögl zsam. —
Pauli Bekehrung Halb^>^!iOtcr hinum, Halb Winter herum.
Oder: »Pauli beker dich, Halb Winter scher dich.t —
On Jena vil Tropin, On Moa vil ZogJA» *) — J ^^L.
Tanzen im Jänner die Mukn^ Muss der Bauer nach dem
Futter guckn. —
Is s' nöo Jar ano^ Sturm und Rögn , Bleibt God nöd aus
mit Glik und gögii.^ —
Wenn am Neujahrstag eine Mocg^oiuUh ist, so bedentel's
selbiges Jahr KHeg^ und üngewitter. —
Scheint an diesem Tage die Sonne klar, so gibt's selbiges
Jahr viel Fi§/^|ic. —
Hat Pauli Bekehrung einen Nobel und zwar in der Hohe,
so kommt in dem Jahre lüber die hohen Häupter ein Sturm;«
ist der Nebel am Boden, so kommt er über"(?'as gemeine Volk.
Redensart. Hcu^t derft m^ singä gehn ; r e i m a thuet*s
sih so selbä. ^) —
i) Februar, H^ I.
Am Lichtmesstag soll die Sonn* schon um ^T^l^r auf den
Kirchthurm scheinen. ^) —
Peter Stulfeir Macht Tag und Nacht gleich. '—
Matheis brichts Eis; fni3t a kosTs, Sä macht är oa~s. —
Gibts im HerjjdMßux.Trüpfl, Gibts im Mai ein Schöpfl. *)
Oder auch : Ön He nl vül Tröpfl, ön Moa viil Knöpfl. —
D' Faschingjirapfn^in da Sun,
Z' Eostern d' ^ar Jn ja^tubn. —
Wenn am Lichtmesstag die Sonne den Geistlichen auf der
Kanzel anscheint , soll die grosse Dirn geschwind h^imlaufen und.
alles zusammenputzen, sogar >s* Gsod undärn Baru;« denn es
') Viel Regen im Jänner lässl einen kalten Mai erwarten.
•) Scberzlnifles Wortspiel.
') Bezeichnet den normalen Stand der Sonne zu diettir Zeitig!
*) Begnet es im Hornunf, gibt es im Mai Schnee.
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wird ein schlechtes Jahr. — Nuc^^derjüachs gerätb, wenn an
diesem Tage die .Saimfi..scb«ioi. —
Das l^*nl soll mit Saus und Braus eingehn. —
Kimls Hü*nl mit Saus und Braus,
Bauer, trag s^ üräs aus*n Haus ;
Kirnt's abä ganz stül,
Lass's drol)nit in da Dül. —
Geht s Hc'nl ein mit Saus und Braus,
So haldcns Man und Ros leicht aus;
Gehts aber ein in Gstül,
So habn Ros und Man nöd vil. —
Kirnt's He'nl sanft und gstül,
Mucs mä s UrAs sauba zsampuzn und äffölragn
ö d' Dül.
Kirnt's awÄ mit Wind und Wäh",
De'f mä s Uräs int'astr'an. —
Wan's He'nl kirnt mit Saus und Braus,
Baur' kim mit'n Pflueg heraus;
Wan's ab'a kirnt Ö d'a Gstül,
Mensch'a, tragt's Ura*s ^ffo ö d' Dül. —
Dös ganz He'nl sol's so viel schneibn und jyähn , dass's nei^
Mut ^Schrjßß durch ä N'abingälukd wdht. —
Im Hornung hats der Bauer lieber, wenn ihm derJ5[i»lf *)
zum Fenster hineinschaut als die Sonne. —
Wan's He'nl den Gwalt het wie da Jena,
So that's s^KailMö^jiä^ dabrenä. —
Fallt am Faschingmontag Schnee,
Rufen die Aepfelbäum' Juchhe. —
Wenn am Aschcrmittjwfl^li die Sonne schön ausscheint, ist's
die ganze Fasten schön, scheint die Sonne jeden Tag docli we-
nigstens etwas aus. —
Wenn es am Lichtmes^lag.,.schneit , sc hnjeit__es Blattern. —
') Der Wolf vertritt hier wol nur den »Saus und Braus«, womit der Hör-
nung eingehen soll.
45
3. XAn.
St. Gertrud. Ad ihrem Namenstag hö^LjUe Heilige^ zu spin-
nen .jiuf; ein Mäuschen ^) beisst ihr den Faden am Rocken ab,
und sie fängt zu_>j^rtelnt an. Daher endet auch an diesem Tage
die Rockenarbeit, und die im freien beginnt.
Der hl. Joseph sagt: BWenidit (Benedikt) steh äf und bau
Hawinlf Benedikt aber antwortet* »Is noch um 3 Ta|;_z*Jbar,
nah insjMieben Eraun, Is guet baun.i Auf Haber, der um diese
Zeit gebaut wurde, den sogenannten »Märzen habe/« hält man
grosse Stücke. —
Z' Maria Verkündigung Kemänt d' Schy|linL wjdenim. -—
D^ FraiQjlgJ[,Jafibt-^\Iiechl a. —
Auf Maria Verkündigung wurden vor alter Zeit Bäume ge-
pHanzt. 2) — "*"''
Im März soll es so kalt sein, dass es dem Raben seine Eier
ausgefriert. — ^
' üä Mörz mue* s' Holz ffefr n , Bis ön Ke n , Eh mag nöd
Sum*a wen. —
Die Märzennebel sind sehr gefürchtet, weil jeder nach 100
Tagen zu einem Gewitter wird. Es heisst daher auch: »Ein Mär-
zennebel traget so lang als wie.cin'^aU^^u.t —
Wenn im März die Abschüblinge der Tannenwipfelchen, an
Ast und Zweig und Reis, zahlreich auf dem Boden umherliegen»
sind viele und starke Gewitter, besonders ■Schauerwetter« zu
fürchten. —
Geht der HärzjmuK^ein Stier, geht er aus wie ein Lämpl ;
gebt er ein wie ejnJJimpl, gehf er aus wie ein Slier. —
Wenns am 40 Martyrcrtag schön ist, bleibt es noch JO
Tage kalt. —
*} Siebe splter: Thierc. Maus.
*) In dem BOcblein: ■ Aufrichtiger Unterricht, d. i. gottselige Lehrart deren
wie sowohl nöthig als gewöhnlichen Kircbengebriuchen ■ etc. etc., Linz,
1736, wird ^. 403 dies als sündhafter Aberglaube gerügt —
46
Wenn am Georgitag^dje Sonne scheint, geht der Bär aus*m
Loch und ihut • Fäustling flicken.« Ist aber der Dreijöringtng '|ligrob,t
so BleTBl er noch 14 Tag im Loch; sodann aber bricht er herfur
und fürchtet keinen Winter mehr. — Kleine Kinder gehen daher
an diesem Tage gern ums Haus und spähen , ob sie nicht auf
dem Dachfirst den Bären sitzen sehn. — Z* Drijöi'ing muess da
W^idd scH^'orn, dass ä seinö Schefl ön Feld kan dandrn. — So
weit die Araachsl vor dem Frauentag sich meldet » so lang muss
sie darnach »stitt sein. Nacbwintersbesümmung. — Nach Maria
Verkündigung gefriert es nicht mehr, weil unsere liebe Frau mit
einem Brand unter dqr Erden hingeht. ^)
Wie der Wind ^m Karsamstag w'ihrond der Feuerweihe geht,
geht er bis Pfingsten. —
Märzenstaub ist Goldes werth. —
Wenn es im Milrz donnert, gibt es ein fruchtbares Jahr. —
Wenn am Georgitag die Sonne scheint, werden viel Aepfel.
Wenn*s am Tage Maria Verkündigung schön ist, haben 4 Scbarlner
BauerjjJUurn an einem Tische PTalz ; ist*s grob , schmiegen sich
ihrer dreizehn leicht zusammen. *) —
Wenn am Frauentag und am Palmsonntag schön Wetter,
ingicichen, wenn die Grasmücke singet, ehe der Wein sprosset,
soll ein fruchtbar Jahr folgen. Wenns am Palmsonntag »grob«
') So entstellt aus: S^^egorL — Wenn dieser Tag ein FrühlingsUg
ist, (1. h. hell und warm, so hat man noch einen starken Nachwinter
zu erwarten. —
•) Simrock, d. Mylhol. S. 68. Freyr gibt sein Schwert her, um in Gorda's
Besitz zu kommen; die Sonnengluth senkt sich in die Erde. Sie ist das
brennende Scheit.
') Die Schartner Gegend ist ungemein obstreich. Von der Witterung diese«
Tages, sagt also der obige Spruch, hängt der Obstsegen des Jahres ab.
Ist es an ihm schön, so werfen sich die Bauern, einer reichen Ernte
sicher, so in die Brust, »breiten« sich so, dass nur 5 (allö guetcn
Ding sänd drei) an einem Tische Platz haben. Isfs »grob,« so finden
selbst 15, und 13 ist eine unglückliche Zahl, so dass einer sich ent-
fernen soll, bequem Platz. •
47
ist, bedeutet es ein schlechtes Jahr. Wenn während der Palm-
weihe die Sonne scheint, gedeihen in diesem Jahr alle Gattungen
.Früchte. — Treibt oer Palmbuschen, welchen man jn den Acker
steckt, aus, so wird ein gutes Jahr ; wo nicht, ein schlechtes. Wie
d* Palm*, so s* Keorn, d. h. wie die Witterung am Palmsonntag,
so die erste Fechsung. —
Wenns am Karfreitag regnet, hilft und schadet kein Regen.
Wenns an ihm einen Reif hat, schadet kein Reif mehr. Am Kar-
samstag soll €iä-.ffQrI*?V Weller haben. Wenn es an diesem Tag
schön ist, ergibt das Wasser nicht. —
Im März soll man den Rock versetzen und im April aus-
losen, d. h. kein Wasser trinken, weil dieses in dem Monat un-
gesund ist, und hätte man kein Geld, lieberden Rock verkaufen,
um sicli anderes Getränke verschaffen zu können. —
Wenn am Karfrei- und Samstag der Wind stark gehl, ster-
ben in demselben Jahr viele junge Leute und Kinder. —
Wenn der März mit den Ostern Fleich isst» d. h. die Oster-
feiertage noch in den März fallen, so issl er s an den Leuten her-
unter »"^XTI'. "es jlerben viele. Am ersten und letzten März hängt
man alle Kleider, wenigstens auf eine kurze Zeit in die Sonne,
um sie zu »sinnern« und so vor den »Maucken,! den Larven des
Speckkäfers, derme^L lard. und der PelziQfijlte, deniusL pellio, Lin.,
zu ^gh^rn. Auch anderes Ungeziefer wird jedoch mit diesem
Namen bezeichnet. —
4) April.
Dar Aprül zöht ön Pflueg vä da Düh — Der^jLfiCtUhut,
wie erwijl. — Was der März zügelt, vertilgt der April — 9mal
soll der April jeden Tag d* Fäl aus*n Fold jagn. — Um Georgi
soll das Korn sohadi.scin , dass sich eine iKran« darinverate-
cken mag. Auch soll man von diesem Tag an nicIiT mehr ins
Wiesland gehen . weil das Gras Schaden leidet. An diesem Tag
mischt man das erstemal wieder den Rindern etwas Grünes ins
18
FuUer. Am Georfitae geht jedenfalls der Bär vom Loc^ <) um
in dasselbe nicht mehr zurückzukehren, erschallt der erste Ruf des
Kqkiaks, — Der Aprüschnee düngt besser, als Schafmist —
Wcnn*s am Ostertag^ scböa Wetter ist, soll ein glücklich Jahr fol-
gen , dagegen wenn es an ihm recht stürmti^Kneg^ Krankheiten,
Hunger u. s. w. — Wen däJääoL üöd wül, dÄOJumLdAiLAprül. ^
5) Mai.
Um Philipp! soll das Korn so hoch sein, dass sich ein Mann
darin verstecken kann. — An diesem Tage säet auch unser Herr-
gott dem Korn unjer, oder Philipp flickt das G^traidc aus. —
Pankraz , Servaz und Bonifaz heissen die »Reifmanä.« Nach
diesen Tagen kommt kein Reif mehr. — Wenn*s am Pankrazitag
regnet, so rinnt der Most am Sfamm herab. Am Pankrazitag soll
man die Baume beglessen. Daher höK man auch hie und da be-
ten : iBit für ins heil. St. Pankraz, dass da Most und da Brand-
wei" grätJ«
Der Erdapfel sagt: »Sözst mih ön Aprül, So kirn ih, wan
ih wül; Sözst mih ön Moa, So kim ih gleihlt —
Wenn*s im Mai donnert, so »rigelt'sc d* Erden. —
Wenn s im Mai hagelt, so hagelt es jeden Monat —
D* Nachtrögn (im Mai) sänd Xfificodieb. —
Am Aufiahrtstage soll man sich niciit niederiegen, ^) sonst
legt sich auch der Waizen. —
Wenn am Pfingstsonntag die Sonne schön scheint, dürfen
die Backer Wein trinken ; denn ea_^cräth &cl^ Waiz. Oder auch
') Der späteste Termin für den Anfang des Auswärts, dessen Naturbild un-
verkennbar der Bär ist. Dieser aber geht nun auch nicht mehr in das-
selbe Eurück; er furchtet, wie es (Georgitag) hiess, keinen Winter mehr.
Auffallend ist es, dass in dem Buche: »Aufrichtiger Unterricht u. s. w.
Linz, 1736,« obwol in ihm aller Feiertage des Jahres Erwähnung ge-
schieht, der Georgitag, den das Volk noch feiert, nicht genannt ist.
Vielleicht geschah dies absichtlich, weil manches, was an diesem Tag«
Brauch war, anstossig erschien? —
*) März und April sind seh^jmgfijsunde Monate.
\ Unter Tags, auf die Ofenbank u. dgl.
Wenn^s am PfingslaonnUg regnet» so regnet es d^n Backen in den
Trog und den Bäuerinnen in das •Kohku£rer.t *) —
Wenn es ana Abend vor St. Walburg oder in der Nacht
daror thaut, soll es ein Zeichen guter Gesundheit sein.
Redensarten und RäthseL Im Mai regnet es Gras. ^
— Der Mai »is on Habäm sei" Windä < — V?as ist das schönste
auf der Welt? Der Monat Mai. —
6. Juni. Ein Feld, auf welches Korn gesäet wird, ackert
man, wo die Dreifelderwirthscbaft im Schwange ist, 3 mal um, Das
Umackern des Stoppelfeldes heisst >brachä;c das zweite Umackern
irüe*n;c das dritte » keornackärn7«~Ton diesem »brachä« heisst
der Juni auch Brachmonat. —
Zä St. Veit 3) Mäht man ön allö Weit. — Der, Heuschober
soll den Kornschober »dälengä kinä « — Wan da Radn *) blüeht
reolh, Saliamä ön vie* Wochän ä kc^onäs Breod. — Der iSunä-
wendlag bricht ön Keo*n d* Wurzn j^; Und da Petärstj^^. Macht
earn^ qsX gä.« — Der »Sunawendtag Sticht ön Keo'n d* Wurzn
a. — Da Pelärstag brent Ön Ke^ d' Wurzn a. — ön Petirstag
Steht da Baur mit d^Sichl da. — Oder auch: >Dä VeitI Sohlach*ts
Keo*n mit*n Scheit! ; da Sunawendtag Sleosst ön Keo'n d* Wurzn
a'; DfTet^stag Steht mit da Sichl da. — Vom Korn heisst es
auch : Virzäh*" Tag schossn, Virzäh" Tag blüehn, Virzäh" Tag eP kirni,
Virzäh" Tag azciting.« — Nach Sonnenwenden wächst das Ge-
treide auch Nachts. —
') Der Waizen zieht nicht an, bat keine Kraft; Kohkupfer ist das Gefliss
oder Geschirr, worin das iKoch« bereitet wird.
') Bezeichnet die befruchtende Kraft des Mairegens.
' Auch in der Zeitbestimmung macht sich mithin St^y^Jtemerklich und
wird in Beziehung zur Heu- und Kornernte gesetzt. Zu dieser Symbolik,
welche sicherlich alt heidnisches auf ihn übertragen Hess, gab wol auch
sein Attribut Anlass. Ein kleines Gefass mit Flammen, die hin und
wieder sogar für JBlMQteri jumiese^üi, wurden, ist das Attribut dieses Hei-
ligen, der in einen Kessel voll brennendem Pech geworfen wv'
') Komrose, Koronelke, agrost, gUhag, Lin.
60
Wenns am Medarditag regnet» so können die Schinder _Meth
und^JSIfliojU^inken. *)
Wenns am Johanpitag ^) regnet, soll es 14 Tage fortregnen;
auch gerathen dani^ die^ »BüchU und Has^püa^f^ mclit ^ ifverden
wurmig und löcherig.
Wcnn*s am Peterstag j^egnet, so regnet es Jö^ebjindlM'äus. —
Wenn*s am Dreifaltigkeitssonntag regnet, so regnet es 13
Sonntage. —
7) Juli. Zu Külian Schneidt ein jederman. — Wenn es
an Maria Heimsuchung regnet, regnet es 40 Tage nacheinander
fort, oder, es ist 6 Wochen nicht schön. Denn wie unsere liebe
Frau übers Gebirg geht, so geht sie auch wieüer zurück. —
Werin*s am. ülrichslag, ^) auch tDuräslag- genannt, regnet, so
regnet es ins «Urb« * oder lUr^kübl,« ') d. h., es ziebUlas Uebl
nicht an. —
Scheint die Sonn am Jakobilag, ^) So führt man Kälte halber
grosse Klag. — Am Jakobitag_ blüht der Schnee. — Marg^retn-
rögh macht d* Kuss-ioucr. — Z* Margaret und z Maddlen, do is
söldn sehen. ~
Wenn*s am Jakobitag regnet, so sajztJ[akslLjlieuAepfel. Die
Zeiligung derselben bestimmt sich nach folgenden Fristen : »Da
Jagl thuct.d! Opfl salzen, da Lcnzl thuQts schmalzen, ^ Da Bart!
gibt ean ön Gschmach, Und da Jfichl brockts a. —
') Er ist bekanntlich der längste Tag im Jahre. Bei einem »Sauhandel«
rühmte der Verkäufer seine Waare mit dem Gleichnis an: >Dö Sau is
6 so lang, 4s d4 Tag um Johanni.« —
*) Auch St. Ulrich hat also auf Wetter und Ernte Bezug. Darum bittet er
auch in dem bereits erwähnten Spruch neben St. Veit und Nikolaus um
Holz zum Sonhenwendefeuer. Auch klingt schon der Name »Duristag«
an Donner an.
*) Ein kleines, hölzernes Gefäss für das Url, Urä, Urb, Urhab, Sauerteig.
') Der Jakobitag Pällt genau ein halbes^ j£br^,spi*t«c»^als Pauli Bekehrung,
womit die zweite, meist strengere Hälfte des Winters beginnt —
*) lOhne Salz und Schmalz« heisst auch so viel als geschmacklos. —
5i
8) August
St. Laurenz sagt zu St. Bartholomäus: ^) »Schir, Bartl,
scbir; On virz'äh* Tagen is*s an Dir.« —
Dir AitgualLMacbLd* Bauern iusti\ — Denn auch der Haber»
die späteste Getreideart, wird in diesem Monat gemäht und ein-
gebracht. — An dem Tag, wo das erste Fahrtl Haber eingeführt
wird , zündet (jer Bauer das erstemal wieder beim Abendessen
Licht an; daher die Redensart: iDas erste Haberfahrtl setzt 'n
Leuchter äfn Tischet und das Räthsel . >Di Habä ^) leschts aus
und kendt*s,an.f —
Auch hört man häufig das Work » Aus'n^ Haw^fi Alm^n geht
da kalt Wind.i Es erläutert sich dadurch, dass es heisst: Beim
HaEernrpähn muss man in die Stoppeln »NägärK einschlagen, da-
mit der Winter nicht. ticrau^s kann.« ^) —
Wan z Bartimei noch •Halm« stehen, so muss sich >dä Bärtl
ön Arsch z*krazn.t ^) Die Legende lässt den Heiligen geschunden
werden. Daher will der Heilige, dass auch der Erde die Haut
gleichsamabg§^gen wird, Heu - tm3 (lefreide-Emte völlig been-
digt ist —
Zu Bärtimei ftjert man s Groa'amahd äfs Heu. ^) —
Zu Bärtimei soll kein Heugras mehr slehn; sonst wischt
sich der Bartl den Ärsch damit aus. —
Zä Bärümei Stökt ma dl^ÖpQ und d* Nus5„ö:s Heu. «) —
^ Die beiden Tage liegen genau 2 Wochen auseinander. —
*) Siehe März.
•) Nun war der Winter unterirdisch eingeschlossen, wie vorher der Frühling.
^) Die Volkssprache ist an sich derber, will aber hier nicht etwa absichtlich
gemein werden. — Mathias, der das JEis bricht, und Bartholomäus» der
das Haberfeld schon umgeackert und auf der Wiese kein Gras mehr sehen
will, lieget wieder genau ein h^eaJJahr auÄcinander. Mit BartholomSus
beginnt schon halb der Nachsommer, die Gluth der Hundsbge ist mit
ihm vorüber, obwoT er (siehe Laureni) noch schüren geholfen.
*) Die Grummetemte.
*) Diese Früchte fangen schon reif zu werden an.
4*
Der Laurenzisturm bleibt nicht aus. — Wie es an Bartho-
lomat wittert , soll es den ganzen Herbst wittern. — Wenn*s zu
Maria Schnee regnet, so wird dasGelreide zu wenig, und wenn
auch an jedem Zaunsteeken ein Metzen Korn hienge. —
^"^"^^ man auf Laurenzi einige zeitige Trauben findet , so ist
starke Hoffnung zu gutem Wein« —
Die Zeit von Maria Himmelfahrt _ bis Namensfest heissl
»zwischnä Frau n tag n.t Man sammelt da verschiedene Heil-
kräuter , drischt das Samengetreide , geht^ fortan nicht mehr ins
Krautland. —
"^"9) Septeml^er.
Z* Egidi ist die erste Kornsaat, in der Kreuzwocbe die
zweite, in der Quatemberwoche die letzte. Um zu erforschen,
welche von den 3 Saatzeiten die^günstigste sei, nahm der Bauer
einst von der ersten Fuhre Korn, die er einbrachtg^j 3 Aehren
und legte sie der Reihe nach in die Erde ein. Welche am schön-
sten .aufging, gab ihm diese Woche arii '—
Der Weizen wird häufig um Michcli gebaut. Er sagt zum
Bauern : »Baust möh du Ö*s Likl , Sa fül dar ich dei* S^kl. —
Michälö Macht Lauwär und Gras wäjö^^ >) Zu Micheli fing
nach alter SiTfe 1n den Häuseriner Handwerker die tiicliUrJ)eit
an; es kam daher an diesem Tage d5r*sögenannte^ »üehtbfädU
auf den Tisch. —
Ist Egidi ^ ein beller Tag, dir ein' guten Herbst vorsagt —
Ist Mathias schön, so darf man »alle Scherbaufni anbauen^
d. h. es wächst und gedeiht alles. — Matbies Macht die Birn süess. —
Ist's am Michelitag schön, so darf marTliöl^tr'äire Berg' und
Hügel anbauen. *) — Wenn beim Kornsäen grosse KnoHen wer-
den, so heisst es: »Greossö Knoln, Greossö Stuk Breodit —
«) Welk.
') St. Aegidius zühlt in unserem Lande (der in der Josephinischen Zeit ab-
gebrochenen nicht zu gedenken) 14 ihm zu Ehren geweihte, durchaus
alle Kirchen. —
•) Es wird ein schöner Nachsommer. — Mit Georgi beginnt die schönere
Zeit des Jahres, der «Aoswirt«,c mit Ificheli hört sie auf. Dass mach-
SS
Wenn es in diesem Monate brav Wespennester gibt, oder
das Obst schon an den Bäumen fault, wird im nächsten Jahr aber«
roals viel_ Ob§L —
10. Oktober.
D* Laubagüss Kirnt ganz gwis. — Sima^ wirft ön Schnee
sT ; wirft n dA Sima" nöd a", sa helfänt j^ljö fleiligng z'sam. —
Die Oktobernebel heisst der Bauer gern »Krautnöbl,« weil
sie das Kraut »zsamdrähm. —
Wenn die Schafe sich Abends nicht gerne eintreiben lassen,
fallt im JN^ntcr viel Schnee. — Will das Laub nicht gern von
Bäumen faljen. So soll ein kalter Winter erschallen. —
Fällt das Laub früh , aber langsam ab , so wird ein früher,
»langschwoafätä ') Winter und umgekehrt —
Wenn man am Wolfgangitag die Bäiime^jliingt, so wird das
folgende Jahr viel Most.
11) Hovember.
Nach Martini soll nicht mehr in Acker gefahren werden ;
sonst • fährt (^er Bauer sein Weib ein.« — Z' Anäre Kemänt d*ä q
Feirtä, d* Nächtn und d' Slörin dahc\ — ^^
Z* Anäre Geht Mül sper. — Gh^lt^cr Baum den Pelz an, ')
so wird ein strenger Winter. — Am AllerheiliggjUag haut der
Bauer "etnen Span aus einer Buche ; ist dieser jass^^wird ein passer
Winter, ist er (mcken, ein harter. —
Ist s zu St. Leonhard warm. So ist's im Winter gut fahm. —
Wenn Martini Nobel findt, Wird dA Wintä ganz gelind. —
ligc, wenn auch nur dunkle Erinnerung nn diesen Tag sich knüpfte,
beweist, dass «auf St. Michaelistag zu Pflug fahren und ansäen, damit
die Erdfrüchten kein Unfall bekämen,* in dem schon erwähnten, 1756
zu Linz gedruckton Büchlein als sündhaft abergläubisches Thun ge-
rügt wird. —
') AltiodiscItMr Glaube schon stellte sich den WinJ
') Pelz bezeichnet das Laub. —
94
Kathirersehnee Utuet n' Keon web. Bleibt er Tanger als 100
Tag liegeiiT entsteht »Winterschauer.« *) —
Wenn der Andceasschnee liegen bleibt , Ii{£t_er,JiO Tage.
— Am Andreastag bringt der Bauer bereits die »Stdringmalta.«
Korn, woraus weisseres Mehl zur Störi gemahlen wird, |urJitiUile.
Da geht nun diese schnell und spricht: »Anäre,. Anäre^^^PJ^"*^**
Am Thomastag aber geht sie nogh schnellery ^weii der Bauer
bereits ^m das Mehl drängt. Da sagt sie: »Tamädi , Taroädi.
Tamidi.c — Zu einer achten Störi muss das Urä schon am
Thomastag angerührt und der Tejg am Weihnachtsfasttag^von 12
Uhr Nachts an , gemischt und gebacken werden. So verräth sich
die ^törr bis an die kleinsten Züge als ein »Festbrot.« —
Gibt man doch auch die »erste Frucht,« ein Kraut, das man
absichtlich hiezu aufbewahrt hat, (woi eines der zuerst im Früh-
ling sprossenden )J^ in die Viehstöri. Verleiht sogar der Genuss der
Störi dem Menschen' Stärke, Leben u. s. w.
12) Dezember.
Schaut s* Christmonat aus, d. h. ist es einige Zei|^ schnee-
frei, so schauen alle Monate aus. —
Am Barbaratag trägt man Zweiglein, meist von Kirschbäumen,
ins Zimmer, wclcEe bis zum Weihnachtstag blühen sollen. —
Die Rauchnächte, besonders die Mettennacht, sind für Wit-
terung und Jahressegen Leben und Tod vielfach vorbedeutsam. —
Liechtö Mötn, Finstärö St'äl. — ^^
Scheint die Sonne am Christtag hell und klar. So hofll man
ein gutes, fruchtbaresTahrr' —
Wenn der Wind untern Nächtn geht, wird im nächsten Jahre
vieMtfo^t. —
Scheint am Fastweihnachtstag die..^qnn' auf den Tisch, so
werden das Jahr darauf viele Aepfel,
') Kinderreiin. »Katharina, bist drini. Steh auf,« mach mir auf. Mich
fliest ja in d* Zehen, der »Reif fällt ma drauf!« —
«) NachtrSglich ergab sich, dass darunter ewydal. eav. Lm., unser Volk
kennt auch den Namen »Wiidjt Han^kamp.« verstanden sei.
55
ÜDter den iNachtn^i, besonders in der Mettennacht, sollen
sich die Bäume stark ^anreimen,t dann »rannen« jljdie Obstbäume,
es geräth der Most. Dies ist auch der Fall , wenn der Most in
den Kellern ajbeilet. so dass man es in den Fässern sieden und
sausen hört. —
13. Unter den Tagen . weiche auf Zeit und Witterung, Saat
und Ernte BggufrJtoben, treten gewisse besonders hervor, und es
lassen sich auch, wenn man die Abstände vergleicht, öfters wie»
derkehrende Cyklen von Monaten und Tagen nicht verkennen.
Unter den Frauentagen ist vornehmlich Maria Verkündigung zu
nennen (von da an gefriert es nicht mehr, weil u. l Frau mit
einem brennenden Scheit unter der Erde hingeht); unter den
Tagen der Heiligen sind am wichtigsten Georg, Peter und Paul,
Michael, denen sich Mathias, Jakob, Bartholomäus, Matthäus, Simon und
Judas anschliessen. Zu erwähnen sind noch Gregor. Benedikt,
Gertrud, die 40 Märtyrer, Maria Heimsuchung, Laurenz. Gertrud
(17. März), welche an ihrem Namenstag zu »gärteln« anfängt,
fällt, was Zeit und Natursymbolik betriflt, mit Maria Verkündigung
zusammen; die beiden Tage schliessen so zu sagen eine Oktave
ein. Als Haupttag des Jahres stellt sich Georgi heraus; mit ihm
beginnt der Auswärts, die mildere Jahreszeit, welche mit Micheli
wieder endet : der Abstand zwischen beiden beträgt 5 Monate und
wenige Tage, nur 1 Tag mehr, als der von Pauli Bekehrung (halb
Winter binum, halb Winter herum) bis zum Peterstag, der mit
der Sichel da steht und die erste Hälfte der milderen Jahreszeit
abschliesst. Von Matbeis, der s* Eis bricht, bis Jakobi, wo der
Schnee blüht, zieht sich ebenfalls eine Frist von 5 Monaten. Von
Pauli Bekehrung bis Georgi verläuft eben Vi Jahr, oder 3 Mo-
nate, und die nämliche Zeitfrist erstreckt sich zwischen Georgi
und Jakobi, zwischen Jakobi und Simon und Judas, wo es den
ersten Schnee anwirft und die rauhe Jahreszeit wieder beginnt,
endlich zwischen Simon und Judas und zwischen Pauli Bekeh-
rung. Auch Peter und Pauli und Micheli liegen 3 Monate von
') Sich mit »Reim« «nlegcn.
56
einander ab. Von Matheis, der s' Eis bricht, bis Birtlmei, wo
alles Getreide bereits eingebracht sein soll, etc., geben 6 Monate,
eben so von Benedikti , wo Haber gebaut wird , bis Mathies, der
das Geschick der neuen Aussaat bestimmt, und von Maria Ver-
kündigung bis Micheli. Die mildere und die rauhe Jahreszeit währen
je 5 oder 7 Monate, je nachdem man den Nachwinter oder Vor-
frühling, d. i. die Zeit von Maria Verkündigung bis Georgi, und
den Nachsommer, d. i. die Zeit von Micheli bis Simon und Judas,
zur einen oder anderen zählt Von Gregori, wo der Bär das erste-
mal aus dem Loche geht, sind etwas mehr als 40 Tage bis
Georgi, wo er keinesfalls mehr im Loche bleibt. Mit Beginn der
Woche , in die Georgi fällt , enden die 40 kalten Tage der 40
Märtyrer; 40 Regentage reichen von Maria Heimsuchung bis Lau-
renzi , und der Laurenzisturm , der dem Regenwetter ein Ende
macht, bleibt nicht aus. —
14) Wittenmgs - Bestimmungen aUgememer Art.
1) «tLAJ-WLin k el.« ') Fast überall hört man von dem
i Hei Winkel« sprechen, in welchen man schaueo.jnuss. um die
Witterung für die nächste Zukunft zu erforschen.
2) Als Wetterprophet und zwar weithin fürs Land,
dient der T rauns tc in. Wenn er ginen »Hut« ^) aufhat, so wird
das Welter^chjecht.
3. Mond, Regenbogen, Morgenröthe, Thau
und Wind. Wenn es im Noujxumd -regnet, so regnet es einen
gan^fia.Jl9P.at iort. Wenn*s im Neumond regnet, so •waschfs J||q
aus^d. h. es wird schön. —
Regnet ^s_gleich nach dem Regeigthogon, so kommetk-^ -Re-
gentage; wo nicht, gibt es 3 schöne Tage. —
»Maringreot, Dasch ins Keot« — Geht der «Wind ins
Thau,« w kommt^Regen. — Um am nächsten MorgenTsSfiones
«) Auch .Weiterwinkel, W*l4ei4och« genannt Der erste Theü des Wortes
ist noch nicht zweifellos erklärt. Vielleicht darf man an heien , hetgen
denken, d. h. bewahren, hegen, oder an das mhd. lilwen, ursprünglich
hüllen, wie lat. nubo? »Gheiwi^ sagt unser Volk für umwölkt —
') Die den Gipfel umhüllende Wolke wird als Hot gefasst
97
Wetter tu haben, verbrannte^ man den Abend vorher einen alten
Besefir ■■=^"
*" 4) Wochentage. Der FreiUg bält es nicht mit der
Woche. — Wie Samsta^Abeg^ so die nächste Woche. — Zwei
Samstage müssen im Jahre sein, an denen es so regnet und
Stürmt, dass kein Sonnenstrahl, aushUckt. — Am Eriditag, Pfinztag
und Samstag Nachts rouss sich auch der^stärkste^ Sturm wenigstens
durch eine Stund^egen. *)
5) Tageszeit. Wie das Wetter um 8 Uhr morgens, so
ist es den ganzen Vormittag. -- Wie um 12 Uhr, so ist es den
ganzen Nachmittag. — Morgenregen und taltö-Weibädänz« dauern
nicht lange. Frühe^ Jt^ipcn und frül)(^ettler kommen des Tages
öfter. — Frühe Wetter wiederholen sich des Tages 9mal. —
6) Winter. Wenn der Springer der Martinigans weiss ist,
gibt es einen strengen Winter. — Wenn^der HoIIunder Blütben
undj^fuehi-jwgleich' tȟgt, ist ein starker Nachwinter zu erwarten.
— A fnieha Wintd hat an rund an lungern Schwoaf, d. h^.er
dauert^wgüJänger. — Ueberhaupt sagt das Volk von einer Zeit,
wo man die Winter mit einem Kuhschweif kann zusammenbinden. ^
7) U n s e r elie he Frau hat Gewalt über das Wetter,
Regen und Sonnenschein. ^ — Einst strömte (St. Marienkirchen
bei Schürding) lang anhaltender Regen und bedrohte die Ernte.
Der Pfarrer hatte nämlich eine altverehrte Marienslatue wegnehmen
lassen und versteckt. Da schaute ein altes Weib im Traume den
Ort, wohin sie gebracht worden war. Man suchte nach und fand
wirklich das heilige Bild. Im Triumph trugen es 6 weissgekicidete
^) Wenn man den Sturm fttr Wuotan nimmt, ergibt sieb vielleicht die Deutung,
düss er an den Tagen, welche Erich oder Er, dem Kricgsgotte, und Donar,
den höchsleo Göttern mit und neben ihm, geweiht sind, doch auf eine
kurze Zeit zu wehen und brausen aufliöri Der Samstag ist genannt als
Tag Mariens. —
*) Der GÖtterdttmmerung, welche Ursache des Weltunterganges ist, geht ein
Winter voraus, wo die Somic ihre Kraft verloren hat, und dieser Winter
kommen drei nacbeinaiider ohne Sommer dazwisdun. ~
*) Siehe spSter; E. Thiere, Fraunlüiferl
58
Jungfrauen durch die Flur. Als man fast schon am Ende des
feierlichen Umzuges Rast hielt, durchbrach auf einmal ein Sonnen-
strahl die grauen Regenwolken und traf das Antlitz der Mutter-
gottes. Schnell heiterte sich der Himmel auf, und man erfreute
sich der schönsten Erntezeit —
D) Gewitter und Hagel
1. Redensarten; Donnerkeil. Wenn es donnert,
schiebt der Herrgott im Himmel Kegel. — Wenn es einschrägt»
hcisst es (Steinerkirchen): tder Petrus hat den vordersten Kegel
getroffen.« ^) — ^^
Wo ein Don njjHk eil fällt (Steinerkirchen), driogt^r 7
Klafter tief in den Boden und verwandelt sich in eine GjQ 1 d k u *
gel , welche von Jahr zu Jahr um eine Klafter höher steigt und
so nach 7 Jahren wieder an der Oberfläche der Erde erscheint
— Andere stellen sich den Donnerkeil als eine Stein k u g e 1 ^)
vor, durchsichtig wie Glas , welche 9 Klafter tief in den Boden
eindringt und nach 9 Jahren wieder zum Vorschein kommt. —
Noch andere meinen darunter einen grossen Stein, der 9
Klafter tief eindringt und von Tag zu^Tag um i Klafter äulwarts
steigt, bis er am 9len Tage wieder injdenJHinimd zurückfliegt, *) —
2) Das e r ste G e w i 1 1 e r im Jahre. Vor allem b e-
stimmt es Zahl, Stärke und Gang der übrigen.
Fällt es in die Zeit des aufnehmenden Mondes, so sind viele und
starke Gewitter zu besorgen und umgekehrt. — Wo das erste
') Dieser Ausdruck beweist schbgend, dass vieles von Donar auf Petrus
als den ersten der Apostel übergegangen sei. —
*) Diese Vorstellung erklärt sich aus der Aaffassung des Gewitters als
»Kegelscheibens.« Die Kugel vertritt Thors Hammer, die Waffe, womit
er die Riesen bekämpft —
') Thdrs Hammer, MiÖlnir, kehrt von selbst in des Gottes Hand surQck.
Dass der Donnerkeil- oder Kugel oder Stein 7 oder 9 Jahre oder Tage
braucht, um wieder tum Vorschein tu kommen, beruht eben&Us auf
allmythicher Vorstellung Die 7 oder 9 Jahre oder Tage sind die Win«
59
Welter im Frühjahr hingeht, dorthin gehen alle bis Sonnenwenden ;
erst von Sonnenwenflgn an schlajcen sie wieder eine andere Rich-
tung ein. —
Früher Donner, später Hunger. — Beim Herannahen des
ersten Gewitters, oder wenn es das erstemal im Jahre donnert,
wälzt man sich auf dem_Erdboden , oder legt sich rücklings auf
die blosse Erde. Man bleibt dann vor Kreuzweh ^) verschont.
— Wer, wenn es das erstemal im Jahre donnert, einen Baum
schiittelt^ der wird über die Massen stark. —
3. Wie man Gewitter veranlasst, herbeizieht,
aufhält, oder den Blitz auf sich lenkt. — Als unter
Kaiser Joseph II. das erstemal »vermessen« wurde, sagte das Volk
heftige Gewitter voraus, weil man der tErde keine Ruhe lasse, t
Andere erzählen, die fürchterlichen Gewitter jenes Jahres seien von
dem Volk als eine Strafe Gottes für diesft Rgpnriibiping dcxJSüde,
angesehen worden. •
Ein Gewitter zieht es herbei (Munderßng), wenn man die
Egge umgekehrt , d. h. mit den Zähnen nach oben , ausserhalb
der Dachtraufe liegen lässt. — '
Eben so glaubte man (Weyer) von ungedeckten Kegel-
stätten, dass sie gerährlich seien, weil sie die GewitTer beränatögen. ^
Wenn man an einem Freitag ^ein frisches Hemd anzieht,
und es kommt zufällig ein Donnerwetter, so kann dieses nicht
vorbei. —
termonate, die Zeit, wo es in der Regel keine Gewitter gibt Unsere
Goldkuge! bestätigt von neuem, was oben a, 3, feuriger Drache, von dem
Gold als Naturbild des Blitzfeuers behauptet ward. —
') Ich denke an Thdrs Hammer, dessen Form der eines Kreuzes ziemlich
gleicht. Sich auf dem Erdboden wälzen, welchen de« Gottes geheiligter
Hammerwurf, gleichsam wieder neu geweiht, verjüngt hat, bewahrt vor
»Kreuzweh.« —
*) Sie sind den Blicken der Donnerwolke, des Donnergottes frei ausge-
setzt ; er erblickt in dem S^le^eine freche Nachäffung «eines Thiros. Das
von der Egge Gesagte beruht wol auf einer ähnlichen Vorstellang. —
An einem Freitag soil man weder Wäsche bleuen, noch ein
frisches Hemd anziehenV sonst erschl%tjemcnjier Blitz. —
Anderswo : wer an einem n e u e n Freitag^ ein frisches Hemd
anzieht, den trifft der Blitz. Zieht gr^er bei herannahendem Ge-
witter das Hemd aus und wirft es in emen Bach oder überhaupt
in ein Wasserj so fährt der^Blilz dahin. •) —
Am Sonnenwendelag soll man nicht nähen ; sonst trifft der
DonQ^den, der das Kleidungsstück an hat, woran an diesem
Tage genäht wurde. —
Der Blitz schlägt auch ein, wenn man Aschentücher mit dem
» Waschbloi «_.^fihrägt. —
Der ThuxgTU von Arbing ist nicht ausgebaut, d. h. er hat
keine Kuppel, sondern ist nur eingedeckt. Die Leute sagten einst,
es leide keine Kuppel, und wenn man eine jj^ifsßtztc^ -schlüge der
Blitz ein. —
Zwei Mäpner in der Gosau wurden vor einigen hundert Jahren
in dem Gosauerspitzengebirg von einem heftigen Gewitter über-
fallen. Da verliess den einen der Mulh, und er sprach: »Mir
wird angst und bang ; ich glaube , wir werden vom Wetter er-
schlagen.« Der andere erwiederte : »Sei doch nicht so zaghaft;
ich hciss Peter und schmeiss aufs Wetter!« Doch kaum hatte er
ausgesprochen , so traf ihn der Blitzstrahl , und er war auf der
Stelle todt. ^) Seitdem heisst der Kogel, über den der Blitzstrahl
herabfuhr, der DonnerkogI, und der, welchem sie zugingen, der
Peterskogl. —
4) Wie man insbesondere Schau fif \v ^ tt er veranlasst.
Schauerwetter sind zu erwarten (Altmünster), a) wenn eine Wöch-
'} Der Freitag berührt sich mehrfach mit dem Gewitter; ^s liegeo dabei
wol Vorstellungen voa der Verbindung zu Grunde, in welche Frigg,
Fria, von wekber schon im A. Jahrhundert der 6. Wochentag den Na-
men erhielt, mit dem Donnergott gebracht ward. —
*) Hier scheint der alte Donnergott über die auf den christJ. Apostel ge-
setxte Zuversicht ergrimmt su sein. — »Schmeiss aufs Wetter«, ist wol
doppelsinnig aufoufasaen, einmal als Ausdruck der Geringschätzung, jedoch
auch als Akt, Tbun des Donnerers, —^
ftl
nerin tu friSh hervorgeht, oder wenn es^jBar. an einem Freilag,
besonders an dem Karfreitag geschieht: b) wenn an einem Freitag
»geblödertt wird ; c) wenn man an Frei- oder Samstagen abends
jauchzt^oder Tantlied^j: singt; d) wenn nach Geo rgi Flachsarbeit
verrichtet wird ; e) wenn man vor jSeorgi Leinwand bleicht , oder
die BieichlüchajLlucb nur auf grünenj^ Wasen ausbreitet. ') —
Auch scbäuerts, wenn nach Georgi noch »Agngi ^) auf die
Felder kommen ; wenn Samstags nacli dem Peierabendläuten, fer-
ners so lange^als Christus im Grabe liegt, dann an den Bittagen
und an Christi Himme)fahrtstage Wäsche geblödert winl. Anderswo :
Sonntags soll nach 2 Uhr nicht mehr gewaschen, noch gesponnen
und eingespannt werden. — Auch wenn Sonntags die Sensen ge-
schärft werdetT, setzt es Schauer ab. Eben so , wenn der Bauer
lu Acker fahrt und auf der Egge einen Stein liegen hat. — Wenn
die Leiche eines Menschen, der sich selbst erhenkt hat, im Got-
tesacker begraben , ja auch nur durch die Felder geführt wird.
') In «Iter Zeit hat maa sogar, so hcisst es, solche Leinwat weggenommen
und verbrannt. Hätte man es nicht gethan, wäre ein grosses Sterben
unter die Leute gekommen. Der Vorgang des Waschens erscheint, mit-
einbezogen das Bleichen der Leinwand und das Anziehen des frischen
Hemdes, sowie Nähen und Flicken 4n[nt Gewitier und Blitz in Verbindung.
Das Blödern der Wäsche insbesondere, wozu der Waschbloi dient, an
den sich auch sonst mancher Brauch und Glaube knüpft, konnte leicht
als Abbild des Gewitterprozesses am Himmel gedacht werden. Die nassen
TUoher jsind die Wplken^ <]er Wasqhbloi der Hammer Thd'rs, die Schläge
damit tönen wie Donnerrollen; die wegspritzenden Tropfen glinzen in
der Sonne wie Blitzfunken. Die irdische Leinwand darf daher nicht ge-
bleicht werden, bevor es nicht die himmlische, die Wolken -Leinyirand wird.
') Die kleinen Stachel, welche beim Schwingen von dem Flachs abfallen.
' a«r«-*» V .■■■Hl'" "
Stets knüpfen sich an die Verspätung der häuslichen und lindlichen Ar-
beiten Strafen oder dgl. Ist die Flachsarbeit bis Georgi nicht vollendet,
so schauert^ es. Zu Bartholoroäus^o]l_;iUO weder mehr Heugras noch
Halme sehen, sonst etc. etc. Wer nach Mai Uni noch zu Acker fährt,
fuhrt sein Weib ein. Es bestätigt sich also an Heu-, Getreide- und
Flachsarbeit. —
62
Schon die Thatsaclie» dass sich jemand in der Gegend henkt, er*
rollt mit Besorgnis vor einem Schauerwetter. —
Im vorigen Jahrhundert wurde ein Verbrecher ^henkt, ohne
dass er sich bekehrt hätte. Eine Menge Zuschauer waren auf dem
Richtplatz zugegen. Da rief er: >Wart*s ös, ih wül mich' heu't
scho* noh an enk röchn!« Darauf bestieg er den Galgen und starb.
Aber schon stieg ein fürchterliches Ungewittervom Westen auf
und brach so schnell aus, dass nur die, welche zunächst wohnten,
noch die Häuser erreichen konnten. Alles Getreide, selbst das
junge Obst und das Gras, wurde in Grund und Boden geschlagen.
5) Wetter löcher. *) Auf dem Bleckenstein befindet sich
ein See, von dem es hiess, wenn man einen Stein hineinwürfe,
entstünden Sturni und . ürnv^tter. — In der Nähe von Pernsteiu
ist ein Loch, das geht tief in die Erde hinab. Wirft man einen
Stein hinunter», bricht ein Unwetter los. Buben, welche davon ge-;
hört hatten, machten einst aus Vorwitz und Muthwillen den Ver-
such. Doch ehe sie noch ihre Wohnung, weiche gar nicht weit
entfernt war,e rreichten , war das Ungewitter schon los. — Wenn
man in das Zagellauerloch j^Gosau ) einen Stein wirft, wird schlechtes
Wetter. Dasselbe heisst es auch von einem andern Loch in der
Nähe desselben, das senkrecht in die Tiefe abspringt und schlechthin
das Welterloch genannt wird, — Die »Wödälukn« slehn im Ge-
birg ( Windischgarsten ) in grossem Ansehen ; wirft man einen
Stejji^ hinunter, so steigen alsobald Nebel und Wolken auf« und
ein heftiges Ungewitter bricht los; —
6) Wetter machen oder erregen. Wenn man ein
Gewitter erregen will, so nimmt man Bröselein von dem Kothe
der an emem Pflu^iQ, klebt, womit man Samstags nach Feierabend
gearbeUet_hat, und wirft sie mit einem gewissen Spruche rück-
'i"g5 über dea^opf. —
') Der »Hciwinkel« hicss ebenfalls Weiterloch. Noch sagen wir: Das
Gewitter stcigt^ierauf. See oder Loch sind als irdisch lokalisirtcr Wol-
ken - Gc\\4ttersec zu fassen. Das Steine Hinabwerfen ist^ nach Schwartz,
eine rohe Nachahmung der Art und Weise, wie dort oben beim RoUen
der Donnersteine Regen gemacht wird. —
t
J-
63
7) Gemachte oder Hexenwetter. Wetter erregen
vorzugsweise die Hexen ; man nennt solche Wetter b gemachte ;c
es sind gewöhnlich Scbauerwetler. Ein Zeichen, dass eine Hexe
das Wetter gemacht hat, ist es, wenn sich in, doa ^»Piseln.«. Haare
befinden. *) —
Auch Zauberer sind es im Stande. Ein Inquisit (Krems-
miinster Archiv, Urgicbt eines Verbrechers, der sich dem Teufel
verschrieben) sagte unter anderm aus, dass er mittels »eines
schwarzen Pulvers aus lUenschenbeinent, indem er davon ins Was-
ser warf, ein > Schauerwetter gemacht habe, so das liebe Getreide
zerschlug, c
8) Abwehr gegen das Einschlagen. Wo ein
Schwerkranker liegt, so lange die kleinen Kinder schlafen und
die Schwalben _ im Haus bleiben, hat man kein Einschlagen zu
furchten. —
Um das Einschlagen zu verhindern, legt man unter den
Dachfirst ein >Speispfingstag-Ei, das am Gründonnerstag
gelegt worden ist. Um seinen Zweck zu erfijUen, muss^esjinge«-
färbt bleiben und am Ostersonntage geweiht werden. ^) Anderswo
beisst es nur: ein Ei, das am Antlassgfingstag ^ in die Sonne
') Die Hexen wurden bekanntlich mit fliegendem, zerzaustem Haar gedacht.
Noch sagt man von einer Weibsperson, deren Haar verworren hin und
her flattert, sie sehe aus wie eine Hexe. Man erinnere sich der Ausdrücke
■ Wetter- und Blilzhexc,« welche o(t scherzhaft und schmeichelnd gebraucht
werden, und halte dazu, dass die goldenen Haare der Gemahlin des Ge-
wittergottes Thor, der Sir, auch als die Blitzesstrahlen gedeutet werden.
Es heisst ferner von ihr, dass sie die schönste aller Weiber war. Aus-
drücke nun, wie verliebte Hexe; sie hat ihn völlig behext u. s. w. sind
noch üblich. Siehe Pflanze, Widerton. —
*) Die rothe Farbe ist die des Donner- oder Blitzgottes; daher darf das
Ei nicht gefärbt werden. —
*) Gründonnerstag.
64
grekgt worden, ist gut gegen das »MulsLJEfiur.« Auch ein am
Karfreitag gelegtes Ei wird hie und da genannt. *) —
Auch gewisse Pflanzen wehren dem Einschlagen. —
Wenn man unterwegs in ein Wetter kommt, stehe man unter
einer Hascl^staude unter; da schlägt kein Blitz ein, weil u. L
Frau_sich,jy(jQter eine solche Staude geflüchtet hat, als sie übers
Gebirg gieng (sehr häufig.) Man nimmt daher auch während
eines Gewitters ein Hasclreis. in die Hand, steckt solche, wenn
ein Gewitter naht, an die Fenster. — Auch das Johannes-
kraut, kreuzvveise an Jepster und Wände gesteckt, hilft gegen
das Einschlagen. — Endlich wird, damit der Blitz nicht einschlage,
auf den Dächern »Hauswurz oder Hausrampff gehegt ^)
— W^o viele Brennesseln stehen, da schlägt es ebenfalb nicht
ein. — Die Bi rk en re i jer, welche man am Frohnieich-
namstage (von den 4 S ege nst ä tt en) mit nach Hause
bringt, schützen nicht minder. Man steckt sie in die Fenster und
^■^^^^«^ *****
wirft sie, wenn ein Gewitter kommt, ins Feuer. —
Wenn es hagelte (Weisskireben) lief der Bauer um die
Eg^ und legte sie mit aufwärts stehenden Zähnen in den Hof;
die Bäuerin aber sputete sieb, die »Ofenschüssel« (Holz, worauf
das Brot "cingooeheeec^wird ^) in den Hof. hinaus ^u werfen. —
Unter einem sei hier bemerkt, dass Höfer II, 297, das »Ofenschüs-
sellaufen,« ein Wettrennen zu Fusse, erst 1757 und 1759 wegen
ärgerlicher Entblössung des Leibes und »verschiedener
abergläubischer Dinge« obrigkeitlich abgeschaffi wurde.
') Das Ei ist als Naturbild des Gewitters aufzufassen, welcbcs in der Wolke,
der Schale, (Klar und Dotter) Regen und Blitz birgt. Auch ist oder
sind die Tage bedeutsam, an denen das Ei gelegt wird, das bis in die
kleinsten Züge bedeutsame Räthsel von dem Ei lautet: »Zu Weiasen-
berg in Dum (Dom) da wachst eine gelbe Blum; Wer die gelbe
Blum will bahn Muss zu Weissenberg den Dom einschlagn.« Statt
Weisaenberg hört man auch Weissenburg und statt Dom Thurm. —
^ Siehe davon Pflanze.
*) Siehe das Feuer, 1, vom Backen Gesagte. —
65
Die Bergbauem ( Kremsmünsier ) warfen während eines Ge-
witters Stühle und Tisch e in den Hofraum , jedoch so, dass
die Fiisse au^fwSrts sahen. <) — Auch die Bj^e ward, wenn
ein Gewitter am Himmel stand, zum Schutz vor dem Blitz, mit
den Zähnen nach o b c n ..s c.h a u c n d , vors Haus ins freie
gestellt —
9) Abwehr gegen den Schauer insbesondere. In wel-
cher Pfarre auch nur Eine Wöchnerin. ihre Zeit genau hält,
dass sie nämlich in den 6 Wochen nicht unter freien Himmel
kommt, sondern ''inner der •Dachtropfnc bleibt, in der kann es
nicht schgußrn. —
Lange glaubte das Volk daran, dass manchg^fl ^ i s 1 1 i (s h c
die (auf rechtem Wege erlangte) MacbL.h'siUfin* Schauer abzu-
wehren, und nannten solche »schau e r f e s t.« In Schartenberg
soll einmal ein Pfarrer gewesen sein , der konnte sogar regnen
lassen ; freilich, fügte der Erzähler, bescheidener schliessend, hinzu,
freihch nur ganz kurze Zeit. —
Am Palmsonntag steckt man, um Schauer abzuwehren, ge-
w*eihte Palm^uschen in die Getreidefelder. Einige^schreiben
das Johannes - Evangelium 3mal ab, binden je eine Abschrift an
einen Palmbuschen und lassen srewelEenT um sie in die 3 Felder zu
stecken. ^- Auch das am K a r s a m s t a g am geweihten Feuer
angebrannte Holz wird gespalten und die_ Späne kreuzweise in
die Celd^r gesteckt, und zwar entweder an diesem Tage selbst,
oder dem der Kreuzerfindung. — Auch die Kohlen, welche man
von dcQi j[ewei.htea>Eeuer mitnimmt, und die Ostereißjachaiea-^e'*
braucht man auf ähnliche Weise, ja hält sie fast noch Tür wirksamer. —
Man nimmt 3 Haselzweige, 3 Karfreitag - Eier und etwas
Ghrisam, lässt es am 0 s t e r s o n n t a g neben Eiern und Fleisch
mitweihen, gebt von der Weihe sogleich hinaus und griibt dieses
Geweihte während des Hochamtes zu 3 Theilen in jedes der
3 Felder unter Gebet ein und zwar auf der Wetterseite. — ^-^//i
') »Der JBerrgott wirft im Himmel, hörte ich als Kind wlhrend eines Ge-
witters Mgea, Tisch' und SUihl* am.« —
5
66
Andere vergraben, wenn ein Gewitter dtber zieht, welches
Hagel zu bringen scheint, in die 4 Ecken des Feldes je ein Ei. —
Um Weissenberg stehen noch einige Kreuze, welche fol«-
gende Form haben : ""[ Das Volk erzählt davon: »Als einst
Jabr auf Jahr Schauer die Ernte vernichteten, schickte die Ge-
meinde 3 Männer nach Rom. Der Papst sollte Rath schaffen. Er
wies sie an, im Umkreis von einer halben Stunde zur andern, je
3 Kreuze und zwar im Dreiecke ^) zu setzen, und gab ihnen
etwas Geweihtes mit, das mit und in den Kreuzen in den Boden
sollte eingerammt werden. Heimgekehrt zimmerten sie die Kreuze,
zersägten und höhlten sie ein wenig aus, gaben das Geweihte
hinein u. s. w. Nun sind aber diese Schauerkreuze bereits
alt geworden, und doch getraut man sich nicht, sie aus dem Boden
herauszunehmen. ^) —
Wenn es ein »Rislwetter« hat, (Altmünster) so nimm das
Tischtuch, breite es auf freiem Felde aus und sage: »Da
gehört die Gottesgabe drauf und nicht da$ Jfiufelsgescimieiss.« Al-
sogleich hört es zu riseln auf. —
10) »Wetterläuten. ff Am wirksamsten jedoch, beson-
ders gegen gemachte Wetter, galt das Wetterläuten. Das Läuten
begann, wenn das Gewitter herankam, und es wurde damit erst
aufgehört, wenn sich dasselbe völlig verzogen hatte. Noch jetzt
heisst es (Kremsmünster), das Zeichen zum Gebet soll noch bei
•scheinender SoniuBi ^geläutet werden; anderswo, mit dem Wet-
terläuten solle noch begonnen werden, »bevor s d*Sun* facht« Manehe
Glocken, was jedoch nicht von der Grösse abhieng, hiessen be-
sonders kräftig oder » ho c b j e w e i h t. ■ Die Glocke von St.
Radegund z. B. halle eine höhere Weihe als die übrigen der Um-
gegend und trieb die Wetter ^^^/^ Burghff"*^" «i oder ins Gebirg.
Auch die Taxlberger Glocke galt als solche. Weil der »grosse
*) Siehe Feuer, 2. Dreizack. —
>) Auch in der Wetterau trifft man solche Kreuze. AUgem. Zeit. 1857,
Nr. 58, S. 922, -
«7
Hundt 1) (die grosse Glocke) lu Rainbaeh so gebellt habe, ge«-
stand eine Üexe, welche als Wettermacherin verurtheiU ward , sei
sie nicht im Stande jgewesen, das Wetter nach Rainbaeh hinzu«-
bringen, wie sie es doch im Sinne gehabt hatte. «-— Die Gschwandt-
ner Kirche besass ebenfalls eine sehr hoehgeweihte Glocke, welche
frühe genug geläutet , jedes Hexenwetter ver- oder sertrieb. Sie
hiess »Katharina.! Vor etwa 100 Jahren trieb in der Gegend eine
gefürchtete jilB^eUesbexec ihr Unwesen. Einst wollte sie den
Gschwandtner, Kirchhamer und Vorchdorfer Bauern aus Rache ein
Unwetter über den Hals schicken, Schon war der westliche Him«-
mel kohlschwarz überzogen ^ blutrothe Blitze zerrissen auf Augen-
blicke das Gewölk, und ein heftiges Sausen in den Lüften ver-
kündete Hagel. Der Teufel sprach da zur Hexe: »La da schlaun,
dass dä*s Kädärl jDöt^ firkimmt!i Aber die Gschwandtner Bauern
hatten schon das Glocken^il in den Händen und zogen nach Lei-
beskräften. Da stürzte die Hexe aus den Wetterwolken herab
kopfüber auf^^ eine. Dnllingesche; ^) man fand sie mit zerschmet-
') Schwartz in seinem bereits genannten Werke spricht davon, dass man
den Donner, indem die neuen christlichen Anschauongen sich in der Auf*
Fassung der Natur in neuen Formen ablagerten, als ein himmlisches Glo*
ckengelSut auffasste, und weil dieses dem Unwetter ein Ende zu machen
schien, schrieb man auch dem irdischen Glockengeläut einen derartigen
Einfluss zu. Der Ausdruck »grosser Hund« aber, der Hund ist Natur-
bild des Sturmes, und die Meinung, dass selbst das Zeichen zum Gebet
noch bei scheinender Sonne soll gelautet werden, fnodifiziert meine An-
schauung etwas. Mir wird das GlockengelÜuCe ein Abbild des Sturm-
liedes; der Sturm zertheilt, zeKreibt selbst manchmal dasTGewitter. Selbst
der Ausdruck »Sturmläuten« , mit allen Glocken stürmen kann hieher
gehalten werden. Hiezu stimmt, dass St. Radegund 2 Wölfe als Attribut
hat, die Taxlbergerkircho zu Ehren des hl. Nikolaus gebaut ist, und Ni-
kolaus ist ein Wasser- und Windpatron, dass die Kirche von Gschwandt
die hl. Katharina als Patronin hat, welche wir wol auch mit dem Wind
in Verbindung bringen dürfen. —
*) Eine Esche, deren Stamm etwas über dem Stock sich dreifach theüt
DriUingsesche ist selbst ein Naturbild der Gewitterwofte , aus der eben
der BliU fährt. —
5»
•8
tertem Schädel und wild lerraunem Haar. Das Wetter aber zog
unschädlich vorüber ; nur hie und da fiel ein jfifitj^* -.worin ein
Hexenhaar steckte, —
Einstens stand ein Gewitter lange , lange über der Unser-
Stadt; es wollte gar nicht weiter, trotidem dass in sammtlichen
Kirchen und Klöstern mit allen Glo.9keiijgeläutet wurde. Verstän-
dige Leute erklärten sich die Sache damit, das Wetter sei xwi-
seh e^n die vielen geweihten Glocken j^ekoromen und habe nicht
mehr ausgekonnt ; es musste sich völlig entladen und von selbst
wieder enden >) (Unteres Hühlvierll.) — Sonderbar genug gteog
unter dem Volke auch die Meinung, es ^be Glockcn^^ deren Ge-
läute die WeUfirJifrbeixöge. (Traunviertl) —
11) tWetterschiessen.« In Voitsdorf w^urden einst,
alte Leute denken es noch, Polier losgebraoiut , um das Wetter
zu »zerschiessen.t Anderswo ward erzählt: »Es ist noch nicht
so lange her, dass die Bauern mit geweihtem Pulver in die Wetter
Schossen, um die Hexen zu IreiTen, welche, getroHenT todt aus den
Wolken herabstürzten. Nach einer anderen Version verloren sie
. • » . »•
nicht das Leben, sondern nur ihre Zauberkraft —
Namentlich bediente man sich der in 1. erwähnten jStein-
'^"B^'O^ ^J]!^.i'} »gemachte Wettert iind die in diesen schwebenden
Hexen mit Erfolg zu schiessen. ^) —
I) Von dem Sturmliede, und als dessen Abbild erschien mir das Wetter-
ISuten, heisst es im Liede von der Gudrun, dass Wurme und Fische
ihre Führte Hessen, nicbt im Grase giengen, nicht im Wasser flössen. —
*) Jedenfalls eines im Verhältnis späteren Ursprungs. Doch ist es leicht
begreiflich, dass das Schiessen aus Feuergewehren vor allem leicht als
irdische Wiederholung des im Gewitter am Himmel stattfindenden Vor-
ganges erscheinen konnte. Damals erschien es noch dem ganzen Volke
so; heui zu Tage sagt höchstens ein Dichter, Hebel: «Es donnert überall,
erst heimlich, mählich laut, wie dazumal, als anno 66 der Fransos so
graus geschossen hat.« Die Steinkugel schien somit eine aus himmli-
schem Geschütze abgeschossene Kugel. In Kömer lesen wir »von einer
schwarxen Wolkenscbanze, aus deren dunklem Schooss Feuerkugebi
sprühn.« —
69
12) •Wettersegen,« oder Segen gegen Ungewitter.
Auf einem gedruckten, dem Schreiber vorliegenden Zettel befinden
sich zuhöchst 4 kleine Holzschnitte, die vier Evangelisten darstel-
lend; sie schlicssen einen kleineren des hl. Donatus <) ein. Dar-
unter sieht : »0 ihr 4 heiligen Evangelisten und heiliger Donate
bittet für uns zur Zeit des Ungewitters und beschützet uns für
Blitz, Donner und Hagel. Jesus von Nazareth, ein König der Ju"*
den, bewahre uns vor allem Uebel des Leibes und der Seele.
Amen. — Darauf folgt das Gebet dder der Segen selbst, dessen
Mittheilung nicht erw'ihnenswerth ist, und den Beschluss macht
ein Bericht über den Ursprung dieses Segens. — Der Zettel ist
gedruckt: Steyer, bei Gregori Menhardt. —
Auch, wo der iK o 1 o m a n n i - B r i e f« ^) aufbewahrt wird,
schlägt das »wild Feur« nicht ein. —
13) «Wcttergsegnen.t Ein Schulmeister in Wolfseck
konnte di& Wetter «gsegnen;« er «gsegnete« sie meist nach
■ Schwank« Er ging nämlich mit einem alten, hölzernen Kruzifix
^ '• ■ _ * *• "
vor die Hausthür und machte damit, indem er einen gewissen
Spruch hersagte, Kreuze in die Luft. Die »Schwand« führten öfter
als einmal über ihn darob Klage.
11) «Wetterbannen.« Nur wenige (oberes Mühlviertel)
wissen noch von der Kunst des Wetterbannens ; die Anwendung
geschieht gar nicht mehr. Der Bauer begab sich nämlich, war
ein Welter im Anzug, auf seinen Grund, schlug daselbst einen
*) Schon der Name Donatus, Doiiit mahnte das Ohr des Volks an Donner.
*) Ich weiss annocb nichts anderes, den h, Kolomann betreffend, miliu-
theilen, als dass in einem neeroiog. antiquum unseres StiAcs, das wahr-
scheinlich um d. J. 1S50 angefangen wurde, am 12. Oktober nurKoj
loroann ohne llaximilian als Tagesheiliger eingetragen ist. Züge aus
seiner Legende, welche mir nicht unbedeutsam scheinen, sind, dass der
Heilige Enten zähmt, und dass ein dürrer Baoro^ woran er gebunden
wird, grünt und blüht —
7«
Pflock fest in dis.£cd$. und King, eine Bannformel hersagend,
dreimal um iko im Kreise herum ^). —
15) •'We Uer wenden.« Gericbtsakten, Scbarnstein 1684.
Der Zauberer nabm , so oft er ein Welter wendete , jedesmal sei-
nen halben Pergamentbogen, der mit gewissen Zeichen und Cba<-
rakteren beschrieben war, und zeigte ihn dem Ungewitter, • alsdann
es sich in die 4 Tbeile der Welt zerschlagen und zu Wasser hat
werden müssen.« Er sagte zugleich aus, dass es auf solche i ge-
wendete« Gewitter jederzeit 3 oder 4 Tage regne. —
16) Redensarten. Dös sänd lautä Wassästroah ^). — Dös
is nur ä gmachts Wödä. —
£. Thieve.
j^fi^^^ Voraus gehe die Bemerkung, dass in den Abschnitten £, F
'^ und G das in die volksmSssige Heilkunde *) Einschlägige unter
einem angeführt wird.
a) »Weisende Thiere.« Als solche kommen unter den lau-
fenden in Sage und Legende vorzüglich Ochs und Hirsch vor.
Als ein Bauer, der eben so fromm als reich war, im
Sterben lag^^ trug er es aus, dass ein Tbeil seiner Hinterlassen-
schaft zum Bau einer Kirche verwendet werde. Die Stelle, wo
der Bau sollte aufgeführt werden, bestimmte er selbst. Er befahl
nämlich, wenn er todt wäre, seinen Leichnam auf einen mit
Ochsen bespannten Wagen zu legen; wo die Thiere von selbst
^ ■■mW H.Waifc^ ^^ ^MM* '
*) Wol ein uralter Brauch, ebenfalls einen T^rmeinttich himmlischen Vor-
gang nachahmend. —
^ Siehe 3; daraus erklSrt sich diese btldiiche Redeweise. —
*) Was insbesondere die Pflanzen betrifft, habe ich aus »Höfcra etymolo-
gischem Wörterbuch der in Oberdeutscbland, voRÖglich aber in Oester-
reich herrschenden Mundart»« Lins, 1815, was fUr meinen Zweck passend
erechien, mit Angabe der Quelle entnommen. —
71
stille hielten, da sollte die Kirche erbaut werden. Es geschab,
und an der Stelle erhob sich die Kirche ■ Allerheiligen • (unteres
MühlvierÜ). —
Den von der Ens_ausgeschwemmten Leichnam des heiligen
Florian *) liess die hl. Valeria, um ihn an sicherer Stätte beizu*
setzen , von einem G^pana Ochse n weitem Tühren , indem sie
die Thiere in der Richtung gehen hess, welche sie selbst ein-
schlugen. An der Stelle, wo das Gespann, trotz der bereits zum
drittenmal wunderbar erhaltenen Tränkung, nicht mehr vonrFiecke
zu bringen war, da wurde der heilige Märtyrer bestatter.
Es war einmal ein grosser_Sünder, der schon lange nicht
mehr gebeichtet hatte; endlich ging er in sich und beichtete. Doch
ein Priester nach dem andern verweigerte ihm die Lossprechung;
endlich fand sich einer, der ihn lossprach, doch unter der Be-
dingung , dass er sich lebendig in eine Kuhhaut einnähen und
so nach Rom fahren lasse. Es geschah ; aber auf dem Wege
starb er^ und die Würmer fressen j^oinen Leichnam, Als der
Wagen in der heiligen Stadt einfuhr, fingen all^ Glocken von
selbst zu läuten an, weil er 'eiHTIeiliger war. (MühlviertI ^).
In der Sage von der Gründung Kremsmünsters weist ein
Hirsch mit brennenden Lichtern auf den Geweihen dem Bayern-
herzog Thassilo die Stelle, wo er den Leichnam seines Sohnes
bestatten soll. Er weicht nicht von dem Flecke, bis Thassilo eben
sie envählt hat. —
Die Entstehung der Kirche • Maria Falsbachi bei Gunskirchen
schreibt, wie die Legende erzählt, sich davon her, dass ein un-
gewöhnlich grosser Hirsch^ der ein Muttergottesbijd[ in den Ge-
weihen trug,^en Falsbach berabschwamm. Wo er das heilige
Bild am Ufer absetzlcTwariJ eine Kapelle erbaut , welche sich , da
*) Die Legeude erzählt, dass dicss trot% des umgebängteii Mühlsteines ge-
schah. Der Leichnam des Heiligen sollte also in der nassen Tiefe ver-
senkt bleibe n. —
*) Die Seele, der LuAbaucb, entschwebt iM.iißcKuhheit, der Wölk«, nach
Rom, in den Wo^l^enhimmeL —
72
iiDmer mehr andicbtige Beter und fromme Spenden zuströmten,
bald in eine Kircbe verwandelte.
Die Steinbacher Kirche (am Attersee) ist eine der ältesten
im Lande. Sie sollte etwa eine halbe Viertelstunde bergaufwärts
eri>aut werden. Alles war dort schon zum Bau hergerichtet, das
Bauholz ausgehackt u. s. w. Nachts aber kamen Vögel, einige
nennen Krähen, andere Schwalben, und trugen jlie «Hack-
scbaitsn« an dje^teUe« wo die Kirche_noch steht.
Zugleich erzählt sich das Volk, dass die Kirche ursprüng-
lich ein Heidentcmpel gewesen ist *). —
Auch der Ameise muss hier eine Stelle vergönnt werden.
Das Gnadenbild von Adelwang hiess einst auch : »Unsere I. Frau
am Ameishaufen. c Es wurde nämhch im 17. Jahrhunderte, in
der Erde vergraben, in einem > Schwarzameisbau fen,« von neuem
aufgefunden. Die Ameisen liessen sich auch, nachdem man die
Statue auf ein Postament von ^tein gesetzt halte , nicht vertreiben,
sondern führten darum, jedoch j(^hne die Statue, selbst zu berüh-
ren, einen neuen Bau auf. Sie verloren sich erst dann, als das
Gnadenbild wieder an seine alte Stelle auf dem Hochaltir kam.
In einer eigenthümlichen Beziehung zu Kirclienbaulen steht
der Wo I f. Der hl.^Wpl^gang «) sandle näiglich^ dem Teufel, der
ihm ein Kirchlein gebaut und sich dafür die Seele des ersten
') Ueberfaaupt scheinen die Gegenden um den Gmundner- und AUersee
reich an solchen Erinnerungen, und detaiUirte Mitthcilungen wären sehr
wünschenswcrth. —
*) Der hl. Wolfgang und seine Legende enthält auch sonst vieles Beach-
tungswerthe. Er drückt dem Berge, gegen den er sich stemmt, die
Spuren von Kopf, Rücken und Armen ein; hie und da ijn Lande gibt
es WoljjgaAgfis^eiue, denen der Bgtende seine Knieespucea iün^riigte. Der
Stein, auf dem er Rast hält, wicd^JKieish wie Wachs etc. — Mittelst
eines Beilwurfes bestimmt er die Stelle, wo er eine Kirche bauen will. —
Wie es wol an sich klar ist, kommt hier die fromme Sage nur in so-
fern, als Thiere etc. damit in Being stehen, zur Vertretung, und auch
da nur in den wesentlichsten Zügen. —
7$
Wallfahrers ausbedungen hatte, stattdnes Mensohen einen Wolf,
als ersten Besucher. —
Aehniicb lautet folgende Sage. Die Waldburger Pfarrkirche
(unteres MübIviertI) hat 2 SeitenaltSre. Auf einem beOndct sich
(oder befand sich doeh) ein altes Gemälde, welches die Einweihung
der Kirche vorstellte. Der Bisciiof, von dem Maurermeister und
dem Grundbesitzer begleitet, geht einer schwarten Figur, dem
Teufel, entgegen; vor ihnen lüuft ein ■HauawfilC'L.(fiipe Art Wolfs-
bund) dcr^jnen Rripf (die Vcrschtcibuim^JUL den Teufel) um den
Hals gehSngt trägt; darüber fliegt ein Hahn. Links neben dem
Altar ist unten eine vergitterte Oeflhung, durch welche der Sage
nacli^jj[gj[,JC0uCQL-^usfuhr , und die sich durchaus^ nic||^_3UUnauern
lässt. Der Teufel hatte sich nämlich dem Maurermeister anheischig
gemacht , die Kirche zu bauen , unter der Bedingung , dass der
erste, welcher die_Schwelle des fertigen Baus übertrete, sein ge-
höre. Als nun die Kirche ausgebaut war und die Weihe sollte
vorgenommen werden, nahm man, um den Bösen um seine Beute
zu betrügen, einen Hahn mit, der aber, als hätte er die Gefahr
geahnt, in die Höhe flog und so das Leben rettete. Da gab man
ihm Jen Hund preis, welchen der Teufel auch wirklich zerriss
und sodann durch jenes I..ocb ausfuhr ^). —
') In der Waldburger Gegend ist Tor alten Zeiten auch eine Burg gestan-
den ; sie versank aber nachher spurlos in die Tiefe. Ein Hirtenknabe
gcrieth einmal auf einen Stein, und als er ihn wegwSlzte, auf ein Loch,
in welches er, um die Tiefe zu ergründen, einen kleinen Stein hinab-
rollen Hess. Vernehmlich und lange hörte er ihn von Staffel zu Staffel
anschlagen, bis er endlich wieder Grund fand. An dieser Stelle, man
hat jedoch das Loch seit dem nie wieder mehr aufgefunden, geht es
zur versunkenen Burg hinab. Nach Schwartz ist die Kirche die Wolken-
burg, welche sich im Winter, aber auch in jedem Ungewitter, auflhürml.
Der Teulel im Gewitter baut alsa-fliajacche. Der Bau wird nie ganz
vollendet, daher das Loch in der Kirclie. Der Gewittersturm verhindert
oder stört die Vollendung, der Teufel Tsihrt durch jenes Loch mit dem
llauswolf aus. In unserer Sage fliegt selbst noch ein Hahn, ein Natur-
bild des Feuers, Ursprung]. Blitzfeuers, in die Höhe. Sieh auch Strudel-
und Wirbelsage, b. Wasser, 6. —
Tl
b) Als TenUstbkr» treten besonders Bock» Hase
Hund, Katze, Pferd, Schwein und Rabo auf.
Bock und Pferd, dem iBdsent leibt bekanntlicb der
Volksglaube einen Bocks- oder Pferdcfuss, treten am auffallend-
sten als solche auf. Ein Bauer ging einst Nachts (Innviertl) etwas
angetrunken vom Wirlhsbause heim. Da sagte er: fWenn nur
jetzt ein Geisbock da wäre, auf dem ich beimreitcn könnte !• Und
sieb, schon s^und der Bock vor ihm, und er, trunkenen Mutbes,
setzte sich , ohne Anstand zu nehmen , auf seinen Rücken , zum
Glücke verkehrt. Denn fort ging es, geschwinder als der Wind,
und er hätte ersticken müssen, wäre er nicht rückUngs gesessen.
Als beim • Taganläuten ■ das Thier verschwand und er wieder auf
die eigenen Beine kam, fand er sich in einem wildfremden Lande,
wo ihn niemand verstand; selbst von der Wienerstadt, d. h. dem
blossen Namen wusste niemand. 3 Jahre brachte er auf dem
Heimweg zu *). —
Ein junger Bursche, welcher «fensterin« oder »g^sseln« ging,
traf auf ein junges Pferd, welches vor ihm stille stand, als
wollte CS ihn zum Aufsitzen einladen. Er tbat*s; doch nun flog
es nur dahin, so dass er schier ersticken musste. In einigen
Minuten war er so weit gekommen, dass er eine gute Tagreise
heim hatte ^). —
Von .^^D.unden, einem grösseren und 2 kleinem, ist der
Teufel gegleitet, wenn er ijQ .stürmischen Nächten jagt. Es inimmt«
auch nicht selten die »schwarzen Hunde« aus den Häusern «mit«
ZU dieser Jagd, selbst wenn sie eingesperrt und angehängt sind ').
*) Dem Wagen, welcher in der Grünau ( KremsinUiister Prograinm 18G0)
am Kaschiugsdtenstag das kleine Floss führt, dient ein mannigfach her-
ausgeputzter Bock als Vorspann. — Pferd und Bock standen in Be-
ziehung zu Wuotan und Donar, zu Sturm und Gewitter. —
'j Die zwei letzten Erzählungen beruhen darauf, dass nach allem Glauben
das wüthende Heer nicht selten Menschen mit sich in die Luft entführt
hat. Von demselben sind hier nur mehr Bock und Pferd übrig geblie-
ben. Der Bock ist ihm ursprünglich sogar fremd. —
') Der Hund ist, wie bereits gesagt, Naturbild des Windes oder Sturmes.
7S
In H a 8 e ^) und K a t z e ^) verwandeln sich Teufel und Heie.
Sie treten auch in Beziehung zu der Sage von dem iWeehseU
thaler f, den sich einst so mancher mit der Hilfe des Bösen zu
verschaffen wusste.
Am Schiederbach (zwischen Kremsmünster und Hall) sprangen
einst auf einen Mann , der zuföllig Nachts dieses Weges ging, eine
Menge gräulicher Katzen los. Da gelobte er, wenn er glücklich
heim gelangte, ein hl. Bild hieher zu opfern. Er erfüllte auch
sein Gelübde; noch jetzt sieht man das Bild an einem Baume.
Ein Mann, der Nachts heim ging, stiess auf einen tSau-
treiben mit 12 ScJiwe-inen '). Eine Zeit lang ging er arg-
los neben ihnen her; auf einmal bemerkte er aber zu seinem
grössten Schrecken , dass jener einen Pferdefuss habe , und in dem
nämlichen Augenblick waren auch Treiber und Thiere verschwunden.
Der Rabe ^) erseheint häufig in Sagen von Teufelsbeschwö*
ningen. Wenn der Beschwörer die Zauberfermelf womit er den
Bösen herbeirief, nicht oder doch nicht schnell genug, rückwärts
lesen kann, oder mit anderen Worten, wenn er das • Abdanken •
nicht oder zu wenig versteht , so stellen sich Raben ein , welche
ihm hart zusetzen. —
»Verwunschene! Menschen treten besonders in Ge-
stalt von Pferden auf, wobei die Farbe, weiss oder schwarz,
einen wesentlichen Unterschied macht Jedoch heisst es hin und
wieder auch ganz allgemein, die ein lasterhaftes Leben führen,
*) Der Hase itebt mit dem GewittergoUe, sieh Thiere, Hase, also mit Ge-
witter und Blits selbst in Verbindung. —
') Von der Katze gilt es cbenialU, dass sie ein Naturbild des Gewirrs
ist. losbesondere fahrt Fre)^a auf einem mit Katzen bespannten Wagen.
In Freyja ist aber dieselbe Göttin erkenntlich wie in Frigg. So berührt
sich nun diese Göttin , von der der Freitag benannt ist , im Klement
(sieh D, 3.) mit Thorr. —
*) Das Schwein, besonders der Eber, ist ein Naturbild des Sturmes. -*—
^) Auf Odhimis Schultern fttzen 2 Raben, Hugin und Munin, Gedanke und
Erinnerung. —
76
viel betrogen haben u. s. w., werden nach dem Tode des Teufels
Rosse, mit welchen er fürchterlich reitet und fährt.
Auch in Hunds-, Katzen- und Seh w eins gestalt
» gehen • lasterhafte Menschen nach ihrem Tode tum.! —
c) YiexfBssige Thiere.
i) Eichhörnchen, <Oahmindl.« Es ist ein guter An-
gang, wenn man Geschäfte halber ausgeht, und es rennt einem
ein Töachkatzlf oder •OachmandJi über den Weg.
2) Fuchs. Der Name des Fuchses wurde, Greise denken es
noch, nicht gerne ausgesprochen; man nannte ihn : • HpIghapaK den
pfiffigen Hansl.i nach Höfer auch: »Belderer Oi Hansl, Holzhund,
PrccIiteU ^) oft hcisst er auch absichtlich ganz unbestimmt, das »Laufid.
RennüiL* Der Fuchs wurde gefüttert, wie man Wind und
Feuer etc. fütterte, indem man ihm z.B. Kopf und »Krebnt einer
Henne auf einen Platz irn Walde legte. Eine Bäuerin in Hof-
kirchen ( Flausruckviertl ) ging von Zeit zu Zeit mit einem tHefn,i
worin Futter fur den Fuchs war, in den Wald, um es an einem
passenden Platz hinzulegen ; sie sagje dabei sogar einen Spruch her.
Wenn man unterwegs zufällig dem FucTrs'ifr 'dte Nähe kam,
pflegte man ihn gerne anzureden und zwar am liebsten mit dem
Namen > Hansl. ■ Man fürchtete nämlich, dass er, wenn man seinen
eigentlichen Namen nennte, ins Hau^ kjlme und sich über die
Hühner her mache. Doch wusste man auch verschiedene Mittel,
sie vor dem blutdürstigen Feinde zu schützen. Man gab ihnen,
wenn sie, als (lübnchcn , das erstemal ausgetrieben wurden , eine
Fuchsleber zu fressen, oder stutzte ihnen am Faschingsonntag vor
Sonnenaufgang Flü^eljund Schweif. Auch gab man ihnen zu dem
Zwecke Habgr zu fresseji, der mit dem Blut eines während der
Karfreitagpassion gestochenen , schwarzen Lammes war besprengt
worden. — Hatte er dennoch eine Henne gestohlen , sagte man :
»Gsögn Got, gsögn Got!« Er bekäme davon, so glaubte man.
') Belderer von bclderen, l>cUon.
*) Bei Prechtet dacbie scheu Höfer an den Knecht Roprocbt, dessen Stelle
hier su Lande am Niklatag der Ntkolaherr vertriU. —
77
einen Grausen und bliebe fortan aus. Auch seigtejoan^ihm den
nackten, damit er_»abEeirote.« —
Zugleich war der Glaube verbreitet» dass manche Leute, be*
sonders die Jäger, den iFuchs schickem könnten: natür-
^ ^. ^ • — "^"^
Keher Weise verstanden solche auch das Gegenlheil. — Wenn
nachts in der Nähe des Hauses die •Fuobszöoaf *) (Allmünster)
seilet, stirbt baldjtmand aus dem Hause, oder du hast sonst Unglück.
•Schau, dass dich der Holzfnebs oicht hoU,i sagt man im
InnviertI su jemanden, der dureli einen Wald muss. Auch den
Kindern droht man* mit dem Hohfuchs, wenn sie in den Wald
laufen wollen ; dieser erwischt und frisst sie. -^
•Fuchswild, fuchsteufelswild sein. D* Fuchswildhaubn ^) aufha-
ben,! sind gewöhnliche Redensarten. Schuhe von Fuchsleder bleiben
untertags zu Hause und gehen bei Nacht aus. Von einer Höhle
unweit Grünau, der •Gugälös-, Gugilutzkirii heisst es geradezu,
der Teufel habe einige Zeit darin bei Tagesweile als Fuchs
gehaust, —
Redensarten. Dieweil man ön Fuchs nennt , dieweil
kimmt ä grent. — Wo da Fuchs s^ Gligä hat, da stilt 4 koan
Hen. — Ich bin ä ghöztä Fuchs. — Der Fuchsschwanz hengt
eam au4. — Oessn neddi, äs wie wan da Fuchs ä Mukn facht. ^
3) Geiss. Sie zjght Krankhjsitea-an sich.
Redensarten. A nedligö Goass. — Blsingigö Goass,
Schlekgoass. — Schocidigoass. Dreizöäh Schneider bahnt Virzöäh /
Pfund, So össnt A Goass ön ä Halbn Virtlstund. — Sist kimt
eam s' GUk äf da Goass gridn. —
4) Hase. Sein Angang bedeutet Unglück. — Wenn wäh-
rend eines Begräbnisses ein Hase über den Gottesacker läuft« er*
henkt sich bald jemand aus der Pfarre.
^ Fachsweibehen.
*) Mkon (Ue Farbe des Fuchses erinnert an Thorr. Die eben vorgeföhrten
Redensarten aber mahnen noch oiaehtiger an seinen Asenzom , in wel-
chem er entbrennt, wenn er seine Gegner vor sich sieht —
*) Man sagt dies von denen, welche beim Essen, z. B. als GSste, gar zu
■ gsehimig« thun. —
7«
Wem man an Karfreitag tot der Seme eineo Hwen mhieart.
Balg und Blut in einen neuen Hafen gibt und oiesen in einen ge-
beizten Backofen seist, bis^ alles veibrannt oud zu Staub gewor-
den ist, so erhält man eine »Stuppt, wdehe eingenooiaien voo
Sand und Stein befreit. — Man sdiiesst einen MSrsenfaasen
und taucht in den Fetisch eineo Lappen ungeblejchjgi;^ rupfeoer
Leinwand, gibt biezu etwas Haar von den Läufen und raueberi
daroit7ie Körperstellen, über welche sieh^der Rotblau f ver-
breitet bat. — Hasenzäbne werden zahnenden Kindern ange*
^*^ II f I - -a^^».
hängt Schon aus diesem Heilverfahren kann man mil einigem
Grund darauf scbliessen, dass der Hase mit Thorr in Veii^iaduiig
stand. —
Redensarten. Döweil ma" ön Haan nent, kirnt i grenf.
— A Ros und ä Has Is in ü^gliksälögs As. — Da liegt der Has
im Pfeffer. — Ein furebtaamer Has. — «Koan heurigi Hast seia
/ — Jedn Häsl Wichst sef Grisl. —
5) Haselmaus. Das Thier, besonders der Schweif, ist
zu allerhand, vornehmlich auch zu Zauber nützlich.
6) Hirsch. Der Hirsch erlangt ein ungemein hohes Alter
oder vielmehr, er würde gar nicht sterben, wenn es nicht ge-
waltsam geschähe. Er kennt nämlich das «Kräutleim wider den
Tod. Als einst ein Hirsch Christum den Herrn auf sefn^nr Geweih
über ein Wasj.ex. ioig« gab ihnen dieser zum Lohne die Kenntnis
dieses Kräutleins. —
/ In der Sage von dem T qdte n r i 1 1 , wovon sich auch in
der Heimat mehrere Versionen finden, ""toramt der Todte, auf
eineqi^ Hirsche reitend, zu Liebchens Kämmerlein.
Redensarten. Springen, wierä Hirschl. — Dumm, is
wieri Hirsch.
7) Hund. Wenn man eines Geschäftes , z. B. eines Han-
dels halber vom Hause fortgeht , und es bellt der Hund des nächsten
Hauses , so gilt dies als ein gutes Anzeichen ^). — In den Rauch-
') OdhuD, der Sturmesgotft, ist auch der des Wunsches. —
7»
Dächten verkündet der Hund durch sein Gebell heiratbslustigen
Dirnen, in welche Gegend hin sie heirathen werden.
Wenn der Hund »weint«» so geschieht bald ein Unglück,
oder es stirbt jemand aus dem Haus oder der Nachbarschaft —
Frisst der Hund Grsis, so kommt Regen. — Hunde können «ge<»
ban ^^l«_werdjpja«.ju^ das» sie, macht «aa> auch einen noch so
grossen Lärm, wedex ^incn melden , noch einem etwas anthun.
Nicht bannen jedoch kann man die, welche von Natur aus einen
gestutzten Schweif ^ haben. — Man bannt sie, indem man ihnen
die Feige zeigt, den Mund schlicsst und nicht alhmet. Bann«-
formein sind: »Hund, du beiss mich nicht, Christi Fleisch, das
serreiss du nicht, das helf mir Gott der Vater etc.« Oder: »Hand,
mich hat Gott erscbaflen, auf dich, hat er nicht oder mr gedacht ^!«
Will man einen Hund bannen, (Ällmünster) so nehme man
etwas Brot^ oder Fleisch unter die «Ucrxn« und gebe ihm, wenn
es warm und »marbi geworden ist, davon zu fressen ; er geht
einem dann nicht mehr von der Seite.
Wenn ein Hund gebannt ist, (Altmünster) und du willst ihn
erschiessen , so lade Scbuhricmcn ins jGiQii^^r ; sonst bringst du es
nicht zu Stande. —
Einem Kinde, das «Hundsspr üngn« hat, Auswüchse am
Kopf, hilft man, indem man einen schwarzen Hund ihm dreimal
über den KapC springen lässL Ein schwarzer Hund, an dem auch
nicht ein weisses Härlein ist, kostet viel Geld; denn er ist gut
gegen das iHiiTraTTäd.« Ein solcher KriakfiC^cbäumt seriie
aus ^em Munde. Gibt man nun einem solchen Hunde^ ein Stück
Brot^as mit diesem Schaume benetzt ist, zum fressen, krepiert
^*^*^'' un4. der.Jiranke wird gesund. — Ein frischgeworfenes
Hündchen , Reichen Geschlechtes mit dem^&ind^» das die,Freis6
hat, wird in einem Backofen lebendig verbrannt und daraus ein
Pulver^ gewonnen etc. etc. —
*) Beides wird gehört ^
80
Kinderspiel: a) Kiufer; b) Verkäkifer; c) HundeL —
a) «Mein Herr Schickt mich her Ueber Dialei und Dom, lieber
Waizen und Korn, Und lasst fragn, ob keine jungen Run dl
mehr da sind zum verkaufen, b) Es sänd schon noch eine da,
aber noch zjung zum Laufen« a) Wans nur übern Haek-
stock springen können, b) Das mögns leicht verrichten, a) Ib
wird ge* heimgehen und wirs mein Herrn sagn. b) Bleibt der
Herr nur da (repet.) Ih ha*" mürs scbo" widä anders dacht, der
Himmel ist blau, die Erde ist grün Und der Schmalz-
kocblöffel liegt Atn Ueerd. a) Was essens gern? b) An
Schmalzkoh. a) Und was trinkcns gern? b) An gsotnen
Wein, a) Und wo Schlafens gern? b) Im Federbett a) Wie
beisst er und wo muss man'n nehmen? b) Bei der klein
Zechen.« Und so führt der Käufer das benannte Hundel bei
der kleinen Zehe fort. — Das Spiel . beisst das Hundelspiel und
CS sei hier nur bemerkt, dass sein Name, dass Hackstock^ Scbmak-
koch , gesoUnox' Wein , Fedecb/^^* dass selbst die kleine Zehe
mythisch b«4^utsam sind.
Redensarten. Um mich schaut sich kein Hund um. —
Damit lockt man koan Hund van Ofn fürä. — Von sehr schlech-
tem Wetter beisst es, es stürme so arg, dass man keinen Hund
zur Tfaür hinausjagen ntochte. — Mich fricst wierän Hund. —
Oan Gwand ham, wie dA (fund oan Haut. — Wartn, wie da
Hund äf d*Schleg. — Hciln wierä Ködnhund. — Afn Hund kemä,
— Dö ersten Hund trenkt mä ge'^n. — Liegn, lügen wierä Bum4l,
gstuztä Hund , reotä Hund. — Umäschwoafln wierä Hund. — Abi-
beudln (etwas, z. B. eine Rüge), wie da Hund Fleh. — Wie da
Hund ön Flehn. — Da liegt der Hund begraben. — Hundshar äflögn.
— Da greoss Hund is sän Vödä. — Nöd an iedä Hund hoast
Brändl *). — Ein Leben haben, wie ein junger Hund. — Vil
Hund sänd s Hasn Teod. — Sih vätragn, wie Hund und Kaz. —
') Unter verschiedenen Benennungen, in verschiedener Gestaltung tritt oft
derselbe Gegenstand, nSuüicho Fall auf. — Brindl ist ursprünglich ein
Name rother Hunden
81
Wan m^ on Hund if d'Sau wirft, so baisst i*s nitnä ^). -^
Os schroekt iem, wier on Hund s* Hicbllekä. — Win da Bumil
mil'n Geld kimt^)!
8) litis, das »Oltis.i Wenn sich in einem Hause und
zwar in allen Räumen desselben plötzlich ein cigenthümlicher Ge-
stank verbreitet, wofür man keinen anderen Grund anzugeben
weiss, so sagt man: »ös hat so s Öltis umdriht.t Daher auch
• Stingi, wier in öltis.«
Es heisst auch, dass es (Höfer I. 180) das Weizen eines
Messers auf Steinen nicht ertragen kann und hiedurch gereizt
wird, aus seinem Sehlupfwinkel hervorzukommen.
9) Katze. Geht die Katze 9roal ums Haus, so wird es
brjrmfin. — Das Haus, in welchei« eine dreiförbige Katze ist,
kann niijht abbrennen 3). —
Wenn die Katze »weint«, stirbt bald jemand aus dem Hause
oder der Nachbarschafl. — Wenn sich die Katze putzt, hat der,
welcher sie darnach zuerst ansieht, Unglück. —
Wenn sich die Katze »auszwiht,i d. h. die Pfoten leckt und
um das Maul sich streichelt, »kommt bald wer schöner. • — Wenn
sich die Katze »wascht,« kommt den Tag über wer schöner ins
Haqs, oder auch wer seltsamer. — Ein Mädchen, das die Katzen
nicht mag, bekömmt einen räudigen Mann; — hat es die Katzen
gerne, kriegt es einen ^uten Mann.
Man seh eujt sich, eine Katze umzubringen; wer
es thut, verfällt einer auszehrenden Krankheit oder wird sonst
ungUicklich. Man trägt daher auch die neugeworfenen Jungen,
kann man sie im Hause nicht brauchen, heimlich in fircmde Hau*
s^r , häufig sogar über ein flicsscndes Wasser. Auch soll man
1) Zu arges Hetzen (eines Menschen auf einen andern) verfehlt der beab-
sichtigten Wirkung.
*) Scherzhafte Abweisung.
^ Sie ist das Abbild der Blitswolke selbst. Die drei Farb^
rolh und weiss. —
82
eine Katze nicht innerhalb des Hauses verenden lassen; sonst
müssen noch zwei Hausthiere daran.
Eine Katze hat 9 Leben. — Die Katzen ibet em, wenn
sie gut gelaunt, ein behagliches Schnurren hören lassen: »Nuss*
b^m^J(e*schbäm , rau* — rau" — rau^ Nussbäm eic etc.« ').
Redensarten und Räthsel. Kaznaugn bam. — Kam-
freindlih sei". — Kaznbugln. — Schmeichlädä Katz. — Dös bringt
ä Kaz um. — Sih wüern wierä Kaz. — Streidn um di Kaz sän
Schwoaf. — Dös macht da Kaz koan Bugl. — ^ringt d*Kaz auf
dö ahn Füess ^). — Eam lauft d*Kaz mit dir Ein dava"^ ^. —
Drum herumgehen, iwie d*Kalz um A Brei^.t — Brumd, wieran
aldi Kadä. — An Grant ham, wierä Iragädö Kaz. — Viliebdi
Kadä. — Die Katze kriegt Heu ^). — Afn Kazntischl sizn. — Wer,
nachdem er bereits zu essen aufgebort hat« wieder anfängt, der
muss »der Katz« einen Pfenning geben.« — Von einem recht
zerlumpten Gewand sagt man, es hat so vi! »Lukärn,« dass neun
Katzen darin keine Maus fahen könnten. — Die Katze heisst auch
■Mu*l« oder »Mutz, Mutzäl.« Mutzdl wird als Schmeichelwort auch
auf Menschen angewendet. »Mu'lsaubä.« — >Oan s Mul detn.« —
Gebt um und um ums Haus Und hat An Bindgartn in A seh. —
Die Katze und ihr Schweif. — Oben schwarz, unten rauch«
»0 weh, sagt das Rauch, Het ih das Schwarz in meP Bauch!«
Die Katze, welche im Raucbfang «schwarzes«, d. h. Selchfleisch
ersieht. —
10) Maulwurf. «Scher.« Die »Sehern« haben ein sehr
zähes Leben , so dass nicht leicht jemand im Stande ist, einen
zwischen Zeigefinger und Daumen zu erdrücken. —
') Wenn die GewiUerkalzc, die Gewitterwolke, getödtet würde, müsste das
Weltall selbst auszehren. — Bau", rauT etc. geht auf den Donner. Nuss-
und Kerschbaum, von diesem heisst es in Rindcrlicdem oll, dass er
»brinnid» wird, auf die blitaflammende Wolke. —
') Es ist die Sache trotzdem wieder die alte, dieselbe. —
*) Es fehlt ihm das Mass zu seinem Thun; es ist daher völlig verfehlt
^) Mit diesen Worten heiast man hie und da Kinder sich eotfemen, wenn
Unschickliches geredet wird. —
88
9
Wenn daher jemand mit der Jland einen lebendigen Maul-
vind erdrückt^ so kann er mit ihr auch den >Beiser,i oder das
iBcisidi ^) erdrücken. Oder: wenn man einen Maulwurf so lange
in der rechten^ Hand hält, bis er abstirbt, erhUlt man die Gabe
den »Wiirmg IM tSdten. —
Wenn einem auf dem Weg ein ■ Scher« unterkommt, so
löse man das Strumpfband und lass* ihn darüber laufen. —
(Handschriftlich.) Wenn ein Scher aufwirft, .so breit ein
neu gewascheji^&Jjlchl auf, dass derselbig das Koiir^ti«rauf wühlt.
Nimb alsdann solches Koth. Wenn du Kugeln giessen willst»
nimb unter jedweder ein wenig dieses Kothes; so schiesst du mit
solcher Kugel hin, wo du willt. —
Blutungen stillt man, indem man sich ein Söckchen um-
hängt, worin sich dTcTorderpfole eines zwischen den Frauentagen
gefangenen Maulwurfes befindet; doch muss der, welcher dies
Mittel anwendet, dem Thierchen die Pfote abgebissen haben.
11) Maus und RsTucrDie Weibsgersoju, jy eiche eine
Haus tödlet , hat beim Brodbacken Unglück. —
Am N i k 0 s i l a g ^) liann man , indem man gewisse Zeichen
an die Thüre schreibt, alle Mäuse und Ratten aus dem Hause
treiben. --
In Freistadt gab es einst so viel Mäuse und Ratten, dass
man sich gar nicht mehr aus wusste. Da trug sich ein •Halter«
an, das Geschmeiss zu vertreiben. Er stand auf den Marktplatz
und blies in sein Horn. Je länger er blies, desto mehr Mäuse
und Ratten krochen aus Mauerlöchern , Kellerfenstem u. s. w. her-
vor. Endlich zog er blasend aus der Stadt, das Ungeziefer ihm
nach, bis er an einen Teich gelangte. Da watete er hinein, so
weit er konnte; sie schwammen ihm nach. Endlich hörte er zu
blasen auf, und die Schwimmer versanken. —
*) Den sogenaonten »Wurm« im Pinger. Der im Innern der Erde wüh-
lende Maulwurf gilt als ein Abbild des im Finger wühlenden, beissenden
Wurmes. -^-
*) Wahrscheinlich Tür Nikasias. -^
84
Räthsel. Is not z*greo8s, is not K'kloaa Und bal Augn
-wierti Funkelstoan. Die Rattc *). —
12) Schwein. Der Angang desselben verheisst Glück. —
Dagegen hetsst es aber auch : wenn man eines Besuches halber
von Hause geht, und es begegnen einem zuerst Schweine, so ist
das ein schlechigä^ichen ; begegnen aber einem Schafe, so wird
man freundlich aufgenommen. So man von SeTnveinen träumt,
bedeutet es Streit —
Im Schädel des Thieres finden sich, .dip 2 »Froas-t oder
auch «Wirflboa'l«, welche die Preis und den Wirfl verhindern.
Sie heissen auch »Wögweisdrit, weil derjenige, der sie bei
sich trägt, niemals den rechtea Weg verliert. —
Redensarten und Räthsel. A Sau mach» , Sau
habn. — Gehnt eanö neunö ön Bah waschn , ^(ode^f-auch) durih*8
Wasser , Und wtl nur oa^s dava" nass. Das^ iiücbtige Schwein.
') Ratte oder Maus, sie darf hier wol identisch mit ihm genommen wer-
den , ist mitunter als Bild des Blitz ^~ Licht = Lebenfuukens zn fassen.
Darum beisst ein Müuslein am St. Gertrudstage der Heiligen den Faden
am Rocken ab, und diese fängt zu g^rteln an. Daher soll man, wie
Rochholz mitthcilt, einem Kinde, das mit offenem Munde schläft, diesen
schliesscn, damit nicht die Seele in Gestalt einer weissen Maus ent>
schlüpfe; daher bekreuzt sich auch bei uns so mancher, der gähnt, den
geöffiietcn Mund; gebraucht man, basonders kleinen Kindern gegenüber,
80 hlufig liebkosend das Wort Maus, wie man etwa sonst sagte: »Mein
Leben!« Darum hat die Magd, welche um die Zeit des Störibackent
eine Maus umbringt, beim Backen Unglück. — Ein Kinderreim sagt
. »Kriecht & Mausurl Üb^s Uausirl, Wo Ihuets rastn? In Kindol sein Herz-
kasleu.« Der Uerzkasten ist als Sitz des Lebens angesehen. — Oder:
»Der Mann auf der Leitn Hat Kraxn auf der Seiten, Da kommt der Sturm
und der Wind, Dass er über d'Leitn hinabspringt. Da kommt die Maus
/ und hebt ihn auf. Dank dir, meine liebe Maus, Komm heut in mein
V HauS| In der Kuchl auf dem Brett steht in Kandl voller Meth. Mu1,
' Mu*l, Mu*l, musst aussi.« — Der Halter, der durch sein Blasen Mäuse und
Ratten in den Teich veriockt, ist Wödan, der Sturmgott, der die Seelen
aller Alter in seinon Zug aufnimmt. —
85
13) Wiesel. iMeamel.t Es »spürzet und pfuchzct,f wenn
man ihm nahe kommt. Das Volk nennt dies ^a n b 1 a s n. • Wen
»*s Mcamcl anblast,« dem schwillt der Kopif auf, oder er bekommt
die Krütze. — Jemand trat unterwegs zufällig auf eine »Meamel*
lukn« ; da schwoll ihm der Fuss so schnell an, dass er kaum
mehr nach Hause konnte. Man vermochte ihm sogar den Stiefel
nicht mehr vom Fusse zu ziehen; er musste vom Fusse geschnit*
ten werden. — Ja es heissl selbst, dass der Angeblasene oft so
anschwillt, dass er sterben muss. — Auch dass einer das Wisarl
»anschaut«, reicht schon hin, um geschädigt zu werden % —
Wenn man mit Haaren von einem Wiesel , das zwischen den
Frauentagen ge£angen wurde , das Vieh _xäuchcrt, schadet Ihm keine
Zauberei. —
Das Wiesel kämpft mit Schlangen. Ein Mann , der in
die Arbeit ging, musste über einen Steg. Da er aber mitten auf
ihm eine zusammengeringelle Natter erblickte , traute er sich nicht
hinüber und schickte .sich an , durch den Bach zu waten. Da
sprang von jenseits ein Wiesel heran , kehKe jedoch , als es die
Natter ersah, im Fhig wieder um und verschwand. Aber eben so
schnell war es wieder zur Stelle, mit einem grünen «Kräutl oder
Slräussl« im Maul und Hess dieses auf die Naltcr fallen, worauf
sieh diese entrollte und in 3 Stücke absprang '^).
Das Wiesel hört sich ungemein gerne loben; man
kann es hiemit sogar aus seinem Schlupfwinkel locken; so oft es
auch fortspringt, es hüpft doch wieder herzu und treibt hunder-
terlei »Schnaxn.« —
*) Alles dieses mahnt an elbiscbe Wolkcnwescn.
') Dürfte man etwa in dem Wiese! mit dem giüncn Kräutl im Maul ein
Naturbild der Frühlingswindc , Stürme erblicken, welche die zusammcu-
geringelte Schlange, die annoch verschlossene Gewitterwolke sich ent-
rollen machen? Das Abspringen in 3 Stücke deute ich auf den Blitz.
Ich halte auch Uöfers Erklärungen des Wortes »Me^mel» hieher: Weib-
chen, Mütterchen, italien. donnola, oder ein rauhes, rürohlerliches Thieri
von mummen, vermummen.
86
Es ist überhaupt sehr gescheit und versteht mcht selten
sogar, was die Leute redeTi. — ^nErnst'stiesseh Mäbder auf ein
fWjesdnest;« sie nahmen die Jungen aus und spielten eben da-
mit , als die Alten dahcrsprangen. Es sehen und zu dem Wasser-
krug laufen , welcher in der Nähe stand , und hineinblasen war
eins. Nach einer Weile setzten die Mähder die Jungen wieder
unversehrtju}^ Nest» und nun sprang ein^s^v^Jen Alten so lang
an und auf dem Kruge herum, ius...J2£.>umfiel uod in Scherben
zerbrach. (Windisobgarsten.)
Je weisser das »WisU im Auswärts ist, desto mehr Schnee
gibt es noch. —
Redensarten. Wierä Wisl. Meamcigschwind. — Hat
dich was anblasn? —
14) Wolf. Wer vor Sonnenaufgang über eine Wolfsfährlc
geht , der bekommt ^eiiMm Wolfshunger. — Auch meinte man, der
Woir habe nur einen einzigen Darm , welchef von dem Ausgang
des Rachens bj^X'^ji/^m After reiche.
Redensarten. fFrössn, Hungä« , oder auch ein Gebiss
haben, wie ein Wolf. — Da Wolf frisst Schefl und oils. — Wer
vom tBram- und Hcidl- oder Seh warzberössn« stark geschwärzte
Lippen und Zähne hat, der hat >ön Wolfn zrissn.« —
15) Gemeinschaftliches. In der Mitternachlsstunde,
welche dem Tage der Geburt des Herrn vorangeht, wird das Vieh
-----
m den Ställen unruhig, erhebt sich vom Lager, um die Freude
über die Geburt des Herrn auszudrücken ; Ochsen und Pferde
reden und weissagen sogar. — Auch das Slampfen^iific^crde gilt
*n dieserT^^acht als vorbedeutsam. —
Wenn jemand schon krank liegt, und es läuft an dem Hause
in der Nacht eiji fuchs, Hase oder Wolf vorbei,. .so stirbt der
Kranke. —
16) Fabelhafte Thiere. Das goldene Heinsl. Am
Vorabend vor Weihnachten sehen Kinder, bis 10 Jahre alt, wenn sie
bis JJUhr^filittags^^efastet haben, das goldene Heinsl % welches
*) Das Pferd ist ein NaturbiJd der Soiineiibewegung. —
87
von einem Dache zum andern springt. — Es bringt den Kindern
AepteMin^JlSüitf^ —
Die Habergeis s. *) Man hört sie , besonders im Aus-
wärts, nachts aus den Haberfeldcrn ; sie plärrt wie eine Geiss. Sie
var auch im Gefolge des »Niklac und kommt als Schreckgestalt,
welche muthwillig nachgebildet wird, noch vor. Man nimmt dazu
eine Flache über sich und unter dieselbe 2 Stäbe, womit man
bald vor-, bald rückwärts, bald in der Richtung nach oben, bald
wieder zurück schiebt, so dass das im Mondschein oder nächt-
lichem Dunkel wandelnde Ungethüm den Begegnenden Hörner,
Kopf und Hals bald zu verlängern, bald einzuziehen und selbst
den Hinterleib mannigfaltig zu verändern scheint. —
Das Märzenkalb. Es geht im Märzen früh morgens
herum und Hingt die Kinder zusammen ; anderswo : es geht auf
sie los und stosst sie nieder. — (Rossbach). Um den Kindern im
Auswärtsjlaa^rsehnte Barfussgehen zu verleiden, sagt man ihnen :
Der iMärzenkadä« habe sich sehen lassen: der die barfuss
gehencTcn ^ipihx^aJtftsteche. Stirbt ein Kind in dieser Zeit, so heisst
es: »Seht, der oder die ist neulich barhaupt oder barfuss gegan-
gen ; jetzt hat ihn oder sie der Märzenkadä abgestochen. « —
Die Mooskuh. ^) Sie hält sich in »Wäldern« und »Mo-
sern« auf, hüllt nachts, d. h. sie stösst ein dumpfes Gebrüll aus.
Einst hiess sie auch M o s t k u h . und wenn sie zeitig im Früh-
jähr sich hören liess, hofTLe man auf ein gutes Mostjahr. In Win-
dischgarsten sagt man von einem »Moosbock,« einem gespen-
stigen Thier von ungeheuerer Grösse, mit langem Bart und mit
feurigen Augen, das nachts sein Brüllen hören lässt, besonders
an sumpfigen Waldplätzen. Wer sich erfrecht, sein Gebrüll nach-
zumachen, dem kommt es nach und nach näher und glotzt ihn
mit den feurigen Augen schauerlich an, verschwindet aber, wenn
man sich 3mal mit dem hl. Kreuz bezeichneL —
I) Sie ist ein Abbild der Sturmwolke. —
*) Die Rohrdommel, nräea $Mar, Un. Ist wol ils Naturbild der Frühliogs-
gewitter lufzufisseo. • Früher Donner, spater Hanger.« — »Früher Don-
ner, spater Dnrst,« könnte man hienach scherzend anfttgen. —
Der Vi eh seh ö Im. Er brüllt bei Tag oft schreckhaft,
wie ein Slier. Die Leute haben da einst gesagt, es komme baid
eine Krankheit über das Vieh. —
d) Vögel.
1) Bachstelze. Wer Bachstelzen beunruhigt oder ihnen
die Jungen ausnimmt, der wird ■ zitternd ;c eben so, wer ihrem
Rufe . pjijcbspAUeL in Altmünster allgemeiner: wer Bachstelzen be«
unruhigt, den trifft ein Unglück. — Und wieder : Zerstört man das
Nest einer Bachstelze, hat man Unglük durch Wasser zu befahren.
— Wenn man diesen Vogel beunruhigt oder tö Jfel ,' tritt Bach
oder Flüsschen etc^ aus. — Wenn die Bachstelrß^Jbt-N6»t hoch
am Ufer baut, ist eine »Güss« zu befürchten. —
R ä t h s e 1. Gebt um und um äfn Dah , Und hat ät\ Bind-
gärtn 5d Loh.
2) Elster, Älstä, Älstävogl. Sitzt eine Elster aufs
Haus oder in dessen Nähe und schreit viel, so kommt wer »mit-
nöoai ^) ins Haus, d. h. ein noch gar nie dagewesener, ganz Frem-
der. Anderswo heisst es, es komme da ein »Schörö,« Scherge,
Gerichtsdiener. —
Wenn die Elster kräht und man ist unterwegs, so kommt
man nicht weit vorwärts, hat den Tag über auf dem Wege noch
Unglück. Man spuckt darum zur Abwehi:^ aus oder scheucht sie
wo möglich aus dem Wege. (Sehr häufig.) Zur Elster, wenn sie
schreit, sollst du sagen : »Älstäkädärl, ih dank där.i Nachher schadt*s
dir nicht ! Wenn die Elstern viel schreien, so wissen sie ein Un~
glück voraus und »kägözn und lachn« vor Freuden. —
Wenn sich die Elstern auf die Mahd setzen, wird schönes
Wetter. —
Die Elstern gehören dem^ Teufel an ; er liat einmal wie
^ott Schwalben schaffen wollen, ist aber so widerlieh krächzendes
Gevögel daraus worden. Anderswo heissen sie geradezuJI-ßai-
') »Mit« ist hier d«6 ältere »it,« xurUck, abermals, gleicbsaui zweimal,
9^ ganz, völlig neu. — In unsenn Dialekt lautet es aocb wie »ie, ir;«
daher »irdniko,« d. h. wie<](6rkiiu^n, —
fels V ögel; sie haben aucb_ unter der Kofifhagt Hömlein , \fie
der Böse selbst. —
Wenn man in einen Baum , wo die Elster nistet, 3 Kreuze
schneidet^ , verlässt sie iha alspgleichr seihst wenn die Brut noch
nicht flügge ist. Sogar a^s der Nähe des Hauses kann man sie
auf diese Weise vertreiben. 0 —
Wer ein Elsternest zerstört, den trifft bald ein Unglück. —
Wenn man den Büchsenlauf mit Elsternblut wäscht, bekommt
sie einen guten Brand. — Die Elster lacht : Cha - ka - ha - ha - ka ;
cha-ka-ka.i Sic ruft auch: »Kommt wer schöner.«
3) E m e r 1 i n g , d*Ä m e r i n. Sie sLngt : • Sim Bauärn kä(
ih um koan Fist not.« Oder: Zi-zi-zi- z' Scbnid.« Im Früh-
jahr, wenn der Schnee geschmolzen ist, bittet sie den Bauern:
»Zi-zi-zi-zi ; Mässl Ha warn bis dfn Schnid hi".«
4) Eule, »Auf, Eifl.« Wo der Aufjauchzt, (InnviertI)
da ist der Teufel nicht weit. —
Der »Auf« (Attersee) schreit besonders im Frühling und
Herbst; hört man aber seinen Ruf im Sommer, so hat dies nichts
gutes zu bedeuten. — S* Eifl ist (Steinerkirchen) ein kleiner
Vogel, so klein als der Zaunkönig, der zu Häusern und Fenstern
fliegt und schreit: »Zöoh wök, zöoh wök, zöoh wök!« Sein Ge-
schrei kündet einen Todfall an. Identisch mit ihm ist vielleicht
das »Schafwigäl« (Altersee und ßuchkirchen). Aus dem Hause
(Attersee), in dessen Nähe es schreit, stirbt jemand, oder es ge*
schiebt darin sonst ein Unglück. —
Wenn das »Wichtl« (Mühlviertl), strix passer, Lin., sein
widriges Geschrei hören lässt, stirbt bald jemand aus der Nach-
barschaft, oder es geschieht sonst ein Unglück. —
Der »Stockauf« oder Todtenvogel, strix aluc. Lin.,
lässt seinen stöhnenden Ruf hören, wenn jemand aus der Nähe in
kurzer Zeit sterben soll. Hört man ihn also, soll man fleissig beten
') Die Waldweibcbeo finden (Mannhardt) vor dem wilden Jüger auf Baum-
stümpfen Schutz, die mit 3 Kreuzen bezeichnet sind. Die Elster stellt
sich biemit in Verbindung out dem Stunnesgotte. —
90
urid sich zum Tode vorbereiten; denn einer von denen, welche
ihn hören, stirbt gewies. —
Wenn der Auf im Auswärts jauchzt, dürfen auch die Tag-
werker jauchzen; denn es gibt ein gutes Jahr, besonders viel iMost. —
Der Aufjauchzt: »Juhu,« oder auch: »Juhu, wo bist denn ?■
Und die Aeufm antwortet: »Da bin ich.f oder: »Da kirn beMi
5) Fink. Er ruft, wenns kalt wird: »Slink, stink, stink !■
Sonst singt er auch : »Zi-zi-zi-zi ; da reit he* zucbä !< Der Berg-
fink oder Nikowitz heisst auch »Pienk,«, weil er singt :
»Pienk, pienk.t
Redensart: BHndHnk. »Siegst,« hat dd Fink gsagt Und
hat ön Spazn d* Augng ausghackl.« So erwiedert, wer eine ab-
schnappende Rede hören niusste, im Gespräch »aHrumpft« wor-
den ist. —
6) Gans. Am Martinitag VormiKags sind die Gänse
»frei;« jeder darf sie, wenn sie auf dem Felde sind, wegnehmen.
— Di« W i I d g ä n s e ( unteres MühlvierÜ) iiehmea Jüc Jause
mit und bringen sie wieder. —
Redensart. Rödn, wan d^Gens brunzen. ') - Kinder-
reim. »Was tragt die Gans auf ihrem SchnabI, Vetter Hans?«
»Messer und Gab! tragt die Gans auf ihrem SchnabI Vetter Hans,
Vetter Hans!« »Was tragt die Gans auf ihrem Hirn? etc.« »Ein
X j Schneiderknecht mit Nadl und Zwirn etc.« »Was tragt die Gans«
auf ihrem Kragn etc.? »Ein Fuhrmann mit Ros und Wagn etc.«
Was tragt die Gans auf ihren Flign, etc.? »In Federbett
wars gut liegn etc.« Was tragt die Gans auf ihren Füssn, etc.?
»Wer viel siindigt, muss viel büssn etc.« Was tragt die Gans auf
ihren Zehn, etc.? »Wer nicht fahren kann, der muss gehn etc.«
7) Gimpel. Wenn er zeitig im Herbste schreit , wird es
früh Winter. —
Der Gimpel zieht den Rothlauf« an sich. Dieses gilt auch
von dem Krummschnabel. —
•'^
') Gar Dicht, nie reden, oder zu reden habeiL «^
91
Als der Herr Jesus gekreuiiget wurde/ trauerten alle Vögel
Auch Gimpel und Krummschnabel legten ihr Leid an den Tag.
Sic setzten sich auf das Kreua und versuchten mit den Schnäbe-
lein die Nägel herauszuziehen. Im Eifer aber liogim die einen sich
hiebei denSchnat^krumm, während die Gimpel sich ihn stumpf
hieben; zugleich bespritzten sich diese Brust und Leib mit ro-
Ihem Blut. —
Redensarten. An Gimpel fangn , auf der Nase sitzn
habn. — Dummer Gimpel. —
9) Habicht, H a b i c h. Man findet sie häufig an Thoren
angenajgell. Der Bauer sagt, es geschehe, um andere aus der
Nähe derJHäuser^ju scheuchen. Auch mit Eulen geschTetit häufig
dasselbe. ') —
Der Name des Habichts wird nicht gerne genannt; man hört
meist nur den Ausdruck das »Flöogäd.« —
Redensarten. Sein gen einen, wie der Habich, wie der
»Stessl« auf d*Taubn, darauf sein wie ein Habich, d. h. auf etwas
fahren, losstürzen, voll Begierde darauf aus sein. —
9) Hahn und Henne. Wenn die Hennen abends lange
herum »basteln,« nicht heimkommen wollen, bleibt den folgenden
Tag schönes We 1 1 e r. Wenn der Hahn ausserhalb der Stube
kräht, wird oder bleibt es schön ; tbut er es innerhalb derselben,
ist das Gegentheil der Fall. Wenn der Hahn Nachmittags kräht,
wird schlechtes Wetter. —
Wenn die Hübner sicl^.„,>moldeln,« ..d. h, schütteln^^.dass
»d* Moldm herumfliegt, wird es grob. ^ —
Wenn die Hüener sich »segnen,« kommt eine ehrenwerthe
Pe rsonJa«--.Haus; »breiten« sie sich aber," ist^s ein lästiger Gast
(wird auch auf schönes und schlecKtes Wetter gedeutet.) Wenn
') Ks ist dieses ursprunglich zur Abwehr des Blitzes, des Einscblageiis ge-
schehen. Die Eule ist ein Naturbild des Blitzes. —
*) Diese Wetterprophezeiungen fliessen daraus, dass Hahn und Henne ein
Naturbild der Wolke, insbesondere der Gewitterwolke sind. Der Donner-
gott ist aber auch Lebensgott, Heilgott, segnet Keld und Stall und Ehe.
sie sich putzen und selbst beschn'äbeln , wird man xu Gast oder
Gevatter geladen. (Auch auf schönes Wetter gedeutet.) —
Wenn die Hühner »schnibbern.t d. h. den Schnabel mit
dem Fusse kratzen, so kommt bald jemand Fremder. Dasselbe ist
der Fall, wenn die Henne mit dem Schnabel zwischen die Spros-
sen der Steige anschlägt, besonders wenn sie es abends thut —
Wenn die Henne einen Strohhalm unlci;_dem Schweife hat,
so stirbt noch irT derselben Woche jemand in der Nachbar-
schaft. ^ In der Thomasnacht fangt man im iinstcrn Hennen aus
der Steige um zu erforschen, ob man im nächsten Jahr sterben
wird oder nicht. Wenn der Hahn am Fastweiboai^Msiaf^ auf einem
Wagen Lräht, führt man bald darauf. einen Todtcn. Wenn jemand
nicht sterben konnte, stach rnan vor sciacn . AjiJg£a^^inem Hahn
den Ilals durch. —
Wenn die Hühner weit von den Häusern weg Futter suchen,
kommt Hunger ins Land. —
Auch mittels des Eies erforscht man die Zukunft, und
eine Zeit lang in der Achselhöhe jgetragen, befähigt es zum Schatz-
graben. Jedoch, setzen einige hinzu, muss ein solches Ei, das
zum Schatzgraben tauglich sein soll, von einem Hahn gelegt sein.
Krähende Hennen sind Utiglücksvögel ; sie krähen um
Feuer oder schreien nach einem andern Unglück, welches bereits
soluniiaTie ist. Man soll ihnen daher auf der Stelle jlcD. Kopf ab-
hacken. Darum auch der Reim: »Wan d* "Hen mehr schilt als
da UahVlTnd s* Wei* mehr gilt, als da Man, da ist*s nimä guet.« —
Doch auch als H o c h z e i t s v o g e I galt der Hahn. Darum
gieng einst der Hochzeitlader mit einem Hahne daher, welcher mit
den Füssen an einen Stecken gebunden w*ar. Um so leichter bo-
greiflich erscheint es auch, dass das Alter der Hühner, weiche man
in der Fastnacht im finstern aus der Steige fmg, das Alter des
Zukünftigen bestimmte. —
Hin und wieder erzählt sich das Volk von dem »Hühner-
geist.« Zur Nachtszeit, wenn die Hühner in der Steige sind,
wirft CS sie oft, besonders die schwarzen, aus dieser heraus, wenn
sie auch noch so fest sugemacbt ist. Dies thut der Hühnergeist,
es
der nicht früher Ruhe gibt, bis kein schwarzes Huhn mehr dar-«
innen ist. (Innviertl.) — Der Hiihnergeist wirft die Hübner in der
Steige so herum, dass sie auf das kläglichste schreien und am
Ende gar wie todi daliegen. Wenn die Hübner nachts in der
Steige ein »Geblöd^« machen, ist der Hühnergeist unter sie ge-
fahren; man vertreibt ihn mit iWeihbrun.c —
Eine schwarze Henne muss auch der , welcher kreisstehl^
wenn der Teufel erscheint, ihm vorwerfen. —
Gegen das ■Hinfallende« wallfahrte man noch im vorigen
Jahrhundert nach Wallern und opferte daselbst einen schwarzen
Hahn. Er ward, während man in der Kirche betete, an das Freit«'
bofgitter angebunden» —
Die Hühner rufen, der »Gigg^l oder Ha": >Gi-ka-ri-hi<-i-i;«
die Henne, wenn sie ein Ei gelogt hat: »Da - da - da- da - lata.«
Oß auch »greinen« sie einander aus und sagen : »Geh, geh, geh,
geh, geh, geh.« Die Küchlein rufen: »Dieb -Dieb- Dieb !«
Redensarten und Räthsel. Nah earn krit koan
Ha\ — Mei' Hendl ! (Kosend) — So brav wicrä Hendl. -— Drein-
acliaun, als wenn einem »d' Henä s' Breed gnum4 hcdn.« ^) -—
Ha"* sä" ön Korib, äf säo MisL — Biha". — Lohhen. —
He"armandl ( man schilt kleine Buben so. ) — Schäldn, steign wierä
Ha". — Wierä Hä" in da Balz. — Ausschaun, wie d* Hen hintim
Schwoaf. —
Veor wierä Rifl, Hint wierä Sichl, Bä da Milt wierä Fass,
Rat, was is das ? ~ Hint wierä Sichl, bä da Mitt wierä Budäfassl,
veor wierä Fenstästock. — Veor wierä Kämpl , bä da Hilt wierä
Wämpl, Hint wierä Sichl, Rat mei" liebä Michl!« — Der König
aus dem Wälischland, Schwarz und weiss is all sein Gewand, ein
bürnäs Maul und ein fleischärn Bart : Wers nicht weiss , erratb*8
gar hart. — Es ist ein Mann von Riggengiggen, Hat ein Kleid aus
tausend Stücken , Hat ein beiners Angesicht , Seinen Namen sag
ich nicht. — Es ist ein Mann von Duk , Duk , Duk , der hat ein
Kleid von hundert Stuck , Einen beinernen Kopf , einen federnen
') Sich gar nicht zu helfen wisMo, gaos UDbeholfen sein. -^
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Bart, Es ist ein Mann von allerlei Art — Geht um und um ums
Haus Und bat & StoanI Ön A*scli. — Eitrag^ende Henne. —
Wer si'iid die ersten Vorbothen Gottes? Der Hfthn, weil er
ki^bt: »Cbrist ist geboren.« Der Tauber, weil er ruft »Wo?«
' Und der Ziegenbock, weil er schreit: »Z* Bethlehem!« —
Ein Müllner muss 3 Dinge haben: einen Haushahn, einen
Flaushund und eine Mühle. »Der Hahn sagt: Os is, is, is, is i
Die^ in^Haus ! « Der Hund fragt : »Wo, wo, wo?« Und die Mühle
antwortet: »Da Milnä, da Milnä!« —
10) Kibitz. Es lieisst von ihnen, dass sie »verwunschene
Jungfern« seien.
11) Kirschpirol, »Vogel Fiaus.*)« In Buchkirchen
nennt man ihn auch : »Guglvacbaus.« Er gilt als der späteste Som-
mervogel; schreit er einmal, so bleibt es M'arm. •— Mit dem Gelb
oder Gold seines Gefieders hängt es wol auch zusammen , dass
man, fliegt er gegen Häuser uiul Scheunen, Einschlag;en..uud. Schauer
besorgt j man setzt ihm daher auch, lUsst er sich in der Nähe
eines Hauses sehen ^ auf alle mögliche Weise zu , um ihn wieder
daraus^ ztL^yertreiben. — Um Altmünster heisst er geradezu der
»Schauervogel;« wenn er schreit, setzt es Schauer ab. —
Er schreit: »Vogel Fiaus, Treibfs d* Kölpä und Küeh aus!« ^
Oder auch: »Is da Bach g*a töof.« Nach Regen schreit er, wenn
er sagt: »Gigigaglöo, Bugl ablöo,« oder: »GigIgagM - BIdo dar
ön Bugl a.i
12) Krähe. »Kra^« Wenn man auf dem Wege ist und
hört in der Nähe den Ruf einer Kran, so sage man: »Dank dir,
Kran, Wan*s mich geht an ; Gehts micb nöd an, So flieg davan !«
Oder auch: »Dank_dir.Knr, Wans d* i Giik- woaai« aa schreist,
Wan iJJngliic^sa schweigst!« Auch so mil man entgegen: »Dank
dir Gott, Kran; Wenn es mich angeht, kräh mich nochmal^an!«
Thut sie es, so hat man gewis GIücIl zu erwarten. Ran~sagt auch:
»Kral, Kra'l, grd^t dir dein Speis, Grat mir das ewige Himmel-
') Wol aus dem nicht mehr verstandenen »Gugolfinua« entstellt. —
*j Daher vom Volke als >Viebait8« gedeutet —
n
reich.! Der Ruf der KrShe bedeutet darum GlüdL^jivejl^er lautet:
»Grat, grit,« d. b. es gerath, gerätb. — Eine Krähe, wenn sie
sich auf das Hausdach setzt, verkündet eben angenehmen, glück-
bringenden Besuch. —
Wenn die Kraben im Herbste sich sammeln, so heisst es,
sie »^alten^Jloch;;cit ;« je grösser die Zahl , je höher der Flug,
desto glücklicher das Jahr. —
Wenn sich die Krähe auf die Mahd setat , zeigt sie schlech-
tes Welter an. —
>Kra"'wafni bringen dem Jäger Glück. Mancher tnig sie da-
her best^dig bei sich. —
Wird e[n Schwein geschlachtet ( SteineHurchen ) , so thut
man ein gewisses Stück Fleisch auf die Seite und hängt es an
einen Baum auf. Die Leute nennen es daher auch .»Kra'fl eTsclLc
Man nimmt eine M ä r z e n k r a" , d. h. eine im März ge-
schossene Krähe, dörrt die Leber und gibt sie den jlidgen Huhn«
chen undliänschen zu frcssen7^amit sic^ »i^^hts« fangen kann. —
Die Todtenkra"^ eorv. com. Lin, Wenn sie ihr »W^eh«
ruft, stirbt bald jemand aus der Nähe; schreit sie 3mal, geht es
einen Mann , wenn nur 2mal , ein Weib an. Man bekreuzte sich
daher einst und betete, dass man in keine Todsünde falle und
auch um Abwendung anderen Unheils. In Altmünster spielt neben
der grauen Krähe auch die Mandelkrähe diese Rolle. — *
Der Ruf der Todtenkrähe lautet und zwar traurig und ge-
zogen: iWeb, weh, weh!« Oder: > Auweh, auweh !• —
Redensarten. Wan d* Kra" an bössirn sizt , aft floigts
dava". — »Oan Kra' hakt dir anärn d*Augng nöd aus.« —
13)Kukuk, «Gugu, Gugä, Gugitzer.« Er schreit
nicht eher, als bis der Haber grün wird. Insbesondere wird Georgi
als der Tag genannt, an welchem er zu rufen anfängt — Eine
Blume, lychn. floi, Liti. , welche um die Zeit, als er ankommt, zu
blühen pflegt» heisst daher auch Gugitzer Blüemel. —
Auf hört er, wenn er den Wiesbaum fallen hört, oder das
erste Mandl auf dem Komacker sieht Hört man ihn das erstemal
im Auswärts schreien, so soll man auf einen grünea Wasen ste-
dl
ben; man stirbt dftnn'das Jabr nicht. — So oft er aaf die Frage:
«Gugötzür üf dar öm (Ebene), Wie lang last mib noh löbn ?c
tGugu« schreit, so viele Jahre lebt man noch. — Mädchen er-
fahren auf dieselbe Weise auch die Anzahl Jahre, nach welcher
sie heirathen werden. —
Schreit er das erstemal und man hat eben kein Geld bei
sich, hat man das ganze Jahr keines und umgekehrt. Man pflegt
daher auch , bat man Geld im Sackef, dasselj!)je zu schütteln, und
hofll, dass es sich sodann vermehre. —
Wenn man den Kukuk das erstemal rufen hört, soll man
darauf achten, ob er v o r oder hinter einem ruft. Schreit er
vor einem, so geht es mit einem das Jahr hindurch vorwärts und
s. f. In dem Büchlein »Aufrichtiger Unterricht u. s. w.,c ist die
Rede , dass man damals , wenn man den Kukuk zum erstenmal
h5rte, etwas unler dem Fusse suchte« Dies bringe, meinte man,
Gföck. —
Wer dem Gugitoer nachspoltet, bekommt die »Gugl- oder
Gug^schokn.« —
Man glaubt auch von ihm, dass er Vogeleier raube und sie
austrinke, und sagt daher, er höre zu schreien auf, »wan d* Vögl
s* Lögn heng^nt,« weil er da keine Eier mehr bekomme. —
Selbst das heisst es von ihm , dass er nur das erste Jahr
ein Gugitzer ist, sodann aber ein »T a u b n s t e s s 1, Habichte wird. —
Dcr'Gugu schreit: »Gugu, Gugu« und das Kind antwortet:
»Tscha, tscha; tscha, tscha.« — Das Guguspiel der Kinder ist
allgemein bekannt. — Ein Reim lautet: »Uintä (d. h. inti) da
Hoilästaud" sitzt da Gugu; ih het dö ga'bal* nöd kennt, bistäs
den du?« —
Bruchstück eines Kukukliedes.
1) Der Kukuk sitzt wol auf ein Ast,
Wenns regnet oder schneibt, so wird er nass,
Kukuk, Kukuk, Kukuk, Kukuk, Kukuk, Kukuk I
2) Und er weiss schon, wanns gut wandern ist,
Im Sommer, wanns schön warm ist.
Kukuk, Kukuk, etc. etc.
•7
3) Der Kukuk fahrt vors Goldsehmidhtus,
Goidscbmid, bist drin, komm selbst heraus !
Kukuk, Kukuk, etc. etc.
4) Mach mir ein Ring, ein Ring von Gold, ^)
Steck ihn mir an, an die rechte Hand!
Kukuk, Kukuk, etc. etc.
II) Meise. Sie singt : iZixibeT - zizibe" - nzibe* - zizibe'
zizibe".! — Oder auch: iZi-zi-zi Muschgäblüeh , Muscbgäblüeb,
Muschgäblüeh. « —
Die »Bemmoasn,« par, pabatf, lin. Sie singt uad zwar
hastig: »Zi-zi-be\< Die Kohlmeise, par. ma^or, Lm.; der
lustige und wiederholte Pfiff dieser Meisenart ward »Schnudmichel«
und ein anderer schleifender Gesang, der ab noch vornehmer galt
»Sagfeiln« genannL —
Redensart. Eine rechte »Spermoasn«, d. h. recht mager
sein, schlecht aussehen. —
15) Der Moosschnepf, scolopax galUnag, hin. Er gibt,
wenn sich das Wetter verändern will , im Fluge einen Laut von
sich, der dem Geschrei der Ziege nicht un'ähnlich ist. —
16) Nachtigall Ihr Nest verleiht dem, welcher es bei
sich trägt, die Gabe der Uosip)itbarkeit. Jedoch es ist sehr schwer
zu bekommen; denn es findet sich, wie die Nachtigall überhaupt,
nur selten und ist ^selbst uD^üchlbar. Man kann nur in seinen
Besitz gelangen, indem man in einen Bach schaut, an dem Eden
stellen^ und das Nest erspäht, wie sich*s im Wasser spiegelt, und
Ast und Zweig sich genau merkt, woran es sich befindet. —
Redensart. Singä wierä Nachtigal.
Bruchstück eines Liedes.
1) S* sitzt ein kleins Vögerl im Tannäbaum,
Singt allweil, fispelt und pfeift;
1) Man hat hiebei an das Sonnengold zu denken, welches der ankommende
Kukuk mitbringt, oder an den von dem Gewitterschmiede verfertigten
Goldring. Der Regenbogen heissl dem Volke noch HimmeUriog. —
7
98
Ei, was muess das für ä Vögerl sein?
•Es muess ein Nachtigal sein.«
2) lEija, das ist ja kein Nachtigal,
Eija, das derfst ja nit glaubn;
D' Nachtigal sitzt auf kein Tannabaum,
Schlaft in efr Haselnussstaudn.fl
17) Pfau. Die tPfahnfedern« (die des Schweifes) halten
iSchaben und Maucken« ab; man legt sie daiher^gernezu Wol-
len - oder PelzEieidem. —
18) l\ ab e. Es wird hier gleich voraus bemerkt, dass höchst
wahrscheinlich unter diesem Namen nicht selten die Krähe, corv.
conüx, gemeint ist und somit unter verschiedenen Namen ein und
derselbe Vogel auftritt. —
So die Raben in den Wäldern stark schreien , so bedeutet
dies ein starkes Donnerwetter. —
Wenn ein Rabe »kräht,« sagen die Schiffleute (Viecbten-
stein) BWinsch dir an teodn Hund, weiFs gräl!« <) —
Wenn der »%t a'vogi« "sich hören lässt, soll man sich be-
kreuzen und beten : >0 Gott, gib uns das ewige Leben und dem
Rabeii einen todten Hund!« —
Der Rabe, Mahnvogel ruft: >Grab^_Grab« und mahnt so an
die Kürze des Lebens und die Vorbereitung fur die Ewigkeit —
Der Ma'vogl warnt auch : »Gib - acht - gib - acht !« Man
nehme aus einem R.^b^ennest das mittlere Ei heraus und lege
an dessen Stelle (was gab der Kriminalakt aus dem Kremsmünster
Archiv nicht an). — Dann fliegt der Rabe fort und bringt einen
Stein her, den er in ^s Nest legt. Dieser Stein, unter der
Zunge i>n_Munde_ £etragen, macht un;sichtbar. —
(Kremsmünster Archiv.) »Dass man dich nit sieht. So
nimb ein Ei von eines Raben Nest und seud es den nächsten Tag
vor Karfreitag^Vnd leg es wieder in das Nest. Und darnach, so
1) Odhinn verleiht auch den Schiffen den günstigen Wind. Weil Rabe und
Krähe vom Volke häufig nicht unterschieden werden, erklärt sich auch
du oben von der KrKhe, als Gliioksvogel überhaupt, Mitgetheilte. —
ft»
die Vögel rauh ^erden, so kumb hin wieder zu dem Nest, so
findtu ein »rotlin« Stein, und wenn du denselben Stein in den
Mund nimbst, so mag dich "niemand sehen. Ist bewährt. —
Redensarten. Ram = as , britl , vieh. Gausrap. Die
mythische Bedeutung des Raben spricht sich auch in dem folgen-
den Liede (Buchkirchen) aus, dessen Text so vollständig berge-
stellt wurde, als möglich war ').
1) Es bat eine Frau drei liebiste Söhn,
Sie weiss nit, wo sie schlafen seind hin,
In'n Himmel oder auf Erden, ja Erden!
2) Sie ging wol in den Wald hinein
Und suchet* dort ihre drei Söhnelein;
»0 weh, wo mag ich sie finden, ja finden!»
3) Da flogen drei schwarze Rabelein herein :
*0 Rabelein , liebste Rabelein mein,
Leicht wol gar ihr meine Kindelein seid, ja Kindelein seid?c
4) >0 Rabelein, liebste Rabelein mein,
Was habt denn ihr verschuldet heint,
Dass ihr so schwarze Rabelein seid worden , ja worden ?•
5) >0 Mutter, liebste Mutter betracht,
Haben wir gespielt 3 Samstagsnacht,
Im Sonntag sind wir nicht in d'Kirchen kemmen, ja kemmenft
6) »0 Rabelein, liebiste Rabelein mein,
Flieget's mit mir in die Stadt hinein,
Ich will euch ein Jausen geben, ja geben!«
7) »0 Mutter, wir müssen noch über den Rein,
Dort drinnat, dort liegt ein* todte Schwein,
Das wird unsere Jausen werden, ja werden!«
8) >0 Rabelein, liebiste Rabelein mein,
Was mag das für eine Busse wol sein,
Damit ich euch kann erlösen, ja erlösen!«
') Das Lied ist eine Variante des Mährchens von den 7 Raben und der treuen
Schwester, welches von Mor. v. Schwind so geistreich ist komponirt worden.
7*
100
9 lO Mutter, wir wollen die Buss dir wol nennen,
Eia ganzes Jahr musst du auf dich nehmen,
Musst alle Freitag fasten , ja fasten!
10) Und als das Jahr herum schier kam,
Und ihr nur ein einziger Freitag abgang,
Vor lauter Leid ist sie gestorben, ja gestorben!
11) Da kamen ihre drei Söhnlein daher,
Sie hoben ihre Mutter von der Erd,
Zu Grab haben sie*s getragen, ja getragen.
19) Rebhuhn. Es ruft: .Gröa"'Röck, Gröa" Rock, Gröa"
Rock 1) * —
20) Roth schweife hen. «Reotschwoaferl (mota-
eil. phoenicur.) und »Wij5,chpÄN (motaciL erUhac, Lin.) —
Das Rothschweiferl ist ein Glücksvogel. Es heisst auch der
Vogel unserer 1. Frau, und wo es nistet, da schlägt es nicht ein %
"'^Wer ihnen etwas zu Leide thut. beleidigt u. 1. Frau. Das
Nest dieses Vögleins wird daher auf alle mögliche Weise geschont.
Das Haus, in welchem es zerstört oder beschädigt würde, müsste
abbrennen. —
Es lobpreist morgens unter allen Vöglein den Schöpfer zu-
erst; wenn ein heiterer Sommermorgen ist, singt es schon in aller
Gottesfrübe, um 3 Uhr, vom Dachfirst herab oder vom Hofraum
her den Bauern an: »Herr Jesu Christ, Schlafts den noh?c
Das »Wischpälc oder S chwa r z w i sp erl (das Roth-
schweiferl heisst auch Rothwisperl) ist ebenfalls u. 1. Frau heilig
und ruft, jedoch nur das Männchen , gemeinschaftlich mit dem
Rothschweifchen , vom Dache herab: »Herr Jesu Christ, ligts den
noh ön Nest?i
Auch singt es: »Zieziezie Muschg^blüeh , Geht ^ schens
Diendl Tür*. Hat ä weiss Haubirl i( Und gröanö B4ndl drif.c
Wenn man sein Nest beunruhigt, ruft es: »Halt Dieb — halt
*) Es ist damit der JÜger gemeint. —
*) St«ht, seiner Farbe halber, mit dem Donnergotte in Verbindung. — -
lOi
Dieb — halt Dieb,t oder auch nur: »Dieb -* Dieb — Dieb —
Dieb — Dieb!« Wenn Regen bevorsteht, ruft es: tHaltDieb —
halt — halt — halt — halt!« —
21) Schwalbe. Sie beisst häufig der ifl e rr g Otts-
vogel.c Die Schwalben sind dem Herrgott seine Vögel; in das
Haus, wb~ sid züchten , kehrt Glück und Segen ein , Unglück trifft
den, welcher sie vertreibt, quält oder gäT tödtet , ihre Eier oder
Jungen ausnimmt. — Wenn sie »kirren und lustig schwätzen« ist
Fried und gute Gesinnung im Haus. Wem sie am Kopf vorbei-
streichen, indem sie Töne von sich geben, als wenn sie bös
wären , jder_ häriein gutes Gewissen^odcr den^bosen Blick. —
Werfen sie die Eier aus dem Neste, sojind die Frauen
(im Hause) nichj..bei guter Gesundheit. —
So lange Schwalben im Haus Jm Nest bleiben , stirbt kein
Kranker ; erst wenn sie das Nest verlassen , droht Gefahr. — Sieht
man die erste Schwalbe, soll man auf griinen Wasen stehen;
sonst stirbt man das Jahr. — Wenn die Schwalben "^aha^fruhen
Morgen in grösserer Anzahl , vor den Fenstern des Hauses sich ver-
sammeln, stirbt bald jemand aus dem Hause. — So die Schwal-
ben während~der Messe immer beim Altar herumfliegen, kommt
eine Theuerung. —
Wenn die Schwalben hoch fliegen, bedeutet es schönes
Wetter, grobes aber , wenn sie niedrig oder um den Menschen
herumfliegen. — Wer die erste, neuangekommene Schwalbe
sieht, der heirathet noch in demselben Jahr. — Auch so:
wer die ersten Schwalben im Frühling paarweise sieht , hei-
rathet bald. —
Wenn man die^r^s te^S ch walb e erblickt, soll man mit
der grossen 2ehe Erde aufnahmen und ins Bett^i^Q|)en ; dies ver-
scheucht JifiL.Clö_h e. —
Die Schwalbe singt: >Fert, wie mä fort sän, Sand d*Stä*l
voigwön; Höor, wie mä kemä sän, sänds widä lär gwön!« Oder:
iOn Höröst, wie mä fort san, Sand d* Stä'l vol gwön; ön Aus-
102
w'ärts, me m& kemä sän, Haint*8 ös ols väfi*lt und \Me\i ').«
Oder: >ön Höröst, wie m& fort san, Sand d* SU*1 vol gwön; ön
Auswärts , wie mA kemä san , Is ols vädiglt und v^däglt und vädc^lt
wa'n!« Oder: « D* Kidlflikerin, d* Kidiflikerin Hat koan Flök not,
bat koan Flök nöd, Is da Schneide dagwön, is da Schneidä da-
gwön, Hat mä d'Flök allö wökgöbnli —
Wenn man sie im Neste stört oder eine Katze in ihre Nähe
kommt, schreit sie: iGeh weg, geh weg, geh weg!« —
Redensart. Oan Scbwalm macht koa" Sumä. —
22) Seidenschwanz. iZuserl«, auch iPest- oder
Todtenvogel.« Er stellt sich (Höfer, III, 135) nach der
Meinung des Volkes alle 7 Jahre in unseren Gegenden ein und
bringt Pest odcr^anderes Unheil. Im Jahre 1800 nannte man ihn
den Franzosenvogel, weil gleich darauf der Franzoseneinfall statt-
fand. Im Fliegen ist sein Laut: iZi — zi — ri.«
23) Specht. iGöosvogel« {picus virid, LinJ Sein Ruf
verkündet Regen. Daher sagt auch mancher, der ihn rufen hört,
der Grünspecht je ischj)n wieder durstig. Der Ruf lautet: tGöos,
göos, göos, göos, göos« und bedeutet auch hohen Wassersland.
Eine Schnepfenart, (scolopax phacop. Lin.) ist ebenfalls ein
Wettervogel und führt nach Höfer den Namen •Güssvogcl.«
Fliegt er nämlich (an der Traun) abwärts, so bedeutet es schönes
Wetter; wenn er aber aufwärts fliegt, folgt bald eine Ueber-
schwemmung , Güss ^).
Ein frischgeschossener Rothspecht ( Bämhacki ) , wenn
man ihn, da er noch warm ist, zusammenhackt und auflegt, bis
das »Gehäck« zu faulen beginnt, hilft für den • Scherwurm.«
Wenn der Schwarzspecht (Holzha"') schreit- »doli —
doli — doli« oder auch »grüll — grüll — grüll« (das erste doli
*) Verthan. »Videll« halte ich von einem Subst. »Dan,« wovon auch Tand
stemmt, gebildet iDan« selbst leitet sich von din, dan, d«ncn, gedonen
her, wozu auch > dehnen i gehörig ist. —
") Die Wörter Göoss- und Güssvogel, würden rein deutsch Giess- und
Güss- (Güsse) Vogel lauten. —
103
klingt lang gezogen . das zweite rascher ), so kommt ganz sicher
Regen. —
21) S p e r li n g , Spatz. Wer sie quält , tödtet, ihre
Eier ausnimmt, den trifft ein Unglück. — Er singt, wenn der
Bauer einführt, ihn an: iVödi drisch, Vödä drisch;« wird aber
ausgedroschen ruft er: iDieb, Dieb!« Wenn mehrere Spatzen
beisammen sind, sagen sie: »Spatz hat Habärn gössn, Katz hat
Spatz gsegng, Schnaps hat Katz Spatz ghat.« —
25) Taube. Wenn die Tauben, nachdem sie gebadet
haben, auf das Dach fliegen, so bleibt es schön; wenn unters
Dach, so wird es grob. —
Arme Seelen , welche erlöst werden , fliegen nicht selten in
Gestalt einer weissen Taube zum Himmel auf.
Turteltaubenkoth ist als »Rauckä« gen das »Leagföort gut*
Der Tauber gurrt: >Au — ba — ruggu — ruggu — ruggu.«
Die Holz- oder Wildtauben sprechen zu einander: »Wieg
du's Kind, wieg*s ich, sänd netä ih und Du!« Oder: »wieg Du —
wieg Du — wieg Du — Du — Du — Du!«
Redensarten. Dahe' gehn , wierä rauchfuessätä Daubä,
— As wans d* Daubn zsamtragng hedn.
26) Wachtel. So oft sie aus dem Saatfeld ihren Ruf
hören lässt, so viele Gulden kostet das davon geerntete Getreide.
Anderswo : Die Anzahl der Schläge zeigt dem Bauern die Höhe
des Getreidepreises vor Weihnachten an. — Sie ruft: »Bimpäling
— bimpälim«, oder auch: »Bimpälin — bimpälin — bimpälin —
wau — wau — wau — wau.«
27) Wiedehopf. »Wudvogel, Wudwud,. Wer
mit der Galle des Wtedhopfes die Kugel salbt, der trifft mit ihr,
auf was er nur immer schiesst. -^
Er ruft: »Wudwudwud — Wud — Wudwudwud« ; oder
auch: »Hup — Hup — Hup.«
Redensart Stinken wie ein Wiedhopf. —
28) Zaunkönig. Das »Kinigl.« Wenn der Zaunkönig
im Winter nahe an die Häuser kommt, so erfolgt bald Schnee
oder grosse Kälte. Man bestrich Kindern, welche die Preise hat-
104
ten, den Bauch mit den Flügelchen dieses Vogels. — (Scham-
stein, Kriminalakten 1648)
29) Zeisig, »Z e i s 1. « Der Zeisig zieht Krankheiten
an sich. —
Wer ein Z ei sinnest bei sich trägt, ist unsichtbar. Es
liegt nämlich in ihm der Stein, der unsichtbar macht. Natürlicher
Weise wird dadurch auch das Nest selbst unsichtbar. Dennoch
kann man es ausfindig machen , indem man an einen Bach geht,
an dessen Ufer Schwarzerlen stehen, worauf der Zeisig gerne
nistet, und ins Wasser sieht. Darin Regelt siclJ. nlmlich das
Nest dennoch ab , und man kann, hat man sich die Lage gut ge-
merkt, desselben habhaft werden; doch soll man es nicht mU
blosser Hand,jin^reifen. —
Ein Schlossbesitzer (Traun vierll) hatte einst ein »redendes
Zeiserl«, das, wenn die Herrcnleute von einem Ausflug oder einer
längeren Reise heimkamen , stets die vom Gesinde verklagte, welche
faul gewesen waren. Als die Herrschall wieder einmal aus war,
übte das nichtsnutzige Volk Rache und nähte dem Vöglein den
Steiss zu. Bei ihrer Rückkehr sprach der Vogej: »Herr und Frau,
Knecht und Dirn, Na'l und Zwirn, s*Loch zuegnäht!« —
Der Meerzeisig (frvigiU. linar. hin) Man glaubt , dass
er alle 3 Jahre her kommt, und dass sein Erscheinen Unheil
bedeutet —
"^ 30) Zinkzankvogel (moladll, saliear, hin.) Er ruft:
»Zink, zank«, oder auch »tuit, tuit.« Wenn er sich hören lässt,
ist es Zeit, Haber zu bauen, indem die Saat nicht leicht mehr
etwas von der Kälte zu befürchten hat.
Er singt: »Sibn Bird bind zsam, bind zsam , bind d'Bird
zsam, sibn Bird bind zsam, bind d'Bird zsam.« Oder auch nur:
»Bind zsam, bind zsam, bind zsam.« Die Wiedhacker, welche
im Frühling die Aeste der im Winter gefällten Bäume zu Wied
hacken , beziehen diesen Ruf auf sich und ihre Bürde Wied.
31) Liedlein:
Kommt ein Vogel geflogen.
Setzt sich nieder auf mein Fuss,
105
Hat ein Zettel im Schnabel
Mit einem freundlichen Gruss.
2) Hab so lang mich vertröstet
Auf die schön Sommerszeit
Und der Sommer ist kommen,
Und ich bin noch so weit.
3) Ach gar fern ist die Heimath.
In der Fremd bin ich hier
Und es fragt halt kein Hundel
Und Katzcl nach mir.
4) Liebs Vogerl , flieg weiter.
Nimm mit ein schön Gruss,
Ich kann dich nicht begleiten,
Weil ich hier bleiben muss.
Kinderreim.
kuf, Auf, sagt der Auf. /
Is denn schon Tag, sagt der Rah.
Wird schon grau, sagt der Pfau.
Was denn sagt die Henn.
So wolln wir reisn, sagt d*Mcisn.
Mir is recht, sagt der Specht.
Wir wer*n uns gwandtn, sagt d*An(n.
Nur fein gschwind , sagt der Fingg.
Jetzt voran, sagt der Fasan.
Ih bleib ii nit z'Haus, sagt die Fledermaus.
Ih führ den Zug, sagt der Gugu.
Ih flieg voraus, sagt VogI Fiaus.
Ich bin der Man, sagt der Han. —
32) Antheil der Vöglein an der Feier der Geburt
des Herrn.
Dass Ochs und Eselein, nachdem der Weltbeiland geboren
ist, im Stalle zu Bethlehem sieh einfinden, daran erinnern noch
mehr ab die wolbekannten Reime, worin diese Thiere gemahnt
106
werden , den Schlummer des göttlichen Kindes nicht zu stören,
die Gemälde so vi(^ler Meister und die davon nicht spärlich ver-
vieiraltigten Kopien , erinnert selbst im einsamen Dorf die in der
Kirche aufgestellte Weihnachtskrippe. Diese erzählt auch , obschon
nicht mit Worten, von Schäfchen und Lämmlein, die von den
Hirten dem neugebornen Gottessohn zum Opfer gebracht werden.
Weniger aber ist es bekannt, dass nach zahlreichen, einst auch
in der H.eimath gesungenen Weihnachtsliedem , in volks-epischer
Wiederholung, die freien, frohen Sänger der Lüfte, die Vöglein,
an der gnadenreichen Geburt des Herrn ebenfalls ihr Theil neh-
men. Dieser Antheil ist zweifach.
a) Die Vöglein, aus dem Schlummer froh aufgeschreckt, er-
wachen alle, jubeln heil auf, obwol es Mitternacht ist, und begleiten
mit ihren melodischen Stimmen den Hymnus der Engel.
An Ruschärl muesss tan bahn.
Hat d* Vögl däschröckt,
Habn alsand äfgjubelt,
Hats alsand äfgwökt. —
So wars gen bal* dnetti,
Wan*s Schrein koanä hengt,
S* wans ÖS alsand
Aus*n Nest hätn gsprengt. —
111 moanet gen bal*,
ös warn d* Vögldieb da. —
Denk ih mei' Tag nie koan Zeit,
Dass *s um Mitternacht gibt solche Freid,
Es singen gar d* Vögel in Wald. —
D* Vögel, die singen frei,
D* Engel sänd ä dabei. —
Noch mehr, aus nah und fern haben sich die Vöglein ver-
sammelt, um die Geburt des Herrn mitzufeiern.
Lassen sich die Yöglein hören
Aus den Wäldern gross und klein,
Die zu der Geburt abreisen.
i07
Neben den Sängern , wie Meise und Nachtigall, werden be-
sonders der »Gugu« und der »Auf« genannt. Der iGugu« gilt
in der Heimath als der eigentliche Herold der schönen Jahreszeit,
deren sicherer Sieg sein Ruf verkündigt. Gejauchze des Aufs ver«
kündet ein gutes, glückliches Jahr, selbst den Aermsten.
Ja gar äKolmoasen her ih,
Wie klar singt sie nicht Zi — beri,
Ja , ja , gar da Gugä stimmt ei",
0
As wan halt da Sumü wurd gleih. —
Da Gugu da gugäzt,
Dass *s gugelt und klingt,
Und schau , ddr Auf juchäzt,
Und d' Nachtigall singt. —
Vor Zeiten hat fraling ^)
Dür Auf iebäl gjuchäzt,
Um dö Zeit hat abä
Der Gugu nie gug«1zt. —
b) Vögel werden dem göttlichen Kinde zum Opfer gebracht,
tbeils um ihm und den Seinen, was auch Gemälde und Krippe
nicht selten andeuten , zur Nahrung zu dienen , tbeils um ihm
Vergnügen zu machen durch ihre Bewegungen und Stimme. So
bringen die Hirten neben Schaf und Lamm, auch Hahn und
Henne, besonders wird die »Butterhenne« genannt, so wie Tauben^
als fromme Gaben in den Stall von Bethlehem.
Oder es schenkt ein Hirte dem Christkinde seinen »wun-
derschönen Pinken, der alleweil «zi — zi — zi , reit herzu«
singt; oder eine Meise, welche gar so lieb »Fhtschel und Tscliü«
pfeift, oder eine Kohlmeise, welche ihr »flitscherl , flitscherl,
Zinsenberg« recht stattlich abzutrillern versteht.
') In der alten, guten Zeil hat freilich der Auf dflers schon in dieser Jah-
reszeit, vor dem Auswärts, wol in den tNichtn« gejauchzt; aber davon,
dast der Kukuk um diese Zeit rief, hat man selbst damals nicht gehört.
Es naht also die beste, die glücklichste Zeit. —
i08
Wie der Fink ireit herzu« pfeift, kommen die heil, drei
Könige angeritten.
Meise und Kohlmeise ergötzen das Jesukind durch die lustig-
sten Sprünge, singen es, indem die Mutter die Wiege schaukelt,
in Schlaf ein, und wird das Kindlein wach, so muss es lachen,
wenn die Kohlmeise iSchmid — Schmid — Michl , Pfing —
pfing — tschä« pfeift. —
e) Andere Thiere.
1) Ameise. Christus trug einmal dem Petrus auf, Ameisen
und Wespen zu schaffen, indem er die Worte >z* Mittag, z*
Mittag« ausspreche. Petrus aber verstand unrecht und sprach :
•z* Mitt ab,« und so wurden diese Thierchen, wie dieselben noch
sind. —
In Ameisenhaufen werden gewisse Krankheiten, z. B. die
Auszehrung, vergraben, jedoch nur in die der grossen schwarzen
Ameisen. —
Die Haufen der kleinen schwarzen und die der rothen Amei*
sen, wie solche sich häufig in Wiesg'ärtcn finden, schlägt man,
um ihrer auf immer los zu werden, im April, bei abnehmendem
Monde, mittelst eines Schlägels in die Erde. —
2) B i e n e , B e r. Die Bienen hat der Herr Jesus erschaf-
fen. Er schuf sie, indem er Hölzlein in einen Korb warf. Petrus
wollte es ihm nachmachen und that eben so. 0och sieh, da ent-
standen die W e s p e n. —
Wenri^ am Josephitage schön hell und klar ist, so werden
die Bienenstöcke schwer. — Die Stöcke^ welche am_Efingstsonn-
tag abgehen, werden lauter Raubstöcke. — Bevor der Stock ein-
getrieben wird, besprengt man den Korb mit Weihwasser. —
Die Bienen wollen in ihrem Thun und Treiben nicht näher
beobachtet werden. Ein Bauer, welcher mehr darüber zu erfahren
wünschte, Hess sich zu dem Ende einen GJaskorb idachen: aber
es nahm mit den Bienen darin kein Gedeihen. Daher weiss man
auch von diesen Thierchen nur wenig. —
Niemals sieht man Bienen auf roth blühendem Klee. —
109
Die Bienen^mögen keinen Branntweinsäufer leiden ; auch der,
welcher eben , wenn auch jiur _elwas BrannFwefn getrunken hat,
vermag sie nicht einzutreiben. —
Die Bienen können so wenig, als Wespen, Hummeln und
Hornisse, das Wetzen vjon Messern oder Sensen leiden. Wenn
man es in ihrer Nähe thut, so fahren sie auf einen hin und sie-
»^y amiu ». ..^
chen, was sie können. Vor mehren Jahren flog in der Au (Krems*
münster) ein Stock ijber die Wiese. Ein Hähder schlug an die
Sense,jind. de/ .ganze. Schwärm licss^^ifilujiuf ihn nieder. —
Auch wird den Bienen, wenn der Hausvater stirbt, dessen
Tod gemeldet.^. —
Wenn die »abgehenden Beim hoch fliegen oder sich hoch
ansetzen^ also gleichsam von der Erde und aus ihrer Nähe flüch-
len,Jiommen_Krankheilen_ins Land. —
Bei'weri', d. h. die Nester der Bienen und der ihr ähn-
lichen Thiere, wie Wespen etc., besonders die Waben, gebraucht
man als »Rauckerc gegen Geschwulsten. — Wenn die apis tue-
cincia, Lin, im Frühling aus der Erde hervorkriecht und man die
kleinen Häufchen der dabei von ihr aufgeworfenen Erde sieht, so
sagt man: »Die Erddämpfe gehen.« —
R U t h s e I. Es fliegt was über hohe Berg und Zäun , Es hat !
kein Fleisch und hat kein Bein. Es hat kein' Federn und hat kein
Blut, Und ist doch für alle Kaufleut* gut. — Viel hundert viel
Vieh , Gehnt oft zu eim Scherben ; Schau fleissig dazu. Lass s nicht
verderbn. —
3) Eidechse, »ÖrexJ,D Erexl, Eröchsl.« Das Er-
öchsl ist dem MeQScbc^JudiL;.i»e8onder8 gerne^ weckt es ihn. auf.
I) Dürfte man «Ör« auf ahd. »ercli, in zurückführen, der Dienstag beisst
noch örti, ergäbe sich Beziehung auf den Rriegsgott Ziu, Er. — Es
sei hier nur noch kurz erwähnt, dass in der Nähe von Altmünster
mehre Hauser im >Erä< heissen und an derselben SleUe einst der Tem-
pel eines Abgottes »Eri oder Erer« gestanden sein soll. Der nächste
Bauernhof an diesen Häusern heisst »beim Hain« und ein Tbeil des an-
stossenden Horn- oder Grasberges der Erersberg. Auch ein • Siegesbach«
findet sich in der Umgebung. —
110
wenn er, wie dies bei Bauersleuten nicht selten geschieht, im
Grase schläft und ihm von der lerossen Natter« Gefahr
droht — Ein Bauer schlief einst im Schatten eines Baumes, Da
kam eine Natter herangekrochen und liess auf das Herz des Schla*
feuden ein grünes Blatt fallen^ um die Stelle gQJiaiLJ^u merken,
wo sie ihm durch den^J^eib. ^chiessen wollte. Hierauf stieg sie
auf den Baum, um von da herabzuschiessen. Indes war aber ein
töröebsl« herbeigekommen und kitzelte den^üaDUf^dem es ihm
auf dem Gesichte herum lief, so lange, bis er erwachte und auf-
sass. Kaum aber hatte er sich etwas in die Höhe gerichtet, schoss
die Natter hart hinter seinem Kopfe herab und sprang vor Wuth
in drei Stücke *). —
Wer einer Eidechse^etwas.. aoibut, verfehlt sich sehr und
hat irgend ein Unglück. —
4) Fledermaus. Dies Thier ist sehr gefürchtet ; man
meint, dass es in die Haare fährt und darein sich so verwickelt
und verbeisst, dass man es, ohne das Haar abzuschneiden, nicht
mehr los wird. —
Wenn man einer Fledermaus (auch von der Eule gilt das
nämliche) das Herz aus dem Leibe schneidet und unter dem Hemd-
ärmel, am Arme angebunden, trägt^ gewinnt m%n. im Kegelspiel ^).
Wer mit ihrem Blut sich die Augen beschmiert, sieht Nachts
so gut, als LeTTag. '—
Kinderspruch. D* Flödämaus gukt alio Häfäl aus. —
5) Fische. Unter den zahlreichen Tümpeln des Bösenba-
ches (St. Martin, MühlviertI) ist besonders einer gefürchtet, die
• Teufelsbottich.« Niemand getraut sich, darin zujuiden oder
Krebse ziTTangen ; der Teufel würde unfehlbar jeden in die Tiefe
ziehen. Bisweilen erblickt man in ihm einen Fisch von der
') Nachdem Ziu ursprünglich Himmels-, also auch LuftgoU war, ergäbe sich
wieder ein Kampf zwischen der verderblichen Gewittergewalt und dem
Lull - Element. —
*) Wie die Eule, wol also auch die Fledermaus, so hat auch das Kegelspiel
das Gewitter als Hintergrund. —
Ill
Grösse eines Kalbes, der schon so alt ist, dass auf seinem Rücken
Moos w'dchst, —
Der Hecht hat die Leidenswerkzeuge des Heilandes in sei-
nem Kopfe : Kreuz, Leiter, Hammer, Nägel, Zange, Geissei, Schwamm.
Die Juden zogen nämlich den Herrn Jesum, als er das schwere
Kreuz trug^ durchweinen Bach, und da bildeten sich die Leidens-
werkzeuge in dem Kopf dieses Fisches nach. —
Kinderlieder. 1,2,3, bicke, backenei, bicke, backe
Haberstroh , liegen 14 Fischl da. Eins liegt «mterm Tisch,
Kommt das Katzl^ frisst den Fisch , Kommt der Jäger mit der
Taschn, Schlägt das Katzl auf die Goschn, s Kalzl schreit Miau,
s' Brätl rr*scEo*'T»rau'*.i " — *
Genüge an der Mittheilung dieses einzigen Liedes und an
der Bemerkung, dass (Schwartz) das mythische Fisch - Element
aus dem im himmlischen Wasser hin und her schiessenden Blitz
vor sich geht, und das Treiben des Gewitters sich als Fang dieses
Fisches darstellt, t Der eine Fisch ist also der Blitz , der unter
dem Tisch, im himmlischen . Wasser sich befindet. Die Katze ist
die Gewitterwolke , der schlagende Jäger der Gewittergott , das
Miau der Donner etc., das Brätl der Gewittersegen ^. — lingerie,
Bangerle schlag mih not, Kraut und Rueben die mag ih not. B a-
ebene Fischl hätt ich gern ; Mein Herr wird*s schon innä
wer'n. Kikri Hahn! Sitz Ah Pferd und reit dava*. —
6) Fliege. Wenn an schönen Sommertagen Fliegen und
>B r e m el n< das Vieh viel belästigen, wird es bald grob. — Wenn
die »Muggn« besonders abends recht tlötz« sind, wirds bald
grob. — Wenn die an der Wand sitzenden Fliegen den Kopf
nach unten gekehrt haben, wird es grob. — Wenn gegen Abend
bin die >Muggn Heu beitln,« ^ wird's den anderen Tag schön. —
Höfer theilt II., 271 , einen Spruch mit, den, wie er binzu-
*) Gesetzt, diss diese und ähnliche Deutungen zulässig sind, so erscheinen
manche dieser Lieder und Reime, ich möchte sagen, als eine Art Rithsel,
welche spielend, aber doch an althergebrachten Naturbildem festlialtend,
den Gewittervorgang zum Gegenstande haben. —
*) Wie es die Mädher oder Heuer thun ; sonst wenn die Mucken tanzen. —
112
setzt, die Leute in einer gewii^sen Gegend jenseita der Donau vor
dem Essen hetbcten : »Gott segne uns die Suppn, Vor Fliegen
I und vor Muckn, Und vor den grossen Bremen, damit sie es uns
nicht mehr nehmen!« —
7) Floh. Wenn die Flöhe viel beissen, wird es grob. —
Wenn dir ein Floh auf die Hand sitzt, erhältst du einen
Besuch. — Floh auf der Hand, Brief aus fernem Land. ') —
Redensarten und Räthsel. Jemanden einen Floh
ins Ohr setzen. — Wie kommt der Floh über die Donau? Alsä
braunä. — Was ist das beste am Floh ? Dass er nicht beschlagen
ist. — Wer trinkt das theuerste Getränk? Der Floh, weil er Blut
trinkt. — Es gicngen 5 nach Spanien, brachten einen Gefange-
nen, brachten ihn nach Wutzelbach, Von da nach Nageibacb, Dort
wurd* er umgebracht. —
8) F r 0 s c h. Wenn die »Jägfrösch« (ra/ia escul. Lin.) schreien,
bleibt es schön. — Schreien sie nach einem Gewitter» so wird es
schön. Sie schreien: »Jägl- Jägl-Jägl, hast ön Stöfil (oder dafür
auch: »man Bruad^m«) nia göseh^? io-jo-jo, nächtn, nächtn,
nächtn.« —
Der L a u b f r 0 s c h ist als Wetterprophet hinlänglich bekannt.
Zwischen den_Frau^nt^en gefangen, ohne jedoch mit blosser
Hand berührt zu werdep, dient er, in ein Päckelein gebunden und
am Leibe getragen, gegen Schwindel. —
Redensart. Wicrä zmähdä Frosch. —
9) Horniss, »Hum a us.« Drei bringen ein Kind, sechs
einen Mann, neun ein Pferd um. — Manche Leute verstehen die
Kunst, die Hornisse, so wie Bienen und »Wössn« zu bannen. —
10) Käfer.
a) Frauen- oder Mar i enkäf erl. Man setzt es auf
die äussere Handfläche, und indem man es frei lässt, sagt man
3mal : »Frau^käferl, flieg Jiber jjen JRbein, Und frag unsere liebe
Frau, obs beut und morgen schön wird sein.t Fliegt es, wenig-
stens auf das dritiemal, auf, so wird schönes Wetter. —
') Der Floh auf der Hand erscheint mir als ein Bild des Siegels auf dem
Briefe. —
Hi
Der Sprach, womit man das »Jungf r aukife rl e i nc be*
fragt, lautet in Steinerkireben und Umgegend. iJungfraukeffl
flöog übira ReT, Frag insu liebö Frau, wos beu'^t und maring
sehe'' kan sei'.c In Buchkircben: > Jungfraukiuil , Sitz äh Stiuiäl,
Fldog übirn Ref, Frag insä liebö Frau, wo*s beu't und maring
sehe'" kan sei"; in Gunzkirchen: • Jungfrauku^l , Sitz A(s StuoMl,
Flöog übdm ReT, Frag def Muedä, wo*s maring sebe'' kan sei"*!«
Unter dem Stuhl oder Stühlchen versteht man in Buch- und Guns-
kirchen den Zeigefinger, auf dessen Spitze man das Thierchen von
A&t Handfläche aus hinanlaufen lässt —
Wer ein Jungfraukäferl umbringt, auf den ist u. L^tau 9
Tage lang iharb.« ^
ß) Hirschkäfer. Kirntlkäfer. Ob PopowiUch (Höfer,
III. 102) in Oberösterreich ihn »Berner oder Römer c nennen
hörte, weil er mit seinen Zangen glühende "Kohlen auf die Stroh-
d'icher bringe und sie so anzünde, bleibt noch dahingestellt In
SaM)urg biess er oder heisst er noch der .»SchiQidkäÜBr.t —
y) Rosskäfer. Wenn dieser Käfer an schönen Soramer-
tagen nach Sonnenuntergangs summend herumfliegt, so sagt man,
»er jgehejra£werkerj)it^ Man hofll da nämlich, es werde der
andere Tag auch wieder schön sein. —
<t) Schwabenkäfer. Wenn sich in den Sommermonaten
in den Stuben die »weissen Käfcn sehen lassen, d. i. Schwaben-
käfer, welche die braune Haut abgestreift haben, befürchtet man
»Risl.c —
11) Kellerwurm, »Nassel, Assel, Astel.c Sie
ist für den Rolblauf gut, wenn man sie auf die kranken Stellen
überlegt. Eben so werden sie gegen ein Geschwür, »Nasselt ge-
nannt, angewendet. —
') Als im himmlischen Gewässer bei der GöUin Halda wohnend, über den
Wolkenbrunnen zu seiner Herrin hinauf fliegend, wird er so angespro-
chen. Mannhardt, L 283. —
8
tu
12) Krebs. ^Kroiss •).• Wenn_eiii_Krebs aus dem
Wasser, Bach, Fluss u. s. w., ans Ufer geworfen wird, so be-
kommt _dei%_^auf welchen eine Fliege^ die auf dem Krebs geses-
sen isij Jtufsitzt und saugt, den iKrebs.« —
Dem Geoi^ Kbaperger, einem Spiessgesellen des berüchtigten
Zauberers »Jaglc , dessen Name fast sprichwörtlich geworden ist,
haben 8 Krebse ein volles, grosses Weinfass über den Kirch-
bamer Berg (Kirchham bei Vorcbdorf) hinaufgezogen ^). —
Gegen den Krebs, das >Beiss^d.c Man gibt einen Krebs in
einen Hafen, den man mit ungebleichter Leinwand zubindet, und
iSsst ihn verenden und verfaulen etc. —
R'äthsel. Wer schämt sich noch nach dem Tode? Der
Krebs, weil er gesotten roth wird. — Geht dunkel ins Bad und
roth heraus. —
13) Kröte, »Krodn.c Auch >He£pjng, Hö|>pin, Ndding,
Nödin, Broatlingc genannt Sie spritzt, wenn sie beunruhigt wiid,
so meint das Volk, einen giftigen Saft von sieb, isoacbtc einen
>an.c Auch unter dem Namen »Luadäc tritt sie häufig auf. Dies
Wort ist aber auch ein Name des. Teufels und dient als
Schelte auf Mensch und Thier , Personen und Sachen. Er wird
von der Kröte vorzüglich gebraucht , um sie nicht bei ihrem eigent-
lichen Namen nenjien zu dürfen. —
Die Feuerkröte, rana bombin. Lin., heisst von den Lauten,
welche sie hören lässt, häufig iMugitzäc , in Buchkirchen tMuh-
stirlc , nach Höfer auch »Ruckerl.c — Um ihr lästiges Schreien
zu verhüten, wirft man gleich nach der Palmweihe, bevor man
noch mit dem Besen unter Dach und Fach gekommen ist, drei
') Diese Wortform erklärt sich aus der Verwandtscbafl des e mit w uad
des w mit >u.« >eui ist in Oberösterrcich bin und wieder >oi.« —
*) Yfire eine solche Deutung nicht zu gewagt, möchte man (dass und wie
der Krebs mit dem Gewitter sich berührt, sehen wir Feuer 5), auch
hier das Weinfass als den himmlischen Wein, das himmlische Nass an-
sehen, das aus der Tiefe, in der es 8 Monate versenkt lag, zum Him-
mel gefSOirt wird.
lis
Palmen in die Hauslaclie. Sie ziehen dann fort und sohreien
biges Jahr niclit meiir.
Die Art, welche das Volk •Schneider« nennt, ra$M tem-
porär, hin., — sie bäh sicli meist in Gehägen und Wäldern auf,
— seigt, wenn das Tbier nass ist, schönes Wetter an und um-
gekehrt. •—
Kommt einem unterwegs eine Kröte unter, soll man sie auf«
gpiessen und sagen: 'Uci*^l is ä heiügä Sun- oder Ma'la* e(c. etc.«
Andere setzen hinzu, und dies gill auch von »Blindsehlcichn« und
Nattern, man solle sie mit einer Haselgcrte erschlagen oder doch
wenigstens an enae solche spiessen und sagen: iGeh heim,
mach*s deiner Frau auch so!« Manche stecken ihnen noch über-
dies einen Strohhalm in den Rachen und henken sie so auf. —
Hie und da ward einst auc^ufiij)C so gespiesste Kröte am
Dachfirst aufgehenkt und erst im Frühjahr^ wieder beseitigt. Man
meinte, in dem Hause, wo dieser Brauch von 7ahr zu iabr geübt
werde, lasse sich Jkcin Dieb sehen. — Nicht wenige aber be-
haupten fest, einer J^ait£L^jlc man ja nichts zu leide tbun. —
Die Erklärung dieses WidersprucFiesHcgt in folgendem. Die
Kröte steht einerseits im Diensle^derJJexen , speit diesen insbe-
sondere Schmak in den Kübel. Aber dieselben Thiere sind auch
arme Seelen, welche erst erlöst werden müssen. —
Eine Bäuerin (Innvierll) hatte immer eine Menge des scbön-
aten Sobmalzes. Die Leute konnten es sich gar nicht erklären,
woher sie das viele und gute Schmalz nehme. Doch es erklärte
steh, als einst jemand im Grunde ihres Schmalzkübels eine grosse
Kröte erblickte. —
Jemand war gestorben , und da er der Seligkeit nicht würdig
war, so wurde er in eine Kröte verwunschen. In dieser Gestalt
suchte min die^^rae Seele nach Allotting zu kommen, wurde
jedoch auf der Brücke über den Inn von einem Vorübergehenden
in das Wasser gestossen und so die Erlösung vereitelt. —
Wenn jemand eine Wallfahrt versprochen hat, sie aber zu
Lebzeiten^ nicht verricbteteT^cli^ auch ein Freund seine Stelle
vertrat, so muss er sie nach dem Tode machen und zwar in Ge
8»
Hi
stalt Ton Thieren^ mftwt »in^r Kröte. So erging es eioem , der
starb, ehe er die gelobte Wallfahrt nach MariazeU gemacht hatte.
Unausprechlich ist es , was das arme Thierleio auf dem Wege hin
erdulden musste. Bald zerquetschte man ihm ein Füsslein, bald
rollte röän es» hatte es mit aller Mühe einen Berg lerkratscht«,
wieder hinab, oder schleudect&..es^ ia.. einen steilen Graben, in
Lachen und Bäche. Endlich kam sie doch nach Mariasell, wo es
ihr aber nicht besser ging. Es brauchte gar viel, bis sie bei der
Kirchenthür hinein kam. Am Gnadenaltar angelangt, erhob sie
sich nun«, die tVorderbräzlc faltend, wie es einmietender Mensch
il^it Nun erst ward sie erlöst, und man kannte sich aus, dass
es eine arme Seele gewesen *).
14) Laus. Wenn jemand auf einmal TielLüuse hat» «o ist's
ihm »angethan.t Doch kann solche Läuse niemand erben. Ein
wolhabendes Weib schlug einst einem fahrenden Handwerksbur-
schen die gewöhnliche kleine Gabe ab. — »Du wirst auf mich
denken,! drohte dieser und zog ab. Bald darauf ward sie voller
Läuse, so dass sie sich völlig nicht aus wusste. Durch 9 Tage
dauerte dieser Zustand; darnach erst verloren sie sich von selbst
wieder. — Von einem der recht »schuftigt ist, heisst es: »Er
ziech^l d6 Laus ön Bolz ä.« Er furchtet, sacrt maii — ^cliersend
von einem, der Hut oder Mütze nicht lüpfen will, »dass dV Laus
n' Katarrh kriegn.«
15) Maulwurfsgrille. »Wern.t Eine jede Wem frisst
7 Laib Brot. — Der Reiter soll vom Rosa steigen . um eine Wem
zu zertreten. — Dem, welcher eine Wem ertritt, soll dfigiJlauer,
dem der Grund gehört, mit einem Laib Brot na^ehen. — Wer
eine Wem umbringt, dem wer^erT^rSur^den verziehen. — Wer
eine Wem laufen lässt, ladet eine Todsünde auf sich. — Eine
Wem muss man umbringen, sonst ist*s unserer ). fxaiLdrei Tage
lange leid. —
0 Die Kröte bangt mit dem Blitze zusammen. Das Schmalzspeien des Tbie-
res sowol als die Auffassung desselben als arme Seele erklSrt sich aus
der Vorstellung des Blitz -Lichtfunkens als Gold- und Lebensfunkens. —
117
16) Motte. Es sind darunter pAo^oen. Iticem., ünea sarcUelL
und pMioneU. Lin. u. s. w. gemeint Das Volk heisst sie «Schnei-
derseelen, Zaub^e rinnen, Zinsler« und bringt sie mit
den Hexen in Verbindung, von denen sie ausgeschickt werden.
17) Natter. In einem Hause der Pfarre Äspach hatten sie
eine »Ha us natter.« Die Besitzerin erzählte, dass die Natter
schon ganz weis aussehe, und wenn sie allein im Zimmer sei
und spinne oder n'ähe , gern aus ihrem Loch hervorkomme und
bis in die Mitte des Zimmers kd^che. Ueberhaupt, fügte sie hinzu,
ist ein solches thier dem Menschen sehr anhänglich, siedle manch*
mal sogar mit ihm um, und in den Häusern, wo sich eines be-
findet, ^ei^^M^gesund^ wohnen, —
Die HausnaiUgXD^^B&Vman nicht umbringen; sie ziehen alles
Gift im Hause an. (Steinerkirchen.)
In jedem HauA^&st (oberes Mühlviertl) ist eine^Hausnatter,
man nennt sie auch die » KjjSuulüaUer. « Sie hält sich gewöhnlich
unter dem Stein vor der Hausthijre auf und ist dem Hause sehr
zugethan^^/Zur Zeit der 3. Mahlzeiten finden sie sich gerne im
Stall ein, wo ihnen die Stallmagd Milch aufgiesst. Hat sie dies
eine geraume Zeit hindurch gethan, und breitet sie dann einmal
ein weisses Tuch auf dem Boden aus^^^soJhggLdie Natter ihre Krone,
das Kränzl, darauf nieder, lässt sich aber dann nicht mehr sehen.
Legt man die Krone zum Geld oder ins Getreide, so nimmt beides
nicht ab. —
Wer sich das Krönlein der Hausnatter zu verschaffen weiss
und es in seinen Geldbeutel tbut^ dcra.geht, und wäre auch nur
ein einziger Kreuzer darin gewesen, das Geld nicht mehr aus. —
Die Kränlnatter trägt eine Krone, welche das halbe Könige
reich Burgund wcrth ist. (Mühlviertl). — Jedes ge^kcönte Haupt
(Steinerkirchen) soll eine Nattemkrone haben. — Man bemächtigt
sich des »Kränls« , indem mäh der Natter ein Tuch, das aus
»Moadlgarn« gewebt ist, in den Weg legt. —
(Windischgarsten). Will man beständig Geld haben, sorge
man für ein leinen Tüchlein, das ein Mädchen-von.,7. Jahren ge-
sponnen und ein Knabe von 7 Jahren jgeM[fiht hat, und gehe an
118
einen Ort hin, wo es viele Nattern gibt. Nicht hnge, so kommt
die iNatternkönigint (in Kremsmünsler heissl es auch der
.Nattern kön ig«) mit dem Krönlein auf dem Kopf uYid legt
es in das Tuch. Nun schlägt man dieses schnell zusammen und
läuft, was man kann, davon. —
Die Natlcrnkonigin (Steinerkirchen) legt auf ein weises Tuch
ihr Krönlein ab ; welches 9 Königreiche werth ist ; aber wenn man
mit Tuch und KrönleiiTnichr schnell durch '9 Thiiren Jkommt , so
ist man verloren. — Ein" Kind , das baden ging, (Innvierlel) sah
eine Kränlnatter : es legte ein weisses Tuch auf den Wasen, und
die Natter gab ihre Krone darauf. Als aber das Kind mit der
Krone fortging, schoss ihr die Natter durch 9 Thüren nach; erst
an der zehnten blieb sie lodt. — Die »Schussna tte ri (Inn-
viertel) schiessl, springt durch 9jeiserne Thiiren, und selbst die
zehnte bekommt noch einen tüchtigen Bug. —
^fiat man (Kremsmünster) das Krönlein im weissen Tuche
weggenommen, so sehe man zu, dass man schleunigst durchjieun
eiserne Thüren komme; denn das »Na tte rn h e e n fährt also-
gl^RlTTiacir'und schiesst durch 8 Thüren; durch die neunte jedoch
mag es nicht mehr.
Aber selbst bei der grössten Eile entkommt man nur schwer;
selbst den flüchtigsten Reiter ereilen sie und schjiogea «ich um
den Schweif des RossesT"^ ^SVIrR er ihnen aber ein Tuch hin , so
machen sie sich Jos und fallen über es her, in der Meinung, das
Krönlein darin zubinden. Nur so kann er dem Nattemheer ent-
rinnen. —
Einem Soldaten und zwar einem Reiter, legte die »Krä"!-
natter« ihr Kleinod auf ein rothes Tuch und er sprengte sporn-
streichs davon. Doch er war noch nicht weit gekommen, da hörte
er einen Pfiff, und eine Unzahl Nattern waren hinler ihm her.
So sehr er auch das Pferd antrieb und spornte , der Abstand
wurde immer kleiner. Da warf er seine Patrontascfae hinter sich,
über welche die Nattern sich insgesammt hermachten, in der Mei-
nung, darin die Krone zu finden. So gewann er einen Vorsprung
und rettete Krönlein und Lebern —
119
lo Licbtenau (Miihiviertel) arbeitete einst ein Bindergeselle,
welcher die Kunst verstand, die Nattern, die Königin nicht ausge-
nommen, zu »bannen.c Er stellte sich, wann*s er that, immer
auf dem Platz auf, wo jetzt die »Natternsäule« steht. So begab
er sich auch wieder einmal hin und beschwor die Nattern aus
dem benachbarten , etwas weiter aufwärts gelegenen Wald , dem
sogenannten »Eckirtsberg.i Doch er machte diesmal beim
Beschwören einen Fehler. Da hörte er es immer näher und gräu-
licher zischen, in schnellen Windungen schoss die Nattemkönigin
heran und umschlang ihn, die andern Nattern fuhren ihr nach, und
so endete der Uogltickliche auf die schrecklichste Weise. —
Ein Haus (Miihiviertel) war so voll Nattern, dass sich die
Bewohner nicht mehr zu helfen wussten. Em fahrender Hand-
werksbursclie, welcher zufällig im Haus zugesprochen hatte, ver-
hiess Hilfe, wenn anders unter den Nattern keine rothe sich
bgfinde. Die Hausleute, welche nie einer rothen Natter waren an*
sichtig gewordeQj, betheuerten es, und er ging ans Werk. Er
legte um einen »Kriechnbaum« dürres Hok und Reisig im Kreise
herum , so dass ein freier Platz Blieb. In diesen stellte er sich,
zündete das Holzwerk an und spra^ch^ die Beschwörung. Da kam
das ganze Natternvolk herangezischt, steckte den Kopf ins Feuer
«ikl kam um. Schon meinte er, alles set 'glücklich zu Ende, als die
rothe Natter in wilden Sätzen daher und ihm durch^enlifiij) ,?cbos8 ').
<) Die Schlange ist Abbild der Himmelsschlange, des Blitzes. Die Milch,
welche sie so gerne trinken sollen, ist nach Schwartz, die Milch des weiss*
lieh bezogenen Wolkenhimmels. Die himmlischen Blitsschlangen wurden
in die heiligen Hausschlangen übertragen. Das Schlangen - Nattemheer
ist das Gewitter, das Zischen der Donner; der feurige Glani des Gewit-
ters das »Kranit Das Gewitter bringt auch Fruchtbarkeit und Gesund*
heit. — Unter dem Reiter ist wol der Sturm geroeint, der dem Gewitter
voraneilt. — Die um den Kriectienbaum {prunus insmiia) angexündeto
Flamme ist als Abbild des den himmlischen Gewitterbaum umlohenden
Blitzfeuers aufzufassen, woraus sich auch die Hoffnung auf Abwehr er-
klärt. Die gefährlichsten, schrecklichsten Blitze nennt das Volk noch
heutzutage feuer- oder blutroth. —
12Ö
Natternsegen (Aus einer handschriftlichen Mittheilung;
Kremsmünster Archiv, die wol aus dem Ende des i 6. Jahrhunderts
rührt): »Osig t, Osig t, Osig t % du schalkhaftige Schlangen, her die
Wort Gottes, steh da als das Wasser, in welichem getauft hat
St. Joannes der Taufer unsern Herrn Jesu Christi. Ich beschwöre
dich bei dem lebendigen Gott, der dich beschaffen hat, dass du
mir, noch keinem Menschen schadest. Ich hebe dich im Namen
Gott des Vaters etc. etc. Amen.« Und zwick dich durch den
rechten Fuss und sprich diese Wort: »Osig, Osig, Osig,« und
lass das Gift da von dir hindan. —
Bergstutzen. Auf der Höhe des Pyhrn, wo die Grenz-
s'aule steht, zieht sich rechts eine tiefe Schlucht hinein; da arbei-
tete ein Holzknecht. Plötzlich kam eine Natter auf ihn los. Er
lief, so schnell er konnte , warf Steine hinter sich ; doch umsonst,
sie blieb nicht zurück und kam ihm stets näher auf den l^ib.
Zum Glücke war ein • Scheiterzaun« in der Nähe, auf diesen
schwang er sich hinauf. Selbst da noch versuchte das Unthier ihn
anzufallen. Es war eine von den Nattern, welche Füsse haben
und Bergstutzen ircisseri.^ Auch Bergnattern neimt man sie;
das Wiesel ist ihr ärgster Feind. —
Der •StutzU'c (Grünau) lauft so schnell bergauf als thalab.
Wer sich also vor ihm retten will,Taü"n"»zwcrchs«, da »scheibt
jener ab.« —
Auch das »Blindschleich«, mitunter »Blindschlacht«,
hie und da auch »Haselwurm« genannt, gilt dem Volke als giftig.
Wer darauf steigt, dem schneidet oder schiessl es durch jjen Leib. —
Wenn Natter und Blindschleiche sich zahlreich sehen lassen,
in grosser Anzahl sich sonnen, wird es grob. —
Ein »Natternschlaur«, zwischen den Frauentacren, ohne
mit^losser Hand berührt zu werden, an sich gebracht, hilft als
»Raucker« gegen alle »Gschwulstn.«
Natt£fob«me, am blossen Leibe getragen, helfef^,gegen das
»kalte Gift.«
') Hängt wol mit »Ase« zusammen. —
m
Redensarten. Vor Zorn aspringi. Von einer recbt ar-
beitsamen, fur (las Wohl des Hauses unablässig besorgten Person
heisst es; »Sie ist ein rechter Hauswurm. t Auch hört man den
Spruch: »Dos is i rechti Geldwurm. ■ Es ist eine Person ge*
meint, welche recht aufs Geld schaut, nicht leicht etwas Unnöthi*
ges ausgibt ^. —
18) Raupe. Eine ^^U£5^n.>il ( Windiscbgarslen) , welche
besonders in Wäldern häufig vorkomml und ungemein gefürchtet
wird, heisst: >ön Teufl sein Ross!«
19) Regenwurm. Man fegt sie zuweilen auf Schäden auf. —
Räthsel. S* sagt da Kurz zä den Langi: Wä'n mi fur
d* He*r und d' Hanär, für d* Hund und d* Kalzn, woldmi scha*
raschn. —
20) Salamander, »Saunadärn.« ^ Wer dieses Tbter
* - ■ — , •■
mit blossen Fütsen zertritt, bekommt daran eben so viele Wun-
den , als es gelbe Flecken am Leibe hat. —
Wer es^scbj^ien hört, verliert das Gehör. —
Zwischen den Frauentagen gefangen , ohne mit blosser Hand
berührt zu werden, ist es gut gegen allerlei Krankheilen. —
21) Schmetterling, »Beinfal tern.t Wenn man
im Auswärts zuerst einen gelben Schmetterling siebt, stirbt man
hfl ilie^sem Jahre aipht; ein brauner aber bedeutet das,.Gegen-
Iheiir^ —
Die Schmetterlinge bestimmen schon im Auswärts das Er-
gebnis , besonders die Qualität der Ernte. Sind die gelben
die zahlreichsten, wird ein > schmalziges • Brot; die weissen ver-
künden ein wefsses, die braunen ein schwarzes Brot vor. —
') Ohne Zweifel mit Beziehung auf die Hausnttter. —
■) Dieses Wort erscheint mir nur als eine Form, in welcher sich das Volk
das fremde, onversfSndlicfae.t Salamander« mnndgerecht , so in sagen
deotach gemacht hat Auch deutet es, so wie es auch die heidea tuerst
angerührten Ghraben than, daraaf hin, dass das Thier als Abbild der
Gewitterwolke genommen wnrde. —
*) Mannbardt, L, 284, vermuthet, dass der weisse Schmettertiog als ein
Seelenbfinger gegolten habe. —
m
Oder aueh: Wer im Frühjahr ab ersUa Schmetterling eine
gelbe BerfaUcrn sieht, bat das Jahr über viel weisses Brot zu
essen; wer als ersten_^i0^Ji)raiine sieht, isst nur^ schwarzes.
(Wickenbrol). —
22) Die Schnecke, »der Schnegg.f
Schwarzer Schnegg, Umax ater, Lin, Wenn man mit
ihm die Hühneraugen »umreisstf, d. b. einen Kreis um sie
zieht, so vergehen sie. —
Klaubtman ein solches Tbier mit dem Hunde auf und be-
hält es cintce Zeit darin, so bekommt man durch so viele Jahre
kein Zahnweh, als man indess Schritte macht. — '
Auch gegen den *S^<^hji ?j^e,g im Äuget hilft es, wenn
man ein Schncckenhäusl oder einen sdiwarzen Sdmecken-über'
bindet. —
Man nimmt einen schwarzen Wegschnecken, umPährt 3mal
im Kreis _die Warze im Namen e(c. etc., und legt hierauf den
Schnecken wieder auf den alten Platz in die vorige Lage. Wer
nun nach diesem den Schnecken zuritt _Qf]pr^ ^/schlägt ete., der
bekommt die Warze. —
Elr darf jedoch bei keiner dieser Anwendungen mit blosser
Hand berührt werden. —
Redensarten und Räthsel. »SchneggnU Abschnapp-
wort, womit man gütig oder scherzend auf eine Bitte erwiedert,
welche man nicht errüllen kann oder will. — Gehn, als wenn
man Schnecken treiben th'ät*. — Was ist das stärkste Landtbier?
Der Schpeck, weil er sein Haus mit sich tnlgt —
23) Sp^inne, »Spinnerin.!
Wenn die SpinneJbr,Jie.tz zerreisst, so steht S ^ u r^m zu
erwarten. ') —
') Schon früher ward dtnuf hingedeutet, dass Spinnen und Wind erregen
sich herühren. Das Spinnengewebe oder Netz ist wol als ein Abhild der
▼on der Luft, der LuflgÖllin gesponnenen Wolke aufzufassen. Wird das
irdische Spinnennetz zerrissen, so zerreisat auch hahl darauf da« faimm-
Ksche. loh steUe also die Spinne in Beziehung zu einer Luft- Wolken-
göttin, welche spinnt —
123
Wenn erne Spinne an einem binauflüaft, bedeutet es Glück;
wenn hinab , Unglück. —
Als besonderes Glücksxeichen wird es angesehen, wenn sie
einem gar anf den Kopf läuft. —
Ein häufig gebmuchter Spruch sagt dagegen : »Spinnerin
am Morgen, Kummer nnd Sorgen.« —
Es gibt viele Leute , welche sich X^fchten eine Spinne zu
erlrelcn, oder überhaupt irgendwie zu tödten. —
Unter den verschiedenen Arten tritt die K j[_p u ^ s p i n n e
als in hühefcm Grade Jjlijck bringend auf. Sie wird daher nicht
selten in ein Sclia\*}itelchen gesperrt und dazu 90 Pagierfleck-
eben gegeben , welche man mit den^OO^iiTern^ des Lotto's be-
schreibt. Die Zahlen, welche sich, ölTnet man das Schächtelchen
in einigen Tagen wieder, lunspoiUlcnL Juiden , setzt man, weil sie
nächstens gezogen werden. —
Die Spinnen z i eben das im Hause befindliche Gift a n ;
sie sind auch selbst ei f t i g und können die Mensehen ver-
giften. So erzählt man, (Steinerkirchen, Steinhaus) dass eine
Spinne absichtlich ein ganzes Hausgesinde, ein par Personen aus-
genommen, vergiftet habe. Sie hatte über dem Tisch an der
Zimmerdecke ihren Sitz genommen , genau so , dass , wenn die
Suppenscjnisscl aufgesetzt wurde« diese unter ihr zu stehen kam.
Sie hess nun ihr Gift hineintrupfeln , und so starb eine Person
nach der andern. Erst ein fremder Gast[, der im Hause übernach-
tete, bemerkte den unglücklichen Leuten, diese Spinnerin sei es,
welche ihnen in die Suppenschüssel igsoacht« habe. —
Gegen die hitzige Krankheit. Man tliut in eine Nuss, welche
am Weihnachts-Fasttage in der 12. Stunde Mittags geöfTnet wurde,
eine Krcuzspmnc ^ verschliesse die Nuss und hängt sie um. Die
Spinne saugt die Krankheit ein. Doch muss man die Nuss, wenn
man^esund wonlea ist, ia fliessendes Wasser werfen. Auch den
■ Afl« vertreibt man auf diese Weise. —
Die »Spina wötn« legt man über Wunden, um das starke
bluten zu stillen. —
i24
Kranken Hühnern, überbauitl. VSgeln, welche sich unwohl
ZU befinden scheinen, gibt man gerne Spinnen zu fressen. —
«, - . II- - -- «-»•■^■••.- «' » . •
24) Todtenuhr, »Mauerhammerl, Trotzkopf.!
Wenn es sich anmeldet T^* h. aus der Wand oder Mauer seinen
Schlag vernehmen lässt, so stirbt bald^J^raand aus dem Hause
oder der Verwandtschaft. —
F) Pßanzen.
a) Der Baum in der frommen Sage und Legende.
Dass Wälder und Bäume bei unsern heidnischen Vorfahren
in hohem Ansehen standen, ist allbekannt. Einzelne Haine, in
ihnen vermuthlich besondere Bäume, waren den Göttern geweiht,
welche in deren Zweigen wohnten; sie durften nicht umgehauen
werden u. s. w. —
Hieraus wird auch die Bedeutung klar, welche die Bäume
in der frommen Sage und Legende sich bewahrt haben. Hier
darüber nur einiges. —
Pillwcin in seinem bekannten Werke bringt die Notiz bei,
dass in Utzeneich einst in einer Eiche der Abgott Utzius verehrt
wurde. Der Name Utzius, Utz, Ulrich führt auf den altdeutschen
Donnergott zurück; ^) auf ihn weist die Eiche hin. um so mehr,
da Wolf in den Beiträgen zur deutschen Mythologie, II. 107, eines
Eichenstumpfes in Bayern erwähnt, auf welchem das Bild des Lan-
despatrons von Bayern, des hl. Ulrich stand. Trotz der Dürftigkeit
der von Pillwein beigebrachten Notiz, bricht dennoch schon in
dem Namen des Abgottes Utzius die Vorstellung durch , und sie
muss bei der ursprünglichen Namensgebung noch bestimmend
gewesen sein , da.ss Anlehnung des Donnergottes an St. Ulrich
stattfand. —
^ An »Donner« erinnOTt auch das schon angeführte, Tom Volke sich mund-
gerecht gemachte Wort »Durästag.« —
125
Wol allen Bewohnern der Sudt Gmunden ist die hlFichte
bekannt. Dem Eigenthümer wurde vor Zeiten aus dem Säckel
der Stadt jahraus, jahrein eine {gewisse Summe bezahlt, damit der
hl Baum vor Axt und Beil verschont bleibe. —
An der Ostseite der Friedhofmauer in Steinerkirclien (Haus-
ruckvierti) stand vor Zeiten eine alte Linde, deren Stamm mehr
als eine halbe „Klafter im Durctimesser hatte. Mehrmals wollte
man sie umhauen, liess aber nach jedem Versuche gleich wieder
davon ab ; denn auf jedem Axthieb quoll Blut hervor. Man spürte
endlich dem Wunder nach, und es fand sich in einer Höhlung
des Baumes ^in Muttergottesbild. Nun wagte es niemand mehr,
die Linde zu fällen; sie blieb stehen, bis sie ein Blitzstrahl traf
und bis in den Grund verzehrte. —
b) B&vme und Pflanieii.
1) Vorerst einige Räthsel, den Baum und seine Theile
im allgemeinen betreffend. — Es hat _yiel Augen und steht doch
nicht. Der Baum. — Es geht immer um den Baum und kann
doch nicht hinein. Die Rinde. — Geht mitten durchs Holz, auch
durch^alle'^ grünen und dürren Aestlein. Das Mark. — Wie viele
Blätter hat der Baum ? So viel als er Stängel hat. —
2)Abraute. >A*rutnc, artenUs. abrolan, hin. wird, nach
Höfer I. 45 , »in Gärten erzielt und bei Verstopfung und Beschwe-
rung der Mutter, als auch in Engbrüstigkeit und zähem Auswurf
gebraucht, c —
3) »Aflblätter,! nach Höfer I. 7, die Blätter »von sol-
chen Kräutern, welche wider Entzündung auf Wunden aufgelegt
werden, c Dergleichen sind ajuga reptans, chdidanium nuy. Im. etc. —
4) Allermannsbarnisch, aUium victorial. Un, Wer
dieses Kraut bei sich trägt, dem kann nichts schaden, und wenn
er spielt, muss er allezeit gewinnen, und im Raufen überwindet
er aUe^seme Gegner. (Altmünster.) — In Kriminalakten, Scham-'
stein 1648, wird ausgesagt, dass der Allermannsbarnisch sehr gut
sei gegen allerlei Gebrechen. —
5) Alraun._.»A'rau"'l.« nach Höfer L 23, »die Wurzel
der a/roßgunatuiM^or. Ltik,f oder »weil diese seltsam ist, ein
426
aus der Zaunrübe, brtjmw, k5ostlicb gestaUetts Nänncbcir, weickes
verborgene Dinge wissen und dem Besitzer Geld bringen soll.« —
%) Andorn. Von dem schwarzen oder stinkenden Andorn,
ballot, nigr, Lxn., sagt Höfer I. 25, dass er in unseren Gegenden
den Namen »das alte Weib« oder das »Fee weilb^J«. führe. —
7j Ankehrkraut, ') osmunda lunar, Lin. In unseren Ber-
gen glauben, Höfer I. 36, die Leute, dass es den Kühen gute
Milch verschaiTe , wesswegen es auch , nadi Art altberübmter Kräu-
ter mit einem Sm'uche abgepflücket wird: iCrüss Dich Gott, An--
kehrkraut, Ich brock Dich ab und trag Dich nacli Haus, Wirf bei
meinem Kuliel Hngerdick auf!« —
8) Apfelbaum. »Die A pf ol te r.« ^) Aepfel theilt der
»Nikla« aus. — In den Rauhnächten sind Aepfel vorbedeutend Tür
Leben oder Tod, Heirath u. dgl. — In der Mitte dos Palmbuschens
steckt nicht selten ein eigens auf diesen Tag gesparter Apfel. —
AHe Bäder cmsi» männlichen Kindes schüttet maujuufiiaJiikLdeiB-
*) Sonst auch Si. l*«ters Schlüssel genannt. Dieser Name schon hilft die
Berühmtheit des Krautes erklaren. Siehe G. Donnersieini. —
') Uiaweifclhaft ein Nalurhild des Gewitlerbauiocs, woraus sich die Bezie-
hungen zu Lehen, Tod, Heiralh, Fruchtbarkeit ergeben haben. Ich tbeile
an dieser Stelle ein Kinderspiel mit ; es heisst das G e r s t e n r o 11 n. 2
Kinder hängen sich rücklings einander in die Arme und sagen unter be-
ständigem Hin - und Herschwenken des Körpers : a) Ich roll, ich roll
ein Gersln. b) Für wen? a) Fur meine Gast b) Wer sind denn deine
GSst? a) 8 Birkenäst. b) Wann kommens denn? a) In FreitR*naolil (auck
z' SamstagiMicht , als Samstagnäcbto gelten besonders die 3 ersten Sam-
stage iiaoh Micheli, sie heissen auch die » goldenen •.) b) Was bnngen's
da? a) Ein neus Par Schuh, b) Was ist im Schuh? a) Ein Apfel,
b) Was ist im Apfel? a) Ein Kern, h) Was ist im Kern? a) Ein Kis.
b) Was ist im Ms ? a) Ein Wasser, b) Was ist im Wasser ? a) Ein
Fisch, a) und b) Jetzt setzen wir uns (sie setzen sich, ohne die Arme
auseinander zu thun auf den Boden) an den goldncn Tisch. Wäh-
rend sie 80 sitzen b) Wo ist dein Vater hin? a) Nach Rom. a und b)
Stehn wir auf (sie thun es, nodi die Arme verschränkt) in Gottes
Nam.« —
127
selben Apfelbaum ; das Kind nennt ihn sernen Baum , und er wird
auch von anderiTnach dem Kinde benannt, z. B. ts* Wolfn B^m.c
— Stirbt der Baum, stirbt auch der bald, von dem er den Na-
men hat. — Wenn aus einem Hause jemand stirbt, lehnt man
an einen Apfelbaum die^Stüble, über denen der Todte auf dem
Brette lag. — Einen oder alle Aepfelbäume des 'WtöSgartens küsst
man,'^'damit die Bäume recht viel »tragen«, am hl. Dreikönigabend,
indem man^sich den Mund mit Koch oder Krapfen füllt und dabei
spricht, — mati umarmt zugleich den Baum — iBäm ih, Bäm
ill buss dih , Wir' si voll ds wie raäT Maül ! «
9) A po 11 on i akr a u t. »Aplanawurzo^« Sie ist ge-
gen Zahnweh gut. Man pflegt auch, weil die hl. Apollonia als
Furbitterin gegen Zahnschmerzen angerufen wird , zur Abwehr der-
selben an dem Tage der Heiligen zu fasten. Nach Höfer I. 177,
erhielt diese PSanze, welche sonst Eisenbütcl, aconü. napeU. hin.,
heisst, den Namen der genannten Heiligen von den Wurzenkrä-
mem, w*elche sie wider das Zahnweh anriethen. Dasselbe Kraut
heisst nach ihm in den Bergen auch »Fliegenkraut« und im
Salzburgischen »blaue Geister.« —
10) Atticb, »Adö, Adäbör.« Am Abend vor Son-
nenwenden schneidet man Attichkraut und l'asst den Thau darauf
fallen. Am Sonnenwendetag selbst wird es »vor der Sonne« ein-
gebracht und in der Luft gedörrt. Klein zusammengeschnitten
gibt man es unter das Viehbrot, backt es besonders zu Weih-
nachten unter die Viehstöri. ^)
Aus dem »Nadö« ^ wird auch von den alten Weibern, welche
die Stelle der weisen, heilkundigen Frauen der deutschen Vorzeit
vertreten, eine recht heilsame »Salssn« bereitet, welche besonders
gegen die Wassersucht angebraucht wird. Die Anwendung ist am
wirksamsten , wenn die Trauben zwischen den Frauentagen gesam-
melt werden. —
') StÖri für die Hinder; die für die Rosse lieisst gewöhnlich auch »Ros^
»löri. • —
*) Schon der Name »Nadö, Nadabör« konnte auf Natter, Gewitter, Frucht«
barkeit etc. leiten. —
128
11) Bannkraut In WeUskircben stiegen einmal swei
Diebe zur NachUzeit in einen Bauernhof ein. Der Bauer aber
war mit dem Bannkraut versehen, und so konnte das Paar nicht
mehr von der Stelle und wurde ohne Hübe gefangen. Das Bann-
kraut, schloss der Erzähler, wächst auch heutzutage noch ; aber
es kennts leider niemand mehr. —
12) Beifuss, artemU, vulgar. lAn., nach Höfer I. 81.
von dem Volke auch »Soonenwend- oder Johannesgür-
te 1« genannt, weil es, am Johannestag und zwar vor Sonnen-
aufgang ausgegraben, für allerlei Krankheiten, wie auch für Zau-
bereien gut ist —
13) Birke. Die alten Weiber lecken nicht nur die Bir-
kenstöcke ab , wovon eben der Stamm gehauen wurde , sondern
sie bohren im Mai die frischen Stämme selbst an und zapfen
ihnen in Röhrl<;in den aufsteigenden Saft ab. Denn Birkensaft
ist, besonders für die Brust, sehr gesund. *-
Kinder darf man (Steinerkirchen) nur mit Birkenruthen schla-
gen. Aus Birkenreisern macht der Bauer seine Besen. Die Haus-
frau nimmt zum Krapfenbacken am liebsten Birkenscheitlein, —
An einer Birke hat sich Judas der Verräther erhenkt —
14) Birnbaum. Von weiblichen Kindern und diesem
Baume gilt das nämliche, was in 8) von Knaben und Apfelbaum
mitgetheilt wurde. Nur in Bezug auf das Anlehnen der Stühle,
worüber der Todte auf den Brettern lag, wechseln Apfel- und
Birnbaum ohne Unterschied. —
An dem weissen Sonntag weist oder tragt man die kleinen
Kinder gern unter einen Birnbaum, damit sie gross und stattlich
werden. —
15) Bitterklee. Als einst die Pest im Lande gewaltig
abhauste, kam auf die uralte riesige Linde, welche noch neben
der Weichstettner ') Kirche steht , ein Vögelein geflogen
') Der Name «Weichgtetten,! d. h. geweihte, heilige Stätte, die sagenhafle
Linde vor der Kirche, der nahe Wallfahrtsort Ruppisbofen deuten auf
alle Heiligkeit hin. —
129
und sang: •Isa BiUeridee und EnziaT, So kirnst diviT, so kirnst
däva"!! —
16) Booksbart, tragopog. fMraiens. lAn. Wird neuge-
bornen Kindern, (Viecbtwang) oft sogar in Silber gefasst, als eiii
Amulet umgehängt. ^) —
17) B r a u n e i I e , prtmdla vulgar. Lin., ist, Höfar I. HO,
lein gutes Wundkraut, mildert die Schärfe u. s. w.« Unser Volk
nennt es »Mundfäulkraut , Zepfen, auch St Antonikraut, vielleicht
weil es wider das St. Antoniusfeuer oder den Rofblauf gebraucht
wird.t —
18) Braunmünze, mentha saHv. lAn. Sie wird, H5fer
I. HO, »sammi der Krausmiinze klein geschnitten und mit Zucker
in Branntwein angesetzte, um den »Briminzn-Geisl« zu bereiten.-^
ii) Brennessel. Ein wahrhafter Jüngling und eine
wahrhafte Jungfrau können sie angreifen , ohne sich zu brennen. —
Um den Haarwuchs zu fSrdern und dem Erkahlen zu steuern,
wäscht man den Kopf mit Wasser, worin Brannesselwurzen ge-
sotten wurden. Uebrigens geschieht dies auch mit den »Kleber-
staudenwurzen.1
Brennosselsamen dient als Raucker gegen die Gicht —
Impotente Männer sollen sich, um dieses Gebrechens ledig
zu werden , mit Brennesseln peitschen. ^) •—
Redensarten und Rätbsel. Wan d* Nössl brennt, so
brennt*s bözeitn. — Rund ums Haus brennts , und brennt doch
nicht. —
20) D a u r o n , eriger, acre lAn, ; man steckt ihn gegen
den Donner an die Fensler, und in die Ställe, um das Vieh vor
»Beschreiungc zu schützen. ^ —
21) Donnerdistel, eonf. lAn. , »Da^'rdisil.« Die
0 Der Bock ist Thier des Donnergottes, der auch Lebens- und Heflgott ist
<) Ist, (siehe Gewitter 9) eine dem Donnergott heilige Pflanze gewesen. Da
der Blitzfonke auch Lebensfunke, der Donnergott auch Gott des Kinder^
Segens ist, erklärt sich leicht diese Meinuag. —
*) Der Name schon klingt an Donner tn. —
9
iSO
»Hu*l« der im Waizfeld stehenden Da'rdistt ist» als Tbee ge-
braucht, für die Wassersucht gut ') —
Auch gibt man amGeorgitag >Tor der Sonnet den Kühen
von Donnerdisteln zu fressen. —
22) Ehrenpreis, Siehe: Widerton,
23) Eiche. Die Eiche und besonders das Laub davon
kann der Teufel nicht leiden. Als er nämlich einst in Gott den
Herrn mit Fragen drang, wann er wieder selig würde, gab ihm
dieser sur Antwort: »Wann das Eichenlaub abftiltlt —
Der Teufel fragte einst Gott, wann er die Ackerer einmal be-
käme, welche viel Scheltens pflegten, und erhielt die Antwort: »Wann
einmal alles alte Laub an sämmtlichen Bäumen vor dem Hervor^
spriessen des jungen abfallen würde.« Da nun die Eiche, wenn
auch das junge Laub bereits hervorsprosst , noch immer altes hat,
ist sie dem Teufel ein Aerger und Greuel. —
Eichenlaub schützt gegen den Bösen uud gegen alle
•Zauberei. —
In den iOaopflnt, d. h. Eich - Galläpfeln sitot der Teufel
leibhaftig drinnen.
Eichenmistl (Krimtnalakten, Scbarnstein 1648) ist die
beste Sach für die Zauberei. —
In Eichen verbohrt und vernagelt man auch Krankheiten. —
Der an der Mundfäule leidet, stelle sich zwischen 2 oder 3
Eichen, nehme einen »Zwail« davon, fahre damit dreimal an den
geschlossenen Zähnen hin und her und sage dabei: »Hundßuly
geh hin und wieder. Geh aus alle meine Glieder, Und kim nim~
mer wieder Im Namen Gott etc. etc.« Wer an der Gicht leidet,
geht zu was immer für einem Waldbaum und bindet um ihn
einen etwa; 2 Finger breiten Lappen von neuer, nicht gebrauchter
Leinwand. Dazu spricht er: »Guten Morgen, ich komme zu dir
im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit und verbinde in dir
77erlei Gicht etc. etc.« —
') Siehe 10. Hier tritt die Beziehung des Donnergottes zur Wtfsersucht
noch nachdrücklicher hervor« -^
131
24) Eisenkraut oder Eisenwurzn. (Handschriftlich
KremsDiünster Archiv). Im Manen am SL Gregoritag zu Morgen
um 1 Uhr musst du die Würzen graben. Sie hat mancherlei
Tugend an sich. Wenn du die Würzen bei dir hast, so werden
offenbar alle Schätz, die verborgen sind oder liegen; du siebest
durch alle Ding. Wenn du die Würzen ins Maul nimmst, wenn
100 mit dir gingen, so giengst all hin, und wenn man's einem
Ros anhängt, in den Schweif bindet, wenn 100 Ros iauFen, so
lauft das deine hin. Wer die Würzen bei sich tragt , welche Frau
er damit anrührt oder küsset, oder umfahet; so muess ihn lieb
bahn, geht ihm alles gleich hinaus, was er anfangt. —
25) E 1 e X e , ^) prutnu pad. lAn. Ein Elexenreis wird im
Innviertel am Georgitag an die Fenster gesteckt , blüht oder knospt
es, ist es ein besonders gutes Zeichen. In den Häusern, wo sie
blüht odr knospt, kehrt der »Jörgelt zu. —
Das Elexenreis dient auch als Wünschelruthe. —
26) Enzian. Siehe Bitterklee.
27) Erdbeere. Erdbeeren , welche am Sonnenwendetag
vor der Sonne gebrockt und in Branntwein angesetzt werden, sind
gut fur die »Mundfaul.« ^) —
Wenn Beeren, besonders Erdbeeren, aber auch die übrigen
•Söp- oder Hindelböm etc.« auf die Erde fallen, soll man sie
nimmemehr aufheben und geniessen, Sie gehören schon dem
Teufel an. ^
28) Esche, öschä, *) Dieser Baum oder vielmehr sein
Laub erzittert unausgesetzt, daher die Redensart : »Ziedärn wierän
öschis Lauwl« Es kommt daher, weil die Esche einst, als der
Heiland vorüberging, ihr Haupt stolz erhoben hielt und ihm nicht
neigte. Dabei' schlug sie der Herr mit ewigem Zittern. —
t) BedeotMm sind schoo die anderwSrts vorkommenden Namen: Alpkinch-
bäum nnd DradenblQtlie. — -
*) Gegen die Mandilul (siehe 1 7) scheinen insbesondere Pflanzen mit rolher,
brauner oder wol auch blauer Farbe heilsam. —
*) H5fer bemerkt, dass man an der Traun die Zitterpappel so nenne. —
9»
132
fn die Escbe warden auch Knnkheiten gebohrt oder vema-
geU , und zwar geachiebi das , wie auch bei den übrigen Büumen,
stets auf der Morgenseite. — Wenn ein Kind etnen »Bruch« bat,
spaltet man einen Eschenbaum und erweitert den ^alt, bis es
durch ihn durchgezogen werden kann. Hierauf drückt man die
getrennten Theile wieder zusammen und bindet sie fest Bis sie
wieder verwachsen sind, heilt auch der Bruch. *) —
29) Farnkraut »Im Gebirge, Höfer I. 193, zählen
unsere Wurzenkriimer neun verschiedene »Fasen oder Faden. «^
Die Wurzel wird »F ün f- Finger- Wurzel« genannt
weil man sie künstlich so zusammenschneidet, dass sie eine höhte
Hand mit 5 hervorragenden krummen Gelenken darstellt —
Kriminalakten, Schamstein 1648. Ein Inquisit bekannte,
dass er den »Farn« unter Hersagung einer gewissen Formel ge*-
pflückt und darunter etliche Himmelbrand-Blätter gelegt Des an-
deren Tages habe er einige Samenkörner davon erhalten. In Linz
verkaufe er 7 Kerne je um 1 Reichsthaler. Sie hätten die Kraft,
dass dem, der sie bei sieh trägt, auf der Reise nichts zustosse,
und dass die Hantirung glücklich fortgehe. Der Samenkem, der
sehr klein sei, laufe, wenn man ihn auf ein Papier gäbe, als ob
er lebendig wäre, gleich dem Quecksilber.
In der Mitternachtstunde , wenn das Feuerspriogen (Sonnen-
wendetag) zu Ende ist, blüht die »Toifelsfedä (Famkraul)
und trägt in der nämlichen Stunde noch Samen. Wer davon zu
seinem Gelde legt, dem nimmt es nicht ab. Einst wollte sich
jemand den Samen verschaffen und begab sieh zu der bezeich^
neten Stunde in den Wald« Da fing es aber zu sausen und brau-
sen an, als wollten alle Bäume brechen, und erschrocken wandte
*) Von der Bedeutung der Esche abgesehen, welche sicherlich mit yon
EinAuss ist, erklärt sich dies Verfahren auch daraus, dass der Bmch als
»etwas Gebrochenes,« was entzwei ist, aufgefasst wird. —
*) Das Famkraut ist besonders als Abbild des himmlischen Famkrautes,
der Gewitterwolke zu fassen. — Federwolken (siebe Toifelsfadi) nennt
man noch heutzutage eine gewisse WolkenbÜdung. —
133
er sich xur schleunigsten Flaoht ^). — Die Toifelsfedi ist auch
gegen die Hauckn gut. Wenn daher das Hausgevögel daran leidet^
macht man ihm die Streu aus Teufelsfedem. ~
30) Fencb, panieum virid.Lin,; iwird, Höf. I. 211, am Traun-
fluss, wo er auf Scbiitteh angetroffen wird, Traun- oder Schütt-
gries genannt und für Kranke, wie Reis in der Suppe, einge-
kocht etc.«
31) Fuhr- oder Furchtkraut, stachys rect. Lin.; es
beisst so, weil es wider das Fabren oder Reissen des Kopfes und
der Glieder gebraucht wird. Auch dasPfenningkraut, lydtnach.
numular. Lin,, wird Fubrkraut genannt (Höfer 1., 252). — Das
Furchtkraut ist gut gegen den > Furcht ■, eine Kopfkrankheit, wobei
die Kopfplatte auseinander gebt oder fährt. —
32) Der iGänskressf pasUnae. saHv., wird häufig als
Futter fiir die jungen Gänse klein gehackt. Man braucht ihn auch
wider das Nasenbluten', Blutspeien, die rothe Ruhr und starken
Blutgang der Frauen. Höfer, aus dem diese Mittheilung genommen
ist, setzt hinzu, dass er in einem Lexico MS. (wahrscheinlich der
Kremsmünster Bibliothek) Gensekresse, mit Sangiänaria übersetzt,
gefunden habe ^). —
33) iGefrerbeere«, die Beere von vibum. optd. Lin.
■Man macht, Höfer I. 280, aus ihnen eine Salsse wider das Sticken
und Keuchen, und wider die gemeine Husten wird die Milch, worin
diese Beeren gesotten wurden, laulicht getrunken.« *-
34) •Gesch wu 1st krau t.t Unter diesem Namen begreift
das Volk mehrere Pflanzen, welche es wider Geschwulsten ge-
braucht Höfer I. 290 führt in: a) $edum tele hium. Lin.; die
Blätter davon werden auf geschwollene Füsse gelegt, von der ge-
stossenen Wurzel aber auf der Glut ein Tuch geräuchert; b) che-
Udan. nu^.f wird ebenfalls unter geschwollene Füsse gelegt; c) $olan*
*) Der Samen ist das Gewittergold. Die Vertretung des Gewitiers zeigt sich
hier ganz unzweifelhaft. —
*) Schon der Name •sangumaria* oiochta zu den erwtthnten Anwendongen
leiten. -*
131
dulcamar, wird den Pferden wider Verstopfung und BlSliung in
einem Einguss gereicht —
35) Gnadenkraut, ffratiola ofßdn, lAn. Kommt nach
Höfer IIL 295 um Ens auf feuchten Wiesen vor und ist in der
Bleich- und Wassersucht, so wie in hartnäckigen Fiebern sehr
heilsam. —
36) Gundelrebe, glecom. hederac. Lin., »mildert, Höfer I.
338, die scharfen Säfte des Körpers, löset das dicke Blut und
den Schleim auf etc.« —
37) Halbäts Ros, rumex, crUp. Lin. Manche reissen die
Wurzeln dieser Ampferart aus. Wohin die Wurzel schaut, dorthin
kommen sie. ^^
38) Halm. In dem Büchlein: • Aufrichtiger Unterricht etc.«
wird es als verwerflicher Abei^laube angcHihrt , einen Halm (wahr-
scheinlich einen Getreidchalm) ijber eine gescliwollene Hand zu
spalten. •—
Fiir starkes Nasenbluten bilil es, wenn man 2 Halme, von
was immer für einer Getreideart, ins Kreuz *) legt und darauf das
9lut tröpfeln lässt. —
Die 3 ersten Korn- oder Waizenstämme, die man
bei Beginn des Schnittes schneidet, bindet man sich um die Mitte,
so bekommt man kein »Buglweh« mehr ^). —
Man nimmt von einem Waizenhalme, dort wo er den zweiten
Knoten angesetzt hat, 2 Blätter und legt sie kreuzweise überein-
ander; sodann biegt man den Theil des einen Blattes, welcher
den oberen Balken bildet, um und wickelt ihn mit dem unleren
zusammen, so dass ein kleines Päckchen entsteht. Macht man es
nun, nachdem man es etwa ein paar Minuten mit Daumen und
Zeigefinger zusammengedrückt gehalten, wieder auf, und es zeigt
sich das Blatt, welches vorher in dem andern war, ausserhalb des-
selben, so geht, was man vorhat, gut von statten. — Im Scherze
wenigstens hat sich das »Hälmel- oder Hölzlziegn« bis zur Stunde
V Die Farbe des Blutes und das Kreuz weisen wieder auf den Donnergott hin.
*) Thorr schnallt sich, wenn er kämpfen muss, den StSrkegüriel um. —
139
erbtUaB. Wer in einer Wahl onscblüssig ist, zieht einen von
zwei Hahnen ungleicher Länge, nachdem er vorher die Bedeutung
beider bestimmt hat —
39) Hiningwurze, bryon. aih. hin., nach Höfer H* 27,
so genannt, weil sie von dem Volke gebraucht wird, »wenn das
Rind die ■■Uininge<i hat« eine Krankheit, wobei die Haut dürre
wird und fest an die Beine klebet.«
40) Hasel <). Unter der Hasel ist u. 1. Frau untergestan-
den während eines Gewitters, und darum schlägt es in eine Hasel
nie ein und eben so wenig in ein Haus, an dessen Fenstern
Hasekweige, besonders grüne mit Blättern, stecken. Wer ein
Uaselzweiglein an der Brust trägt, den trift der BUtz nicht — In
das Palmbüschlein bindet man 3 Haselzweige im Dreieck ^) ein ;
überdies befindet sich in dem Bund oder Buseben zuweilen noch
ein kleineres Büschlein, das nur aus Haselzweiglein besteht^ welche
man thcib klein zusammen geschnitten dem Vieh zwischen 2 Broten
eingibt oder unter die Viehslöri bäckt, tbeils in Fenster und Saat*
felder steckt — Von der Hasel nimmt man auch häufig die
Scheitlein zum Weihholz am Karsamstag. — In jedem Stalle steckt
ein Hasekweig, damit Glück und Segen darin verbleibe. — Drei
Kreuze aus 6 Haselzweigen legt man, bevor das »Einführen« den
Anfang nimmt, auf den Grund jedes Barrn. — Mit 7 Haselzweigen
wird der »gezettelte und gestreute Har« angebunden, damit ihn
der Wind nicht wegführe. — Zu einer grossen Anzahl Acker- und
Stallgeiäthe verwendet man mit Vorliebe Holz von der Hasel ^. —
Der Grosstheil der nunmehr fast überall ausgerotteten Gehäge,
welche längs der Marken sich hinzogen oder diese selbst bildeten,
waren Haselstauden. — »s* Haselnussbrocken« ist auf dem Lande
ein Kinderfest Wenn die Haselnüsse, welche nach Pfunden ge-
1) Sie ist eiQ Abbild des Gewitters. —
*) Siehe Dreifuss u. s. w.
*) Eben weil die irdische Hasel die am Himmel vertriU, der DonnergoU
Acker- und StallgoU ist. Auch das Folgende erklärt sich aus der Be-
xiehuog zum Gewitter. ^
1S6
reebnel werdtn ^), leitigen, es isl um das SohuUengelfest btruov
so liehen die Kinder schaarenweise in die Haselgeh'äge, um Niisse
zu sammeln. — Schon am Sonnenwendtag hat es sich etttsebieden
ob viele und scbbne Nijsse werden. iUm*s Haselnussbrockem
heisst es daher auch, als eine Tolksmässige Zeitbestimmung. —
Auch SU einer iZoag- oder Wünschlrudnt ist die Basel brauch^
bar, so wie beim Kreis- oder Kreuzstehen ^). — Nur mit einem
Haselstecken kann man, versteht man anders überhaupt die Kunst,
Abwesende, d. h. Feme durchpeitschen, ■ übers Feld prügeln.«
•^ Der liebste Stock ist dem Bauern ein Hasebtock; entfernt er
sich weiter vom Hause, oder geht er einen gefaiirlichen Weg, so
bat er ihn gewis zur Seite. — Die mit einem Haselstecken aus-
getheilten Hiebe haben eine besondere Kraft; ja es heisst sogar,
dass, wer mit einer Hasel geschlagen wird, die Auszehrung be-*
kommt ^. — In der Mettennacht werden heirathshalber die Hasel-
Stauden gebeutelt. — Haselzweige, kreuzweis in den Weg gei^t,
nöthigen die Teufelsjagd zur Umkehr. — Nattern und Blindsehlei«
chen, mit einer Hasel geschlagen, sind auf 3 Streiche todt -^ An
Haselspiesse steckt man die Kröten. —
Wenn die Haselnüsse gerathen, gibt es viele uneheliche
Kinder -^
41) Die Haselwurz, auch iSch eib el krauti, esor.
earopae. lAn,, genannt, Höfer liL 74, hat eine stark öiFnende und
purgirende Kraft —
Die Kühe geben recht viele und gute Mikfa, wenn man
Trempel und Milcbhiifen mit Haselwurz, oder auch Leberkraui
liepiaäd, trüoh. JUn., am besten mit beiden gemeinscbaftiich aus<>
siedet. Die Milch wirft dann viel und dick auf. —
42) iHauswurzn.i Auch die »Hausram p fei, anders-
wo BDonnerbarti, ^) sempet^viv. teäor, Lin. Von seiner Be-
0 Ein Pfund bat 60 Böcke, ein Bock 4 NUsse. —
*) Man denke an das Gewittergold.
^ Gewis lag die Vorstellung des Haselsteckens als Blitzstabes zu Grunde.
D^er Rasetstock tritt selbst in persönlicher Benennung »Haslingeri auf.
Ein Donnerkraut, wie sehon der Name aussagt.
137
tiehiDK luin GewitAer war bereits die Rede. »Der Saft ist käb«
lend. Höfer HL 13, und kana wider Brsndsobiden, foule Ge-
sebwiire, HUhneraugen dienen.! —
Das Volk sagt, der Saft sei gut für die Gehörlosen. —
Aueh für den •HdAtk* ist Haosramplensaft gut. -^
43) H e i 1 k r a u t , ehenopod, hon. Hinric. lAn, Nach Uöfer
IL 42 , dient es zur Heilung von Wunden und faulen Scbfiden. —
44) Himmel brand, fferba$e. taps. Un. Man putzt damit
am Sonnenwendetag vor der Sonne die Kübbarren aus. —
45) Hirsohwurzen. Sie werden Ton den Würzen-
männern hHufig verkauft und den Kühen eingegeben, damit sie
• stieren. • —
46) Holer, ') Sambue. nigra Lin, Vor der tHolästaudnc
(Kremsmünster) soll man den Hut abnehmen, weil an ihr alles
gut ist »vom Blatt bis zum K^.« Rücklings zu ihr hingehen,
hilft schon gegen eine Mengo Krankheiten. Man findet sie daher
auch häufig in der Nähe von Häusern , Scheunen und Ställen. Der
Stock steht meistens innerhalb der Traufe. — Der BMelchersöch-
teri und die » Schmalzkübel ■ werden meist aus Holerholz gemacht,
sowie auch die »TrempeL« ^) —
Holerbast legt man auf für den ÄfeL Holerholz, besonders
»Scbiferni braucht man zum Gicht- und Hundßulwenden. Auch
zum Schwundwenden bedient man sich kleiner Hölzlein von der
Holer^taude. Holerschindn legt man für das Zahnweh auf Genick
und Pulse, Wer mit einer »Schiferf von der Holerwurzen sich
die Zähne »ausstrilt«, bekommt, wenn er die Schifer wieder genau
an ihre Stelle legt, so dass sie sich wieder in die Schinde ver-
wächst, sein Leben lang kein Zahnweh mehr. »Holerblüh-
trauppän«, am Sonnenwendetag vor der Sonne eingebracht
und in der Luft gedörrt, geben einen Thee, der for allerband
') Fast alles weist auf Gewitter und Gewittergoti hin. —
^ Trempel ist das »RQhr-Butterfass.« Der Vorgang des Gev^itters am
Himmel wurde, wie schon angedeutet ward, so zu sagen als ein Butter-
rühreo und Schmaluu«0ieden gedacht. — • *
138
Krankheiten, besonders Fieber gut ist. Aus den Beeren wird etoe
beliebte Speise gemacbt, welche noch dazu fijr sehr gesund gUt»
der >H ol er r ÖS ter.t — Auch einen Absud bereitet man aus
ihnen » der in mancherlei Krankheiten heilsam ist. — Es gibt wol
nur wenige Häuser, 'in welchen die Holersaisse nicht vor-
rüthig wäre. Sie ist die im Volke bekannteste und berühmteste
Arznei , und besonders die alten Weiber wissen sie echt und recht
zu bereiten. Sie brocken den Holer zwischen den Frauentagen«
nicht nur von der Staude oder den Stauden, welche um das
Haus herum stehen, sondern auch in Leiten und Auen und sam-
meln oft ganze Körbe und. Säcke voll Die von den Trauben ge-
streiften Beeren werden ausgesotten und ausgepresst und der Saft
so lange gesotten und gereinigt, bis er fast so dickflüssig wird
wie Latwerg. —
Kriminalakten, Scharnstein 1648. »Wenn man die 2 in-
wendigen Schälen abzieht und den Leuten , so im Kopf unrichtig,
auflegt, heilet es diese. ■ —
Austria 1856. Ein Müller in Steyer hat, damit ihm das
Malter besser von statten gehe, ein Holländer - Röhrlein , woran
ein Bienenstock zum ersten Mal geschwärmt, ober der Thür in
der Mühle aufgesteckt. —
Es heisst auch überiiaupt, dass der Holer zu allerlei Zauberei
gut sei. —
Räthsel. Weiss wie Schnee, grün wie Gras und schwarz
wie Kohln. — Kinderreim c. Ringä, ringä, reihä, Sand mär
ins! dreiä, Sözn mär ins äf d* Holerstau n, Than mi fleissi Berl klaubn.
— Ringä, ringä, reihä, Sand mä insä dreid, Sitzn mär äf d' Holerstau*n,
d* Holerstau*n bricht a, Liengng alle 3 in Bah. —
47) »Holzbocki, melampyr, prat, lAn,; wird, Höfer H. 62,
wider »die Mundsehre und andere Mundgeschwäre , in Essig ge-
sotten, und mit selbem die Zunge gerieben, mit dem Essig aber
die Gurgel ausgespült.« —
48) 1 r r w u r z e n. Manche verstehen darunter Tannen-
oder Waldbäum - Wurzeln , andere eine Pflanze , für welche sie
keinen anderen Namen wissen. —
188
Wer über eine Irrwurzen steigt, kommt von dem rechten
Weg ab. —
Im Gmuiböld <) (Steioerkircben) stehen so viele Irrwurzen, dass
der, welcher hineingeht, nicht so schnell wieder herausfindet. —
Um sich, wenn mau über eine solche Würzen gestiegen
ist, wieder zu » erkennen ■, kehrt man Hut oder Tüchel, kurz,
die Kopfbedeckung um und setzt sie in >^bing< auf. Man räth
auch dagegen an, was Air immer ein Kleidungsstück, z. B. tSchampl
oder Scheikäl« umzukehren und im inübingc anzuziehen. —
Eine Steinhauser Bäuerin gieng einst von Wels heim und
war nur mehr eine Viertelstunde vom Hause entfernt; da trat sie
über eine solche Wurzel und gieng nun einen halben Tag in der
Irre herum. Endlich rastete sie einmal und kehrte die Kittelsäcke
um, und alsogleicb erkannte sie, wo sie war, nämlich ganz nahe
an ihrem Hause. —
Am Pyrgas (Spital) ist ein Gehsteig nach Admont, häufig
von • Holzwegen ■ durchkreuzt und mannigfaltig gewunden. Wer
darauf geht, und den Weg nicht recht gut weiss, verirrt sich ge*
wisser als nicht. Der Grund hievon sind die Irrwurzen, welche
von den t Bergmandeln • gelegt werden. —
49) Jerichorose, anastatic. $yriac Lin. ; Höfer II. 89,
erwähnt, dass sie »nach dem Glauben des Volkes in der Christ-
nacht sich selbst aufUiue, und dass Hebaromen die rauhe Wurzel
gebrauchen, um zu erfahren, ob die Geburt bald erfolgen werdet —
50) Johannskraut, hyperic. perfor. Lin, Am Sonnen-
wendetag werden vor Sonnenaufgang Zweiglein dieses Krautes
kreuzweise an die Fenster gesteckt und acht Tage daselbst be-
lassen. —
Man gebraucht ferners dieses Kraut häufig als BRaucker.«
Auch zum »Neidraucker« (sieh später) wird es genommen. —
Endlich ist es gegen allerlei Viehkrankheiten gut, besonders
wenn es an dem Tage , wovon es den Namen hat, vor der Sonne
oder in der 12. Stunde Mittags gesammelt und in der Luft ge-
') Wol Gemeiuholz ; solche Hölzer sind eben mehr sagenhaft als andere. —
lift
ddrrt wird. Man gibt es tu dieiem Zweeke Id«in lusaameDge-
schnitten zwischen 2 Broten ein oder bäckt es in die Viehstdri. —
51) »Juiigfrauennünterlt, routine, rep. Im, Die
WurzeMitier zeigen auf der oberen Fläche rothbratme Flecken
als wie von Blutstropfen. Diese rühren daher, weil u. 1. Frau
Blut darauf fiel. —
Andere nennen diese Pflanze Fruohtkraut» und die Wei-
ber pflegen sie zu gewissen Zeiten zu essen.—
52) Kappis*Samen, »Gawöss same, Samen des Kopf-
kohles, brastie. capUat, Linr, er soll am Karfreitag gebaut werden
und zwar vor der Sonne. —
53) Kern. Mit einem Gerstenkern umreisst man den
Zidirä und wendet ihn, indem man zngleich einen gewissen
Spruch sagt. ^) — Auch der lAfli wird auf diese Weise ge-
wendet. —
Haberkerne schützen das Vieh vor Verhexung. ^) —
54) Kl aft, rkinant, Christa gall, lAn, Er spricht zu dem
Bauer: i Vertilg mich, sonst vertilg ich dich.i —
55) Klee. Der 4blätterige ist gut zu allerlei Zauberei;
nur darf er beim Abpflücken nicht mit blosser Hand berührt wor-
den sein. — Wer solchen Klee bei sich trägt, gewinnt im Spie-
len. — Wenn man ihn in ein Buch legt, lernt man leicht. —
Wird er unter das Altartuch gelegt und mehrere Messen darüber
gelesen, ist er fast zu allem gut. Nur kann der Priester, wenn
ein solcher Klee auf dem Altäre liegt, beim lesen schier nicht
weiter, wird völlig verwirrt — Auch sieht, wer ihn bei sich
trägt, allerhand, was andere nicht sehen. —
Einst schaute ein Weib den Spektakeln zu , welche eine
Seiltänzer - Gesellschaft auf dem Platze vor der Kirche aufführte.
(Andere neonea ein Mädclien, welches mit einem Korb Klee auf
dem Kopfe, worin ein vierblätteriger war, vorübergieng.) Dem
I) Die sogenannte »Wern« im Auge heisst auch » Gerstenkorn.« Hidraus
erklärt sich wol die oben angeführte Anwendang. ->
*) Weitere« darüber bei anderer Gelegenheit —
ill
Weih hatte min jemand heiaüch einen Ibtttterigen Klee in die
Schuhe gelegt Daher sah sie auch das Blendwerk genau, wel-
ches die Seiltinser den Leuten vormachten, und klärte sie auf.
data diese Zauberer niebt auf einem Seile, sondern auf einem
»Bo*nla*n« mit der Scheihtruhe hin- und herfuhren, der Wursll
nicht einen Wisbaum, sondern einen Strohhalm im Maul halte
und damii seine »Gsehwenddä« mache. Doch sie büsste es bitter.
Die Seiltänser >thaten*s ihrt, dass sie mehrere Schuh tief im Was-
ser zu waten Yermeiote etc. etc. (Bäufig.) —
56) »K 0 1 m ä s w u r z ni ; *) sie ist gegen Bauchweh gut —
57) Kornelbaum, cornus, masc. Lin, »Dirntelbaum«;
(der wilde oder weibliche heisst Hundsbeerstaude.) iDer ange-
nehm säuerliche Sad wird, Höfer I. 157, schon von alten Zeiten
her wider die Ruhr und den Durchfall empfohlen.! —
58) »Kornvaterf, Höfer II. 156, ein schwarzer, krum-
mer Kern , welcher bei nasser Witterung häufig an Kornähren an-
getroffen wird. Man käut ihn wider den Bervater (Kolik). Den
Kuben wird er, wenn sie lange nicht stieren wollen, zwischen
Brot eingegeben. ') —
59) »Kranewitnit, ^) jwuper, cotnmun, Lin. Die Krane-
witstaude ist noch jetzt beim Volke sehr gesehätzt und war es
einst wol weit mehr; darauf lassen schon die zahlreich davon ge-
nommenen Orts- und Häusemamen schliessen. —
Das Holz und besonders diejenigen Reiser , woran viele Na-
deln stehen, sind das beliebteste Räucberungsmittel. Ist in einem
Hause ein Kranker, so wird nicht nur im Krankenzimmer, sondern
häufig auch in allen Zimmern und Stuben damit geräuchert Wü-
thet in der Gegend eine geräbrliche Seuche, so sucht man sich
vor der Ansteckung dadurch zu bewahren, dass man im ganzen
Hause fieissig mit Kranewiten räuchert —
') Wol Kolomannswurui. Siehe GewiUer 12. —
*) Wo], weil er Kornvater heisst.
*) Aas »grüner Wid« gebildet» wie Groamit aus GrünmaluL
112
Sogar in den Fleisckselcbeii macht man lue und da Krane-
witrauch an, weil das so geselchte Fleisch besonders gut und
gesund ist —
Die Kranewitwipferl nimmt man nicht nur zu Palm-
buschen, sondern auch cum »Wenden. • Man bereitet daraus auch
einen Absud für die Wassersucht. ^
Noch bsiu6ger aber wird von den Kran ewitbeeren Gebrauch
gemacht, von den reifen blauen *) sowohl, als auch von den un-
reifen grijnen. Man bereitet daraus ein heilsames 0 e 1 für Bauch-
schmerzen, eine »Sc hm in für die Wassersucht, eine Salsse,
die für allerlei Krankheiten ganz sicher hilft, eine Essenz, in-
dem man sie in Branntwein ansetzt; gibt sie als Raucker in die
Gluth und rauckt damit Stube und Stall Herrscht irgendwo . eine
ansteckende Krankheit, kaut man die Beeren und isst sie, be-
sonders , wenn man in ein angestecktes Haus geht. Als die wirk-
samsten gelten Beeren, welche am Sonnenwendetag in der zwölf-
ten Stunde Mittags gesammelt werden. Daher auch der Brauch,
dass ro^n in dieser Stunde »Kraniwötbör bei tin« geht. —
Ueberdiess beschränken sie des Teufels Wissen , thun seiner
Macht Einhalt; wo Kranewiten stehen, haben er und Hexen und
aller Zauber weniger oder gar keinen Einfluss. —
Einst hatte ein Bauernbursche mit einem Teufel einen Ver-
trag abgeschlossen ; er verschrieb ihm seine Seele , wenn er bis
zum bestimmten Tage nicht wüsste, wie er heisse. Dafür erhielt
er Geld, so viel er wollte. Die festgesetzte Zeit war nun um,
es fehlten nur mehr 3 Tage, und der Bauernbursche wusste noch
keinen Sterbenslaut von dem verhängnissvollen Namen. Wie be-
greiflich, war er darüber sehr traurig. Da gab ihm ein Freund
zu rechter Zeit guten Rath. Dieser wusste nämlich, dass der
Teufel sich häufig auf einem grossen Berg in der Umgegend
^) Blau ist auch Blitzfarbe. Die ZusammenBetzung «blitzblaut ist bekannt.
Von einem Kleid oder Gewand von blitzblauer Farbe hörte ich als Rind
öfters im Scherze sprechen. Ausdrücke wie: »Einem etwas blaues, einen
blauen Dunst vormachen, einen blau anlaufen lassen, das geht ins Blitz-
blaue ■ dürften woi daraus erkJUrt werden, dass der Blitz das Auge blendet
143
aufhalte, wo er oft alteriei singe und jodle. Dort seien auch eine
Menge Kranewiten; wenn er sich darunter verstecke, so kenne
er vielleicht den Teufel belauschen und dessen Namen erfahren.
Der Bedrängte folgte der Weisung und verbarg sich unter den
Kranewiten. Der • Ganggerl • hüpfte mit grossem Schall und
unter t höllischem Gelächter ■ hin und her, sprang und sang:
»Gfreut mih sfst nix äs wie das, dass da Baunbua not woass,
dass öh •Spitzbärti hoass.« Am dritten Tage nun stellte sich der
Teufel ein, des Fanges völlig sicher. Doch au seinem Verdruss
antwortete der Knecht auf die Frage: •SpitzbärtÜi »Henendi,
wie ein Ros, verschwand er, scheusslichen Gestank zurück-
lassend. —
60) K r e n. Man hängt 9 Rädchen gegen die >Dörrc an
den nackten Leib an. —
Zu dem iGweihtem (Ostersonn(ag) gehört nothwendig auch
der Kren. —
Wenn man zu Ostern 3 Rädl geweihten Kren isst, fällt
einen keine Ohnmacht an.
Redensart. Sich län Kren göbn.f — Der ist just zum
Krenreibn recht. —
61) tKuMkraut«, wol aus Kunigundenkraut verkürzt.
Nach Höfer 11. 184 führen diesen Namen Ukymus $erpiU, u. vulgar.
und tormenliU. erecta Lin. ^
Es gilt nach ihm als ein vorzügliches Mutter* oder Frauen-
kraut. —
Doch auch in den Viebställen findet es häufig Anwendung.
Es wird am Sonnenwendetag oder zwischen den Frauentagen ge-
sammelt und als Raucker gebraucht, oder zwischen 2 Broten ein-
gegeben oder in die Viehstöri gebacken. Es schützt das Vieh
nicht nur vor Krankheiten, sondern bewirkt auch, dass die Kühe
reichliche und gute Milch geben, daher wäscht man auch mit
einem Absud davon das Euter der Kühe und die Milcbhäfen und
ismnertt sie sodann; man hofft, dass die hineingegossene Milch
recht dick aufwirft. —
144
tl) Leberkrallt, miem^n. hepoi. Lin. Nach H^fer II.
200« »wird BS wider die Verstopfung der Leber angertihmt« —
63) Leinsamen. Man Dinmit, Hdfer IN. 131, etwas
Leinsamen in die Hand, baut ihn auf einem Aeker an mit den
Worten: »72 Fieber seins, et ja, das, was ih lian, bau ih an,
Nams Vater, Nams Sobn etc. etc.i Wie der Sanken aufbiübt,
muss das Fieber hinweg sein. —
Heirathslustige Dirnen streuen am Thomasabend iLiiisitt
rückwärts über den Kopf. — ^
64) Linde. Lindensaft ist gut (Ur die Wassersucht ; aus
linärio Bast noaebt man allerhand gute Schmim gegen verschte»
dene offene Schäden, indem man ihn in Rindschmalz oder in
frisch gerührter Butter kocht und ausbrät,
65) Lungenkraut, pulmon, o/ßcin, Lin., Hofer IL 224,
•ist ein zusammenziehendes Wundkraut. ■
66) »s* M ä n dl am We g.i Ist gut gegen Krämpfe. —
67) »Manätresäl,f bellis perenn. Lin., bisweilen, Hofer
III. 49, auch tRuckerli genannt. —
Wenn sie ungewöhnlich lange Stiele haben, kommt eine
»Sucht« ms Land. —
6S) Wenn die »MoareM« (Mairöhrlein), d. h. die Blüthen
von leonlod. tharaxöc, hoch sind, wird aueh der >Har« koch. —
69) »Mundfäulkraut«, nach Höfer II. 273, ein Name
verschiedener Kräuter, welche wider die Mundfäule und den Skor-
but dienen, als rumex aeeios., primul, veris^ chenopod. vulvar.,
chelidon. majus, hin. — Siehe auch 17 und 27.
70) N a r r e n ä s t e. Die Narrenäste kommen vorzüglich
an Kirschbäumen und Weisstannen vor. Das Volk meint darunter
eine eigenthümlich gestaltete Ueberwucherung der Aeste, welche
mit einem Elsternnest Äehnlichkeit hat. —
Diese Aeste soll man nun nicht verbrennen, noch weniger
von der Frucht, die an ihnen wächst, gemessen, wo mögltek sie
gar nicht anrühren ; mit dem , der sich davor nicht in Acht nimmt,
kann der iNarr«, d. h. der Teufel sein Spiel treiben. ^- Wer
Kirschen isst, welche an einem Narrenast stehen, wird nlrnsch. —
Ill
71) NeidkUe, trifok melU$l. cMerul Lin,; H&fer U. 282;
•man rlluehert damit die ViehstiiUa, dass das Vieh nicbl beschrieen
und beneidet werde.« -^
72) Neidkraut, «) a$anm euröp. Un. (Siehe 41.) Et
wird gedörrt und als Stupp gegen den Neid dem Vieh Kwiseh^n
2 Broten oder im iTrank« gereicht. —
73) iNimm mir nichts,« (Sieh 11) hemiüria gldbr,
Lm, »Dieses heilsame Kraut, (Höfer H. 292), welches eine zu-
sammenziehende, kühlende und trocknende Kraft hat, kommt hSuflg
an den Ufern der Traun vor, und das Volk glaubt, aus einem
Hause , wo dies Kraut aufbewahrt wird , kann die Hexe nichts neh-
men oder wegtragen. Im Gebirge wird unter diesem Namen der
Alpen-Frauenmantel, tUchemiU. alpin» lAn., verstanden. —
74) Nussbaum. Der Nikia streut nebst Aepfeln auch
Nüsse aus. — Die »Nusslieohdn« bestimmen die Lebensdauer. —
Heirathslustige Dirnen, welche Stecken werfen, wählen hiezu den
Nussbaum. «-<- Nur auf einer Nussbaumwurzel kann man, nach
einigen, kreisstehn. —
Ein Absud aus Nussbaumblättem ist gut fiir die Würmer. —
Räthsel. Ei*wenö* fleischär, auswenö' fleisch^r und ön
di Mit hülzär. — S* ist wier6 Bibergall, Essens d' Herrn überall.
Nuss in der grünen Schale. —
75) R e 1 1 i 0 h. Er soll am Sonnenwendetag vor der Sonne
gesetzt werden. < —
76) R 0 s m a r i n ^ >R a s n m a r T.« Wird in gar manchem
Bauernhaus sorgfiltig gehegt und gepflegt. — Er gilt als das Ab-
seichen unversehrter Jungfräulichkeit. So dürfen nur die lEngerU
«m Frobnleiohnamstag und die Jungfrauen bei Prozessionen Kränze
von Rosmarin auf dem Haupte tragen.
') Der »Neid« spielt besonders in Angelegenheit des Stalles eine grosse
Rolle. Doch auch Menschen, vornehmlich Kindern, kann er Schaden
bringen. Es gibt auch eine Menge Mittel, welche gegen den »Neid«
BohStien. —
*) Jedenfalls mit dem Gewittergott in Verbindang. -^
10
116
Die Weiber stecken nur kleine Sträusschen an die Brust»
und das nur, wenn sie Hochzeiten beiwohnen. Jünglinge hinge-
gen tragen auf Hochzeiten 3 vergoldete Rosmarinaträusschen auf
dem Hute und Jungfrauen einen Kranz davon auf dem Kopfe.
Auch jungfräuliche Bräute tragen an dem Hochzeitstag einen Ros-
marinkranz auf dem Haupte , aber darnach auch niemals wieder. —
Er ist aber auch Todtenstrauss. Bei Leichenzügen eines Jüng-
lings oder einer Jungfrau tragen die an der Leichenfeier thcilneh-
menden Jünglinge und Jungfrauen Rosmarinkränze und Sträuss-
chen. Jünglinge erhalten ein Büschlein Rosmarin in die Bahre,
verstorbene Jungfrauen einen Kranz auf den Kopf, und selbst ihren
Särgen wirft man solch» Sträusschen ins Grab nach. Hie und da
macht man auch die Weihbüschel am Sarge des Todten aus Ros-
marin. —
Rosmarin, in Branntwein angesetzt, dient als Heilmittel gegen
die Auszehrung. —
77) Rothwurze, onosma echioid. Litu >ln den Apo-
theken gewöhnlich anchma lutea ; es wird in Butter zu einer rothen
Salbe gekocht, welche für Verrenkungen, Geschwulst, Engbrüstig-
keit dienlich ist. Auch die Wurzeln von ecMum vulgar, werden
zu dieser Salbe genommen.« Höfer HI. 46. —
78) Ruhrkraut. Höfer III. 50 , führt als unserem Volk
bekannt an: das weisse, euphras ofjfic. Lin., das rothe, eupator,
cannabin.f und das schwarze, origan, vulgare, — Doch führen
auch noch andere Pflanzen diesen Namen. —
79) Schafgarbe, achiUea miUefoL Lin, Sie heisst in
unserem Gebirge, Höfer I. 65, das Bauchwehkraut, weil sie dem
Vieh, wenn es »den Bauchweh« hat, unter das »Trank« abge-
sotten wird. Auch fur Menschen wird es in der Ruhr sehr an-
gerühmt. Von einigen wird die Schafgarbe auch »Margarethn-
kraut« genannt, weil sie um das Fest dieser Heiligen blüht —
Auch der Name »Herrgott-Ruckenkraut« kommt vor. —
80) Saturqi, »Zaderei«, saturej. hört. Lin.^ Höfer 111. 62,
sie wärmet und stärkt den Magen, führt die zähe Feuchtigkeit ab,
zertheilt die Geschwulsten. —
117
81) Seidelbast, h'äufig »Zwülindn.c Man sucht ihn
wo möglich blühend zu bekommen und bindet Zweiglein in den
Palmbuschen, theils um davon zu gewissen Zeiten dem Vieh ein-
zugeben, tbeils um insbesonders die »Harwindnt zu wenden, in-
dem man dem Vieh damit auf den Rücken »schmeisst« und dabei
einen Spruch hersagt. — In Buchkirchen heisst diese Pflanze
»Sei*lbäm.«
Der Seidelbast, (Weisskirchen) nur ein am Boden hinkrie-
chendes Sträuchlein, ist einst ein stolzer, hoch ragender Baum ge-
wesen. Aus seinem Holze wurde das Kreuz gezimmert, woran der
Gottmensch litt und starb. Da traf ihn aber der göttliche Fluch,
und er schwand zu der unansehnlichen Pflanze hin , welche er
annoch ist.
82) Schelmwurze, hellebor. virid, Lin., wenn das Vieh
den Schelm *) hat, »wird ihm. Höfer III. 71, ein kleiner Theil
dieser Würze eingezogen«, besonders thut man dies den Schweinen.
83) »Schlaf, Schlafbozn,« Auswüchse der Hagebutte.
Sie verleihen, unter den Kopfpolster gelegt, vorausgesetzt dass man
sie nicht mit der blossen Hand berührt hat, dem darauf Liegenden
Schlaf. — Wenn man einen »Schlaf« unterlegt, der muss so lange
schlafen, bis man diesen wegnimmt. —
Auch sollten sie den Kühen Fruchtbarkeit geben ^). —
84) Schmiele, aira Lin, Wenn der Teufel ausfahrt, so
verlangt er in ein »ungebundenes Fass ^),« oder in einen »Schmeler
am Weg« fahren zu dürfen. — In den »Schmelnärn« sitzt häufig
'} Schelm, Schölm , nach Höfer allgemeiner Ausdruck einer gerährlichen Vieh-
krankheit oder einer Viehseuche. So hat eine Kuh den MUchschelm, wenn
sich die Milch verzieht, den Blutschclm, wenn sich Blut verschossen hat
Die Hühner haben ihn, wenn Kamm und Schnahel schwarz werden. —
•) Ist ein Bhtz- oder Donnerkraut. Siehe Luft 10. —
') Räthsel. Zwei Säulen, ein Fass, eine Mühle, zwei Lichter, ein Wald.
Der Mensch. Der Vergleich des Leibes mit einem Fass ist uralt Man
hört daher auch wol sagen, dass es gut sei, einen Bing zu tragen. Fass
und Reif gehören zusammen. -^
10»
lis
der Teufel — • Einst wurde einer besessen» als er Erdbeeren an
Schmelern wie an einer Schnur anreihte. -^ Im Mühlviertel sagt
man, der Teufel, nachdem ihm der Herr Jesus befohlen, in die
Säkie zu fahren, sei, als diese in den See sprangen, in die Schme-
Um gefahren. •— Man hört auch nicht selten die Warnung, ja
nicht mit einem Schmeler sich die Zähne »auszustritni , man könnte
sonst leicht besessen werden. —
Sind die Schmeler hoch (lang), wird auch im Winter der
Sdinee hoch. —
85) Sprengwurz. (Handschriftlich). >Im Frühling sieh
auf, wo zwei Frosch aufeinander sitzen. So nimb den unteren,
thue in ein Glas, verbirge dich. So kommt ein Gsell und bringt
ein Wurzel, hält sie vor das Glas; so zerspringt das Glas. So
nimb dieselbige Wurzel, so hast du Sprengwurzel *).■ —
86) »Schrä dl kraut,« Hex aquifol Lin. Ist gut gegen
alle Zauberei. —
87) Schwarzwurz. Man legt sie gequetscht auf kranke»
besonders wunde Glieder, —
88) Schweigg, corydal, cav, Lin. Wird sehr häufig ge-
sammelt und gedörrt, und wenn man das Vieh für behext hält,
angebraucht, indem man davon in einen mit Gluth gefüllten Hafen
gibt und das kranke Stück räuchert. —
89) Teufels A b b i s s. Höfer III. 227. Ein allberühmtes,
beUsames Kraut. Höfer führt eine Stelle aus Schönspergers Kräu-
terbuch an: »Oribasus, ein Meister spricht, dass mit dieser Wurzel
der Teufel als (also) grossen Gewalte treib (trieb), dass die Mutter
Gottes ein Erbärmde darin hett (hatte). Und nahm dem Teufel
den Gewalt, dass er darnach nit mehr mit schaffen mocht. Und
von grossem Grimmen, dass ihm der Gewalt entgangen was, do
beiss (biss) er sie unten ab. Also wächst sie noch heut des
Tagens, —
90) Wagenblume, chrysanth. leucanih. Lin,; anderswo
*) Sie ist ein Bild des Blitzes, der die Gewitterwolke sprengt etc.
149
»Si. Petersblume« ') genannt^ Höfer III 265. Eben derselbe
deutet die in der Heimat üblichen Namen »Wagen- oder Rad-
blume ■ damit) dass man sich dabei die Geslalt eines Wagenrades
vorstellt ^). —
Man nimmt die Blume, zupft die Strahlen bis auf einen aus,
nimmt sie dann zwischen die Hände und dreht sie unter den
Worten: »Spitz, spitz, Wo mein Weib sitzt« herum. Wo nach
geendetem Drehen der Strahl hinzeigt, aus der Gegend ist die
Zukünftige. —
Oder man nimmt die gelben Samen, legt sie auf die 'äussere
Handfläche und schwingt die Hand in die Höhe« So viele Samen
nun auf ihr liegen geblieben sind, mit so vielen Kindern wird die
künftige Ehe gesegnet (oder auch, so viel Geld bekommt man). —
Die Dirnen reissen die Strahlen der Reihe nach ab ; mit wel-
chem sie beginnen, ist beliebig, und sprechen dabei: »Jungfrau,
Kellnerin, Köchin, Sau.« Knaben: »Edelmann, Bettelmann, Bürger,
Bauer.« Kinder ohne Unterschied des Geschlechtes: »Kaiser, König,
Amtmann, Schöri.« Das Wort nun, welches auf den letzten Strahl
trifft, bestimmt die Zukunft.
Aehnliches thut man mit dem Manätresälin Steinerkirchen
und Umgegend: »auch Mangäresäl« genannt. —
Um den Atter- und Mondsee bedient man sich der Wagen-
blume, welche hier »Wucherblume« oder auch »Bedl-
mändl« heisst, um zu erforschen, ob man das Jahr noch am
Leben bleibt oder nicht« Man legt sie nämlich auf ein Brett und
lässt sie über Nacht im Freien. Dessen Blume des andern Mor-
gens verwelkt ist, der stirbt noch in dem Jahr. —
91) Wegerich, plantag. media, hin. Man reisst die Blätter
mitten quer ab, und die Zahl der hervorstehenden Aederchen ent-
spricht der der begangenen schweren Sünden. Die Kinder, wenn
gie dieses thun, sagen dabei: »So viel Fadn, So viel Lugn.« Er
heisst auch das »Sündenkraut.« —
<) Dieser Name schon weist auf Gewitter hin. —
*) Auch Wagen und Rad deuten auf Gewitter. —
150
92) Wegwart, cichor. intyb. lAn, Wer an einem Apostel-
tag eine Wegwart ausgräbt, am besten eignet sich hiezu ein Hirsch-
geweih, auf keinen Fall aber darf man die blosse Hand dazu
gebrauchen, sichert sich die Liebe der Person, welche er mit ihr
berührt. — Ein Mädchen weinte unmassen um ihre Mutter *)
welche der Tod hin weggenommen hatte. Umsonst versuchte man
alles mögliche, sie zu trösten. Selbst u. liebe Frau erschien ihr
und tröstete sie vergeblich. Sie gab nur immer zur Antwort : >Rh
ih thuc*s Woan äfhe*n, Wül ih lieber zarÄ Wögwart wc"'n!t Zur
Strafe wurde sie dazu verwandelt.
Die Wegwart wechselt, wenn sie blüht, 3 mal des Tages die
Farbe; morgens ist sie dunkel-, Mittags licht-, Abends fast weiss-
blau. —
Pflückt man eine Wegwart in der 12. Stunde Mittags und
steckt sie in einen Ameishaufen, so fliessen bald Blutstropfen am
Stengel herab. Es ist aber ein Frevel, es zu thun. —
93) Weichsel bäum. Weichselbäume werden von hei-
rathslustigen Dirnen am Thomasabend, unter einem gewissen Spruche
gebeutelt. — Mit Schiefern aus einer Weichselwurzel stochert man
die Zähne aus und lässt sie (die Schiefern) sodann wieder ver-
wachsen. Es hilft gegen das Zahnweh. —
94) Weide, Fälwä, Fälhärä'). Mancher nimmt zu
dem Palmbuschen auch Zweiglein von der gelben Felber, von dem
Volke iFelberf schlechthin genannt, von der jedoch immer die
»Wi'l«, d. h. die Widlein (Bänder aus Holz) sein müssen. Von
der weissen Felber oder der »Palmstaude, auch Weide
schlechthin heisst sie das Volk, nimmt man, in der ganzen Um-
gegend von Kremsmünster, die Mu*i zu dem Palmbuschen, d. h.
die Kätzchen, welche einen Hauptbestandtheil desselben bilden. —
Die dünnen, biegsamen Rütlein der Felber gebraucht man, um
damit die Gelbsucht zu wenden. Auch zum Kreisstehen bedient
man sich ihrer. — Ucberhaupt bohrt und vernagelt man Krank-
*) Versionen derselben Mythe nennen statt der Mutter den Geliebten. —
«) Würde in der Schriftsprache Felberich lauten. —
151
heilen häufig in Feiberstöcke ; man »bindet,! »hengt« sie auch
dran. Man nimmt eine Felbergirtn, macht 8 Knoten darein und
sagt jedesmal: »Widl dich, widl dich, Fiebä sänd 72; dös Fiebi,
dös ih han, dös bind ih a'' den Felba an.f Der Felberstock dorrt
ab, und das Fieber weicht. Oder man lauft 72mal um eine Felbä-
staudn und spricht: »Wind dich, Widl, wind dich, Fiebi sand 72;
dös Fiebä, dös ih han. Dös heng ih dran.f Die Feiberstöcke sind
meist zerspalten und zerrissen und moderig und zwar, weil Judas
sich an einem »Felwä» erhenkt hat. -^
In der Hegau , unweit Kremsmünster , stand einst , alte Leute
denken es noch, ein Felberstock, von dem die Rede gieng, man
könne ihn nicht aus dem Boden herausarbeiten ; auf jeden Streich
oder Hieb sprühe Feuer aus ihm. *) Das Feuer wurde mit dem
Teufel in Verbindung gebracht —
Hedensar t. Gewachsen sein, »wierä Fälwastock.« ^
95) Weinkraut, nUa graveoL Lin, Höfer l!I. 277. Das
Weinkräutel hat eine erwärmende, seh weisstreibende Kraft, wider-
steht der Faulniss, Pest und dem Gift, dienet daher wider Lungen-
sucht, Krebsschäden, ungesunde Ausdünstung. In dieser Absicht
wird es theils in den Freithöfen gepflanzt, theils Todten in den
Sarg gelegt und heisst desswegen auch >T o d t e n k r ä u t e I.>
In Sierning und Umgegend gibt man den Leichen Kränze
von Weinkraut um den Hals, oder legt sie ihnen auf die Brust;
sie werden beim jüngsten Gericht zu lauter Goldblumen. — Aus
Weinkraut macht man auch die Weihbüschlein ; man legt auch diese,
bevor der Sarg verschlagen wird, zu dem Todten in die Bahre. —
96) Weisswurz, convallar. polygon. »Unsere Buben,
Höfer III. 310, legen die gestossene Wurzel über, um die blauen
Flecke zu vertreiben, welche sie bei Haufbändeln erhalten haben. •
') Hier zeigt sich der Felber gar sprechend als Abbild des Gewitters, der
Gewitterwolke. —
*) Scherzhafte Umschreibung eines schlechten Wuchses. — Auch der Felber
tritt als > Feibin ger* auf. —
162
97) Wideriat. W i d e r t o n. «) Kriminalakton Scham«
ftlein 1648: »Eine herrKcbe Sach, dass man einen niobt veraau*
bern kann, wuchst auf den höchsten Feiten und muss bei ab-
nebmendeia Mond gegraben werden.« -^
Im Verein mit Kulkraut und Ehrenpreis tritt es in einer
ungemein oft vorkommenden Sage auf. Der Teufel wollte etnsl
in Gestalt eines Jägers ein Mädchen Yerrühren. Oft war er sclion
nachts an ihr Fenster gekommen» sie war, so zu sagen, beinahe
schon sein. Da ersah sie einmal, als sich der Liebhaber nach
einem nächtlichen Besuche wieder entfernte, an dem Pferdefuss,
dass es der Böse wäre. Sie setzte nun einen Kram von Ku*lkraut»
. Ehrenpreis und Widertat, auf den Kopf und steckte einen eben
solchen Strauss vors Fenster. Als nun der Böse sein Lieb wieder
besuchte, musste er in der Ferne bleiben, Kranz und Strauss
liessen ihn nicht zum Fenster, und traurig singend: iKu^lkraut,
Ehrenpreis und Widertat, Habn mich um mein Herzliebste bracht!«,
zog er ab, um sich nie mehr einzufinden. —
Häufig, besonders im Flacblande, hört man statt des Wider-
tat das »Weinkraut« nennen. —
98) Wurmkraut, lanacel. vulg. Lin. Wird wider die
Würmer gebraucht. Unter dem Namen »Wurinsamen« sind vor-
züglich chenopod, anlhelminL und arlemis. judaic, bekannt. Höfer 111. 308.
99) Zeitlose, cokhic, anlumn, Lin. Die Zwiebeln der
Herbstzeitlose, »Ruhrwurzn«, »Ruhräpfel«, auch »Kaibl«
genannt, schützen, im Sacke getragen, vor der Ruhr. Die oh
schon im März oder Frühling hervorsprossenden Samenbeutel nennt
') Güldner Widerion, polyirioh. aur. beisst auf Island SU^har, d. h. Haar
der GöUin Sif. Bei uns soH polylrich, commun, uut^r dem Volke Jung-
frauhSrlcina heisscn. Pflanzen, welche das Volk bei uns mit Frauennamen
nennt, sind nacb Höfer ausser den bereits angcHibrlen: briia media, u.
1. Frauen Haar; dimtüms plumar,, zotticbtos GreU; nigeUa danuucen.,
GreU in derStaudn; galanih. nivaUs,, Schneekattierl; gaimm vtnun, unser
1. Frauen Beitsiroh; pama$$iM pokutr, FrauenblUenel ; iwutoet, baUamUa,
Frauenmünze. —
1S3
das Volk •Minenluibl.a In Buchkircben tritt die HerbsUeiilose
unter dem Namen »Rockistimpfl« auf. ^) —
Aus den Zwiebeln der Zeitlosen wird eine »Lausschmir« ge-
braten. ^-
100) Zwetschkenbaum. Man beutelt sie am Thomas*
abend, wie die Weichselb'äume. —
Das Mies des Baumes ist gut gegen offene SclUlden. —
Am Ende sei noch einiger HeUmitlely zu deren Bereitung
mehrere Kräuter und Pflanzen zugleich dienen , und gewisser Tage
gedacht, an welche sich Bräuche knüpfen, welche mit Kräutern
und Pflanzen in Verbindung stehen. —
101) Bettlersalbe, auch grüne Salbe, unguent,
tneudieor. Höfer I. 80« Man nimmt dazu Alberbrossen , Knospen
von Birken und Eichen, Breonesselblätter, Waehholderbeeren und
Abbisswurzel und kocht sie» gut zerstossen, in frischer Butter ein,
bis die Flüssigkeit verzehrt ist. —
102) In den Räthen der heilkundigen alten Weiber spielen
die S a 1 s s e n eine wichtige Rolle. Ausser den im Verlauf be-
reits genannten sei als besonders »kräftig« noch der aW e i n^
schärling«- und der »Kreuzbeersalssn« erwähnt, so
wie einer Art S e i m e s , der aus jungem Aepfelmost durch Ab-
kochen bereitet wird« —
103) Pestessig, auch Spitzbubeneasig genannt Vor-
züglich ward Rosmarin, Weinkraut, oft auch Kranewitbeeren dazu
genommen; nebst diesen Salbei u. s. f. Höfer 111. 163.
101) Der »N e i d r a u c k a«, womit man das Vieh öfters
räuchern soll, damit ihm der Neid nicht schaden kann, besteht
aus folgenden 9, einst auch geweihten Kräutern: 1) Widertat;
2) »Nimm mir nichts •; 3) Wagenkraut, paientiU. anserin, Lin.;
4) Falsches Weinkraut, asplenium rata murar.; 5) Zögerlkraut,
dicran. scopar.; 6) Ku'lkraut; 7) Johanneskraut; 8) Schelmkraut;
9) Echtes Weinkraut. —
*) Bu dieser NanensUUhing ist wol nicht mir das Aussehen der Pflanze,
sondern aacb die Zeit, wann sie blüht, bestinoKnd gewesen.
154
Statt Widertat ninmit man auch Wermuth und statt »Nimm
mir nichts • Fünflßngerkraut , potentiUa reptans. —
105) Palmsonntag »Palmbusch en.« In Steiner*
kirchen und Umgegend nimmt man zu den Palmbuscben : 1) Palm-
zweige (siehe Weide) ; 2) Felberschüss *) (siehe Weide) ; 3) Hasel-
schüsse ; 4) Segenbaum, juniper, sabin. Lin.; 5) Zwülindn ; 6) Eicben-
zweige; 7) Schrädl, ilex aquifoL; 8) Albäräzweig; 9) Kranewit-
wipferl; 10) Wintergrün, hedera heUa; 11) Buchsbaum.
Zu Stäblein werden junge Haseln, zu Widlein dünne zarte
Felberrüthlein gebraucht. Die Mu*l liefert die »Weidet (siehe
Weide.)
Nicht selten bindet man auf den Palmbuscben Äepfel, welche
fur diesen Tag eigens aufbewahrt >^'urden ; die Zahl schwankt zwi-
schen 1 — 5 , beträgt aber kaum jemals mehr.
Mitunter bindet man in den Palmbuscben auch ein Kcklein
Wicken, um sie nach der Weihe den Tauben zu futtern, damit
sie »das Flöogad nicht fahe.«
Auch ein rothes Seidenband sieht man öfters angebunden,
welches nöthigen Falls wider das »Leogföor« (Rothlauf) gebraucht
wird. —
Der Grund, warum man den Palmbuscben eben so zusam-
mensetzt , liegt in den Meinungen , welche man von den verschie-
denen Bestandtheilen desselben hat.
Von dem Buchsbaum heisst es zwar, er diene nur als Zier. ^)
Den Segenbaura nimmt man, weil auf ihm und überall, wo er
ist, der Segen Gottes ruht; ^) er fehlt daher auch nicht leicht in
dem Palmbuscben. Schrädl kommt vorzuglich in die Büschlein,
welche für den Stall, besonders Rossställe, bestimmt sind. Er ver-
*) Neue, frische Schösslinge.
') Scheint kaum glaublich. Ueberdics heisst es hie und da von ihm, er
müsse dabei sein, obwol er »keine Weihe annehme.« Auch die Eichen-
zweiglein nehmen diese nicht an. —
*) Stutzt sich nur auf das aus »Sehen« entstellte »Segen«; es ist mithin
nicht der ^ahre Grund. —
1S5
hindert den Teufel, das Vieh, «vornehmlich die Rosse bei der
Nacht zu quälen, zu »reiten.« Dasselbe gilt von den Eichenzwei-
gen, nur dass sie weit häufiger als Schrädl und besonders die
gebraucht werden, woran wenigstens etwas altes Laub ist. Sie
halten überall, in Stuben und Ställen und auch auf Feld und
Acker, Teufel und Hexen ab. Die Kranewiten haben dieselbe Kraft;
wo Kranewiten sind, da können Teufel und Hexe nicht hin. Die
Beziehung der Haselstaude zu Ernte und Stall wurde bereits be-
sprochen. Von der Zwülindn heisst es, sie hätte eine besondere
Kraft, weil dem Heiland, als er seinen feierlichen Einzug in Jeru-
salem hielt , nebst Palmen auch Zwülindn gestreut wurden ; Er
also selbst darüber gewandelt ist. —
Am häufigsten jedoch, denn es findet sich vielleicht kaum
e i n Palmbuschen , der die angeführten Stücke sämmtlich in oder
an sich vereinigte , nimmt man neben den Palmzweigen und Palm-
mu In Segenbaum , Zwülindn , Hasel- und Eichenzweige ; ebenfalls
noch häufig kommen Schrädl, Kranewiten, Älbärä- und Felber-
zweige und Wintergrün vor, am seltensten Buchsbaum u. Wicken. —
Von dem Gebrauche der Palmbuschen wird zu dem bereits
Angerührten der Vollständigkeit halber noch bemerkt, dass man
sie auch in die Getreidekästen steckt und bei Hochgewittern Theile
davon ins Feuer wirft. — Man geht nüchtern zur Palmweihe und
issl, heimgelangt, vor allem andern 3 Palmmul. —
Wenn der Palmbuschen bis zum Schnitt austreibt, heirathet
die Person , welche ihn in das Feld gesteckt hat. —
106) Gründonnerstag. Das erste junge Grünzeug
setzt man, womöglich, am Gründonnerstag auf Auch zupft,
wer im Hause die erste Grünspeise zuerst kostet, den Tischnach-
bar am Ohrläppchen , der dasselbe dem folgenden thut u. s. w. —
107) Ostertag. »Osterblüm ch en.« (Innviertl.) Der
»Dienstbube« muss Vormittags nach dem Hochamte Blumen oder
doch »Sahern«, d. h. Spitzen der jungen Saat oder des sprossen-
den Grases, von Feld oder Wiese holen. Zu Hause legt man sie
in der Mitte des Tisches, der mit einem weissen Tuche gedeckt
ist, im Kreise herum und setzt innerhalb desselben das Essen auf. —
156
108) Georgitag, »Geargiwiscb.« ') PürdiesenTag
macht man in Buchkirchen und Umgegend einen Wisch aus dem
»Grassati einer Rothtanne (Fichte), einer Föhre und einer Krane-
witn, um damit am Georgitage selbst vor der Sonne auszukebren.
Eine Person spritzt auf» die andere kehrt, wenigstens einen Strei-
fen in der Mitte hin. Das Kehricht wird auf eine KreuzsIrasse
gelragen und 2 Besen kreuzweise darüber gestellt. —
109) Frohnleichnamskränze, (Innviertl). Am Vor-*
abend bindet man kleine Kränze von Ku*lkraut und Kleeblumen
und wickelt einen Zettel darum, worauf der Name des Kranzbin-
ders geschrieben steht. Während des Amtes am Tage selbst legt
man sie in die Nähe des Hochaltars. Bevor die Prozession be-
ginnt, nimmt der Messner oder »Grabät die sämmtlichen Kränze
und trägt sie während des » Umganges ■ hinter dem »Himmel« her.
Nach dem Umgang legt er sie wieder in die Nähe des Hochdtars,
woselbst sie die Oktave hindurch liegen bleiben. Erst dann nimmt
man sie heim, um davon verschiedenen Gebrauch, besonders fiir
den Stall zu machen. Man gibt davon zwischen 2 Brotschnitten
dem Vieh ein, den Rest legt man auf ein Milchbrettel, um ihn
in den Raubnächten dem Vieh einzufüttern , oder davon bereit zu
haben, wenn ein Stück erkrankt oder verkauft wird. — Auch ge-
räuchert wird damit. —
Im MühlviertI darf oder durfte in den Frohnleichnams - Krän-
zen vor allem das »Kulkrautt nicht fehlen. —
Zu diesen Kränzen nimmt man (Gunskirchen) vorzüglich:
Stcinnägl, Jungfrauhärl, Jungfrauschuäl , auch Taubenkröpferl ge-
nannt, lotus corfiicul; Kornblumen und Kulkraut. —
110) S on nen wond ctag. Am Abend vor dem Sonnen-
wendetag steckt man während des Gebelläutens Blumensträusschen
gegen Sonnenaufgang an die Fenster. Dessen Blumen am andern
Morgen noch frisch sind , der bleibt das Jahr am Leben. Sind sie
aber welk, so stirbt er. (Atlersee.) —
<) Ist »Is Abbild des bimmliscben Gewitterbesens zu nehmen. —
157
ill) Maria Himmelf ah rts tag. Kr'äuterweihe.
Diese fand auch in Oberösterreich bis tief ins vorige Jahrhundert
hinein statt , und man trug die geweihten Aestlein , Zweigchen etc.
theils bei sich, theils bewahrte man sie im Hause; auch dem Vieh
gab man davon ins Fulter. —
Die Heilkräuter soll man alle •zwischn den Frau'tagm
oder doch in «altn Mant sammeln.
G) Steine.
1) Blutstein. Wer stark Nasenbluten hat, der nimmt, um
es zu stillen , einen B I u t s t e i n *) in die Hand.
2) Donnerstein. Die »Da^ästoal« sind weisse, durch-
sichtige Steine , welche Feuer geben ; mit dem kleinsten Bröcklcin
davon kann man beim Raufen einen erschlagen. —
(Altmünster.) DonnersteinI werden häufig bei der
Feldarbeit in Äeckern gefunden und Abschabsei davon dem Vieh,
wenn es nicht gerne fressen will, eingegeben. —
3) Eisen. Wer Eisen findet, hat den Tag über bis zur
Stunde noch nicht gelogen. —
Hat man sich verwundet, so legt man eine Messerklinge
auf den verletsten Theil. Die Wunde schw'ärt dann nicht, voraus^
gesetzt, dass man dabei nicht gescholten. —
4) Feuerstein. Man schlägt mittelst seiner Feuer über
Stellen des Körpers, an denen sich der Rothlauf zeigt. —
5) Furchtstein. Das •Firöohtstoa'lf hängt man Kindern
furchtsamen Naturells um den Hals oder an die Brust —
6) 6 a 1 1 s t c i n. So nennt man Steine , welche sich in der
Gallenblase von Tbieren finden; sie sind gut für • Gicht und Gall.«
7) Gold. Man hängt es sich um, wenn man die Gelb-
sucht hat. Es hilft schon, wenn man ein Kind, welches diese
Krankheit hat, in den vergoldeten Messkelch schauen lässt. -^
•^MirikMaMMMi^
0 Das Volk neimt d«ii R^ttieisenstein so. —
156
8) Harnstein.^) Der Stein , der sieb in der Barnblase
eines Ochsen findet, wird zu Gold. —
9) Hirn m el SS tein. ^) »ist im Lande ob der Ens un-
weit Traunkirchen zu finden. Der weisse dient dem weiblichen
Geschlechte, der rothe oder graue dem männlichen.« Nun preist
der Zettel die Wirkungen des Steines an und schliesst: »Wenig-
stens kann das Pulver hieven sicher und ohne Gefahr versucht
werden, welches schon vorlängst von zweien hochgelehrten Doc-
toren der Medizin (es werden Namen und Wohnort genannt) vor
gut geheissen und approbirt worden. —
10) Kiesel. Findet man zufällig auf einem Zaun einen
»K iz I i n g s te i n«, so bedient man sich seiner, um damit die
Hühneraugen zu wenden. Man »umreisstc sie nämlich damit, in-
dem man dabei einen gewissen Spruch hersagt. —
11) Kupfer. Man hängt es sich gegen den Rothlauf an.
Jedoch muss man es, soll es anders helfen, von dem Kupfer-
schmid erhalten , ohne darum zu bitten ; auch danken darf man
nicht. —
Für das Nasenbluten ist es gut, ein Stück Kupfergeld in
die Hand zu nehmen. —
12) Schreckstein. Man hängt ihn Kindern um , welche
im Schlaf öfters Zeichen von sich geben, als ob sie einen plötz-
lichen Schreck erführen. —
*) Harnen und Gewitterregen sind wol einst, wenn auch später und durch
Verkehrung auf einander bezogen werden. ~ Mit einer Gewitterpflanze
dem Seidelbast oder »Seidelbaum* wendet man dem Vieh die Harnwinde.
In Wiese oder Acker harnen, wird, wenn auch nur scherzweise, für etwas
die Fruchtbarkeit in einem so hohen Grade beförderndes ausgegeben, dass
an einen andern als den natürlichen Grund gedacht werden muss. Ich
erinnere auch an das einst häufig gehrauchte Wort Brunn Tür Harn. —
Was den Harnstein oben betrifft, erscheint er mir also nur als ndas in
der Harnblase' des Ochsen, in der Hülle der Gewitterwolke verborgene
Gewittergold selbst —
*) Von einigen andern ausländischen Steinen, von deren Heilkraft alte
Anschlagzettel etc. melden, bei einer andern Gelegenheit! — -
159
13) Stein im allgemeinen. Verwundet man sich
auf dem Feld oder im Walde, so nimmt man den nächst besten
Stein, umkreist damit dreimal die Wunde im Namen des Vaters
u. s. w. und legt ihn hierauf wieder genau an den Platz, woher
man ihn genommen hat. — Auch • Gicht, Gall und Schwund«
wendet man mit einem Feldstein und zwar dem ersten besten.
Doch muss man mit ihm einen Kreis um das Feld ziehen, woraus
man ihn eben nimmt, und dabei sagen: »Stein, ich nimm Dich
aus diesem Grund Und wend mit Dir Gicht, Gall und Schwund.!
Im Namen Gottes des Vaters etc. etc. —
14) Auf dem Rosskogl hinter dem Almsee findet sich an
einer Stelle eine E r d a r t , welche eigentlich gelb gefärbt ist.
Man glaubt, sie wäre zum Goldmachen geeignet. —
161
Zur Seite 3t.
Feuersegen a.
Von Gott und seines Gesandten,
unserM lieben Herrn Jesu Chrieii, f* unsere
Herrn , Heilands und Seligmachers , ein gnadenreicher
Feuersegen 9
so alien frommen Christen in grossen Feuers ^ Söihen kann
damit geholfen werden.
Er ist auch dermassen gut und nützlich in einem Haus und
Hof zu bewahren , wegen allein widerwärtigen Unglück des Feuers,
auch zu allen Brünsten gut und dienlich ; auch zum Gebrauch der
harten Kindesmütter, um sie von ihrer harten Leibsgeburt zu
entledigen.
Sw Matkius
t Consum
S. Lucas
8. Michael
S. Bafael
S. Florian
S. Markus
t malum est
S. Joannes
S. Gabriel
S. Uriel
S. Vitas
Ort pro nobis
4. N. R. J.
R. J.
Jesus hat am heilieen Oelberff
bluti^n Angst-Schweiss ge-
sohwitzel, um das roenseE-
liehe Geschlecht zu erlö-
•en, und vor allem Un-
glück des Feuers zu
bohüthen. Amen.
Jesus. Maria
u. Joseph.
LN.R.J.
tttt
Wenn man das Feuer sieht , muss man es schon von weitem
ansprechen und sagen: Sei mir itiilkommen Feuersgast , greif
fdeht weiter, als du jel%t hast (ffasst, das gebielh ich dir
11
Fmteraglut im. Namen dtr atterhettigtlen DreifaUigkett, 0M .
de» Vater* f, Söhnet f und hetligen f OeUtea. Awien.
3 HaL Hernach , weno du beim breanenden Haul oder Gebäude
bist, geh rechler Hand 3 Mal berum, und bete 3 Mal folgende
3 Gesettel, oder was im Kreis inwendig steht. Kannst du aber
um das Haus oder Gebiude nicht herumgehen , so bleib' dort sto-
ben , wo das Feuer am gefährlichsten ist und bete :
0 Feuer und Oluth ! ich gebielhe dir durch Gott und
«ein h. rotenfarbea Btut , f da»» du mir unterthänig biat auf
dieee gegtnuiärtige Stund und Augenbtick durch den wahren
und lebendigen Sohn Göltet meine» himmliaehen Vater», f
0 Feuer uitd Qluth, »lehe »litl, ao wahr al» Je»u*
Chri»tu» »tunde am Stamme de» h. Kreuxe». f 0 Feuer und
Gtuth , behalte deine Flammen, »o wahr at» Maria, dtt
Mutter Je»u, behielu ihre Jungfrau»ehaft , durch Chrieti
Geburt und »eine hl. Auferttehung und durch <eJn« hl. Bim-
mutfokrl und durch alle Erzengelein Oolte» f, damit GoU
der Herr Jeeu» Chriilu» den Bimmel damit beKieret hat.
O Feuer und Gluth , die»» gebiethe ich dir bei dem
»trengen Oerichttlag , da Gott der Berr kommen wird und
erwecket alle die todten Men»chen in äieeer Welt. 0
Feuer und Glulh, in Galt den himmlieehen Veter gib ich
dich f, und in Gott den Sohn befehl ich dichf, und in OoU
den hl. Geiet verpfticht ich dich, f Auch GeU bei »einen hl.
6 Wunden beeehwör ich dich , f da»» du mir, o Feuer und
Gluth, in Dampf und Rauch vereehwinden mu»»t. 0 Feuer
und Gluth , da» gebiethe ich dir durch da» bittere Leiden und
unter» lieben Berrn Jetv Chriat , da»» du ttilte ttehtt
tht weiter geheet. Im Kamen Gott de» Vater» f und
hn» f und de» hl. Qeitte». f Amen. 0 Fiuer und
dir »ei gebothen bei der gbttlichen und Mendigen
Balte» f , da»» du , a Feuer und Ftamwien , in dieaem
Bau» und Bef und »amtmt allen denen , »o imrin
163
sind, hei dem hohen und theuem Namen Jesu ChrisU f nichts
magst thun, weder f>erderben, his dass unsere liehe Vrau, die
Mutter Gottes 9 einen anderen Sohn thut gehären y in Jesu
Christi f und der aliersetigsten Jungfrau Maria und Mutter
Gottes Namen.
^li^Jx'^ 0 Feuer und Gluth, ^^v!^
,^!^/^ »»* aller deiner HiUe Roth bist ^S
^y^ <*« beschwört bei Sonn und -Mond, bei Laub
^j^V^and Gru, bei Himmel und Erden und bei allen
^/ Enengelein und bei der allerheOigsten Dreifaltigkeit I Im Na- ^-
^/ men Gott des Vaters t und Gott des Sohns t und Gott des hlN^
^ / Geistes t Amen , dass du, o Feuer und Flammen , in diesem gan- \%
^/ zen Haus und Hof ohne allen Schaden und Leid stille stehest, also
^1 wie du Wasser in dem heil Jordan still gestanden ist, da der heiL
V:/ Jünger Johannes Jesum Christum geUufet, den lebendigen und wahren
Sohn Gottes; so widerfahret deinem Haus und Hof und allen die darin
sind , Fried und Freud , auch gute Gesundheit bis in Ewigkeit Jesus Chri-
stus der Herr behüthe uns vor dem Höllenfeind , er gebe uns seine göttli-
che Gnad und Segen hier zeitlich und dort ewiglich. Die hohe und nnxer^
tfaeilte heü. Dreifaltigkeit , ewiger Gott Vater t Sohn t und heil Geist t / f"
^\ Amen; der Friede und Segen unsers lieben Herrn Jesu Christi und die /^
't\ Kraft und Wirkung seines allerfaeU. bitteren [Leidens und Sterbens /(^
. A **o^ <^» Zeichen des heil. Kreuzes t und die unbefleckte Empftng- /«?
* ^ niss der glorwürdigsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria und /g
der Segen aller HeUigen und der heil. Erzengelein ein SchuU / i^
und Verdienst und Gebeth aller AuserwSblten Gottes f / V
die stehen vor mich und alles, was unser ist, we-? /^
gen aller Widerwärtigkeiten und UnglQcks des j^
Feuers, jetzt und in Ewigkeit >^^
Amen. .^y^'^
3
•V fiJjgff tMtun V969S ^^
Mein Gott und zukünftiger Richter Jesus Christus f,
erhöre diesen christlichen Feuersegen um deines hitteren Lei"
dens und Sterhens willen.
Dann nimm 3 händevoll Erde, Roth oder Schnee und wirf
es ins Feuer rückwärts im Namen f f f. Amen«
11*
164
Hernach freh weg an einen einsamen Ott, dort kniee nieder
und bethe zu Ehren der heiligen 5 WuiHien Jesu Christi 5 Vater un-
ser , Ave Marie und einen Glauben. Nun ist m^n fertig, alles «ih-
rige lässt man dem allmächtigen Gott und der Hilfe guter Mensehen
über, oder man kann auch im Nothfalle noch milbclfen.
Jesus i Naiareiius f Rex f Judaeoriim. f
Jesus, Maria und Jescf und der heilige Florian, der ist al-
lem Feuer ein Patron.
Das fst der gerechte und approbirte Feuersegen, welcher
durch den Zigeunerkönig aus Egypten zu Jerusalem auf dem hei-
ligen Grab ist erfunden worden im Jahre 1315 nach der gnaden-
reichen Geburt unscrs Herrn , Heilands , Erlösers und Seligmachers
Jesu Christi. Er ist ausgewählt gut und nützlieh in einem Haus
und Hof zu behalten wegen allem Unglück des Feuers, auch zu
allen Brünsten gut, und dienlich zu gebrauchen den harten Kindes-
müttern , um sie von ihrer harten Leibs ^ Geburt zu entledigen.
Behaltet diesen Brief immer in eurem Haus und Hof. Las-
set ihn niemals über Nacht aus eurem Hause. Bethet alle Frei-
tag zu Ehren des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi 5
Vater unser, 5 Ave Maria und 1 Glauben, so könnt ihr euch
mit Gewissheit auf die Kraft dieses Briefes und seiner darin ge-
schriebenen Worte verlassen.
Gelobt sei Jesus Christus in Ewigkeit, Amen.
U. J, 0. 0. D.
m
Feuersegen b.
Ein gewisser Feuersegen, so allzeit hilft. Ba» woiite (waUti)
da9 bittere Leiden und Sterben uneers lieben Herrn Jesu
Christ : Feuer und Wind und heisse Oiuth , was du in dei^^
ner elementischen Gewalt hast y ich gebielhe dir bei den Leh^
ren Jesu Christi y welche er gesprochen hat iUter den Wind
und das Meer , die ihm aufs Wort gehorsam gewesen , durch
diese gewaltige Wort, wie Jesus gesprochen hat, thue ich
dir j Feuer , befehlen , drohen und ankündigen y dass du
gleich flugs dich sollest legen mit deiner elementischen Oe^
wait y du Flamm und Oluth , das wolle QwalleJ das heilige
rosen färbe Blut unsere lieben Herrn Jesu Christi/ Du Feuer
und Kind (^WindJ und heisse Glulhy ich gebielhe dir y wie
Gott geholhen hat dem Feuer durch seine h, Engel , der
feuerigen Glulh in dem Feuerofen , als die 3 heil. Männer
Sadrah und seine Mitgesellen y Mesach und Abed 'S ego durch
Gottes Befehl dem h, Engel befohlen (f), dass sie sollen un^
uerzehret hleiben , wie es auch geschehen. Als Qalso') sollest
gleicherweis du , Feuer flamm und heisse Gluth , dich legen,
da der allmächtige Gott gesprochen , als er die 4 Elemente
sammt Himmel and Erde erschaffen hat: Fiat y fiaty fiaty das
ist , es werde im Samen Gottes des Vaters etc, Amen.